Kategorie: Gunnar Wolters

Horst Eckert | Wolfsspinne

Horst Eckert | Wolfsspinne

Ronny fuhr nicht schneller als achtzig Sachen und hielt sich strikt auf der rechten Spur, um keinen Unfall zu riskieren. Er war noch immer aufgewühlt. Eine Art Schüttelfrost und Übelkeit. Auch das Pfeifen im Ohr wollte nicht vergehen.
Schluss damit, sagte sich Ronny. Nie mehr Undercover. Gebt mir einen Schreibtischjob: Eingangspost sortieren, Stempel auf Aktenstücke drücken, Vorgänge abheften, irgend so etwas.
Nur eine letzte Sache gab es noch zu tun. Eine weitere Person war auszuschalten, und Ronny war sich bewusst, was vom Gelingen der Aktion Wolfsspinne abhing. Nicht bloß die Karriere einiger Beamter. Nicht nur seine eigene Freiheit. Es ging um weitaus Grundsätzlicheres. (Auszug Seite 162)

Hauptkommissar Vincent Veih ermittelt im Mordfall an einer Düsseldorfer Promiwirtin. Die Tote konsumierte und dealte in kleinem Rahmen mit Crystal Meth. Somit verfolgt die Mordkommission eine Spur ins Drogenmilieu. Dort hält sich auch der LKA-Undercover-Beamte Ronny Vogt auf. Er ist erst seit kurzem in Düsseldorf und war vorher für den Thüringer Verfassungsschutz in der Neonaziszene tätig. Dabei war er bei den Geschehnissen rund um den NSU näher dran als ihm lieb sein konnte. Und nun scheint ihn diese Vergangenheit in Düsseldorf wieder einzuholen.

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Thomas Nommensen | Wintertod

Thomas Nommensen | Wintertod

Langsam ging ich zu der Stelle. Mein Speer hatte den Vogel tatsächlich genau in der Mitte des kleinen Körpers getroffen und war so weit eingedrungen, dass die Schneide bis zum Anschlag in dem schwarz glänzenden Gefieder steckte. […]
Eine Weile standen wir so und betrachteten schweigend den toten Körper. Als wir uns schließlich umdrehten und gehen wollten, ertönte über uns ein Krächzen. Es war die andere, die vorsichtige Krähe. Sie hockte auf einem Zweig und starrte uns aus ihren Kohleaugen an.
Ob sie jetzt traurig ist?, überlegte ich. Oder wütend?
Adam sah mich an, als ob er meine Gedanken gehört hätte. „Respekt“, sagte er. „Sie hat jetzt Respekt vor dir.“
Ich nickte und nahm mir vor, beim nächsten Wurf nicht wieder die Augen zu schließen. Das war ich dem Tod einfach schuldig. (Auszug Seite 303)

Auf einem aufgegebenen Friedhof im Berliner Stadtteil Buch wird von einer Schatzsucherin die notdürftig begrabene Leiche einer Frau gefunden. Laut Obduktion gibt es keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung. Hauptkommissar Arne Larsen will den Fall jedoch nicht so schnell abhaken und folgt spätabends seinem Bauchgefühl wieder zum Friedhof. Dort entdeckt er tatsächlich unmittelbar neben dem Fundort einen weiteren Leichnam: Diesmal ist es die Leiche eines kleinen Mädchens und diesmal gab es eine äußere Gewalteinwirkung.

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Donald Ray Pollock | Die himmlische Tafel

Donald Ray Pollock | Die himmlische Tafel

„Und was ist mit dir?“, fragte Cane. „Worauf freust du dich, wenn wir hier wegkommen?“
„Ich?“, fragte Chimney. „Ich werde die nächsten zehn, fünfzehn Jahre saufen, vögeln und rummachen, dann suche ich mir ein nettes Mädchen und werde sesshaft. Vielleicht noch ein paar Kinder“
„Zehn, fünfzehn Jahre?“
„Klar“, sagte Chimney. „Scheiße, ich bin doch erst siebzehn.“
„Tja, das stimmt.“
„Und du?“
Cane zögerte. Er war sicher, sein Bruder würde nicht begreifen, was er für ein lebenswertes Leben hielt, aber was machte das für einen Unterschied? Zum Teufel, sie konnten morgen alle tot sein, und ihre Träume mit ihnen. (Auszug Seite 185-186)

Die drei Brüder Cane, Cob und Chimney Jewett arbeiten mit ihrem Vater Pearl als Farmhelfer im Georgia des Jahres 1917. Die Familie lebt unter extrem harten Bedingungen, denn Pearl meint, sich durch Armut und Verzicht auf Erden einen Platz an der „himmlischen Tafel“ zu sichern. Abends liest Cane, der Älteste, der einzige, der von seiner verstorbenen Mutter noch das Lesen beigebracht bekommen hatte, seinen Brüdern aus einem Groschenroman vor, „Bloody Bill Bucket“. Als ihr Vater letztlich an den Entbehrungen stirbt, beschließen die Brüder, ihre neu gewonnene Freiheit zu nutzen – auf den Spuren des Bankräubers und Outlaws „Bloody Bill Bucket“.

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Eoin McNamee | Blau ist die Nacht

Eoin McNamee | Blau ist die Nacht

Wo war das Blut gewesen? Siebenunddreißig Messerstiche. Es hätte auch im Wagen sein müssen, auf ihrer Kleidung, aber als Ferguson frühmorgens zum Tatort kam, war nirgends Blut. […]
Die Currans und ihre Taschenspielertricks. Gegenstände und Menschen tauchten auf und verschwanden. Patricias Juliet-Kappe, ihre Mappe und ihre Bücher am Rand der Zufahrt zwischen den Bäumen. Die Liste mit den Telefonverbindungen jener Nacht wie vom Erdboden verschluckt. Patricia tot. Gordon und Doris hinter Schloss und Riegel. Eine Darbietung wie im Varieté. Schwerer Vorhang, Drehbühne und Curran als zylindertragender Conférencier. (Auszug Sete 176-177)

Nordirland 1949: In Belfast beginnt der Prozess gegen den Frauenmörder Robert Taylor. Ankläger ist Generalstaatsanwalt Lancelot Curran, der unbedingt ein Todesurteil erreichen will. Auf der Tribüne sitzt sein Adlatus Harry Ferguson, den allerdings anderes umtreibt, denn eine Verurteilung Taylors könnte die unruhige Lage in Nordirland verschärfen. Ferguson wird zudem abgelenkt von Currans 16jähriger koketter Tochter Patricia, die neben ihm den Prozess verfolgt und dafür die Schule schwänzt.

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Gudrun Lerchbaum | Lügenland

Gudrun Lerchbaum | Lügenland

Eine Schelmin will ich sein, keine Heilsfigur. Wenn sich jetzt gleich noch jemand meldet, der mich über den Mondsee hat wandeln sehen, dann schreie ich. Besser noch: Ich schieße den Erstbesten nieder, lasse mich neben der Leiche fotografieren und aus ist es mit der Dualität. Alles, um wieder wenigstens einen Faden in der Hand zu halten, ein wenig Kontrolle darüber zu gewinnen, was man in mir sieht. Wenn ich schon Ina sein muss, nicht Mattea sein darf.
Alles Quatsch natürlich. Ich habe nicht mal eine Waffe. Die Enge in der Brust treibt mich zum Fenster. Ich reiße es auf, möchte schreien und darf nicht. (Auszug Seiten 334-335)

Mattea verbringt ihren Junggesellinnen-Abschied mit ihren alten Freundinnen Julia und Kati am Donauufer mit Alkohol und Drogen. Morgen wird Mattea ihren Dienst bei der Miliz beenden und mit der Hochzeit ihre vaterländischen Pflichten erfüllen. In Mattea kommen alte, negative Gefühle gegenüber Kati wieder hoch. Als sie von einem bewaffneten Mann der Bürgerwehr bedroht werden, versucht Kati diesen zu beschwichtigen. Mattea zieht hingegen ihre Dienstwaffe – und erschießt Kati. Einen Tag später auf der Hochzeit erklärt Julia Mattea, dass sie sie gerade bei der Miliz verraten hat. Mattea muss Hals über Kopf fliehen.

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