Kategorie: Gunnar Wolters

Tim Parks | Der ehrgeizige Mr. Duckworth

Tim Parks | Der ehrgeizige Mr. Duckworth

Was Morris noch mehr faszinierte, war die Tatsache, dass er keinerlei tiefgreifende Veränderung an sich bemerkte. Sorgfältig hatte er sein Gewissen erforscht und nach einem Trauma gesucht. Aber das Ereignis hatte nichts hinterlassen. Keine geistige Lähmung oder Behinderung, ja nicht mal einen nachhaltigen Schrecken. Es funktionierte alles ganz ausgezeichnet. […]
Er hatte schließlich nicht töten wollen. Es hatte keinerlei Vorsatz gegeben, die Tat war völlig spontan gewesen. Dieser widerliche, geile Idiot hatte es gar nicht anders verdient, er hatte ihn ja förmlich dazu gezwungen, und Morris wollte verflucht sein, wenn er sich deswegen das Herz schwer machte. (Auszug Seite 179)

Morris Duckworth schlägt sich mehr schlecht als recht als Englischlehrer in Verona durch. Eigentlich unter seiner Würde, denn er ist auf jeden Fall zu Höherem geboren. Er will in der Gesellschaft höher kommen und am vielversprechendsten erscheint ihm seine Liaison zu seiner noch nicht ganz volljährigen Schülerin Massimina Trevisan. Doch deren Familie missbilligt die Verbindung. Als Massimina von zu Hause wegläuft, kommt Morris die Idee: Er entführt Massimina ohne ihr Wissen und erpresst Lösegeld. Eine aufregende Reise durch Italien beginnt.

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Merle Kröger | Havarie

Merle Kröger | Havarie

„Vorsicht, Küstenwache!“
Karim reißt das Ruder herum. Schüsse peitschen über das Meer. „Keine Angst! Das sind nur Warnschüsse!“, ruft er seinen Leuten zu.
Der Cousin am Bug verschwindet im Dunkel.
Panik.
„Bruder! Wo bist du!“ […]
„Wir müssen hier weg!“
„Nein!“ Verzweiflung. Hallt durch die Nacht.
Motorengeräusche. Lichtfinger. Sie sind ganz nah.
„Da vorne!“ Abdelmjids Gesicht, direkt neben seinem eigenen. Karim lehnt sich nach links. Sieht an Abdelmjid vorbei. Eine Wand. Ihre Rettung liegt hinter dieser Wand aus Nebel. Er hält blindlings darauf zu.
Und schon tauchen Sie ein. Das Heulen des Windes stirbt einen schnellen Tod. Die Nebelgrenze wird zu einem dreidimensionalen Feld aus weißlichem Licht. Es dehnt sich aus, sehnt sich nach Unendlichkeit, leckt an den Konturen ihres kleinen Bootes.
Karim stoppt den Motor.
Keiner sagt ein Wort.
Alle denken dasselbe: Wenn er Glück hat, ziehen sie ihn rechtzeitig aus dem Wasser.
Wenn nicht … (Auszug Seite 12)

Das Mittelmeer zwischen Algerien und Spanien: Ein winziges Schlauchboot mit Flüchtlingen ist auf dem Weg, in die Festung Europa einzudringen. Aufgrund von Treibstoffmangel wird es manövrierunfähig. In der Nähe: Das irisches Containerschiff „Siobhan“ und das Kreuzfahrtschiff „Spirit Of Europe“. Während das Kreuzfahrtschiff dem Seerecht entsprechend auf den spanischen Seenotkreuzer „Salvamar Rosa“ wartet, geschehen auf der „Spirit Of Europe“ weitere Dinge: Der philippinische Sänger einer Bordband verschwindet spurlos, in der Wäscherei geschieht ein Unfall und der Chef der Security versucht, daraus Kapital zu schlagen.

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Edney Silvestre | Der letzte Tag der Unschuld

Edney Silvestre | Der letzte Tag der Unschuld

„Warum reden Sie nie wie alle anderen?“
„Hm?“
„Warum antworten Sie nicht auf Fragen wie andere Leute?“
„Und wie antworten die?“
„Warum sagen Sie nicht einfach ja oder nein wie alle anderen?“
„Nicht jede Frage kann mit ja oder nein beantwortet werden, Paolo.“
„Immer wenn ich was zu Ihnen sage, machen Sie, dass ich an was anderes denke, das weiter vorne liegt.“
„Das ist gut.“
„Wieso ist das gut? Mein Kopf steckt dann bloß voller Fragen.“
„Das ist besser, als wenn er voller Antworten steckt. Gute Nacht, Paolo.“
„Gute Nacht“, entgegnete er und sah dem weißhaarigen Mann nach, wie er mit langsamen Schritten davonging. (Auszug Seite 239)

Brasilien im April 1961: Die beiden zwölfjährigen Jungen Paolo und Eduardo entdecken an einem Badesee die verstümmelte Leiche einer jungen Frau. Die Tat scheint schnell geklärt: Die Polizei verhaftet den älteren Ehemann, den Zahnarzt der Stadt. Dieser gesteht die Tat dann auch. Doch den beiden Jungen geht das zu schnell. Sie zweifeln das Geständnis an und verschaffen sich Zugang zur Wohnung des Zahnarztes, um dort auf Spurensuche zu gehen. Dort sind sie überraschend nicht allein. Der alte Ubiratan hegt ebenfalls Zweifel an der angeblichen Täterschaft. Widerwillig lässt er sich von den Jungen überreden, gemeinsam in dem Fall zu ermitteln.

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James Lee Burke | Sturm über New Orleans Bd. 16

James Lee Burke | Sturm über New Orleans Bd. 16

„Vielleicht hatte ich zu viele Erinnerungen daran, wie die Stadt früher mal war. Vielleicht hätte ich nicht zurückkehren sollen. Vielleicht erwartete ich, saubere Straßen zu sehen, das Stromnetz intakt, Zimmermannstrupps, die kaputte Häuser reparierten. Aber die Trauer, die ich empfand, als ich die St. Charles Avenue entlangfuhr, war schlimmer als alles, was ich unmittelbar nach dem Sturm durchgemacht hatte. New Orleans war ein Song gewesen, keine Stadt. […] Die Aufgabe, die hier bevorstand, war von herkulischer Größe, und das Ganze wurde noch durch ein Ausmaß an organisiertem Diebstahl, Inkompetenz und Zynismus von Seiten der Regierung verschlimmert, das außerhalb der Dritten Welt nirgends seinesgleichen hatte. Ich war mir nicht sicher, ob New Orleans eine Zukunft hatte.“ (Auszug Seite 300-302)

Hurrikan Katrina trifft den Süden Louisianas und insbesondere New Orleans mit großer Wucht und Härte. In der Stadt bricht Chaos und Anarchie aus, die Behörden sind nicht in der Lage, die Kontrolle zu behalten oder wiederzugewinnen. Gewalt, Plünderungen, Mord, wiederaufflammender Rassismus.

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Hinter den Zeilen: Gunnar

Hinter den Zeilen: Gunnar

Früher. Meine Leseanfänge habe ich mit Comics und Tier-Sachbüchern bestritten. Der Weg in das Spannungsgenre ging über die obligatorischen Hörspielabenteuer Fünf Freunde und TKKG. Meine Lieblingsjugendbuchserie war übrigens Die Acht vom großen Fluß (kennt das noch jemand?). Schnell habe ich in der Jugend dann auch meine Begeisterung für Sherlock Holmes entdeckt – und somit war das Genre klar!

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