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Sebastian Fitzek | Das Paket

Sebastian Fitzek | Das Paket

„Fast hätte ich es vergessen. Könnten Sie das hier für ihren Nachbarn annehmen?“
Salim hob ein etwa schuhkartongroßes Paket vom Boden auf, von dem Emma gedacht hatte, es wäre nicht für sie bestimmt, womit sie im Prinzip ja auch richtiglag.
„Für meinen Nachbarn?“ Ihre Knie begannen zu zittern, während sie die Konsequenzen zu begreifen begann, die diese ungeheuerliche Bitte nach sich ziehen würde, sollte sie so verrückt sein, darauf einzugehen.
Sie würde wie letztes Mal, als sie so freundlich gewesen war und die Bücherlieferung für die Zahnärztin entgegengenommen hatte, stundenlang in der Dunkelheit des Wohnzimmers sitzen, unfähig, etwas anderes zu tun, als ununterbrochen darüber nachzudenken, wann es passieren würde. Wann die Klingel die Stille zerreißen und den ungewollten Besuch ankündigen würde. (Auszug Seite 72)

Emma Stein ist Psychiaterin, hat eine Privatpraxis in Berlin und setzt sich für die Verbesserung der Rechtsstellung von Patienten in psychiatrischer Behandlung ein. Nach einem Kongress, bei dem sie eine Rede zu dem Thema, für das sie sich einsetzt, gehalten hat, übernachtet sie in einem Hotelzimmer. Dort wird sie vergewaltigt und ihr werden die Haare abrasiert. Nach diesem Muster wurden bereits weitere Frauen vor ihr überfallen, die Presse nennt den Täter den „Friseur“. Danach leidet Emma unter Wahnvorstellungen und Angstzuständen. Sie verschanzt sich in ihrem Haus und macht keinen Schritt mehr nach draußen. Dann bittet sie ihr Postbote ein Paket für einen Nachbarn einige Häuser weiter anzunehmen. Das Paket ist an A. Palandt adressiert, der Name sagt Emma gar nichts. Was steckt hinter dem Paket?

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Martin Krist | Märchenwald

Martin Krist | Märchenwald

Mitten in der Nacht wird Max von seiner Mutter geweckt. »Seid still«, sagt sie weinend, als sie den Zehnjährigen und seine vier Jahre alte Schwester Ellie in einen Wandschrank sperrt. »Geht zu Opa …«, hören die Kinder sie noch flüstern, dann fliegt krachend die Haustür auf. Ihre Mutter schreit. Ellie weint. Um sie zu beruhigen, erzählt Max ihr die Geschichte vom Märchenwald. Während Max und Ellie auf dem Weg zu ihrem Großvater sind, erwacht auf dem Alexanderplatz eine junge Frau blutüberströmt und ohne Gedächtnis. Im Wedding stehen die Mordermittler Paul Kalkbrenner und Sera Muth vor dem rätselhaftesten Fall ihrer Karriere. Und der Märchenwald birgt nichts Gutes.

Handlungsort ist Berlin. Die eigentliche Story beginnt damit, dass der neunjährige Max von seiner Mutter geweckt und aus dem Bett gezerrt wird – augenscheinlich droht Gefahr. Sie bringt ihn mit seiner kleinen Schwester in einer Kammer hinter einem Regal in der Küche in Sicherheit. Damit die Kleine zumindest einigermaßen die Ruhe bewahrt, tut sie so, als ob alles nur ein Spiel wäre und erzählt ihnen von einer Höhle in einem Märchenwald, in der sie sicher sind und dass am Ende alles gut wird. Nachdem sie die Türe der Kammer verschlossen hat, hört Max nur noch: „Und geht zu Opa… auf… Fall“. Danach vernimmt Max nur noch ein Krachen und einen Schrei seiner Mutter, dann ist alles still.

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Tor Even Svanes | Ins Westeis

Tor Even Svanes | Ins Westeis

„Dir passiert hier doch nichts, weißt du. Hure. Dir passiert nichts, worum du nicht selbst gebeten hast. Was du dir nicht selbst gewünscht hast. Das weißt du. Du bittest doch seit dem Moment darum, in dem du an Bord gekommen bist.“
Dann hört sie das feilende Geräusch des Schlüssels, der ins Schloss geschoben wird, und sie denkt an den über das Eis kratzenden Haken, kurz bevor er sich in weiches Gewebe rammt. (Auszug Seite 151)

Das Robbenfangschiff M/S Kvalfjord ist unterwegs zu den Fanggebieten in Grönland. Die Mannschaft besteht nur aus Männern – und Mari, eine junge Veterinärin, die im Auftrag der norwegischen Fischereibehörde die Robbenjagd beaufsichtigen soll. Als das Schiff am Bestimmungsort eintrifft und die Jagd begeht, stellt Mari schnell Verstöße gegen Tierschutz und Sicherheitsregeln fest. Doch der Kapitän ignoriert ihre Beschwerden und die ohnehin reservierte Haltung der Männer schlägt in offene Ablehnung und Psychoterror um.

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Liza Cody | Miss Terry

Liza Cody | Miss Terry

Aber Diane hatte es nicht eilig. „Sie sind doch Lehrerin, oder?“
„An der Midford-Grundschule.“ Nita fühlte sich unbehaglich. Das ging ihr bei persönlichen Fragen immer so.
„Ja, man erzählt sich, dass Sie über die Ferien gar nichts zu tun haben. Tigs und Joe gehen auf ihre Schule, stimmt’s? Diese lärmenden Blagen. Sie nennen Sie Miss Terry.“
„Tehri.“ Nita buchstabierte es für sie.
„War je klar, dass es so was Ausländisches sein muss. Aber nichts für ungut. Haben Sie nicht ein bisschen Angst, dass die Polizei auch mit Ihnen sprechen will?“
„Nein. Wieso denn?“
„Ach, was weiß ich, Immigrantenprobleme, Terrorismus.“ Ihre blassblauen Augen starrten Nita unschuldig an. (Auszug Seiten 9-10)

Nita Tehri ist eine junge Frau mit indischen Wurzeln. Nett, freundlich, hilfsbereit. Sie ist Lehrerin an einer Grundschule und lebt in einer Eigentumswohnung in der Guscott Road. Die Verballhornung ihres Namens in „Miss Terry“ erträgt sie stoisch. Doch als das Haus gegenüber saniert und ein Bauschutt-Container aufgestellt wird, landet auch allerhand privater Müll im Container. Eines Tages wird dort ein totes Neugeborenes mit dunklem Teint gefunden –– und Nita gerät sofort unter Verdacht.

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Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Kennt ihr den auch noch? Wenn ich als Kind früher ein wenig Hektik verbreitete, brachte meine Mutter öfters den Spruch: „Wir sind doch nicht wie Dr. Kimble auf der Flucht.“ Die legendäre Fernsehserie aus den 1960ern (die ich nie gesehen habe, erst die Neuverfilmung in den 90ern mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones) schaffte es sogar als Redewendung in den Sprachgebrauch. Überhaupt wird die Thematik Flucht und Verfolgung gern im Kriminalfilm und in der Kriminalliteratur genutzt, man denke nur an Ludlums Jason Bourne, Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“, Eric Amblers „Ungewöhnliche Gefahr“ oder James Gradys „Sechs Tage des Condor“. Das Fluchtmotiv bringt zumeist enormes Tempo und Dramatik in die Story. Außerdem bietet sich an, den Schauplätzen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Zwei aktuelle Vertreter des Genres lagen noch auf meinem SuB und bieten zwei ziemlich unterschiedliche Herangehensweisen. Richard Langes Angel Baby spielt in Tijuana und L.A. und ist ein ziemlich rasantes Stück Thriller („plotgetrieben“ sagt der Schneemann dazu), während Schaut nicht zurück von Wiley Cash im Osten der USA in North & South Carolina spielt und deutlich zurückhaltender an die Sache herangeht. Beide Romane sind allerdings hochdekoriert: Angel Baby wurde 2014 mit dem Hammett Prize ausgezeichnet, mit Schaut nicht zurück gewann Wiley Cash im gleichen Jahr den Dagger Award. Zeit für eine Doppelrezension.

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