Autor: Nora

Alexander Oetker | Château Mort

Alexander Oetker | Château Mort

Ein Krimi aus dem Médoc und aus Saint-Émilion.

Château Mort knüpft fast nahtlos an den Erstling aus dem vergangenen Jahr an, in Retour hatten Commissaire Luc Verlain und seine von ihm angehimmelte Kollegin Anouk Filipetti den Mord an einem jungen Mädchen aufgeklärt. Am folgenden Tag war Anouk nach Venedig aufgebrochen, wegen eines Trauerfalles, mehr wusste Luc nicht. Nun sind zwei Monate vergangen und per SMS kündigt sie Luc ihre Rückkehr für den kommenden Tag an. Der ist voller Vorfreude und macht seinen Freund Yacine neugierig auf die Frau, wegen der schlaflose Nächte hatte.

Yacine Zitouna, Sohn algerischer Einwanderer, wurde von Luc von der Straße weg in die Polizeiausbildung geholt, mittlerweile ist er Capitaine de Police bei der Pariser Mordbrigade, Lucs Kollege. Der hat sich gerade nach Bordeuax versetzen lassen, um bei seinem todkranken Vater sein zu können, den er gerade in einen Kurort zur Erholung gebracht hat. In diesem zweiten Roman Oetkers spielt er leider überhaupt keine Rolle. Ebenso übrigens wie Lucs baskischer Kollege Etxeberria, mit dem gemeinsam er die Brigade Criminelle Aquitaine leiten soll, solange er in Bordeaux ist. Wollte er anfangs lieber heute als morgen zurück in die Hauptstadt, so ist er inzwischen hin- und hergerissen zwischen seinem Alltag in der geliebten, quirligen Metropole und der Schönheit der Landschaften und dem ruhigen und guten Leben im Südwesten Frankreichs, wo er in einem kleinen Ort am Meer aufwuchs.

Yacine ist gerade zu einem kurzen Besuch über das Wochenende eingetroffen, um der Großstadt für ein paar Tage zu entfliehen, die wie ganz Frankreich unter einer Rekord-Hitzewelle stöhnt, und das Anfang September. Er will mit Luc in dessen Strandhütte, der Cabane seines Vaters, einem früherer Austernfischer, ein wenig entschleunigen, bei viel Bier und Wein, guten Gesprächen und noch besserem Essen. Die beiden lassen es tatsächlich gehörig krachen, mit den ersten Zeilen des Buches wachen sie mit einem Brummschädel am Strand auf. Dennoch müssen sie ran, die Polizisten haben sich als Freiwillige zur Verfügung gestellt, um als Streckenposten beim berühmten Marathon du Médoc zu fungieren, einem Riesenspektakel, bei dem rund 7500 Läufer auf die Strecke gehen, zum großen Teil in abenteuerlichen Kostümen und Verkleidungen. Der Kurs führt rund um Pauillac, vorbei an den schönsten Weinschlössern des Gebietes, und nicht nur daran vorbei: Die Läufer bekommen an den Verpflegungsständen vor den Châteaux tatsächlich Rotwein, wenn auch nur eine Probe in kleinen Bechern.

Am Vorabend des Ereignisses findet traditionell ein Nudelessen mir 1500 geladenen Gästen statt, das „Dinner Mille Pâtes“. Dieses Jahr richtet Lucs alter Freund, der Winzer Richard das Fest aus, und er bittet ihn, bei dieser Gelegenheit einem Konkurrenten auf den Zahn zu fühlen: Hubert de Langeville, ein alter, sehr renommierter Winzer, der sich zur Ruhe setzen will. Richard hat vor, dessen kleines Château in Saint-Émilion zu erwerben. Aber es kommt ganz anders, das fast schon perfekte Geschäft platzt, Hubert scheint im Gegenteil plötzlich expandieren zu wollen. Aber das Châtau Bordas, auf das er ein Auge geworfen hat, reizt offenbar auch andere Interessenten. Hubert, der sich prächtig mit Luc versteht, verspricht ihm, die Hintergründe am kommenden Tag nach dem Marathon zu erläutern. Dazu wird es allerdings nicht mehr kommen, denn während des Laufes passiert Dramatisches. Als Luc und Yacine am Stand von Richard eine Pause machen, gesellt sich plötzlich Anouk zu ihnen, die endlich zurück ist. Die Wiedersehensfreude ist groß, wird aber schnell getrübt: Nicht weit entfernt sind etliche Läufer kollabiert, aber nicht aufgrund der enormen Hitze. Der sous-préfet des Départements kann gerade noch wiederbelebt werden, für einen anderen kommt jede Hilfe zu spät. Es ist Hubert de Langeville.

Vergiftet mit einem Medikament, das offenbar in den Wein gemischt wurde, der als Probe an die Läufer ausgeschenkt wurde – ausgerechnet am Château von Richard! Und das aufgrund einer chronischen Krankheit Hubert zum Verhängnis wurde. Wer wusste von dieser Krankheit? Wer hatte ein Interesse an seinem Tod? Jetzt beginnen die verzwickten Ermittlungen, die sich nicht nur als schwierig herausstellen, sondern zuweilen auch heikel und delikat sind. Während Yacine zurück in sein Pariser Kommissariat muss, nehmen Luc und Anouk ihre bewährte Teamarbeit auf. Und geraten diesmal gehörig aneinander. Denn während immer mehr Indizien auf Richard, Lucs alten Freund hinweisen, weigert sich der, den Tatsachen ins Auge zu sehen und ermittelt fast im Alleingang in andere Richtungen. Ganz klassisch mit viel „Laufarbeit“ (Luc fährt einen alten Jaguar), mit Gesprächen, Befragungen, Verhören.

Wobei die Dialoge durchaus noch etwas lebendiger, abwechslungsreicher sein könnten. Wenn Oetker allerdings ins Erzählen gerät, zeigt sich seine Stärke mit wunderbar leichten, legeren Beschreibungen von Land und Leuten, der Besonderheiten in den Weinbauregionen um Bordeaux, ihrer sehr eigenen Schlossbesitzer, der Einwohner in den kleinen Städtchen, all das gelingt ihm so fließend, so flott, dass man die Seiten förmlich überfliegen kann. Wer sich ein wenig interessiert für die Welt der Winzer, den Weinanbau und -Handel, für die Entstehung der Cuvées und Gand Crus, der kommt auf seine Kosten bei einem Blick hinter die Kulissen der Branche – inklusive einer Schlossführung mit Weinprobe für Touristen, die fast schon eine Parodie ist. Wer „nur“ einen soliden Krimi erwartet, ist möglicherweise ein wenig enttäuscht, dafür ist Oetker an vielen Stellen zu ausführlich und genau, er hält sich gern an Einzelheiten auf. Besonders rückt er Lucs Liebesleben in den Mittelpunkt, der Frauenheld ist nämlich nicht nur verrückt nach Anouk, er hat noch zwei andere Eisen im Feuer, eine etwas fragwürdige Haltung, aber irgendwie nimmt man sie dem charmanten, sympathischen Kerl nicht übel.

Darüber plätschert der Mordfall eine Zeitlang dahin, Luc kommt der Lösung einfach nicht näher, zu viele mögliche Täter, zu viele offene Fragen. Der Filialleiter der Crédit Agricole weiß einiges, will aber nichts sagen, die Apothekerin verkörpert praktisch die Nachrichtenzentrale des Ortes, weiß aber nicht genug, was der Arzt weiß, lässt sich zunächst nicht prüfen, er ist verschwunden. Und manch einer weiß angeblich gar nichts. Lucs Ermittlungen sind langwierig aber nicht langweilig, so dass der Leser nicht ungeduldig wird, denn es bleibt jederzeit unterhaltsam. Auch weil wir es mit einem sehr geschickt zusammengestellten Personal zu tun haben. Die interessanten, faszinierenden Figuren sind allesamt sehr lebendig, greifbar, echte Typen, die zum Teil sehr grob geschnitzt, ein wenig überzeichnet und doch absolut echt sind, zum anderen aber treten Akteure auf, die durch eine sehr feine und empfindsame Ausgestaltung und Charakterisierung anziehen.

Der Aufbau des Romans gleicht dem Debüt, 54 Kapitel spiegeln die Ereignisse zwischen Vendredi, Freitag bis zum Sonntag der kommenden Woche, Dimanche. Eine recht kurze Zeitspanne, in der auch nicht sehr viel passiert, ein Mord und recht zähe Ermittlungen, ansonsten viel Privates und Persönliches, auch Pikantes und Peinliches aus der feineren Gesellschaft. Ja, Luc und seine Mitstreiter verteilen wieder Seitenhiebe auf die Politiker und die Politik, auf die Eliten und die sogenannte High-Society. Das macht Spaß und lockert den raffinierten, nicht so leicht zu durchschauenden Plot auf, der schließlich noch sehr spannend wird bis Luc endlich ein Licht aufgeht und die etwas überraschende Aufklärung des Falles gelingt. Ein paar Rätsel bleiben aber und werden wohl im kommenden Jahr in Oetkers nächstem Krimi gelöst. Dann erfahren wir auch, wie es weitergeht mit Luc und seinen Frauen,

Auch diesmal haben mir das Cover und vor allem die schönen Karten auf den Innenseiten des Einbands gefallen, wobei ausgerechnet hier ein fataler Rechtschreibfehler zu beklagen ist. Der zweite Roman von Alexander Oetker ist für mich eine Steigerung!

Anmerkung: In diesem Jahr findet der 34. Marathon du Médoc am Samstag, den 8. September 2018 unter dem Motto: „La Fête Foraine“ (Ein Jahrmarkt) statt.

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Château Mort | Erschienen am 14. März 2018 bei Hoffmann & Campe
ISBN 978-3-455-00076-4
336 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Kurts Rezension zum 1. Band der Reihe Retour.

6. Mai 2018

Alexander Oetker | Retour

Alexander Oetker | Retour

Ein Krimi im Aquitaine (und in Paris)

Retour von Alexander Oetker ist ein recht schmales Buch, auf gerade 260 Textseiten wird die Geschichte um ein Verbrechen im schönen Médoc erzählt, unterteilt in 32 Kapitel, die ihrerseits zusammengefasst sind in 5 Teilen, überschrieben mit den französischen Namen der Wochentage von Lundi bis Vendredi, Montag bis Freitag, und Titeln wie „So viele Fragen“ oder „Alte Liebe“. Das letzte kurze Kapitel, „Neue Liebe?“ spielt dann am Samedi, aber dieser Samstag bietet nur noch einen friedlichen Ausklang und einen Ausblick auf den nächsten Band der Verlain-Reihe, die Gewalttat ist in den vorangegangenen fünf Tagen bereits aufgeklärt worden.

Der Plot ist folgerichtig nicht besonders kompliziert oder komplex, Oetker beschreibt einen einfachen, überschaubaren Fall, den Mord an Caroline Derval, einem jungen Mädchen, das erschlagen am Strand aufgefunden wurde. Am Strand von Lacanau-Océan in der Nähe von Bordeaux. Ein Mord, kaum dass Luc Verlain im Aquitain angekommen ist, der Commissaire der Police Nationale hat sich auf eigenen Wunsch in seine alte Heimat versetzen lassen, um bei seinem schwer kranken Vater sein zu können.

Als junger Polizist war Luc von hier geflohen, er hielt es nicht mehr aus in den Dörfern seiner Kindheit und Jugend, mit ihrer provinziellen Enge, der Spießigkeit, gegen die er sich auflehnte, die Arroganz des Bürgertums in Bordeaux, die er verachtete, ihr zur Schau gestellter Reichtum, hier hatte er nicht länger leben können. Er will auch jetzt so schnell wie möglich wieder weg, aber er wird auf unabsehbare Zeit bleiben müssen. Sein erster Weg führt ihn ins Hôtel de Police, das Hauptquartier der Police Nationale. Von den alten Kollegen ist niemand mehr da, aber sein ehemaliger Ausbilder, inzwischen Divisionsleiter, Commandant Preud´homme, nimmt ihn herzlich in Empfang und stellt ihm das Team der Brigade Criminelle Aquitaine vor, der Sondereinheit für Kapitalverbrechen: Brigadier Hugo Pannetier, der lange bei der Spezialpolizei CRS gedient hatte, Commissaire Etxeberria, ein Baske, der die Abteilung nun gleichberechtigt mit Luc leiten wird, und Commandante Anouk Filipetti.

Luc verliebt sich auf den ersten Blick in die hübsche, charmante, kluge Kollegin und es stellt sich schnell heraus, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Wie selbstverständlich bilden sie ein Team, während Etxeberria mit Pannetier zusammenarbeitet. Und seine Arbeitsmethoden erweisen sich als äußerst fragwürdig, und so gerät er bald mit Luc aneinander. Der Baske ist eine der wenigen unangenehmen Figuren in Oetkers Personal, das ansonsten fast durchweg mit sympathischen, ja liebenswerten Charakteren – auch bei einigen Nebendarstellern – aufwartet, die ihren klug platzierten Einsatz bekommen. Sie zu zeichnen gelingt dem Autor ausgesprochen gut, der Leser hat dank der genauen, einfühlsamen Beschreibung ein sehr lebendiges Bild der Personen und ihrer Persönlichkeit, die einigermaßen überschaubare Schar der Handelnden vermag uns Oetker vorzüglich nahe zu bringen.

Weniger zufrieden war ich mit der Erzählweise Oetkers, da hätte ich mir doch eine etwas nuanciertere Wortwahl gewünscht, einen etwas eloquenteren Stil. Es wird ständig gegrinst, nicht gefeixt, geschmunzelt, gelächelt, gekichert oder gelacht, da werden keine Mundwinkel hochgezogen, da zwinkert man sich nicht zu oder was noch alles möglich wäre, nein, man grinst. Es ist eine sehr einfache Diktion, vor allem die Dialoge bleiben in der Regel umgangssprachlich, salopp, zwang- und formlos, was immerhin gut zu den Figuren passt, die (fast) alle harmonisch und unbefangen miteinander umgehen. Das alles liest sich unkompliziert, leicht und mühelos, auch wenn es ein paar Längen gibt, langweilig wird das Buch nie.

Und das, obwohl die Ermittlungsarbeit sehr detailliert, fast akribisch genau geschildert wird, mit all ihren zeitraubenden und häufig ergebnislosen Befragungen und Verhören. Viel Energie wird verwendet auf die Verfolgung falscher Spuren, die ein wenig vorhersehbar in die Irre führen. Dabei gibt es früh einen Hauptverdächtigen, und Etxeberria, der mit Sturheit und Starrsinn seine eigene Linie im Alleingang verfolgt, lässt unter großem Aufsehen den ehemaligen Freund des Mordopfers verhaften, den jungen Algerier Hakim. Für den selbstherrlichen und selbstgerechten Basken, der nicht zum ersten Mal mit Luc aneinander gerät, steht der Täter fest, und erst recht für den Vater Caros, der in seinem kleinen Heimatort ziemlich einflussreich ist und offen seine Sympathie für den Front Nationale der Marine Le Pen bekundet. Als Hakim wieder freigelassen werden muss, organisiert er eine Art Bürgerwehr und ruft zur Lynchjustiz auf. Rassismus und Fremdenhass sind offenbar auch in dieser schönen Gegend weit verbreitet, und Luc positioniert sich offen und vehement für die gerechte Sache und gegen die Rechten. Mir gefällt gut, dass Oetker (oder seine Figuren) an dieser und nicht nur an dieser Stelle eindeutig Stellung bezieht.

So kommt es nach zwei Dritteln des Romans zum eigentlichen Höhepunkt des Plots, einer höchst spannenden, dramatischen und tragischen Szene. Aber selbst nach dem größten Tumult bleibt Oetker bei seiner Linie und Luc sich selbst treu: es ist wieder Zeit für ein wenig Müßiggang, es wird geflirtet und geschäkert, vor allem aber gegessen und getrunken. Ausführlich lässt uns der Autor, bekennender Frankreich-Liebhaber und Anhänger des Savoir-Vivre, teilhaben an den Genüssen, denen sich Luc und Anouk hingeben, beschreibt eingehend, was auf den Tisch und ins Glas kommt. Und noch etwas schafft er meisterhaft: Die wunderbaren Landschaften des Aquitaine zu schildern, vor allem das Meer, den Ozean im Golfe de Gascogne, der Biskaya, Wind und Wellen, endloser weißer Sand, kilometerweit das Grün der Bäume und das Blau des Himmels, das es so nur am Atlantik gibt. Luc freundet sich langsam wieder mit der Landschaft seiner Kindheit und mit alten Bekannten an, auch wenn die Geschäfte über Mittag geschlossen sind und kein Tabac seine geliebten Parisienne-Zigaretten führt.

Die Jagd nach dem Täter aber führt Luc zurück nach Paris, ein schöner Einfall des Autors, die stark kontrastierenden Schauplätze und neues Personal machen den Plot kurzweiliger und interessanter. Im Kommissariat Mord 2 gibt es ein Wiedersehen mit seinem Freund und Kollegen Brigadier Yacine Zitouna, eine weitere schillernde, ausgesprochen liebenswerte Figur, der keinen Hehl aus seiner Herkunft als Kleinkrimineller aus den trostlosen Banlieus macht. In diesen Kapiteln können wir eintauchen in die so ganz andere Atmosphäre der lauten, rastlosen Hauptstadt. Die beiden Ermittler bekommen es mit einer Familie der oberen Zehntausend Frankreichs zu tun, die entsprechend blasiert und hochnäsig daherkommt und alle geläufigen Klischees bedient, mit entsprechenden Reaktionen vor allem von Yacine.

Das ist vielleicht ein wenig zu schlicht erzählt, überhaupt ist der Roman sprachlich nicht in allen Teilen auf höchstem Niveau, es finden sich einige handwerkliche Mängel, der bisherige Journalist Oetker wirkt da als Romanautor noch etwas unbeholfen. So wirkt der Schluss ein wenig zusammengestoppelt, die Geschichte plätschert dem Ende entgegen, der Kriminalfall ist schon fast vergessen und im Mittelpunkt stehen Lucs Liebeleien.

Es sind nämlich seine Affären, die den Frauenschwarm charakterisieren, so wie seine Liebe zu gutem Essen, ausgezeichneten Weinen, seine unvermeidlichen Zigaretten und sein Hang zum Rasen mit dem alten blauen Jaguar XJ6 – man gönnt sich ja sonst nichts! In Paris hat er seine „offizielle“ Partnerin Hélène zurückgelassen, in seiner alten, neuen Heimat landet er bald im Bett mit Cecilia, einer Surflehrerin, die ihn nach vielen Jahren wieder auf ein Brett stellt, nachdem ein traumatisches Erlebnis (mit seiner damaligen Freundin) ihm das Surfen verleidet hatte. Und nun auch noch Anouk, und es scheint, als könnte dies eine dauerhafte Beziehung werden. Vorläufig werden die zwei ja zumindest als Ermittler ein Paar bleiben, obwohl beide nicht vorhaben, auf Dauer im Aquitaine zu bleiben. Ihren ersten gemeinsamen Fall haben sie erfolgreich gelöst, wenn auch nicht besonders souverän, und letztlich ist es ein Geistesblitz, eine Eingebung, die zum Täter führt, aber der Plot ist insgesamt stimmig und folgerichtig, die Motive der Handelnden immerhin nachvollziehbar.

Sehr gut gefallen haben mir das Cover und vor allem die schön gestalteten Karten von Stefanie Bokeloh, die die Innenseiten des Umschlags schmücken, kritisieren muss ich allerdings die Lektorin: Einige Schnitzer des Autors und mindestens ein ganz peinlicher Rechtschreibfehler sind ihr durchgegangen.

Alles in allem ein gelungenes Debüt von Alexander Oetker, der bei allen kleinen Schwächen Lust auf mehr macht.

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Retoure | Erschienen am 24. April 2018 bei Atlantik im Verlag Hoffmann & Campe
ISBN 978-3-455-00349-9
288 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

4. Mai 2018

Declan Burke | Eight Ball Boogie

Declan Burke | Eight Ball Boogie

Der Begriff „Screwball“ kommt ursprünglich aus dem Baseball und hat sich in der englische Umgangssprache durchgesetzt. Ein Screwball ist demnach eine exzentrische, skurrile Person. Auch ein Filmgenre wurde danach benannt. In der Screwball-Komödie taucht in der Regel mindestens eine solche skurrile Person als Hauptdarsteller oder Hauptdarstellerin auf und zeichnet sich laut Wikipedia „durch hohe Dialoglastigkeit, feinen und intelligenten Wortwitz, ein rasantes Tempo und eine raffiniert konstruierte Handlung aus“.

Warum ich das alles erzähle?Weil der Stil von Autor Declan Burke von vielen Rezensenten als „Screwball Noir“ bezeichnet wurde. Und das ist durchaus nachzuvollziehen. Übrigens gibt es zahlreiche Paralleln zwischen screwball comedy und film noir, beide sind ungefähr zur gleichen Zeit in den 1930ern/1940ern populär geworden.

Man stelle sich diese skurrilen Hollywood-Komödien vor, transportiere sie in den Nordwesten Irlands und füge eine nicht unerhebliche Menge Alkohol, Betäubungsmittel und Schusswaffen hinzu. Voilá! Eight Ball Boogie ist der Debütroman des irischen Autors aus dem Jahr 2003. Seine späteren Romane The Big O und Absolute Zero Cool wurden bereits ins Deutsche übersetzt. Burke betreibt übrigens auch die interessante Krimiwebsite Crime always pays. Doch worum geht’s in Eight Ball Boogie?

„Na gut“, sagte er. „Das ist Plan A. Und was ist, wenn sie nicht darauf eingehen?“
„Dann überleg ich mir was anderes.“
„Und das ist alles?“, fragte er ungläubig.
„So ziemlich.“
„Scheiße. Scheißescheißescheißescheißescheißescheiße.“ […]
„Du willst das wirklich tun?“
„Ich tu nichts, es tut mich. Ich bin bloß der Beifahrer.“ (Auszug Seite 212)

Harry Rigby ist Privatermittler und verkauft auch gerne pikante Storys an die Boulevardpresse. Er führt eine komplizierte Beziehung zu seiner Freundin Denise und seinem vierjährigen Sohn Ben, das Geschäft könnte auch besser laufen. Da wird die Ehefrau eines bekannten Politikers ermordet und Rigby erhält zeitgleich den Auftrag eines windigen einheimischen Geschäftsmannes, dessen Frau auszuspionieren. Und Rigby findet schnell heraus, dass die Ehefrau offenbar etwas mit dem verwitweten Politiker hatte.

Aber das sind nur die ersten Elemente, denn getreu dem Screwball-Genre geht es in der Folgezeit ziemlich turbulent und abwechslungsreich zu. Und Harry ist über weite Strecken tatsächlich nur ein Getriebener in diesem Plot. Irgendwann wird klar, dass es hier irgendwie um Drogen geht, aber wer wie da jetzt mit drin hängt, ist schwer zu beurteilen (ein wenig auch nach Beendigung des Buches). Die örtlichen Polizeikräfte rücken Harry auf die Pelle, die freie Journalistin Katie verdreht ihm etwas den Kopf. Zur Krönung taucht auch Harrys Bruder Gonzo nach vier Jahren Funkstille auf der Bildfläche auf. Mit seinem Bruder verbindet Harry so etwas wie eine Hassliebe, wobei die Betonung eher auf der ersten Silbe liegt.

Harry führt als Ich-Erzähler durch den Roman. Das ist ungemein praktisch, da der Leser genauso oft auf dem falschen Fuß erwischt wird wie Harry. In den besten Momenten liest sich das Buch wie die Vorlage zu einem frühen Guy-Ritchie-Film, aber es gibt auch Phasen, in denen ich einfach nur noch verwirrt war, wohin sich die Nummer jetzt wieder hin entwickelt hat. Doch alles in allem war ich schon zufrieden, wenn auch nicht begeistert. Declan Burke spart nicht an hartgesottenen Zutaten. Hier gibt es eine Menge schräger Typen in knackigen Dialogen und einem rabenschwarzen Plot. Und das sorgt auf jeden Fall nicht für Langeweile.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Eight Ball Boogie | Erschienen am 5. März 2018 bei Edition Nautilus
ISBN 978-3-96054-068-7
272 Seiten | 18.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Declan Burkes Website crimealwayspays.blogspot.de 

2. Mai 2018

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesenfluch

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesenfluch

„Überhaupt lief einiges anders, als er es sich vorgestellt hatte. In seiner Phantasie gingen die Familien aufeinander los, sobald jemand verschwand. Vorwürfe und Verdächtigungen würden das brüchige Band des Zusammenhalts brechen lassen. Am Ende, so hatte er gehofft, ja, geglaubt, würden die Frauen ihm dankbar sein, weil er ihnen die Augen geöffnet hatte. (Auszug Seite 345)

Neben einem Rapsfeld direkt am Deich wird eine Leiche gefunden. Es handelt sich um Angela Röttgen, Ehefrau und zweifache Mutter, die vor einigen Wochen spurlos verschwunden ist. Aufgrund der Berichterstattung der Presse von den Ermittlungen in diesem Fall, für den unter anderem Ann Kathrin Klaasen und ihr Mann Frank Weller zuständig sind, meldet sich ein weiterer Ehemann, dessen Frau auf einmal nicht mehr nach Hause gekommen sei. Dann tauchen Päckchen mit den Klamotten auf, die die Frauen zuletzt getragen haben. Und das ist erst der Anfang…

Klaasen & Weller

Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller sind nicht nur Kollegen, sondern seit einigen Jahren auch verheiratet. Beide bekommen Beruf und Alltag ganz gut in den Griff, wie ich finde, obwohl es in einem laufenden Fall natürlich schwierig ist, sich Zweisamkeit zu nehmen. Ann Kathrin hat einen speziellen, aber auch erfolgreichen Ermittlungsstil, der bis über die Grenzen von Ostfriesland bekannt sind. So legt sie sich auch schon mal nackt ins Rapsfeld, um die Stimmung der Opfer nachzuempfinden oder „spricht“ mit dem Tatort.

Viel Inhalt

Ostfriesenfluch von Klaus-Peter Wolf ist nun schon der zwölfte Fall von Ann Kathrin Klaasen. (Sieben davon haben wir übrigens rezensiert: klick) Diese Geschichte ist ziemlich energiegeladen und es passieren viele Dinge, so dass es auf keiner Seite langatmig wird. Es kommt zu Schießereien und Geiselnahmen, zu Verdächtigen, die nichts mehr zu verlieren haben, zu Fluchtversuchen, die sehr vielversprechend beginnen, dann aber doch scheitern, zu Verfolgungsjagden. Und das alles mehrfach auf nicht mal 500 Seiten. Puh, mir ist das fast etwas viel Inhalt, auch wenn ich immer gut mitgekommen bin. Ich war eher so auf entspannte und klassische Ermittlungsarbeit eingestellt. Hat aber den Vorteil, dass es wirklich nicht langweilig wird.

Hauptkommissare

Bei den handelnden Personen bin ich etwas zwiegespalten. Ann Kathrin ist mir grundsätzlich sympathisch und ich bewundere, dass sie ihre teilweise andersartige Ermittlungsarbeit so stark verteidigt und sich mit dem Erfolg auch Respekt erkämpft hat, aber gerade das finde ich auch etwas weit hergeholt. Sie bekommt Hilfe bei ihrem ehemaligen Chef, wenn sie nicht weiterkommt und ist im Grunde die Hauptakteurin im Kommissariat. Mit Frank Weller kann ich mich am meisten identifizieren. Er ist ruhig, behält den Überblick und holt seine Frau immer wieder zurück in die Realität. Außerdem ist er Krimi-Leser. Rupert, ebenfalls Hauptkommissar, ist nicht der schlauste, spielt sich aber gern so auf und denkt er ist der Frauenschwarm schlechthin. Er war mir an einigen Stellen etwas zu nervig. In Krisensituationen wird im Kommissariat, weiterhin nach Tradition des ehemaligen Leiters, ein Marzipan-Seehund geschlachtet. Der Verzehr beruhigt die Nerven.

Besonders schön ist die beschriebene Landschaft und ich bleibe mit etwas Meer-Weh zurück!

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Der Autor ist mit Bettina Göschel, einer Kinderliedermacherin, verheiratet, die er auch in diesem Buch namentlich mit in die Geschichte hat einfließen lassen. Am Ende des Buches wird verraten, dass Ann Kathrins neuer Fall im Februar 2019 erscheint.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Ostfriesenfluch | Erschienen am 8. Februar 2018 bei als Fischer Taschenbuch
ISBN 978-3-596-03634-9
512 Seiten | 10.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: bisherige Rezensionen von Wolfs Romanen auf krimirezensionen.de

30. April 2018

Henry Kolarz | Die Gentlemen bitten zur Kasse ♬

Henry Kolarz | Die Gentlemen bitten zur Kasse ♬

Dickes Ding – kein Job für Kaninchen

Am 8. August 1963 ging in Großbritannien der wohl spektakulärste Postzugraub aller Zeiten über die Bühne. Nach generalstabsmäßiger Planung und Durchführung brachte es den Tätern die Rekordsumme von über zwei Millionen Pfund ein. Und es war ausgerechnet der schmächtige, armselige Twinky, der in einem Pub in Whitechapel dem stets sorgfältig gekleideten Archibald Arrow die folgende Idee unterbreitete:

Täglich werden mit dem Postzug ihrer königlichen Majestät von England größere Mengen abgenutzter, nicht notierter Scheine im Werte von ca. zwei Millionen Pfund von Glasgow nach London gebracht, um dort vernichtet zu werden. Während der neunstündigen Fahrt sind keine Reisende an Bord, nur Pakete und Briefe sowie siebzig bis achtzig Mann unbewaffnetes Personal. Für seinen Tipp beansprucht Twinky einen Anteil von 10 %.

Der sieben Mal vorbestrafte Arrow, Inhaber eines Friseursalon ist erst skeptisch, dann zieht er den Ganoven Michael Donegan ins Vertrauen. Dieser wird von allen nur „der Major“ genannt. Sein Antiquitätengeschäft, dass er zusammen mit seinem Schwager Geoffrey Black führt, hat einen guten Ruf und die wenigsten Kunden wissen, dass er bereits drei Mal im Gefängnis saß. Er ist ein großer Stratege, der sich nicht mit kleineren Diebstählen abgibt. Denn eins ist klar: Der Postzugraub „…ist ein dickes Ding und kein Job für Kaninchen!“

Archy und der Major stellen eine Bande zusammen und die illustre Runde trifft sich im East End Club. Dabei sind unter anderen Harry McIntosh, der sich mit der Herstellung von falschen Portraits für Touristen über Wasser hält. Weiter Ronald Cameron, ein ehemaliger Funker und Bankräuber, dann Andrew Elton, nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt als Buchmacher auf der Hunderennbahn tätig. Patrick Kinsey ist Perückenmacher und der immer gut gekleidete Thomas Webster, Teilhaber eines Wettbüros. Zum Schluss noch George Slowfoot, ein Rennfahrer mit den Allüren eines Playboys und vielen Vorstrafen.

Die Truppe braucht noch einen Spezialisten, der sich mit Eisenbahnsignalen auskennt. Donegan erfährt durch Mona, einer alten Freundin, der er viel zu verdanken hat, von dem Elektriker Walter Lloyd. Da dieser zu den Fulham Boys gehört und das keine gute Gegend ist, lässt der Major ihn durch einen Privatdetektiv checken. Dabei stellt sich raus, dass Lloyd ein ordentlicher Mann mit nur drei Vorstrafen wegen Einbruchs ist. Der einzige Haken dabei ist, dass er neben einem vollen Anteil noch zwei seiner Leute, nämlich seinen Schwager Alfred Frost und Arthur Finegan, mit ins Geschäft nimmt.

Betriebskapital muss her

Um Streitigkeiten zu vermeiden, wird vereinbart, dass für den Job und alle Vorbereitungen „der Major“ das Sagen hat, für alles Weitere ist dann Archy der Boss. Die Gentlemen benötigen ca. 50.000 Pfund für die Vorbereitungen und so wird ein älterer Plan in die Tat umgesetzt. Der Gehaltstransport der Airport- Angestellten soll auf dem kurzen Weg von der Bankfiliale zu dem Bürogebäude am Londoner Flughafen überfallen werden. So macht sich eines Morgens um 9 Uhr eine kleine Mannschaft mit acht Mann, Slowfoot am Steuer, mit falschen Schnurrbärten, Bartkoteletten und Perücken auf den Weg. Alles läuft wie am Schnürchen. Kurz vor dem Überfall ziehen sich alle Strumpfmasken über den Kopf. Die uniformierten Wachleute werden überrumpelt, die Geldkassette an sich genommen und Augenzeugen mit Regenschirmen bedroht. Unglücklicherweise gibt der gekränkte Twinky, nachdem er einen Vorschuss nicht bekommt, anonym einen Tipp an die Polizei. Danach haben die Gentlemen vor Scotland Yard keine Ruhe mehr, es kann Ihnen aber nichts bewiesen werden.

Der große Plan

Die Gentlemen beginnen mit der Ausarbeitung der Details anhand einer genauen Abbildung einer Modelleisenbahn in Kinseys Keller. Der Plan sieht vor, die Lok mit dem Geldwaggon vom Rest des Zuges abzuhängen. An einer Brücke soll der Geldwaggon aufgebrochen und blitzschnell entladen werden. Lloyd findet einen alten Rangierlokführer, dem er weismacht, es ging um eine Wette und dieser zeigt ihm die nötigen Handgriffe, um die Waggons auseinanderzukoppeln.

Bis zum Überfall müssen sich alle unauffällig verhalten und für den Tag einwandfreie Alibis besorgen. Arrow kauft ein einsames Landhaus in der Nähe von Oakley, wo die vierzehn Männer sich ungestört bei blickdichten Vorhängen aufhalten können. Tag und Nacht werden Handschuhe getragen und der Major verbietet allen den Gebrauch von Schusswaffen. Cameron beschafft, das heißt, er stiehlt, zwei Range Rover und einen 3-Tonner.

Die Weichen sind gestellt

Niemand ahnt, dass an diesem Tag ein ungewöhnlich hoher Betrag auf die Reise geschickt wird. Mit Walkie-Talkies, in Drillich-Anzügen und Wollmützen über dem Kopf machen sich die Männer auf den Weg. Lloyds Aufgabe ist es, die Telefondrähte zu den Farmhäusern abzukneifen und das Signal umzustellen.

Als der Postzug kurz an der Signalbrücke stoppt, springen sie mit Eisenstangen hervor und überwältigen das Personal. Der sich heftig wehrende Lokführer muss niedergeschlagen werden und wird dann gezwungen, die Lok bis zur Brücke zu fahren. Mit Brechstangen wird die verschlossene und versiegelte Waggontür geöffnet. Die Postsäcke werden auf den 3-Tonner geladen und dann fahren die drei Wagen ohne Licht davon.

Fazit:

Hier endet das 50-minütige Hörspiel und man erfährt nichts über die weiteren Vorkommnisse. Sind die Gentlemen davongekommen? Das Hörbuch nach einer Bearbeitung von Hörspielregisseur Sándor Ferenczy ist sehr komprimiert und hätte für mich noch länger gehen können. Trotzdem wird sehr flott und nachvollziehbar über den tatsächlich größten Zugraub der britischen Kriminalgeschichte berichtet. Ich habe den Inhalt des kurzweiligen Hörbuchs sehr ausführlich wiedergegeben, damit man einen kleinen Eindruck von der Sprache bekommt.

Das Hörspiel, nach einem Bericht des Sternreporters Henry Kolarz im Jahr 1968 konzipiert, hat nichts von seinem Charme verloren und kommt ohne große Brutalitäten aus. Das ist sicherlich dem Stil der kultivierten Gentlemen-Gangster geschuldet. Der Hörer lauscht abwechselnd einem Erzähler, der durch die Geschichte führt und dem Blickwinkel des Hauptakteurs Donegan, der rückblickend seine Geschichte schildert. Neben der Untermalung mit Geräuschen und dem für die damalige Zeit typisch reduzierten Soundtrack punktet der Krimi mit viel Humor in den Dialogen, die das Hörspiel sehr lebendig machen und dem Hörer das Gefühl geben, mit dabei zu sein.

Unter anderen spricht Horst Tappert den kühlen Strategen „Major“. Bevor Tappert international als Oberinspektor Stephan Derrick bekannt wurde, hatte er seinen Durchbruch bereits 1966 im Fernsehen mit Die Gentlemen bitten zur Kasse (Trailer). Der legendäre Krimi-Dreiteiler ist genau wie das Hörspiel an die wahren Begebenheiten des Postzugraubs angelehnt.

Randnotizen

Der „Major“, in der Realität Bruce Reynolds, hielt sich nach mehreren Gefängnisaufenthalten als Buchautor und mit Interviews über Wasser und überreichte 1998 den Fernsehpreis „Telestar“ an seinen deutschen Darsteller Horst Tappert. Er verstarb 2013, genau wie der für mich bekannteste Postzugräuber Ronald Biggs, der im Hörbspiel durch Arthur Finegan, einen der Fulham Boys dargestellt wird.

Funfact: Der Tag des legendären Postraubzugs, der 8. August 1963, war Ronald Biggs 34. Geburtstag!

AdR: Die Bande erbeutete £ 2.631.684. Das sind nach heutigem Wert etwa 49 Millionen Pfund Sterling bzw. 56 Millionen Euro!

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Die Gentlemen bitten zur Kasse | Produktionsjahr: 1968
Die aktuelle Hörbuchausgabe erschien am 9. Februar 2018 bei DAV Der Audio Verlag
ISBN 978-3-7424-0451-0
1 Audio-CD | 8.95 Euro
Laufzeit: 50 Minuten
Bibliografische Angaben & Hörprobe

28. April 2018