Monat: Januar 2022

Arttu Tuominen | Was wir verschweigen

Arttu Tuominen | Was wir verschweigen

Paloviita weinte.
Ohne zu wissen, warum. Erst bemerkte er es gar nicht, dann konnt er die Tränen nicht mehr stoppen.
[…] Er wusch sich das Gesicht und betrachtete sich im Spiegel. Wohin entschwand die Zeit? Gab es sie noch, oder löste sie sich einfach auf wie platzende Seifenblasen? Er wusste es nicht, und es war ihm auch egal. (Auszug E-Book Pos. 782)

Jari Paloviita ist interimsweise Chef der Kripo im finnischen Pori. Er macht sich Hoffnung, den Job dauerhaft zu bekommen. Ein Tötungsdilekt in einer Waldhütte unter Betrunkenen und Bekifften überlässt er seinen Kollegen Henrik Oksman und Linda Toivonen. Die haben alle Hände voll zu tun, die Wetterverhältnisse sind widrig, die Zeugenaussagen widersprüchlich, das Tatwerkzeug verschwunden. Dennoch ist der Fall relativ klar: Antti Mielonen hat Rami Nieminen von hinten erstochen, die Polizei kann Mielonen später voller Blut im Wald festnehmen. Ein Geständnis gibt es nicht, Mielonen behauptet, sich an nichts erinnern zu können. Dennoch ein vermeintlich schnell gelöster Fall, den Jari in den sicheren Händen der Kollegen weiß. Doch als Jari Namen von Opfer und Täter erfährt, fällt er aus allen Wolken. Der Tatverdächtige Antti Mielonen war zu Schulzeiten Jaris bester Freund – und wegen eines Vorfalls vor 27 Jahren steckt Jari noch tief in dessen Schuld.

Und auch das Opfer ist Jari bekannt: Rami Nieminen war schon in der Grundschule ein Tunichtgut und Schläger, er war Jaris und Anttis Erzfeind. Und auch später hatte Nieminen eine kriminelle Karriere eingeschlagen, saß wegen Todschlags bereits in Haft. Jari verschweigt das alles seinen Kollegen. Er versucht heimlich zu Antti Kontakt aufzunehmen, doch dieser lässt ihn abblitzen. Nun ist Jari allein mit seinen Erinnerungen und er ringt mit sich, wie weit er gehen will, um die alte Schuld beim alten Freund zu begleichen. Doch sein Kollege Henrik Oksman ahnt etwas und wird langsam misstrauisch.

Autor Arttu Tuominen erzählt in zwei zeitlichen Ebenen und in mehreren Perspektiven. In der Jetztzeit sind es im Wesentlichen Jari Paloviita und Henrik Oksman. Jari ist ein Mann in der Midlife Crisis, verheiratet, zwei Kinder, aber unglücklich. Lebt auf zu großem Fuß, den Job als Kripochef könnte er gut gebrauchen. Henrik hingegen ein Einzelgängerund Pedant, im Zwischenmenschlichen verkrampft, mit schwierigem Verhältnis zu seinem Vater. Dieses Motiv tritt dann vor allem in der Zeitebene von 1991 zutage: Hier verfolgt der Autor die drei Kinder Jari, Antti und Rami, die beiden letzteren leiden unter ihren gewalttätigen Vätern. Rami kompensiert das, in dem er seine Mitschüler terrorisiert. Die Rivalität zwischen ihm und Jari steigert sich ins Unermessliche, als beide sich in dasselbe Mädchen verlieben. Eine Geschichte, die sich immer weiter in der Dramatik steigert und bis in die Gegenwart ausstrahlt.

Tapani greift fester zu, und Sirpa jault auf. Jari weiß nicht, was er tun soll. Die eine Hälfte seiner Gehirnzellen befiehlt ihm davonzulaufen und Hilfe zu holen, die andere, sich nicht von der Stelle zu rühren. Die Worte seines Vaters hallen in ihm wider, dass es nicht schicklich sei, sich in die Angelegenheiten anderer Familien einzumischen, aber vielleicht hat er andere Sitautionen gemeint. (Auszug E-Book Pos. 3211)

Ein interessanter Krimi aus Finnland, bei dem nicht die Mordermittlung im Vordergrund steht, sondern die Beziehung zwischen Täter und Kommissar. Eine spannende Coming-of-Age-Geschichte bildet sich Rückgrat für einen Mordfall 27 Jahre später. Der Leser wird zwangsläufig mit hineingezogen und man ringt mit dem Kommissar, ob er für den alten Freund alles aufs Spiel setzen soll. „Was wir verschweigen“ gewann 2020 den finnischen Krimipreis und trotz Unkenntnis der anderen nominierten Werke bin ich geneigt zu sagen, nicht zu Unrecht. Kleinere Schwächen mal ausgelassen, ist der Roman ein wirklich lesenswerter und gut arrangierter Krimi über häusliche Gewalt, das Erwachsenwerden und den Wert von Freundschaft.

Was wir verschweigen | Erschienen am 26.11.2021 im Lübbe Verlag
ISBN 978-3-7875-2761-4
415 Seiten | 16,- €
als E-Book: ISBN 978-3-7517-1003-9 | 12,99 €
Originaltitel: Verivelka (Übersetzung aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Jahreshighlights 2021 | Gunnar

Jahreshighlights 2021 | Gunnar

Die Pandemie hatte uns in diesem Jahr immer noch im Griff, aber auf den Kriminalroman hatte das bislang noch keine große Auswirkung. Die meisten Autoren haben Corona noch nicht in ihre Texte eingebaut, mir ist dies lediglich in einem Roman aufgefallen, doch dazu später. Ich hatte mich in diesem Jahr nochmal speziell den Klassikern verschrieben, habe versucht in jedem Monat eine Rezension zu einem Klassiker zu schreiben und habe es nicht bereut: Michael Connelly, Ian Rankin, Graham Greene, Sjöwall/Wahlöö habe ich unter anderem mit Freuden gelesen. Was ist mir sonst aufgefallen? Meine Begeisterung für den schottischen Kriminalroman ist ungebrochen, acht Romane aus dem Norden Großbritanniens habe ich in dieses Jahr gelesen. Außerdem scheinen historische Krimis in diesem Jahr weiterhin hoch im Kurs zu sein, allerdings zunehmend auch abseits der von Volker Kutscher und Konsorten ausgetretenen Pfade.

Insgesamt habe ich rund 80 Bücher in diesem Jahr gelesen, davon etwa 85 % Krimis. Hiervon habe ich nun meine fünf Favoriten des Jahres ausgewählt (dabei zählten nur Neuerscheinungen) und diesmal auch eine Rangliste versucht. Mit einem Klick auf den Titel gelangt ihr außerdem zur ausführlichen Rezension.

Nr.5 Tana French | Der Sucher
Die Meisterin des subtilen Plots hat für ihren aktuellen Roman eine klassische Konstellation gewählt: Cal Hooper, ein Ex-Cop aus Chicago, lässt sich in einem kleinen irischen Dorf nieder. Scheinbar wird er gut von den Dörflern aufgenommen, doch als er sich auf die Spuren des verschwundenen 19jährigen Brendan macht, bekommt er auch die Schattenseiten des Dorfes zu spüren. Fast etwas spannungsarm, aber herausragend in Beschreibung der Dorfgemeinschaft, Natur und Landschaft. Ein Kriminalroman der leisen Töne, die um so stärker nachhallen.

Nr.4 Johannes Groschupf | Berlin Heat
Johannes Groschupf war tatsächlich der einzige Autor der von mir gelesenen Bücher, der Corona (in seinem Fall eine Post-Corona-Situation) thematisiert. Ansonsten ist „Berlin Heat“ ein überraschender und temporeicher Thriller mit dem liebenswerten Loser Tom Lohoff, der verzweifelt Geld aufzutreiben versucht, um Schulden bei einer albanischen Unterweltgröße zu bezahlen, und dabei in eine False-Flag-Aktion der AfD hineinplatzt. Coole Figuren, ein Ritt durch die Kieze der Hauptstadt, gesellschaftlich-politische Themen, „Summer-in-the-City“-Atmosphäre – für mich der beste deutschsprachige Thriller des Jahres.

Nr.3 Garry Disher | Barrier Highway
Was wäre eine Jahresbestenliste ohne Garry Disher? Der Australier hatte sogar wieder zwei starke Romane am Start, mit dem Wyatt-Krimi „Moder“ gewann er sogar den deutschen Krimipreis. Ich fand allerdings den dritten Band um den Outback-Polizisten Paul Hirschhausen noch etwas stärker. Ähnlich wie Tana French baut Disher den Krimi ganz behutsam auf, spinnt ein feines Netz und erzählt von den Menschen in der australischen Provinz. En passant kommen dabei diverse kleine und große Kriminalitätsstränge in den Plot, den Disher wie immer meisterhaft beherrscht.

Nr.2 Liam McIlvanney | Ein frommer Mörder
McIlvanney ist ein großer Name in der schottischen Kriminalliteratur: Liam ist der Sohn des großen William und tritt mit diesem Roman (ausgezeichnet als bester schottischer Krimi 2019) endgültig aus des Vaters Fußstapfen. Er bedient sich für seinen historischen Krimi Motive eines wahren Falls von Ende der 1960er. Hier sucht Detective McCormack den religiösen Serienmörder „Der Quäker“ und neben dem spannenden Krimiplot zeigt sich die Güte des Romans vor allem in der Beschreibung der Stadt Glasgow und ihrer Bewohner im gesellschaftlichen Umbruch.

Nr.1 Doug Johnstone | Der Bruch
Wir bleiben in Schottland, wechseln aber ins ach so pittoreske Edinburgh der Jetztzeit. Der 17jährige Tyler wohnt in einem heruntergekommenen Hochhaus im Problemstadtteil Niddrie. Die Familie ist dysfunktional, seine Mutter ein Alkoholwrack, sein älterer Bruder Barry zwingt ihn, an Einbrüchen teilzunehmen, er selbst kümmert sich hingebungsvoll um seine achtjährige Schwester Bean. Bei einem Einbruch in das Haus einer Gangstergröße läuft aber einiges schief und von nun an stehen Barry und Tyler auf der Abschussliste. Just in diesem Moment lernt Tyler die gleichaltrige Flick kennen, ein Mädchen aus gutem Hause, aber eine Seelenverwandte mit ebenfalls problematischen Familienverhältnissen. Der Autor führt den Leser zu den Schattenseiten des schönen Edinburgh, ein sozialkritischer Roman mit starken Figuren und einem mitreißenden Plot. Ein Noir mit einem Funken Hoffnung und eine tolle Coming-of-Age-Story. „Der Bruch“ ist für mich der Krimi des Jahres!

Jahreshighlights 2021 | Andy

Jahreshighlights 2021 | Andy

Auch in 2021 habe ich wieder viel Spannendes gelesen und gehört. Gezählt habe ich die Bücher nicht, da ich das Lesen nicht als Challenge begreife. Es waren sehr unterschiedliche Werke und besonders der historische Kriminalroman hat es mir weiter angetan. Kurz erwähnen möchte ich hier zwei kammerspielartige Psychothriller, die ich gehört und die mich gut unterhalten haben: „The Ending“ vom kanadischen Autor Iain Reid verblüfft mit verstörenden Dialogen, surrealen Ereignissen und einem nicht zu erwartenden Plot-Twist. Auch „Schweig“ von Judith Merchant ist sehr dialoglastig und weiß mit zwei unzuverlässigen Erzählerinnen und manipulativen Machtspielchen zu begeistern. Und passend für dieses Jahr möchte ich noch die Dystopie „New York Ghost“ von Ling Ma empfehlen, die zwar als melancholischer Endzeitthriller nur Beliebiges bietet, mich aber als bissige Satire und originelle Gesellschaftskritik sehr beeindruckte.

Hier sind meine Top 4 des Jahres 2021:

Chris Whitaker | Von hier bis zum Anfang
Ein entsetzliches Verbrechen hält die Einwohner des kleinen kalifornischen Küstenortes Cape Heaven immer noch fest im Griff. Vor Jahrzehnten wurde ein kleines Mädchen ermordet und der Jugendliche Vincent King kam als Täter hinter Gitter. Als er jetzt nach 30 Jahren entlassen wird und in seine Heimatstadt zurückkehrt, werden schicksalhafte Ereignisse in Gang gesetzt. Im Mittelpunkt von Whitakers vielschichtigem Roman steht die 13-jährige ständig rebellierende Duchess. Aufgrund ihrer dysfunktionalen Familie ist sie gezwungen, sich um sich selbst, ihre Mutter und um den kleineren Bruder zu kümmern. Ihre Mutter hat es nie verwunden, dass damals ihre kleine Schwester verstarb und ausgerechnet ihr Freund als Täter verhaftet wurde und flüchtet sich zeitlebens in Alkohol und Drogen. Duchess ist eine wunderbare Figur, die keinem Streit aus dem Weg geht. Mit ihrem viel zu großen Cowboyhut hat sie sich einen Schutzpanzer zugelegt und begreift sich als Nachfahre der Outlaws, die niemals Schwächen zeigten.

Der britische Autor verbindet hier mehrere Kriminalfälle mit einem tragischen Familiendrama. Dabei waren es die vielen überraschenden Wendungen sowie die Verkettung der verschiedenen Verbrechen, die mich an die Seiten fesselten und einen Sog entwickelten, dem ich mich nicht entziehen konnte. Die Ereignisse in der Vergangenheit werden nach und nach enthüllt und mit den unterschiedlichen Biografien verwoben, so dass eine permanente Spannung und emotionale Wucht entsteht. Dabei zeichnet sein intensiver Schreibstil, die plastischen Naturbeschreibungen und wie er die unterschiedlichen Figuren der fiktiven Kleinstadt zum Leben erweckt, die Geschichte aus. Herausgekommen ist eine Mischung aus klassischem Kriminalroman mit Anleihen an einen Western und eine beeindruckende Coming-of-Age-Geschichte. Für mich ein perfekter Roman, so wie er sein muss.

Ivy Pochoda | Diese Frauen
Als vor 15 Jahren in einem heruntergekommenen Stadtteil von Los Angeles in einer grausamen Verbrechensserie 13 Frauen brutal ermordet werden, wird das von der Polizei und den Medien weitestgehend ignoriert. Der Täter wurde nie gefasst, denn es betraf nur Frauen am Rande der Gesellschaft, die einer Arbeit nachgehen, bei denen man es offenbar als Berufsrisiko ansieht, wenn sie getötet werden. Als der Täter jetzt erneut zuschlägt und zwei Frauen mit durchgeschnittener Kehle in der Gosse gefunden werden, erkennt Esmeralda Perry, ein Detective der Sitte, als einzige die Zusammenhänge und das hier ein Serientäter am Werk ist.

Aus den verschiedenen Blickwinkeln der durch die Mordserie miteinander verbundenen weiblichen Erzählstimmen rollt Ivy Pochoda die Geschichte auf und wir erfahren von mehreren Schicksalen. Sie sind in ihren mannigfaltigen Lebenssituationen vielschichtig angelegt und wirken durch die teils vulgäre Sprache absolut authentisch. Der Erzählstil wirkt nie melodramatisch, sondern eher unterkühlt sowie distanziert und entfaltet trotzdem eine große Tiefe. Der Roman ist ein Konstrukt aus Krimi, Gesellschaftskritik und Milieustudie, der eine große Intensität entwickelt. Dabei liegt der Fokus nicht auf der Ermittlungsarbeit oder der Auflösung der Mordfälle. Im Mittelpunkt steht nicht der Täter, sondern die Opfer und die Hinterbliebenen, die in ihrer Verzweiflung sehr nahbar dargestellt werden. Pochoda gibt denen eine Stimme, die Angst haben, sich als Beute sehen und zu Opfer werden. Fernab von Hollywood zeigt sie eine düstere, realistische Welt, in der Vorverurteilung, Gleichgültigkeit und Frauenhass eine große Rolle spielen. Ein unerwartetes Leseerlebnis, fernab vom üblichen Serientäter-Einerlei, mit dem ich so nicht gerechnet hätte.

Volker Kutscher | Olympia (Band 8)
Bei der Fülle an historischen Kriminalromanen, die momentan den Markt überschwemmen, spielt Volker Kutscher immer noch in einer ganz anderen Liga. Sein mittlerweile achter Roman um Gereon Rath führt uns ins Jahr 1936. In Berlin finden die Olympischen Sommerspiele statt. Mittlerweile hat sich das Nazi-Regime voll etabliert und inszeniert die Spiele zur Propagandashow für das neue, friedliche Deutschland. Als ein amerikanischer Sport-Funktionär im Speisesaal des Olympischen Dorfes tot zusammenbricht, vermuten SS und Gestapo eine kommunistische Verschwörung, mit dem Ziel die Spiele zu sabotieren. Rath soll als inoffizieller Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verdeckt ermitteln und die Verschwörer finden. Die Passagen, in denen wir mit Gereon Rath hinab in die Kerker der Gestapo steigen, wo die zumeist politischen Gefangenen willkürlichen Schikanen und Folterungen ausgesetzt sind, waren für mich kaum zu ertragen. Die SS verschmilzt immer mehr mit der Polizei und selbst dem bisher unpolitischen Einzelgänger Rath wird klar, dass er so nicht mehr als Kommissar arbeiten kann.

Man spürt die immer bedrohlicher werdende Stimmung und dieses Gefühl prägt diesen Band und macht für mich den großen Reiz dieses Romans aus. Durch die Fülle an akribisch recherchierten, historischen Daten entsteht ein intensives Bild jener Zeit ohne künstlich zu wirken. Ein packender Pageturner, beklemmend und dicht erzählt. Ursprünglich sollte die Reihe hier abschließen und der Roman endet auch mit einem richtigen Cliffhanger, der einige losen Enden zurücklässt. Ich bin gespannt, wie die im nächsten Band weiter geführt werden.

Michael Connelly | Late Show
Die Serie um den Ermittler Harry Bosch des amerikanischen Ausnahme-Schriftstellers habe ich schon vor Jahrzehnten sehr gemocht und dann doch aus den Augen verloren. Jetzt hat er eine neue Serie um eine junge Polizistin beim LAPD geschaffen. Nachdem Detective Renée Ballard ihren Vorgesetzten wegen sexueller Nötigung anklagte, wird sie in die von allen verhasste Nachtschicht, die sogenannte Late Show versetzt. Das Schlimmste für die ehrgeizige Polizistin ist dabei noch, dass sie morgens nach Schichtende jeden Fall wieder abgeben muss. Als in einem Nachtclub fünf Menschen erschossen werden und eine Frau halbtot auf dem Santa Monica Boulevard gefunden wird, lässt das Renée keine Ruhe und sie beginnt tagsüber auf eigene Faust zu ermitteln.

Ich habe die eigensinnige, toughe Stand-Up-Paddlerin, die am Strand von Santa Monica mit ihrer Hündin lebt, so gerne bei ihren Nachforschungen durch die Straßen der kalifornischen Metropole begleitet. Ein lebendiges Los Angeles, das viel mehr ist als eine Kulisse. Mit ihr erlebt man den Polizeialltag und bekommt ein Gespür für die besonderen Probleme des weiblichen Detektives. Connelly fährt ein vielschichtiges Figurenensemble auf und ich musste öfter mal überlegen, wer mit welchem Fall zusammenhängt. Ballard ist eine wunderbare Ermittlerfigur mit Ecken und Kanten. Late Show ist ein klassischer Cop-Thriller mit realitätsnahen Schilderungen der Polizeiarbeit, einem komplexen Plot und einer coolen Serienfigur. Auch den mittlerweile auf Deutsch erschienen zweiten Band, in dem Renée auf Harry Bosch trifft, mochte ich sehr, hier fehlte mir ein bisschen die Entwicklung der Figur. Eine ausführliche Rezension von Gunnar findet sich auf dem Blog.