Kategorie: noir | hardboiled

Abgehakt | März 2020

Abgehakt | März 2020

Unsere Kurzrezensionen zum Quartalsende 1/2020

 

Alan Parks | Tod im Februar Bd. 2

Detective Harry McCoy wird zu einem blutigen Tatort auf dem Dach eines Hochhaus-Rohbaus gerufen. Dort wurde ein junger Mann abgeschlachtet, zusätzlich eine Nachricht in seine Brust geritzt. Der Mann war Spieler bei Celtic Glasgow – und mit Elaine Scooby verlobt, Tochter eines lokalen Gangsterbosses. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden: Ein ehemaliger Mitarbeiter Scoobys und angeblich ein verschmähter Verehrer der Tochter. Doch als weitere Morde geschehen und ein Kampf in der Glasgower Unterwelt beginnt, dämmert es McCoy, dass noch einiges mehr dahintersteckt.

Tod im Februar ist der zweite Teil der Reihe um den Glasgower Polizisten Harry McCoy und spielt nur wenige Wochen später als Teil 1 Blutiger Januar im Februar 1973. Es gibt Wiedersehen mit Harrys Kollegen Wattie, seinem väterlichen Vorgesetzten Murray und Cooper, ebenfalls Gangsterboss und Harrys Freund aus Tagen im Kinderheim. Die Atmosphäre ist wiederum düster, das Setting in Glasgow in den 70ern ist rau und schmuddelig, voller Drogen und Alkohol. Während des Falles kommt zudem Harrys und Coopers traurige Vergangenheit wieder hoch, die sie nie ganz hinter sich lassen können und die auch ihre Handlungen in der Gegenwart beeinflussen. Harry ist ein waschechter hardboiled Cop, empathisch für die Gebeutelten, grimmig gegenüber den Bösen. Seine Beziehung zu Cooper ist als Cop natürlich hochproblematisch. Und diesmal wandelt Harry nicht nur auf der Grenze zwischen hell und dunkel, diesmal wird er sie auch überschreiten.

Insgesamt ein wirklich guter, souverän erzählter, hartgesottener Krimi mit einem sehr gelungenen Schauplatz. Hoffentlich hält die Qualität der Reihe an.

 

Tod im Februar, erschienen am 28. Oktober 2019 bei Heyne Hardcore
ISBN 978-3-453-27198-2
432 Seiten | 16.- Euro
Originaltitel: February’s Son
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Noir/ Hardboiled
Wertung: 4.0 von 5.0

Auch bei uns: Rezension zum 1. Teil der Reihe Blutiger Januar

 

Oliver Buslau | Feuer im Elysium

Wien im April/Mai 1824: Die Stadt fiebert der Aufführung der neuesten, der neunten Sinfonie vom alten Meister Ludwig van Beethoven entgegen. Lange Zeit hat man von ihm nichts mehr gehört, doch das neue Werk soll etwas ganz besonderes sein. Geradezu revolutionär. Ein Wort, dass man in Wien in diesen Tagen nicht gerne hört. Und so ist vielen Reaktionären in Adel und Beamtenschaft die Uraufführung ein Dorn im Auge. In diesen Tagen kommt der junge Sebastian Reiser in die Stadt. Er sollte die Schlossverwaltung des Edlen von Sonnberg übernehmen und später vielleicht die Tochter des Hauses heiraten. Doch nach dem Unfalltod des Edlen wurde er vom Erben des Schlosses verwiesen und muss in Wien neu anfangen. Dort trifft er auf seinen alten Musiklehrer, Teilnehmer des Premierenorchesters, und einen alten Studienfreund in Diensten der Staatsmacht, der ihn als Spitzel anheuert. Reiser soll sich in die Orchestergruppe der Uraufführung einschleusen und Umstürzler und Revolutionäre denunzieren. Doch Reiser wird von der Kraft von Beethovens Symphonie mitgerissen und befindet sich längst – zunächst ohne es zu ahnen – in der Mitte einer großen Verschwörung.

Ludwig van Beethovens Geburtsjahr jährt sich in diesem Jahr zum 250. Mal. Zeit für eine große kulturelle Vermarktung des Komponisten. Warum dann nicht auch ein Beethoven-Krimi/Thriller? Für Autor Oliver Buslau, Musikjournalist, Amateurmusiker und Krimiautor (mehrere im Umfeld klassischer Musik), lag das förmlich auf der Hand. Am überzeugendsten ist dieser historische Thriller, in dem Beethoven selbst zwar nicht so häufig, aber doch regelmäßig auftritt, wenn es um die klassische Musik und den Schauplatz und die historische Lage im Deutschen Bund und im Kaiserreich geht. Der Wiener Kongress hatte die Restauration der alten Verhältnisse zur Folge, liberales oder gar revolutionäres Gedankengut wurde verfolgt. Starker Mann war der österreichische Kanzler Metternich, der ein umfangreiches Spitzelsystem etablierte. Dagegen fallen manche Teile des Plots etwas ab. Die Hintergrundgeschichte des Sebastian Reiser überzeugt nicht so ganz, vor allem die Auflösung des Komplotts erscheint arg konstruiert. Dennoch war es insgesamt unterhaltend, weitgehend spannend und mit zahlreichen interessanten Fakten versehen.

 

Feuer im Elysium | Erschienen am 23. Januar 2020 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0616-3
496 Seiten | 22.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Historischer Thriller
Wertung: 3.0 von 5.0

James Lee Burke | Straße ins Nichts Bd. 11

Die junge Letty Labiche wartet auf ihre Hinrichtung. Sie hatte einen Mann ermordet, der auf sie und ihre Schwester in der Kindheit öfters aufgepasst hatte. Dave Robicheaux kannte die Beteiligten und verdächtigte den Mann des sexuellen Missbrauchs, ohne dass dies zu beweisen war. Er will Letty vor der Hinrichtung bewahren und recherchiert ihren Hintergrund. Dabei stößt er zufällig auf einen alteingesessenen Zuhälter, der behauptet zu wissen, dass Daves lange verschollene Mutter von Polizisten ermordet wurde. Daves Mutter hatte ihre Familie verlassen, dennoch hat ihm die Ungewissheit, was mit ihr geschehen ist, lange zugesetzt. So setzt er nun alles daran, diese Spur weiterzufolgen und macht sich dadurch natürlich einige Feinde. Dave steht irgendwann vor der Frage, ob die Verantwortlichen mit normalen Mitteln zu belangen sind oder ob er selbst für Gerechtigkeit sorgen muss.

Straße ins Nichts oder Purple Cane Road im Original erschien vor genau zwanzig Jahren als elfter Band der beliebten Reihe um Dave Robicheaux, der wie immer mit seinem besten Kumpel Clete Purcel in New Orleans und Louisiana für Gerechtigkeit sorgen will und dabei in der Wahl der Mittel ein ums andere Mal die Grenzen überschreitet, was ihn allerdings für den Leser umso interessanter macht. Dieses Mal ist der Fall sogar noch eine Spur persönlicher als sonst. Autor James Lee Burke erzählt dies wie immer kraftvoll, mit vielen interessanten Figuren, eingebettet in präzisen und bildlichen Beschreibungen der Natur und Landschaft Lousianas. Es gibt sicher noch stärkere Bände der Reihe, aber Burke ist dennoch eine sichere Bank, immer empfehlenswert.

 

Straße ins Nichts | Erstmals erschienen 2000
ISBN 978-3-86532-675-1
Die Neuauflage erschienen am 15. Januar 2020 im Pendragon Verlag
436 Seiten | 20.- Euro
Originaltitel: Purple Cane Road
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Krimi
Wertung: 3.5 von 5.0

Auch bei uns: Rezensionen zu weiteren Titeln des Autors James Lee Burke

 

Oyinkan Braithwaite | Meine Schwester, die Serienmörderin

Korede ist Krankenschwester, stammt aus einer relativ wohlhabenden Familie aus Lagos in Nigeria. Korede hat auch noch eine jüngere Schwester, Ayoola. Diese ist eine absolute Schönheit und daher auch bei den Männern sehr beliebt. Im Gegensatz zu Korede. Es gibt aber ein Problem: Ayoola hat schon drei ihrer Verehrer umgebracht.
Korede ist dann die Cleanerin, sie reinigt den Tatort und lässt die Leiche verschwinden. Dass ihre Schwester in Notwehr gehandelt hat, wie sie behauptet, kauft Korede ihr schon längst nicht mehr ab, aber an die Polizei will sie sie auch nicht ausliefern. Da ergibt sich eine neue Situation: Korede ist schon länger in einen Arzt aus ihrem Krankenhaus verliebt, ohne dass es zu einem Date oder Weiterem gekommen wäre. Doch als Ayoola sie auf der Arbeit besucht, springt der Arzt direkt auf Ayoola an und beginnt, mit ihr auszugehen.

Zwei völlig unterschiedliche Schwestern, die eine die Unscheinbare, Vernünftige, die andere die Schöne, Unbekümmerte und Tödliche. Dennoch gilt die alte Regel vom Blut, das dicker als Wasser ist, was im Laufe der Geschichte aber sehr auf die Probe gestellt wird. Autorin Oyinkan Braithwaite erzählt diese Geschichte ausschließlich aus der Perspektive von Korede, was einerseits seinen Reiz hat, andererseits die Perspektive einschränkt und keinen vollen Blick auf die Dinge erlaubt. Immer wieder werden auch Rückblicke eingestreut, die teilweise einiges erhellen, so etwa das schwierige Verhältnis zum nicht liebevollen Vater, was die Schwestern zusammengeschweißt hat. Überhaupt ist dies eine ausgesprochen feminines Buch (feministisch sogar? Ich weiß nicht.), sind doch die Männer weitgehend nur Randfiguren.

Meine Schwester, die Serienmörderin war im englischsprachigen Raum bereits äußerst erfolgreich und war gar für den Man Booker Price nominiert. Die Geschichte ist durchaus reizvoll und unterhält gut. Den Hype halte ich dennoch nur bedingt für gerechtfertigt, denn ich hatte den Eindruck, dass überall noch ein paar Prozente herauszuholen gewesen wären. So schwankt die Autorin für meinen Geschmack zu sehr in der Frage, ob sie die Geschichte eher schwarzhumorig-pulpig oder mit ernsthafter Tiefe erzielen will. Dann wäre aber mehr Tiefe in der Figur der Ayoola wünschenswert gewesen. Dennoch ist dieser Roman absolut keine Enttäuschung, sondern gut geschrieben und mit originellem Plot.

Meine Schwester, die Serienmörderin | Erschienen am 10. März 2020 bei Blumenbar im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-351-05074-0 | ISBN 978-3-841-21898-8 (eBook)
240 Seiten | 20.- Euro, 14.99 Euro (eBook)
Originaltitel: My Sister, the Serial Killer
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Psychothriller
Wertung: 3.5 von 5.0

Rezension 1 bis 4 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Caroline Eriksson | Die Beobachterin

Elena ist Schriftstellerin und vorübergehend in ein Reihenhaus eingezogen. Während sie dort am Küchentisch sitzt und arbeitet, kann sie die Familie im gegenüberliegenden Haus beobachten und ihr fallen merkwürdige Szenen auf, die sie einerseits für ihr neues Buch nutzt, die sie andererseits aber auch immer fester davon überzeugen, dass dort bald etwas Schreckliches passiert, das sie verhindern muss.

Es handelt sich hier meiner Meinung nach um einen Thriller, der sich flüssig und auch spannend liest und der zum Ende hin einige Wendungen aufweisen kann, mit denen ich nicht gerechnet habe. Aber insgesamt fesselt er mich nicht so sehr, wie ich es mir gewünscht hätte.

 

Die Beobachterin | Erschienen am 12. November 2018 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10043-0
336 Seiten | 13.- Euro
Originaltitel: Hon som vakar
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Thriller
Wertung: 3.0 von 5.0

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Wallace Stroby | Zum Greifen nah

Wallace Stroby | Zum Greifen nah

Sie setzte sich auf den Boden der kleinen Wanne, verfolgte wie das Wasser in den Abfluss lief – und wünschte sich, der ganze Vormittag würde ebenfalls in der Kloake verschwinden. Sie drückte mit beiden Händen ihre Haare zurück und schloss wieder die Augen.
Wenn sie nichts sagen, nichts tun würde, wäre der Fall hiermit erledigt. Just in dieser Minute. Das Leben würde weitergehen, als sei nichts passiert.
Alles, was du zu tun hast, ist nichts. Einfacher geht’s nun wirklich nicht mehr. (Auszug Seite 241)

Die Polizistin Sara Cross wird eines Nachts zur Verstärkung an eine entlegenen Überlandstraße in Florida gerufen. Als sie eintrifft, findet sie ihren Kollegen und Ex-Freund Billy vor, der einen dunkelhäutigen Mann aus New Jersey offenbar bei einer Verkehrskontrolle in Notwehr erschossen hat, weil dieser eine Waffe gezogen hat. Zumindest behauptet Billy das. Tatsächlich findet sich eine Waffe neben dem Leichnam und im Kofferraum des Wagens des Opfers liegt ein kleines Waffenarsenal. Somit spricht einiges für Billys Aussage, aber sowohl Sara als auch dem Sheriff bleiben leichte Zweifel, die eher noch zunehmen, als die Witwe des Toten in der Stadt aufkreuzt und unangenehme Fragen stellt.

Gleichzeitig hat Morgan in New Jersey auch schon bessere Zeiten erlebt. Er ist der Mann fürs Grobe, ein Hitman, von Drogenboss Mikey. Doch er ist ein wenig in die Jahren gekommen, wäre letztens bei einem Hinterhalt fast draufgegangen und nun erhält er auch noch eine lebensbedrohliche Diagnose von seinem Arzt. Da erhält er einen Auftrag von seinem Boss: Er soll runter nach Florida, anscheinend ist bei einem Deal irgendetwas schief gegangen.
Wieder am Auto, stellte er die Tasche in den Kofferraum und machte sich auf den Weg zum Motel.

Unterwegs riss er das Cellophan der Sam Cooke-Kassette ab und schob sie in den Player. „A Change Is Gonna Come“ durchflutete den Wagen. Es klang fast nach Kirche. Nach Himmel. Nach Tod. (Seite 145)

Die Story springt zwischen den beiden Protagonisten hin und her und auch wenn Sara und Morgan zunächst einige tausend Meilen trennen, ist nicht schwer vorherzusehen, dass sich ihre Wege irgendwann kreuzen werden. Sara ist eine junge, alleinerziehende Polizistin. Ihr Sohn ist chronisch krank, daher behütet sie ihn nochmals intensiver. Im Job ist sie gewissenhaft und zielstrebig, so dass der Sheriff sie durchaus als Nachfolgerin sieht. Sie hatte eine ernsthafte Beziehung zu Billy, sodass ihr Urteilsvermögen leicht getrübt ist. Sara riecht, dass da etwas faul ist, aber sie will es irgendwie nicht wahr haben. Aber es nützt nichts – sie wird so oder so in diese Geschichte hineingezogen.

Morgan hingegen begibt sich mehr oder weniger aus eigenem Antrieb hinein. Seinem Boss hätte er den Job zwar nur schwer ausschlagen können, doch er wittert auch eine einmalige Chance. Er ist alt geworden, nicht mehr unverwundbar und zudem nicht krankenversichert. Das Geld, was an diesem Job dranhängt, kann er dringend gebrauchen, um endgültig auszusteigen und seine Therapie zu bezahlen. Morgan ist natürlich ein Verbrecher, ein Outlaw, aber ein intelligenter Mann mit durchaus vorhandenem Gewissen.

Autor Wallace Stroby ist dem deutschen Leser durch die vierteilige Reihe um die Berufsverbrecherin Crissa Stone bekannt geworden. Und der aus diesen Büchern bekannte hartgesottene, lakonische Ton findet sich auch in Zum Greifen nah, das im Original („Gone Til November“) bereits vor zehn Jahren erschien. Die Story beginnt direkt in medias res, braucht danach für meinen Geschmack ein wenig, um in die Gänge zu kommen, aber entwickelt dann irgendwann den angenehmen Sog eines Plot getriebenen Thrillers. Insgesamt kommt Zum Greifen nah nicht ganz an die Klasse der Crissa Stone-Romane heran, aber bietet ordentliche klassische und solide Hardboiled-Unterhaltung. Und das ist schon mal eine ganze Menge wert.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Zum Greifen nah | Erschienen am 16. September 2019 im Pendragon Verlag
ISBN 987-3-86532-674-4
360 Seiten | 18.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezension zu den Titeln Kalter Schuss ins Herz und Geld ist nicht genug von Wallace Stroby.

James Lee Burke | Regengötter (Hackberry Holland Bd. 2) ♬

James Lee Burke | Regengötter (Hackberry Holland Bd. 2) ♬

In einem kleinen Kaff tief im Südwesten der USA werden hinter einer alten Kirche die notdürftig verscharrten Leichen von neun Frauen gefunden. Es handelt sich um illegal eingewanderte Asiatinnen, die hier im Niemandsland nahe der mexikanischen Grenze als Prostituierte arbeiten mussten und als Drogenkuriere missbraucht wurden. Sheriff Hackberry Holland, der einen anonymen Hinweis auf das Massengrab erhielt, benachrichtigt das FBI, bleibt aber auch selbst an der Sache dran. Den Kriegsveteranen erinnert das Massaker an seine Gefangenschaft in Korea und er lässt es sich nicht nehmen, die Leichen selbst auszugraben. Bisher beschränkte sich der Dienst des über 70-jährigen Sheriffs eher auf routinierte Alkoholdelikte. Jetzt setzt der erfahrene Holland alle Hebel in Bewegung, um den einzigen Tatzeugen, einen untergetauchten Irak-Veteranen, zu finden. In dem noch jungen, traumatisierten Exsoldaten und Trinker Pete Flores sieht Holland einen Leidensgenossen.

Flores ist mit seiner Freundin, der Kellnerin und Country-Musikerin Vikki Geddes auf der Flucht vor den Hintermännern. Ihnen dicht auf den Fersen ist Jack Collins, genannt Preacher, ein Psychopath und skrupelloser Auftragsmörder. Der bibelfeste Antagonist tötet vermeintlich in göttlicher Mission und bleibt bis zum Schluss in seiner Willkür total unberechenbar. Ein blutiger Wettlauf beginnt, in deren Verlauf sich rivalisierende Drogenbarone, Frauenhändler, soziopathische Killer, Cops und FBI bekämpfen.

Das ist tatsächlich mein erster Roman vom Altmeister des Hard-Boiled-Krimis James Lee Burke. Im Mittelpunkt steht der gealterte Witwer Hackberry Holland, ein typischer Antiheld mit Alkoholproblemen und Kriegsvergangenheit. Auffallend viele starke Frauenfiguren bereichern die Story. Da ist die in Holland verliebte Chief Deputy Pam Tibbs, die zur Verteidigung ihres Chefs auch schon mal den Knüppel rausholt. Auch Vikki Geddes sowie Esther Dolan, die jüdische Frau eines Nachtclubbesitzers behaupten sich erfolgreich in der gewalttätigen Männerwelt, während der kleine, schmierige Strip-Lokal-Besitzer Nick Dolan, übrigens meine absolute Lieblingsfigur, tatsächlich noch große Zivilcourage entwickelt.

Sprach- und bildgewaltig mischt Burke ruhige Passagen mit drastischen von schonungsloser Brutalität. Sein Blick auf die komplexen Charaktere ist ungeschönt und weist ihn als Menschenkenner aus. Aber wichtiger als der Krimi-Anteil im harten Plot von Regengötter ist neben einer angespannten, bedrohlichen Atmosphäre Burkes Blick auf die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft, in der jeder sich selbst der Nächste ist.

Dietmar Wunder gelingt es durch überzeugende Interpretationen der einzelnen Charaktere, die Geschichte lebendig wirken zu lassen. Beim Hören hatte ich ständig den Staub der rauen, kargen Einöde auf der Zunge und Bilder von flirrenden Landschaften im Kopf. Die anschaulichen Beschreibungen gaben mir das Gefühl, mitten in der Kulisse zu sein. Allein die grotesken Handlungen des durchgeknallten Wirrkopfs Preacher und die teilweise überzogenen Gewaltausbrüche der Figuren konnte ich an der einen oder anderen Stelle nicht wirklich nachvollziehen.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Regengötter | Erschienen am 14. September 2015 bei Random House Audio
ISBN 978-3-8371-3221-2
2 MP3-CDs | 14.19 Euro
Gesamtspielzeit: ca. 10 Stunden 2 Minuten
gekürzte Lesung von Dietmar Wunder
Bibliographische Angaben & Hörprobe

Auch bei uns: Weitere Rezensionen zu Roman von James Lee Burke (Print).

Joseph Incardona | Asphaltdschungel

Joseph Incardona | Asphaltdschungel

Frankreich, August, Sommer, eine Autobahn Richtung Süden. Flirrende Hitze, Stau, Schweiß, Stress, Ungeduld, Aggressivität. Kennt vermutlich jeder von uns. In diese Atmosphäre versetzt Autor Joseph Incardona nun einen perfiden, kaltblütigen Serienmörder. Einer, der junge Mädchen verschleppt, die danach nie wieder auftauchen. Doch der Reihe nach: Eine Familie auf dem Weg in den Urlaub. Die Eltern Marc und Silvie haben sich nicht viel zu sagen, Marcs Untreue lastet auf der Ehe. Ihre zwölfjährige Tochter Marie, weißes Spaghetti-Top, Hot Pants, Flipflops, sitzt ernüchtert auf der Rückbank. Essenspause an einer Raststelle, Marie darf nach draußen – „unter der Bedingung, dass du nicht zu weit weg gehst“. Dort streift sie über den Parkplatz und bleibt zufällig neben einem VW-Van stehen, weil sie eine Nachricht auf dem Smartphone erhält. Im Van sitzt Pascal, Koch des Autobahnrestaurants, der Marie eben bedient hat und auf so eine Gelegenheit nur gewartet hat.

Inzwischen arbeitet er in einer anderen Liga. Er arbeitet jetzt am Menschen.
Unsichtbar in der Masse aufgehen, immer da sein, ohne aufzufallen.
Dazu braucht es schon etwas.
Aufopferung. Verzicht. Demut. […]
Warten.
Die Ampulle mit dem Chloroform liegt auf der Platte des Ausziehtisches. (Auszug Seiten 58-59)

Dieser Pascal ist ein unscheinbarer Typ. Einer, der sich kleiner macht, sich schwächer gibt, als er tatsächlich ist. Einer, der nicht groß auffällt. Er arbeitet nun schon seit längerem an mehreren Autobahnraststätten eines Pächters. Einer der wenigen Konstanten bei viel Fluktuation unter den Mitarbeitern. Flexibel, zuverlässig, keine Gewerkschaft, so was mag der Chef. Er ist in einem Heim aufgewachsen, hatte schon damals Aggressionen, die er aber kontrollierte. Seit einem Motorradunfall mit anschließender schwieriger Operation am Gehirn ist das nicht mehr so. Er behielt zwar sein Leben, verlor aber sein Gehör, seinen Geschmacks- und Geruchssinn. Und noch etwas anderes:

„Man hatte ihn aufgeschnitten, um ihm das Böse einzupflanzen“ (Seite 16).

Zwei Mädchen hat er bereits entführt und ermordet. Marie wird die dritte sein. Doch die Leichen werden von ihm in Säure aufgelöst, die Mädchen sind offiziell verschwunden. Die Polizei hat die Zusammenhänge noch nicht erkannt. Doch diesmal wird Maries Verschwinden sehr schnell gemeldet, der Polizeiapparat hat sich für Entführungsfälle neu aufgestellt, die Maschinerie läuft schnell an. Und diesmal erkennt die leitende Kommissarin Julie Martinez die Verbindung. Diesmal wird es eng für Pascal.

Das alles könnte man zu einem Thriller zusammenrühren, doch Joseph Incardona macht es anders, macht es noir. Der Schweizer ist Autor verschiedenster Gattungen, Romane, Drehbücher,Theaterstücke, Comics. Und wie in einem Theaterstück lässt er hier die verschiedensten Personen auftreten, wechselt permanent die Perspektive. Schreibt in knappen kurzen Sätzen, stakkatohaft. Flirrend, hektisch, wie diese Atmosphäre im Roman. Die Figuren im Roman sind alle in irgendeiner Form mit den Geschehnissen verbunden, bilden ihren eigene Mikrokosmos, treffen in schicksalhaften Begegnungen zusammen.

Pierre, ein Vater eines der früheren Opfer, der seinen Glauben an die Behörden verloren und nun selbst auf die Jagd nach dem Mörder seiner Tochter Lucie geht. Seine Frau Ingrid, die sich völlig aufgegeben hat und den Schmerz in Alkohol und ungezügelter Sexualität ertränkt. Maries Eltern Marc und Sylvie, die das Verschwinden ihrer Tochter noch weiter auseinandertreibt. Pascals feister Chef Gérard, dem das Polizeiaufgebot aufgrund eigener Illegalitäten gar nicht schmeckt. Tía Sonora, eine Mexikanerin, frühere Prostituierte, die nun als Wahrsagerin an der Autobahn arbeitet und ein wenig auf die junge Lola achtet, die sich als Frau fühlt, obwohl als Mann geboren und noch ausgestattet, und sich auf den Rastplätzen prostitiuert. Julie und Thierry, die leitenden Beamten, die unter enormem Druck stehen. Und weitere, die nur kurz auftauchen. Doch alle sind vereint in einer tiefen Einsamkeit, Trauer, Niedergeschlagenheit, Ziellosigkeit. Hoffnungsvolle Momente verblassen schnell, Perspektivlosigkeit, Frust und eine unkontrollierte, schmerzhafte Sexualität schwingt in den Figuren mit.

Wir sind allein.
Als beschissene Kosmonauten treiben wir durchs Weltall.
Im Weltall hört dich niemand schreien, stand auf dem Filmplakat.
Genau das ist es. (Seite 224).

Asphaltdschungel ist einer dieser Romane, die man zunächst gar nicht so auf dem Schirm hat, die auch beim Lesen nicht ganz so bequem sind, die aber dafür umso mehr nachhallen. Der Autor kombiniert eine episodenhafte Struktur mit vielen Figuren und Perspektiven mit einem durchgehenden Handlungsstrang, der Suche nach dem Mörder Pascal. Dabei wird der Leser tief in die Düsternis der Figuren getragen. Der Roman gewann 2015 den renommierten französischen Krimipreis „Grand Prix de littérature policière“. Auf der Rückseite des Buches steht ein Zitat der französischen Zeitung Libèration: „Ein schöner Roman noir von einem besonders schwarzen Schwarz“. Dem ist nicht viel hinzuzufügen, für mich ist Asphaltdschungel einer der besten Romane des Jahres!

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Asphaltdschungel | Erschienen am 14. März 2019 im Lenos Verlag
ISBN 987-3-85787-494-9
340 Seiten | 22.- Euro
Originaltitel: Derrière les panneaux, il y a des hommes
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Abgehakt | September 2019

Abgehakt | September 2019

Unsere Kurzrezensionen zum 3. Quartalsende 2019

 

Hazel Frost | Last Shot

Auf einem einsamen Parkplatz in den bayrischen Alpen wird eine russische Familie von einer Killerin attackiert. Der Vater Youri, ein Bordellbesitzer, und die erwachsenen Zwillingstöchter sterben. Der Sohn Dima bleibt unversehrt, seine Tochter Mathilda überlebt und wird von der Polizei aufgefunden. Die Killerin namens November nimmt eine Tasche voll Geld und wertvoller Waffensoftware an sich. Doch eigentlich hatte sie es noch auf etwas anderes abgesehen. Die Jagd ist noch nicht zu Ende und es mischen weitere merkwürdige Gestalten mit.

Die Autorin mit dem halbherzigen Pseudonym Hazel Frost (alias Katja Bohnet) erwähnt im Nachwort, dass Last Shot zu Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere entstand. Inspiration für diesen ungewöhnlichen Thriller – das offenbart die Autorin selbst – waren legendäre Filmthriller aus den Neunzigern wie Pulp Fiction oder Leon – Der Profi. Und so beherbergt dieser Roman einige schräge Figuren, einen rasanten und harten Plot und eine Menge Blei und Blut. Das ist vielleicht hier und da etwas „drüber“ und bizarr, aber zumeist durchaus unterhaltsam, kurzweilig und in manchen Momenten sogar melancholisch. Insofern gar nicht übel.

 

Last Shot | Erschienen am 10. September 2019 im Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-30642-0
368 Seiten | 14.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Thriller
Wertung: 3.0 von 5.0

 

John Steele | Ravenhill

Jackie Shaw kehrt nach zwanzig Jahren nach Belfast zurück, um am Begräbnis seines verstorbenen Vaters teilzunehmen. 1993 war Jackie Mitglied der loyalistischen Paramilitärs der UDA – und ein verdeckter Ermittler der Polizei. Nach einem Vorfall mit drei Toten wurde auch er für tot erklärt und aus der Schusslinie gebracht. Nun erwartet Jackie bei seiner Rückkehr nicht nur der MI5, sondern auch Rab Simpsons und Billy Tyrie, Jackies ehemalige Chefs der UDA-Sektion. Beide sind inzwischen zu Gangstergrößen aufgestiegen und verlangen von Jackie, den jeweils anderen zu töten.

Belfast oder Nordirland bieten mit den gesellschaftlichen Konflikten ein unglaublich interessantes, intensives und auch vielseitiges Setting. In Ravenhill erzählt der gebürtige Belfaster John Steele die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Einmal einige Jahre vor und dann deutlich nach dem Karfreitagsabkommen, das die Situation oberflächlich natürlich erheblich befriedet hat. Allerdings stellt Steele auch unmissverständlich klar, dass die damaligen Protagonisten zwar mit dem Terrorismus aufgehört haben, aber weiterhin Schurken sind, die sich nun in Schutzgelderpressung oder Drogenhandel verdingen. Und die auch kaum angetastet werden, um den Frieden nicht zu stören. Allerdings verlaufen die Fronten nun auch mal innerhalb der ehemaligen Organisationen, was Rückkehrer Jackie Shaw bald feststellt.

Ravenhill ist ein komplexer Noir über Loyalität und Verrat, außerdem eine Hommage an Belfast. Der Autor schreibt hart und realistisch und zeigt auf, wie brüchig der Frieden in Nordirland immer noch ist.

 

Ravenhill | Erschienen am 1. Mai 2019 im Polar Verlag
ISBN 978-3-945133-77-4
352 Seiten | 20.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Noir/Hardboiled
Wertung: 3.0 von 5.0

 

Jutta Profijt | Unter Fremden

Die Syrerin Madiha kommt als Flüchtling nach Deutschland. Zwar ist sie Analphabetin, aber da sie als Kind nach dem Tod ihrer Mutter bei einem Verwandten mit einer deutschen Ehefrau aufwuchs, spricht sie Deutsch. Auf ihrer Flucht half ihr ihr Landsmann Harun. Nun ist dieser aus dem Flüchtlingsheim verschwunden, nicht ohne Madiha den Schlüssel zu seinem Spind mit seinen wenigen Habseligkeiten anzuvertrauen. Madiha will Harun wieder aufspüren, das glaubt sie, ihm nach seiner Hilfe schuldig zu sein. So stellt sie mit den wenigen Anhaltspunkten, die sie hat, ein paar Nachforschungen an. Und ruft damit nicht nur das LKA, sondern auch andere Personen auf den Plan, die kein Interesse an Madihas Suche haben.

Unter Fremden ist ein Roman, der sich vor allem mit seiner Protagonistin und der Erzählperspektive aus der Masse abhebt. Madiha ist eine scheue, junge, gehbehinderte Frau aus einer traditionellen Familie, die es auf der Flucht vom Bürgerkrieg nach Deutschland verschlägt. Was einerseits gut ist, da sie aufgrund eines Zufalls auch Deutsch spricht, aber was sie dennoch auf eine harte Probe stellt, da sie ganz allein nun ihren Weg gehen muss und ihr Deutschland völlig fremd ist. Diese naive, scheue Madiha mausert sich im Verlauf der Geschichte und verfolgt ihr Ziel mit Beharrlichkeit und großem Herz. Ihre Suche nach Harun, der eine andere Vergangenheit hatte, als sie glaubte, führt sie zu einem Netzwerk, das den Krieg aus Syrien bis nach Deutschland trägt. Nebenbei liefert Madiha dem Leser einen Einblick in ihr Inneres und wie die Flüchtlinge unser Land und seine Bewohner empfinden könnten, den gut organisierten, aber immer rastlosen Deutschen mit ihrem faden Essen.

Spannungstechnisch stößt die Erzählperspektive aber auch an ihre Grenzen, zu mühsam ist manchmal Madihas Weg. Und gelegentlich erscheint auch Madihas Entwicklung ein wenig zu schnell zu verlaufen. Dennoch ist Unter Fremden (für den Autorin Jutta Profijt 2018 den Friedrich-Glauser-Preis erhielt) auf jeden Fall ein lesenswerter Kriminalroman mit ungewöhnlicher Perspektive.

 

Unter Fremden | Die Originalausgabe erschien am 8. September 2017,
die Taschenbuchausgabe erschien am 21. Juni 2019, beide im dtv Verlag
ISBN 978-3-423-21774-3
336 Seiten | 10.95 Euro
E-Book: ISBN 978-3-423-43227-6 | 9.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Remigiusz Mróz | Die kalten Sekunden

Damien Werner macht seiner langjährigen Freundin Ewa am Flussufer einen Heiratsantrag. Doch wenig später treffen sie auf eine Gruppe betrunkener Männer. Diese schlagen Werner nieder und vergewaltigen seine Verlobte. Als Werner wieder aufwacht, ist Ewa verschwunden. Und taucht nicht mehr auf. Zehn Jahre später ist es mit Werners Leben rapide abwärts gegangen, von Ewa gibt es nach wie vor keine Spur. Doch da entdeckt ein Freund von ihm Ewa auf einem Bild bei einem Konzert. Werner engagiert eine Detektei, da die Polizei keine Anstalten macht, ihm zu helfen. Als Werners Freund ermordet wird, begibt sich Werner auf eine Jagd quer durch Polen auf der Suche nach weiteren Hinweisen auf Ewa. Unterstützt wird er aus der Ferne von Kassandra Reimann, Chefin der Detektei, die allerdings diesen Fall auch aus eigenem Antrieb verfolgt.

Remigiusz Mróz ist ein absoluter Bestsellerautor in Polen und ein Vielschreiber. Seit seinem Debüt 2013 sind bis heute 25 (!) Romane von ihm erschienen. Die kalten Sekunden ist der erste auf Deutsch erschienene und ein klassischer Thriller mit einigen üblichen Zutaten, aber auch Unerwartetem. Überzeugend sind in erster Linie die Erzählperspektiven (hier wählt Mróz mit Werner und Kassandra zwei Ich-Erzähler) und die äußerst realistische Darstellung des Hauptthemas des Buches: Häusliche Gewalt. Gerade in Polen noch ein großes Problem nutzt Mróz seine Popularität, um auf dieses Tabuthema aufmerksam zu machen. Das tut er drastisch und schockierend, aber vielleicht ist das auch nötig. Allerdings muss ich auch feststellen, dass der Plot bei mir eine Menge Fragezeichen hinterlässt. Plausibel ist das alles meiner Meinung nach nicht und daher bin ich nur mittelmäßig zufrieden.

 

Die kalten Sekunden | Erschienen am 21. Mai 2019 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-27606-4
384 Seiten | 9.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Thriller
Wertung: 2.5 von 5.0

Alle vier Rezensionen und Fotos von Gunnar Wolters.

 

Frank Goyke | Mörder im Chat

Miriam wird mit einer Machete ermordet, einziger Zeuge ist ein Schweizer, der die Tat im Chat auf seinem Computer beobachtet hat. Die Rostocker Ermittler Jonas Uplegger (alleinerziehender Vater eines Teenagers und Ja-Sager, zuletzt hat er einen ehrenamtlichen Vorsitz angenommen, den er nicht wollte) und Barbara Riedbiester (stark übergewichtig, bekämpft gerade nicht besonders erfolgreich ihre Alkoholsucht und lässt sich von Uplegger ständig irgendetwas googeln) ermitteln in dem Fall und treffen bald auf einige Ungereimtheiten im Leben des Opfers.

Mörder im Chat von Frank Goyke liest sich meiner Meinung nach durch umständliche Formulierungen und viele Fremdwörter nicht sehr flüssig. Außerdem werfen die Protagonisten mit viel Fachwissen auf unterschiedlichen Ebenen um sich. Wer sich aber in Rostock auskennt, wird seine Freude haben und an einigen Stellen konnte ich wirklich lachen.

 

Mörder im Chat | Erschienen am 27. März 2013 im Hinstorff-Verlag
ISBN 978-3-35601-574-4
336 Seiten | 12.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Genre: Regionalkrimi
Wertung: 3.0 von 5.0

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Stephan Schad | Der Fall Collini

Bei diesem Hörspiel zur Literaturverfilmung Der Fall Collini führt der Erzähler Stephan Schad souverän und mit sonorer Stimme durch die dramatische Geschichte, unterbrochen durch Original Tonmaterial aus dem Film.

Fabrizio Collini, ein seit Jahrzehnten in Deutschland lebender Italiener, erschießt scheinbar ohne Grund den angesehenen Großindustriellen Jean-Baptiste Meyer in dessen Luxus-Suite eines Hotels und traktiert den sterbenden Greis noch mit brutalen Kopftritten. Collinis Pflichtverteidigung übernimmt der unerfahrene Caspar Leinen. Dieser ist total befangen, weil der Ermordete nicht nur der Großvater seiner Jugendliebe war, auch er selbst hat Meyer viel zu verdanken. Der erfahrene Strafverteidiger Professor Richard Mattinger schlägt ihm einen Deal vor, vorausgesetzt der betagte Collini bekennt sich schuldig. Doch der schweigt eisern und so begibt sich Leinen auf die Suche nach einem möglichen Motiv. In dem italienischen Heimatdorf Collinis kommt er dabei einem großen Justizskandal der deutschen Rechtsgeschichte auf die Spur. Wenn zum Schluss im Gerichtssaal die Wahrheit ans Licht kommt, hat das Hörspiel seine besten – weil emotionalsten – Momente.

Bei meinem ersten Film-Hörspiel hatte ich die Bilder des Kinofilms nach einer Romanvorlage von Ferdinand von Schirach mit Schauspielern wie Elyas M‘Barek und Heiner Lauterbach noch im Kopf. Sonst wären mir die ca. 140 Minuten Laufzeit aufgrund der Handlungsdichte vielleicht etwas zu komprimiert gewesen. So fand ich, auch unter dem Einsatz von entsprechender musikalischer Untermalung, ein gelungenes, lebendiges, durch die Brisanz des Themas aufwühlendes Audio-Erlebnis.

 

Der Fall Collini | Das Original-Hörspiel zum Film erschien am 18. April 2019 im Jumbo Verlag
ISBN 978-3-8337-4024-4
2 Audio CDs | 15.99 Euro
Gesamtspielzeit: ca. 140 Minuten
Erzähler: Stephan Schad
Bibliographische Angaben & Hörprobe | Romanvorlage | Filmtrailer

Genre: Spannungsroman
Wertung: 3.5 von 5.0

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

 

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