Max Korn | Talberg 2022 (Band 3)

Max Korn | Talberg 2022 (Band 3)

Laut Wettervorhersage war das Orkantief, das eine Schneise der Verwüstung durch den Hirschberger Wald gezogen hatte, nur die Vorhut. Der meteorologische Dienst warnte vor einer weiteren Superzelle, die in ihre Richtung unterwegs war. Ein zweiter, anhaltend rotierender Aufwind, der noch heftiger sein sollte als der Zyklon, den sie im Moment zu spüren bekamen. So weit wird’s kommen, dass wir evakuieren müssen … Und dass er sich beeilen solle mit dem Skelett, bevor es noch den ganzen Hang fortschwemmt. (Auszug Seite 11)

Das niederbayerische Dorf Talberg wird von einem verheerenden Unwetter heimgesucht. Es regnet schon seit Tagen ohne Unterlass, das Wasser steigt unaufhaltsam und die Verbindungen zur Außenwelt sind komplett abgebrochen. Während die Feuerwehr versucht, ein Neubaugebiet vor einem Erdrutsch zu bewahren, wird in dem Wurzelwerk einer umgestürzten Eiche das Skelett eines Kindes gefunden. Adam Wegebauer, ein ehemaliger Kripobeamter aus München, der kürzlich in sein Heimatdorf Talberg versetzt worden war, unternimmt während der tobenden Naturgewalten die ersten Untersuchungen. Obwohl klar ist, dass die Knochen schon sehr lange unter der Erde vergraben gewesen sein müssen, verspürt er sofort eine unerklärliche Betroffenheit und trotz vieler persönlicher Probleme ist es ihm ein dringendes Anliegen, den Fall so schnell wie möglich zu lösen, bevor das LKA übernehmen wird. Unter schwersten Bedingungen sichert er die Knochen und bringt sie zu einem pensionierten Arzt, der eine erste Einschätzung vornimmt. Trotz der Orkanböen gelingt es jedoch der LKA-Beamtin Eva Engler sich zu Fuß ins Dorf vorzukämpfen, da sie bei dem Skelettfund eine Verbindung zu einem aktuellen Fall vermutet.
Eva ist der Typ, durchsetzungsstarke und ehrgeizige Ermittlerin und sie will unbedingt den Kindsmörder finden. Doch dazu braucht sie Adam, der sich im Dorf und seinen Bewohnern besser auskennt. Während sich die beiden unterschiedlichen Polizisten langsam aneinander gewöhnen und schließlich zusammen arbeiten, um das Geheimnis der Kinderknochen zu entschlüsseln, nehmen die Naturgewalten immer mehr zu. Dabei führen die Ermittlungen tief in Adam Wegebauers Vergangenheit.

Gleich der Beginn glänzt mit fesselnden sowie plastischen Beschreibungen des Sturmes. Es war mir dann aber fast schon zu ausführlich, da es öfter zu Wiederholungen kam. Die Geschichte lässt sich aufgrund eines flüssigen, gefälligen Schreibstils und sehr kurzen Kapiteln (Fitzek lässt grüßen) problemlos lesen. Mit einem gemächlichen Erzähltempo treibt Korn seinen Plot voran. Der Fall ist nicht superspannend, aber sehr undurchsichtig und macht von Anfang an neugierig. Die Umsetzung fand ich dann jedoch nur mäßig unterhaltsam. Das lag zum einen an dem ständigen Hin- und Hergerenne während des Sturmes und nicht komplett nachvollziehbarer Handlungen der Protas. Adams nasse Klamotten und die daraus resultierenden ‚Halsschmerzen bis zu den Ohren‘ nehmen viel zu viel Raum ein. Zum anderen bremsen ständige Rückblicke in Adams und noch einiger anderer Vergangenheiten die Geschichte aus. Für Adam und seine Schwester Elke war es keine leichte Kindheit, die immer wieder durch die Alkoholsucht und die permanenten Gewaltausbrüche des Vaters bestimmt wurde.

Dies ist der dritte Teil einer Trilogie, die alle in dem abgelegenen Bergdorf Talberg nahe der österreichischen Grenze spielen, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Ich habe die Vorgängerbände nicht gelesen, dies ist auch nicht unbedingt nötig, da es sich jeweils um abgeschlossene Geschichten handelt. Das Titelbild deutet bereits eine düstere, beklemmende Atmosphäre an und tatsächlich liegt jederzeit eine große Trostlosigkeit über der kleinen Dorfgemeinschaft. Vorne auf dem Einband befindet sich eine Übersicht der handelnden Figuren. Das Buch ist in zwei Teile unterteilt und zwar in ‚Das Buch Adam‘ und ‚Das Buch Eva‘. Das Auftauchen von Eva belebt die Geschichte auf jeden Fall und sie bekommt mehr Dynamik, bevor es zum Schluss noch mal durch einige überraschende Wendungen und menschliche Abgründe spannend wird.

Ich finde die Charaktere einschließlich des traumatisierten, alkoholkranken Polizisten, der mit Dämonen aus der Vergangenheit kämpft ziemlich stereotyp gezeichnet. Auch bei weiteren Dorfbewohnern, der taffen LKA-Beamtin oder den Zugezogenen aus Warnemünde wird kein Klischee ausgelassen. Dialoge in urbayerisch sollen die Lebendigkeit steigern, als Ruhrpöttler habe ich nicht alles verstanden, konnte es mir aber aus dem Zusammenhang erklären.

Max Korn ist ein deutscher Schriftsteller, der seine Romane unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. U.a. verfasst er als Luis Sellano seine Lissabon-Krimi-Reihe. Seine Jugend verbrachte er oft in dem kleinen Ort Thalberg im Bayerischen Wald, was ihn zu seiner Trilogie über den fiktiven Ort Talberg inspirierte.

 

Foto & Rezension von Andy Ruhr.

Talberg 2022 | Erschienen am 09.05.2022 im Heyne Verlag
ISBN 978-3 45342-461-6
361 Seiten | 15,- €
Bibliografische Angaben und Leseprobe

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