Peter Scheer | Ostsee-Intrige

Peter Scheer | Ostsee-Intrige

„Jetzt waren es schon fast zwei Monate, dass Ignaz Blumenfeld entlang der Lagunen fuhr. Morgens von Glowe nach Breege auf der Schaabe und nachmittags zurück. Manchmal wollte er ein Lied pfeifen, aber da er nicht pfeifen konnte und wenn er pfiff, dann falsch, hörte er die Musik lieber im inneren Ohr. Der Weg war nicht lang. 9,7 Kilometer, flach, manchmal Gegenwind.“ (Auszug Seite 7)

Kommissar Horst Lüdewitz aus Stralsund bekommt den Auftrag in einer Kinderklinik auf Rügen den dortigen Chefarzt Professor Ignaz Blumenfeld zu befragen, da er sich bei einem Kindstod mitschuldig gemacht hat, weil er diesem Kind die Behandlung verweigert hat. Schon nach dem ersten Gespräch wird Lüdewitz dieser Auftrag wieder entzogen, stattdessen wird Blumenfeld zufällig Zeuge einer Autodiebesbande, in der Lüdewitz nun ermittelt und die ihn nach Österreich führt.

Schachtelsätze vom Feinsten

Ostsee-Intrige von Peter Scheer habe ich aufgrund des Schauplatzes Rügen ausgewählt, aber ich fand bereits den Einstieg in die Geschichte schwierig, weil ich mich sehr konzentrieren musste, um alles zu erfassen. Der Autor arbeitet mit einer Mischung aus Schachtelsätzen und kurzen Sätzen und diesen Schreibstil konnte ich zu Beginn nicht so eben weglesen. Im Laufe der Seiten habe ich mich aber „eingelesen“ und konnte den Text einfacher erfassen.

Abgebrochen!

Trotzdem habe ich das Buch nach etwa 130 Seiten abgebrochen, da mir weder der Protagonist sympathisch war noch Spannung aufkam. Leider geht es bereits nach der ersten Befragung schon nicht mehr um den Kindstod und die Verfolgung einer Autoschieberbande ist nicht das Thema, das ich persönlich in einem Krimi lesen möchte. In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dass der Schauplatz nach der Hälfte des Buches auch ausschließlich in Österreich stattfindet und da hat mich dann die Motivation gänzlich verlassen.

… but first coffee!

Kommissar Horst Lüdewitz steht kurz vor der Pension und genau so ist auch sein Arbeitsstil. Wenn er die Wahl hat, sich zwischen der Verfolgung eines flüchtigen Zeugen und einer Tasse Kaffee zu entscheiden, gewinnt der Kaffee. Zwischendurch werden Beobachtungen und Ansichten des Protagonisten ausgeschlachtet, die den Fall in keiner Weise weiterbringen, sondern eher aufhalten. Es geht dabei unter anderem um Zitate aus Büchern oder Gedichte und Meinungen zu Politik. Aus dem Grund kommt für mich auch leider gar keine Spannung auf. Schade!

Fazit: Sehr behäbiger Kommissar, keine Spannung und schwieriger Schreibstil.

Der in Tel-Aviv geborene Peter Scheer ist im Alter von drei Jahren nach Österreich gekommen. In Wien studierte er Medizin und Philosophie. Der Kinder- und Jugendarzt, der auch als Managementtrainer tätig ist, lebte viele Jahre in Wien, bevor er nach Graz gerufen wurde. Dort baute er die Abteilungen Psychosomatik und Psychotherapie an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche auf. Wissenschaftliche Papers waren seine tägliche Arbeit, persönlich gehaltene Sachbücher das Zubrot. Ostsee-Intrige ist Scheers Krimi-Debüt.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Ostsee-Intrige | Erschienen am 17. April 2019 im Gmeiner Verlag
ISBN 978-3-83922-415-1
345 Seiten | 13.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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