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Hannelore Cayre | Die Alte

Hannelore Cayre | Die Alte

Meine Betrüger von Eltern liebten das Geld instinktiv. […] Geld ist alles; das Kondensat von allem,was sich kaufen lässt in einer Welt, in der alles zum Verkauf steht. Es ist die Antwort auf alle Fragen. Es ist die Sprache vor Babel, die alle Menschen verbindet. (Auszug Seite 9)

Patience Portefeux ist eine Frau in den Fünfzigern, komplizierte Kindheit, früh verwitwet, zwei Töchter groß gezogen, immer schwer gearbeitet, lebt zwar nicht von der Hand in den Mund, aber muss sich ganz schön anstrengen, zumal das Pflegeheim für ihre ungeliebte Mutter ganz schön teuer ist. Sie arbeitet als Arabisch-Übersetzerin und Dolmetscherin für verschiedene Polizeieinheiten. Dabei hört sie vor allem Telefonate von eher minderbemittelten Drogendealern ab.

Nun ergibt sich für Patience eine einmalige Chance. Eine hochwertige Lieferung Haschisch wurde von einem Drogenlieferanten kurz vor einer Polizeisperre versteckt. Der Lieferant wird wenig später im Gefängnis ermordet. Patience ist dank ihrer Hintergrundinfos die einzige, die den ungefähren Standort des Verstecks kennt. Und sie packt die Gelegenheit beim Schopfe und steigt als Die Alte ins Geschäft ein.

Ziemlich beängstigend eigentlich, wenn man’s bedenkt, dass die Übersetzer, von denen die nationale Sicherheit abhängt, ausgrechnet jene, die live übersetzen, wenn Keller- und Garagen-Islamisten ihre Verschwörungen aushecken, illegalisierte Arbeiter ohne Sozialversicherung und Altersrente sind. Mal ehrlich, es gibt bessere Methoden der Korruptionsprävention, oder?
Ich jedenfalls, die ich korrupt bin, finde das schlichtweg zum Gruseln. (Seite 31)

Hannelore Cayre ist nebenbei Autorin, Schauspielerin und Regisseurin. Hauptberuflich ist sie allerdings Strafverteidigerin und mit dem Milieu vertraut, aus dem sie erzählt. Ihre Autorinnenkollegin Dominique Manotti schildert in einer Anmerkung zu diesem Roman, dass die beschriebene Situation ziemlich realistisch sei. Spätestens seit der Regierungszeit von Sarkozy hätten die Sicherheitskräfte in Frankreich aus Angst vor Islamisten viele Arabischstämmige aus ihren Diensten entfernt oder vernachlässigt. Mit der Konsequenz, dass man sich Privatleuten bei Dolmetscherdiensten und Übersetzungen von Kriminellen oder Gefährdern bedienen müsse. Hannelore Cayre treibt dies nun auf die Spitze und lässt eine dieser privaten Übersetzer und Übersetzerinnen den Spieß umdrehen und den egoistischen Antrieb im Rahmen des herrschenden Kapitalismus (im Drogenbusiness und auch sonstwo) freien Lauf. Aber völlig abwegig kommt dem Leser das eher nicht vor. Man schmunzelt, ob der Konsequenz und Abgebrühtheit der Patience Portefeux, aber es schüttelt einen um der Verhältnisse, die sie schildert.

Der Plot dreht sich um Drogenhandel und Geldwäsche, aber vielmehr nimmt sich die Autorin die Zeit, die Ich-Erzählerin Patience zu beleuchten, ihre Vergangenheit, ihre Lebensumstände. Diese sind nicht so zerrüttet, als dass Patience kein Ausweg als die Kriminalität bliebe. Dennoch erscheint der Schritt konsequent und der Leser kann den ausgestreckten Mittelfinger nachvollziehen, den die Hauptfigur der Gesellschaft entgegenstreckt. Hannelore Cayre schreibt dies mit viel Schwung, Ironie, bösem Witz, kompromisslos und gespickt mit einer Vielzahl an bitterbösen Zitaten. Insgesamt eine kurzweilige Lektüre mit viel Bedenkenswertem in und zwischen den Zeilen. Die Alte wurde nach einigen französischen Auszeichnungen im Jahr 2019 auch mit dem Deutschen Krimi Preis in der Kategorie International ausgezeichnet.

Rassisten aller Couleur, seid gewiss, dass die erste und letzte Person, die euch mit dem Löffel füttert und euren Intimbereich wäscht, eine Frau ist, die ihr verachtet! (Seite 57)

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Die Alte | Erschienen am 16. September 2019 im Argument Verlag
ISBN 987-3-86754-240-1
208 Seiten | 18.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Anja Mäderer | Einer flog über die Vogelsburg

Anja Mäderer | Einer flog über die Vogelsburg

Die Handlung dieses Romans ist in der Vogelsburg bei Volkach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen angesiedelt, einer ehemaligen Klosteranlage, heute Hotel und Tagungsort. In Anja Mäderers Regionalkrimi ist die Vogelsburg umgewandelt in eine psychosomatische Klinik, hier befindet sich derzeit der Hauptprotagonist Will Klien wegen seiner Zwangsstörung in Therapie.

Protagonist ist der erwähnte Patient Will Klien, Diplom-Bibliothekar, Patient mit (Nomen est Omen) Waschzwang. Außerdem gehören nachfolgend genannte Personen zu einer (Tisch-)Gruppe in der Klinik, die im Verlauf der Handlung nicht nur zu Ermittlern werden, sondern die wir auch mit ihrer jeweiligen Lebensgeschichte näher kennenlernen werden.

  • Irmela, Patientin mit zwanghaftem Harmoniestreben
  • Holger, Patient mit hypochondrischen Zwangsgedanken
  • Anne, Patientin mit zwanghafter Kaufsucht
  • Mäuschen, Patientin mit diversen Angststörungen
  • Marie Patientin mit Depressionen

An seinem Tisch im Speisesaal, den sich Will mit den anderen Zwangs-Patienten teilt, erzählt Irmela, dass sie bei einem Spaziergang am Altmain die Bergung einer Wasserleiche beobachtet hat. Wie sich später herausstellt, handelt es sich ausgerechnet um Herrn Brunner, Bezugstherapeut von Will.

Der Fundort der Leiche in einer Bucht direkt gegenüber der Vogelsburg deutet darauf hin, dass der Täter ein Patient oder Mitarbeiter der Klinik sein könnte. Daher – und weil die Gruppe um Will Klien seit der polizeilichen Befragung kein besonders großes Vertrauen in den ermittelnden Kommissar hat – beschließen sie, selbst als Ermittler tätig zu werden. Leider führt das zu einem weiteren Todesfall. Ausgerechnet Will findet im Schwimmbad die in ihrem Blut liegende Leiche von Mäuschen und bekommt daraufhin eine Panikattacke. Das alleine wäre schon schlimm genug und bringt ihn auch für einige Zeit in die Klinik nach Würzburg, leider schließt jedoch der Kommissar aufgrund der Umstände fälschlicherweise auf Will als Mörder.

Jetzt erst recht

Die Gruppe intensiviert ihre Ermittlungsarbeit, allerdings nicht nur im Hinblick auf die Mördersuche. Hinzu kommen Morddrohungen gegen Holger, der dummerweise Spielschulden in einer in der Klinik stattfindenden geheimen Pokerrunde angehäuft hat. Die Gruppe ist also insgesamt gut beschäftigt und trotz diverser Zwänge letztlich erfolgreich. Die Aufklärung ist allerdings – besonders im Hinblick auf die Morde – auch sehr überraschend.

In weiteren Handlungssträngen dreht es sich auch um Ärzte der Klinik, die sich nicht unbedingt korrekt verhalten und die Folgen davon. Diese Handlungsbereiche werden immer wieder eingewoben und tragen am Ende auch zu der Auflösung bei.

Einer flog über die Vogelsburg ist für mich mehr ein Unterhaltungsroman als ein Krimi, auch wenn die Spannung durchaus vorhanden ist; einen Vergleich mit einem „normalen“ Krimi sollte man aber nicht versuchen.  Das ist auch gar nicht erforderlich, ich finde die Geschichte insgesamt sehr interessant, auch aufgrund der immer wieder eingeflochtenen Werdegänge der Patienten. Gut erkennbar ist, wie sehr die Autorin bestrebt ist, die durch ihre Zwänge beeinflussten Handlungen der Protagonisten zwar humorvoll, aber nie ins Lächerliche abgleitend und durchaus ernsthaft betrachtet zu schildern. Hier sind auch die jeweils zu Beginn der Kapitel aufgeführten Tagebuchseiten von Will erwähnenswert, die uns Lesern seine Person noch näher bringen.

Am Schluss des Buches hat die Autorin auch die für ihre umfangreichen Recherchen verwendeten Quellen aufgeführt. Von mir ein dickes Dankeschön für die intensive Arbeit um dieses doch nicht einfache Thema!

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, bei dem ich auch die Überschriften der Kapitel noch besonders erwähnen möchte, ich finde sie sehr gelungen – und einige sind es durchaus wert, ab und zu zitiert zu werden!

Anja Mäderer, geboren 1991 in Gunzeshausen, Mittelfranken schrieb bereits mit 15 Jahren ihre ersten Kurzgeschichten, drei davon erschienen 2009 in der Anthologie „Nachtgespinst“. Mit ihren Kurzgeschichten gewann sie Preise in 2012 und 2015. In 2015 erschien dann mit Mainleid der erste Teil ihrer in Würzburg spielenden Krimireihe um die Kommissarin Nadja Gontscharowa, die Fortsetzung kam in 2016 mit dem Titel Mainschatten heraus. Mäderer absolvierte ein Lehramtsstudium in Würzburg und arbeitete als Deutschlehrerin für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Mittlerweile ist sie verheiratet und in einer Flüchtlingsunterkunft in München tätig.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Einer flog über die Vogelsburg | Erschienen am 22. August 2019 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0658-3
352 Seiten | 11.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Jørn Lier Horst | Wisting und der Tag der Vermissten Bd. 1 (13)

Jørn Lier Horst | Wisting und der Tag der Vermissten Bd. 1 (13)

Neben Spezialisten von der Polizei hatten unter anderem Kryptologen vom Militär die mysteriöse Mitteilung untersucht, ohne dass irgendjemand einer Lösung näher gekommen war. Der Code war sogar Experten im Ausland vorgelegt worden, doch auch sie konnten nichts anderes als eine sinnlose Zahlenkombination darin erkennen. (Auszug Seite 7)

Im Mittelpunkt dieses norwegischen Krimis steht Kommissar William Wisting, ein besonnener Mittfünfziger, der sich mit einer stoischen Beharrlichkeit in Akten verbeißen kann. Schon ein Leben lang verfolgt ihn ein Fall, der ihm keine Ruhe lässt. Vor 24 Jahren verschwand eine junge Frau namens Katharina Haugen unter mysteriösen Umständen. Sie hinterließ einen gepackten Koffer, ein paar vertrocknete Rosen und einen Zettel auf dem Küchentisch mit merkwürdigen Zeichen und Zahlen.

Der Katharina-Code

Jedes Jahr am Tag ihres Verschwindens nimmt der Kommissar sich die alten Fallakten vor und sichtet noch mal alle Hinweise um etwas zu entdecken, dass er möglicherweise übersehen hat. Er studiert wieder und wieder sämtliche Zeugenaussagen, Fotos und besonders rätselt er über die mysteriöse Skizze, an der sich schon mehrere Experten erfolglos die Zähne ausgebissen haben und die inzwischen als Katharina-Code bezeichnet wird (so auch der norwegische Original-Titel). Jedes Jahr besucht er sogar Katharinas Ehemann Martin Haugen und über die Jahre hat sich, wenn auch keine Freundschaft, aber so etwas wie eine Bekanntschaft entwickelt, mit der man schon mal zusammen zum Angeln geht.

Dieses Jahr kommt überraschend Bewegung in den Fall. Das erste Mal in all den Jahren trifft der Kommissar an diesem besonderen Tag Martin Haugen nicht zu Hause an und der Ehemann bleibt auch die nächsten Tage unauffindbar. Zeitgleich bringt Adrian Stiller, ein junger Ermittler einer neu gegründeten EU-Gruppe für Cold-Cases aus Oslo neuen Schwung in die Angelegenheit. Dieser hat Haugen in einem ebenfalls lange zurückliegenden Entführungsfall im Visier, denn mit den verbesserten technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit hat man Haugens Fingerabdrücke festgestellt.

True Crime Podcast

Stiller hat seine ganz eigene Art zu ermitteln. Er überredet Wisting bei einer verdeckten Ermittlung den Köder zu spielen, um Haugen zu verunsichern und aus der Reserve zu locken. Außerdem arbeitet er noch mit den Medien zusammen, um den Druck auf den potenziellen Täter zu erhöhen. Ohne Wistings Wissen wählt er auch ganz gezielt dessen Tochter Line aus, eine freiberufliche Journalistin, und bittet sie, eine Artikelserie per Podcast über den alten Entführungsfall zu erstellen. Zeitgleich wird auch in einer Fernsehsendung, vergleichbar mit unserem „Aktenzeichen XY“, über die Wiederaufnahme des Kriminalfalls berichtet.

Ich habe mich noch nie mit True-Crime-Podcasts beschäftigt, aber hier wird sehr ausführlich erzählt, wie Line und ein Kollege damalige Zeugen und Angehörige befragen, wie alles aufgenommen und zusammengeschnitten wird. Durch den journalistischen Aspekt kommt noch mal eine ganz andere Perspektive dazu, die ich sehr interessant fand.

Der sich gemächlich entwickelnde Kriminalroman kommt auf ganz leisen Sohlen daher. Relativ unspektakulär und ohne große Effekthascherei verzichtet er auf große Brutalität und Blutvergießen. Stattdessen überzeugt er mit einem intelligenten Schreibstil und lebensechten Figuren. Wenn sich die beiden Männer Wisting und Haugen misstrauisch umkreisen, mutet das wie ein Kammerspiel an, bei dem sich die subtile Spannung immer mehr in die Höhe schraubt. Einen besonderen Reiz machen die gegensätzlichen Figuren und ihre unterschiedlichen Herangehensweisen aus: Auf der einen Seite der engagierte Kommissar William Wisting, ein umgänglicher, sympathischer Witwer mit einer engen Beziehung zu seinen bereits erwachsenen Kindern. Auf der anderen Seite Adrian Stiller, ein ehrgeiziger, undurchsichtiger Ermittler, der mit ungewöhnlichen Methoden wie Manipulation und Provokation ans Ziel kommen will.

Fazit

Die Verknüpfung von zwei lange zurückliegenden Kriminalfällen hat mir richtig gut gefallen und schon ewig habe ich nicht mehr derart bei der Lösung mitgerätselt. Der Fokus liegt hier auf der detailliert sowie realistisch geschilderten Polizeiarbeit. Und da kann Jørn Lier Horst, der viele Jahre als Kriminalkommissar und Ermittler bei der norwegischen Polizei tätig war, auch auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Dies ist bereits der 13. Teil mit Kommissar Wisting, einer in Norwegen sehr erfolgreichen Serie. Mit diesem Band beginnt ein neuer Abschnitt, bei dem sich alles um Cold Cases dreht. Und zumindest im nächsten Band, der im März 2020 in Deutschland erscheinen wird (Wisting und der fensterlose Raum), ist auch Adrian Stiller wieder mit von der Partie. Trotz einiger schon arg bedächtiger Stellen wäre auch ich wieder gerne mit dabei. Ich mochte diesen unaufgeregten Erzählstil und der Krimi hatte für mich etwas total Entschleunigendes.

Das Cover ist typisch für einen Krimi aus dem Hohen Norden. Über eine Eisfläche steht der Name der Hauptfigur WISTING exponiert im Vordergrund. Das sorgt bei einer Reihe für einen guten Wiedererkennungswert. Das Motiv hat aber mit der Kriminalgeschichte nichts zu tun. Auf dem norwegischen Original-Cover ist zumindest noch der mysteriöse Zettel mit dem Katharina-Code abgebildet.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Wisting und der Tag der Vermissten | Erschienen am 1. Oktober 2019 bei Piper
ISBN 978-3-492-06141-4
464 Seiten | 15.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Camilla Läckberg | Schneesturm und Mandelduft

Camilla Läckberg | Schneesturm und Mandelduft

Der Duft von Mandeln. Von etwas, das es hier nicht geben durfte. Er griff nach dem Glas, das Ruben geleert hatte, und steckte die Nase hinein. Ihm schlug ein deutlicher Geruch von Bittermandeln entgegen, das bestätigte seinen Verdacht.
„Er wurde ermordet.“ (Auszug Seite 20)

Martin Molin, Polizist in Tanum, ist ein Wochenende im Dezember bei der Familie seiner Freundin Lisette auf Valö eingeladen. Noch vor dem ersten Abendessen bekommt der Großvater plötzlich Krampfanfälle am Tisch und stirbt. Martin erkennt sofort, dass es sich um einen Mord handelt und beginnt die Ermittlungen. Diese werden allerdings durch einen Schneesturm, der sie Insel von der Zivilisation abschneidet, und eine defekte Telefonverbindung erschwert, denn so kann er keine Hilfe anfordern und ist auf sich allein gestellt. Am darauf folgenden Tag passiert dann ein weiterer Mord… Kann Martin den Täter unter den Familienmitgliedern ausfindig machen?

Eine unharmonische Familie

Schneesturm und Mandelduft von Camilla Läckberg ist ein sehr kurzer und leichter Kriminalroman. Bei Martin Molin handelt es sich um den Kollegen von Patrick Hedström aus den bekannten Fjällbacka-Krimis der Autorin. Martin bekommt an dem Wochenende einen Einblick in eine Familie, die mehr als zerrüttet ist und in der sich scheinbar keiner miteinander versteht. Die Ermittlungen, die Martin mit Befragungen der Familienmitgliedern beginnt, verlaufen mehr oder weniger im Nichts, er erfährt lediglich, dass sich keiner so richtig mit irgendwem versteht und trotzdem traut keiner jemandem aus der eigenen Familie einen Mord zu. Zudem befinden sich alle auf engstem Raum zusammen, aufgrund des Wetters kann keiner vor die Tür treten; das bessert die Stimmung auch nicht gerade.

Miträtsel-Spaß inbegriffen

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Sicht von Martin geschildert, aber auch einzelne Familienmitglieder bekommen eine Stimme, dadurch ist der Leser wissenstechnisch im Vorteil. Der Spannungsbogen ist vorhanden, denn immer wieder werden Geheimnisse angedeutet und später auch gelüftet, und es bleibt wirklich bis zu den letzten Seiten offen, wer der Mörder ist. Mir hat es Spaß gemacht mitzurätseln, denn es hätten zwar theoretisch einige ein Motiv, aber ist man deshalb so kaltblütig? Das Ende ist dann nochmal wirklich überraschend.

Fazit: Ein leichter Krimi für einen gemütlichen Winterabend.

Camilla Läckberg, Jahrgang 1974, stammt aus Fjällbacka – der kleine Ort und seine Umgebung sind Schauplatz ihrer Kriminalromane. Weltweit hat Läckberg inzwischen über dreiundzwanzig Millionen Bücher verkauft, sie ist Schwedens erfolgreichste Autorin. Heute lebt Camilla Läckberg in einer großen Patchworkfamilie in Stockholm.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Schneesturm und Mandelduft | Erschienen am 11. Oktober 2013 bei List im Ullstein Verlag
ISBN 978-3548611761
160 Seiten | 7.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezensionen zu den Romanen Die EngelmacherinDie SchneelöwinDie Eishexe und Golden Cage von Camilla Läckberg.

Günther Pfeifer | Das letzte Achtel Bd. 9

Günther Pfeifer | Das letzte Achtel Bd. 9

Die Handlung dieses Romans ist in Retz in Niederösterreich angesiedelt, im sogenannten Weinviertel. Eine Besonderheit von Retz ist ein riesiges, zusammenhängendes Kellersystem unter dem Hauptplatz, 21 km lang und 30 m tief, der sogenannte Retzer Erlebniskeller, in dem bis vor 70 Jahren noch der Großteil der Weinvorräte gelagert wurde.

Protagonisten sind die beiden Wiener Kommissare Hawelka und Schierhuber, die von ihrem Chef, Hofrat Johann P. Zauner, genannt der „Erzherzog“, in einer geheimen Mission nach Retz geschickt werden. Auf keinen Fall unerwähnt bleiben sollte jedoch die Berlakovic, die eigentlich Vorsteherin des Administrationsbüros ist, von ihren Kollegen jedoch nur als das wandelnde „Auskunftsbüro Berlakovic“ bezeichnet wird. Sie spielt in dem Ganzen eine nicht unwesentliche Rolle.

Es beginnt alles damit, dass Schober, auf einem Spaziergang die Stimmung eines Spätsommermorgens genießend, auf einem Acker eine männliche Leiche entdeckt, die von einem großen Kreis aus Vogelkadavern umgeben daliegt. Schober meldet seine Entdeckung der Polizei, wird jedoch nicht ganz ernst genommen. Natürlich rückt die Polizei trotzdem aus, allerdings erst, nachdem der zuerst informierte Beamte ein längeres Gespräch geführt hat. Bevor sie am Tatort eintrifft, hat allerdings jemand den wartenden Schober betäubt und sämtliche Kadaver entfernt, das von Schober geschilderte Szenario wird dem Umstand eines Schocks zugeschrieben und ins Reich der Fantasie verschoben. Doch nun kommen unsere beiden Wiener ins Spiel: deren Chef, ein Bekannter von Schober, wird von ihm um Hilfe gebeten und kurz darauf treten Hawelka und Schierhuber, getarnt als Journalisten, ihre geheime Mission zur Aufklärung des Verbrechens an.

Was die beiden in Retz erleben, ist teilweise abenteuerlich, aber auch nicht ganz ungefährlich. Das Retzer Kellersystem spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle und es sind auch genügend Gegenspieler auf dem Plan, die versuchen, sie auszutricksen, um vom eigentlichen Tatbestand abzulenken. Da gibt es u.a. eine ältere Gutsherrin (die sich noch verhält, wie es in früheren Zeiten üblich war). Diese befehligt wiederum einen ehemaligen Hornisten und jetzigen Komponisten und einen Schriftsteller (beide nicht sehr erfolgreich), außerdem gibt es noch eine Geschichte um verschwundene Marillen. Weiter im Geschäft sind eine Pfarrersköchin und natürlich das „wandelnde Auskunftsbüro“ Berlakovic, die trotz befohlener Geheimhaltung informiert ist und sich auf den Weg macht, um ihre Kollegen zu unterstützen – und das durchaus erfolgreich. Die Aufklärung des Falles ist ziemlich überraschend und passt mit ihrer Skurrilität wunderbar in das geschilderte Gemisch der Ereignisse, die von Hawelka und Schierhuber in einer unnachahmlichen Art aufgeklärt werden.

Das letzte Achtel ist für mich das erste Buch um die beiden Wiener Kommissare Hawelka und Schierhuber. Besonders gut gefällt mir die humorvolle, viel Wiener Schmäh versprühende Art des Schreibstil von Günther Pfeifer. Auch wenn die Spannung nicht mit der von sonstigen Kriminalromanen vergleichbar ist, sondern eher gemächlich daherkommt, folgt man doch als Leser gerne dem Fluss der Handlung, die durchaus Überraschungen verbirgt. Die handelnden Personen sind liebevoll gezeichnet, immer wieder blitzt in den Dialogen und Handlungen eine Situationskomik auf, die das Ganze besonders macht. Schön finde ich auch die als Fußnoten eingefügten Erklärungen der Dialektausdrücke, es sind nicht nur reine Übersetzungen, sondern durchaus etwas mehr, es gibt dem Ganzen noch einen besonderen Pfiff.

Alles in allem empfehlenswert für Leser, die nicht nur Action bevorzugen. Der Humor von Günther Pfeifer und seine Art, die handelnden Personen, obwohl teilweise skurril, so doch auch menschlich darzustellen, gefällt mir sehr und es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Hawelka und Schierhuber in Aktion erlebe.

Günther Pfeifer wurde in Hollabrunn/Niederösterreich geboren, lernte ein Handwerk und war jahrelang Berufssoldat. Nach seinem Wechsel in die Privatwirtschaft schrieb er Beiträge für Magazine, Theaterstücke und seit 2013 Kriminalromane. Das letzte Achtel ist sein neunter Band. Günther Pfeifer wohnt in Grund, einem kleinen Dorf im Weinviertel.

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Das letzte Achtel | Erschienen am 21. Februar 2019 bei Emons
ISBN 978-3-7408-0534-30
288 Seiten | 11.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Blogkooperative: Adventsspezial Österreich.