Kategorie: Regionalkrimi

Bent Ohle | Inseldämmerung (Band 4)

Bent Ohle | Inseldämmerung (Band 4)

“Rechts tauchte der Leuchtturm über den im Wind wogenden nackten Bäumen und Büschen auf. Gleich würde die letzte Fähre für heute ankommen und wieder zurückfahren, danach waren sie vollkommen abgeschnitten vom Rest der Welt. Ein Gefühl, das Nils eigentlich mochte. Es war das Elementare einer Insel, die Abgeschiedenheit von allem anderen, völlig auf sich allein gestellt zu sein.” (Auszug Seite 44)

Drei Männer flüchten nach einem Raubüberfall vom Festland nach Amrum, das von einem heftigen Sturm heimgesucht wird. In der Hoffnung auf Unterschlupf klopfen sie am Heiligen Abend an die Tür einer jungen Familie, die auf der Insel ihre Weihnachtsferien verbringt. Als sie eingelassen werden, nimmt das Schicksal seinen blutigen Lauf… (Verlagsinfo)

Vier Handlungsstränge
“Inseldämmerung” von Bent Ohle ist der vierte Fall um den Amrumer Inselpolizist Nils Petersen. Es ist der erste Fall, den ich gelesen habe und bei dieser Geschichte hätte ich nicht sagen können, wer der Protagonist sein soll. Die Handlung ist in mehrere Stränge unterteilt. Es wird aus Sicht von den drei geflüchteten Männern berichtet, außerdem der Familie, die ihren Weihnachtsurlaub auf Amrum verbringt, der Polizei aus Hamburg, die aufgrund des Raubüberfalls ermitteln und Nils Petersen. Wobei letzterer nicht besonders oft und erst am Ende hin eine tragende Rolle spielt.

Anlaufschwierigkeiten
Zu Beginn fand ich die Geschichte etwas langatmig. Es beginnt mit dem 23. Dezember und in allen Strängen wird berichtet, wie der Tag vor Heiligabend verbracht wird. Bis es überhaupt einen Fall gibt und die eigentliche Handlung beginnt, vergehen über fünfzig Seiten. Danach wird es aber mit jeder Seite spannender und es fiel mir zum Ende hin zunehmend schwerer das Buch aus der Hand zu legen. Der Autor arbeitet viel mit Cliffhangern, was die Spannung zusätzlich steigen lässt. Der Sturm, der über die Insel fegt, sorgt zusätzlich für eine gefährliche Stimmung.

Aus Perspektive von Tätern und Opfern
Zu dem Protagonisten kann ich nicht so viel schildern, weil wirklich fast kaum etwas von ihm beschrieben wird. Ansonsten geht es bei den Polizisten noch etwas um das Familienleben, gerade an Feiertagen, mit einem so einnehmenden Job. Im Fokus bleibt allerdings der Fall, der hier im Buch aber auch mehr aus Sicht der Täter und Opfer beschrieben wird und nicht Hauptsächlich aus Sicht der ermittelnden Personen.

Fazit: Spannender Krimi, der etwas braucht um in Fahrt zu kommen, dann aber mit Spannung punktet. Dazu eine stürmische und überzeugende Inselkulisse, allerdings dafür einen Protagonisten, der in den Hintergrund gerückt wird.

Bent Ohle, 1973 in Wolfenbüttel geboren, wuchs in Braunschweig auf und studierte zunächst in Osnabrück, bis er an die Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg wechselte, wo er als Film- und Fernsehdramaturg seinen Abschluss machte. Heute lebt er mit seiner Familie wieder in Braunschweig. (Verlagsinfo)

 

Foto & Rezension von Andrea Köster.

Inseldämmerung | Erschienen am 15.10.2020 im Emons Verlag
ISBN: 978-3740809348
288 Seiten | 13,00 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Klaas Kroon | Heidehexen (Band 3)

Klaas Kroon | Heidehexen (Band 3)

„Also, die Damen, ich bitte um Auskunft. Wer oder was sind Heidehexen?“
Anita war wieder die Erste, die das Wort ergriff.
„Ach, nichts Besonderes. Ein paar engagierte Frauen haben sich zu so ´ner Facebookgruppe zusammengetan. Nennen sich Heidehexen und machen alle möglichen feministischen Aktionen.“ (Seite 157)

In Lüneburg wird in einer alten Werkstatt ein toter Mann gefunden, der massiv gequält und misshandelt wurde. Als Kommissarin Marie Gläser und ihr Team mit den Ermittlungen starten, stellt sich schnell heraus, dass dieser Mord der Beginn eines Serienmörders ist. Auf der Suche nach dem Täter, kommt Marie einer entsetzlichen Vergangenheit auf die Spur, die nun gerächt wird…

Dritter Fall für Marie Gläser
„Heidehexen“ von Klaas Kroon ist schon der dritte Fall um Kommissarin Marie Gläser. Allerdings war mir das zu Beginn nicht klar, da dies der erste Roman der Reihe im Emons Verlag ist (die anderen beiden erschienen im Selbstverlag). Allerdings wird beim Lesen klar, dass mindestens ein Fall vorausgegangen ist. Die Vergangenheit einiger handelnder Personen wird angerissen. Zwar konnte ich beim Lesen den Zusammenhang verstehen, grundsätzlich wäre es aber natürlich empfehlenswert, beim ersten Band anzufangen.

Mordermittlung im Vordergrund
Die Geschichte fokussiert sich nicht ausschließlich auf die Aufklärung des Mordes, diese bleibt aber im Vordergrund. Außerdem werden ein weiterer Fall, der nebenbei gelöst werden soll, und einige private Probleme geschildert, fand ich persönlich beim Lesen aber nicht störend. Der Text liest sich flüssig, es wird keine Zeit mit unnützen Sachverhalten verschwendet. Die Ermittlungen sind spannend und zum Ende hin auch ein wenig dramatisch, aber noch im Rahmen, wie ich finde. Die Schilderung der Todesursachen ist schon sehr detailliert, also im Zweifel lieber nichts für zarte Gemüter.

Unkonventionelle Kommissarin
Protagonistin Marie Gläser ist 38 Jahre alt, groß und schwer und wohnt in einer WG mit drei Studenten. Sie hat sowas wie Beziehung ausprobiert, aber nicht für gut befunden und hat jetzt eine eher lose Liaison mit dem für diesen Fall zuständigen Rechtsmediziner. Sie ermittelt tough und mir war die Kommissarin sehr sympathisch.

Fazit: Spannende Ermittlung einer Mordserie im beschaulichen Lüneburg mit einer unkonventionellen Kommissarin.

Klaas Kroon, geboren 1960 in Düsseldorf, machte sich schon in jungen Jahren als Herausgeber einer Schülerzeitung bei den Mächtigen unbeliebt. Nach dem Germanistik- und Anglistik-Studium arbeitete er in verschiedenen Führungspositionen bei Zeitschriften, bevor er in die Unternehmenskommunikation wechselte. Heute ist er Geschäftsführer einer Agentur in Kassel und lebt in Hamburg. (Verlagsinfo)

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Heidehexen | Erschienen am 23.07.2020
ISBN 978-3-7408-0799-3
304 Seiten | 13,-€
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Abgehakt | Kurzrezensionen Dezember 2020

Abgehakt | Kurzrezensionen Dezember 2020

Unsere Kurzrezensionen zum Ende Dezember 2020

 

Un-Su Kim | Heißes Blut

In der Hafenstadt Busan in Südkorea sind Anfang der 1990er die Machtbereiche der Verbrecherorganisationen klar abgegrenzt. Im Hafenviertel Guam herrscht der alte Gangsterboss Vater Son, der das Alltagsgeschäft unter anderem Haisu überlässt. Haisu steckt in sowas wie einer Midlife Crisis. Er ist mittlerweile Anfang 40, in der Hierarchie auf der zweithöchsten Ebene angekommen und allgemein respektiert. Dennoch blickt er verbittert auf sein Leben: er lebt einsam in einem Hotelzimmer und hat nur Schulden angehäuft. Haisu sucht wieder die Nähe zu seiner Jugendliebe und deren Sohn, der ebenfalls ein kleiner Gangster geworden ist und gerade wieder aus dem Gefängnis frei gekommen ist. Da bietet ein anderer Gangster Haisu ein Chance für eine Veränderung: Ein Lizenzvertrieb für Spielautomaten, auch nicht ganz legal, aber scheinbar doch ein Sprung heraus aus der Knochenmühle. Doch Haisu tritt letztlich – ohne es zu wollen – eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Gleichgewicht der Mafiaclans in Busan vollkommen durcheinander bringt.

Nachdem lange Zeit Krimis aus dem asiatischen Raum eher selten den Weg nach Deutschland fanden, werden in den letzten Jahren, auch dank einiger engagierter kleinerer Verlage, einige interessante Kriminalromane vor allem aus dem japanischen und koreanischen Raum ins Deutsche übersetzt (teilweise noch nicht aus dem Original, wie auch in diesem Fall). Autor Un-Su Kim hat bereits mit dem Roman „Die Plotter“ für Aufmerksamkeit gesorgt, nun hat der Europa Verlag mit „Heißes Blut“ einen weiteren Roman des Koreaners vorgelegt.
Der Roman erzählt die Geschichte aus Haisus Blickwinkel. Er ist ein Waise, unter sehr schwierigen Bedingungen aufgewachsen, von Gangstern unter die Fittiche genommen worden und in der Organisation aufgestiegen. Dennoch zerrinnt ihm sein Geld und sein Leben unter den Fingern. Schauplatz der Geschichte ist der fiktive Stadtteil Guam von Busan mit Strand, kleinem Hafen, Bars, Restaurants, Stundenhotels und seinen Gangs, die von Schutzgeld, Schmuggel und Zuhälterei leben. „Heißes Blut“ ist ein waschechtes Gangsterepos, brutal und rau, aber gleichtzeitig auch melancholisch, mit einem traurigen und einsamen Helden. Dabei erinnert es durchaus an bekannte europäische Mafiaepen, bleibt dabei aber dennoch im koreanischen Milieu behaftet. Insgesamt eine anregende, überzeugende Lektüre.

Heißes Blut | Erschienen am 11.09.2020 im Europa Verlag
ISBN 978-3-95890-238-1
584 Seiten | 24,- €
Originaltitel: 뜨거운 피 Tteugeoun Pi
Bibliografische Angaben

Wertung: 4,5 von 5,0
Genre: Noir/Hardboiled

 

James Lee Burke | Dunkler Strom

Billy Bob Holland, ehemaliger Texas Ranger, ist inzwischen Anwalt in der texanischen Stadt Deaf Smith. Er übernimmt einen schwierigen Fall: Der junge Lucas Smothers wird beschuldigt, die junge Roseanne Hazlitt ermordet zu haben. Viele Indizien sprechen auch gegen Lucas. Besondere Bedeutung erlangt der Fall für Billy Bob, weil Lucas sein Sohn ist, zu dem er sich allerdings nie bekannt hat.
Der Fall Roseanne wird aber schon bald von weiteren Ereignissen überlagert. Ein Mörder entkommt aus dem örtlichen Gefängnis, wird aber kurz darauf umgebracht. Ein weiterer Psychopath muss ebenfalls entlassen, weil eine Zeugin ums Leben kommt. Zudem scheint es Aktivitäten mehrerer Bundesbehörden in Deaf Smith zu geben. Und Billy Bob stößt bei seinen Bemühungen um Entlastung für Lucas auf Darl Vanzandt, einen örtlichen Halbstarken und Tunichtgut aus reicher Familie, der in Verbindung zu Lucas und Roseanne steht.

Autor James Lee Burke ist eine lebende Legende der amerikanischen (Kriminal-)Literatur und bekannt für seine wortgewaltigen Südstaaten-Panoramen. Hier beschreibt er aus der Sicht des Anwalts die Verhältnisse in einer texanischen Kleinstadt, die von Korruption und klaren Machtstrukturen gekennzeichnet sind. Dabei spielt auch immer die Vergangenheit eine große Rolle: Billy Bob liest im Tagebuch seines Urgroßvaters und hält Zwiesprache mit seinem Freund L.Q.Navarro, der bei einem nicht ganz legalen Einsatz gegen Drogendealer versehentlich durch eine Kugel Hollands ums Leben kam.
Insgesamt eine durchaus komplexe und anspruchsvolle Story mit interessanten Figuren, die Burke meiner Meinung nach aber souverän und gekonnt vorträgt.

Dunkler Strom | Erstmals erschienen 1997
Die E-Book-Ausgabe erschien am 03.01.2014 bei Edel Elements
ISBN 978-3-95530-287-0
384 Seiten | 5,99 €
Originaltitel: Cimarron Rose
Bibliografische Angaben

Wertung: 3,5 von 5;
Genre: Noir/Hardboiled

 

Tim McGabhann | Der erste Tote

Carlos und Andrew sind Journalisten einer mexikanischen Zeitung auf dem Rückweg von einem Routineauftrag in der Erdölstadt Poca Riza m Bundesstaat Veracruz. Da finden die beiden eine übelst zugerichtete Leiche am Wegesrand. Kurz darauf taucht eine Polizeistreife auf, bedroht und verjagt die beiden und nimmt die Leiche mit, ohne zu ermitteln. Carlos wittert eine Story, doch Andrew will zurück nach Mexiko City. Die beiden streiten sich, Carlos bleibt in Poca Riza, recherchiert tiefer und findet auch heraus, dass der Tote ein Umweltaktivist war. Doch als er in die Hautptstadt zurückkehrt und noch bevor er Andrew wieder kontaktieren kann, wird er in seiner Wohnung gefoltert und ermordet.

Mexiko ist als Thrillerschauplatz ein gern gewählter Ort, da die Realität dort oftmals noch die kühnsten Thrillerplots übertrifft. Der irische Autor Tim McGabhann lebt seit einiger Zeit in Mexiko und bedient sich hier der sehr mexikanischen Form der Erzählung: der „crónica“, einer Mischform aus Reportage und Romanerzählung, was McGabhann im Nachwort auch erläutert. Reale Recherchen werden fiktionalisiert, um sie überhaupt veröffentlichen zu können. In „Der erste Tote“ geht es zwar diesmal um die Ausbeutung eines Landstrichs durch die Öl- und Frackingindustrie und nicht um Drogen, aber ansonsten trifft man auf die üblichen Dinge in mexikanschen Thrillern: Kartelle, Todesschwadronen, korrumpierte Polizei, ermordete Aktivisten und Journalisten. Das alles verbindet McGabhann mit der Trauer Andrews um Carlos, denn die beiden waren auch privat ein Paar. Insgesamt gibt dieser Thriller durchaus nochmal ein paar interessante Facetten zur Situation in Mexiko, allerdings hat man es bei den bekannten Kollegen McGabhanns schon deutlich packender und eindrücklicher gelesen.

Der erste Tote | Erschienen am 16.11.2020 im Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-47104-3
276 Seiten | 15,95 €
Originaltitel: Call Him Mine
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3 von 5
Genre: Thriller

Rezension 1 bis 3 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Maren Schwarz | Inselsumpf

Eine Frau erwacht, ohne dass sie sich an ihr bisheriges Leben erinnern kann. Auch nicht daran, dass sie kürzlich ein Kind geboren hat. Rechtsmedizinerin Leona Pirell, die auf der Ostseeinsel Rügen wohnt, nimmt die Frau auf und begibt sich auf Spurensuche zu ihrer Vergangenheit und trifft dabei auf ein tödliches Geheimnis…

„Inselsumpf“ von Maren Schwarz empfand ich als einen sehr kurzweiligen Kriminalroman, der sich sehr gut liest und ein meiner Meinung nach wichtiges Thema aufgreift. Allerdings kam mir an einigen Stellen zu viel Zufall vor, was bei mir dann eher unglaubwürdig ankam. Trotzdem lesenswert!

Inselsumpf | Erschienen am 8. April 2020 im Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-839-22577-6
288 Seiten | 12,00 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 4 von 5
Regionalkrimi

Foto und Rezension Nr. 4 von Andrea Köster.

Hendrik Berg | Eisiger Nebel (Band 6)

Hendrik Berg | Eisiger Nebel (Band 6)

„Helge blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit. In der Ferne war das Rauschen des Meeres zu hören. Ansonsten war es still. Der Mond, der hinter dem Nebel verschwunden war, tauchte alles in ein unwirkliches milchiges Licht.“ (Seite 235)

Aus dem Husumer Hafenbecken wird eine sehr entstellte Leiche gefischt. Kriminalhauptkommissar Theo Krumme und seine Kollegin Pat Reichel beginnen mit den Ermittlungen und stellen schnell fest, dass es sich bei dem Toten um keinen harmlosen Touristen handelt. Die Spur führt zu einem kleinen Dorf auf der Halbinsel Eiderstedt in Nordfriesland, dessen Einwohner eng zusammenhalten. Und genau das bringt sie bald alle in Gefahr…

Fall Nummer sechs
„Eisiger Nebel“ von Hendrik Berg ist bereits der sechste Fall um Kommissar Theo Krumme, aber der erste, den ich gelesen habe. Das ging wunderbar ohne Kenntnisse der vorherigen Bücher, jeder Fall ist in sich abgeschlossen. Die Geschichte wird aus Sicht verschiedener handelnder Personen beschrieben, was dem Leser den einen oder anderen Vorsprung an Wissen in Hinsicht auf die Ermittlungen ermöglicht. Außerdem bekommt gerade das Ende dadurch noch zusätzliche Spannung.

Vom Berliner zum Friese
Theo Krumme ist Mitte Fünfzig, vor drei Jahren von Berlin nach Nordfriesland gezogen, weil seine Ehe gescheitert ist, und nun wohnt er mit seiner neuen Freundin Marianne in einem kleinen Häuschen in Husum. Hier arbeitet er mit der wesentlich jüngeren und wesentlich größeren Pat zusammen. Das Team wird von den Kollegen oft belächelt, aber sie ergänzen sich perfekt. Krumme bewundert am meisten Pats Geschick mit der modernen Technik.

Spannung steigt
Ich kam ein kleines bisschen schwierig in die Geschichte rein. Nicht vom Verständnis her, aber sie hat mich nicht gleich gepackt, weil es etwa dreißig Seiten dauert, bis der Fall besteht, also die Leiche gefunden wird. Vorher werden einige Nebenschauplätze beschrieben, die nur indirekt etwas mit dem Fall zu tun haben und eher für die allgemeine Stimmung im Buch sind. Der Spannungsbogen beginnt dann aber mit den Ermittlungen und bei diesen liegen auch recht schnell Ergebnisse vor, die die Kommissare voranbringen. Dann steigt der Spannungsbogen stetig und zum Ende hin war das Weglegen des Buches fast nicht mehr möglich für mich.

Düster und bedrohlich
Insgesamt werden die Nordfriesische Küste und seine Bewohner für meinen Geschmack gut beschrieben. Auch die Bewohner mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Geschichten wirken auf mich authentisch. Durch das aktuelle Wetter im Buch, nämlich eisiger Nebel, und einer Schauergeschichte, wirkt die Geschichte zusätzlich düster und bedrohlich.

Fazit: Sehr spannende Unterhaltung, angesiedelt im nebeligen Nordfriesland. Klare Empfehlung!

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitete er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Erschienen am 16.03.2020 im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-49055-4
352 Seiten | 10,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Corinna Kastner | Fischland-Lügen

Corinna Kastner | Fischland-Lügen

„In der Ferne erkannte sie auf dem tiefblauen Wasser ein Segelboot und weit dahinter einen großen Frachter. Beide bewegten sich entlang des Horizonts auf die Seebrücke zu, und im Stillen schloss sie eine Wette mit sich selbst ab, wer das Rennen gewinnen, wer zuerst auf Höhe des Brückenkopfes ankommen würde. Trotz seiner Wendigkeit und Schnelligkeit wurde das Segelboot von dem großen, schweren Frachter überholt. So war das im Leben. Die Stärkeren gewannen. Immer.“ (Seite 7)

Im Ostseebad Wustrow, auf dem Fischland, will Immobilienhai Falk Clasen eine Golfanlage mit Hotel bauen, was den Fischländern natürlich nicht gefällt. Zeitgleich sucht Clasens Tochter Miriam in Wustrow nach ihrem Freund Dominik, der bis vor kurzem Sicherheitschef bei Clasens Firma war und nun spurlos verschwunden ist. Das sind für die Pensionswirtin Kassandra Voß schon zwei Gründe, um gegen Falk Clasen zu ermitteln. Durch Zufall erfährt sie, dass ihr Freund und Ex-Polizist Kay Dietrich ebenfalls hinter Clasen her ist und mit vereinten Kräften schleusen sie Kay in Clasens Firma, um so an belastendes Material zu gelangen. Doch das erweist sich als große Gefahr…

Das Gefühl der Ostsee zum Lesen
„Fischland-Lügen“ von Corinna Kastner ist der sechste Fall um Pensionswirtin Kassandra Voß und der achte Krimi der Autorin mit Schauplatz auf dem Fischland. In dieser Geschichte ist ein wesentlicher Handlungsort auch die Hansestadt Stralsund, was mich aber nicht gestört hat, denn der Fokus bleibt auf der Halbinsel. Und diese, speziell Wustrow, wird sehr detailliert beschrieben und man bekommt gleich Lust, sich ebenfalls die Ostseeluft um die Nase wehen zu lassen.

Sehr hoher Spannungsbogen
Am Anfang der Geschichte hatte ich etwas Schwierigkeiten, mir zu merken, welche Person zu welchem Namen gehörte, obwohl es nicht mein erstes Buch mit der Protagonistin war. Im Laufe des Lesens hat es sich für mich allerdings gelichtet und ich hatte damit keine weiteren Probleme. Der Spannungsbogen steigt ab etwa der Hälfte rasant an und fällt bis zum Schluss kaum noch. An manchen Stellen habe ich sogar fast atemlos gelesen, was passiert. Das liegt nicht nur allein an der Handlung, sondern auch daran, wie die Autorin die einzelnen Situationen und Kapitel gliedert.

Bodenständige Protagonistin
Kassandra Voß ist vor einigen Jahren aufs Fischland gezogen, um dort mit einer Pension neu anzufangen. Seitdem zieht sie kriminelle Machenschaften quasi an und ermittelt gern auf eigene Faust mit Hilfe ihrer Freunde, die sie in Wustrow kennengelernt hat. Dabei bleibt sie meiner Meinung nach stets bodenständig, begibt sich in keine waghalsigen oder unüberlegten Aktionen und ist trotzdem spontan, impulsiv und ungeduldig, wenn sie mitten in einem Fall steckt. Ich finde die Protagonistin damit sehr sympathisch.

Nicht erfüllte Versprechung
Auf dem Buchrücken wird damit geworben, dass es sich um „die perfekte Mischung aus packender Krimihandlung und romantischer Liebesgeschichte“ handelt. Mit ersterem gehe ich absolut mit. Bei der Liebesgeschichte habe ich persönlich die wahre große Liebe erwartet, wie man sich das eben in Romanen so vorstellt. Hier ist es aber eher eine Mischung aus Affären, unglücklichen Ehen und gestandenen Beziehungen, bei denen höchstens gedanklich an deren Fortbestehen gezweifelt wird. Hätte mich insgesamt gar nicht gestört, wenn nicht was anderes versprochen worden wäre.

Fazit: Viel Ostsee-Gefühl, noch mehr Spannung und andere Liebe als erwartet.

Corinna Kastner wurde 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch. Seit 2005 veröffentlicht sie schauplatzorientierte Spannungsromane und seit sieben Jahren ihre Küsten Krimis, die auf dem Fischland spielen.

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Fischland-Lügen | Erschienen am 23. Juli 2020 im Emons Verlag
ISBN: 978-3740809157
400 Seiten | 14,00 €
Bibliografische Angaben und Leseprobe

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