Kategorie: Regionalkrimi

Anette Hinrichs | Nordlicht – Die Tote am Strand Bd. 1

Anette Hinrichs | Nordlicht – Die Tote am Strand Bd. 1

„Wenige Sekunden später landete die Drohne sicher neben ihm im Sand. Erst jetzt sah er Lasse an. Im Gesicht des Freundes spiegelte sich seine eigene Angst. Schnell wandte er den Blick wieder ab. Er nahm sein Handy aus der Halterung am Controller, spulte am Display die Filmsequenz zurück und zoomte das Bild heran.
Die Person lag mit dem Rücken im Wasser, die Beine ausgestreckt im Sand. Jeans. Ein dunkler Parka. Schlammverschmiert. Schulterlange Haare von undefinierbarer Farbe. Kleine Wellen spülten Schaumkronen über ein blasses Gesicht.“ (Auszug Seiten 15 und 16)

Am Strand der deutsch-dänischen Küste wird eine weibliche Leiche gefunden. Es handelt sich um Liva Jørgensen, die vor 12 Jahren als vermisst gemeldet wurde. Die ersten Recherchen ergeben, dass sie sich jahrelang in Deutschland unter falschem Namen aufgehalten hat. Deshalb wird für die Ermittlungen eine Sondereinheit im Zentrum in Padborg gebildet, die von Vibeke Boisen aus Flensburg und Rasmus Nyborg aus Esbjerg geleitet wird. Es gilt herauszufinden, wer Liva umgebracht hat und was damals wirklich geschehen ist.

Die Protagonisten

Vibeke Boisen ist Mitte dreißig und frisch von Hamburg nach Flensburg gezogen, zurück zu ihrer Familie. In Flensburg hat sie die Stelle als Leiterin der Mordkommission übernommen und zusätzlich zu dem Fall um Liva und der ersten Zusammenarbeit mit Rasmus, beschäftigt sie noch die Renovierung ihrer neuen Wohnung, ihr Vater, der im Koma liegt und ihre neuen Mitarbeiter in Flensburg. Rasmus ist zehn Jahre älter, hat gerade einen Schicksalsschlag hinter sich und versucht privat wieder auf die Füße zu kommen.

Typische Ermittlungsarbeit

Nordlicht – Die Tote am Strand von Anette Hinrichs ist der erste Fall des deutsch-dänischen Ermittlerteams Boisen & Nyborg. Das Thema der Geschichte, also was die vermissten Liva in den Jahren in Deutschland gemacht hat und wie es dazu kommt, finde ich interessant. Außerdem ist für mich ein ganz großer Pluspunkt die Küsten-Kulisse und auch einige Einblicke in das dänische Leben habe ich gern gelesen. Ansonsten handelt es sich um einen typischen Kriminalroman, in dem es vordergründig um die Ermittlungen geht, mit allem was dazu gehört: Recherchen, Zeugenbefragungen, Überlegungen, falschen Spuren. Die Privatangelegenheiten der beiden Protagonisten werden meiner Meinung nach zwischendurch in genau richtigen Dosen erzählt, also man erfährt etwas von ihnen, es überschattet aber nicht die komplette Arbeit.

Flacher Spannungsbogen

Der Spannungsbogen ist mir ab dem zweiten Drittel etwas zu flach, mich hat zwischendrin die Leselust etwas verlassen. Die Geschichte liest sich durchgängig flüssig, aber eben nicht so spannend, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Auch das Ende ist nicht wahnsinnig nervenaufreibend. Es gibt einen Höhepunkt, der aber nicht überdramatisiert wird, was ich gut finde.

Boisen & Rasmus & das Team

Die beiden Protagonisten sind mir grundsätzlich sympathisch, aber irgendwie sind sie auch recht typisch: Jeder hat sein Päckchen zu tragen, Vibeke ist eher überkorrekt und hält sich an alle Vorschriften und Rasmus ermittelt unkonventioneller, allerdings auch nicht völlig kopflos. Schön finde ich das Team hinter den beiden, sie sind alle sehr verschieden und am Anfang hatte ich den Eindruck, dass da ja wirklich ein bunter Haufen zusammengewürfelt wurde, aber im Laufe der Recherchen stellt sich heraus, dass zwar jeder seine Eigenarten hat, aber die dem Fall zugute kommen.

Fazit: Irgendwie nichts Neues, aber dennoch ein solider Krimi, mit dem man nichts falsch macht.

Anette Hinrichs ist als geborene Hamburgerin ein echtes Nordlicht. Ihre Leidenschaft für Krimis wurde im Teenageralter durch Agatha Christie entfacht und weckte in ihr den Wunsch, eines Tages selbst zu schreiben. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie im Raum München. Ihre Sehnsucht nach ihrer alten Heimat lebt sie in ihren Küstenkrimis und zahlreichen Recherchereisen in den hohen Norden aus.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Nordlicht – Die Tote am Strand | Erschienen am 15. April 2019 bei Blanvalet
ISBN 978-3-7341-0722-1
432 Seiten | 9.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Anja Mäderer | Einer flog über die Vogelsburg

Anja Mäderer | Einer flog über die Vogelsburg

Die Handlung dieses Romans ist in der Vogelsburg bei Volkach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen angesiedelt, einer ehemaligen Klosteranlage, heute Hotel und Tagungsort. In Anja Mäderers Regionalkrimi ist die Vogelsburg umgewandelt in eine psychosomatische Klinik, hier befindet sich derzeit der Hauptprotagonist Will Klien wegen seiner Zwangsstörung in Therapie.

Protagonist ist der erwähnte Patient Will Klien, Diplom-Bibliothekar, Patient mit (Nomen est Omen) Waschzwang. Außerdem gehören nachfolgend genannte Personen zu einer (Tisch-)Gruppe in der Klinik, die im Verlauf der Handlung nicht nur zu Ermittlern werden, sondern die wir auch mit ihrer jeweiligen Lebensgeschichte näher kennenlernen werden.

  • Irmela, Patientin mit zwanghaftem Harmoniestreben
  • Holger, Patient mit hypochondrischen Zwangsgedanken
  • Anne, Patientin mit zwanghafter Kaufsucht
  • Mäuschen, Patientin mit diversen Angststörungen
  • Marie Patientin mit Depressionen

An seinem Tisch im Speisesaal, den sich Will mit den anderen Zwangs-Patienten teilt, erzählt Irmela, dass sie bei einem Spaziergang am Altmain die Bergung einer Wasserleiche beobachtet hat. Wie sich später herausstellt, handelt es sich ausgerechnet um Herrn Brunner, Bezugstherapeut von Will.

Der Fundort der Leiche in einer Bucht direkt gegenüber der Vogelsburg deutet darauf hin, dass der Täter ein Patient oder Mitarbeiter der Klinik sein könnte. Daher – und weil die Gruppe um Will Klien seit der polizeilichen Befragung kein besonders großes Vertrauen in den ermittelnden Kommissar hat – beschließen sie, selbst als Ermittler tätig zu werden. Leider führt das zu einem weiteren Todesfall. Ausgerechnet Will findet im Schwimmbad die in ihrem Blut liegende Leiche von Mäuschen und bekommt daraufhin eine Panikattacke. Das alleine wäre schon schlimm genug und bringt ihn auch für einige Zeit in die Klinik nach Würzburg, leider schließt jedoch der Kommissar aufgrund der Umstände fälschlicherweise auf Will als Mörder.

Jetzt erst recht

Die Gruppe intensiviert ihre Ermittlungsarbeit, allerdings nicht nur im Hinblick auf die Mördersuche. Hinzu kommen Morddrohungen gegen Holger, der dummerweise Spielschulden in einer in der Klinik stattfindenden geheimen Pokerrunde angehäuft hat. Die Gruppe ist also insgesamt gut beschäftigt und trotz diverser Zwänge letztlich erfolgreich. Die Aufklärung ist allerdings – besonders im Hinblick auf die Morde – auch sehr überraschend.

In weiteren Handlungssträngen dreht es sich auch um Ärzte der Klinik, die sich nicht unbedingt korrekt verhalten und die Folgen davon. Diese Handlungsbereiche werden immer wieder eingewoben und tragen am Ende auch zu der Auflösung bei.

Einer flog über die Vogelsburg ist für mich mehr ein Unterhaltungsroman als ein Krimi, auch wenn die Spannung durchaus vorhanden ist; einen Vergleich mit einem „normalen“ Krimi sollte man aber nicht versuchen.  Das ist auch gar nicht erforderlich, ich finde die Geschichte insgesamt sehr interessant, auch aufgrund der immer wieder eingeflochtenen Werdegänge der Patienten. Gut erkennbar ist, wie sehr die Autorin bestrebt ist, die durch ihre Zwänge beeinflussten Handlungen der Protagonisten zwar humorvoll, aber nie ins Lächerliche abgleitend und durchaus ernsthaft betrachtet zu schildern. Hier sind auch die jeweils zu Beginn der Kapitel aufgeführten Tagebuchseiten von Will erwähnenswert, die uns Lesern seine Person noch näher bringen.

Am Schluss des Buches hat die Autorin auch die für ihre umfangreichen Recherchen verwendeten Quellen aufgeführt. Von mir ein dickes Dankeschön für die intensive Arbeit um dieses doch nicht einfache Thema!

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, bei dem ich auch die Überschriften der Kapitel noch besonders erwähnen möchte, ich finde sie sehr gelungen – und einige sind es durchaus wert, ab und zu zitiert zu werden!

Anja Mäderer, geboren 1991 in Gunzeshausen, Mittelfranken schrieb bereits mit 15 Jahren ihre ersten Kurzgeschichten, drei davon erschienen 2009 in der Anthologie „Nachtgespinst“. Mit ihren Kurzgeschichten gewann sie Preise in 2012 und 2015. In 2015 erschien dann mit Mainleid der erste Teil ihrer in Würzburg spielenden Krimireihe um die Kommissarin Nadja Gontscharowa, die Fortsetzung kam in 2016 mit dem Titel Mainschatten heraus. Mäderer absolvierte ein Lehramtsstudium in Würzburg und arbeitete als Deutschlehrerin für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Mittlerweile ist sie verheiratet und in einer Flüchtlingsunterkunft in München tätig.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Einer flog über die Vogelsburg | Erschienen am 22. August 2019 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0658-3
352 Seiten | 11.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Alfred Komarek | Polt muss weinen Bd. 1

Alfred Komarek | Polt muss weinen Bd. 1

Mit der Figur des Gendarmen Simon Polt aus der Feder von Alfred Komarek möchten wir euch eine weitere Kultfigur des österreichischen Kriminalromans vorstellen. Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee, schrieb insgesamt fünf Kriminalromane um den gemütlichen und bedachten Inspektor. Polt muss weinen ist der erste Teil dieser Kultserie. Er erschien bereits 1998.

Simon Polt wird in das Wiener Weinviertel mit einem Toten konfrontiert, der mehr Feinde hatte, als er an zwei Händen abzählen könnte. In einem Preßhaus wird die Leiche des mehr als umstrittenen Albert Hahn gefunden, todesursächlich gilt eine Vergiftung mit Gärgas, welches durchaus in Preßhäusern zu bestimmten Zeiten auftreten kann, sozusagen ein normaler Prozess des Kelterns ist, für gewöhnlich aber herausgeleitet wird bzw. die Weinbauern wissen um die Gefahren und wie man sie umgeht.

Alfred Komarek führt mit diesem ersten Polt-Fall seine Figur ein und dafür nimmt er sich genügend Spielraum, es gelingt, dass man sich als Leser einfühlen kann in den genussfreudigen, genügsamen Inspektors. Er zeichnet das Bild eines Mannes, dem man sehr gerne folgt. Dabei pflegt er einen flüssigen Schreibstil, der mit regionalen Dialektikeinschüben und Spitzfindigkeiten gespickt ist, was den besonderen Humor der Reihe ausmacht.

Neben Simon Polt lernen wir auch die Figuren des Weinviertels kennen, Weinbauern, Wirte, Geistliche und wir erfahren durch die Befragungen von Preßhausbetreibern und anderen sehr viel über den verhassten Albert Hahn, dem jeder die Pest an den Hals bzw. direkt den Tod gewünscht hat. Daraus macht auch niemand einen Hehl und man spricht sowieso über nichts anderes im Ort. Die Motive sind unterschiedlicher Natur, aber alle eint die Erkenntnis, dass sein Abgang viel zu einfach war. Und für den Leser ist dies sehr unterhaltsam!

Alfred Komareks Polt-Romane sind pointierte Regionalkrimis, die ersten vier Teile wurden bereits erfolgreich verfilmt und als Hörbücher vom ORF vertont. Komarek machte sich auch als Kinderbuchautor einen Namen und wurde vielfach für seine gesellschaftlichen Beiträge geehrt. Für Polt muss weinen erhielt der Autor 1998 den Friedrich-Glauser-Preis.

 

Rezension und Foto von Nora.

Polt muss weinen | Erstmals erschienen 1998 im Haymon Verlag
Die gelesene Ausgabe „Polt – Die Klassiker in einem Band“ erschien am 15. Februar 2012 im Haymon Verlag
552 Seiten | 26.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Blogkooperative: Adventsspezial Österreich.

Günther Pfeifer | Das letzte Achtel Bd. 9

Günther Pfeifer | Das letzte Achtel Bd. 9

Die Handlung dieses Romans ist in Retz in Niederösterreich angesiedelt, im sogenannten Weinviertel. Eine Besonderheit von Retz ist ein riesiges, zusammenhängendes Kellersystem unter dem Hauptplatz, 21 km lang und 30 m tief, der sogenannte Retzer Erlebniskeller, in dem bis vor 70 Jahren noch der Großteil der Weinvorräte gelagert wurde.

Protagonisten sind die beiden Wiener Kommissare Hawelka und Schierhuber, die von ihrem Chef, Hofrat Johann P. Zauner, genannt der „Erzherzog“, in einer geheimen Mission nach Retz geschickt werden. Auf keinen Fall unerwähnt bleiben sollte jedoch die Berlakovic, die eigentlich Vorsteherin des Administrationsbüros ist, von ihren Kollegen jedoch nur als das wandelnde „Auskunftsbüro Berlakovic“ bezeichnet wird. Sie spielt in dem Ganzen eine nicht unwesentliche Rolle.

Es beginnt alles damit, dass Schober, auf einem Spaziergang die Stimmung eines Spätsommermorgens genießend, auf einem Acker eine männliche Leiche entdeckt, die von einem großen Kreis aus Vogelkadavern umgeben daliegt. Schober meldet seine Entdeckung der Polizei, wird jedoch nicht ganz ernst genommen. Natürlich rückt die Polizei trotzdem aus, allerdings erst, nachdem der zuerst informierte Beamte ein längeres Gespräch geführt hat. Bevor sie am Tatort eintrifft, hat allerdings jemand den wartenden Schober betäubt und sämtliche Kadaver entfernt, das von Schober geschilderte Szenario wird dem Umstand eines Schocks zugeschrieben und ins Reich der Fantasie verschoben. Doch nun kommen unsere beiden Wiener ins Spiel: deren Chef, ein Bekannter von Schober, wird von ihm um Hilfe gebeten und kurz darauf treten Hawelka und Schierhuber, getarnt als Journalisten, ihre geheime Mission zur Aufklärung des Verbrechens an.

Was die beiden in Retz erleben, ist teilweise abenteuerlich, aber auch nicht ganz ungefährlich. Das Retzer Kellersystem spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle und es sind auch genügend Gegenspieler auf dem Plan, die versuchen, sie auszutricksen, um vom eigentlichen Tatbestand abzulenken. Da gibt es u.a. eine ältere Gutsherrin (die sich noch verhält, wie es in früheren Zeiten üblich war). Diese befehligt wiederum einen ehemaligen Hornisten und jetzigen Komponisten und einen Schriftsteller (beide nicht sehr erfolgreich), außerdem gibt es noch eine Geschichte um verschwundene Marillen. Weiter im Geschäft sind eine Pfarrersköchin und natürlich das „wandelnde Auskunftsbüro“ Berlakovic, die trotz befohlener Geheimhaltung informiert ist und sich auf den Weg macht, um ihre Kollegen zu unterstützen – und das durchaus erfolgreich. Die Aufklärung des Falles ist ziemlich überraschend und passt mit ihrer Skurrilität wunderbar in das geschilderte Gemisch der Ereignisse, die von Hawelka und Schierhuber in einer unnachahmlichen Art aufgeklärt werden.

Das letzte Achtel ist für mich das erste Buch um die beiden Wiener Kommissare Hawelka und Schierhuber. Besonders gut gefällt mir die humorvolle, viel Wiener Schmäh versprühende Art des Schreibstil von Günther Pfeifer. Auch wenn die Spannung nicht mit der von sonstigen Kriminalromanen vergleichbar ist, sondern eher gemächlich daherkommt, folgt man doch als Leser gerne dem Fluss der Handlung, die durchaus Überraschungen verbirgt. Die handelnden Personen sind liebevoll gezeichnet, immer wieder blitzt in den Dialogen und Handlungen eine Situationskomik auf, die das Ganze besonders macht. Schön finde ich auch die als Fußnoten eingefügten Erklärungen der Dialektausdrücke, es sind nicht nur reine Übersetzungen, sondern durchaus etwas mehr, es gibt dem Ganzen noch einen besonderen Pfiff.

Alles in allem empfehlenswert für Leser, die nicht nur Action bevorzugen. Der Humor von Günther Pfeifer und seine Art, die handelnden Personen, obwohl teilweise skurril, so doch auch menschlich darzustellen, gefällt mir sehr und es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich Hawelka und Schierhuber in Aktion erlebe.

Günther Pfeifer wurde in Hollabrunn/Niederösterreich geboren, lernte ein Handwerk und war jahrelang Berufssoldat. Nach seinem Wechsel in die Privatwirtschaft schrieb er Beiträge für Magazine, Theaterstücke und seit 2013 Kriminalromane. Das letzte Achtel ist sein neunter Band. Günther Pfeifer wohnt in Grund, einem kleinen Dorf im Weinviertel.

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Das letzte Achtel | Erschienen am 21. Februar 2019 bei Emons
ISBN 978-3-7408-0534-30
288 Seiten | 11.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Blogkooperative: Adventsspezial Österreich.

Beate Maxian | Mord im Hotel Sacher Bd.9

Beate Maxian | Mord im Hotel Sacher Bd.9

„Sarah drückte die goldene Klinke nach unten und schob die Tür vorsichtig auf, konnte aber nicht sofort etwas Außergewöhnliches erkennen. Erst als sie drei Schritte nach vorne zur offen stehenden Verbindungstür von Waschraum und Toiletten machte, erblickte sie die Frau auf dem Boden. Ihr Oberkörper in der Kabine, die Beine davor. Die Augen starr an die Decke gerichtet, das rechte Bein abgeknickt, das linke ausgestreckt. Auf der Stirn klaffte eine große Wunde.“ (Auszug Seiten 31 und 32)

Die Journalistin Sarah Pauli ist mit ihren Freunden nach Wien zum Frühlingsfest im Hotel Sacher eingeladen und beobachtet während der Veranstaltung eine Frau vor dem Eingang, die ihr nervös vorkommt. Wenig später wird diese Frau erschlagen in der Damentoilette gefunden. Sarahs Neugier ist sofort geweckt und schnell recherchiert sie, dass es sich bei dem Opfer um eine berühmte Konditorin mit außergewöhnlichen Tortenkreationen handelt. Sarah ist nach weiterer Recherche nicht überzeugt, dass ihr Ex-Mann sie getötet hat und begibt sich in die Welt der Zuckerbäcker.

Die Protagonistin

Sarah Pauli ist Journalistin im Wiener Boten und mit dem Herausgeber David liiert. Sie schreibt regelmäßig eine Kolumne über Aberglauben und Bedeutungen von Symbolen, zeigt aber auch reges Interesse an Mordfällen. Ihre Freunde müssen sie des Öfteren daran erinnern, dass sie nur darüber schreiben und nicht ermitteln braucht. Aktuell wohnt sie mit ihrem Bruder und ihrer Halbangora-Katze Marie in einer Wohnung in Wien, in wenigen Wochen steht aber ein Zusammenzug mit David an.

Schnell den richtigen Riecher

Mord im Sacher von Beate Maxian ist bereits der neunte Wien-Krimi um Sarah Pauli. Die Geschichte liest sich flüssig, meiner Meinung nach eher seicht und unblutig und mir persönlich etwas zu flach. Sarah hat einen guten Draht zum Chefermittler bei der Polizei und kommt somit auch an polizeiliche Details. Die offiziellen Ermittlungen führen natürlich erst mal zum Ex-Freund, der auch auf dem Fest war und sie wahrscheinlich als letzte gesehen hat, aber Sarah wittert gleich etwas anderes, stürzt sich in die Welt der Torten und entdeckt geheime Botschaften in ihnen. Die Auflösung wird etwas verschleiert, in dem die Bedeutung der Botschaften nicht gleich ganz klar ist, aber insgesamt habe ich mir noch mehr Überlegungen, Theorien und Verwerfungen gewünscht. Außerdem ist der Spannungsbogen kaum vorhanden.

Recherche ohne Anstrengung

In die Protagonistin kann ich mich nicht sehr gut hineinversetzen, sie ist für mich nicht wirklich greifbar. Sie hat selbstverständlich gleich den richtigen Riecher, was den Ex-Freund angeht, wenn sie etwas erfahren möchte, ruft sie entweder den Chefermittler an, der ihr auch immer bereitwillig Auskunft gibt oder sie gibt einen Begriff bei Google ein und wird auch gleich fündig. Außerdem sprechen alle Personen im Umkreis der Toten mit ihr. Mir kommt diese Recherche zu glatt vor, das ganze Journalisten-Leben wirkt mir in diesem Roman zu locker-flockig.

Fazit: Leicht zu lesender Krimi ohne sehr viel Tiefgang, aber mit der Garantie auf Torten-Appetit!

Beate Maxian lebt mit ihrer Familie in Oberösterreich und Wien und arbeitet neben dem Schreiben als Journalistin und Dozentin. Ihre Wien-Krimis um die Journalistin Sarah Pauli sind Bestseller in Österreich. Beate Maxian ist Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Mord im Hotel Sacher | Erschienen am 18. März 2019 bei Goldmann
ISBN 978-3-442-48782-0
416 Seiten | 10.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Blogkooperative: Adventsspezial Österreich.