Kategorie: 3.5 von 5

Deutschsprachige Politkrimis (Teil 2)

Deutschsprachige Politkrimis (Teil 2)

Nach dem ersten Teil der Rezensionen deutschsprachiger Politkrimis widme ich mich im zweiten Teil zwei „alten Bekannten“ des Genres. Der Düsseldorfer Autor Horst Eckert ist nun schon seit 25 Jahren Autor politischer Krimis, seit einigen Jahren mit Vincent Che Veih auch mit einem festen Protagonisten. Ebenfalls kein Unbekannter im Genre ist der Frankfurter Autor Jan Seghers. Bekannt vor allem durch die ebenfalls verfilmte Reihe um den Frankfurter Kommissar Marthaler hat Seghers nun einen neuen Protagonisten kreiert.

Jan Seghers | Der Solist

Neuhaus (ob der Vorname im Buch fällt, konnte ich hinterher nicht mehr ermitteln, glaube nicht) ist Beamter des BKA, ein integrer Einzelgänger, kurz „Der Solist“. Neuhaus wird abgeordnet in eine Einheit des Berliner LKA zur Terrorismusbekämpfung. Ein Jahr nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz ist die Lage in der Hauptstadt angespannt. Ein Mord an einem stadtbekannten Juden, zu dem sich ein „Kommando Anis Amri“ bekennt, sorgt für große Aufregung. Es wird nicht der letzte Mord bleiben, eine antiislamische Stimmung greift um sich. Neuhaus und seine deutschtürkische Kollegin Suna-Marie lassen sich von von oben vorgegebenen Ermittlungsrichtungen nicht beirren und gehen letztlich der Frage nach: Cui bono?

Es gab Sozialarbeiter, Stadtteilinitiativen und Integrationsvereine. Kulturzentrum, Yogapraxis und Trommelkurse. Aber es vermischte sich nichts. Multikulti, so kam es ihm vor, war nur eine Behauptung auf Zeit gewesen. (Auszug S. 187)

Antiislamismus, Populismus, politische Nutznießer und Brandstifter und eine rechte, fremdenfeindliche Tendenz in den deutschen Sicherheitsbehörden. Dieser Roman greift einige heiße Eisen auf und setzt klare Statements, unter anderem mit der Figur des Politikers Nikolas Junker, in der unschwer Alexander Gauland zu erkennen ist. Etwas überraschend ist nach nur etwas mehr als 200 Seiten der Roman auch schon wieder um, da wäre doch noch mehr gegangen, oder? Allerdings gelingt es Jan Seghers durchaus mit Timing, Präzision und wirklich guten Dialogen, sowohl die Figuren zu porträtieren als auch den Plot voranzutreiben. Irritation meinerseits besteht über die Enthüllung über den Background von Neuhaus am Ende des Romans, die diese Figur doch sehr in der Nähe der Figur Veih des Kollegen Horst Eckert rückt. Das hat ein gewisses Gschmäckle.

 

Der Solist | Erschienen am 26.01.2021 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-05848-7
235 Seiten | 20,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5;
Genre: Gesellschaftskritischer Krimi

 

Horst Eckert | Die Stunde der Wut

Besagter Vincent Che Veih taucht nämlich nunmehr zum fünften Mal in einem Roman von Eckert auf, zum zweiten Mal in Kombination mit der Kriminalrätin Melia Adan, seiner neuen Chefin in der Kriminalinspektion 1 der Düsseldorfer Polizei. Die Besonderheit bei Veih ist seine Mutter, eine alte Unterstützerin der radikalen Linken, die ihm auch in diesem Band Ärger bereiten wird.

Der Roman schließt zeitlich relativ nah an den Vorgänger „Im Namen der Lüge“ an. Damals war ein Neonazi-Netzwerk von Adan und Veih teilweise zerschlagen worden, aber eine Kollegin von Adan vom Verfassungsschutz ist seitdem verschwunden. Adan vermutet, dass sie ermordet wurde und im Fundament einer Turnhalle versenkt wurde, und ermittelt auf eigene Faust weiter. Damaliger Grundstückseigentümer war ein Neonazi-Verein, heute gehört das Gelände den Immobilienmogul Osterkamp. Dieser ist auch politisch aktiv und versucht erfolgreich mit Geld und Erpressung Einfluss in rechten und konservativen Kreisen zu erlangen. Zeitgleich steht Osterkamp im Fokus von Mieterprotesten, da er bei der Einbringung der Rendite alles andere als zimperlich vorgeht. Veih hingegen hat einen Mordfall an einer jungen Frau aus gutem Hause, Tochter eines stadtbekannten Psychiaters, aufzuklären, die in ihrer Wohnung erstochen wurde – vermeintlich von ihrem Lebensgefährten. Doch Veih irritiert direkt von Beginn, dass die Chefin des Rauschgiftdezernats, eine Freundin der Familie, im Fall mitmischt.

Horst Eckert ist natürlich auch schon ein Veteran der Szene. In inzwischen mehr als einem Dutzend Romanen ist er einer der Vorreiter des „Police Procedurals“ in der deutschen Krimiszene. Er beschreibt die Polizeiarbeit äußerst realistisch, vor allem auch die Stimmungen unter den Kollegen und die Hierarchiekämpfe im Präsidium. Insgesamt ist sein Schreibstil sehr tempo und abwechslungsreich, viele Perspektive, schnelle Wechsel der Szenen.

Wir leben in einer Demokratie, dachte Vincent, aber den Oligarchen gehört das Land. Für ihre Interessen setzen sie Leute wie Tristan Bovert ein. Sie finanzieren rechtsradikale Veriene, Parteien, Milizen. Und lassen sie fallen, sobald es ihnen opportun erscheint. (Auszug S. 414-415)

In „Die Stunde der Wut“ greift Eckert ein ähnliches Thema auf wie der Kollege Schorlau: Die neue Macht der Wirtschaftsmagnaten und deren Einfluss auf die Politik sowie die Kooperation zwischen Verfassungsschützern und rechten Netzwerken. Sehr gekonnt führt Eckert die verschiedenen Stränge zusammen und erzählt einen spannenden Polizeikrimi über Korruption, Intrigen, dreiste Gier und auch Wut, die sich schließlich Bahn bricht. Eckert bleibt für mich einer der besten des Genres im deutschsprachigen Raum.

 

Die Stunde der Wut | Erschienen am 08.03.2021 im Heyne Verlag;
ISBN 978-3-453-44103-3
448 Seiten | 12,99 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 4 von 5;
Genre: Polizeikrimi

Weiterlesen: Weitere Rezensionen von Gunnar zu Krimis von Horst Eckert

 

Foto und Rezensionen von Gunnar Wolters.

Deutschsprachige Politkrimis (Teil 1)

Deutschsprachige Politkrimis (Teil 1)

In den letzten Jahren gab es bei den deutschsprachigen Krimis gefühlt vor allem zwei Trends. Historische Kriminalromane und Regionalkrimis, die im Ausland spielen, aber von deutschen Autor:innen geschrieben wurden, die sich aber lieber eines fremdländischen Pseudonyms bedienten. Kriminalromane, die sich aktuellen politischen und gesellschaftskritischen Themen annehmen, waren in der Wahrnehmung zumindest etwas unterrepräsentiert. Keine Ahnung, ob sich daran nun etwas ändert, allerdings hatte ich plötzlich gleich vier solcher Romane gleichzeitig in den Händen und dachte mir, dass man daraus einen Doppelbeitrag machen könnte. Beginnen möchte ich mit einem fast schon Veteranen in diesem Genre: Wolfgang Schorlau begann seine Krimis mit dem Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler bereits 2003.

Wolfgang Schorlau | Kreuzberg Blues

Dengler begleitet seine Freundin Olga nach Berlin zu einer Freundin, die in Kreuzberg in einer Spekulations-Immobilie lebt. Der Vermieter versucht, die Mieter zur Kündigung zu bewegen, um anschließend teuer neu zu vermieten. Dabei schreckt er scheinbar auch vor drastischen Mitteln nicht zu zurück, denn irgendjemand hat Ratten im Hausflur ausgesetzt, die dann ein Baby angegriffen haben. Dengler erklärt sich bereit, sich die Sache näher anzusehen und lässt sich sogar vom großen Immobilienunternehmen Kröger engagieren, um denen von innen heraus auf den Zahn zu fühlen. Doch er muss schnell erkennen, dass noch viel größere und gefährliche Kräfte im Hintergrund agieren.

„Ich heiße Georg Dengler. Das ist Olga. Wir sind Privatermittler. Wir sind entschlossen, Michael Bertram ins Gefängnis zu bringen.“
„Wisst ihr, mit wem ihr euch da anlegt?“
„Das wissen wir.“ Dengler beugte sich näher zu ihr hinüber. „Ich bin jemand“, sagt er, „wenn ich wählen muss zwischen Recht und Gerechtigkeit, wähle ich Gerechtigkeit.“ (Auszug S. 385)

„Kreuzberg Blues“ ist inzwischen der zehnte Band um Georg Dengler. Die Reihe hat es ja sogar schon ins Fernsehen geschafft, auch die Verfilmung dieses Bands ist bereits abgedreht. Als langjähriger Leser der Reihe muss ich natürlich vorweg eines zugeben: Ein Literaturnobelpreisträger wird Wolfgang Schorlau nicht mehr. Er neigt zu zur üppigen Faktenvermittlung auf Kosten der literarischen Eleganz. Seine Figuren lassen sich oft klar einer Seite zu ordnen. Er neigt auch zur Drastik und zu plakativen Aussagen.
Aber ich hätte die Reihe nicht schon so lange verfolgt, wenn es mich nicht auch trotzdem gut unterhalten würde. Denn eines muss man Schorlau lassen: Er transportiert seine Themen mit großem Verve und Engagement. Das Tempo ist rasant, schnelle Szenenwechsel, viel Action. Und er ist äußerst politisch, bezieht klar Stellung im sehr aktuellen Kampf um bezahlbaren Wohnraum. Das ist alles kein literarischer Hochgenuss, aber ein unhaltsamer und auch wichtiger politischer Krimi.

 

Kreuzberg Blues | Erschienen am 08.10.2020 im Verlag Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-00079-5
416 Seiten | 22,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5,0
Genre: gesellschaftskritische Krimis

Weiterlesen: Weitere Rezensionen von Gunnar zu Krimis von Wolfgang Schorlau

 

Sunil Mann | Das Gebot

Zum deutschsprachigen Krimi gehört selbstverständlich die Krimiszene der deutschsprachigen Schweiz, die von mir leider tendenziell etwas vernachlässigt wird. Fester Bestandteil dieser Szene ist der Autor Sunil Mann. Der Sohn indischstämmiger Einwanderer begann seine Karriere als Krimiautor mit der Reihe um den Privatdetektiv Vijay Kumar. Nun hat er eine neue Reihe begonnen: Die ehemalige Flugbegleiterin Marisa Greco und der Ex-Sicherheitsmann Bashir Berisha betreiben in Zürich eine Detektei mit dem interessanten Namen „Agentur für unliebsame Angelegenheiten“. „Das Gebot“ ist ihr zweiter Fall.

Ben raucht den letzten Zug seiner Zigarette, schnippt sie auf den Waldboden, erstickt die Glut mit der Schuhspitze. Sie würden Augen machen, seine Schulkameraden, wenn sie wüssten, wozu er es in der Zwischenzeit gebracht hat. Mit wie viel Eifer er glernt hat, als er endlich den richtigen Lehrer gefunden hatte. Aber sie werden von ihm hören, schon bald, sein Name wird auf allen TV-Sendern erwähnt werden, die Newssendungen werden von ihm berichten. (Auszug S. 72-73).

Während der Pandemie hat das Geschäft von Marisa und Bashir gelitten, sodass sie froh sind, endlich wieder einen ordentlichen Auftrag zu erhalten. Sie werden vom Ehepaar Bodmer engagiert, ihren Sohn Erich zu finden, der vor vier Jahren zu einer Weltreise aufgebrochen sein soll und sich seitdem nur noch einmal mit einer Weihnachtskarte gemeldet hat. Nun hat er offenbar von einem Geldautomaten am Zürcher Flughafen Geld abgehoben. Marisa und Bashir finden allerdings schnell heraus, dass Erich mitnichten auf Weltreise war, sondern in den Dschihad nach Syrien gezogen ist und als Kriegsverbrecher gesucht wird. Sie bleiben auf seiner Spur und werden gewarnt: Sollte Erich in die Schweiz zurückgekehrt sein, hat das nichts Gutes zu bedeuten.

Zwischen drei Perspektiven wechselt dieser Roman: Neben Marisa und Bashirs Ermittlungen verfolgt der Autor auch den IS-Heimkehrer Ben (seine Identität wird erst im Laufe des Buches gelüftet), der mit einer tödlichen Mission nach Zürich zurückgekehrt ist, wie bald deutlich wird. In Rückblicken wird von den Erlebnissen Bens beim islamischen Staat berichtet. Die Porträtierung Bens ist aus meiner Sicht auch der ganz starke Pluspunkt des Romans, denn diese ist sehr differenziert gelungen. Ebenfalls begleitet wird im Roman Andrea Graf, Politikerin der Rechtspopulisten (eine Fortführung aus Band 1, vermute ich). Graf will ihre Partei modernisieren, hat sich allerdings erpressbar gemacht und wird nun von ihrem skrupellosen Wahlkampfberater zu einem stramm konservativ-rechten Kurs gezwungen. Diesen Strang (der zum Ende mit dem anderen kollidiert) fand ich sehr interessant, allerdings war dieser im Vergleich zu Geschichten um Ben etwas unterrepräsentiert und für meinen Geschmack nicht ganz zufriedenstellend aufgelöst. Dennoch insgesamt ein überzeugender Roman mit guter Mischung aus Spannung, Politik und gesellschaftlichem Hintergrund. Die Agentur für unliebsame Angelegenheiten kann man durchaus weiterverfolgen.

 

Das Gebot | Erschienen am 30.03.2021 im Grafit Verlag;
ISBN 978-3-894-25774-3
352 Seiten | 13,- €
Bibliografische Angaben

Wertung: 4 von 5;
Genre: Thriller

Foto und Rezensionen von Gunnar Wolters.

Michael Connelly | Night Team (Band 2/21)

Michael Connelly | Night Team (Band 2/21)

Der Mann öffnete und schloss einen weiteren Schub. Ballard nutzte das Scheppern, um das Knarzen ihres Stuhls zu überdecken, als sie aufstand. […] Sie legte die Hand auf den Griff der Pistole und blieb drei Meter hinter dem Mann stehen.
„Was machen Sie da?“
Der Mann erstarrte. Dann nahm er langsam die Hände aus dem Schub, den er durchsucht hatte, und hielt sie so hoch, dass Ballard sie sehen konnte.
„So ist es gut“, sagte sie. „Und würden Sie mir jetzt vielleicht erklären, wer Sie sind und was Sie hier suchen?“
„Bosch der Name“, sagte der Mann. „Ich wollte mich mit jemand treffen.“ (Auszug S.19)

Den Mann, den Detective Renée Ballard bei Durchstöbern von Akten in ihrer Dienststelle überrascht, ist also kein geringerer als der legendäre Harry Bosch. Er ist inzwischen nicht mehr beim LAPD, sondern als Reserve-Officer beim San Fernando Police Department. Obwohl sich Bosch herausreden kann, forscht Ballard nach, in welchem Fall Bosch Nachforschungen anstellt. Dabei wird ihr Interesse an dem Fall ebenfalls geweckt.

Vor neun Jahren wurde die Leiche der 15jährigen Ausreißerin und Prostituierten Daisy Clayton in einem Müllcontainer gefunden, sexuell missbraucht, gefoltert und stranguliert. Die Leiche wurde anschließend ausgiebig mit Bleichmittel behandelt, so dass keine verwertbaren Spuren zu finden waren. Der Täter wurde nicht ermittelt, der Mordfall ist ein Cold Case. Bosch hat ein privates Interesse an dem Fall. Ballard bietet ihm an, den Fall gemeinsam und auch offiziell zu bearbeiten. Doch das muss neben ihrer eigentlichen Arbeit stattfinden, denn beide haben noch weitere Fälle zu bearbeiten. So ermittelt Ballard in einem Todesfall einer alleinstehenden Frau, der zunächst wie ein Mord aussieht. Bosch hingegen hat einen weiteren Cold Case, der aber ungleich brisanter ist. Vor vierzehn Jahren wurde ein ranghohes Gangmitglied hingerichtet, der Täter (auch mangels Interesse) nie gefasst. Nun treibt Bosch einen Zeugen auf, der ihm widerwillig wichtige Hinweise liefert. Doch damit tritt Bosch in ein Wespennest von sehr gefährlichen Gangstrukturen und begibt sich einmal mehr in eine brenzliche Situation.

In Bosch weckte das Hubschraubergeräusch am Himmel Hoffnung. Aber der Mann, der ihn bewachte, versetze es in Panik. Bosch hatte die ganze Nacht versucht, eine Beziehung zu ihm herzustellen. Er hatte ihm nach seinem Namen gefragt und gebeten, seine Fesseln zu lockern und ihn aus dem Käfig zu lassen, um seine verkrampfte Beine zu dehnen. Und er hatte ihn gefragt, ob er sich wirklich mit der Ermordung eines Cops belasten wollte. (Auszug S.311)

Nachdem im letzten Roman „Late Show“ Renée Ballard als neue Figur eingeführt wurde und ihre Vorgeschichte sowohl privat (traumatischer Tod des Vaters beim Surfen, Abkehr von ihrer Mutter) als auch beruflich (abgewiesene Dienstbeschwerde gegen ihren Vorgesetzten wegen sexueller Nötigung und Versetzung zur Nachtschicht) großen Raum in der Story einnahmen, ist dies diesmal eher ein wenig kleiner und dosierter gesetzt. Dafür ist Boschs Privatleben etwas stärker im Fokus, auch weil es einen direkten Fallbezug hat. Während einer verdeckten Ermittlung hatte Bosch Elizabeth Clayton kennengelernt, die Mutter der ermordeten Daisy. Elizabeth hat den Tod ihrer Tochter nie überwunden und war in die Drogenabhängigkeit und Obdachlosigkeit abgeglitten. Nach einem Entzug hatte Bosch ihr angeboten, bei ihm im Haus unterzukommen. Dies ist nun schon mehrere Monate her und seitdem versucht Bosch, den Tod Daisys aufzuklären, um für Elizabeth einen Abschluss zu finden.

Die Kombination von mehreren Serienfiguren eines Autors ist nichts Neues. Michael Connelly hat dies selbst schon vorgemacht, so hatten seine weiteren Figuren Michael Haller und Terry McCaleb schon gemeinsame Auftritte mit Bosch. Seine äußerst erfolgreiche Reihe um den Ermittler Hieronymus „Harry“ Bosch besteht nun schon seit 1992, in dieser Reihe wäre „Night Show“ der 21.Band mit Harry Bosch. Einen weiteren Roman mit Bosch und Ballard („The Night Fire“) hat Connelly bereits im Original veröffentlicht.

Die Kombination der beiden Figuren funktioniert wirklich gut. Trotz gewisser Eigenarten sind sich beide Ermittler schon ähnlich, beider Leben sind stark auf ihren Beruf ausgerichtet. Bosch verzögert sogar ärztliche Behandlungen, weil er die Dienstunfähigkeit fürchtet. Sowohl Bosch als auch Ballard sind akribisch, engagiert und mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit ausgestattet, dem sie manche Regeln unterordnen. In ihrer moralischen Integrität kommen sie dabei auch ein wenig unnahbar rüber und lassen es auch auf Konflikte ankommen.

Insgesamt ist „Night Team“ ist ein klassischer Polizeikrimi, der mehrere Ermittlungen begleitet, die Vorgänge bei der Polizei beleuchtet und die Polizisten bis in ihr Privateben folgt. Connelly macht dies zwar nicht überdingt spektakulär, aber enorm souverän in Figuren, Setting und Plotentwicklung. Einziger Wermutstropfen für mich war, dass er es erfahrenen Krimilesern zu einfach macht, auf den Täter im Mordfall Daisy Clayton zu kommen. Aber das lässt sich verschmerzen, „Night Team“ ist ein im besten Sinne routinierter Kriminalroman.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Night Team | Erschienen am 25.03.2021 im Kampa Verlag
ISBN 978-3-311-12536-5
446 Seiten | 19,90 €
Originaltitel: Dark Sacred Night (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Gunnars Rezension zu „Late Show“ von Michael Connelly

Abgehakt | Kurzrezensionen März 2021

Abgehakt | Kurzrezensionen März 2021

Unsere Kurzrezensionen zum Ende März 2021

 

Mike Knowles | Tin Men

Im kanadischen Hamilton wird eine hochschwangere Polizistin Opfer eines sehr brutalen Mordes. Dabei wurde ihr das ungeborene Kind aus dem Leib geschnitten. Die drei Cops mit der besten Ermittlungsquote werden gemeinsam auf den Fall angesetzt. Allerdings sind die drei auch ziemlich problematische Typen, allen voran der zur Gewalt neigende Os. Der Druck für einen Ermittlungserfolg ist hoch und so gehen die drei auch mit ziemlich hoher Energie an den Fall heran. Was Os seinen Partnern allerdings verschweigt: Er ist der Vater des Kindes und hatte sich von der Toten nicht im Einvernehmen getrennt.

Ein grausamer Mord und drei Cops mit verdammt vielen eigenen Problemen. Der Titel „Tin Men“ steht dabei in Anlehnung an den Blechmann aus Zauberer von Oz (der in Rüstung und ohne Herz). Autor Mike Knowles erzählt die Story aus den drei Perspektiven der Cops und in einer erzählten Zeit von etwas mehr als 24 Stunden. Somit hat das Ganze ordentlich Tempo, ohne dabei aber zu vergessen, die Tiefe seiner drei Protagonisten auszuloten. Eine wirklich gelungene, düstere Copnovel aus Kanada – garantiert ohne Happy End.

Tin Men | Erschienen am 15.10.2020 im Polar Verlag
ISBN 978-3-948392-14-7
338 Seiten | 14,- €
Originaltitel: Tin Men (Übersetzung aus dem kanadischen Englisch von Karen Witthuhn)
Bibliografische Angaben

Wertung: 4,0 von 5,0
Genre: Noir/Hardboiled

 

John Boyne | Die Geschichte eines Lügners

Erich Ackermann ist ein älterer Literaturprofessur und Autor, der nach einer durchschnittlichen Karriere zuletzt dann doch mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Bei einer Lesereise in seine Heimatstadt West-Berlin trifft er auf den jungen Aushilfskellner Maurice Swift, der selbst von einer Schriftstellerkarriere träumt. Der homosexuelle Ackermann fühlt sich zu Maurice hingezogen, nimmt ihn als Assistenten mit auf Lesereisen und vertraut ihm ein dunkles Kapitel seiner Lebensgeschichte an. Maurice erkennt seine Chance: Als Autor ist er stilistisch brillant, aber ihm fehlen die Geschichten. Und nun hat Ackermann ihm eine starke Geschichte geliefert.

Autor John Boyne ist vielen bekannt als Autor des Holocaust-Romans „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Mit „Die Geschichte eines Lügners“ begibt er sich diesmal in die schillernde und raue Welt des Literaturbetriebs. Protagonist Maurice Swift ist bereit, nicht nur buchstäblich über Leichen zu gehen, um seine Karriere als Schriftsteller voranzutreiben. Dabei ist er ein charmanter und gutaussehender Typ, im Inneren aber ein Opportunist und Narzist ersten Ranges. Freunde, Bekannte und auch die Familie werden im Zweifelsfall arglistig getäuscht und ausgenutzt.

Die Rezensionen der Presse auf diesen Roman waren (soweit ich es mitbekommen habe) ziemlich positiv. Nicht nur die New York Post verglich den Roman und seine Hauptfigur mit dem talentierten Mr. Ripley. In diese Lobeshymnen mag ich nicht so richtig einstimmen. Sicher, der Roman liest sich ganz gut. Es gibt vier verschiedene Abschnitte aus drei Perspektiven, zudem zahlreiche bissige Verweise auf den Literaturbetrieb. Allerdings wirkt das schon etwas stereotyp (alte schwule Autoren und komplizierte junge Autorinnen). Boynes Figuren bleiben für mich vielfach auch eher flach. Außerdem fand ich die Story zunehmend langweilig, denn im Grunde variiert Maurice seine betrügerische Masche nur punktuell, bevor am Ende… (ok, das Ende spoiler ich nicht, aber auch das war nur teilweise überraschend). Das Ganze ist für meinen Geschmack in Bezug auf Figuren und Spannung nicht die höchste Liga – schon gar nicht in einer Liga mit Patricia Highsmith.

Die Geschichte eines Lügners | Erschienen am 11.01.2021 im Piper Verlag
ISBN 978-3-492-05963-3
432 Seiten | 24,- €
Für die E-Book-Ausgabe:
ISBN 978-3-492-99624-2 | 19,99 €
Originaltitel: A Ladder To The Sky (Übersetzung aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Michael Schickenberg)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 2,5 von 5
Genre: Spannungsroman

 

Hallie Rubenhold | The Five – Das Leben der Frauen, die von Jack The Ripper ermordet wurden

Mary Ann „Polly“ Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly – hätte da bei diesen Namen sofort etwas geklingelt? Vermutlich bei vielen nicht – und das, obwohl sie mit einem der berühmtesten Kriminalfälle verbunden sind. Diese Frauen sind die sogenannten „Kanonischen Fünf“ – die fünf Mordopfer, bei denen sich Forscher und Kriminalisten mit großer Mehrheit sicher sind, dass sie von Jack The Ripper im Spätsommer und Herbst des Jahres 1888 ermordet wurden (es gab noch weitere Mordfälle rund um diese fünf, die aber nicht eindeutig zugeordnet werden konnten). Während der Mörder, dessen Identität bekanntlich bis heute nicht geklärt ist, enorme Bekanntheit erlangte und geradezu mystifiziert wurde, wurden seine Opfer schnell alle als Prostituierte gebranntmarkt und postum herabgewürdigt.

Die Autorin Hallie Rubenhold will mit diesem Buch die Opfer wieder ins Licht holen, ihre Lebensgeschichten und Schicksale erzählen. Alle Frauen waren Bewohner des Elendsviertels Whitechapel, lebten zuletzt in tiefer Armut, übernachten teilweise in Armenhäusern oder sogar auf der Straße (wo der Ripper vier der fünf ermordete). Doch sie waren beileibe nicht alle Prostituierte, letztlich war dies wohl nur Mary Jane Kelly zum Zeitpunkt ihres Todes. Rubenhold versucht die Leben der Frauen zu rekonstruieren und auch wenn die Autorin aufgrund mancher unklaren Quellenlage regelmäßig zu Formulierungen wie „wahrscheinlich“, „womöglich“ oder „offenbar“ greifen muss, gelingt ihr über die Biografien eine lesenswerte Darstellung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschicht und vor allem der Frauen im viktorianischen Zeitalter. Ein wirklich überfälliger Blickwinkel auf den Jack The Ripper-Fall und ein Statement gegen Misogynie unter dem #saytheirnames.

The Five – Das Leben der Frauen, die von Jack The Ripper ermordet wurden | Erschienen am 16.11.2020 bei Nagel & Kimche
ISBN 978-3-312-01186-5
424 Seiten | 24,- €
Originaltitel: The Five. The untold lives of the women killed by Jack The Ripper (Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Höbel)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5
Genre: True Crime

Fotos und Rezensionen 1-3 von Gunnar Wolters.

 

Eva Almstädt | Ostseelüge

Pia Korittki nimmt im Dezember ihren Resturlaub und besucht eine alte Schulfreundin in Dänemark, die dort vor kurzem ein Hotel eröffnet hat. Pia wird in der ersten Nacht in ihrem Zimmer überfallen, meldet das der örtlichen Polizei, möchte ihren Urlaub aber trotzdem weiterhin genießen. Als es dann zu einem Todesopfer im Hotelrestaurant kommt, beginnt Pia allerdings doch mit eigenen Ermittlungen…

„Ostseelüge“ von Eva Almstädt ist ein kurzweiliger Urlaubskrimi, der spannend geschrieben ist und der auch Einblicke aus Sicht der Opfer bei Ermittlungen gibt, denn Pia steht auf einmal auf der anderen Seite, da sie in Dänemark keinerlei Befugnisse hat. Kann ich empfehlen zu lesen.

Ostseelüge | Erschienen am 27. März 2020 im Verlag Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17953-4
160 Seiten | 10,00 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 4 von 5
Genre: Regionalkrimi

 

Klaus-Peter Wolf | Todesbrut

Das Vogelgrippe-Virus greift auch auf den Menschen über und die Krankheit verläuft schnell und tödlich. Die Kleinstadt Emden in Ostfriesland, in der der erste Fall in Deutschland bekannt wird, wird abgeriegelt. Die Inselbewohner auf Borkum haben ebenfalls Angst vor einer Ansteckung und lassen die Fähre aus Emden nicht anlegen. Die Regierung entscheidet zu langsam, also nimmt die Bevölkerung erforderliche Maßnahmen selbst in die Hand…

„Todesbrut“ von Klaus-Peter Wolf erschien bereits 2010, greift aber ein sehr aktuelles Thema auf. Die Geschichte wird sehr überspitzt und auf einen Tag reduziert erzählt, aber sie beinhaltet viel Wahrheit. Der Autor hat vor über zehn Jahren schon sehr treffend vorausgesagt, was passiert, wenn so ein Virus die Menschheit befällt. Sehr spannend beschrieben und für mich hat es die aktuellen Maßnahmen etwas relativiert. Es ist momentan natürlich schwierig, aber es könnte auch noch viel katastrophaler sein.

Todesbrut | Erschienen 2010 im Verlag script5
ISBN: 978-3-83900-117-2
480 Seiten | 14,95 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5
Genre: Thriller

Fotos und Rezensionen 4&5 von Andrea Köster.

David Peace | Tokio im Jahr Null

David Peace | Tokio im Jahr Null

Als ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, regelmäßig Klassiker der Kriminalliteratur zu besprechen, war mir schnell klar, dass der Begriff „Klassiker“ nicht heißen muss, dass das Werk vor langer Zeit entstanden sein muss. Vielmehr gibt es auch Romane der jüngeren Vergangenheit, die aufgrund besonderer Stilistik, Rezeption oder Thematik einen gewissen Klassikerstatus beanspruchen können. Als ein solches Werk würde ich auch „Tokio im Jahr Null“ definieren, immerhin noch keine fünfzehn Jahre alt und als Übersetzung Gewinner des Deutschen Krimi Preises 2011.

Die Geschichte beginnt mit dem Tag der Kapitulation Japans bzw. dem Tag der Verkündigung der Kapitulation durch Kaiser Hirohito am 15. August 1945. Am Morgen diesen Tages ist ganz Japan in Aufruhr, denn es wird zum Mittag eine kaiserliche Radioansprache angekündigt. Inspektor Minami von der Tokioter Polizei wird aber vorher zum Fundort einer Frauenleiche gerufen. Das Gebäude wird vom Militär genutzt, sodass die Militärpolizei kurze Zeit später auftaucht und den Fall übernimmt. Ein koreanischer Fremdarbeiter, der in der unmittelbaren Nähe in einem Wohnheim lebt, wird kurzerhand verdächtigt und an Ort und Stelle getötet. Minami weiß, dass es den Falschen getroffen hat, doch im Chaos der Kapitulation gibt es keine weiteren Ermittlungen.

Ein Jahr später werden in einem zerbombten Park erneut zwei ermordete Frauen entdeckt. Eine Leiche ist sogar bereits skelettiert, lag dort schon länger. Minami ist schnell davon überzeugt, dass es sich um einen Serienmörder handelt, doch seine Vorgesetzten behandeln die Fälle zunächst getrennt und bilden zwei Ermittlungsgruppen. Minami rollt alte Fälle wieder auf, findet heraus, dass es eine Reihe von Vermisstenfällen gibt, die im Zusammenhang mit den Leichenfunden stehen könnten. Währenddessen nehmen die Spannungen zwischen den Ermittlern und den Ermittlungsgruppen zu. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, Korruption und dunkle Flecken in der Vergangenheit bedrohen fast jeden Beamten. Die Siegermächte verlangen von den Japanern, unzuverlässige Beamten aus dem Dienst zu entlassen und jeder ist darauf bedacht, dass es nicht ihn, sondern einen anderen trifft.

Niemand ist der, der er zu sein vorgibt.

Dieses Mantra zieht sich als roter Faden durch den ganzen Roman. Im zerbombten Tokio des Jahres 1946 trifft das auf so ziemlich jeden zu. Auch auf Minami, der zwar seinen Beruf als Kriminalinspektor ernst nimmt und alles daran setzt, den Serienmörder zu überführen, der aber gleichzeitig unter der Knute des Gangsterbosses Senju steht, vor allem aufgrund seiner Medikamentensucht. Minami verbirgt außerdem ein dunkles Geheimnis, mehrmals wird angedeutet, dass er an japanischen Kriegsverbrechen beteiligt war – unter anderem Namen. Seine Familie, Frau und zwei Kinder, vernachlässigt er, Ruhe und Frieden findet er zumeist nur bei seiner Geliebten. Seine Situation im Präsidium ist zunehmend heikel, seine Vergangenheit und die Verbindung zu Senju drohen aufzufliegen. Minami fällt es zunehmend schwer, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, die Illoyalität greift um sich. Zusammen mit seinem schlechten körperlichen Allgemeinzustand und den Medikamenten gerät Minami teilweise in einen gehetzten, wahnhaften Zustand.

An dieser Stelle, in dieser Senke nehme ich ihre Akte.
Zwischen den Bäumen, den schwarzen Baumstämmen…
Ich schlage sie auf und nehme die Fotos heraus.
Den Ästen und Blättern…
Ich sehe sie an dieser Stelle.
Ihren weißen, nackten Körper…
Sehe ihr Gesicht.
Ihr zerschundenes Gesicht…
Ihr Gesicht.
Ganz schwarz…
Ich schließe an diesem Ort, an dieser Senke, unter diesen Bäumen die Augen und sehe ihr Gesicht. (S.325)

Wer einen David Peace liest, sollte zumindest wissen, was ihn erwartet: Harte Arbeit. Der Autor wurde vor allem mit seinem „Red Riding Quartett“, den vier Romanen „1974“, „1977“, „1980“ und „1983“ vor dem Hintergrund des Yorkshire Rippers Peter Sutcliffe bekannt. „Tokio im Jahr Null“ war der Auftakt einer Trilogie der Autors (Teil 3 erscheint Ende April im Liebeskind Verlag), der selbst jahrelang im Japan gelebt hat. Peace‘ Stil ist für den Leser ziemlich unbequem. Er schreibt verknappt, stakkatohaft, mit Einschüben der Gedanken der Figuren, mit Lautmalerei. In diesem Roman beispielsweise verwendet er sehr regelmäßig die japanischen Laute für Hämmern (Ton-ton), Kratzen (Gari-gari) oder tickenden Uhren (Chiku-taku). Seine Dialoge sind äußerst realistisch und lassen vieles aus. Die Plots sind komplex und Peace erläutert auch nichts, sondern überlässt die Deutung dem Leser. Das Ganze macht seine Romane nicht gerade zur einfache Lektüre – im Gegenteil, es ist sogar ausgesprochen sperrig und manchmal auch verstörend. Aber gerade darin liegt auch eine gewisse Faszination. Peace‘ Figuren erlangen eine enorme Tiefe, sein Setting eine beeindruckende Anschaulichkeit.

In diesem Falle ist dies das zerstörte Tokio, zerbombte Häuser, Schwarzmärkte, Hunger, Krankheiten, Läuse. Allgemeine Düsternis. Der Polizeiapparat voller absurder Rituale, ineffizient, ein Hort der Intrigen. Und darin ein Inspektor auf der Jagd nach einem Serienmörder, gleichzeitig auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, vor sich selbst. Spannend ist außerdem, dass Peace sich von einem wahren Kriminalfall inspirieren ließ: Kodaira Yoshio gestand die Vergewaltigung und Ermordung von zehn Frauen und wurde 1949 hingerichtet. All dies geschrieben in einem „expressionistischem“ Stil, wie es die Bloggerkollegin Bettina Schnerr in ihrer Rezension des Romans ausdrückt. Das ist insgesamt sehr fordernd, aber am Ende war ich schon ein wenig beeindruckt – von mir, dass ich wieder einen Peace durchgehalten habe und vom Autor über dieses komplexe Werk.

 

Rezension & Foto von Gunnar Wolters.

Tokio im Jahr Null | Erstmals erschienen 2007
Die gelesene Ausgabe erschien 2011 bei Heyne Hardcore
ISBN 978-3-453-67531-5
416 Seiten | 9,99 €
Originaltitel: Tokio Year Zero (Übersetzung aus dem Englischen von Peter Torberg)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen I: Rezension des Romans im Blog „Bleisatz“

Weiterlesen II: Interview des Autors mit dem SPIEGEL im Jahr 2009