Monat: Februar 2019

Anne Goldmann | Das größere Verbrechen

Anne Goldmann | Das größere Verbrechen

Eine ungewöhnliche Autorin, ein besonderer Krimi und vor allem ein außerordentlich guter Roman, eine packende Geschichte über das Schicksal dreier Frauen, die sich zwischen den Genres hin- und herbewegt, ohne dass eine genauere Zuordnung wichtig wäre.

Dieser Kriminalroman kommt ohne einen Ermittler aus, ohne den Polizei- und Justizapparat. Kommissariat und Untersuchungsgefängnis sind zwar Schauplatz, geben aber vor allem Kulissen ab, die kurzen Auftritte dort sind gestaltet wie andere Alltagsszenen dieses Romans auch, die etwa im Altenheim spielen oder im Krankenhaus, der Fokus ist immer auf die Personen gerichtet, ob handelnd oder nur duldend, stets sind es die Menschen und ihre Schicksale, die vor allem interessieren und deren Erleben und häufig Erleiden den Leser faszinieren. Denn ohne Opfer geht es auch bei Anne Goldmann nicht, nicht ohne Tote, nicht ohne Ermordete und somit auch nicht ohne Mörder, Massenmörder sogar. Täter wie Opfer geraten fast zwangsläufig, zumindest folgerichtig in ihre fatale Situation, und die wahren Opfer sind immer Frauen, die unterdrückt werden, schikaniert, ausgenutzt von Männern.

Selma Sudic ist vor über 20 Jahren aus ihrer Heimat Bosnien geflohen, der grausame Krieg hat die Muslima vertrieben, fast ihr gesamtes Dorf wurde ausgelöscht, ihre gesamte Familie umgebracht. Sie selbst wurde in einem Lager interniert, wie die anderen gefangenen Frauen immer wieder gequält und vergewaltigt. Sie weiß: Die Männer sind überall gleich. Die Menschen sind überall gleich. Im Guten wie im Schlechten. Der Krieg verändert die Menschen, sie verrohen, entdecken ihre Lust am Quälen, am Töten. Auch sie hatte geglaubt, dass der Mensch sich an alles gewöhnt, aber nun weiß sie, dass das nicht stimmt. Sie hatte sich an den Schmerz gewöhnt, an Hunger und Durst, an die Schläge, den Gestank. Aber niemals konnte sie sich an die Toten gewöhnen, nicht an die gebrochenen Augen, die zerstörten Gesichter, die grotesk verrenkten Glieder. Eine Krankenschwester, auch aus Bosnien, berichtet ihr: Meine Mutter kann nicht schlafen, sie ist nicht mehr das, was sie war. Im Fernseher hat sie die Täter gesehen, sie lächelten in die Kamera. Aber sie, sagt sie, sind stark, sie haben überlebt. Aber auch Frau Sudic wird heimgesucht von grauenhaften Bildern, entsetzlichen Eindrücken. Daher klammert sie sich an andere Vorstellungen, andere Gerüche und Erinnerungen.

Frau Sudic war ein glückliches Kind. In der Rückschau reiht sich ein Fest an das andere. Als junge Frau geht sie weg, sie ist frei, lernte, reiste durch ganz Jugoslawien. Ihre Oma rieb sich auf, um die Familie zusammenzuhalten. Die Mutter wiederholte die Fehler, schuftete und ordnete sich unter. Die junge Selma hatte geschworen, sich niemals einem Mann zu beugen, aber das gelingt nicht. Der schreckliche Krieg änderte alles. Nun dauern all ihre Tage viel zu lang, sie sitzt am Fenster, sieht die Tageszeiten, die Jahreszeiten. Sie verlässt auch das Haus kaum noch, fühlt sich in ihren vier Wänden beschützt. Am liebsten ist sie allein, erträgt ihr Schicksal, ohne zu klagen. Sie hat Angst davor, auf andere angewiesen zu sein, ausgeliefert.

Immer Mittwochs bekommt sie Besuch von Putzhilfe Ana, die auch kleine Handreichungen und Besorgungen für die alte Dame erledigt. Alle drei Tage kommen zudem wechselnde Pflegekräfte. Ana jobbt nur, um die Zeit bis zur Zulassung an der Kunstakademie zu überbrücken, sie ist eine sehr begabte Malerin. Und auch sie schleppt ein Trauma mit sich herum: vor vielen Jahren hat sie ihren Chef aus dem Fenster gestoßen und so getötet, als dieser sie bedrängte und sexuell belästigte. Vor Gericht entlastet sie aber eine Kollegin mit einer Falschaussage. Sie versucht, das Geschehene zu verdrängen, aber nachts ist sie mit ihren Gespenstern allein. Aus ihrer traurigen Wirklichkeit flieht sie in die Glitzerwelt der Disco: Dort fällt alles von ihr ab, an der Bar und auf der Tanzfläche kann sie vergessen, lebt nur für den Augenblick und ist fast glücklich.

Ana putzt auch bei Familie Rössler, Theres und Thomas sind ein Paar Mitte, Ende Dreißig, das mühsam den Anschein einer glücklichen Familie wahrt, obwohl Thomas seine Frau betrogen hat, aber das wird zwischen ihnen mittlerweile totgeschwiegen, Thomas ist schon lange nicht mehr schuldbewusst, hält seiner Frau vor, auch Fehler gemacht zu haben, und das wirft sie sich auch selbst vor. Sie war kleinmütig, feige, hat in ihren Augen versagt. Immer war sie es, die bei Problemen eingelenkt hat, zurücksteckte. Eine Ehe gibt man schließlich nicht so einfach auf. Und so macht man in heile Welt, Harmonie ist das Wichtigste. Ihre Tochter Nina ist Fünfzehn, ein typischer Teenager, ganz normal, dass sie im Moment etwas „schwierig“ ist. Aber sie ist auch ein Mädchen, das sich auflehnt, aufbegehrt gegen ihre Eltern, sich empört und widersetzt. Auch das normal für eine Fünfzehnjährige. Und Nina durchschaut die Eltern, sie wirft ihnen vor, bloß nichts riskieren zu wollen, bloß nirgends anzuecken. „Ihr seid so feig, so unfassbar feig!“ Tatsächlich wird nichts hinterfragt oder gar in Frage gestellt, man zieht sich ins Schneckenhaus zurück wie die pubertierende Nina, die sich in ihrem Zimmer einschließt, wenn es unangenehm wird und sie sich unverstanden und unterdrückt fühlt.

Theres hat sich angewöhnt, Schwierigkeiten zu ignorieren, Ärgernisse auszublenden, sie klammert sich an Gewohnheiten. Theres arbeitet halbtags, macht daneben ehrenamtlich Besuchsdienste bei älteren, einsamen Menschen und will nun auch noch Strafgefangene betreuen. Thomas hält ihr Engagement für übertrieben und ist strikt gegen ihre Pläne. Er selbst hat eine eigene Schreinerei und ist damit vollkommen ausgelastet. Wie Goldmann diese wohlgeordnete und doch so trügerische, brüchige Scheinwelt schildert, ist entlarvend, aber auch beunruhigend, ja, beängstigend, weil wahr. Das traurige Familienleben hinterlässt gleichwohl ein Gefühl von Bedauern und Mitleid. Das traurige Schicksal der Frau Sudic hingegen macht eher wütend. Ihre erschütternden Erlebnisse berühren und wühlen auf, die drastischen und doch seltsam nüchternen Schilderungen der Kriegsgräuel sind so bewegend wie beängstigend und wirken nach.

Sexuelle Gewalt, systematisch angewendet, ist schon immer und noch immer ein schlimmes Verbrechen. Nicht zufällig ging vor wenigen Wochen der Friedensnobelpreis 2018 an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege, der sich für Mädchen und Frauen einsetzt, die Opfer sexueller Gewalt wurden und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad, die entführt und als Sex-Sklavin gefoltert wurde. Heute ist sie UN-Sonderbotschafterin und kämpft für die Beendigung sexueller Gewalt als Kriegswaffe.

Bei Anne Goldmann stehen stets Frauen im Mittelpunkt ihrer Romane, und oft schleppen sie Traumata mit sich herum, müssen in ihrem ganz normalen, illusionslosen Alltag versuchen, Erlebtes und Erlittenes zu verarbeiten und können doch nur weitermachen, weiterleben, indem sie versuchen, die verdeckten, versteckten Erinnerungen zu verdrängen und ihre Ängste zu vergessen. Aber in ihren Wachträumen und Albträumen werden sie heimgesucht von den Gespenstern der Vergangenheit. Weil die dort lauernden Schrecken die Frauen niemals loslassen und immer wieder in ihren Alltag einbrechen, ist es nur folgerichtig, dass ständige Zeitsprünge das frühere Leben der drei Protagonistinnen zeigen.

Anne Goldmann beantwortet nicht jede Frage, hält sich nicht an jedem Detail auf, sondern hält sich auch einmal zurück, lässt weg, was eh klar ist, lässt aus, was der Leser mit seiner Fantasie und eigener Vorstellungskraft auch ergänzen kann. Dabei ist sie eine feine Beobachterin, hat ein gutes Auge auch für kleine Gesten und alltägliche Ereignisse, die sie genauestens zu Papier bringt, unaufgeregt, zurückgenommen, ruhig und bedächtig. Diese vielen kleinen, intensiven Alltagsszenen arrangiert sie abwechslungsreich und spannend, immer wieder die Perspektive wechselnd, und das in einer sehr klaren, deutlichen, einfachen und direkten Sprache, die dennoch poetisch sein kann, aber auch brutal und schonungslos, wenn sie die grausamen Kriegsereignisse schildert. Dagegen beschreibt sie die Szenen aus der Gegenwart der Frauen eher nüchtern, sachlich, emotionslos, und doch oder gerade deshalb berührt ihr Schicksal.

Diese gedemütigten, schwachen, zweifelnden und manchmal verzweifelten Frauen werden schonungslos ehrlich und sehr genau, durchaus mit Sympathie aber auch mit kritischem Abstand gezeigt. Sind schon die Hauptdarstellerinnen keine starken Frauen, so finden sich auch in den Nebenrollen Figuren, die gescheitert sind, aufgesteckt haben, sich arrangieren mit einem bescheidenen Glück, weil sie nicht mehr die Kraft haben, sich aufzulehnen und mehr zu wollen. So wie Theres, die ihrer Umwelt und sich selbst die heile Familie vorgaukelt, vor jedem Probleme die Augen verschließt, alle Krisen totschweigt, ihre Rolle als unterdrückte, missachtete Frau einfach erduldet. Mit einem unerwarteten Anruf ändert sich alles. Die Oberfläche der scheinbaren Idylle bricht plötzlich auf, und darunter kommen die Familientragödien und häusliche Dramen zum Vorschein, in die auch ihre Eltern, ihre jüngere Schwester Caro und selbst Tante Frida sowie eine weitere Familie verwickelt sind. Theres Eltern sind ein Spiegelbild ihrer eigenen Ehe. Die Mutter, Irmgard, verteidigt ihren Mann Helmut, einen dominanten, beherrschenden, unterdrückenden Reaktionär, der alles seiner politischen Karriere unterordnet. Auch er betrügt sie offensichtlich, aber sie schluckt alles, sieht weg, hält aus, spielt die Märtyrerin. Theres findet sie erbärmlich, wirft ihr vor, niemals etwas selbst gewollt, getan, entschieden, verantwortet zu haben und ist doch in der gleichen Situation. Der Anruf, der das wohlgeordnete Leben all dieser Menschen auf den Kopf stellt und aus ihrem kommoden Alltag reißt, kommt von Jan Igler, und der ist Theres Sohn, den sie mit 17 gebar und noch im Krankenhaus zur Adoption freigegeben hat. Dazu hatte sie ihr Vater gezwungen, nachdem der Kindsvater, ein junger Bosnier, während der Schwangerschaft verschwunden war und eine unangenehme öffentliche Diskussionen drohte. Ihrem Mann und ihrer Tochter hat Theres diese Tatsache immer verschwiegen, sie selbst hatte keine Ahnung, dass ihr Kind ganz in der Nähe lebt, bei dem Polizisten Gerald Igler und dessen Frau Betti. Als Thomas die Wahrheit erfährt, rastet er aus und verlässt das gemeinsame Heim. Er ist selbst in einem Heim und bei Pflegeeltern aufgewachsen und wird nun an sein Trauma erinnert. Nina hingegen ist fasziniert von ihrem älteren Stiefbruder. Die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und es scheint, als empfinde Nina mehr als nur schwesterliche Zuneigung zu Jan. Vor allem ihrem Opa ist das ein Dorn im Auge.

Theres besucht Jans Adoptiveltern und findet ähnliche Verhältnisse vor, wie in ihrer eigenen Familie. Gerald Igler ist ein rabiates, bestimmendes, selbstherrliches Familienoberhaupt, er beklagt sich über seinen Adoptivsohn. Der habe mit 14 ein Auto geknackt, und mit 16 sei er mit Drogen erwischt worden. Seiner Ehefrau macht er den Vorwurf, den Pflegesohn zu verhätscheln, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, zu viel Verständnis für ihn zu haben. Jan hat immer häufiger Streit mit seinem Adoptivvater. Nach einem besonders lautstarken Krach will er vorläufig bei seiner „neuen“ Familie unterkommen, als ihn die Nachricht erreicht, dass Gerald mit seinem Wagen in einen Laster gerast ist und nur noch tot geborgen werden konnte. Jan wird bei der Polizei vernommen, weil man ihn verdächtigt, die Radmuttern des Autos gelöst zu haben. Er beteuert seine Unschuld, verweigert aber jede Aussage und kommt in Untersuchungshaft.

Theres erfährt, dass Nina mit Jan bei ihren Großeltern war und die beiden dort übernachteten. Lockerte Helmut die Schrauben? Sollte nicht Gerald, sondern Jan mit dem Auto verunglücken? Sie beschließt, ihren Vater zur Rede zu stellen. Der gesteht ihr Ungeheuerliches, und so kommt es zur Katastrophe.

Einige Wochen später scheint die Idylle wieder perfekt, alles geht seinen gewohnten Gang. Thomas ist zurück in seinem trauten Heim, er wird jedes mal zurückkommen, alles wird immer so weitergehen. Nina lebt wieder ihr gewohntes Teenagerleben, seitdem Jan nach einer entlastenden Aussage freigekommen ist und sich auf den Weg nach Bosnien gemacht hat, um seinen leiblichen Vater zu suchen. Ana kann endlich ihr Studium aufnehmen, und hat offenbar auch ihr privates Glück gefunden. Sie hat ihr Leben wohl im Griff, dagegen ergibt sich Frau Sudic ihrem Schicksal, sie bekommt nun regelmäßig Besuch von Theres. Deren kleine, heile Welt ist offenbar wieder im Lot, Normalität stellt sich ein, aber: dann läutet das Telefon.

Die Wienerin Anne Goldmann, geboren 1961, jobbte als Kellnerin, Küchenhilfe und Zimmermädchen, um sich die Ausbildung zur Sozialarbeiterin zu finanzieren. Sie arbeitete in einer Justizvollzugsanstalt und betreut derzeit Straffällige nach der Haft. Das größere Verbrechen ist ihr vierter Kriminalroman, ein Psychokrimi, der unter die Haut geht!

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Das größere Verbrechen | Erschienen am 27. August 2018 bei Ariadne im Argumente Verlag
ISBN 978-3-867-54234-0
240 Seiten | 13.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: kurze Betrachtung von Anne Goldmanns Roman Lichtschacht auf unserem Instagram-Account.

Jo Nesbø | Macbeth

Jo Nesbø | Macbeth

Sie legte eine Hand auf Macbeths Schulter. Er schlief wie ein kleines Kind. Ein letztes Mal. Sie rüttelte ihn wach. Er drehte sich um, streckte ihr murmelnd die Hände entgegen. Immer dienstbereit. Sie hielt seine Hände kraftvoll fest. „Liebster“, flüsterte sie, „du musst ihn töten.“ Er öffnete die Augen. Sie leuchteten in der Dunkelheit. Sie ließ seine Hände los. Streichelte seine Wange. Dieselbe Entscheidung wie damals. „Du musst Duncan töten.“ (Auszug Seite 119)

2016 jährte sich zum 400. Mal der Todestag von William Shakespeare. Ein guter Grund für die zum Konzern Penguin Random House gehörende britische Hogarth-Press ein Projekt ins Leben zu rufen. Der legendäre Verlag lud zeitgenössische, renommierte Schriftsteller ein, ein Stück des weltberühmten Dramatikers auszuwählen und modern und frisch nachzuerzählen. Acht internationale Bestseller-Autoren, darunter Margaret Atwood und Anne Tyler konnten für ganz persönliche Neuinterpretationen gewonnen werden. Der Norweger Jo Nesbø, Exmusiker, Exfußballprofi und studierter Ökonom, bekannt durch seine Kriminalromane um den alkoholkranken Kommissar Harry Hole machte unter der Voraussetzung mit, dass er Macbeth wählen durfte. Sein spezielles Verhältnis zu diesem Drama erklärt er mit der Faszination über eine Geschichte mit einem siegreichen Helden, der im Laufe der Geschichte zum Antagonisten und sogar zum Schurken wird.

Das Original

The Tragedy of Macbeth ist eines der bekannteren und kürzeren Stücke von Shakespeare. Die 1606 uraufgeführte Tragödie beschreibt den Aufstieg des anfangs rechtschaffenen, königlichen Feldherrn Macbeth und seinen Wandel vom einst treuen Vasallen zum Königsmörder. Die blutrünstige Geschichte endet nach weiteren Morden, die der Erhaltung seiner Macht dienen, mit seinem Fall.

Zuerst einmal fällt auf, dass Nesbø das blutrünstige Königsdrama auf 600 Seiten ausgewalzt hat. Er verlegt die Handlung vom schottischen Schloss Newcastle in eine triste, düstere Industriestadt. Ein namenloses, marodes Städtchen geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen irgendwo im schottischen Fife. Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel bestimmen den regnerischen Alltag. Dafür mitverantwortlich ist der wie ein Diktator regierende korrupte Chief Commissioner Kenneth. Als dieser überraschend stirbt, wird Duncan, ein ehrlicher Polizist und Gesetzeshüter sein Nachfolger. Der neue Chief sagt dem Verbrechen und der Korruption den Kampf an und wirkt mit seinen Reformen wie ein Retter für die gebeutelte Stadt. Duncan befördert den integren Polizeiispektor Macbeth, eine ehrliche Haut und bei seinen Untergebenen beliebt. Der taffe Leiter einer Spezialeinheit hat grade mit seinem SWAT-Team eine brutale Motorradgang – die Norse Riders – mit ihrem Anführer Sweno zerschlagen.

Der perfide Plan

Macbeth stammt aus einfachen Verhältnissen und wuchs zusammen mit Duff im Waisenhaus auf, mit dem er immer noch verbunden ist. Eine frühere Drogensucht hat er überwunden und lebt nun mit seiner großen Liebe Lady zusammen. Sie ist der Mittelpunkt seines Universums und mit ihr zusammen führt der Ex-Junkie mittlerweile ein bürgerliches Leben. Und Lady ist es, die ihn jetzt anstachelt, denn die Beförderung reicht der ehrgeizigen Leiterin eines edlen Casinos für die Oberschicht nicht. Zusammen mit Macbeth will sie die Macht über die Stadt. Sie überzeugt den angesehenen Ermittler von ihren intriganten Plänen, die nur mit der Beseitigung des derzeitigen Polizeichefs Duncan funktionieren.

Eine Einladung ins Casino wird für Duncan zur tödlichen Falle. Der erst zaudernde Macbeth ersticht ihn schließlich und es gelingt ihm, die Schuld dessen Leibwächtern in die Schuhe zu schieben. Danach geht das Morden aber erst richtig los, denn aus Angst vor Aufdeckung veranlasst er, eventuelle Mitwisser umzubringen. Es beginnt eine brutale Mordserie und Macbeth, der jetzt das Amt des Bürgermeisters anvisiert, geht machtbesessen und wie in einem Rausch über Leichen. Selbst enge Vertraute wie sein väterlicher Freund Banquo und dessen Sohn Fleance werden nicht verschont. Langjährige Weggefährten werden verstoßen, verjagt oder beseitigt. Dabei hängt Macbeth an den Fäden des Gangsters Hecate, der ihn unter anderem mit der Superdroge „Power“ manipuliert.

Jo Nesbø hält sich in seiner Adaption sehr eng an die Dramaturgie des Theaterstoffes und verwendet sogar bis in die Nebenrollen die Originalnamen.

Meine Meinung

Für mich als großer Fan von Nesbø war es ungewöhnlich, dass ich tatsächlich zum ersten Mal etwas Zeit brauchte, um in die Geschichte reinzukommen. Die Sprache ist einfach anders. Macbeths Wandel vom ehrbaren Ermittler zum blutrünstigen, Macht besessenen Despoten, von Shakespeare natürlich vorgegeben, konnte ich nicht so richtig nachvollziehen und ging mir auch zu abrupt. Nesbø erklärt das mit seiner früheren und wieder aufkommenden Drogensucht. Auch die Erscheinung des ermordeten Banquos wird mit einer Halluzination während eines Drogenrausches erklärt.

Aber dann habe ich die Lektüre sehr genossen und zum Schluss wird es noch sehr dramatisch und spannend. Nesbø ist sehr einfallsreich, wenn es um die Umsetzung von Schlüsselszenen aus der Vorlage geht. Ein besonderes Lesevergnügen entsteht, wenn man in Kenntnisnahme des Originals auf die raffinierten Bezüge achtet. Bei Shakespeare gibt es Traum ähnliche Sequenzen und Visionen und auch in der modernen Interpretation bleiben ein paar mystische Anklänge erhalten. Wenn bei Shakespeare drei Hexen mit ihren Prophezeiungen für übernatürliche Elemente sorgen, sind es bei Nesbø drei Schwestern, die in einer Drogenküche eine crackartige Substanz namens „Brew“ herstellen, von der ein Großteil der Bevölkerung abhängig ist. Die Wortführerin Strega prophezeit Macbeth, er werde bald Chief Commissioner und Banquos Sohn Fleance seine Nachfolge antreten. Hecate hat im Vergleich zum Original eine größere Rolle, lenkt als Drogenboss mit dem Spitznamen „Die unsichtbare Hand“ die Geschicke der Stadt aus dem Hintergrund.

„Ich verspreche Ihnen, den Menschen, der Ihnen auf Ihrem wunderschönen Kopf auch nur ein Härchen krümmen könnte, hat bisher keine Frau geboren. Und bevor nicht die alte Bertha wieder fährt, wird niemand Sie aus dem Amt drängen können. Genügt Ihnen das nicht als Zusicherung, Macbeth?“ (Seite 292)

Und wenn zum Schluss bei Shakespeare die herannahenden Truppen sich hinter tarnenden Ästen aus dem Wald von Birnam verbergen, um unbemerkt zum Schloss Dunsinane vorzudringen, setzt Nesbø die Prophezeiung sehr findig unter Verwendung der Museumslok Bertha Birnam um.

Fazit

Nesbø setzt den Theaterstoff Action geladen sowie gewaltexzessiv in Szene und adaptiert das Drama als richtigen Noir-Thriller. Nicht nur die Umschlaggestaltung ist schwarz und sehr düster. In dem heruntergekommenen Kaff passiert nichts mehr, versinnbildlicht durch eine stillgelegte Eisenbahnlinie. Klassische Spannungselemente wie permanent schlechtes Wetter verstärken die trostlose, bedrückende Atmosphäre. Manche Bilder wirken übertrieben, fast schon comicartig.

Auch in Shakespeares schwermütigen Tragödien geraten seine Figuren oft durch eigene Schuld in ausweglose Situationen und in den Abgrund. Macbeth ist eine Tragödie, die den Sturz der Weltordnung und ihrer Wiederherstellung zum Thema hat. Die gelungene Adaption Nesbøs funktioniert auch 400 Jahre später und beweist wie zeitlos Shakespeares Stoff ist.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Macbeth – Blut wird mit Blut bezahlt | Erschienen am 2018 im  Penguin-Verlag
ISBN 978-3-328-60017-6
624 Seiten | 24.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezensionen zu den Nesbø-Thrillern Der Sohn und Durst sowie eine Lesungs-Review zu Blood on Snow

Mara Pfeiffer | Im Schatten der Arena

Mara Pfeiffer | Im Schatten der Arena

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis Jo in der Lage ist, die Worte aus ihrem Mund zu drängen, die in ihrem Kopf wild umeinanderrasen. Schließlich deutet sie schluchzend auf den flackernden Monitor, der das Aufmacherfoto der dritten Lokalseite zeigt: einen völlig zertrümmerten Corsa, so eng an einem Baum geschmiegt, als wolle er ihn zum Abschied umarmen.
„Das ist Jonas‘ Auto!“ (Auszug Seite 45)

Journalistin Johanna, genannt Jo, lebt als alleinerziehende Mutter in Mainz und arbeitet bei der lokalen Zeitung. Ihr bester Kumpel und Kollege Jonas kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch Jo glaubt nicht an einen Unfall. Sie glaubt, dass Jonas an einer brisanten Geschichte gearbeitet hat, die ihm schließlich das Leben gekostet hat. Sie verschafft sich Zugang zu seinen Dateien und Unterlagen und versucht, die Geschichte zu rekonstruieren. Der Polizist Hans, dem Jo im Laufe der Geschichte immer näher kommt, übergibt ihr Unterlagen, die nahelegen, das Jonas bedroht wurde. Auch sie könnte unter Beobachtung stehen. Ein unbekannter Mann spricht ihren sechsjährigen Sohn vor ihrer Haustür an. Sie durchforstet fieberhaft die Recherchen von Jonas – bis sie auf ein mögliches Motiv stößt: Homophobie im Profifußball.

Autorin Mara Pfeiffer arbeitet als freiberufliche Journalistin, Autorin und Lektorin. Im Schatten der Arena ist ihr erster Roman. Zuvor hat sie Sachbücher und Kurzgeschichten für Anthologien verfasst. Sie betreibt außerdem den Blog Wortpiratin. In ihrem ersten Roman verbindet sie Fußball und Lokalkolorit mit gesellschaftlichen Themen im Rahmen einer Kriminalhandlung.

Ich habe leider zwei größere Kritikpunkte bei diesem Roman. Zum einen die Krimihandlung. Die kommt für meinen Geschmack etwas kurz, denn die Handlung wird auf vielen Seiten von Jo und ihrem Leben dominiert: Trauer, Wut, Erziehungsfragen, Beziehungsstress oder normaler Alltag. Nichts gegen eine gut beschriebene Hauptfigur, aber wenn nur 250 Seiten vorhanden sind, hätte ich mir mehr Krimihandlung gewünscht. Diese besteht nämlich zu einem großen Teil in eher mäßig spannender Recherche. Als sich dann das Motiv offenbart, geht alles ein wenig hopplidahopp. Das wirkte auf mich etwas unrund und auf zu wenig Seiten gebracht. Hier komme ich zu dem seltenen Eindruck, dass ein wenig mehr Seiten dem Buch gut getan hätten.

Zum anderen geht es mir um eines der zentralen Themen des Buches: Homophobie (im Fußball). Natürlich hat das Buch mehr Facetten, aber dieses Thema ist auch entscheidend für den Kriminalfall. Ein wichtiges, interessantes Them – aber die Art der Behandlung hat mich nicht überzeugt. Es gibt im Buch im Rahmen der Recherche zu Jonas‘ Tod ein Interview mit Musiker Marcus Wiebusch, der vor einigen Jahren das Lied „Der Tag wird kommen“ zu dem Thema verfasste. Dieses Interview umfasst fünf Seiten im Buch, Jos Treffen mit dem homosexuellen Fußballer, um den es letztlich geht, gerade mal zwei. Hier wurde meines Erachtens eine Chance vertan, tiefer in die Materie einzudringen, beispielsweise, indem der Fußballer mehr Raum im Buch hätte, dass seine Ängste und den Druck, der auf ihm lastet, präziser aufgezeigt würden. So bleibt die Darstellung des Themas lediglich an der Oberfläche.

Bei aller Kritik möchte ich auch die positiven Aspekte des Buches nicht verschweigen. Da wäre die auf jeden Fall interessante, weil komplizierte Hauptfigur Jo. Daneben ist der Lokalkolorit sicherlich ein Highlight, denn die Autorin verwendet (so weit ich das beurteilen kann) weitgehend Originalschauplätze und lässt auch Vereinspolitik des FSV Mainz 05 einfließen. Eine wunderbare Szene war für mich, wie Jo ihrem Sohn erklärt, warum man an einem Kunstprodukt wie RB Leipzig sein Fanherz nicht verlieren sollte. So denke ich, dass so mancher Leser hier sich durchaus gut unterhalten fühlen könnte, allein ich war aufgrund der erwähnten Punkte nicht ganz zufrieden.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Im Schatten der Arena | Erschienen am 16. Mai 2018 im Societäts Verlag
ISBN 978-3-95542-288-2
252 Seiten | 14.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Bernhard Aichner | Bösland

Bernhard Aichner | Bösland

„Komm mit ins Bösland, hatte er immer gesagt. Mitten in der Nacht, morgens, nachmittags, immer wenn ihm danach war. Ich hatte keine Wahl, nie hatte ich eine gehabt. Und meine Mutter hatte es geduldet. Sie hatte nichts getan, um es zu verhindern. Sie half mir nicht, hielt ihn nie davon ab, mich vor sich her die Treppe nach oben zu treiben.“ (Auszug Seite 11)

Ben wird im Alter von 13 Jahren beschuldigt, seine Freundin Matilde ermordet zu haben. Darauf folgen mehrere Jahre Aufenthalt in einer Psychiatrie, bis ihn seine jetzige Therapeutin in den Alltag zurück entlässt. Dreißig Jahre später entdeckt Ben durch Zufall ein Foto seines Jugendfreundes Krux, den er seit dem Mord nicht mehr gesehen hat, und beginnt mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Allerdings läuft das nicht so, wie Ben sich das gedacht hat.

Ben ist inzwischen 43 Jahre alt und Besitzer eines Fotoladens. Nachdem er aus der Psychiatrie langsam wieder in einen Alltag fand, begann er in diesem Laden zu arbeiten und übernahm ihn später, als der vorherige Besitzer in Rente ging. Er hat sich in seinem Leben mit seinen ereignislosen Tagesabläufen eingerichtet, er kommt mit seinem Leben zurecht. Die Liebe hat er noch nicht gefunden, aber das schwierige Verhältnis zu seinen Eltern in der Kindheit spielt ihm in dieser Hinsicht nicht gerade in die Karten.

Meine Meinung zum Protagonisten

Zu Beginn der Geschichte war mir der Protagonist sympathisch, ich konnte mich in ihn hineinversetzen und fand positiv, dass er trotz seines Schicksals in jungen Jahren jetzt ein normales und gutes Leben führt. Als er dann zur Aufarbeitung seiner Vergangenheit Krux aufsucht, finde ich ihn nervig. Und anschließend nur noch dumm. Es wird nicht klar, was genau sich Ben erhofft hat, aber es verläuft völlig anders.

Die anderen Thriller des Autors

Ich habe von Bernhard Aichner bereits die Totenfrau-Trilogie (Totenfrau, Totenhaus und Totenrausch) gelesen und war restlos begeistert. Die Max Broll-Reihe (Die Schöne und der Tod) konnte mich hingegen nicht so packen. Anhand der Aufmachung und des Klappentextes von Bösland habe ich mich auf rasantes Lesevergnügen wie bei der Trilogie gefreut. Leider wurde ich enttäuscht und habe das Buch im letzten Drittel abgebrochen.

Rasante Erzählweise und nur das Wesentliche

Die Handlung wird in der Tat sehr rasant erzählt und man fliegt nur so durch die Seiten, was daran liegt, dass die Kapitel sehr kurz sind und der Autor sich ausschließlich um das Wesentliche bemüht. Nichts ist überflüssig und trotzdem verliert man nicht den Überblick. Dieser Schreibstil gefällt mir sehr gut. Die Kapitel werden mit kurzen Sätzen angekündigt, die jeweils auf einer separaten Seite gedruckt sind, dadurch kommen auch schnell die über vierhundert Seiten zusammen. Abwechselnd gibt es einen Dialog und einen Text aus Bens Sicht.

Spannung kann nicht gehalten werden

Im ersten Drittel kommt es zu einer Wendung, die ich persönlich tatsächlich nicht erwartet habe, was mich erst einmal gepackt hat. Einige Seiten später gab es eine Ankündigung des weiteren Verlaufs der Handlung, bei der ich kurz innehalten musste. Und dann kam nichts mehr, was die Geschichte weiterhin spannend gemacht hat, es plätscherte nur noch so vor sich hin und wurde unnötig brutal. Mit dem Abbruch des Buches habe ich erst noch gehadert, hatte aber immer weniger Lust weiterzulesen und habe es dann aufgegeben.

Fazit: Ich bin leider sehr enttäuscht und habe viel mehr erwartet.

Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Der Autor ist verheiratet und hat drei Kinder.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Bösland | Erschienen am 1. Oktober 2018 bei btb
ISBN 978-3-442-75638-4
448 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezension zur Thriller-Trilogie Totenfrau (Bd.1), Totenhaus (Bd.2) und Totenrausch (Bd.3) sowie des Thrillers Die Schöne und der Tod des Autors Bernhard Aichner.

Sam Carrington | Saving Sophie

Sam Carrington | Saving Sophie

Saving Sophie ist der Debütroman der Autorin Sam Carrington und spielt in Ambrook in der Grafschaft Devon im Südwesten Englands.

Karen Finchs Tochter Sophie wird spätabends von der Polizei zu Hause abgeliefert. Die Beamten hatten sie aufgegriffen, weil sie, augenscheinlich stark angetrunken, alleine die Hauptstraße entlang lief. Karen und ihr Mann Mike sind total entsetzt, sie haben ihre Tochter noch nie so erlebt. Merkwürdig auch, dass sie alleine unterwegs war: wo waren denn die Freunde abgeblieben, mit denen sie losgezogen war? Karen fällt auf, dass Sophie immer wieder den Namen ihrer Freundin Amy vor sich hin brabbelt, sie hat langsam Zweifel, dass Sophies Zustand nur vom Alkohol ausgelöst wurde.

Auch am nächsten Tag ist Sophie noch nicht in der Lage, sich an die Ereignisse des Vorabends zu erinnern. Aber es kommt noch schlimmer: ihre Freundin Amy ist nicht zu ihrer Mutter zurückgekommen und es wird eine Leiche gefunden, deren Beschreibung auf Amy passt. Als sich aber dann herausstellt, dass es sich nicht um Amy handelt, sondern um Erin, die Tochter der besten Freundin von Karen, ist die Verwirrung komplett.

Soweit zum Ausgangspunkt der Story. Die Ermittlungen gestalten sich ziemlich schwierig, da auch die anderen Freunde von Sophie nicht in der Lage (oder bereit?) sind, etwas zur Aufklärung beizutragen. Amy taucht zwischenzeitlich wieder auf, sie war – ohne ihre Mutter, bei der sie lebt, zu informieren – zu ihrem Vater gezogen, sie weiß allerdings auch nur, dass Sophie sich an dem besagten Abend von ihren Freunden verabschiedet hatte und alleine in ein Taxi gestiegen war.

Der Prolog hat es noch in sich, man ist gespannt. Aber dann geht es schon los: leider sind für mich die Handlungen der Hauptpersonen (Sophie und Karen) nicht so ganz logisch nachvollziehbar. Obwohl Sophies Zustand Karen merkwürdig vorkommt, wird kein Arzt hinzugezogen (Nachweis KO-Tropfen?), Karen hingegen, die wegen einer Agoraphobie (Angst vor weiten Flächen verbunden mit Panikattacken) seit längerer Zeit in Therapie und ans Haus gefesselt ist, werden von Mann und Tochter Vorwürfe gemacht, unter anderem, weil sie nicht in der Lage ist, ihre Freundin nach dem Tod deren Tochter Erin zu besuchen, um Trost zu spenden.

Für einen „Thriller“ plätschert die Handlung zu zäh und spannungsarm dahin, immer wieder zwischen den psychischen Befindlichkeiten von Mutter und Tochter (und Ehemann, der sich auch nicht immer angemessen verhält) hin und her pendelnd. Zudem trägt Karen ein Geheimnis mit sich herum, das sie nicht preisgeben will.
Die Aufklärungsarbeit, behindert durch die größtenteils unnötige bzw. für mich nicht nachvollziehbare Geheimniskrämerei mehrerer beteiligter Personen, zieht sich ohne wirklichen Spannungsbogen dahin, obwohl auch Sophie anscheinend noch ins Visier des Mörders gerät. Zumindest dessen Person bietet noch einen Überraschungseffekt. Die Handlung insgesamt wirkt als zu stark auf das Krankheitsbild von Karen hin konstruiert, deren Handlungen und Denkweisen meines Erachtens nicht stimmig sind.

Ich hatte mir aufgrund der Kurzbeschreibung und Einleitung etwas anderes von dem Buch versprochen, schade um die im Prolog erkennbare eigentlich gute Ausgangsidee.

Sam Carrington arbeitet zunächst als Krankenschwester, bevor sie noch ein Psychologiestudium aufnahm. Sie war lange Zeit im Strafvollzug tätig, bevor sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Devon.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Saving Sophie | Erschienen am 10. September 2018 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10252-6
430 Seiten | 10.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe