Kategorie: Regionalkrimi

Elsa Dix | Die Tote in der Sommerfrische

Elsa Dix | Die Tote in der Sommerfrische

„Haare trieben im Wasser, flossen wie dunkles Seegras um ihn herum. Es war eine Frau, sie trieb auf dem Bauch. Christian ergriff sie an der Schulter, versuchte den Kopf über die Wasseroberfläche zu bringen. Er schaffte es nicht. Mit der nächsten Welle zog er den Körper näher Richtung Strand. Doch dann wich das Wasser zurück, und für einen Moment fürchtete er, von der herausströmenden Gischt mitgerissen zu werden.“ (Seite 17)

Viktoria Berg verbringt 1912 die Sommerfrische auf Norderney, bevor sie eine Stellung als Lehrerin antritt. Mit ihr verbringt auch die feine Gesellschaft der Kaiserzeit scheinbar unbeschwerte Tage auf der Insel. Dann zieht der Journalist Christian Hinrichs eine Leiche aus dem Meer und Viktoria kannte die Tote. Da die Polizei den Vorfall ohne Ermittlung als Selbstmord abtut, sich Christian und Viktoria aber einig sind, dass es nicht so ist, begeben sie sich selbst auf Spurensuche.

Krimi trifft Liebe
„Die Tote in der Sommerfrische“ von Elsa Dix ist der erste Fall um Viktoria Berg und Christian Hinrichs. Ich empfand diesen Krimi als sehr unterhaltsam zu lesen. Dieses Buch ist der erste historische Kriminalroman, den ich lese und ich bin überzeugt worden, auch wenn der Schauplatz am Meer einen großen Anteil daran hat. Neben dem Mord, dessen Lösung im Fokus steht, geht es auch um die Gefühle von Viktoria und Christian zueinander. Also ist dieses Buch eine Mischung aus Kriminal- und Liebesroman, was ich gut gelungen finde, denn die Liebesszenen sind überhaupt nicht kitschig und ergänzen sich gut mit den Recherchen um den Todesfall.

Ein Einblick in die Vergangenheit
Sehr interessant fand ich, wie es damals zuging. Dass der Adel automatisch mehr zu sagen hatte als die Arbeiterklasse, welche Arbeitsbedingungen für die Dienstmädchen galten, dass verheiratete Frauen nichts zu sagen hatten und ihre Männer wie Kinder um Erlaubnis fragen mussten. Auch wie insgesamt alles um den Fremdenverkehr organisiert war. Die gesamten Beschreibungen kommen mir sehr gut recherchiert vor. Die Autorin erwähnt in der Danksagung, dass sie viel im Norderneyer Stadtarchiv recherchiert hat und einige der Fundstücke hat sie auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Klassengesellschaft
Viktoria Berg ist die Tochter eines Oberstaatsanwaltes, und obwohl es in ihrer Klasse üblich ist, sich zu verheiraten und Kinder zu bekommen, hat Viktoria sich durchgesetzt und eine Ausbildung zur Lehrerin absolviert. Ihr ist es ganz wichtig zu arbeiten und vor allem frei und unabhängig zu bleiben, deshalb kommt für sie eine Ehe keineswegs in Frage. Christian Hinrichs entstammt einer Arbeiter-Familie, und nur durch seinen Ehrgeiz ist er überhaupt Journalist geworden. Mir sind beide Protagonisten sehr sympathisch, Viktoria beeindruckt mich aber besonders durch ihren Mut und die Einstellung, etwas verändern zu wollen und nichts so hinzunehmen, wie es ist.

Seichte Spannung
Den Täter versuchen die beiden durch mehr oder weniger direkte Befragungen der Gäste zu ermitteln, außerdem durch Beobachten, Belauschen und Schlussfolgern. Das Ganze ist spannend, aber auf eine seichte Art. Ich hätte mir ein klein bisschen mehr Nervenkitzel gewünscht, trotzdem kamen keinerlei Längen auf.
Fazit: Eine unterhaltsame Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte und eine kleine Reise in die Vergangenheit, angesiedelt im schönen Seebad Norderney. Ich freue mich auf weitere Fälle.

Elsa Dix ist eine aus Norddeutschland stammende Krimiautorin. Sie lebt heute mit ihrem Mann und Hund in Düsseldorf und verbringt jede freie Minute auf Norderney. (Verlagsinfo)

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Die Tote in der Sommerfrische | Erschienen am 16.03.2020 im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-49034-0
416 Seiten | 10.- Euro
Bibliografische Angaben und Leseprobe

Nina Ohlandt | Dünengeister (Band 6)

Nina Ohlandt | Dünengeister (Band 6)

„Zwischen den Wolken kam der Mord hervor, und Haie trieb sein Pferd an. Es trabte durch den tiefen Sand der Großen Düne, die auf der Insel nur als die „Geisterdüne“ bekannt war. Der Legende nach hatten an diesem Ort in früheren Jahrhunderten die Einheimischen ihre wilden Orgien und Besäufnisse gefeiert, nachdem sie die gestrandeten Schiffe ausgeraubt, die Besatzung, sofern sie nicht ersoffen war, erschlagen und die Beute in Sicherheit gebracht hatten.“ (Seite 9)

Hauptkommissar John Benthien von der Kripo Flensburg ist gerade mit seiner Freundin und Kollegin Lilly Velasco auf Sylt bei Benthiens Vater zu Besuch, als ein Jugendlicher eine Hand in einer Düne entdeckt. Nach den ersten Ermittlungen stellt sich heraus, dass dort auch noch eine zweite Leiche liegt, die beide Jahrzehnte alt sind. Kurze Zeit später gibt es in der Familie, zu dessen Grundstück diese Düne gehört, zwei weitere Todesfälle. Benthien ist das etwas zu viel Zufall und er gräbt sich tief in die Vergangenheit der Familie…

Fall 6 für Benthien
„Dünengeister“ von Nina Ohlandt ist der sechste Fall um Kommissar Benthien. Dieses Buch kann man problemlos auch ohne Vorkenntnisse der Reihe lesen, es wird wenig Bezug auf die vorherigen Fälle genommen und wenn, dann so ausgeführt, dass man die Zusammenhänge gut begreift. Im Fokus der Geschichte stehen absolut die Ermittlungen und die Aufklärung des Falles. Nur hin und wieder kommen auch private Aspekte der Kommissare, was ich angenehm finde.

Sehr komplexer Fall
Da es sich hier um drei Mordfälle aus unterschiedlichen Zeitepochen handelt, ist die Geschichte sehr komplex. Hinzu kommen viele handelnde Personen und Namen aus mehreren Generationen, da kann man leicht mal durcheinander kommen. Damit der Leser aber nicht den Überblick verliert, gibt es im Buch ein Personenregister, das ich allerdings nicht brauchte, da auch im Text immer wieder beschrieben wird, in welchem Zusammenhang diese oder jene Person nochmal steht.

Protagonist bleibt flach
Lange tappen die Hauptermittler, die aus Benthien, Lilly und Tommy Fitzen, einem Kollegen aus Flensburg, bestehen, im Dunkeln. Viele haben Gelegenheit, aber keiner so ein wirkliches Motiv. Die Spannung um die Täter bleibt bis zum Schluss erhalten, erst auf den letzten Seiten werden diese gelüftet und konnten mich überraschen. Benthien, der Protagonist, hat mich persönlich nicht sehr angesprochen, er ist ein Kommissar der ermittelt, ohne Ecken und Kanten oder irgendetwas spezielles, das mich für ihn einnimmt, das finde ich etwas schade.

Agatha lässt grüßen
Das Buch besitzt über fünfhundert Seiten, aber keine davon ist zu viel. Am Ende schreibt die Autorin, dass dieser Roman eine „kleine, augenzwinkernde Hommage an Agatha Christie und ihr Werk“ sein soll, was ich sehr schön finde, denn am Ende bringt Lilly, die in jeder freien Minute die Krimis von Agatha Christie liest, den entscheidenden Hinweis.

Nina Ohlandt wurde in Wuppertal geboren, wuchs in Karlsruhe auf und machte in Paris eine Ausbildung zur Sprachlehrerin, daneben schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Später arbeitete sie als Übersetzerin, Sprachlehrerin und Marktforscherin, bis sie zu ihrer wahren Berufung zurückfand: dem Krimischreiben im Land zwischen den Meeren, dem Land ihrer Vorfahren. (Verlagsinfo)

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Dünengeister | Erschienen am 29.03.2019 bei Bastei Lübbe
ISBN 978-3-404-17780-6
544 Seiten | 10,– €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Anja Eichbaum | Letzte Hoffnung Meer

Anja Eichbaum | Letzte Hoffnung Meer

„Die positiven Dinge waren das Meer. Die Ostsee, die sie schon als Kind so geliebt hatte. Und ihre Strandbude. Die der Himmel hierhin gesetzt haben mochte. Ein Ort, an dem sich die Gesunden und Kranken trafen, einander beäugten, als kämen sie von unterschiedlichen Planeten. Ein Ort, an dem die Urlauber demütig wurden. An dem die Kranken manchmal verzweifelten, aber genauso oft Hoffnung schöpften. Mal sehen, ob es dort schon einen Kaffee gab.“ (Seite 12)

Im Ostseebad Boltenhagen wird eine tote Frau mit durchtrennter Kehle gefunden. Nach der ersten Untersuchung steht fest, dass die Frau Patientin einer Klinik war, die sich auf Krebstherapie spezialisiert hat und als geheilt galt. Der Kommissar Dr. Ernst Bender von der Schweriner Mordkommission nimmt sich dem Fall an, denn er glaubt nicht wie seine Kollegen, dass dieser Mord zu einer anderen Serie in Schwerin passt. Am Tatort trifft Bender dann durch Zufall auf Polizeipsychologin Ruth Keiser und den Norderneyer Polizisten Martin Ziegler, die beide eigentlich nur Urlaub an der Ostsee machen wollten, sich aber schneller in den Ermittlungen verstricken, als ihnen lieb sein mochte.

Diagnose Krebs
„Letzte Hoffnung Meer“ von Anja Eichbaum ist der zweite Fall um Polizeipsychologin Ruth Keiser und Polizist Martin Ziegler. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und ich fand das Thema der Krebs-Patienten und ihre Therapien sehr interessant. Dabei schlugen mir die Schilderungen aber nicht zu sehr aufs Gemüt. So schockierend die Diagnose auch sein muss, waren die beschriebenen Personen überwiegend hoffnungsvoll und den Umständen entsprechen positiv aufs Leben eingestellt.

Keine reine Ermittlung
Beim Lesen war mir zuerst nicht ganz klar, wer hier eigentlich der Protagonist ist. Im Laufe der Geschichte kristallisiert sich Ruth heraus, Martin Ziegler tritt in diesen Ermittlungen aber eher nebenbei auf, Dr. Ernst Bender ist mehr im Vordergrund. In diesem Krimi steht auch nicht komplett die Ermittlung im Fokus, sondern es werden viele weitere Szenen beschrieben, die nicht unmittelbar mit dem Mord zu tun haben. Am Ende wird dann trotzdem alles rund und jede handelnde Person hatte seine Berechtigung, außerdem wurde es mir auch zu keiner Zeit zu langatmig.

Flacher Spannungsbogen
Den Spannungsbogen habe ich insgesamt etwas vermisst, die gesamte Geschichte liest sich doch eher gemächlich. Zum Ende hin kommt dann doch noch ein kleines bisschen Nervenkitzel dazu, was mir persönlich allerdings schon fast wieder zu gewollt dramatisch ist. Gut gefielen mir aber die detaillierten Beschreibungen der Schauplätze und besonders toll finde ich, wenn es diese dann auch im wirklichen Leben gibt und man sie besuchen kann, was hier der Fall ist.

Fazit: Interessantes Thema mit Ostsee-Schauplatz, das für meinen Geschmack aber noch etwas mehr Spannung vertragen kann. Trotzdem lesenswert.

Anja Eichbaum stammt aus dem Rheinland, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Als Diplom-Sozialarbeiterin ist sie seit vielen Jahren leitend in der Kinder- und Jugendhilfe tätig. Frühere biographische Stationen wie eine Krankenpflegeausbildung und ein „halbes“ Germanistikstudium bildeten Grundlage und Füllhorn zugleich für ihr literarisches Arbeiten. Aus ihrer Liebe zum Meer entstand ihr erster Norderney-Krimi, denn ihre Bücher verortet sie gerne dort, wo sie am liebsten selber ist: am Strand mit einem Kaffee in der Hand. (Verlagsinfo)

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Letzte Hoffnung Meer | Erschienen am 13.02.2019 im Gmeiner Verlag
ISBN 978-3-8392-2374-1
472 Seiten | 14,– €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Manfred Reuter | Die Toten von Norderney Bd. 4

Manfred Reuter | Die Toten von Norderney Bd. 4

„Das Kameradisplay begann vor seinen Augen zu verschwimmen, wurde schließlich schwarz, und der salzig-brackige Geruch des Wattenmeeres drang ebenfalls nicht mehr zu ihm vor. Dann gaben die Beine nach, und Janko sackte in sich zusammen. Seine rechte Hand schlug gegen den Schiffsrumpf, sein Kopf klatschte in den Sand, unmittelbar neben der skelettierten Hand, von der man meinen konnte, sie wollte nach ihm greifen.“ (Auszug Seite 11)

Beim Schiffswrack an der Ostspitze von Norderney wird ein Skelett gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es von einer jungen Frau stammt, die seit zwölf Jahren als vermisst gilt. Kommissar Gent Visser nimmt sich dem Fall an und versucht den Fall von damals nun endlich zu lösen. Dabei gerät er selbst in Gefahr und kann weitere Tote nicht verhindern.

Fall vier für Visser

Die Toten von Norderney von Manfred Reuter ist der vierte Fall für Oberkommissar Gent Visser auf der ostfriesischen Insel Norderney. Er bekommt, wie auch in den vorherigen Fällen, Unterstützung von Kommissar Carlo Faust aus der Polizeiinspektion Aurich. Die beiden verbindet mittlerweile eine Art Freundschaft. In der Geschichte dominiert die Ermittlung im aktuellen Fall. Es werden die üblichen Befragungen, Recherchen und Überlegungen geschildert, die ich mir in einem Kriminalroman wünsche. Nur am Rande finden auch private Szenen einen Platz, beispielsweise, dass Visser mit seiner Frau über die bevorstehende Silberhochzeit spricht.

Eher seichter Spannungsbogen

Spannung ist meiner Meinung nach vorhanden, aber insgesamt nicht wahnsinnig mitreißend. Ich wollte schon wissen, wer der Täter ist, konnte das Buch zwischenzeitlich aber auch gut zur Seite legen. Zusätzlich zur eigentlichen Ermittlung werden einige Ausschnitte des Täters geschildert, die klar machen, dass es sich um einen Psychopathen handeln muss und kleine Hinweise für den Leser geben, aber trotzdem nicht zu viel verraten. Bis ziemlich zum Schluss tappen die Polizisten im Hinblick auf den Täter im Dunkeln und es war auch für mich als Leser in keinster Weise vorhersehbar, was mir gefällt.

Klimawandel überall

Der Schreibstil des Autors liest sich für mich flüssig. Gut finde ich, dass er immer wieder auch etwas Humor einfließen lässt, ohne dass es lächerlich wird. Die Schauplätze werden außerdem sehr detailliert beschrieben und ich konnte insgesamt einen guten Eindruck der Insel mitnehmen. Der Autor nimmt zudem Bezug auf das aktuelle Klima, also dass die Unwetter und Stürme an der Küste immer verheerender werden; zudem widmet er das Buch der internationalen Jugendbewegung für den Klimaschutz „Fridays for Future“.

Etwas unsympathische Protagonisten

Mit beiden Protagonisten werde ich allerdings nicht so wirklich warm. Gent Visser mit seinen eins zweiundneunzig, fast fünfzig Jahren, Stiernacken und Brille, der schon recht oft aufbrausend ist und Carlo Faust, zehn Jahre jünger, mit lässiger Jacke, Sonnenbrille und geschwollener Brust, wenn Frauen in der Nähe sind. So wie sie beschrieben werden und sich verhalten sind sie einfach nicht der Typ Polizist, den ich gerne lese, aber das ist ja Geschmackssache.

Fazit: Klassischer Kriminalroman mit einer Prise Humor, toller Kulisse, aber für mich persönlich nicht so überzeugenden Protagonisten.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die Toten von Norderney | Erschienen am 12. März 2020 im Emons Verlag
ISBN 978-3-74080-812-8
240 Seiten | 12.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

R. P. Hahn | Der Korndämon

R. P. Hahn | Der Korndämon

Annika fuhr fort: „Also der Korndämon wartet im Feld auf Eltern mit kleinen Kindern. Und wenn die Eltern ihr Kind aus den Augen lassen, und sei es nur für einen winzigen Moment, zieht der Dämon es ins Feld. Und dann sieht man es nie wieder.“ (Auszug Seite 105)

Der Alkoholiker Richard Dreifürst sieht beim Überqueren einer Straße in Garz auf Rügen ein Auto, in dem ein Junge sitzt, dem Todesangst ins Gesicht geschrieben ist. Mit dieser Entdeckung geht Richard sofort zur Polizei, doch die Beamten glauben ihm nicht, da er in der Vergangenheit schon des Öfteren wegen Trunkenheit aufgegriffen wurde und nun vermuten sie, dass es sich bei dem Jungen auch nur um eine Wahnvorstellung im Suff handelt. Richard lässt sich davon aber nicht abbringen und versucht das Kind auf eigene Faust zu retten.

Keine Ermittlung von Polizisten

Der Korndämon von R. P. Hahn hat mich angesprochen, weil er auf der Ostseeinsel Rügen spielt. Interessant fand ich auch, dass es eben kein klassischer Kriminalroman ist, bei dem es um die Ermittlungen der Polizei geht, sondern dass sich eine Privatperson auf die Suche macht. Nach den ersten siebzig Seiten habe ich dann gedacht, wie der Autor mit dieser Geschichte über dreihundert Seiten füllen möchte, denn eigentlich ist schon fast alles erzählt. Ich habe aber weitergelesen, denn oft wurde ich schon nach solchen Gedanken überrascht. Diese Überraschung blieb hier allerdings aus.

Das Leben eines Alkoholikers

Im Grunde empfand ich das Buch weniger als einen Krimi, sondern eher als „Aus dem Leben eines Alkoholikers“. Natürlich geht es Richard in erster Linie um die Suche nach dem Jungen, aber immer wieder kommt ihm seine Sucht in die Quere und somit ist sein Tun schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Am Anfang fand ich es noch ganz interessant, aus dem Leben eines Alkoholikers zu lesen, aber spätestens nach der Hälfte fand ich es nur noch anstrengend. Richards persönliche Ermittlung wird zu einer Besessenheit und der Alkoholismus artet komplett aus. Keiner glaubt ihm so recht, Hilfe bekommt er trotzdem zeitweise.

Bis zum bitteren Ende

Das Mantra des Protagonisten „Und wenn ich Recht habe?“ treibt ihn trotz aller Widerstände weiter und auch obwohl der Spannungsbogen für mich auf der Strecke geblieben ist, wollte ich wissen, wie es ausgeht und ob er wirklich Recht hatte. So habe ich tapfer weitergelesen. Im Grunde kann man das Ende aber bereits erahnen, sonst hätte die Geschichte wirklich nach siebzig Seiten zu Ende sein können. Auf den letzten Seiten kommt dann doch noch etwas Spannung auf, also hat sich das Durchhalten gelohnt.

Fazit: Die Geschichte eines besessenen Alkoholikers, die am Schluss doch noch punkten kann.

R. P.Hahn stammt aus Niedersachsen und lebt heute mit seiner Familie in Fulda. Seine ersten Autorenarbeiten waren für das Fernsehen, wo er für Krimireihen wie „Tatort“, „Der Fuchs“ oder „Hubert und Staller“ zahlreiche Drehbücher schrieb. Auch der Pro Sieben-Thriller „Götterdämmerung“ stammt aus seiner Feder. Für sein Skript „Das letzte Streichholz“ bekam er 2007 den hessischen Drehbuchpreis.  Inzwischen hat R. P.Hahn sich vom Filmgeschäft weitestgehend zurückgezogen. Sein Schwerpunkt liegt heute auf dem Recherchieren und Schreiben von Romanen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Der Korndämon | Erschienen am 2. März 2020 bei Piper
ISBN 978-3-492-50329-2
328 Seiten | 14.- Euro
Bibliographische Angaben und Leseprobe