Kategorie: Gunnar Wolters

Martin von Arndt | Sojus

Martin von Arndt | Sojus

Würde ihm ein Gespräch mit Sarkis dabei helfen, seine Fragen zu klären? Oder waren diese Fragen im Grunde nichtig? Ging es ihm nicht vielmehr um seine quälend werdende Sinnfrage… um das Verlangen, seine Ruhe, die er in Würzburg gefunden hatte, zu tauschen gegen – ja, wogegen denn? Vielleicht gegen etwas Vertrautes, etwas Ähnliches wie – Heimat.
Oder bürdete er diesem Unbekannten, den er biologisch seinen Sohn nennen durfte, damit eine Last auf, die der unmöglich tragen konnte? (Auszug Seite 95)

Ex-Kommissar Andreas Eckart hat sich im Jahr 1956 eigentlich zur Ruhe gesetzt, als er von Dan Vanuzzi, seinem ehemaligen Partner beim amerikanischen Militärgeheimdienst CIC, kontaktiert wird. Vanuzzi, wie Eckart bei den Amerikanern in Ungnade gefallen, arbeitet neuerdings für den britischen MI6. Er hat Kontakt zu einer Quelle beim ungarischen Geheimdienst, die ihm ein brisantes Dossier über sowjetische Agenten anbietet. Vanuzzi muss nach Budapest, um an das Dossier zu kommen. Doch dort spitzt sich die Lage gerade zu, der Volksaufstand ist im Gange und alles wartet auf die Reaktion der Sowjets. Um Eckart zum Mitkommen zu überreden, verrät Vanuzzi ihm den Namen eines in Ungarn operierenden Sowjetagenten: Sarkis, Eckarts Sohn mit der armenischen Rebellin und Terroristin Aghawni, den er nie kennengelernt hat. So begeben sich die beiden über Umwege nach Ungarn und bewegen sich dort im Untergrund.

Sojus ist der dritte Teil der Reihe um den Psychoanalytiker und Kommissar Andreas Eckart. Interessant an dieser Reihe sind die großen Zeitsprünge zwischen den Bänden. Band 1, Tage der Nemesis, spielt Anfang der 1920er vor dem Hintergrund des Völkermords der Türken an den Armeniern und der instabilen Weimarer Republik. In Band 2, Rattenlinien, ist Eckart nach dem zweiten Weltkrieg auf der Suche nach sich absetzenden Ex-Nazis. Der vorliegende dritte Band greift zunächst einen Strang aus dem zweiten Band wieder auf und beginnt 1948.

Eckart wurde von den Amerikanern in einer Psychiatrie interniert, da sie befürchten, diese könnte schmutzige Deals mit Ex-Nazis an die Öffentlichkeit bringen. Seine ehemaligen Partner Rosenberg und Vanuzzi, inzwischen in Diensten des neu gegründeten israelischen Geheimdienstes, wollen ihn dort herausholen. Die nun folgende Befreiungsaktion ist zwar durchaus spannend, aber wirkt auf mich wie ein Fremdkörper im Rest des Buches, das acht Jahre später spielt. Außer Vanuzzi taucht keine Figur im weiteren Verlauf mehr auf und der Aufenthalt in der Psychiatrie scheint Eckart acht Jahre später kaum noch zu beeinträchtigen.

Ansonsten greift Autor von Arndt allerdings wieder den ersten Teil der Reihe auf: Eckart hatte damals eine Liebesbeziehung zu einer Armenierin. Dieser Liebe war keine gemeinsame Zukunft vergönnt, doch es entstand ein Sohn aus dieser Beziehung. Mehr als dreißig Jahre später ist Sarkis in Diensten des KGB. In Ungarn agiert er als Agent provocateur. Er versucht den Volksaufstand zu radikalisieren, um einen Vorwand für ein sowjetisches Eingreifen zu liefern. Sarkis ist ein kommunistischer Kader geworden. Kann die Begegnung mit seinem Vater ihn ideologisch erschüttern?

Sojus hat seine besten Szenen, wenn Eckart und Vanuzzi das Geheimversteck verlassen und durch die umkämpften Straßen der ungarischen Hauptstadt streifen. Diese Abschnitte sind sehr intensiv und das Setting authentisch. Was ich ein wenig schade finde: Die beiden Hauptfiguren (die ansonsten gut „harmonieren“) kommen von außerhalb, so dass sie irgendwie nur dabei, statt mittendrin sind. Ein detaillierter ungarischer Blick fehlt. Die Ereignisse werden von Dritten wiedergegeben. Trotzdem wird gut deutlich, wie die Ungarn von den Westmächten im Stich gelassen wurden. Einen Konflikt mit den Sowjets wollte niemand riskieren, allerdings sagte man dies den Ungarn nicht so deutlich. Stattdessen sorgten sich Großbritannien und Frankreich um den Zugang zum Suezkanal und intervenierten lieber in Ägypten militärisch. Was der Autor im Nachwort nochmal als durchaus traumatisch beschreibt und nach seiner Ansicht das schwierige Verhältnis der Ungarn zum Westen bis heute teilweise beeinflusst.

Insgesamt ist Sojus ein solider, durchaus spannender Spionage-/Politthriller mit unverbrauchtem Setting. Ein wenig Luft nach oben ist aber vorhanden, zumal auch der Vater-Sohn-Konflikt noch schärfer hätte beleuchtet werden können, die Figur Sarkis bleibt zudem insgesamt zu unscharf. Dennoch gehört die Reihe zu den interessanteren historischen Krimis/Thrillern aus deutscher Feder.

Sojus | Erschienen am 26. Februar .2019 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-974-6
296 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension von Gunnar zu Tage der Nemesis bei Lovelybooks, Rezension von Anne Kuhlmeyer zu Rattenlinien im Crimemag

James Sallis | Willnot

James Sallis | Willnot

Kurz darauf machten wir eine Kaffeepause, und als wir auf den Betonbänken vor dem gelben Bzzzy Bee Café saßen und Richard eindeutig immer noch über das Nummernschild nachdachte, fragte er mich, an was ich wirklich glaubte.
Wir stiegen wieder in den Wagen und fuhren weiter.
„An die Fähigkeit des Menschen“, sagte ich ihm, „unter erheblichen Anstrengungen geringfügig besser zu sein als seine ureigenen Instinkte und Neigungen.“ (Auszug Seite 60)

Normalerweise gebe ich an dieser Stelle einen kurzen Abriss zur Handlung. Dieser könnte in etwa lauten: In der amerikanischen Kleinstadt Willnot wird eine Grube voller Leichen gefunden. Auch der Arzt Lamar Hale ist an den Untersuchungen beteiligt. Kurze Zeit später kommt ein alter Bekannter in seine Praxis, der lange Zeit nicht mehr in Willnot war. Der Ex-Marine und Scharfschütze Brandon Lowndes wird von einer FBI-Agentin gesucht. Aber um ganz ehrlich zu sein: Autor James Sallis kam es eher weniger auf seinen Plot an. Er versandet vielmehr, stattdessen werden eine Menge Fragen aufgeworfen, ohne wirklich beantwortet zu werden.

Ich-Erzähler dieses Romans ist Lamar Hale. Ein älterer Arzt, der sowohl in einer Praxis als auch im Krankenhaus praktiziert und von der Polizei bei Bedarf herangezogen wird. Ein Mann, der sehr respektiert wird und diesen Respekt mit Gewissenhaftigkeit und Einsatz verdient. Hale lebt in einer Partnerschaft mit dem Lehrer Richard. Das Besondere an Dr. Hale: Im Alter von zwölf Jahren war er für einen längeren Zeitraum im Koma, dessen Ursachen nie diagnostiziert wurden. Er beschreibt, dass während des Komas und seitdem „Besucher“ zu ihm kommen. Menschen, deren Seelenleben er spürt und die sich „durch ihn hindurchbewegen“, zumeist in seinen Träumen. Für Hale eine ständige psychische Belastung. Hale versucht auch seine eigene Vergangenheit zu ergründen, vor allem seine Beziehung zu seinem Vater, einem Science-Fiction-Autor.

Somit bewegt sich der Roman sehr schnell weg von einer Krimihandlung zu psychologischen, philosophischen Fragen. Dabei kommen zahlreiche Figuren aus Lamar Hales Umgebung ins Spiel, wie etwa der Sheriff Hobbes, FBI-Agentin Ogden oder ein Junge aus Richards Schule. Sallis kommt über seine Figuren zu existentiellen Überlegungen über Leben, Krankheit, Ohnmacht und Tod.

„Wie ich schon sagte – wir nennen es Landung. Und zwar eine harte. Man kommt von einer Mission, alles war so fokussiert, und jetzt hängt alles nur noch lose zusammen, ohne Verbindung, und flattert im Wind. Man bekommt es nicht in den Griff und kann auch nicht begreifen, wieso alles so blass ist. Weil die Farbe fehlt.“ (Seite 119)

Willnot ist wieder so ein Buch, bei dem selbst ein sehr aufgeschlossener Leser wie ich ins Grübeln kommt, ob das hier überhaupt noch Kriminalliteratur ist. Es ist zwar schon in der Krimibestenliste gelistet, aber ich für mich würde es verneinen. James Sallis hat sich hier für meinen Geschmack schon sehr weit vom Genre entfernt. Ich hatte mir schon gewünscht, dass ein wenig mehr Thriller oder Noir drin gewesen wäre. Bitte nicht falsch verstehen, es handelt sich hier um keinen schlechten Roman. Sallis schreibt gute Dialoge, hat ein gutes Gespür für seine Figuren. Ich denke, wer von vornherein weiß, dass er hier eher etwas Existentialistisches als einen Thriller zu erwarten hat, kann sich besser auf diesen Roman einlassen. Ich habe mich aber von Anfang an schwer getan und muss daher feststellen, dass es bei mir nicht gezündet hat.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Willnot | Erschienen am 18. Februar 2019 in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind
ISBN 987-3-95438-102-9
224 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Abgehakt | März 2019

Abgehakt | März 2019

Birgit Lautenbach und Johann Ebend | Hühnergötter

Auf der Ostseeinsel Hiddensee wird in der Hochsaison ein drei Monate alter Säugling aus seinem Kinderwagen entführt. Die Mutter verständigt umgehend die beiden Inselpolizisten Daniel Pieplow und Lothar Kästner, die sofort den Ernst der Lage erkennen und sich Verstärkung von Rügen und aus Stralsund holen. Die ganze Insel ist in Aufruhe und auf der Suche nach dem Kind.

Gefallen hat mir die Spannung, die dadurch erzielt wird, dass der Täter auch zu Wort kommt und der Leser dadurch etwas im Vorsprung zu den Ermittlungen ist. Außerdem wird die Urlaubsregion authentisch beschrieben und in Gedanken konnte ich den einzelnen Schauplätzen gut folgen. Einziges Manko ist, dass es sich um einen eher kurzen Krimi handelt.

Hühnermord | Die gelesene Ausgabe erschien 2008 in 3. Auflage im Prolibis Verlag
ISBN 978-3-935263-29-0
nur noch antiquarisch erhältlich

Am 19. März 2019 erschien eine independently published Neuauflage
ISBN 978-1-79665648-0
139 Seiten | 7.99 Euro
Bibliografischer Angaben & Leseprobe

Genre: Küstenkrimi
Wertung: 4.5 von 5.0

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Lars Kepler | Lazarus

Im bereits siebter Fall für Joona Linna wird es persönlich, denn unerwartet taucht in der Wohnung eines Grabschänders der Schädel seiner verstorbenen Frau in einer Gefriertruhe auf, zwischen Leichenteilen anderer. Als er dann noch Parallelen hinter einigen grausamen Morden vermutet, deren Opfer an verschiedenen europäischen Schauplätzen auftauchen, ahnt Joona, dass ein längst tot geglaubter schwedischer Serienmörder zurückgekehrt ist, um einen neuen Partner zu rekrutieren. Seine Theorie: Jurek Walter ermordet Kandidaten, die seinen Ansprüchen nicht genügten, was wiederum zur Verknüpfung der Einzeltaten zu einem Ganzen führte. Durch die Ereignisse und seine Hypothese alarmiert, setzt Joona umgehend einen wohlfein ausgearbeiteten Notfallplan für sich und seine Tochter in Gang, in den er am liebsten auch seine Freundin Saga einbeziehen möchte, aber es ist nicht jedermanns Sache, von jetzt auf gleich alle Brücken einzureißen und auf der Flucht zu leben, möglicherweise ohne die Möglichkeit auf Rückkehr ins gewohnte Leben. Joona akzeptiert Sagas Entscheidung, doch sein Vorhaben steht, denn er muss um jeden Preis seine Tochter vor Jurek Walter schützen.

Die Rahmenhandlung stimmte für mich, das Buch hat ein schönes, aufwendig gestaltetes Cover, das Auge liest mit. Leider nicht lange, denn mit Fortschreiten der Geschichte stellte sich bei mir immer mehr Unlust zum Weiterlesen ein, denn Autor Lars Kepler scheint seinen Spannungsbogen auf besonders grauenvolle Taten aufzubauen, die geradezu brutal sind (höher, schneller, weiter?). Das ließe sich noch überlesen, wenn es wenigstens flüssig voran ginge. Aber Kepler arbeitet mit teils seltsamen Satzkonstrukten und besonders die Gedanken so mancher Figur erschienen mir doch recht unlogisch.

„Der Täter muss einen gehörigen Serotoningehalt im präfrontalen Kortex und eine gesteigerte Aktivität der Amygdala haben, denkt Saga.“ (Auzug Seite 189)

Als dann auch immer häufiger noch Kommissar Zufall mitspielte, fühlte ich mich veralbert. Hätten wenigstens die Figuren ehrlichen Tiefgang, aber auch hiernach sucht man vergebens. Ich kann leider nicht beurteilen, ob sich Lazarus nur nach vorheriger Lektüre der sechs Vorgängerbände empfiehlt.

Lars Kepler ist das Pseudonym der Autoren Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril.

Lazarus | Erschienen am 28. Februar 2019 im Verlag Bastei Lübbe
ISBN 978-3-785-72650-1
640 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Krimi
Wertung: 2.0 von 5.0

Rezension und Foto von Nora.

 

Susanne Saygin | Feinde

Der Kölner Kommissar Can Arat und seine Chefin Simone Kerkmann ermitteln in einem brutalen Doppelmord an zwei bulgarischen Roma, die offenbar auf dem Schrottstrich gearbeitet haben. Die Kommissare stellen eine Verbindung zum Bauunternehmer und Mäzen Nolden fest. Doch der einzige Zeuge, der sich bereit erklärt zu reden, landet vor einer U-Bahn. Der Staatsanwalt ist außerdem ein Karnevalskumpel von Nolden. Der Fall droht im Sande zu verlaufen, doch Can ist nicht bereit, dies zu akzeptieren und ermittelt weiter – auf Teufel komm raus.

Autorin Susanne Saygin wohnte in Köln selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem „Bulgarenhaus“, einer völlig überfüllten, heruntergekommenen Immobilie voller Arbeitssklaven. Dies inspirierte sie zu diesem packenden Krimi über Menschenhandel, Korruption und Ausbeutung, der auch sprachlich keine Kompromisse macht und die Dinge beim Namen nennt. Interessant fand ich die Wandlung des Romans, der erst als typischer Ermittlungskrimi beginnt und dann sich immer mehr auf den von Migräne geplagten und persönlich betroffenen Can fokussiert, bis hin zu seinem Road Trip nach Bulgarien auf der Suche nach der Wahrheit. Dabei beinhaltet die Story auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir etwas zu kunstvoll oder märchenhaft vor in dieser sonst so knallharten Geschichte. Doch insgesamt ein richtig starkes, intensives Krimidebüt.

Feinde | Erschienen am 10. September 2018 im Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-43889-7
352 Seiten | 12.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Alex Pohl | Eisige Tage

Die Leipziger Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic ermitteln im Fall eines ermordeten russischen Anwalts. Dieser war bis vor einigen Jahren im Dunstkreis des Paten Vadim Iwanow, war danach in Ungnade gefallen. Doch der Anwalt scheint ein neues Betätigungsfeld gefunden zu haben, findet man doch in seinen Hinterlassenschaften eindeutige Bilder von minderjährigen Mädchen. Der Tote war offenbar in Mädchenhandel verstrickt und Seiler und Novic ziehen schließlich eine Verbindung zu mehreren aktuellen Vermisstenfällen in Leipzig.

Eisige Tage ist das Verlagsdebüt des erfolgreichen (Selfpublisher-)Autors Alex Pohl, bisher bekannt unter dem Pseudonym L.C. Frey. Ein grundsolider Kriminalroman mit düsterem Einschlag, für den nicht nur das Thema, sondern auch der russische Gangster Onkel Vadim sorgt, der als Bedrohung ständig im Hintergrund mitschwingt und zu dem die Polizisten eine ungesunde Beziehung entwickeln. Beide Ermittler haben wie üblich ihr Päckchen zu tragen. Der etwas monkhafte Novic, der eine grauenvolle Vergangenheit im Kosovokrieg hatte, ist (eher als seine Kollegin) aber durchaus als interessante Figur angelegt. Eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen auch die jungen Neffen Iwanovs, die Gebrüder Karamasow (ernsthaft?). Nicht so ganz gelungen fand ich die merkwürdigen Zeitsprünge, die der Autor in der Geschichte einbaut, und die stellenweise etwas aufgesetzt wirkende Härte. Insgesamt war es aber ein durchaus ordentlicher und kurzweiliger Kriminalroman.

Eisige Tage | Erschienen am 11. Februar 2019 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10323-3 (Taschenbuch) | ISBN 978-3-641-22801-9 (eBook)
432 Seiten | 10.- Euro | 8.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Krimi
Wertung: 3.0 von 5.0

 

Jurica Pavičić | Die Zeugen

Während des Kroatienkriegs im Juni 1992 führt Kreso seinen kleinen Trupp versehentlich durch ein von ihm selbst gelegtes Minenfeld. Zwei Männer sterben, Kreso selbst verliert ein Bein. Kurz bevor Kreso aus der Rehabilitation zurückkehrt, begehen einige seiner Kameraden aus Wut, Frust und Hass einen Mord an einem serbischen Unternehmer. Die 12-jährige Tochter wird Zeugin des Mordes, die Täter entführen und verstecken sie. Über Beziehungen zum angesehenen Arzt Matić gelingt es ihnen zunächst, die Tat zu vertuschen. Doch was sollen sie mit dem Mädchen machen? Kreso und auch seine Schwester, die Journalistin Lidija, werden auf den Fall aufmerksam.

Die Jugoslawienkriege waren der letzte bewaffnete Konflikt in der Mitte Europas. Ein brutaler Konflikt, dessen traumatische Ereignisse bis heute in der Region nachwirken. Die Zeugen spielt 1992 überwiegend in Split, dessen Hinterland zwischen Kroaten und Serben noch umkämpft war. Eine beengte, fast kleinstädtische Szenerie, ständig weht der Wind. Korruption und Vetternwirtschaft. Von den Bergen grollt der Krieg herunter. Der Roman ist ein aus verschiedenen Perspektiven erzählter Gesellschaftsroman, gleichwohl spannend. Sehr überzeugend ist der Blick auf die verschiedenen Figuren. Vor allem die Sicht auf die Reservisten, die perspektivlos und traumatisiert sich den niederen Instinkten ergeben, dabei aber in Kriegszeiten auf Rückendeckung von oben hoffen dürfen.

„Seit der Granatsplitter Luka umgebracht hatte, waren sie zu unbarmherzigen, männlichen Hass verurteilt. […] Sie mussten entschlossen und unbeirrbar sein, ihrem Zorn ergeben. Für andere mochte Hass eine Tugend sein, für sie war er eine Pflicht.“ Auszug Seite 40

Ein lesenswerter Roman über Hass, Wut, Scham, Schuld und Sühne, der sich aber der völligen Schwärze verweigert, sondern auch ein wenig Hoffnung verbreitet. Die Verfilmung, Svjedoci, gewann 2004 den Friedenspreis der Berlinale.

Die Zeugen | Erstveröffentlichung 1998
Die überarbeitete Neuauflage erschienen am 11. Februar 2019 im Verlag Schruf & Stipetic
ISBN 978-3-944359-44-1 | ISBN 978-3-944359-54-0 (eBook)
288 Seiten | 12.90 Euro | 5.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Spannungsroman
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Antti Tuomainen | Palm Beach, Finland

Jorma Leivo hat eine Vision: Ein Ferienparadies mit Palmen, Sandstrand und Miami-Feeling – an der finnischen Ostsee. Er hat schon einiges investiert in „Palm Beach, Finland“. Aber er braucht Haus und Grundstück von Olivia Koski. Die will allerdings nicht verkaufen. Deshalb heuert er Chico und Robin an, um Olivia ein wenig einzuschüchtern. Die treffen in Olivias Haus allerdings nicht auf Olivia, sondern auf einen Einbrecher und töten diesen versehentlich. Damit nehmen die Dinge ihren Lauf und rufen nicht nur Undercover-Cop Jan Nyman, sondern auch einen Auftragskiller, den Bruder des Getöteten, auf den Plan.

Mit Die letzten Meter bis zum Friedhof hatte mich Autor Antti Toumainen im letzten Jahr sehr überzeugt. Ein skurriler, melancholischer Roman mit interessanten Figuren, der eine gelungene Mischung aus Humor und Ernst war. Typisch finnisch. Umso mehr muss ich nach der Lektüre des aktuellen Romans Palm Beach, Finland feststellen, dass diese Mischung für mich leider bei weitem nicht erreicht wurde. Der Humor tendiert teilweise eher zu albern, die ernsthaften Momente plätschern dahin. Auch der Plot bietet nur wenig echte Überraschungen, sondern sorgt eher für Stirnrunzeln, zum Beispiel, ob der Profikiller wirklich hätte sein müssen. Am bedauerlichsten ist jedoch, dass die Figuren diesmal irgendwie blass bleiben, die Tiefe der Figuren des Vorgängers erreichen sie zu keiner Phase. So bleibt am Ende ein relativ unwitziger „komischer“ Krimi. Klingt unbefriedigend, las sich auch so.

Palm Beach, Finland | Erschienen am 22. Januar 2019 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-06556-0
368 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: komischer Krimi
Wertung: 1.5 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zum Krimi Die letzten Meter bis zum Friedhof von Antti Tuomainen.

Rezension 3 bis 6 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Weitere Ausgaben unserer Rubrik Abgehakt, Krimis kurz besprochen, findet ihr hier.

Dov Alfon | Unit 8200

Dov Alfon | Unit 8200

„Wunderbar!“, rief der amerikanische Berater aus. „Riesensache: Maulkorberlass aufgehoben, ein Israeli in Paris gekidnappt, Regierung vermutet antijüdische Motive, Premierminister hat französischen Amtskollegen kontaktiert und ihn zum Eingreifen gedrängt. Haben wir Bilder?“
„Ich habe allerdings inzwischen mit dem Obersten Militärberater gesprochen, und der sagt, man sei jetzt sicher, dass die Entführung nichts mit der israelischen Staatsangehörigkeit zu tun hat, sondern dass es sich um einen kriminellen Fall von Personenverwechslung handelt“, sagte der Sprecher.
„Was ist denn das für einer? Ist er der Sprecher des IS? Wie kann er sich über das Motiv sicher sein?“, wetterte der Amerikaner. „Es ist unser Job, lachhafte Spekulationen zu präsentieren, nicht seiner.“ (Auszug Seite 88)

Paris, Flughafen Charles de Gaulle: Kurz nach der Ankunft wird ein Israeli von einer Frau in einen Aufzug gelockt und verschwindet. Wenig später ist anhand von Videoaufzeichnungen klar, dass er von zwei chinesischen Männern ermordet wurde. Doch war der Marketingleiter eines Softwareunternehmens wirklich das gesuchte Opfer? Zunächst wird die Sache heruntergespielt, doch zur Vertuschung eines innenpolitischen Skandals werden in Israel plötzlich alle Register gezogen und eine diplomatische Krise heraufbeschworen.

Hauptmann Zeev Abadi von der Geheimdiensteinheit Unit 8200 war zeitgleich am Flughafen und schaltet sich in die Ermittlungen des französischen Kommissars Léger (Nomen est Omen) ein. Er glaubt, dass in Wahrheit ein anderer das Ziel dieses Verbrechens war, was sich bald als korrekt herausstellen wird. Abadi ist gerade als Chef der Unit 8200 eingesetzt worden, doch er hat mächtige Feinde im Militär, die ihn nur allzu schnell wieder loswerden wollen. Abadis Stellvertreterin Leutnant Oriana Talmur muss währenddessen in Israel die internen Machtkämpfe ausfechten und gleichzeitig Abadi helfen, die Hintergründe aufzudecken.

Obwohl die Perspektive von zahlreichen Figuren eingenommen wird, sind Abadi und Talmur die beiden Hauptfiguren. Sie ist Mitte Zwanzig, die Tochter eines verdienten Offiziers, gutaussehend, ein wenig kratzbürstig. Sie ist eine brillante Analytikerin, Beste ihres Jahrgangs, alle Wege stehen ihr offen. Und sie hat einen feinen Sinn für die internen Machtkämpfe, bleibt jedoch loyal zu dem ihr nicht persönlich bekannten Abadi. Er ist der Sohn tunesischer Juden, in Frankreich aufgewachsen, danach nach Israel gekommen. Ein erfahrener Geheimdienstler, mit allen Wassern gewaschen. Überraschend ist er zum Leiter der Unit 8200 ernannt worden, galt seine Karriere doch als beendet, seitdem er in einem Gerichtsverfahren für die angeklagten Angehörigen der Unit 8200, die aus Gewissensgründen den Dienst verweigert hatten, ausgesagt hatte.

Die „Unit 8200“ gibt es übrigens wirklich. Sie ist eine der renommiertesten Geheimdiensteinheiten Israels, eine Fernmelde- und Aufklärungseinheit, eine der HighTech-Abteilungen des israelischen Militärs. Auch das angesprochene Gerichtsverfahren gab es wirklich. Damals klagten über 40 Reservisten der Einheit die aus ihrer Sicht Menschen verachtende Praxis an, dass Palästinenser in den besetzten Gebieten ausgespäht wurden, um diffamierende private Dinge zu erfahren, damit diese mittels Erpressung als Kollaborateure „angeworben“ werden konnten. Die Reservisten galten fürs Militär (und die überwiegende Öffentlichkeit) als Verräter und wurden entlassen. Dadurch, dass dieser Vorgang Eingang in diesen Thriller findet, ist klar, dass es hier auch sehr politisch wird. Intrigen, Verrat, Einflussnahme, Vorteilsnahme, Seilschaften. Involviert sind die höchsten Kreise, die politischen und strategischen Berater versuchen mit Lügen, Vertuschungen und Fake News abzulenken. Oder man schafft es, die „heiße Kartoffel“ an einen anderen weiterzureichen.

Oriana überlegte, ob alle Nachrichten, die sie hörte, manipuliert waren oder ob die Wahrheit nur in denjenigen fehlte, über die sie zufällig etwas wusste. (Seite 253)

Unit 8200 ist ein rasanter Thriller an zwei Schauplätzen. In bester Thrillermanier wird immer wieder die Perspektive gewechselt. Die erzählte Zeit beträgt gerade einmal etwa 30 Stunden und – „24“ lässt grüßen – regelmäßig wird die genaue Uhrzeit am Kapitelende genannt. Der Autor erzählt mit einem allwissenden personalen Erzähler leichtgängig und mit feiner Ironie. Alfon ist ein Profi und Insider: Er war selbst Mitglied in der Unit 8200 und anschließend Topjournalist in Israel. Das Charmante an diesem Roman ist, dass Alfon ernste Themen auf Tapet bringt, aber sich und sein Buch nicht zu ernst nimmt. Denn er spielt mit den Erwartungen des Lesers an einen Spionagethriller und liefert immer wieder vereinzelt Zutaten wie schöne Frauen, coole Gadgets, fiese Schurken, übertriebene Tötungsarten und ein gewisses Geplänkel zwischen Abadi und Talmur. Das Ganze wird aber zumeist mit einem Schuss Humor und Ironie serviert. Sehr souverän und absolut lesenswert.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Unit 8200 | Erschienen am 19. Februar 2019 im Rowohlt Verlag
ISBN 987-3-499-27570-8
480 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Attica Locke | Bluebird, Bluebird

Attica Locke | Bluebird, Bluebird

„Hab’n Sie sich verlaufen?“, fragte sie.
„Überhaupt nicht“, sagte er und hob die linke Hüfte, als er sich auf den Barhocker setzte, damit man sein Holster mit seiner 45er sah. Die Barkeeperin registrierte es mit finsterem Blick. Darren beobachtete sie dabei, wie sie einschenkte und darauf achtete, dass es ja nicht zu viel war. Als sie ihm den Drink hinschob, hob er das Glas und sagte: „Auf das offene Tragen von Waffen.“ Er legte einen Zwanziger auf den Tresen, um zu signalisieren, dass er eine Weile bleiben würde, drehte sich dann um und suchte sich weiter hinten einen Platz. (Auszug Seite 94)

Darren Matthews ist Texas Ranger und aktuell vom Dienst suspendiert. Ein Kumpel vom FBI bittet ihn, in das kleine Nest Lark in Osttexas zu fahren, um sich dort ein wenig inkognito umzusehen. In Lark, einem Ort mit weniger als 200 Einwohnern, wurde eine weiße Kellnerin ermordet, nachdem zwei Tage zuvor der schwarze Anwalt Michael Wright im örtlichen Bayou tot aufgefunden wurde. Der Sheriff hat keine Unterstützung angefordert, aber der Freund beim FBI vermutet einen Zusammenhang und ein Rasseverbrechen: Ein Thema, auf das der dunkelhäutige Ranger anspringt. Darren lässt sich überreden und bricht nach Lark auf.

Dort angekommen begibt sich Darren zunächst in ein kleines Café, das von der eher ruppigen älteren Besitzerin Geneva geführt wird und das eine Art Anlaufpunkt für die schwarzen Einwohner ist. Michael Wright ist an jenem Tag wohl auch dort eingekehrt ist, doch allzu gesprächig ist man dort nicht. Etwas weiter die Straße hinauf gibt es noch eine Redneck-Kneipe mit härteren Getränken. Offenbar war Wright dort ebenfalls und traf auf die Kellnerin Missy Dale. Wenige Stunden später war er tot, sie zwei Tage später. Darren bekommt mit, dass der Sheriff bei Wright keinen Mord, sondern Ertrinken vermutet und die Ermittlungen mehr auf den offensichtlichen Mord an der Kellnerin konzentriert.

Er kniff Augen und Mund zu und ruderte mit den Armen, um an der Oberfläche zu bleiben. Einmal treten mit dem anderen Bein genügte, um den Grund des Bayous zu berühren. Dabei stieß er sich den Zeh in seinem Stiefel. Dem Schmerz folgte ein Erkenntnisblitz. Steh einfach auf, Mann. Steh auf. Innerhalb von Sekunden stand Darren, und das Wasser des Bayou reichte ihm gerade mal bis zur Hüfte. Da wusste er, dass Michael Wright unmöglich im Bayou gelandet und dort ertrunken war. (Seite 111)

Darren muss relativ schnell seine Tarnung aufgeben, erhält aber plötzlich Unterstützung von seinem Vorgesetzten. Seine Suspendierung wird vorläufig aufgehoben und er darf offiziell weiter ermitteln. Er hat schnell eine Theorie zu einem rassistisch motivierten Doppelmord, er vermutet nicht zu unrecht, dass es im Ort Verbindungen zur Aryan Brotherhood of Texas gibt. Doch je mehr er in den Fall eintaucht, um so mehr gerät er in ein undurchsichtiges Geflecht von Beziehungen und Abhängigkeiten. Die Ehefrau des toten Wright taucht mit Reportern im Schlepptau auf, um den Tod ihres Mannes zu klären. Der Sheriff arbeitet gegen Darren. Der Patron des Ortes, Wally, zieht im Hintergrund die Fäden. Und auch die schwarze alte Dame aus dem Café, Geneva, spielt eine Rolle in dieser Geschichte. Der Fall wird zusehend kompliziert und die Stimmung heizt sich auf.

Autorin Attica Locke stammt aus Texas, lebt inzwischen in Kalifornien. In den Staaten ist sie bereits eine renommierte Autorin. Sie arbeitet auch als Drehbuchautorin und Produzentin, u.a für die Fernsehserie Empire. Bluebird, Bluebird ist ihr vierter Roman und wurde ihr bis dato größter Erfolg. Unter anderem gelang ihr das seltene Kunststück, für diesen Roman sowohl einen Edgar Award for Best Novel als auch einen Ian Fleming Steel Dagger für den besten Thriller des Jahres zu gewinnen, so etwas wie ein Grand Slam der Krimipreise. Bluebird, Bluebird (der Titel bezieht sich auf einen Song von John Lee Hooker) ist der erste Roman von Attica Locke, der auf Deutsch erscheint, in der sehr gelungenen Übersetzung von Susanne Mende.

Protagonist Darren Matthews ist zum Zeitpunkt seines Eintreffens in Lark sowohl privat als auch beruflich an einem Scheideweg angelangt. Er ist als Texas Ranger in die Fußstapfen seines väterlichen Onkels getreten, der diesen Dienst als einer der ersten Schwarzen ausübte. Doch seine Frau Lisa (und sein anderer Onkel) möchten lieber, dass Darren ein Jurastudium beendet. Vor allem seitdem Darren sich innerhalb der Behörde um die Verfolgung rassistischer Krimineller wie der Aryan Brotherhood of Texas kümmert, hat seine Frau Angst um ihn. Doch Darren will davon nichts wissen, es kriselt in der Ehe. Als Darren in Lark ankommt, hofft Lisa eigentlich, dass er nach Hause zurückkehrt und endgültig den Dienst quittiert. Letzteres droht Darren von anderer Seite: Seine Suspendierung rührt daher, dass Mack, ein Freund der Familie, ein gefährliches Aufeinandertreffen mit dem weißen Rassisten Ronnie Malvo hatte, der Macks Grundstück betreten und dessen Nichte belästigt hatte. Darren konnte Mack gerade noch davon abhalten, Malvo zu erschießen. Doch zwei Tage später war Malvo trotzdem tot, Mack der Hauptverdächtige und Darren unter Verdacht, Mack gedeckt zu haben. Mit diesem Nebenstrang beginnt das Buch und er wird am Ende wieder aufgegriffen.

Mit diesen inneren Konflikten ist Darren nicht alleine. Mit einem präzisen Blick für die Figuren zeichnet Autorin Locke ein Bild von schwierigen Beziehungen, von Liebe, Eifersucht, Hass und Verrat. Und das ist es doch schließlich, was einen exzellenten Kriminalroman vom Durchschnitt abhebt. Diese Geschichte riecht nicht nur für Darren nach einem Rasseverbrechen, auch der Leser ist geneigt, sich schnell dieses Urteil zu bilden. Und natürlich geht es hier auch um Rassismus. Die Macht ist in Osttexas immer noch sehr ungleich verteilt, die neuen und alten Rassisten pflegen weiterhin ihr Image. Aber die Welt ist komplizierter – und genau das bringt Locke in diesem Roman eindrucksvoll zum Ausdruck.

Bluebird, Bluebird ist neben dem Kriminalroman, bei dem am Ende tatsächlich ein Täter ermittelt wird, auch ein klassischer Südstaatenroman, in dem die Figuren durch verschiedene Ereignisse aus der Vergangenheit miteinander verbunden sind und dadurch neue Konflikte hervorbringen. Ganz getreu nach Faulkners Motto: „Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.“ Und etwas überraschend ist es auch ein Roman über Heimat. Hier wird nämlich klar gemacht, dass die Schwarzen ihre Heimat Texas lieben, ungeachtet der Ungerechtigkeiten, die ihnen widerfahren sein mögen, und dass sie ihre Heimat nicht den Rednecks überlassen wollen. Und natürlich (der Titel deutet es schon an) spielt auch die Musik, der Blues, eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Buch.

Insgesamt ein wirklich hervorragender Roman, der zurecht preisgekrönt wurde (warum in UK allerdings in der Kategorie Thriller ist mir nicht ganz klar). Mögen sich auch in Deutschland genügend Leser finden, das Krimijahr 2019 hat für mich jedenfalls ein erstes Highlight.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Bluebird, Bluebird | Erschienen am 1. Februar 2019 im Polar Verlag
ISBN 987-3-945133-71-2
330 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe