R. P. Hahn | Der Korndämon

R. P. Hahn | Der Korndämon

Annika fuhr fort: „Also der Korndämon wartet im Feld auf Eltern mit kleinen Kindern. Und wenn die Eltern ihr Kind aus den Augen lassen, und sei es nur für einen winzigen Moment, zieht der Dämon es ins Feld. Und dann sieht man es nie wieder.“ (Auszug Seite 105)

Der Alkoholiker Richard Dreifürst sieht beim Überqueren einer Straße in Garz auf Rügen ein Auto, in dem ein Junge sitzt, dem Todesangst ins Gesicht geschrieben ist. Mit dieser Entdeckung geht Richard sofort zur Polizei, doch die Beamten glauben ihm nicht, da er in der Vergangenheit schon des Öfteren wegen Trunkenheit aufgegriffen wurde und nun vermuten sie, dass es sich bei dem Jungen auch nur um eine Wahnvorstellung im Suff handelt. Richard lässt sich davon aber nicht abbringen und versucht das Kind auf eigene Faust zu retten.

Keine Ermittlung von Polizisten

Der Korndämon von R. P. Hahn hat mich angesprochen, weil er auf der Ostseeinsel Rügen spielt. Interessant fand ich auch, dass es eben kein klassischer Kriminalroman ist, bei dem es um die Ermittlungen der Polizei geht, sondern dass sich eine Privatperson auf die Suche macht. Nach den ersten siebzig Seiten habe ich dann gedacht, wie der Autor mit dieser Geschichte über dreihundert Seiten füllen möchte, denn eigentlich ist schon fast alles erzählt. Ich habe aber weitergelesen, denn oft wurde ich schon nach solchen Gedanken überrascht. Diese Überraschung blieb hier allerdings aus.

Das Leben eines Alkoholikers

Im Grunde empfand ich das Buch weniger als einen Krimi, sondern eher als „Aus dem Leben eines Alkoholikers“. Natürlich geht es Richard in erster Linie um die Suche nach dem Jungen, aber immer wieder kommt ihm seine Sucht in die Quere und somit ist sein Tun schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Am Anfang fand ich es noch ganz interessant, aus dem Leben eines Alkoholikers zu lesen, aber spätestens nach der Hälfte fand ich es nur noch anstrengend. Richards persönliche Ermittlung wird zu einer Besessenheit und der Alkoholismus artet komplett aus. Keiner glaubt ihm so recht, Hilfe bekommt er trotzdem zeitweise.

Bis zum bitteren Ende

Das Mantra des Protagonisten „Und wenn ich Recht habe?“ treibt ihn trotz aller Widerstände weiter und auch obwohl der Spannungsbogen für mich auf der Strecke geblieben ist, wollte ich wissen, wie es ausgeht und ob er wirklich Recht hatte. So habe ich tapfer weitergelesen. Im Grunde kann man das Ende aber bereits erahnen, sonst hätte die Geschichte wirklich nach siebzig Seiten zu Ende sein können. Auf den letzten Seiten kommt dann doch noch etwas Spannung auf, also hat sich das Durchhalten gelohnt.

Fazit: Die Geschichte eines besessenen Alkoholikers, die am Schluss doch noch punkten kann.

R. P.Hahn stammt aus Niedersachsen und lebt heute mit seiner Familie in Fulda. Seine ersten Autorenarbeiten waren für das Fernsehen, wo er für Krimireihen wie „Tatort“, „Der Fuchs“ oder „Hubert und Staller“ zahlreiche Drehbücher schrieb. Auch der Pro Sieben-Thriller „Götterdämmerung“ stammt aus seiner Feder. Für sein Skript „Das letzte Streichholz“ bekam er 2007 den hessischen Drehbuchpreis.  Inzwischen hat R. P.Hahn sich vom Filmgeschäft weitestgehend zurückgezogen. Sein Schwerpunkt liegt heute auf dem Recherchieren und Schreiben von Romanen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Der Korndämon | Erschienen am 2. März 2020 bei Piper
ISBN 978-3-492-50329-2
328 Seiten | 14.- Euro
Bibliographische Angaben und Leseprobe

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