Kategorie: Gunnar Wolters

Zygmunt Miloszewski | Warschauer Verstrickungen

Zygmunt Miloszewski | Warschauer Verstrickungen

Er schaute ihm in die Augen und hielt dem Blick stand. Der Staatsanwalt hatte ein junges Gesicht, aber von einer jugendlichen Attraktivität konnte man nicht sprechen, eher von einer zurückhaltend männlichen. Der Sanftheit seiner Gesichtszüge widersprachen die leicht gerunzelten Brauen und die unangenehm kühlen grauen Augen. Das war nicht das Gesicht eines Mannes, der oft lacht. In wenigen Wochen wurden er sechsunddreißig, aber viele hätten ihn für jünger gehalten, wären da nicht die dichten weißen Haare gewesen. Der Kontrast mit den schwarzen Augenbrauen verlieh ihm etwas Strenges, leicht Beunruhigendes. Er war perfekt monochrom, nur schwarz, grau und weiß. Keine Farbe verdarb die Komposition. Schließlich wandte der Staatsanwalt seinen Blick langsam ab, ohne auch nur einmal mit der Wimper gezuckt zu haben. Dieser Beamte, dachte er, macht keine Kompromisse. (Auszug Seite 258-259)

Staatsanwalt Teodor Szacki wird an seinem freien Sonntag zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen: In den Räumlichkeiten eines ehemaligen Klostergebäudes liegt ein Teilnehmer einer Therapiegruppe ermordet, mit einem Grillspieß, der durchs Auge ins Gehirn gestoßen wurde. Höchstverdächtig sind die drei weiteren Teilnehmer und der Therapeut. Die Gruppe hat an einer durchaus umstrittenen Therapieform teilgenommen, der sogenannten Familienaufstellung. Teodor Szacki hat alle Hände voll zu tun, die Konstellationen zu entwirren und gerät letztlich auch an einen alten Mordfall aus dem Jahr 1987.

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Liza Cody | Lady Bag

Liza Cody | Lady Bag

Wenn du es keine Sekunde länger aushalten kannst, gehst du, und damit machst du dich „freiwillig obdachlos“. Und wisst ihr was? Es ist eine Erlösung. Du bist ganz unten angekommen. Es gibt kein weiteres Fallen. Du kannst endlich aufhören, krampfhaft um den Wiedereintritt in die Gesellschaft zu kämpfen, und dich ganz aufs Überleben konzentrieren. […] Hoffnung ist die große Blenderin. Sie flüstert dir ins Ohr und hält dich in der Tretmühle. […] Es ist der Kampf ums Normalsein, der dich wahnsinnig macht. Hör auf zu kämpfen, sage ich, hör auf zu hoffen und lerne überleben. Gib die Hoffnung auf und lege dir einen Hund zu. Das ist die einzige Selbsthilfelektion, die ich euch geben kann. (Auszug Seite 13 und 14)

Eine namenlose Obdachlose mitten in London: Sie bettelt und schnorrt sich durchs Leben. Durch einen Zufall trifft sie auf den Mann, der ihren tiefen Fall ausgelöst hat. Gram Attwood, für sie nur „der Teufel“, hat sich offenbar ein neues Opfer gesucht. Er spaziert mit einer gutsituierten Frau am Arm vorbei. Die „Baglady“ nimmt die Verfolgung auf, mit der Absicht, die Frau vor dem „Teufel“ zu warnen. Dies misslingt und die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten.

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Halbzeit 1.15 – Favoriten der Jungs

Halbzeit 1.15 – Favoriten der Jungs

Gunnars und Kurts Favoriten des 1. Halbjahres 2015

 

Ein Lesehalbjahr ist um und ich stelle fest, dass ich mit meiner Buchauswahl sehr zufrieden sein kann. Ich habe kaum schwache Bücher gelesen und an einen Totalausfall kann ich mich gar nicht erinnern. Andere Genres sind bei mir in diesem Halbjahr etwas kurz gekommen, da möchte ich vielleicht wieder mehr lesen (Ein Highlight war die erneute Lektüre von Huxleys „Schöne neue Welt“). Aber wir stellen hier ja schließlich Krimis vor und da gab es mehrere, die mir besonders gut gefallen haben. Eine ganz enge Auswahl zu treffen, war gar nicht so einfach. Ich habe mich schließlich für zwei Bücher entschieden:

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Tom Hillenbrand | Drohnenland

Tom Hillenbrand | Drohnenland

Unserem Mann werden keine größeren Straftaten zur Last gelegt, nur ein paar Ordnungswidrigkeiten und eine Beamtenbeleidigung. Allerdings hat Terry aufgrund der Datenkorona des Verdächtigen berechnet, dass dieser mit einer Wahrscheinlichkeit von über 75 Prozent weitere Delikte begangen hat, die niemandem aufgefallen sind. Noch ungünstiger ist Winterfuhrs prädiktives polizeiliches Führungszeugnis. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent wird er in den kommenden zehn Jahren eine schwere Straftat begehen oder an deren Vorbereitung beteiligt sein. Mit einer 85-prozentigen Wahrscheinlichkeit wird es sich dabei um ein politisch motiviertes Verbrechen handeln, kein Wunder bei seinem sozialen Umfeld. Winterfuhr ist einer dieser Systemfeinde, die überhaupt keine Ahnung haben, wie gut es ihnen in der Union geht. In totalitären Staaten wie Kanton oder Russland wäre er mit einer derart ungünstigen Prognose bereits in dauerhaftem Sicherheitsgewahrsam. Wir hingegen observieren ihn nur ein bisschen eingehender. (Auszug Seite 147)

In einem Europa in der Zukunft: Hauptkommissar Aart van der Westerhuizen von Europol begibt sich nur noch höchst selten an einen Tatort. Stattdessen wird alles von Drohnen digitalisiert, so dass er sich aus dem Büro heraus an den Ort des Geschehens spiegeln lassen kann. Doch diesmal muss er sich höchstpersönlich in den flandrischen Dauerregen begeben, denn auf einem Feld 30 km westlich von Brüssel liegt ein prominenter Toter. Vittorio Pazzi, MdEP, offensichtlich erschossen. Kurz vor einer wichtigen Abstimmung über eine neue EU-Verfassung ein unangenehmer Fall. Aber dank Totalüberwachung und eines nahezu allwissenden Fahndungsrechners ist relativ rasch ein Verdächtiger ermittelt. Doch Westerhuizen ahnt, dass da etwas zu glatt geht und gerät in eine politische Verschwörung.

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Patricia Highsmith | Der talentierte Mr. Ripley

Patricia Highsmith | Der talentierte Mr. Ripley

Hinter Sizilien lag Griechenland. Er wollte unbedingt nach Griechenland. Er wollte Griechenland als Dickie Greenleaf erleben., mit Dickies Geld, Dickies Kleidung, Dickies Auftreten Fremden gegenüber. Aber war es denkbar, dass er Griechenland nicht als Dickie Greenleaf erleben würde? Würde eine Sache nach der anderen geschehen und ihn daran hindern – Mord, Verdächtigungen, Leute? Er hatte nicht mit Vorbedacht gemordet; es war eine Notwendigkeit gewesen. Die Vorstellung, als Tom Ripley, amerikanischer Tourist, nach Griechenland zu reisen und über die Akropolis zu trotten, hatte keinerlei Reiz. Lieber fuhr er erst gar nicht hin. Tränen traten ihm in die Augen, als er am Glockenturm der Kathedrale hochschaute; dann wandte er sich ab und ging eine unbekannte Straße entlang. (Auszug Seite 249 bis 250)

Der mittellose und nicht gerade erfolgreiche Scheckbetrüger Tom Ripley wird in einer New Yorker Bar unvermittelt von Mr. Greenleaf angesprochen, dem Vater eines Bekannten. Greenleafs Sohn Dickie lebt sehr zum Verdruss seiner Eltern ein unbeschwertes Leben in Italien. Mr. Greenleaf hofft, dass Tom ihn zur Rückkehr nach Hause überreden kann. Tom übertreibt seinen möglichen Einfluss auf Dickie und lässt sich zu einer Reise nach Europa überreden. Dort angekommen hat er Mühe, Dickies Vertrauen zu gewinnen, doch schließlich werden beide dicke Kumpels und hauen Daddy Greenleafs Geld auf den Kopf. Doch als die Stimmung plötzlich kippt, droht Tom sein nun sorgenloses Leben zu verlieren und er trifft eine Entscheidung: Dickie muss sterben.

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