Kategorie: 4.5 von 5

Anita Terpstra | Die Braut

Anita Terpstra | Die Braut

„Ich setzte alles aufs Spiel. Mein Leben, meine Freiheit. War ich wirklich bereit, für mein Ziel so weit zu gehen? Dann wurde mir klar, dass der Weg zurück versperrt war. Ich war meinem Herzen schon in dem Moment gefolgt, als ich beschloss, Matt einen Brief zu schreiben.“ (Auszug Seite 102)

Mackenzie Walker heiratet Matt Ayers, der im Gefängnis sitzt, weil er mehrere Frauen entführt, festgehalten und vergewaltigt hat. Beide kennen sich nur von Briefen und kurzen Besuchen im Gefängnis. Das Umfeld von Mackenzie reagiert mit Unverständnis und sie hat es als frischgebackene Ehefrau eines Strafgefangenen nicht gerade leicht. Als es ihr nicht gelingt, die Unschuld von Matt zu beweisen, hilft sie ihm bei der Flucht. Warum nimmt Mackenzie solche Gefahren auf sich und riskiert damit auch ihr eigenes Leben?

Erwartung übertroffen

Die Braut von Anita Terpstra ist der zweite Thriller der niederländischen Autorin, der in Deutschland veröffentlicht wurde. Anders, das erste Buch, habe ich auch gelesen und war begeistert, deshalb habe ich mich auf diesen Roman gefreut. Diese Freude wurde voll erfüllt und sogar noch etwas übertroffen.

Warum heiratet man einen Gefangenen?

Die Frage ist, warum machen Frauen das? Warum heiraten sie verurteilte Straftäter im Gefängnis? Diese Überlegung hat mich die gesamte Zeit durch die Geschichte begleitet und war in erster Linie meine Motivation sie zu lesen. Im Buch gibt es eine wissenschaftliche Erklärung, warum das im echten Leben so ist. Beispielsweise eine schwere Kindheit oder frühere gewalttätige Männer und nun die Gewissheit, dass der Mann im Gefängnis wirklich nichts tun kann, aber das wäre natürlich etwas wenig Stoff für einen Thriller.

Großartige und unerwartet Wendung

Die Handlung wird in Ich-Form aus Sicht von Mackenzie erzählt, ab und zu kommen kurze Kapitel aus Sicht von zwei Opfern dazu, was zusätzlich Spannung erzeugt. Die Kapitel lesen sich sehr flüssig und ich empfand die Geschichte als kurzweilig. Auf den letzten einhundert Seiten wird die Geschichte weiter wie gewohnt interessant geschildert und dann, unerwartet und „aus dem Nichts“, erfolgt die plötzliche Wendung. Großartig! Mir wurde zu dem Zeitpunkt auch kurz etwas heiß und ab da war daran, dass Buch zur Seite zu legen, nicht mehr zu denken.

Sympathien

Die Protagonistin, also die Braut, empfand ich anfangs irgendwie als „asozial“, weil sie in einem heruntergekommenen Haus wohnt, sich mit zwei Jobs über Wasser hält, bei einem auch noch Doppelschichten schiebt, um mehr zu verdienen und ich ihre gesamten Lebensumstände als nicht so optimal empfinde und sie dann auch noch Matt heiratet, denn mit der Hochzeit fängt noch mehr Stress für Mackenzie an. Matt war mir komischerweise gleich sympathischer, weil er wirklich den Anschein macht, unschuldig zu sein und ich deshalb fast Mitleid hatte, dass er ungerechtfertigt im Gefängnis sitzt.

Unblutig bis auf eine Szene

Die Geschichte wird den Umständen entsprechend unblutig beschrieben, es werden eher die Erlebnisse der gefangenen Frauen geschildert. Am Ende gibt es dann eine Szene, in der Folter beschrieben wird und die ich nicht so gut lesen konnte. Im Nachhinein kann ich das Verhalten aber durchaus nachvollziehen.

Fazit: Ich kann diesen Thriller unbedingt empfehlen und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Anita Terpstra ist eine niederländische Schriftstellerin, wurde 1975 geboren, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die Braut | Erschienen am 16. Juli 2018
ISBN 978-3-7341-0576-0
416 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Anita Terpstras Roman Anders bei uns.

Claudia Piñeiro | Der Privatsekretär

Claudia Piñeiro | Der Privatsekretär

Wieder wäre ich am liebsten mit den Fäusten auf ihn losgegangen. Aber damit hätte ich mir keinen Gefallen getan. Das Spiel um die Macht, das zwischen uns ausgetragen wurde,entschied sich auf einem anderen Feld und bei einer anderen, womöglich kaum wahrnehmbaren Gelegenheit. Irgendwann würde es so weit sein, dass er, der Herr, seinem Knecht unterlegen wäre. Aber wie würde ich merken, dass dieser Augenblick gekommen wäre. Nun – er war es, jetzt. (Auszug Seite 211).

Der junge Román Sabaté bewirbt sich mehr durch Zufall für einen Job bei „Pragma“, einer aufstrebenden populistischen Partei in Argentinien. Der Parteichef Fernando Rovira ist ein charismatischer Mann, der nur ein Ziel kennt: Das Präsidentenamt. Román schafft es bis in den innersten Zirkel um Rovira und erkennt irgendwann das Ausmaß der Polittricks, Lügen und Manipulationen. Doch sein Versuch, aus diesem Netz auszubrechen, wird für Román höchstgefährlich.

Der Roman beginnt mit einer Flucht: Román wartet im Busbahnhof auf einen Bus, der ihn aus Buenos Aires herausbringen soll. Aber er tritt die Flucht nicht alleine an: Er hat Joaquín bei sich, Fernando Roviras kleinen Sohn. Die Geschichte wird nun abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt und mit Rückblicken wird offenbart, wie es so weit kommen konnte.

Román Sabate ist gerade erst nach Buenos Aires gezogen, benötigt dringend Geld, um sich über Wasser zu halten und probiert es einfach mal bei dem Vorstellungsgespräch bei dieser Partei „Pragma“, zu dem ihn sein Zimmergenosse Sebastián Petit mitgeschleppt hat. Anders als sein Kumpel, der Politikwissenschaft studiert, hat Román mit Politik nicht viel am Hut, trotzdem erhält überraschend er den Job und nicht Sebastián (der allerdings später über Román in die Partei kommt). Der Parteichef Fernando Rovira hält von Anfang an große Stücke auf Román, obwohl dieser nicht unbedingt ein politischer Stratege ist. Román wird Privatsekretär und Fitnesstrainer von Rovira und erhält auch Zugang zu dessen Frau und später zu dessen Sohn. Doch nach und nach wird in dieser Geschichte Unglaubliches aufgedröselt, eine Manipulation ungeheuren Ausmaßes, in der Rovira Román verwickelt hat und die diesen schließlich veranlasst, sich Rovira entgegenzustellen. Dabei erhält er Unterstützung durch die Journalistin Valentina Sureda (wegen ihrer asiatischen Augen „China“ genannt), in die sich Román verguckt hat (und umgekehrt). China ist Reporterin eines TV-Senders und schreibt gerade ein Buch, durch das sie Kontakt zu Rovira und Román hat. Dieses Buch (das in Skizzenform auch als Kapitel in diesem Roman vorkommt) handelt vom sogenannten Alsina-Fluch. Ein hartnäckiger Fluch, der von allen Politikern in Argentinien bestritten wird und doch im Verborgenen durch den verbreiteten Aberglauben das Handeln bestimmt. Dieser Fluch besagt, dass es keinem Gouverneur der Provinz Buenos Aires (zu dem die Hauptstadt wegen eines Sonderstatus nicht gehört) gelingt, argentinischer Präsident zu werden. Besondere Bedeutung erlangt dabei die Planstadt und Provinzhauptstadt La Plata, um deren Gründung sich ebenfalls merkwürdige Gerüchte ranken.

Fernando Rovira war erfolgreicher Bauunternehmer, bevor er dann in die Politik ging, eine Bürgerbewegung gründete und bei der Wahl des Gouverneurs gewann. Doch Rovira weiß um diesen Fluch, er hat einen umtriebigen Spin-Doctor und eine Mutter, die so etwas wie eine Seherin ist, die ebenfalls darauf hinarbeiten, diesen Fluch zu bezwingen. Und so arbeitet Rovira verbissen auf sein Ziel, das Präsidentenamt, hin und ist sich dabei keiner Täuschung und poltischen Instrumentalisierung zu schade. Sein wichtigstes politisches Projekt aktuell: Die Teilung der Provinz Buenos Aires in zwei neue Provinzen, um damit den Fluch zu brechen.

Sehr faszinierend ist der Einblick in die Mechanismen der Macht, den die Autorin hier bietet. Eine sklavische Unterordnung an Umfragewerte, Meinungsbilder und Statistiken, garniert mit einer großen Portion Aberglaube. Fernando Rovira ist eine dieser skrupellosen, populistischen, aber charismatischen Politaufsteiger, die ohne große eigene Visionen sich allerlei Tricks und Lügen (und Schlimmeres) zu Nutze machen. Dies fällt irgendwann auch Román auf, der dann auf einer Busfahrt ein Aha-Erlebnis hat. Er kommt ins Gespräch mit einer Philosophielehrerin, die ihn auf Hegels Dialektik von Herr und Knecht aufmerksam macht. Obwohl das Verhältnis eindeutig scheint, sich der Knecht untergeordnet hat, ist der Herr in Wirklichkeit ebenfalls von seinem Knecht abhängig.

Autorin Claudia Piñeiro ist eine der erfolgreichsten argentinischen Autoren. Sie schreibt auch Kinder- und Jugendbücher, arbeitet als Regisseurin und beim Theater. Piñeiro ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Karriere als Rechnungsprüferin. Ihr Debütroman „Ganz die Deine“ erschien 2003. Ihre Romane sind zumeist Dramen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, oftmals verpackt in eine Kriminalgeschichte.

Der Privatsekretär ist ein wirklich exzellent komponierter Roman. Die ganzen Perspektivwechsel, Rückblenden und Buchauszüge fügen sich sehr gekonnt zu einer starken Geschichte zusammen. Auch die Figuren überzeugen in ihren jeweiligen Rollen. Was ich bemerkenswert fand: Der Roman zeigt den Niedergang einer demokratischen politischen Kultur und kommt gleichzeitig ohne politische Themen aus. Wofür Rovira und „Pragma“ eigentlich stehen, bleibt völlig offen. Entscheidend ist die entblößende Darstellung und Analyse eines Politikstils der Täuschung und Machtgier ohne Inhalte. Trotz der anspruchsvollen Konzeption des Romans gelingt Claudia Piñeiro auch noch ein gelungener Spannungsbogen. Lediglich das Ende fühlte sich (ohne zu spoilern) relativ unspektakulär an, bietet aber dafür eines der großartigsten Schlussbilder, die ich bisher in einem Thriller gelesen habe. Das Buch ist definitiv ein Highlight in diesem Jahr!

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Der Privatsekretär | Erschienen am 1. Februar 2018 im Unionsverlag
ISBN 978-3-293-31014-8 (EPUB)
eBook: 288 Seiten | 18.99 Euro
ISBN 978-3-293-00534-1 (Hardcover)
320 Seiten | 22. Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Hannah O’Brien | Irisches Erbe Bd. 4

Hannah O’Brien | Irisches Erbe Bd. 4

Irisches Erbe ist der vierte Fall für das Ermittlerteam um Grace O’Malley und spielt im County Galway in der Republik Irland. Grace O’Malley und ihr Kollege Rory Coyne von der Mordkommission in Galway müssen ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit wegen mehrerer Morde, verübt in zwei Kirchen des County, ermitteln. Die Opfer waren jeweils Gemeindehelferinnen, aufgefunden wurden die Mordopfer merkwürdigerweise immer von demselben Priester, Father Duffy. Aufgrund der Umstände (beide Morde im Abstand von je einer Woche an einem Adventwochenende, beide mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen) liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Serientäter handeln könnte.

Grace erfährt im Gespräch mit der Gemeindesekretärin, Mary O’Shea, dass Father Duffy für insgesamt drei der Gemeinden im Westen des County Galway zuständig ist, in der Gemeinde Maycullen, in der der zweite Mord verübt wurde, ist er kurzfristig als Ersatz für einen erkrankten Kollegen eingesprungen. Somit ist Father Duffy höchst verdächtig und Grace sieht sich unter Zugzwang (vier Gemeinden, vier Adventwochenenden, bereits zwei Morde).
Allerdings könnte es sich auch um einen Racheakt gegen Father Duffy handeln, indem man ihn als Täter darstellt. Wie sich bei den Befragungen herausstellt, war dieser in den 90er Jahren, als es in Nordirland noch Kämpfe zwischen der (katholischen) IRA und der (protestantischen) UDA gab, in Belfast eingesetzt.

Grace hatte die Beine übereinandergeschlagen und studierte sein Gesicht. „Father Duffy, ich möchte zunächst mit Ihnen über ein Ereignis sprechen, das schon sehr lange zurückliegt und scheinbar nichts mit unseren Fällen hier zu tun hat.“ Duffys Gesichtsausdruck wirkte ratlos. Er sagte jedoch keinen Ton. “Sie waren in den Neunzigerjahren Priester in der Falls Road in Belfast. Ist das richtig?“ Duffys Augen waren vor Schreck geweitet. Er nickte heftig. „Soweit wir wissen, begegneten Sie eines Nachts in Ihrer Kirche einem schwerverletzten militanten Unionisten, dem Sie zu Hilfe kamen.“ (Seite 295)

Tatsächlich führen die Ermittlungen Grace und Rory zurück in die Vergangenheit; sie erfahren allerdings auch von Begebenheiten, die man in einem kirchlichen Umfeld nicht unbedingt erwartet, vor allem nicht in der heutigen Zeit:

Father McLeish räusperte sich schließlich. „Nun, die Kirche hat durch das Fehlverhalten Einzelner – und ich betone Einzelner – bedauerlicherweise an Glaubwürdigkeit verloren. Und durch das Fehlverhalten vieler – und ich betone vieler – Priester heutzutage, die bereit sind, Homosexualität und andere unnatürliche Verfehlungen in ihrer Mitte zu dulden und nicht konsequent auszumerzen, wie Scheidung oder das sogenannte Recht auf Abtreibung, hat sie noch viel mehr an Boden verloren, was den Glauben und die Glaubwürdigkeit der einzigen Kirche Gottes und seines Sohnes betrifft. Es musste etwas geschehen.“ (Seite 409)

Die Autorin Hannah O’Brien hat in ihrem Roman die Lebensläufe mehrerer Protagonisten zu einer spannenden Handlung verknüpft. Bis zur Auflösung ist man als Leser hin- und hergerissen zwischen „..ich glaube, ich weiß wer’s war“ und „….kann aber eigentlich doch nicht sein“. Wie sich herausstellt, sind die Motive für die Morde andere als zunächst vermutet  und witzigerweise wird einer der Morde durch einen Handy-Klingelton bewiesen.

Was mich an dem Buch auch beeindruckt hat, ist die Einbindung der irischen Vergangenheit, die auch von der Autorin erläutert wird, sowohl in der Handlung als auch im anschließenden Glossar, man spürt die Verbundenheit der Autorin mit ihrer Wahlheimat. Sozusagen als „Bonbon“ gibt es noch die ausführliche Vorstellung der Protagonisten und eine Landkarte, auf der die im Buch genannten Orte zu finden sind.

Fazit: Eine Handlung zwischen irischer Vergangenheit (nicht nur der politischen, sondern auch der kirchlichen) und Gegenwart, spannend bis zum Schluss!

Hannah O’Brien ist ein Pseudonym von Hannelore Hippe-Davies, geboren 1951 in Frankfurt am Main. Sie lebte lange in ihrer Wahlheimat Connemara und fühlt sich dort bis heute zu Hause. Sie arbeitet seit 1985 als freie Journalistin, vorwiegend für die Rundfunkanstalten der ARD und schrieb zahlreiche Features und Hörspiele bzw. -dokumentationen sowie Romane, allerdings nicht nur Kriminalromane, sondern auch „kulinarische Entdeckungsreisen“. Ab 2015 schrieb sie dann unter dem Pseudonym über die Ermittlerin Grace O’Malley.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Irisches Erbe | Erschienen am 9. März 2018 bei dtv
ISBN 978-3-423-21720-0
432 Seiten | 9.95 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

„Auch die zwei breiten Fenster auf der Gartenseite standen unverändert offen. Gestern hatte sie gedacht, dass Sandra McKallan sich vielleicht gerade bei Nachbarn aufhielt. Deshalb hatte sie die Post einfach durch die Tür ins Haus geworfen, da es keinen Briefkasten gab. Heute lag der Regenschirm immer noch so da, die Tür bewegte sich im Wind.“ (Auszug Seite 33)

In dem beschaulichen Küstenstädtchen Fowey findet der Flussmeister Francis Penrose eine Boje, an der eine Leiche hängt. Wenig später entdeckt seine Frau Daphne zwei weitere Tote. Sofort werden die Ermittlungen von der Polizei aufgenommen, doch das Ehepaar Penrose ist sich sicher, dass der zuständige Kommissar nur eine schnelle Aufklärung möchte und es ist ihm egal ist, ob der wahre Mörder gefunden wird. Also begeben sich die beiden selbst auf Ermittlungstour und geraten dabei in Gefahr…

Die beiden „Hauptermittler“

Daphne Penrose ist 52 Jahre alt und arbeitet halbtags als Postbotin in Fowey. Ihr Mann Francis ist 55 Jahre alt. Beide haben eine Tochter, die in London Medizin studiert. Daphne wurde nach der Schriftstellerin Daphne du Maurier benannt und kannte diese sogar persönlich.

Perfekte Urlaubslektüre

Post für den Mörder von Thomas Chatwin hat mir sehr gut gefallen, denn die Geschichte ist ein typischer Kriminalroman in dem es vordergründig um die Ermittlungen geht. Dabei werden blutige Details weggelassen und die beiden Protagonisten agieren beherzt, aber nicht waghalsig und ziehen ihr eigenes Ding durch, ohne sich komplett über die Polizei hinwegzusetzen. Die Recherche von Daphne und Francis fand ich nicht unglaublich fesselnd, aber dennoch anhaltend spannend, so dass es für mich keine Längen gab. Auch als beide in Gefahr geraten, bleibt die Handlung plausibel und wird nicht unnötig dramatisiert. Ich habe dieses Buch als Urlaubsauftakt gelesen und muss sagen, dass es dafür perfekt war.

Daphne du Maurier

Besonders gefallen hat mir die Einbeziehung von Daphne du Maurier. Von der Autorin habe ich bereits einen Roman gelesen, mich aber nicht weiter damit beschäftigt und dieser Krimi hat mich jetzt doch neugierig auf weitere Werke und die Schriftstellerin selbst gemacht.

Eine Reise wert

Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es als Einstimmung ein passendes Zitat aus einem anderen Roman. Außerdem wird die Landschaft und das Leben in Cornwall sehr schön beschrieben. Sehr charmant sind auch die persönlichen Reisetipps des Autors am Ende des Buches. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber Cornwall ist scheinbar wirklich eine Reise wert, so wie sich das Buch liest.

Fazit: Ein wirklich schöner und leichter und dennoch interessanter Krimi, den ich unbedingt empfehlen kann.

Thomas Chatwin wurde 1949 geboren und ist promovierter Literaturwissenschaftler und England-Kenner. Er liebt Cornwall und verbringt jede freie Minute dort. Unter seinem bürgerlichen Namen Claus Beling hat er fast zwei Jahrzehnte als Unterhaltungschef beim ZDF gearbeitet. Außerdem ist er der Erfinder der Rosamunde-Pilcher-Reihe und der Inga-Lindström-Filme. Bisher hat der Autor acht Bücher veröffentlicht, darunter zwei weitere Kriminalromane und Sachbücher.

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Post für den Mörder | Erschienen am 26. Juni 2018 bei Rowohlt
ISBN 978-3-499-27445-9
320 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Klaus-Peter Wolf | Totentanz am Strand Bd. 2

Klaus-Peter Wolf | Totentanz am Strand Bd. 2

„Warum haue ich nicht einfach ab? Ich sitze hier rum, als würde ich meine Verhaftung erwarten, ja, ihr entgegensehnen. Aber das ist nicht so. In Ostfriesland bin ich, wenn ich mir einen dieser bösen Jungs vorgeknöpft hatte, gern ins Watt gegangen, um die Stille dort zu genießen. Die Totenstille.“ (Auszug Seite 112)

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist auf der Flucht, denn er wird als Serienkiller gesucht und ist derzeit vermutlich der gefährlichste Mann des Landes. Bis vor kurzem hat er noch eine Praxis als Hausarzt in Ostfriesland geführt, nun soll er wegen sechsfachen Mordes verhaftet werden. Sommerfeldt hat sich in Gelsenkirchen versteckt, kann es aber nicht lassen, nach Ostfriesland zu seiner Liebe Beate und in seine Heimat Franken zurückzukehren. Kann er unentdeckt bleiben?

Zweiter Teil der Dr. Sommerfeld-Reihe

Totentanz am Strand von Klaus-Peter Wolf ist der zweite Krimi um Dr. Sommerfeldt. Den ersten – Totenstille im Watt – habe ich nicht gelesen, aber das hat dem Vergnügen an diesem Buch aber keinen Abbruch getan. Der Autor ist ja vor allem mit den Ostfriesenkrimis um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen bekannt geworden und in dieser Reihe ermittelt sie auch gegen den Serienkiller, aber die Handlung wird in der Dr. Sommerfeld-Reihe aus Sicht des Täters geschildert, was ich sehr spannend finde. So trifft man hier quasi „alte Bekannte“ wieder, aber aus einer völlig neuen Perspektive.

Ein belesener Mörder

Der Protagonist ist mir trotz seiner Taten unglaublich sympathisch, denn er ist sehr belesen und interessiert sich für Literatur. Seinen Unterschlupf im Ruhrgebiet hat er so gewählt, dass er in unmittelbarer Nähe zu Bibliothek und Theater wohnt und überall in seinen vier Wänden liegen Bücher herum. Dabei bevorzugt er sowohl ältere Literaten wie Hans Fallada, als auch neue Romane von Nele Neuhaus und Sebastian Fitzek und ab und zu Gedichte.

Nur zur Hälfte Ostfriesland

Das Cover und der Titel suggerieren, dass es sich bei Totentanz am Strand wieder um einen Ostfriesenkrimi handelt: Leider ist der Handlungsort nur in maximal der Hälfte des Buches tatsächlich dort, was ich etwas schade finde. Aber an diesen Stellen werden, wie in allen anderen Büchern des Autors, bekannte Orte in Norden aufgezählt, wie das Café ten Carte, die es im echten Leben ebenfalls gibt und besucht werden kann. Diese Details finde ich sehr charmant.

Der Roman liest sich durch seine Ich-Form sehr flüssig und spannend und bleibt dabei authentisch. Die Taten werden plausibel geschildert, ohne allzu brutal dargestellt zu werden und sämtliche Überlegungen von Sommerfeldt sind für mich nachvollziehbar.

Vorschau auf Teil 3

Am Ende des Buches wird schon verraten, dass der neue Sommerfeldt im nächsten Jahr im Juni erscheint und ich freue mich drauf!

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Der Autor ist mit Bettina Göschel, einer Kinderliedermacherin, verheiratet, die er in seinen Büchern namentlich mit in die Geschichten einfließen lässt.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Totentanz im Watt | Erschienen am 22. Juni 2018 bei Fischer
ISBN 978-3-596-29919-5
400 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Teil 1 der Serie Totenstille im Watt sowie zu allen bei uns besprochenen Krimis von Klaus-Peter Wolf