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Wolf Haas | Müll (Band 9)

Wolf Haas | Müll (Band 9)

Wolf Haas schloss sein Germanistik- und Linguistik-Studium mit einer Dissertation zum Thema „Die sprachtheoretischen Grundlagen der Konkreten Poesie“ erfolgreich ab und arbeitete danach zwei Jahre lang als Universitätslektor in Swansea, Wales. Während seiner
anschließenden Tätigkeit als Werbetexter zeichnete er für in den Alltagssprachgebrauch aufgenommenen Radiospots verantwortlich. Seit Mitte der 1990er-Jahre lebt und arbeitet Wolf Haas als freier Schriftsteller in Wien. Müll ist sein neunter Kriminalroman um den
Privatdetektiv Simon Brenner.

Simon Brenner ist in Wien gelandet, auf dem Misthof. Der ehemalige Polizist hatte mit 44 nach 19 Jahren bei der Kripo hingeschmissen und sich in der Folge als Privatdetektiv durchgeschlagen, als Sanitäter Rettungswagen gefahren und als Privatchauffeur Nobelkarossen, jetzt also Mistler, Magistratsabteilung 48, Abfallwirtschaft.

Eines hat den Brenner auf allen seine Stationen begleitet: Leichen. Wie und wo auch immer er sich gerade durchgewurschtelt hat, das Verbrechen hat ihn überall eingeholt, wohl oder übel musste er weiterhin Kriminalfälle lösen. Und jetzt finden seine neuen Kollegen ein menschliches Knie in Wanne 4. Und dann nach und nach die übrigen Körperteile, verteilt auf die unterschiedlichsten Müll-Container. Bis die Polizei anrückt, haben sie einen fast vollständigen Leichnam gesammelt – nur das Herz fehlt. Die Polizei, das sind Savic und Kopf.
Brenner staunt nicht schlecht: Der Kopf, der immer aus dem Bauch heraus entscheidet (ja, Haas ist sich auch für platte Scherze nicht zu schade) steht leibhaftig vor ihm. Und ist peinlich berührt: Der Brenner war vor vielen Jahren sein Ausbilder. Und der wühlt jetzt im Abfall? Was für ein Abstieg! Ach was, das sieht der Brenner ganz anders, jedenfalls behauptet er es: Nachhaltigkeit ist wichtig, Recyclen, Upcyclen, Wiederverwerten. Als Arbeiter auf dem Wertsstoffhof ist man heutzutage gut angesehen. Trotzdem erscheint Brenner wie ein Ausgestoßener, nach dem Ende seiner Beamtenlaufbahn hatte er auch seine Dienstwohnung verloren, er ist also ohne festen Wohnsitz, entwurzelt. Wohin auch immer das Schicksal ihn verschlägt, er ist und bleibt überall ein Fremder. Nachdem ihn auch noch seine letzte Freundin hinausgeworfen hat, treibt er sich gerade als „Bettgeher“ herum, heißt, er nistet sich in Wohnungen ein, deren Eigentümer zeitweise abwesend sind, im Urlaub, zur Kur, auf Geschäftsreise. Bis er sich still und leise wieder davonschleichen muss. Diesmal geht nicht alles glatt, eine Wohnungsinhaberin, die sich im Urlaub von ihrem Mann trennt, kommt zu früh nach Haus und fesselt den im Schlaf überraschten Brenner ans Bett. Der kann fliehen, begegnet aber seiner ungewollten neuen Bekannten in der Folge immer wieder unter dubiosen Umständen, weil die ihm augenscheinlich nachstellt.

Die Mistler hingegen erstarren fast vor Ehrfurcht vor ihrem neuen Kollegen angesichts seiner ruhmreichen Vergangenheit. Und noch mehr, als der Ex-Kriminaler sogleich mit einer überzeigenden Fallanalyse aufwartet: Klar, Beziehungstat. Die enttäuschte Ehefrau zerstückelt ihren untreuen Gatten, der sie gerade für die Geliebte verlassen will und entsorgt dessen Einzelteile in seinen eigenen Umzugskisten. Und es sieht so aus, als läge der Brenner tatsächlich richtig mit seiner Spekulation: Schnell ist der Tote identifiziert, seine Gattin, wohl todkrank, ist spurlos verschwunden, seine Tochter ist aber offenbar mehrfach mit dem Fahrer eines Transportunternehmens auf dem Mistplatz gewesen um diverse Kartons abzuladen! Sie lenkt den Verdacht in eine ganz andere Richtung: Ihr Vater war überzeugt davon, dass eine kriminelle
Vereinigung grenzüberschreitend Organhandel betreibt. In Östereich muss man nämlich einer Organentnahme ausdrücklich widersprechen, während in Deutschland hierfür eine Zustimmung zwingend vorgeschrieben ist. Mit einer Spenderniere oder -Leber kann man da einiges verdienen. Und das Herz ihres Vaters hat man schließlich nicht gefunden. Das taucht aber bald auf, nämlich in der Tiefkühltruhe seiner Geliebten, wo es mit einem Beipackzettel deponiert wurde: „Da hast du es“ heißt es darauf, „sein Herz gehört dir“, geschrieben von der verschwundenen Ehefrau.

Ja, es geht schon blutrünstig oder abgründig zu in den Brenner-Krimis, die häufig auch diese düstere Ebene haben, die grotesk und gruselig, schaurig und schräg daherkommt, dabei aber meist nicht vordergründig ist und immer humorvoll inszeniert wird, so dass man bei aller Tragik lachen kann über die Horrorszenen und Gewaltexzesse, die ja auch nie realistisch dargestellt werden, sondern mit einer gewissen satirischen Distanz.

Das Thema Organhandel wird noch eine verhängnisvolle Rolle spielen, und Brenners Theorie des Ehedramas bleibt nicht die einzige oder ganze Wahrheit, denn eine lang zurückliegende Familientragödie erweist sich als Auslöser für weitere Verbrechen. Eine traurige Geschichte zeigt lauter unglückliche Figuren, die sich an großen Gefühlen wie Schuld und Sühne, Rache und Vergebung abarbeiten, und dennoch entwickelt Haas aus dieser Vorlage einen Plot, der bei aller spaßigen, lässigen Attitüde absolut solide, auch spannende und durchaus
seriöse Krimikost bietet, die schließlich in einer ebenso spektakulären wie absurden und wahrlich nicht alltäglichen Verfolgungsjagd endet.
Damit ist die Geschichte von „Müll“ grob umrissen, eine Geschichte, die einerseits alltägliches skizziert, andererseits aber Menschen zeigt, deren banales, normales Leben durch Schicksal, durch unglückliche Fügung oder auch puren Zufall aus den Fugen gerät und ihre Bemühungen zunichte macht, eine geglückte Biografie zu verwirklichen während stattdessen ihre Träume und Sehnsüchte, ihre Hoffnungen und Pläne durchkreuzt werden.

Brenner ist zwar kein ganz durchschnittlicher Zeitgenosse, dafür mit ganz normalen Schwächen, mit Erwartungen, Wünschen und Ängsten. Brenner ist langsam, umständlich, er spricht wenig, er ist etwas eigentümlich. Er verkörpert eigentlich alles das, was die standardisierten Krimi-Helden nicht sind. Die sind zumeist hart, überlegen, systematische, kühle Denker, die überlegt handeln. Als investigative Wahrheitssucher triumphieren sie über das Irrationale, über das Verbrechen. Überraschenderweise löst Brenner aber mit seiner „Methode“, die eben keine ist, seine Fälle, womit niemand rechnet. Er ist ein im wahrsten Sinne des Wortes unkonventioneller Ermittler, aber sicher kein investigatives Naturtalent, eher ein Antiheld: Stets unausgeschlafen, ein wenig verwahrlost, absolut wortkarg, unnahbar, gallig und gnatzig, kurz – ausgebrannt. Brenner hat keine Methode. Er ist zu langsam, zu umständlich, kann sich kaum auf Wesentliches konzentrieren, achtet dafür ständig auf Nebensächlichkeiten. Genau das ist aber seine Herangehensweise. Zudem denkt und spricht Brenner auf eine wahrhaftige, vertrauenswürdige Art. mit eigenwilligem, unangepassten Tonfall und einer speziellen Sprachmelodie und einem von der Norm
abweichenden Satzbau.

Aber nicht was geschrieben wird ist entscheidend, weder die kriminalistischen Deteils noch die Handlung überhaupt, sondern allein wie es formuliert wird. Nicht das Geschriebene ist das Faszinierende sondern, das Gesprochene, das Geredete, kurz, das Erzählte. Die sprachliche Gestaltung macht die Individualität und Originalität der Brenner-Krimis aus, und die wird bestimmt von der unverwechselbaren Stimme des auktorialen, des allwissenden Ich-Erzählers. Ihre auffallendste Eigenschaft ist die Nähe zur gesprochenen Sprache einer Region, in der Dialekt zum Alltag gehört. Es wird aber überall ganz anders geredet als geschrieben. Der alltägliche Sprachgebrauch führt zu einer stärkeren
Unbekümmertheit und zur Bildung einer familiären und vertrauten Atmosphäre, welche die Distanz zwischen dem Erzähler und den in der Geschichte verwickelten Figuren sowie dem Leser verringert. Man erhält sofort den Eindruck, einem Gespräch zu lauschen. Dadurch wird er den LeserInnen auch eigentümlich vertraut, fast so, als würden sie ihn schon immer kennen. Es ergibt sich eine eigene Struktur, ein eigener Rhythmus mit Verknappung, Dehnung, Verzögerung und Beschleunigung. Der Eindruck des Alltäglichen wird verstärkt durch unvollständige Sätze, Auslassungen, Vereinfachung und Wiederholung. Auch die durchgängige Verwendung von umgangssprachlichen Elementen trägt dazu bei, ein artifizielles Alltagsidiom zu erzeugen, das auch gerne mit Gemeinplätzen arbeitet, mit Binsen und Floskeln, mit Klischees, Klatsch und Tratsch.

Dabei redet der allgegenwärtige Erzähler ohne Punkt und Komma, redet sich von der Seele, was ihn bewegt oder belastet und erzählt lakonisch, was gerade wieder Fürchterliches geschehen ist. Dabei offenbart er einen absurden, oft boshaften aber irgendwie doch liebenswerten Humor. Häufig greift er in die Geschichte ein und drängt dem Leser seine Sicht der Dinge auf. Der soll unmittelbar in die Handlung einbezogen werden und in eine Art Gespräch unter Bekannten eingebunden, als handele es sich nicht um einen retrospektiven
Bericht, mit zeitlichem Abstand zum erzählten Geschehen, sondern eine Unterhaltung im selben Augenblick. Typisch sind die direkte Ansprache per „Du“ des fiktiven Gegenübers, ferner Abschweifungen, Klarstellungen sowie auch Rückschau und Vorschau auf das Geschehen. Tatsächlich bestehen die Brenner-Krimis fast nur aus Erläuterungen des Erzählers und werden erst durch ihn initiiert und inszeniert. Dabei wird der Titelheld nicht selten sogar in den Hintergrund gedrängt. Ungeachtet dieser Dominanz kann der Erzähler aber nur
mit dem Brenner gemeinsam bestehen – und umgekehrt baucht der die enge Verbindung zu jenem.

Die Brenner-Romane spalten vermutlich die Leserschaft in eine Gruppe, die dem speziellen Stil von Wolf Haas gar nichts abgewinnen kann und eine treue Fangemeinde, die seinen unverwechselbaren Tonfall feiert. Meine eigene ursprüngliche Begeisterung hat sich im Laufe der Zeit etwas gelegt. Empfand ich bei den ersten Romanen den Ansatz noch als neu, als kreativ, originell und mutig, so stellen sich mittlerweile einige Abnutzungserscheinungen ein, die Wiederkehr längst bekannter Versatzstücke, die Vorhersehbarkeit der einst unerwarteten Wendungen und überraschenden Handlungssprünge lassen den früher so verblüffenden wie vergnüglichen Effekt weitgehend verpuffen. Der erste Brenner-Roman war noch ziemlich aufregend und einigermaßen irritierend, aber von Buch zu Buch sorgte eine gewisse Gewöhnung dafür, dass sich die anfängliche Aufgeregtheit mehr und mehr beruhigt hat. Andererseits sorgt der Wiedererkennungswert, wie bei allen Serien, für eine wohlige Empfindung, das Gefühl, gute alte Bekannte zu treffen, mit denen man viele besondere Erinnerungen teilt.

Trotzdem: Die Brenner-Romane sind nach wie vor außergewöhnlich, auf besondere Weise unverwechselbar und besitzen deshalb immer noch ihren charakteristischen Charme und Witz. Und Haas findet stets relevante Themen, Stoffe, die auf der Tagesordnung stehen und Diskussionsstoff bieten. Gerade gibt es in Deutschland eine neue Kontroverse, in der sich die unterschiedlichen politische Lager über einen neuen Anlauf des Gesundheitsministers streiten, die Widerspruchslösung auch bei uns einzuführen. Und er versteht es, daraus einen Plot zu konstruieren, der zu fesseln vermag und gleichzeitig zu unterhalten. Dabei sind die Geschichten nicht nur gut konstruiert, im besten Sinne interessant und informativ sondern gleichzeitig auch im höchsten Maße unwahrscheinlich, überzogen und übertrieben und deshalb so geistreich wie humorvoll. Also: Wenn irgendwann ein neuer Brenner erscheint, werde ich nicht unbedingt aufs höchste gespannt, aber jedenfalls neugierig sein und bestimmt auch mit dem nächsten Haas-Krimi meinen Spaß haben.

 

Foto & Rezension von Kurt Schäfer.

Müll | Erschienen am 22.03.2022 im Hoffmann und Campe Verlag
ISBN 978-3-455-01430-3
288 Seiten | 24,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Gunnars Rezension zu Band 1 der Brenner-Reihe „Auferstehung der Toten“

Hoeps & Toes | Der Tallinn-Twist

Hoeps & Toes | Der Tallinn-Twist

Die niederländische Anwältin Marie Vos arbeitet seit etwa einem Jahr erfolgreich bei der Anti-Betrugseinheit der Europäischen Union, als sie von der Security-Abteilung, sozusagen der Geheimdienst der EU, rekrutiert wird und direkt in eine konkrete Operation eingebunden wird. Der Deutsche Dennis Bahr ist ein EU-Beschäftigter in einer Taskforce zur Rekommunalisierung der Wasserwirtschaft. Er steht unter Verdacht der Spionage für die Gegenseite. Bahr soll bei einer Joggingrunde festgenommen werden. Doch die Operation geht schief, Bahr entkommt und wird doch wenig später tot aufgefundet. Die Todesursache ist unklar, allerdings ist die Temperatur der Leiche etwas sehr kühl für das frische, aber keineswegs sibirische Wetter in Brüssel. Das Leck innerhalb der Taskforce ist also immer noch offen, sodass Vos als neue Assistentin der Leiterin Guiliani in die Taskforce eingeschleust wird.

Die „Taskforce für eine Neuordnung der europäischen Wasserversorgung“ ist eine Einrichtung, die als Reaktion auf zahlreiche Probleme mit der Privatisierung weiter Teile der Wasserversorgung und auf den Protest zahlreicher EU-Bürger*innen gegründet wurde. Der letzte öffentlichkeitswirksame Protest in Brüssel endete tragischerweise mit zwei Todesopfern. Die Taskforce mit vier Mitgliedern aus verschiedenen Generaldirektionen der EU soll nun in Tallinn in Estland einen Mustervertrag zur Rekommunalisierung der örtlichen Wasserwerke zum Abschluss bringen. Doch das ist mit erheblichen Widerständen verbunden. Auch innerhalb der EU-Organisation stehen nicht alle hinter dem Vorhaben. Gravierender ist aber die Gegenwehr der privaten Wasserunternehmen. Wie weit sind diese bereit zu gehen und inwiefern spielen staatliche und geheimdienstliche Akteure (auch außerhalb der EU) eine Rolle? In Estland erwartet die Taskforce ein rauher Wind. Die erstarkten Rechtspopulisten haben nicht vor, sich von der EU bevormunden zu lassen. Erschüchterung, Falschmeldungen und blanke Gewalt bedrohen die Verhandlungen. Marie Vos wird in ihrer neue Rolle direkt stark gefordert. Doch bei allem Druck von außen, bleibt die Frage, wer innerhalb der Taskforce ein falsches Spiel treibt.

„Das ist eine schamlose Erpressung! Darauf gehen Sie doch nicht ein, oder?“, zischte er. „Autoritäre Regierungen, pfff! Diese Subventionsjäger drohen mit der Pest und bringen uns die Cholera.“ (Auszug S.240)

Hoeps und Toes sind ein seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitendes deutsch-niederländisches Autoren-Duo. Zuletzt hatten sich mit „Die Cannabis-Connection“ einen clever konstruierten Thriller um einen deutschen Staatssekretär verfasst, der in Folge seiner Gesetzesentwürfe zur Cannabis-Legalisierung bedroht wird. Beide schreiben abwechselnd ihre Kapitel, wobei Thomas Hoeps seine auf Deutsch verfasst und die Kapitel seines niederländischen Kollegen Jac. Toes ins Deutsche übersetzt.

Mit dem vorliegenden Roman haben sie wiederum ein sehr spannendes und sehr aktuelles Thema in ihrem Thriller aufgegriffen. Das Problem der Wasserversorgung durch private Konzerne ist inzwischen an einigen Stellen schon negativ aufgefallen. Es geht vor allem um Versorgungssicherheit, um soziale Fragen und staatliche Einflussmöglichkeit auf ein Grundgut der Daseinsvorsorge. Im Plot des Romans kommen zwei weitere brandaktuelle Aspekte hinzu: Zum einen die Erfolge rechtspopulistischer Regierungen vor allem in Osteuropa, die die Grenzen der EU bewusst ausloten, sich europäische Einflussnahme verbitten oder sich durch EU-Subventionen teuer bezahlen lassen. Zum anderen der Einfluss fremder Kräfte auf die EU, gerade Estland fürchtet den Nachbarn Russland, zumal es ein große russische Minderheit in Estland gibt. In der Logik Putins böte sich im Falle einer erfolgreichen „Spezialoperation“ in der Ukraine eine weitere in Estland gerade zu. Dies zu verhindern, liegt militärisch bei der NATO, aber im zivilen Bereich bei der EU.

Der besondere Reiz dieses Thriller liegt aus meiner Sicht darin, dass die Autoren einen interessanten Einblick in die Arbeit der EU-Behörden geben, in der sich zahlreiche Behörden zum Teil selbst behindern und angesichts divergierender Interessen sehr problematische Kompromisse geschlossen werden. Im Roman wird dies auch durch die sehr unterschiedlichen Mitglieder der Taskforce umgesetzt, in der von Zynikern über Pragmatiker bis zu Idealisten alle versammelt sind. Das ist im genre ziemlich neu, Spiegel-Rezensent Marcus Müntefering meinte gar, dass Hoeps und Toes „den wohl ersten relevanten EU-Thriller geschrieben [haben]“.

Insgesamt überzeugt „Der Tallinn-Twist“ auf vielerlei Ebenen. Auch bei der Hauptfigur Marie Vos, der man den Neulingsstatus im Parkett der Spionage noch ein einigen Stellen anmerkt, die aber gerade dadurch ein realistisches Profil entwickelt. Durch die ganze EU-Bürokratie merkt der Leser manchmal gar nicht, dass er sich in einem waschechten Spionagethriller befindet, in dem auch auf einige actionreifere Elemente nicht verzichtet werden muss, ebenso auch auf einen Schuss Humor. Somit bleibt am Ende das Fazit: Ein höchst aktueller, gut rechercherter und sehr ordentlich geplotteter Thriller. Klare Leseempfehlung.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Der Tallinn-Twist | Erschienen am 14.02.2022 im Unionsverlag
ISBN 978-3-293-00575-4
320 Seiten | 18,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension von Marcus Müntefering zu dem Roman auf Spiegel Online.

Joe R. Lansdale | Ein feiner dunkler Riss

Joe R. Lansdale | Ein feiner dunkler Riss

In mir wuchs die Befürchtung, dass es – was auch immer es war – mich packen und mit sich ziehen würde, auf die andere Seite dieses feinen, dunklen Risses: der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. (Auszug Seite 94)

In einem heißen texanischen Sommer im Jahr 1958 begegnen wir unserem Protagonisten Stanley Mitchel. Der Dreizehnjährige ist erst vor kurzem mit seiner Familie in das fiktive Kaff Dewmont in East Texas gezogen, wo sich sein Vater einen Traum erfüllte und das dortige Dew Drop Drive-In Autokino betreibt. Stan streift an heißen Sommertagen mit seinem Hund Nub durch die Gegend und genießt bis Schulbeginn das noch unbeschwerte Leben eines naiven, wohlbehüteten Heranwachsenden. Hinter dem Wohnhaus beginnen die Wälder und eines Tages finden er und seine ältere Schwester Caldonia zufällig in der Ruine einer abgebrannten Villa ein verwittertes Metallkästchen mit geheimnisvollen Briefen. Im Gegensatz zu seiner Schwester ist Stan gleich fasziniert, er wittert ein großes Abenteuer und beginnt Detektiv zu spielen. Die Villa gehörte der angesehenen Familie Stilwind und bei dem Brand vor 20 Jahren kam die Tochter Jewel Ellen ums Leben. In der gleichen Nacht wurde die junge Margret Wood vergewaltigt und ermordet auf den Gleisen gefunden. Ihr Kopf wurde nie entdeckt und seitdem soll ihr Geist in der Gegend herumspuken. Bei seinen Erkundigungen unterstützt ihn der lebenskluge sowie oftmals launische Schwarze Buster Smith. Der trunksüchtige Alte war früher mal als Hilfspolizist tätig und arbeitet jetzt als Filmvorführer für seinen Vater. Das zunächst harmlos beginnende Detektivspiel entwickelt ungeahnte Ausmaße und Stan findet sich in einem ausgewachsenen Kriminalfall wieder.

Die fesselnde Aufklärung der damaligen Verbrechen rückt mal mehr, mal weniger in den Vordergrund, die Krimielemente des Romans bilden dabei nur das Gerüst für eine warmherzige Coming-of-Age Geschichte und eine genaue Milieustudie der amerikanischen Provinz der 50er Jahre. Dieser Sommer wird das Leben von Stan gehörig auf den Kopf stellen und für immer verändern. Er wird nicht nur sexuell aufgeklärt, er lernt auch Rassismus, Alkoholismus und häusliche Gewalt kennen. Während er in einem liebevollen Elternhaus aufwächst, wird sein bester Freund Richard täglich von seinem Vater verprügelt. Auch die schwarze Hausangestellte Rosy Mae erfährt von ihrem brutalen Partner täglich Gewalt. Sie findet Unterschlupf bei den Mitchels, kann aber auch nicht von ihrem alkoholsüchtigen Geliebten lassen. Stans heile Welt bekommt Risse und er wird mit einer bitterbösen Realität konfrontiert, die ihn seine Unschuld verlieren und erwachsen werden lässt. Ende der 1950er Jahre ist in Amerika Rassentrennung noch an der Tagesordnung. Schwarze und Weiße leben in voneinander getrennten Vierteln, werden auf unterschiedlichen Friedhöfen beerdigt oder sitzen im Kino in getrennten Bereichen, Frauen haben generell nur wenig zu sagen.

Die Handlung ist eher ruhig, ohne übertriebenes Pathos erzählt und weist einige dramatische sowie spannende Passagen auf. Die menschlichen Abgründe, die hinter der kleinstädtischen Idylle lauern, werden aber geschmeidig in die Handlung eingewebt und trotz der Schwere der Themen bleibt der Tonfall leichtfüßig. Besonders durch die hemdsärmelige Erzählweise, passend aus der Perspektive eines Dreizehnjährigen mit bisweilen schnoddrigen Dialogen und deftiger Ausdrucksweise, entsteht eine Leichtigkeit. Die Dialoge klingen authentisch und verzichten dennoch nicht auf einen literarischen Anspruch. Lansdale erzählt seine Geschichte sehr einfühlsam, die er auch nie aus den Augen verliert, und nah an den Figuren, die er glaubwürdig ausleuchtet. Sie überzeugen durch Authentizität und Lebendigkeit.

Wahrscheinlich spielten sich solche Dinge in jeder Kleinstadt ab, und die meisten Leute merkten nichts davon. Ich hätte lieber zu den meisten Leuten gehört. Es war, als ob ich einen Deckel angehoben hätte, und nun kamen alle üblichen Geheimnisse der Welt hervorgekrochen. (Auszug Seite 297)

Lansdale beschreibt die eindrückliche Szenerie einer texanischen Kleinstadt, wo die älteren Leute am späten Nachmittag im Unterhemd auf Veranden sitzen und sich unterhalten, während die Glühwürmchen ausschwärmen und die Sonne wie ein roter Feuerball in die Wälder von East Texas eintaucht und die Jugendlichen mit pomadiger Haartolle oder Pferdeschwanz vorm Dairy Queen herumlungern, Milchshakes im Drugstore trinken und Rockabilly im Radio hören und ich konnte in dieses Setting und in die dichte Atmosphäre mit viel Südstaatenflair versinken.

Ein sehr gelungenes Zeitportrait mit einem Protagonisten, der in seiner jugendlichen Naivität felsenfest an den amerikanischen Traum glaubt und sich eine tiefe Menschlichkeit bewahrt.

 

Foto und Rezension von Andy Ruhr.

Ein feiner dunkler Riss | Erschienen am 17.02.2014 im Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-5184-6497-7
351 Seiten | 8,99 €
Originaltitel: A Fine Dark Line (Übersetzung aus dem amerikanischem Englisch von Heide Franck)
Bibliografische Angaben & Leseprobe zur Zeit nur antiquarisch verfügbar

Lućia Puenzo | Die man nicht sieht

Lućia Puenzo | Die man nicht sieht

Die folgende Choreographie war genau festgelegt und immer die gleiche: Die Schuhe ließen sie vorne am Eingang stehen. In der Küche schnappte sich Enana ein Messer, inspizierte den Kühlschrank, nahm alle Leckerbissen von denen sie essen durften, heraus und machte sich daran, von allem feine Scheiben abzusäbeln. Immer nur genau so viel, dass nicht nachzuvollziehen war, wo sie genascht hatten, aber genug, um sich satt zu essen. (Auszug E-Book S.8)

Ismael, Enana und Ayo sind drei argentinische Waisen, die auf der Straße leben und als Diebe über die Runden kommen. Der 15jährige Ismael ist der mißtrauische Kopf der drei, die 12jährige Enana die Furchtlose, Abenteuerlustige und ihr 6jähriger Halbbruder Ayo der Kletterspezalist, der in alle Häuser reinkommt. Doch die drei sind längst nicht so selbstbestimmt, wie sie zwischendurch selber glauben. Die meisten Aufträge erhalten sie vom Ex-Cop und Security-Mann Guida, der sie auf bestimmte Objekte ansetzt, bei denen er die Schwachstellen kennt. Dann steigt Ayo ein und öffnet die Türen für Enana und Ismael. Der Trick bei den Raubzügen: Die drei stehlen nicht viel, es bisschen Schmuck, Geld, vielleich Kleidung. So wenig, dass es den Eigentümern erst später auffällt und dann zuerst die Hausangestellten unter Verdacht geraten.

Guida behandelt sie meist gut, hat ein Auge auf sie, sorgt dafür, dass die Polizei sich nicht für sie interessiert. Doch bei ihm stehen knallharte Interessen im Vordergrund, die drei sind sein Kapital. Ein Kapital, dass man auch lukrativ veräußern kann. Doch die Kinder sollen nicht verschreckt werden, sodass er ihnen einen lukrativen Ferienjob in Uruguay verspricht, den sie schließlich auch annehmen. Es winkt gutes Geld und die Aussicht auf den Ozean. Sie werden über den Rio de la Plata verfrachtet und in ein exklusives, weitläufiges Villengelände. Ihre Auftraggeber erwarten, dass sie in einer Woche die neun Häuser auf dem Gelände ausräumen und sich zwischendurch immer wieder in das bewaldete, unwegsame Dickicht auf dem Areal zurückziehen. Langsam reift vor allem in Ismael die Erkenntnis, dass sie nur als Mittel zum Zweck für etwas ganz anderes ausgenutzt werden sollen.

Die Autorin Lućia Puenzo ist in ihrer argentinischen Heimat (nicht nur dort) vor allem eine bekannte und erfolgreiche Filmemacherin. Dies wird auch in diesem schmale Roman deutlich, der zwar einerseits sehr handlungsgetrieben und temporeich ist, andererseits aber durch interessante Perspektivwechsel verschiedene Figuren, wenn auch nur kurz, näher ans Geschehen holt und die Figuren dem Leser etwas näher bringt. Es erlaubt einen Einblick in die scharfen Ungleichheiten der argentinischen und uruguayischen Gesellschaften. Dass die Geschichte von Ismael, Enana und Ayo kein gutes Ende nehmen wird, scheint von Beginn an unausweichlich. Doch die Kinder sind zäh und mutig und durchkreuzen die für sie bestimmmten Pläne.

Das geschulterte Gewehr und die Metallschneide des Messers im Rucksack konnten das ungute Gefühl, das ihn begleitete, seit die Männer mit dem Pick-up ihnen ihre Aufgabe erklärt hatten, kaum abmildern: Dieser Auftrag war eine Nummer zu groß für sie, es konnte nicht gut gehen. Es würde nicht gut gehen. […] Das jedoch verwandelte den Auftrag in etwas ganz anderes: in einen Opfergang. (Auszug E-Book S.61)

„Die man nicht sieht“ ist vieles auf sehr wenigen Seiten, ein fast atemloser Thriller in Echtzeit, ein Noir über das Schicksal, wenn andere über anderer Leben bestimmen und ein gesellschaftskritischer Roman über die Ungleichheit und die Schwachen und Unmündigen, die gnadenlos verheizt werden. Trotz der Kürze des Werks werden auch die Personen angemessen beleuchtet und dienen nicht nur als Staffage. Insgesamt ein anregendes und aufwühlendes Werk.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Die man nicht sieht | Erschienen als Taschenbuch am 12.03.2020 im Verlag Klaus Wagenbach
ISBN 978-3-8031-2824-9
208 Seiten | 13,- €
als E-Book: ISBN 978-3-8031-4239-9 | 10,99 €
Originaltitel: Los invisibles (Übersetzung aus dem argentinischen Spanisch von Anja Lutter)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Claudia Piñeiro | Die Donnerstagswitwen

Claudia Piñeiro | Die Donnerstagswitwen

Etwa 50 Kilometer außerhalb von Buenos Aires liegt Altos de la Cascada, eine Gated Community mit schicken Anwesen, Golf- und Tennisplatz und einem großen Zaun drumherum. Ein Refigium der oberen Mittelklasse, die sich hier in den profitablen 1990er Jahren hier eingerichtet haben. Die argentinische Wirtschaftskrise beginnt sich zwar zu entwickeln, was viele aber nicht wahrhaben wollen. Somit ist man mit weiterhin vorwiegend damit beschäftigt, den Schein zu wahren und den eigenen Wohlstand zur Schau zu stellen.

Sie wollten lieber eine Mauer, das hält nicht bloß fremden Menschen fern, man ist auch von außen nicht mehr zu sehen. Und wir brauchen auch nicht mehr zu sehen, was draußen los ist. (Auszug S. 95)

Viele Familien sind in La Cascada miteinander befreundet, zumindest tut man so. Regelmäßig verbringen die Männer der Familien Scaglia, Insúa, Urovich und Guevara den Donnerstagabend miteinander. Die Frauen nennen sich scherzhaft „Donnerstagswitwen“. Eines Donnerstags, den 27. September 2001, ist Maria Virginia Guevara überrascht, beim Heimkommen ihren Mann Ronie schon zu Hause vorzufinden. Er verhält sich auch seltsam und bricht sich kurz darauf bei einem Sturz auf der Terrasse das Bein. Erst im Krankenhaus erfahren die Guevaras die schreckliche Nachricht: Tano Scaglia, Gustavo Insúa und Martín Urovich sind im Pool der Scaglias bei einem Stromunfall ums Leben gekommen. Doch der Leser wird direkt auf ein paar seltsame Begleitumstände hingewiesen. Rückblickend wird nun die Geschichte der Familien in La Cascada erzählt und letztlich die Hintergründe dieses tragischen Abends aufgedeckt.

Autorin Claudia Piñeiro zählt heute zu den erfolgreichsten argentinischen Autoren. Sie ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Karriere als Rechnungsprüferin. Piñeiro schreibt auch Kinder- und Jugendbücher, arbeitet als Regisseurin und beim Theater. Ihr Debütroman „Ganz die Deine“ erschien 2003. Oftmals sind ihre gesellschaftskritischen, dramatischen Romane in eine Kriminalgeschichte eingebettet. 2005 erschien „Las viudas des los jueves“ und gewann mit dem Premio Clarín einen der wichtigsten argentinischen Literaturpreise. 2009 verfilmte Marcelo Piñeyro den Roman fürs Kino.

„La Cascada“ ist eine sogenannte Gated Community, eine dieser Siedlung der Reichen und Aufstrebenden, oft in Ländern mit starkem Wohlstandsgefälle, in denen man versucht, genau dieses Gefälle auszublenden. Hinzu kommt in diesem Falle, dass die aufsteigende Wirtschaftskrise in Argentinien genau diesen Lebensstandard bedroht. Claudia Piñeiro wirft einen sehr scharfen Blick auf die Bewohner und entlarvt die ganzen Lebenslügen und anderen Dramen, die sich unter der Oberfläche des schönen Scheins abspielen. Machismo, Gewalt in der Ehe, Alkoholismus, Untreue, Rassismus, Antisemitismus und andere Vorurteile schwelen teilweise im Verborgenen, teilweise werden sie aber nur verdrängt. Die Probleme des Lebens will man in La Cascada lieber nicht mit den Nachbarn teilen, aber oft auch nicht mit dem Ehepartner. Man kehrt lieber unter den Teppich, heuchelt, will nichts von Problemen anderer hören und wahrt den Schein. Und legt sich innerhalb der Mauern merkwürdig undemokratische Verhaltensregeln auf.

Piñeiro legt in diesen Roman eine gehörige Portion Gesellschaftskritik mit einer Generation des Aufschwungs, die aber in Zeiten der Krise nur Egoismus und Eskapismus kennt. Ein zynisches Porträt einer Nachbarschaftsclique auf Talfahrt, die schließlich mit drei Toten enden wird. Dabei bedient sie sich auch stilistisch eines interessanten Kniffs. Sie schreibt zum einen aus der Ich-Perspektive von Maria Virginia Guevara, die angefangen hat, als Maklerin zu arbeiten und damit eine der wenigen Frauen ist, die es noch nötig haben zu arbeiten. Sie ist auch der wenigen, die ein wenig mehr hinterfragt und eine gewisse kritische Distanz bewahrt. Zum anderen wird aus der personalen Perspektive erzählt, ungewöhnlicherweise mit einem Plural-Wir. Damit gibt Piñeiro quasi der Gemeinschaft eine Stimme, erzählt von der allgemeinen Wahrnehmung in La Cascada, aber auch von Heimlichkeiten und Gerüchten.

[…] nach dieser Geschichte also soll sie an den Rand des zuletzt erwähnten Hefteintrags geschrieben haben: „Kann man wirklich mit jemandem befreundet sein, den man über seine Brieftasche kennengelernt hat?“ Worauf sie sich selbst, am Fuß derselben Seite, als Antwort notiert habe: „Alles Elend nimmt seinen Weg über die Brieftasche.“ (Auszug S.65).

Man könnte zuletzt natürlich die Frage aufwerfen, ob das hier überhaupt ein Krimi ist, aber die Frage ist müßig. Claudia Piñeiro bedient sich hier selbstverständlich der Elemente des Genres, zudem beantwortet sie ganz der Spannungstradition folgend, die Frage nach der Vorgängen an jenem Donnerstagabend erst ganz zum Schluss. Dazwischen ist dieses Buch ein überzeugender Gesellschaftsroman mit präziser Sprache, zynisch-ironischem Unterton und scharfem Blick auf die Figuren. Sie porträtiert auf beiläufige, aber fesselnde Art eine Gesellschaftsschicht voller Heuchelei und Dekadenz auf dem Weg in den eigenen Untergang. Ein überzeugender Roman.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Die Donnerstagswitwen | Erschienen 2010 im Unionsverlag
Aktuelle Taschenbuchausgabe: ISBN 978-3-293-20568-0
320 Seiten | 13,95 €
Originaltitel: Las viudas de los jueves (Übersetzung aus dem Spanischen von Peter Kultzen)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension von Gunnar zu Claudia Piñeiros „Der Privatsekretär