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Robert Brack | Und das Meer gab seine Toten wieder

Robert Brack | Und das Meer gab seine Toten wieder

Ich bin nichts weiter als eine kleinkarierte Schottin, die in London einen Platz gefunden hat und eine bescheidene Aufgabe – eine nicht sehr bedeutende Figur im großen Gesellschaftsspiel.
„Was ist das für ein Spielbrett, auf dem es nur Figuren mit einer Farbe gibt? Es müssen mehr weiße Figuren unter die schwarzen! Gleichwertig in allen Positionen!“ Das war der Satz, ausgesprochen bei einer Kundgebung, der dich dazu gebracht hat, nach London zu gehen und Polizistin zu werden. Du hast deinen Platz eingenommen, und es war ein gutes Gefühl, sich einzureihen. Und nun stehst du nicht mehr auf dem vertrauten Feld, sondern auf einem anderen Spielbrett, einem unübersehbaren, und weißt nicht mehr ganz genau, nach welchen Regeln das Spiel funktioniert. (Auszug Seite 127)

Im Frühjahr 1932 macht sich die Polizeiinspektorin Jennifer Stevenson im Auftrag der International Policewomen’s Association auf den Weg nach Hamburg. Dort soll sie recherchieren, warum die Abteilung „Weibliche Kriminalpolizei“ der Pionierin Josephine Erkens aufgelöst wurde. Auslöser dieses Polizeiskandals war der mysteriöse Selbstmord zweier Polizistinnen im Sommer 1931. Stevenson recherchiert über die Umstände dieses Selbstmords, sehr zum Missfallen des stellvertretenden Polizeipräsidenten, Dr. Schlanbusch.

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Philip Kerr | Der Wintertransfer

Philip Kerr | Der Wintertransfer

Zweifellos hätte die Polizei liebend gerne einen Blick auf den Speicher von Zarcos Handy geworfen. Natürlich war mir bewusst, dass ich eine Straftat beging, wenn ich es nicht herausgab – Beweise zurückzuhalten in einem Mordfall wird mit Gefängnis geahndet, und ich wusste ja, wie das war. Ich hatte keinerlei Sehnsucht nach Wandsworth, aber Zarcos Ruf und der von London City waren mir wichtiger. Zum ersten Mal in meinem Leben begriff ich die tiefe Wahrheit hinter Bill Shanklys Spruch, als er noch Trainer bei Liverpool gewesen war. „Manche Leute glauben, beim Fußball geht es um Leben und Tod… ich kann Ihnen versichern, es ist viel ernster als das.“
Und ob. (Auszug Seite 238)

Bei Fußball-Erstligisten London City ist man nicht sonderlich besorgt, als plötzlich mitten auf dem Rasen im Stadion ein ausgehobenes Grab auftaucht, darin ein Bild des Cheftrainers João Zarco. Ein Werk von Spinnern, Hooligans. Doch am Spieltag taucht Zarco auf einmal nicht in der Spielerkabine auf und wird nach dem Spiel in einem unzugänglichen Winkel des Stadions tot aufgefunden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes, aber Klubeigner Sokolnikow hat eigene Pläne: Um möglichen Schaden vom Klub abzuwenden, wird Co-Trainer Scott Manson nicht nur Cheftrainer, sondern soll auch für Sokolnikow den Mörder Zarcos ermitteln.

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David Peace | GB84

David Peace | GB84

Alles passiert heute hier. Die Streikenden haben die Polizisten auf dem Zechengelände in der Falle. Die Polizei hat Hilfe angefordert. Die Kolonne mit der Verstärkung ist unterwegs –
In zwei Reihen rast sie mit hundertvierzig Sachen die Straße entlang. Die Streikenden am Straßenrand bewerfen die Wagen mit Steinen, vom ersten bis zum letzten –
Rums. Rums. Rums. Rums –
Brocken um Brocken. Ziegel um Ziegel. Stein um Stein –
Auf jedes Einzelne der sechzig Fahrzeuge. Ein Pferdetransporter gerät auf den Bürgersteig und trifft frontal einen Kumpel –
Sie lassen ihn in seiner Donkeyjacke sterbend liegen –
Die Polizisten lachen, johlen, schlagen auf ihre Schilde. Der Mechaniker steht vor einem Pub und schaut in die Gesichter. Männer rennen in jede beliebige Richtung davon. Polizisten stürmen hinter ihnen her. Rettungswagen, brennende Barrikaden –
Polizeitransporter mit Maschengittern und Kuhfängern brettern gegen die Barrikaden –
Die Lust ist voller Qualm und Qualen. Die Morgendämmerung lässt auf sich warten – (Auszug Seite 349)

Großbritannien im März 1984: Kaum hat Ian McGregor, der Vorsitzende des National Coal Board (NCB), die Schließung unrentabler Zechen und die Privatisierung der übrigen angekündigt, beginnt die einflussreiche Bergbaugewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) mit den Gegenmaßnahmen. Ohne Urabstimmung wird vom Gewerkschaftsführer Arthur Scargill ein landesweiter Streik ausgerufen. Die Gewerkschaft ist zuversichtlich, schließlich hatten sie bereits 1974 den konservativen Premierminister Edward Heath durch ihren Streik aus dem Amt gedrängt. Doch diesmal regiert ein anderer Regierungschef in Downing Street No.10: Die eiserne Lady Margaret Thatcher. Es beginnt ein harter Kampf, der sich ständig zuspitzt und in dem alle Register gezogen werden: Betrug, Korruption, Verrat, Gewalt, Bespitzelung und auch Mord.

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Sven Koch | Dünenkiller

Sven Koch | Dünenkiller

Ostfriesische Küste: Ein Geisterschiff auf der Nordsee, eine Yacht mit drei Toten und einer Überlebenden an Bord, die kein Wort spricht: Ein mysteriöser Fall für die Sondereinheit des LKA Niedersachen rund um die Ermittler Femke Folkmer und Kriminalhauptkommissar Tjark Wolf. Die Toten scheinen zu einer Gesellschaft zu gehören, die Offshore-Windparks betreibt. Zunächst glaubt die Polizei, die Überlebende sei die Täterin, alles deutet auf ein Eifersuchtsdrama hin. Doch als ein Mordanschlag auf die junge Frau verübt wird, ist klar: Es geht hier um etwas völlig anderes …

Eine havarierte Charteryacht treibt nach einem Feuer an Bord auf der Nordsee, unter Deck drei männliche Leichen, erschossen, sowie eine schwer verwundete Frau, ebenfalls mit Schusswunden. Ein unübersichtliches Szenario, eine rätselhafte Tat: Wer hat auf wen geschossen, in welcher Reihenfolge, aus welchem Grund? Die „fantastic four“ Tjark Wolf, Femke Folkmers, Fred und die Leiterin der Gruppe, Ceylan Özer, vielen Lesern sicher bekannt aus den Vorläufern des aktuellen Romans (siehe auch Rezension zu Dünentod), sind zurückgekehrt als SOK, „Sonderkommission organisierte Kriminalität“. Die vier werden seltsamerweise mit der Aufklärung des vertrackten Falles befasst und beißen sich bei der Suche nach einer Lösung die Zähne aus. Klar ist, die drei toten Männer waren offenbar Geschäftsfreunde, die mit dem Segeltörn als Prämie für ihre erfolgreiche Arbeit an einem Windpark-Großprojekt belohnt wurden. Ob die unbekannte Frau Teil der Belohnung war, eine Prostituierte aus Osteuropa, wie die Ermittler annehmen, kann zunächst nicht geklärt werden. Die traumatisierte Frau versteht offenbar kaum deutsch und spricht mit niemandem.

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Bernhard Jaumann | Der lange Schatten

Bernhard Jaumann | Der lange Schatten

Der Minister reihte sich gerade in die Schlange am Gate ein, und der Rest der Gruppe folgte ihm. Riruakos Hand legte sich schwer auf Claus‘ Schulter, sein Mund näherte sich deutlich über die Distanz hinaus, die ein Deutschstämmiger zwischen Fremden als angemessen empfand. Als ob er Claus ein Geheimnis verraten wollte, flüsterte Riruako: „Ihr habt uns damals abgeschlachtet, weil ihr die Kanonen und Gewehre hattet. Fügsame Opfer waren wir aber nicht. Wir haben für unser Recht und unser Land gekämpft. Und heute werden wir wieder kämpfen. Mit dem Unterschied, dass wir nun auch Kanonen und Gewehre haben. Diesmal wird es umgekehrt ausgehen.“ (Auszug Seite 15 bis 16)

Auf einem Friedhof in Freiburg wird das Grab eines Rassenforschers geschändet, gleichzeitig trifft eine Delegation aus Namibia in Berlin ein, um in der Kaiserzeit aufgrund von rassentheoretischen Untersuchungen nach Deutschland verschleppte Schädel in die Heimat zurückzuholen. In Namibia unternimmt die Frau des deutschen Botschafters einen Ausflug mit dem sechsjährigen Waisenjungen Samuel, den sie gerne adoptieren möchte. Trotz Bewachung werden sie und der Junge entführt. Die Entführer verlangen vom Botschafter, auf der Rückführungs-Zeremonie eine Rede zu halten, in der Deutschland endlich den Völkermord an den Hereros vor mehr als hundert Jahren eingesteht.

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