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Hendrik Berg | Eisiger Nebel (Band 6)

Hendrik Berg | Eisiger Nebel (Band 6)

„Helge blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit. In der Ferne war das Rauschen des Meeres zu hören. Ansonsten war es still. Der Mond, der hinter dem Nebel verschwunden war, tauchte alles in ein unwirkliches milchiges Licht.“ (Seite 235)

Aus dem Husumer Hafenbecken wird eine sehr entstellte Leiche gefischt. Kriminalhauptkommissar Theo Krumme und seine Kollegin Pat Reichel beginnen mit den Ermittlungen und stellen schnell fest, dass es sich bei dem Toten um keinen harmlosen Touristen handelt. Die Spur führt zu einem kleinen Dorf auf der Halbinsel Eiderstedt in Nordfriesland, dessen Einwohner eng zusammenhalten. Und genau das bringt sie bald alle in Gefahr…

Fall Nummer sechs
„Eisiger Nebel“ von Hendrik Berg ist bereits der sechste Fall um Kommissar Theo Krumme, aber der erste, den ich gelesen habe. Das ging wunderbar ohne Kenntnisse der vorherigen Bücher, jeder Fall ist in sich abgeschlossen. Die Geschichte wird aus Sicht verschiedener handelnder Personen beschrieben, was dem Leser den einen oder anderen Vorsprung an Wissen in Hinsicht auf die Ermittlungen ermöglicht. Außerdem bekommt gerade das Ende dadurch noch zusätzliche Spannung.

Vom Berliner zum Friese
Theo Krumme ist Mitte Fünfzig, vor drei Jahren von Berlin nach Nordfriesland gezogen, weil seine Ehe gescheitert ist, und nun wohnt er mit seiner neuen Freundin Marianne in einem kleinen Häuschen in Husum. Hier arbeitet er mit der wesentlich jüngeren und wesentlich größeren Pat zusammen. Das Team wird von den Kollegen oft belächelt, aber sie ergänzen sich perfekt. Krumme bewundert am meisten Pats Geschick mit der modernen Technik.

Spannung steigt
Ich kam ein kleines bisschen schwierig in die Geschichte rein. Nicht vom Verständnis her, aber sie hat mich nicht gleich gepackt, weil es etwa dreißig Seiten dauert, bis der Fall besteht, also die Leiche gefunden wird. Vorher werden einige Nebenschauplätze beschrieben, die nur indirekt etwas mit dem Fall zu tun haben und eher für die allgemeine Stimmung im Buch sind. Der Spannungsbogen beginnt dann aber mit den Ermittlungen und bei diesen liegen auch recht schnell Ergebnisse vor, die die Kommissare voranbringen. Dann steigt der Spannungsbogen stetig und zum Ende hin war das Weglegen des Buches fast nicht mehr möglich für mich.

Düster und bedrohlich
Insgesamt werden die Nordfriesische Küste und seine Bewohner für meinen Geschmack gut beschrieben. Auch die Bewohner mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Geschichten wirken auf mich authentisch. Durch das aktuelle Wetter im Buch, nämlich eisiger Nebel, und einer Schauergeschichte, wirkt die Geschichte zusätzlich düster und bedrohlich.

Fazit: Sehr spannende Unterhaltung, angesiedelt im nebeligen Nordfriesland. Klare Empfehlung!

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitete er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Erschienen am 16.03.2020 im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-49055-4
352 Seiten | 10,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Corinna Kastner | Fischland-Lügen

Corinna Kastner | Fischland-Lügen

„In der Ferne erkannte sie auf dem tiefblauen Wasser ein Segelboot und weit dahinter einen großen Frachter. Beide bewegten sich entlang des Horizonts auf die Seebrücke zu, und im Stillen schloss sie eine Wette mit sich selbst ab, wer das Rennen gewinnen, wer zuerst auf Höhe des Brückenkopfes ankommen würde. Trotz seiner Wendigkeit und Schnelligkeit wurde das Segelboot von dem großen, schweren Frachter überholt. So war das im Leben. Die Stärkeren gewannen. Immer.“ (Seite 7)

Im Ostseebad Wustrow, auf dem Fischland, will Immobilienhai Falk Clasen eine Golfanlage mit Hotel bauen, was den Fischländern natürlich nicht gefällt. Zeitgleich sucht Clasens Tochter Miriam in Wustrow nach ihrem Freund Dominik, der bis vor kurzem Sicherheitschef bei Clasens Firma war und nun spurlos verschwunden ist. Das sind für die Pensionswirtin Kassandra Voß schon zwei Gründe, um gegen Falk Clasen zu ermitteln. Durch Zufall erfährt sie, dass ihr Freund und Ex-Polizist Kay Dietrich ebenfalls hinter Clasen her ist und mit vereinten Kräften schleusen sie Kay in Clasens Firma, um so an belastendes Material zu gelangen. Doch das erweist sich als große Gefahr…

Das Gefühl der Ostsee zum Lesen
„Fischland-Lügen“ von Corinna Kastner ist der sechste Fall um Pensionswirtin Kassandra Voß und der achte Krimi der Autorin mit Schauplatz auf dem Fischland. In dieser Geschichte ist ein wesentlicher Handlungsort auch die Hansestadt Stralsund, was mich aber nicht gestört hat, denn der Fokus bleibt auf der Halbinsel. Und diese, speziell Wustrow, wird sehr detailliert beschrieben und man bekommt gleich Lust, sich ebenfalls die Ostseeluft um die Nase wehen zu lassen.

Sehr hoher Spannungsbogen
Am Anfang der Geschichte hatte ich etwas Schwierigkeiten, mir zu merken, welche Person zu welchem Namen gehörte, obwohl es nicht mein erstes Buch mit der Protagonistin war. Im Laufe des Lesens hat es sich für mich allerdings gelichtet und ich hatte damit keine weiteren Probleme. Der Spannungsbogen steigt ab etwa der Hälfte rasant an und fällt bis zum Schluss kaum noch. An manchen Stellen habe ich sogar fast atemlos gelesen, was passiert. Das liegt nicht nur allein an der Handlung, sondern auch daran, wie die Autorin die einzelnen Situationen und Kapitel gliedert.

Bodenständige Protagonistin
Kassandra Voß ist vor einigen Jahren aufs Fischland gezogen, um dort mit einer Pension neu anzufangen. Seitdem zieht sie kriminelle Machenschaften quasi an und ermittelt gern auf eigene Faust mit Hilfe ihrer Freunde, die sie in Wustrow kennengelernt hat. Dabei bleibt sie meiner Meinung nach stets bodenständig, begibt sich in keine waghalsigen oder unüberlegten Aktionen und ist trotzdem spontan, impulsiv und ungeduldig, wenn sie mitten in einem Fall steckt. Ich finde die Protagonistin damit sehr sympathisch.

Nicht erfüllte Versprechung
Auf dem Buchrücken wird damit geworben, dass es sich um „die perfekte Mischung aus packender Krimihandlung und romantischer Liebesgeschichte“ handelt. Mit ersterem gehe ich absolut mit. Bei der Liebesgeschichte habe ich persönlich die wahre große Liebe erwartet, wie man sich das eben in Romanen so vorstellt. Hier ist es aber eher eine Mischung aus Affären, unglücklichen Ehen und gestandenen Beziehungen, bei denen höchstens gedanklich an deren Fortbestehen gezweifelt wird. Hätte mich insgesamt gar nicht gestört, wenn nicht was anderes versprochen worden wäre.

Fazit: Viel Ostsee-Gefühl, noch mehr Spannung und andere Liebe als erwartet.

Corinna Kastner wurde 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch. Seit 2005 veröffentlicht sie schauplatzorientierte Spannungsromane und seit sieben Jahren ihre Küsten Krimis, die auf dem Fischland spielen.

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Fischland-Lügen | Erschienen am 23. Juli 2020 im Emons Verlag
ISBN: 978-3740809157
400 Seiten | 14,00 €
Bibliografische Angaben und Leseprobe

Weiterlesen: Weitere Rezensionen zu Romanen von Corinna Kastner

Eric Berg | Die Mörderinsel (Band 2)

Eric Berg | Die Mörderinsel (Band 2)

„Und genau dort waren binnen eines Jahres sechs Menschen eines gewaltsamen Todes gestorben – zwei hatte man mit durchtrennter Kehle im Wald gefunden, vier waren einem Brandanschlag zum Opfer gefallen. Einige deutsche Medien hatten dem betulichen Usedom daraufhin den Titel „Mörderinsel“ verliehen, was ich ungerecht fand.“ (Auszug Seite 33)

Der Hotelier Holger Simonsmeyer wird wegen Mordes an einer jungen Frau angeklagt, aber freigesprochen. Die Bewohner von Trenthin, dem Dorf auf Usedom, in dem Holger mit seiner Familie lebt, sind aber ganz anderer Meinung als das Gericht, haben Angst und fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen. Dann geschieht ein schrecklicher Brand im Haus der Simonsmeyers, der weitere Opfer fordert… Die Journalistin Doro Kagel hat über den Mord und den Prozess geschrieben, die Bitte von Holgers Frau aber abgelehnt, einen weiteren Artikel über die Freilassung zu verfassen. Nun plagen sie nach dem Brand Schuldgefühle und sie beginnt den Fall erneut aufzurollen.

Zweiter Fall für Doro Kagel
„Die Mörderinsel“ von Eric Berg ist der zweite Fall um die Journalistin Doro Kagel. In ihren ersten Ermittlungen in „Das Nebelhaus“ deckt sie ein Geheimnis auf der Ostseeinsel Hiddensee auf, nun verschlägt es die Berlinerin zweitweise nach Usedom. Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen aufgebaut. Die erste beginnt nach der Freilassung von Holger Simonsmeyer, es wird die Zeit bis zum Brand aus Sicht einiger Dorfbewohner geschildert. Die zweite Ebene beginnt wenige Tage nach dem Brand, Doro Kagel beschreibt ihre Ermittlungen und Recherchen in Ich-Form.

Keine leichte Aufgabe
Doro Kagel ist Gerichtsreporterin, hat einen Sohn und wohnt mit ihrem Mann Yim, der ein Restaurant leitet, in Berlin Friedenau. Doro hat sich keine leichte Aufgabe gestellt, in dem sie den abgeschlossenen Fall wieder aufnimmt, zumal einige Zeugen zu dem Zeitpunkt nicht mehr leben. Sie entdeckt schnell Ungereimtheiten und setzt alles daran, um diese aufzudecken.

Ungeahntes Ende
Die Handlung liest sich meiner Meinung nach sehr flüssig und spannend. Es werden verhältnismäßig viele Charaktere geschildert, ich kam aber insgesamt gut mit. Der Spannungsbogen ist für mich definitiv vorhanden, auch weil der Autor am Schluss einer Zeitebene oft mit Cliffhangern arbeitet, das Ende hat mich dann aber trotz viel Dramatik nicht so überrascht, wie ich es gehofft hatte. Ich habe mit dieser Auflösung nicht gerechnet, aber irgendwie habe ich etwas Schockierenderes erwartet. Trotzdem bin ich keineswegs enttäuscht. Ich hatte sehr viel Freude beim Miträtseln und Überlegen.

Fazit: Spannender Fall, ehrgeizige Journalistin und wunderschöner Schauplatz. Klare Empfehlung!

Eric Berg zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. 2013 verwirklichte er einen lang gehegten schriftstellerischen Traum und veröffentlichte seinen ersten Kriminalroman »Das Nebelhaus«, der 2017 mit Felicitas Woll in der Hauptrolle der Journalistin Doro Kagel verfilmt wurde. Seither begeistert Eric Berg mit jedem seiner Romane Leser und Kritiker aufs Neue und erobert regelmäßig die Bestsellerlisten. (Verlagsinfo)

 

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Die Mörderinsel | Erschienen am 16. März 2020 im Limes Verlag
ISBN 978-3-809-02661-7
480 Seiten | 15,00 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Monikas Rezension zu Band 1 der Reihe, „Das Nebelhaus“; außerdem weitere Rezensionen zu Eric Bergs Romanen „So bitter die Rache“, „Die Schattenbucht“ und „Das Küstengrab“

Natasha Korsakova | Römisches Finale Bd. 2

Natasha Korsakova | Römisches Finale Bd. 2

In Band 2 Ihrer Rom-Krimi-Reihe lässt die Autorin ihren Commissario Di Bernardo erneut in der Musikszene ermitteln: der weltberühmte Pianist Emile Gallois wird nach einer Orchesterprobe zum Zweiten Klavierkonzert von Rachmaninow OP. 18 (spielt in der Handlung immer wieder eine Rolle) erschossen aufgefunden. Der Mörder hat es allerdings nicht bei den Schüssen in Herz und Kopf belassen, die rechte Hand des Pianisten wurde anschließend noch zertrümmert – ein Zeichen oder blanker Hass?

Die Handlung
Auch in diesem Buch spielt – wie im ersten Band – die Vergangenheit eine Rolle. Zu Beginn wird ein Hinweis auf die Mafia eingestreut, doch lässt sich zunächst keine Verbindung zu dem Mord feststellen (der im Übrigen nicht der einzige bleibt).
Gleich zu Anfang der Ermittlungen stellt sich heraus, dass die Ehe von Emile Gallois mit Cristina, die aus einer hochangesehenen und erzkatholischen Familie stammt, nicht das war, was sie nach Außen hin zu sein schien. Bei der Vernehmung von Ephraim Azzaria, der Dirigent des letzten Konzerts von Emile Gallois, erfährt Commissario Di Bernardo, dass Emile schwul war und er nicht nur ein Verhältnis mit Azzaria hatte, sonder sogar eine Hochzeit geplant war. Ein Motiv für Cristina Gallois? Diese behauptet jedoch, schon lange davon gewusst zu haben, aber auch, dass Emile stets versichert hatte, dass er keine Trennung wollte.
Die Ermittlungen gestalten sich für den Commissario immer mehr zum Verwirrspiel; weitere Verdächtige werden bekannt – doch vorläufig führen alle Hinweise in Leere.
Doch dann ergeben sich durch die Erzählungen von Emils ehemaligem Klavierlehrer neue Erkenntnisse.
Obwohl noch weitere Ereignisse aus der Vergangenheit in die Handlung eingestreut sind, die auf das Motiv hinweisen könnten, bleibt man als Leser doch bis zum Schluss im Ungewissen.
Trotz einiger Vermutungen kommt es zum Schluss anders als gedacht (bei mir jedenfalls).

Meine Meinung
Die Autorin hat hier aus verschiedenen, tatsächlichen und vermeintlichen Motiven ein Handlungsgeflecht erdacht, das die Taten der handelnden Personen einerseits menschlich verständlich macht, gleichzeitig aber auch darauf hinweist, in wie weit (falsche) Handlungen in der Vergangenheit die Gegenwart beeinflussen können. Ich finde die Handlung spannend, aber auch raffiniert aufgebaut. Man vermutet zwar, wer der Täter sein könnte, kann sich aber nie ganz sicher sein – was u. a. ja auch den Reiz des Buches ausmacht.
Gefallen haben mir auch die Episoden aus dem Privatleben des Commissarios und seines Assistenten, sie lockern das Ganze auf und man hat fast das Gefühl, die Beiden persönlich zu kennen.

Fazit
Mir hat dieses Buch fast noch besser gefallen als das erste; außer den handelnden Personen lernt man auch Rom und Umgebung kennen und ist bis zum Schluss gespannt, wie sich der Fall wohl auflöst. Bitte weiter so!!

Die Autorin
Natasha Korsakova spielt seit dem 5 Lebensjahr Violine, sie studierte zunächst am Moskauer Konservatorium, später dann auch in Nürnberg und Köln. Bereits in jungen Jahren erhielt sie mehrere Preise, ab 1994 folgten ihre Debüts u.a. an der Berliner und Kölner Philharmonie und dem Leipziger Gewandhausorchester. Auch international wurde sie bekannt, u.a. wurde sie 1998 in Chile als Künstlerin des Jahres ausgezeichnet. Sie lebt im Süden der Schweiz, ist jedoch auch immer wieder in Rom, dem Schauplatz ihrer Kriminalromane.

Foto und Rezension von Monika Röhrig.

Römisches Finale | Erschienen 14.09.2019 im Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 987-3-453-42363-3
380 Seiten | 12,99 EUR
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Elsa Dix | Die Tote in der Sommerfrische

Elsa Dix | Die Tote in der Sommerfrische

„Haare trieben im Wasser, flossen wie dunkles Seegras um ihn herum. Es war eine Frau, sie trieb auf dem Bauch. Christian ergriff sie an der Schulter, versuchte den Kopf über die Wasseroberfläche zu bringen. Er schaffte es nicht. Mit der nächsten Welle zog er den Körper näher Richtung Strand. Doch dann wich das Wasser zurück, und für einen Moment fürchtete er, von der herausströmenden Gischt mitgerissen zu werden.“ (Seite 17)

Viktoria Berg verbringt 1912 die Sommerfrische auf Norderney, bevor sie eine Stellung als Lehrerin antritt. Mit ihr verbringt auch die feine Gesellschaft der Kaiserzeit scheinbar unbeschwerte Tage auf der Insel. Dann zieht der Journalist Christian Hinrichs eine Leiche aus dem Meer und Viktoria kannte die Tote. Da die Polizei den Vorfall ohne Ermittlung als Selbstmord abtut, sich Christian und Viktoria aber einig sind, dass es nicht so ist, begeben sie sich selbst auf Spurensuche.

Krimi trifft Liebe
„Die Tote in der Sommerfrische“ von Elsa Dix ist der erste Fall um Viktoria Berg und Christian Hinrichs. Ich empfand diesen Krimi als sehr unterhaltsam zu lesen. Dieses Buch ist der erste historische Kriminalroman, den ich lese und ich bin überzeugt worden, auch wenn der Schauplatz am Meer einen großen Anteil daran hat. Neben dem Mord, dessen Lösung im Fokus steht, geht es auch um die Gefühle von Viktoria und Christian zueinander. Also ist dieses Buch eine Mischung aus Kriminal- und Liebesroman, was ich gut gelungen finde, denn die Liebesszenen sind überhaupt nicht kitschig und ergänzen sich gut mit den Recherchen um den Todesfall.

Ein Einblick in die Vergangenheit
Sehr interessant fand ich, wie es damals zuging. Dass der Adel automatisch mehr zu sagen hatte als die Arbeiterklasse, welche Arbeitsbedingungen für die Dienstmädchen galten, dass verheiratete Frauen nichts zu sagen hatten und ihre Männer wie Kinder um Erlaubnis fragen mussten. Auch wie insgesamt alles um den Fremdenverkehr organisiert war. Die gesamten Beschreibungen kommen mir sehr gut recherchiert vor. Die Autorin erwähnt in der Danksagung, dass sie viel im Norderneyer Stadtarchiv recherchiert hat und einige der Fundstücke hat sie auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Klassengesellschaft
Viktoria Berg ist die Tochter eines Oberstaatsanwaltes, und obwohl es in ihrer Klasse üblich ist, sich zu verheiraten und Kinder zu bekommen, hat Viktoria sich durchgesetzt und eine Ausbildung zur Lehrerin absolviert. Ihr ist es ganz wichtig zu arbeiten und vor allem frei und unabhängig zu bleiben, deshalb kommt für sie eine Ehe keineswegs in Frage. Christian Hinrichs entstammt einer Arbeiter-Familie, und nur durch seinen Ehrgeiz ist er überhaupt Journalist geworden. Mir sind beide Protagonisten sehr sympathisch, Viktoria beeindruckt mich aber besonders durch ihren Mut und die Einstellung, etwas verändern zu wollen und nichts so hinzunehmen, wie es ist.

Seichte Spannung
Den Täter versuchen die beiden durch mehr oder weniger direkte Befragungen der Gäste zu ermitteln, außerdem durch Beobachten, Belauschen und Schlussfolgern. Das Ganze ist spannend, aber auf eine seichte Art. Ich hätte mir ein klein bisschen mehr Nervenkitzel gewünscht, trotzdem kamen keinerlei Längen auf.
Fazit: Eine unterhaltsame Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte und eine kleine Reise in die Vergangenheit, angesiedelt im schönen Seebad Norderney. Ich freue mich auf weitere Fälle.

Elsa Dix ist eine aus Norddeutschland stammende Krimiautorin. Sie lebt heute mit ihrem Mann und Hund in Düsseldorf und verbringt jede freie Minute auf Norderney. (Verlagsinfo)

Foto und Rezension von Andrea Köster.

Die Tote in der Sommerfrische | Erschienen am 16.03.2020 im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-49034-0
416 Seiten | 10.- Euro
Bibliografische Angaben und Leseprobe