Corinna Kastner | Fischland-Verrat

Corinna Kastner | Fischland-Verrat

„Albert Johann Emil Martin Kriemann, geboren 1872 in Bad Doberan, war in seinem ‚ersten Leben‘ Schiffer. Er ging mit sechzehn das erste Mal zur See und kam dabei richtig gut rum. (…) Beim Entladen eines Schiffes fiel Kriemann in den Laderaum und erlitt sehr schwere Verletzungen, die weitere Fahrten unmöglich machten. In den nächsten Jahren begann er zu schnitzen – zuerst kleinere Schiffe, dann wurden die Modelle größer, detailreicher, kunstvoller. Er arbeitete nach Vorbildern, nach Zeichnungen und Rissen, aber auch aus dem Gedächtnis.“ (Auszug Seite 85/86)

An einem ganz gewöhnlichen Tag bekommt Kassandra Voß unerwarteten Besuch von ihrem Ex-Mann Sven Larsen. Er bittet sie um Hilfe. Eine Zeit später entdeckt nachts ein Freund von Kassandra eine tote Frau auf seinem Zeesboot. In der Zeit, in der er zum Hotel in der Nähe läuft, um die Polizei zu rufen, verschwindet die Leiche. Außerdem ist vor einigen Tagen der Hund von Kassandras Nachbarin weggelaufen. Das sind Paul Freese, dem Freund von Kassandra, entschieden zu viele Zufälle. Er nimmt an, dass Sven etwas damit zu tun hat.

Sven wurde von Jens Gräsing, einem Mithäftling aus seiner Gefängniszeit, damit beauftragt, ein geschnitztes Schiff des Künstlers Albert Kriemann zu finden. Albert Kriemann hat vor etwa hundert Jahren in Wustrow gelebt und verschiedene Schiffe geschnitzt, unter anderem die „Kassiopeia“, um die es geht. Jens Gräsing betreibt einen Antikladen und wird von einem gewissen Wassermann wegen dem Schiff erpresst. Während Sven sich versteckt, machen sich Kassandra und Paul auf die Suche nach dem Kunstwerk. Die Suche und Spuren führen die beiden von Wustrow über Stralsund nach Berlin und zurück.

Kassandra betreibt eine Pension in Wustrow nahe der alten Seefahrtschule. Sie ist mit dem 20 Jahre älteren Paul liiert, der Schriftsteller ist und bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Paul hat in seinem Keller ein Archiv eingerichtet, in dem er alles über das Fischland sammelt. Dementsprechend konnte er auch gleich mit Informationen zu Kriemann dienen. Kassandras Leidenschaft ist das Fotografieren. Sie und Paul haben eine Ausstellung zusammen organisiert, bei der Paul zu ihren Fotos Texte geschrieben hat.

Sven war mit Kassandra verheiratet. Er wollte das ganz große Geld machen und hat mit seinem angeblichen Bauvorhaben um die damals schon seit langem leerstehende Seefahrtschule vielen Fischländern das Geld aus der Tasche gezogen. Als der große Schwindel und noch einig weitere aufflogen, wurde Sven zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Bei der Suche nach dem Kunststück werden Paul und Kassandra von Kay Dietrich unterstützt. Der Kriminaloberkommissar hat die beiden bei den letzten Fällen kennengelernt. Er arbeitet bei der Polizei in Anklam und wohnt in Stralsund. Außerdem hat Kay Dietrich ein Abkommen mit Kassandras Vater Harald Barthel. Er kümmert sich mit drei weiteren Vertrauten um Fälle, um die sich die Polizei nicht kümmern kann oder will. In diesem Fall um die Leiche auf dem Boot.

Fischland-Verrat von Corinna Kastner hat mir nicht ganz so gut gefallen. Ich hatte mich auf einen Küsten-Krimi gefreut, der seinen Schauplatz auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst hat und wurde, was die Ortsbeschreibungen angeht, auch absolut nicht enttäuscht. Die Beschreibungen sind sehr detailgetreu und genau. Auch die Straßenbezeichnungen sind echt. Die Geschichte an sich finde ich zu komplex. Es tauchen zu viele Menschen auf, die etwas mit dem Fall zu tun haben und daran ermitteln. Es ergeben sich auch immer wieder neue Handlungsstränge. Dadurch gerät der Lesefluss etwas ins Stocken. Ich musste mehrmals zurückblättern und nochmal nachlesen und teilweise kurz innehalten, um zu durchdenken, wie etwas mit dem anderen zusammenhängt. Und das ist mir persönlich zu anstrengend, wenn man unterhaltsame Strandlektüre erwartet, so wie es auf dem Buchrücken zitiert wird.

Dennoch sind die Ermittlungen plausibel. Es werden ab und zu die drei vorangegangenen Fälle erwähnt, aber man kann den Krimi auch lesen, ohne dass man die Bücher kennt. Kassandra und Paul finde ich sehr sympathisch, aber an Kassandras Stelle hätte ich Sven nach der Vergangenheit nicht geholfen.

Ich war am 29. September 2016 in Zingst bei der Lesung der Autorin zu diesem Buch. Leider habe ich dort nichts Neues zu dem Krimi erfahren, den ich bereits gelesen hatte. Es war eine reine Vorlesung, ohne jegliche „Zusatzinformationen“. Trotzdem war es ein schöner Abend und ich konnte ein Autogramm ergattern.

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Corinna Kastner wurde 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch. Die Autorin hat bis jetzt elf Romane veröffentlicht, davon vier Küsten-Krimis.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

fischlandverrat

Fischland-Verrat | Erschienen am 21. Juli 2016 bei Emons
ISBN 978-3-95451-948-4
400 Seiten | 12,90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

 


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