Kategorie: Regionalkrimi

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesenhölle Bd. 14

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesenhölle Bd. 14

„Ann Kathrin lief ein Schauer den Rücken runter. Die aufgescheuchten Vögel kamen ihr vor wie Vorboten einer Katastrophe. Eine Ahnung breitete sich in ihr aus wie eine Sickerblutung: Das hier war der Anfang von etwas Bedrohlichem. Sie kam in Kontakt mit einer dunklen Kraft. Mit etwas Bösem. Es ging nicht nur darum, den Jungen und die Frau zu finden. Sie musste verstehen, was hier wirklich los war.“ (Auszug Seite 47)

Auf Langeoog wird ein Jugendlicher vergiftet und stirbt vor den Augen seiner Mutter. Diese vermutet, dass sein Kumpel Marvin daran Schuld ist und versucht ihn zu entführen. Nun ist Marvin auf der Flucht und Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, die den Fall übernimmt, ist sich nicht sicher, ob sie einen Mörder oder ein Opfer sucht. Das alles ist aber nur der Anfang eines viel größeren und sehr verstrickten Falles, dessen Ausmaße an dieser Stelle gar nicht erahnt werden können und bei dem die Lösung noch einige Opfer bringen wird.

Ungewöhnliche Vorgehensweise

Ostfriesenhölle von Klaus-Peter Wolf ist bereits der vierzehnte Fall um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die sich mit ihrer unkonventionellen Ermittlungsweise, mit der sie sich nicht selten über alle Regeln und Vorschriften hinwegsetzt, mittlerweile einen Namen im ganzen Bundesgebiet gemacht hat. Auch in diesem Fall kann sie nicht nach „Schema F“ aus dem Polizeihandbuch vorgehen, um Marvin zu finden, sondern geht ihren ganz eigenen Weg und bezieht darin nur ihre engsten Vertrauten ein, was nicht ausschließlich ihre Kollegen sind, sondern auch Freunde und Nachbarn.

Konstante Spannung

Die Geschichte beginnt bereits mit einer ziemlich wilden Verfolgungsjagd, der Leser wird also gleich in das Geschehen hinein katapultiert, nichts entwickelt sich auf den ersten Seiten gemächlich. Mit gut fünfhundert Seiten ist dieser Krimi ein richtiger Schinken, aber ich empfand keinerlei Längen, die Spannung hält sich sehr konstant. Die gesamte Handlung entwickelt sich zudem recht schnell und in eine politische Richtung. Letzteres ist nicht unbedingt mein literarisches Lieblingsthema, ist hier aber interessant geschildert. Der Autor beschreibt Situationen und handelnde Personen sehr ausführlich, aber auch das brachte mir als Leser die Stimmung nur noch besser rüber. Auch eine gewisse Portion Humor fehlt nicht, das aber wohl dosiert.

Umfangreicher Fall

Der Fall insgesamt ist wirklich sehr komplex, aber doch so strukturiert und detailreich beschrieben, dass ich gut mitgekommen bin und nicht den Überblick oder die Zusammenhänge verloren habe. Die Ermittlungen stehen absolut im Vordergrund, private Baustellen der Kommissare gibt es so gut wie gar nicht, wenn man von kleineren alltäglichen Problemen absieht, was ich sehr angenehm finde. Der Schauplatz bekommt in allen Beschreibungen meiner Meinung nach genügend Raum, sodass man sich die Umgebung gut vorstellen kann.

Fazit: Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und sehr detaillierte Beschreibungen, so dass man den Wind der Nordsee förmlich selbst spüren kann.

Klaus-Peter Wolf, 1954 in Gelsenkirchen geboren, lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden, im selben Viertel wie seine Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Wie sie ist er nach langen Jahren im Ruhrgebiet, im Westerwald und in Köln an die Küste gezogen und Wahl-Ostfriese geworden.

 

Rezension und Foto Andrea Köster.

Ostfriesenhölle | Erschienen am 20. Februar 2020 bei Fischer
ISBN 978-3-596-29928-7
528 Seiten | 12.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Weitere besprochene Titel von Klaus-Peter Wolf.

Julia Bruns | Eiskalte Ostsee Bd. 1

Julia Bruns | Eiskalte Ostsee Bd. 1

„Immer wieder gaben die Wellen seinen Kopf und den Oberkörper frei, um beides kurz darauf wieder zu überspülen. War sein Gesicht vollständig vom kalten Wasser der Ostsee bedeckt, glänzten seine offenen Augen wie große eisblaue Kristalle. Zog sich die See zurück, blieb nur der starre, ausdruckslose Blick eines alten toten Mannes, dessen bleiches Antlitz von einer Gänsehaut überzogen war und seltsam aufgequollen und runzelig wirkte.“ (Auszug Seite 26)

Am Neujahrsmorgen wird im Ostseebad Sellin auf der Insel Rügen eine Leiche am Strand nahe der Seebrücke von einem Pensionsbesitzer gefunden. Es handelt sich um den Ehrenbürger der Gemeinde, Peter Klart, der offensichtlich einen Schlag auf den Kopf bekommen hat und dem die Zunge abgeschnitten wurde. Hauptkommissarin Anne Berber nimmt die Ermittlungen auf und stößt schon bald auf die Vergangenheit des Opfers, nämlich seine Arbeit in einem ZK-Erholungsheim in der DDR (Anmerkung: Erholungsheim des Zentralkomitees der SED). Anne holt sich außerdem Rat bei dem Pensionsbesitzer Sören Hilgert, der bis vor zwei Jahren noch beim LKA gearbeitet hat. Gemeinsam finden sie heraus, dass die Lösung aber noch vor der Zeit der DDR liegt.

Zu schneller Abschied von Sellin

Eiskalte Ostsee von Julia Bruns ist der erste Küsten-Krimi der Autorin. Die Geschichte liest sich meiner Meinung nach leicht und flüssig und ist insgesamt kaum blutig, bis auf die abgetrennte Zunge des Opfers. Beim Lesen gab es für mich keine Längen, die Handlung wird in einem genau richtigen Tempo erzählt, trotzdem hätte ich mir einige Seiten mehr gewünscht, da mir die Protagonisten sehr sympathisch sind und der Schauplatz toll beschrieben ist.

Authentische Protagonisten

Anne Berber ist Anfang vierzig, hat sich aus persönlichen Gründen vor einigen Jahren von Stralsund in das beschauliche Bergen auf der Insel Rügen versetzen lassen und steht kurz vor der Scheidung. Sören Hilgert ist Anfang fünfzig und hat vor zwei Jahren die Pension „Seevilla“ in Sellin übernommen, da er nicht mehr beim LKA in Berlin arbeiten wollte. Mit der Leiche von Klart kommt aber das „Jagdfieber“ wieder in ihm durch und er kann es nicht lassen, selbst Nachforschungen zum Opfer anzustellen. Beide Protagonisten sind sehr authentisch, wie ich finde. Ich hoffe sehr, dass es von den beiden zukünftig noch weitere Fälle gibt.

Zweiter Weltkrieg und DDR

Auf dem Klappentext wird bereits angedeutet, dass es sich bei der Lösung des Falls um offene Wunden handelt, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Die Ermittlungen decken aber in erster Linie auch Machenschaften der DDR auf. Diesen Teil der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg, der das Mordmotiv stellt, kannte ich tatsächlich gar nicht und so habe ich neben toller Unterhaltung auch noch etwas gelernt.

Fazit: Toller Schauplatz, tolle Ermittler, toller Krimi. Gern mehr davon!

Julia Bruns studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie an der Universität Jena. Nach ihrer Promotion im Fach Politikwissenschaft arbeitete sie viele Jahre als Redenschreiberin und in der Öffentlichkeitsarbeit. Heute lebt sie als freie Autorin in Thüringen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Einskalte Ostsee | Erschienen am 22. August 2019 im emons Verlag
ISBN 978-3740806125
272 Seiten | 10,90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Artikel vom 25. September 1989 auf spiegel.de zum Erholungsheim des Zentralkommitees der SED

Eva Almstädt | Ostseeangst Bd. 14

Eva Almstädt | Ostseeangst Bd. 14

„Ostsee? Ripper? Der Hemmelsdorfer See lag sehr nahe an der Ostseeküste und gehörte ganz sicher zur Ostseeregion. Außerdem hatten sie es mittlerweile mit mindestens zwei Opfern zu tun. Trotzdem schien Pia der Titel „Ostseeripper“ nicht sehr glücklich gewählt worden zu sein, zielte er doch darauf ab, mit Erinnerungen an die Geschichten von „Jack the Ripper“ in London des Jahres 1888 Panik, Angst und Sensationslust zu schüren. Das machte sich gerade in der Touristensaison in den Ostseebädern schlecht.“ (Auszug Seiten 168 und 169)

Eine jugendliche Kajakgruppe entdeckt eine abgetrennte Hand in einer Feuerstelle am Hemmelsdorfer See nahe Lübeck. Kommissarin Pia Korittki und ihre Kollegen übernehmen den Fall und beginnen mit der Suche nach den restlichen menschlichen Überresten. Dann wird ein weiteres Körperteil gefunden, in einem Stall, der zum gleichen Besitzer gehört, wie der Rastplatz mit der Hand. Es handelt sich allerdings um einen zweiten Toten. Außerdem verschwindet die Betreuerin der Jugendlichen Kajakfahrer spurlos, auch nach ihr wird gesucht. Nach den ersten Zeugenbefragungen macht Pia eine zufällige Entdeckung, die das LKA betrifft, die nun also ebenfalls mitermitteln. Hängen die mittlerweile drei Ermittlungen alle zusammen? Kann dieser sehr komplexe Fall gelöst werden?

Ein umfangreicher Fall

Ostseeangst von Eva Almstädt ist der mittlerweile vierzehnte Fall um Pia Korittki. Es handelt sich hier um einen wirklich sehr umfangreichen Fall, in dem nur nach und nach so etwas wie ein roter Faden auftaucht. Trotzdem hatte ich keine Probleme damit, den Überblick zu behalten. Es werden wirklich viele Personen befragt und noch mehr Überlegungen der Ermittler geschildert, aber ich konnte beim Lesen gut folgen.

Trotzdem ein Privatleben

Die Protagonistin ist mir sehr sympathisch. Sie hat vor einem Jahr ihren Freund bei einem Unfall verloren, das beschäftigt sie natürlich noch, aber es überdeckt nicht ihr gesamtes Leben. Positiv finde ich auch, dass sie aufgrund ihres Sohnes, der sich im Kindergartenalter befindet und von dessen Vater Pia getrennt lebt, ihre Stundenanzahl bei der Arbeit reduziert hat und auch bei einem so aufwändigen Fall Zeit für ihr Kind findet. Bei vielen anderen Krimis verschwindet das Privatleben dann ja oft völlig und die Ermittler arbeiten Tag und Nacht. Aber Pia setzt gute Prioritäten, finde ich.

Aber keine Ostsee

Insgesamt bezieht sich die Geschichte überwiegend auf die Lösung des Falls, die privaten Belange aller handelnden Personen nehmen also nicht zu viel Raum ein. Es wird nicht allein aus Sicht von Pia erzählt, sondern es bekommen die meisten Hauptpersonen eine Stimme, was mir gut gefällt. Die Spannung bleibt in den Ermittlungen sehr konstant. Obwohl es lange dauert, bis erste verwertbare Ergebnisse auftreten, empfand ich keinerlei Längen beim Lesen. Einziger Wehrmutstropfen ist tatsächlich, dass mir die Ostsee, die im Titel versprochen wird, in der Geschichte fehlt.

Fazit: Ein verzwickter, aber trotzdem übersichtlicher und spannender Krimi. Klare Empfehlung!

Eva Almstädt, 1965 in Hamburg geboren und dort auch aufgewachsen, absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Seit 2001 ist sie freie Autorin. Eva Almstädt lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Schleswig-Holstein.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Ostseeangst | Erschienen am 29. März 2019 bei Bastei Lübbe
ISBN 978-3404178216
416 Seiten | 10.- Euro
Bibliographische Angaben und Leseprobe

Auch bei uns: Weitere Regionalkrimis von Eva Almstädt, rezensiert von Andrea.

Beeke Dierksen | Schwarze Förde Bd. 1

Beeke Dierksen | Schwarze Förde Bd. 1

„Seit dem frühen Morgen waren sie vor Ort, auf diesem offensichtlich unbewirtschafteten Acker, der auf halber Höhe zwischen Glücksburg und der Flensburger Außenförde lag. Endlose Stunden, in denen eine Grabstätte nach der anderen freigelegt worden war. Ein eisiger Wind peitschte Regenschauer über das Land, schon vor Tagen hatte sich der bis dahin goldene Oktober in einen garstigen Vorboten des Winters verwandelt. Als hätte sich das Wetter dem Horrorszenario anpassen wollen.“ (Auszug Seite 8)

Mit Hilfe eines anonymen Tipps werden sechs vergrabene Leichen auf einem Acker gefunden. Christoph Wengler und sein Team von der Bezirkskriminalinspektion in Flensburg übernehmen den Fall, ziehen aber die Operative Fallanalyse aus Kiel hinzu, also Hannah Lundgren und ihre Mitarbeiter. Nach ersten Recherchen stehen schnell die Identitäten fest und auch, dass es eine siebte Vermisste gibt. Offensichtlich wurden alle Frauen über einen längeren Zeitraum gefangen gehalten. Können Wengler und Lundgren die Täter stellen und das letzte Opfer retten?

Spannung von vorn bis hinten

Schwarze Förde von Beeke Dierksen ist meiner Meinung nach ein spannender, aber auch grausiger Kriminalroman, der eher nichts für schwache Nerven ist. Die Frauen werden nicht nur gefangen gehalten, sondern auch misshandelt, was zwar nicht in allen Details erzählt wird, aber doch genug, um es sich gut vorzustellen. Außerdem haben es die Beamten mit zum Teil stark verwesten Leichen zu tun. Der Spannungsbogen zieht sich durch das gesamte Buch, für mich gab es keine Längen. Zu Beginn laufen die Ermittlungen eher schleppend, aber dann ergibt sich ein Puzzleteil nach dem anderen und die Aufklärung wird rasant vorangetrieben.

Viele private Baustellen

Von dem Fall habe ich wirklich gern gelesen, allerdings sind mir die privaten Probleme der Kommissare etwas zu viel. Gefühlt hat jeder einen Schicksalsschlag erlitten, aber eben nicht sowas Profanes wie eine Scheidung, sondern eher todkrankes Kind, Suizid des Freundes, Medikamentenabhängigkeit oder magersüchtige Teenager-Tochter in den vermeintlichen Fängen eines Zuhälters. Wobei ich den Umgang der Mutter mit Letzterer persönlich überhaupt nicht gut finde: Anstatt zu versuchen, mit dem Teenager trotz seiner Aufmüpfigkeit ins Gespräch zu kommen und Hilfsbereitschaft und Sorge auszusprechen, kommt sie mit Hausarrest und Verboten und Meckern. Ich kann die Reaktion der Tochter da ehrlich gesagt schon verstehen.

Der erste Fall

Nach meiner Recherche ist diese Geschichte der erste Fall von Wengler und Lundgren, obwohl im Buch immer wieder Erinnerungen an frühere Fälle auftauchen, die vermuten lassen, dass es schon weitere Bände der beiden gibt. Da das aber nicht der Fall ist, finde ich es schade, dass nicht näher auf diese Andeutungen eingegangen wird, wenn Wengler beispielsweise denkt, dass er nicht wieder zu spät zu einer Rettung kommen will. Der Schluss lässt mich auch eher unzufrieden zurück: Der Fall wird zwar gelöst, aber in den privaten Bereichen bleibt alles offen. Aber vielleicht werden diese losen Enden in einem möglichen zweiten Fall aufgegriffen.

Fazit: Spannende Ermittlungen, aber etwas zu viel Schicksal bei den Ermittlern.

Beeke Dierksen ist das Pseudonym der Krimiautorin Angelika Svensson. Die Autorin wurde in Hamburg geboren und lebt heute in Norderstedt. Nach einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin arbeitete sie beim Norddeutschen Rundfunk. Mittlerweile ist die Autorin freiberuflich tätig.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Schwarze Förde | Erschienen am 17. Oktober 2019 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0619-4
256 Seiten | 10.90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Anette Hinrichs | Nordlicht – Die Tote am Strand Bd. 1

Anette Hinrichs | Nordlicht – Die Tote am Strand Bd. 1

„Wenige Sekunden später landete die Drohne sicher neben ihm im Sand. Erst jetzt sah er Lasse an. Im Gesicht des Freundes spiegelte sich seine eigene Angst. Schnell wandte er den Blick wieder ab. Er nahm sein Handy aus der Halterung am Controller, spulte am Display die Filmsequenz zurück und zoomte das Bild heran.
Die Person lag mit dem Rücken im Wasser, die Beine ausgestreckt im Sand. Jeans. Ein dunkler Parka. Schlammverschmiert. Schulterlange Haare von undefinierbarer Farbe. Kleine Wellen spülten Schaumkronen über ein blasses Gesicht.“ (Auszug Seiten 15 und 16)

Am Strand der deutsch-dänischen Küste wird eine weibliche Leiche gefunden. Es handelt sich um Liva Jørgensen, die vor 12 Jahren als vermisst gemeldet wurde. Die ersten Recherchen ergeben, dass sie sich jahrelang in Deutschland unter falschem Namen aufgehalten hat. Deshalb wird für die Ermittlungen eine Sondereinheit im Zentrum in Padborg gebildet, die von Vibeke Boisen aus Flensburg und Rasmus Nyborg aus Esbjerg geleitet wird. Es gilt herauszufinden, wer Liva umgebracht hat und was damals wirklich geschehen ist.

Die Protagonisten

Vibeke Boisen ist Mitte dreißig und frisch von Hamburg nach Flensburg gezogen, zurück zu ihrer Familie. In Flensburg hat sie die Stelle als Leiterin der Mordkommission übernommen und zusätzlich zu dem Fall um Liva und der ersten Zusammenarbeit mit Rasmus, beschäftigt sie noch die Renovierung ihrer neuen Wohnung, ihr Vater, der im Koma liegt und ihre neuen Mitarbeiter in Flensburg. Rasmus ist zehn Jahre älter, hat gerade einen Schicksalsschlag hinter sich und versucht privat wieder auf die Füße zu kommen.

Typische Ermittlungsarbeit

Nordlicht – Die Tote am Strand von Anette Hinrichs ist der erste Fall des deutsch-dänischen Ermittlerteams Boisen & Nyborg. Das Thema der Geschichte, also was die vermissten Liva in den Jahren in Deutschland gemacht hat und wie es dazu kommt, finde ich interessant. Außerdem ist für mich ein ganz großer Pluspunkt die Küsten-Kulisse und auch einige Einblicke in das dänische Leben habe ich gern gelesen. Ansonsten handelt es sich um einen typischen Kriminalroman, in dem es vordergründig um die Ermittlungen geht, mit allem was dazu gehört: Recherchen, Zeugenbefragungen, Überlegungen, falschen Spuren. Die Privatangelegenheiten der beiden Protagonisten werden meiner Meinung nach zwischendurch in genau richtigen Dosen erzählt, also man erfährt etwas von ihnen, es überschattet aber nicht die komplette Arbeit.

Flacher Spannungsbogen

Der Spannungsbogen ist mir ab dem zweiten Drittel etwas zu flach, mich hat zwischendrin die Leselust etwas verlassen. Die Geschichte liest sich durchgängig flüssig, aber eben nicht so spannend, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Auch das Ende ist nicht wahnsinnig nervenaufreibend. Es gibt einen Höhepunkt, der aber nicht überdramatisiert wird, was ich gut finde.

Boisen & Rasmus & das Team

Die beiden Protagonisten sind mir grundsätzlich sympathisch, aber irgendwie sind sie auch recht typisch: Jeder hat sein Päckchen zu tragen, Vibeke ist eher überkorrekt und hält sich an alle Vorschriften und Rasmus ermittelt unkonventioneller, allerdings auch nicht völlig kopflos. Schön finde ich das Team hinter den beiden, sie sind alle sehr verschieden und am Anfang hatte ich den Eindruck, dass da ja wirklich ein bunter Haufen zusammengewürfelt wurde, aber im Laufe der Recherchen stellt sich heraus, dass zwar jeder seine Eigenarten hat, aber die dem Fall zugute kommen.

Fazit: Irgendwie nichts Neues, aber dennoch ein solider Krimi, mit dem man nichts falsch macht.

Anette Hinrichs ist als geborene Hamburgerin ein echtes Nordlicht. Ihre Leidenschaft für Krimis wurde im Teenageralter durch Agatha Christie entfacht und weckte in ihr den Wunsch, eines Tages selbst zu schreiben. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie im Raum München. Ihre Sehnsucht nach ihrer alten Heimat lebt sie in ihren Küstenkrimis und zahlreichen Recherchereisen in den hohen Norden aus.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Nordlicht – Die Tote am Strand | Erschienen am 15. April 2019 bei Blanvalet
ISBN 978-3-7341-0722-1
432 Seiten | 9.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe