Kategorie: Politthriller

Joakim Zander | Der Freund Bd. 3

Joakim Zander | Der Freund Bd. 3

Jacob erträgt die Aufnahme nur wenige Sekunden lang, sie ist zu unverblümt. Zu drastisch und widerwärtig. Seine Finger zittern, als er den Deckel des Laptops zuschlägt, um nicht mehr davon sehen zu müssen. Er vergräbt sein Gesicht in den Händen. „Was haben Sie getan?“, fragt er schluchzend. „Und warum?“ (Auszug Seite 120)

Ein Student aus Uppsala lalalalalalala

Jacob Seger ist ein ehrgeiziger, schwedischer Student. Als angehender Diplomat macht er ein Praktikumsjahr in der schwedischen Botschaft in Beirut. Es gibt aber nicht so viel zu tun und er ist sich oft selbst überlassen. Auf der Dachparty einer Nachbarin lernt er Yassim kennen und verliebt sich sofort in den arabischen Kriegsfotografen. Es beginnt eine leidenschaftliche Beziehung. Yassim gibt sich geheimnisvoll und ist oft wochenlang unterwegs und lässt nichts von sich hören. Eine Agentin des schwedischen Geheimdienstes nimmt Kontakt zu Jacob auf und behauptet, Yassim wäre ein Terrorist, sogar ein Drahtzieher, der Anschläge in Europa vorbereitet. Die mysteriöse Myriam Awad hatte Jacob eine Falle gestellt und mit diesem Druckmittel in der Hand will sie ihn zwingen seinen Freund auszuspionieren. Jacob ist hin- und hergerissen und weiß nicht, was er glauben soll. Als er einen Kurierdienst für Yassim erledigen soll, indem er einen USB-Stick außer Landes nach Europa schmuggelt, fällt ihm in seiner Not nur die schwedische Anwältin für Menschenrechte Gabriella Seichelmann ein, die er im Fernsehen gesehen hat und bittet sie um Hilfe.

Währenddessen wird die ehemalige EU-Referentin Klara Walldéen Zeugin, wie ihre Freundin Gabriella verhaftet wird. Im Rahmen eines Anti-Terror-Einsatzes wird sie direkt vor ihrer Kanzlei in Stockholm festgenommen. Die schockierte Klara will der Freundin helfen und sich anstelle von Gabi mit einem geheimen Informanten in Brüssel treffen, aber bevor sie begreift, um was es geht, gerät sie in Gefahr und zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Beirut, die Stadt der Gegensätze

Der dritte Band von Joakim Zander verbindet wieder Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen, wie die Terroranschläge im Jahr 2015 in Paris mit einer spannenden, fiktionalen Geschichte. Abwechselnd wird in beiden Erzählsträngen in kurzem Kapiteln und hohem Tempo erzählt. Wenn im letzten Drittel die beiden Handlungsstränge miteinander verknüpft werden und Jacob und Klara in Brüssel aufeinander treffen, wird die Geschichte deutlich rasanter mit jeder Menge Action in Form von Schießereien und Verfolgungsjagden.

Im ersten Drittel des Politthrillers beschäftigt sich der Autor sehr detailliert und empathisch mit Jacob und seinen Erlebnissen. Seine Gefühle, Gedanken und Wünsche nehmen einen großen Raum ein und sein Zwiespalt wird glaubhaft dargestellt. Dieser Handlungsstrang beinhaltet nicht sehr viel Thrill, trotzdem war er für mich sehr interessant und fesselnd. Der Leser erlebt durch Jacobs Augen den schillernden Schauplatz Beirut, dessen faszinierende Atmosphäre der Autor gekonnt einfängt. Es gelingt ihm, ein Bild dieses zerrissenen Landes der totalen Gegensätze wiederzugeben. Wir begleiten Jacob durch die flirrende Beiruter Nachtwelt und erleben mit ihm die Unruhen der unterschiedlichen Religionsgruppen und der syrischen Flüchtlinge. Demonstrationen und Protestaktionen sind an der Tagesordnung. Auch die gesellschaftliche Stellung der Homosexuellen in dem arabischen Land wir thematisiert.

Yassim meint den eingezäunten Beach Club auf der anderen Seite der Corniche, der zur Universität gehört, ein Aushängeschild der Privilegierten. Nichts bringt Beiruts doppeltes Gesicht besser auf den Punkt als die Einschusslöcher in den Umkleidekabinen der exklusiven, überteuerten Strandclubs. Hedonismus und Gewalt in einem ewigen Tanz entlang des privatisierten Küstenstreifens. (Seite 175)

Die Charaktere

Der strebsame Jacob kommt aus einfachen Verhältnissen, die er hinter sich lassen möchte. Er hat dafür sogar seinen Namen geändert. Sein Ziel, im diplomatischen Dienst Karriere zu machen, hat er fest vor Augen. Es enttäuscht ihn, dass man in der Botschaft keine wichtigen Aufgaben für ihn hat. Als er dann Yassim kennenlernt, kreisen seine Gedanken nur noch um seinen Freund und wann sie sich wiedersehen und seine Zeit ist geprägt von Aufregung. Der brisante Auftrag, den er Yassim zuliebe erledigen will, überfordert den naiven Studenten jedoch.

Yassim bleibt bis zum Schluss eine undurchschaubare Figur und das erhöht die Spannung natürlich noch.

Klara ist aufgrund der Ereignisse aus den letzten beiden Bänden und nach dem Tod ihres geliebten Großvaters angeschlagen. Als es darauf ankommt, findet sie aber zu alter Stärke zurück. Der Handlungsstrang um Klara ist nicht ganz so dynamisch, auch wenn der Autor hier versucht, die Verhaftung von Gabi durch ein Spezialeinsatzkommando besonders spektakulär zu gestalten.

Fazit

Beim dritten Band der Klara-Walldéen-Reihe Der Freund handelt es sich um eine abgeschlossene Geschichte, die man problemlos lesen kann ohne Kenntnis der zwei Vorgängerbände Der Schwimmer und Der Bruder. Zander bleibt sich in der Thematik treu und es geht um den Nahen Osten und um seine Lieblingsthemen Terrorismus und Spionage. Diesmal sind es nur zwei leicht zeitversetzte Erzählperspektiven. Das hat der Spannung gut getan, denn der dritte Band ist nicht so komplex und verlangt daher nicht ganz so viel Konzentration, glänzt aber mit vielen unerwarteten Wendungen. Der Autor kann seine Erfahrungen in der internationalen Diplomatie mit einbringen und spiegelt die Wirklichkeit glaubwürdig wider. Besonders geglückt empfinde ich wieder seine intensiven Beschreibungen der jeweiligen Schauplätze.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Der Freund | Erschienen am 1. September 2017 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-27363-6
464 Seiten | 14.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

30. März 2018

Weiterlesen: Andys Rezensionen zu Joakim Zanders Romanen Der Schwimmer und Der Bruder | weitergehende Verlagsinfo

Diese Rezension erscheint im Rahmen des Mini-Spezials Ein langes Wochenende mit … Schwedenkrimis.

Christian von Ditfurth | Giftflut

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„Wenn jemand den Westen zerstören will, würde er dieses Programm fahren“, sagte de Bodt.
„Aber wer will den Westen zerstören? Davon quatschen die in der Glotze dauernd.“
„Die Chinesen nicht, die Russen nicht. Die Islamisten natürlich. Aber die können es nicht. Wer will den Westen zerstören, und wer kann es auch?“
Salinger schwieg eine Weile. „Was heißt eigentlich den Westen zerstören?“
„Bomben zerstören Menschen und Gebäude. Aber nicht die Demokratie. Was oder wer die hiesige Demokratie zerstört, das sind eher die Regierungen. Maßnahmen, die die Sicherheit nicht erhöhen, aber Rechte aushöhlen.“
[…] „Wir drehen uns im Kreis. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wer so eine Operation durchziehen kann“, sagte de Bodt. (Auszug Seiten 184-185)


In Berlin wird die Oberbaumbrücke Ziel eines Spengstoffanschlags, wenig später auch eine Seinebrücke in Paris und die Tower Bridge in London in die Luft gejagt. Sehr planmäßig durchgeführte Anschläge, die Hunderte von Todesopfern fordern. Das Seltsame: Den Anschlägen gingen jeweils Doppelmorde an leitenden Angestellten der städtischen Wasserwerke voraus. Hauptkommissar de Bodt versucht unter großem Einsatz, die Verbindung zwischen den Taten zu ziehen, um weitere Anschläge zu verhindern.

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Eric Ambler | Der Fall Deltschev

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Die Wahrheit über meine Rolle im Fall Deltschev ist nicht erfreulich. Ich bin nicht einmal in die Gefahr hineingestolpert, ich bin hineinspaziert. Ich bin dahingeschlendert, so wie man durch das faszinierende Gewirr von Straßen und Gassen der Altstadt schlendert. Man hatte mich gewarnt, mir gesagt, dass sie gefährlich seien, gewiss: aber ich hatte gedacht, sie seinen gefährlich für die Warner, nicht für mich. Und als ich sah, dass ich mich verirrt hatte, und herauszukommen versuchte, sah ich auch, dass ich verloren war. So ungefähr empfand ich es. (Auszug Seiten 217-218)

In einem sowjetisch beeinflussten Balkanstaat kurz nach dem zweiten Weltkrieg wird der ehemalige Regierungschef und Oppositionspolitiker Jordan Deltschev angeklagt, ein Verräter und Verschwörer zu sein, der in Attentatspläne gegen den amtierenden Staatschef Vukaschin der kommunistischen Volkspartei verwickelt ist. Der Schauprozess wird auch von der ausländischen Presse verfolgt. Der britische Dramatiker Foster soll für eine amerikanische Zeitung Beiträge zum Prozess liefern. Doch Foster ist mit der ihm zugedachten Beobachterrolle nicht einverstanden und begibt sich in gefährliche Hintergrundrecherchen.

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Viet Thanh Nguyen | Der Sympathisant

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Nein, nein, schluchzte die Agentin. Sie brauchte eine gute Geschichte, aber ihr fiel keine ein, allerdings hätte nichts die Polizisten umstimmen können. Also dann, sagte der mittlere Polizist, öffnete den Gürtel und den Reißverschluss seiner Hose. […]
Wir fangen ganz leicht an, sagte der mittlere Polizist und kletterte ungelenk auf den Tisch und zwischen ihre Beine. Wie heißt du? Sie sagte nichts, aber als er die Frage wiederholte, erwachte etwas Animalisches in ihr. Sie öffnete die Augen, schaute den Polizisten an und sagte: Mein Nachname ist Viet, und mein Vorname ist Nam.“ (Auszug Seiten 480-481)

April 1975: Die revolutionären Truppen Nordvietnams erobern den Süden. Die Amerikaner ziehen sich überhastet zurück und gewähren einer kleinen Zahl privilegierter Einheimischer ebenfalls die Flucht. Mit dabei ist auch der Ich-Erzähler, Adjutant eines südvietnamesisichen Generals, aber in Wahrheit ein kommunistischer Spion. Er war ein wichtiger Informationsträger im Stab des Generals und nun soll er auch in den Vereinigten Staaten Augen und Ohren offen halten.

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