Sabine Thiesler | Bewusstlos
„Du lieber Himmel! Er hatte seine Sachen noch an. Das war völlig ungewohnt, denn normalerweise schlief er nackt.
Jetzt öffnete er erneut die Augen und hob den Oberkörper ein wenig an. Was er sah, brachte ihn fast um den Verstand: Vollständig angekleidet lag er in seinem Bett, und T-Shirt, Jacke und Jeans waren voller Blut. Tief durchtränkt und an manchen Stellen bereits getrocknet, hart und steif.
Fassungslos fuhr er sich mit den Händen durch die Haare und merkte zu spät, dass auch seine Haare blutverkrustet waren.“ (Auszug Seite 29)
Raffael hat im Alter von sieben Jahren seine Zwillingsschwester durch einen Unfall beim Spielen verloren. Danach war er traumatisiert und hat nicht mehr gesprochen. Seine Eltern Christine und Karl waren mit seinem Verhalten überfordert und gaben ihn in ein Internat. Mit sechzehn lief er aus dem Internat weg und baute sich ein eigenes Leben in Berlin auf. Er fand einen Job beim Theater als Bühnenbauer und ein Zimmer in der großen Wohnung einer alten Dame. Obwohl Raffael täglich schon am Vormittag betrunken war, läuft sein Leben einigermaßen geregelt. Bis er an einem Morgen mit blutdurchtränkten Klamotten aufwacht, sich an nichts mehr erinnern kann und kurz danach seinen Job verliert. Alles bricht ineinander zusammen und auch die Suche nach seinen Eltern macht es nicht besser.