Charlotte Link | Die Suche

Charlotte Link | Die Suche

„Sie war nicht besonders hübsch, aber sie hatte etwas sehr liebenswert Kindliches an sich. Es ist jetzt fast ein Jahr her, seit ich ihr begegnete. Reiner Zufall, dass ich an jenem Abend durch diese dunkle Straße fuhr. (…) Aber eigentlich glaube ich ja, dass es gar keine Zufälle gibt. Alles im Leben ist Bestimmung, davon bin ich fest überzeugt. Ich sollte ihr begegnen an diesem Abend. Und sie mir.“ (Auszug Seite 44)

Detective Sergeant Kate Linville von Scotland Yard ist gerade in Scalby und kümmert sich um ihr Elternhaus, das sie nach dem Tod ihres Vaters untervermietet hatte und von den Mietern völlig verwüstet wurde. Sie wohnt während ihres Aufenthaltes in einer Pension in der Nähe. Dann verschwindet die 14-jährige Tochter der Pensionsbesitzer von einem belebten Parkplatz spurlos. Alle sind in heller Aufregung, denn am selben Tag wurde die Leiche der ebenfalls 14-jährigen Saskia Morris gefunden, die vor zehn Monaten verschwand. DCI Caleb Hale, mit dem Kate schon vor drei Jahren bei der Aufklärung des Mordes an ihrem Vater zu tun hatte, leitet die Ermittlungen in beiden Fällen, denn es liegt nahe, dass es sich bei beiden Vermissten um den in den Medien so genannten „Hochmoor-Killer“ handelt. Die Ermittlungen fallen natürlich nicht in Kates Zuständigkeitsbereich, aber sie ist sich nicht in allen Punkten einig mit Caleb und beginnt auf eigene Faust an zu recherchieren.

Kate Linville ist 42 Jahre alt und wohnt in einer kleinen Wohnung in London. Dort arbeitet sie bei Scotland Yard. Als ihr Vater starb, konnte sie sich nicht von ihrem Elternhaus trennen, mit dem sie so viele Erinnerungen verbindet, aber nach der Verwüstung beschließt sie, dieses Kapitel hinter sich zu lassen und nun doch zu verkaufen. Kate ist eine in sich gekehrte Frau, die sich selbst viel zu wenig zutraut und so gut wie keine Freundschaften oder gar eine Beziehung hat. Sie ist voller Misstrauen und kapselt sich ab, um keinem Gelegenheit zu geben, sie zu verletzen.

Der zweite Roman um Kate Linville

Die Suche von Charlotte Link ist der zweite Kriminalroman um Kate Linville. Die Betrogene ist der erste Teil, in dem es um die Ermittlungen des Mordes an Kates Vater geht. Diese Geschichte wurde auch bereits verfilmt. Ich mag die Bücher der Autorin sehr, da die Romane in den allermeisten Fällen sehr packend sind. Zuletzt habe ich Die Entscheidung gelesen und war völlig in einem Sog gefangen, der es mir fast nicht möglich machte, mit dem Lesen aufzuhören, bis ich die Auflösung kannte. Auf so ein Lesevergnügen habe ich mich nun wieder gefreut.

Erst fehlt der „Sog“, dann folgt die Wendung der Geschichte

Das Buch hat über sechshundert Seiten, auf denen sehr ausführlich auf die Gefühlslagen und Gedanken aller einzelnen Personen eingegangen wird, was ich aber nicht zu viel fand. Außerdem scheint es bei diesem Fall keinen roten Faden zu geben und die Ermittler um Caleb stehen immer wieder am Anfang. Etwa zwei Drittel der Geschichte sind so aufgebaut und beim Lesen habe ich mir gedacht, dass sich das Ganze zwar flüssig und interessant und keineswegs langatmig liest, mir aber dieser „Sog“ fehlt. Ich hatte diesen Gedanken noch gar nicht ganz zu Ende gedacht, begann es mit einer Wendung, die ich so nicht vorhersehen konnte und die alles bisher Angenommene in ein völlig anderes Licht bringt. Und ab dieser Stelle gab es dann kein Halten mehr, ich konnte das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen.

Ein spektakulärer Schluss

Das Ende hält dann noch eine Überraschung bereit, mit der ich ebenfalls nicht gerechnet habe, und endet meiner Meinung nach etwas sehr spektakulär, was es für die absolute Spannung gar nicht gebraucht hätte. Ich finde die Geschichte grandios und alle Erwartungen wurden erfüllt. Dazu noch der Schauplatz in Scarborough direkt am Meer und ich bin wunschlos glücklich. Unbedingt lesen!

Charlotte Link wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren, veröffentlichte bereits mit 19 Jahren ihr erstes Buch und wurde sowohl mit Gesellschaftsromanen als auch mit psychologischen Spannungsromanen in englischer Erzähltradition bekannt. Ihre Bücher wurden in zahlreichen Sprachen übersetzt und verfilmt. Die Autorin engagiert sich als aktive Tierschützerin bei PETA und für Straßenhunde in der Türkei und Spanien und lebt derzeit mit ihrem Lebensgefährten in Wiesbaden.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die Suche | Erschienen am 1. Oktober 2018 bei blanvalet
ISBN 978-3-764-50442-7
656 Seiten | 24.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezensionen zu den Charlotte Link-Romanen Die Entscheidung und Das Haus der Schwestern sowie zur DVD Der Beobachter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.