Kategorie: 3 von 5

Martin von Arndt | Sojus

Martin von Arndt | Sojus

Würde ihm ein Gespräch mit Sarkis dabei helfen, seine Fragen zu klären? Oder waren diese Fragen im Grunde nichtig? Ging es ihm nicht vielmehr um seine quälend werdende Sinnfrage… um das Verlangen, seine Ruhe, die er in Würzburg gefunden hatte, zu tauschen gegen – ja, wogegen denn? Vielleicht gegen etwas Vertrautes, etwas Ähnliches wie – Heimat.
Oder bürdete er diesem Unbekannten, den er biologisch seinen Sohn nennen durfte, damit eine Last auf, die der unmöglich tragen konnte? (Auszug Seite 95)

Ex-Kommissar Andreas Eckart hat sich im Jahr 1956 eigentlich zur Ruhe gesetzt, als er von Dan Vanuzzi, seinem ehemaligen Partner beim amerikanischen Militärgeheimdienst CIC, kontaktiert wird. Vanuzzi, wie Eckart bei den Amerikanern in Ungnade gefallen, arbeitet neuerdings für den britischen MI6. Er hat Kontakt zu einer Quelle beim ungarischen Geheimdienst, die ihm ein brisantes Dossier über sowjetische Agenten anbietet. Vanuzzi muss nach Budapest, um an das Dossier zu kommen. Doch dort spitzt sich die Lage gerade zu, der Volksaufstand ist im Gange und alles wartet auf die Reaktion der Sowjets. Um Eckart zum Mitkommen zu überreden, verrät Vanuzzi ihm den Namen eines in Ungarn operierenden Sowjetagenten: Sarkis, Eckarts Sohn mit der armenischen Rebellin und Terroristin Aghawni, den er nie kennengelernt hat. So begeben sich die beiden über Umwege nach Ungarn und bewegen sich dort im Untergrund.

Sojus ist der dritte Teil der Reihe um den Psychoanalytiker und Kommissar Andreas Eckart. Interessant an dieser Reihe sind die großen Zeitsprünge zwischen den Bänden. Band 1, Tage der Nemesis, spielt Anfang der 1920er vor dem Hintergrund des Völkermords der Türken an den Armeniern und der instabilen Weimarer Republik. In Band 2, Rattenlinien, ist Eckart nach dem zweiten Weltkrieg auf der Suche nach sich absetzenden Ex-Nazis. Der vorliegende dritte Band greift zunächst einen Strang aus dem zweiten Band wieder auf und beginnt 1948.

Eckart wurde von den Amerikanern in einer Psychiatrie interniert, da sie befürchten, diese könnte schmutzige Deals mit Ex-Nazis an die Öffentlichkeit bringen. Seine ehemaligen Partner Rosenberg und Vanuzzi, inzwischen in Diensten des neu gegründeten israelischen Geheimdienstes, wollen ihn dort herausholen. Die nun folgende Befreiungsaktion ist zwar durchaus spannend, aber wirkt auf mich wie ein Fremdkörper im Rest des Buches, das acht Jahre später spielt. Außer Vanuzzi taucht keine Figur im weiteren Verlauf mehr auf und der Aufenthalt in der Psychiatrie scheint Eckart acht Jahre später kaum noch zu beeinträchtigen.

Ansonsten greift Autor von Arndt allerdings wieder den ersten Teil der Reihe auf: Eckart hatte damals eine Liebesbeziehung zu einer Armenierin. Dieser Liebe war keine gemeinsame Zukunft vergönnt, doch es entstand ein Sohn aus dieser Beziehung. Mehr als dreißig Jahre später ist Sarkis in Diensten des KGB. In Ungarn agiert er als Agent provocateur. Er versucht den Volksaufstand zu radikalisieren, um einen Vorwand für ein sowjetisches Eingreifen zu liefern. Sarkis ist ein kommunistischer Kader geworden. Kann die Begegnung mit seinem Vater ihn ideologisch erschüttern?

Sojus hat seine besten Szenen, wenn Eckart und Vanuzzi das Geheimversteck verlassen und durch die umkämpften Straßen der ungarischen Hauptstadt streifen. Diese Abschnitte sind sehr intensiv und das Setting authentisch. Was ich ein wenig schade finde: Die beiden Hauptfiguren (die ansonsten gut „harmonieren“) kommen von außerhalb, so dass sie irgendwie nur dabei, statt mittendrin sind. Ein detaillierter ungarischer Blick fehlt. Die Ereignisse werden von Dritten wiedergegeben. Trotzdem wird gut deutlich, wie die Ungarn von den Westmächten im Stich gelassen wurden. Einen Konflikt mit den Sowjets wollte niemand riskieren, allerdings sagte man dies den Ungarn nicht so deutlich. Stattdessen sorgten sich Großbritannien und Frankreich um den Zugang zum Suezkanal und intervenierten lieber in Ägypten militärisch. Was der Autor im Nachwort nochmal als durchaus traumatisch beschreibt und nach seiner Ansicht das schwierige Verhältnis der Ungarn zum Westen bis heute teilweise beeinflusst.

Insgesamt ist Sojus ein solider, durchaus spannender Spionage-/Politthriller mit unverbrauchtem Setting. Ein wenig Luft nach oben ist aber vorhanden, zumal auch der Vater-Sohn-Konflikt noch schärfer hätte beleuchtet werden können, die Figur Sarkis bleibt zudem insgesamt zu unscharf. Dennoch gehört die Reihe zu den interessanteren historischen Krimis/Thrillern aus deutscher Feder.

Sojus | Erschienen am 26. Februar .2019 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-974-6
296 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension von Gunnar zu Tage der Nemesis bei Lovelybooks, Rezension von Anne Kuhlmeyer zu Rattenlinien im Crimemag

Abgehakt | März 2019

Abgehakt | März 2019

Birgit Lautenbach und Johann Ebend | Hühnergötter

Auf der Ostseeinsel Hiddensee wird in der Hochsaison ein drei Monate alter Säugling aus seinem Kinderwagen entführt. Die Mutter verständigt umgehend die beiden Inselpolizisten Daniel Pieplow und Lothar Kästner, die sofort den Ernst der Lage erkennen und sich Verstärkung von Rügen und aus Stralsund holen. Die ganze Insel ist in Aufruhe und auf der Suche nach dem Kind.

Gefallen hat mir die Spannung, die dadurch erzielt wird, dass der Täter auch zu Wort kommt und der Leser dadurch etwas im Vorsprung zu den Ermittlungen ist. Außerdem wird die Urlaubsregion authentisch beschrieben und in Gedanken konnte ich den einzelnen Schauplätzen gut folgen. Einziges Manko ist, dass es sich um einen eher kurzen Krimi handelt.

Hühnermord | Die gelesene Ausgabe erschien 2008 in 3. Auflage im Prolibis Verlag
ISBN 978-3-935263-29-0
nur noch antiquarisch erhältlich

Am 19. März 2019 erschien eine independently published Neuauflage
ISBN 978-1-79665648-0
139 Seiten | 7.99 Euro
Bibliografischer Angaben & Leseprobe

Genre: Küstenkrimi
Wertung: 4.5 von 5.0

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Lars Kepler | Lazarus

Im bereits siebter Fall für Joona Linna wird es persönlich, denn unerwartet taucht in der Wohnung eines Grabschänders der Schädel seiner verstorbenen Frau in einer Gefriertruhe auf, zwischen Leichenteilen anderer. Als er dann noch Parallelen hinter einigen grausamen Morden vermutet, deren Opfer an verschiedenen europäischen Schauplätzen auftauchen, ahnt Joona, dass ein längst tot geglaubter schwedischer Serienmörder zurückgekehrt ist, um einen neuen Partner zu rekrutieren. Seine Theorie: Jurek Walter ermordet Kandidaten, die seinen Ansprüchen nicht genügten, was wiederum zur Verknüpfung der Einzeltaten zu einem Ganzen führte. Durch die Ereignisse und seine Hypothese alarmiert, setzt Joona umgehend einen wohlfein ausgearbeiteten Notfallplan für sich und seine Tochter in Gang, in den er am liebsten auch seine Freundin Saga einbeziehen möchte, aber es ist nicht jedermanns Sache, von jetzt auf gleich alle Brücken einzureißen und auf der Flucht zu leben, möglicherweise ohne die Möglichkeit auf Rückkehr ins gewohnte Leben. Joona akzeptiert Sagas Entscheidung, doch sein Vorhaben steht, denn er muss um jeden Preis seine Tochter vor Jurek Walter schützen.

Die Rahmenhandlung stimmte für mich, das Buch hat ein schönes, aufwendig gestaltetes Cover, das Auge liest mit. Leider nicht lange, denn mit Fortschreiten der Geschichte stellte sich bei mir immer mehr Unlust zum Weiterlesen ein, denn Autor Lars Kepler scheint seinen Spannungsbogen auf besonders grauenvolle Taten aufzubauen, die geradezu brutal sind (höher, schneller, weiter?). Das ließe sich noch überlesen, wenn es wenigstens flüssig voran ginge. Aber Kepler arbeitet mit teils seltsamen Satzkonstrukten und besonders die Gedanken so mancher Figur erschienen mir doch recht unlogisch.

„Der Täter muss einen gehörigen Serotoningehalt im präfrontalen Kortex und eine gesteigerte Aktivität der Amygdala haben, denkt Saga.“ (Auzug Seite 189)

Als dann auch immer häufiger noch Kommissar Zufall mitspielte, fühlte ich mich veralbert. Hätten wenigstens die Figuren ehrlichen Tiefgang, aber auch hiernach sucht man vergebens. Ich kann leider nicht beurteilen, ob sich Lazarus nur nach vorheriger Lektüre der sechs Vorgängerbände empfiehlt.

Lars Kepler ist das Pseudonym der Autoren Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril.

Lazarus | Erschienen am 28. Februar 2019 im Verlag Bastei Lübbe
ISBN 978-3-785-72650-1
640 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Krimi
Wertung: 2.0 von 5.0

Rezension und Foto von Nora.

 

Susanne Saygin | Feinde

Der Kölner Kommissar Can Arat und seine Chefin Simone Kerkmann ermitteln in einem brutalen Doppelmord an zwei bulgarischen Roma, die offenbar auf dem Schrottstrich gearbeitet haben. Die Kommissare stellen eine Verbindung zum Bauunternehmer und Mäzen Nolden fest. Doch der einzige Zeuge, der sich bereit erklärt zu reden, landet vor einer U-Bahn. Der Staatsanwalt ist außerdem ein Karnevalskumpel von Nolden. Der Fall droht im Sande zu verlaufen, doch Can ist nicht bereit, dies zu akzeptieren und ermittelt weiter – auf Teufel komm raus.

Autorin Susanne Saygin wohnte in Köln selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem „Bulgarenhaus“, einer völlig überfüllten, heruntergekommenen Immobilie voller Arbeitssklaven. Dies inspirierte sie zu diesem packenden Krimi über Menschenhandel, Korruption und Ausbeutung, der auch sprachlich keine Kompromisse macht und die Dinge beim Namen nennt. Interessant fand ich die Wandlung des Romans, der erst als typischer Ermittlungskrimi beginnt und dann sich immer mehr auf den von Migräne geplagten und persönlich betroffenen Can fokussiert, bis hin zu seinem Road Trip nach Bulgarien auf der Suche nach der Wahrheit. Dabei beinhaltet die Story auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir etwas zu kunstvoll oder märchenhaft vor in dieser sonst so knallharten Geschichte. Doch insgesamt ein richtig starkes, intensives Krimidebüt.

Feinde | Erschienen am 10. September 2018 im Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-43889-7
352 Seiten | 12.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Alex Pohl | Eisige Tage

Die Leipziger Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic ermitteln im Fall eines ermordeten russischen Anwalts. Dieser war bis vor einigen Jahren im Dunstkreis des Paten Vadim Iwanow, war danach in Ungnade gefallen. Doch der Anwalt scheint ein neues Betätigungsfeld gefunden zu haben, findet man doch in seinen Hinterlassenschaften eindeutige Bilder von minderjährigen Mädchen. Der Tote war offenbar in Mädchenhandel verstrickt und Seiler und Novic ziehen schließlich eine Verbindung zu mehreren aktuellen Vermisstenfällen in Leipzig.

Eisige Tage ist das Verlagsdebüt des erfolgreichen (Selfpublisher-)Autors Alex Pohl, bisher bekannt unter dem Pseudonym L.C. Frey. Ein grundsolider Kriminalroman mit düsterem Einschlag, für den nicht nur das Thema, sondern auch der russische Gangster Onkel Vadim sorgt, der als Bedrohung ständig im Hintergrund mitschwingt und zu dem die Polizisten eine ungesunde Beziehung entwickeln. Beide Ermittler haben wie üblich ihr Päckchen zu tragen. Der etwas monkhafte Novic, der eine grauenvolle Vergangenheit im Kosovokrieg hatte, ist (eher als seine Kollegin) aber durchaus als interessante Figur angelegt. Eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen auch die jungen Neffen Iwanovs, die Gebrüder Karamasow (ernsthaft?). Nicht so ganz gelungen fand ich die merkwürdigen Zeitsprünge, die der Autor in der Geschichte einbaut, und die stellenweise etwas aufgesetzt wirkende Härte. Insgesamt war es aber ein durchaus ordentlicher und kurzweiliger Kriminalroman.

Eisige Tage | Erschienen am 11. Februar 2019 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10323-3 (Taschenbuch) | ISBN 978-3-641-22801-9 (eBook)
432 Seiten | 10.- Euro | 8.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Krimi
Wertung: 3.0 von 5.0

 

Jurica Pavičić | Die Zeugen

Während des Kroatienkriegs im Juni 1992 führt Kreso seinen kleinen Trupp versehentlich durch ein von ihm selbst gelegtes Minenfeld. Zwei Männer sterben, Kreso selbst verliert ein Bein. Kurz bevor Kreso aus der Rehabilitation zurückkehrt, begehen einige seiner Kameraden aus Wut, Frust und Hass einen Mord an einem serbischen Unternehmer. Die 12-jährige Tochter wird Zeugin des Mordes, die Täter entführen und verstecken sie. Über Beziehungen zum angesehenen Arzt Matić gelingt es ihnen zunächst, die Tat zu vertuschen. Doch was sollen sie mit dem Mädchen machen? Kreso und auch seine Schwester, die Journalistin Lidija, werden auf den Fall aufmerksam.

Die Jugoslawienkriege waren der letzte bewaffnete Konflikt in der Mitte Europas. Ein brutaler Konflikt, dessen traumatische Ereignisse bis heute in der Region nachwirken. Die Zeugen spielt 1992 überwiegend in Split, dessen Hinterland zwischen Kroaten und Serben noch umkämpft war. Eine beengte, fast kleinstädtische Szenerie, ständig weht der Wind. Korruption und Vetternwirtschaft. Von den Bergen grollt der Krieg herunter. Der Roman ist ein aus verschiedenen Perspektiven erzählter Gesellschaftsroman, gleichwohl spannend. Sehr überzeugend ist der Blick auf die verschiedenen Figuren. Vor allem die Sicht auf die Reservisten, die perspektivlos und traumatisiert sich den niederen Instinkten ergeben, dabei aber in Kriegszeiten auf Rückendeckung von oben hoffen dürfen.

„Seit der Granatsplitter Luka umgebracht hatte, waren sie zu unbarmherzigen, männlichen Hass verurteilt. […] Sie mussten entschlossen und unbeirrbar sein, ihrem Zorn ergeben. Für andere mochte Hass eine Tugend sein, für sie war er eine Pflicht.“ Auszug Seite 40

Ein lesenswerter Roman über Hass, Wut, Scham, Schuld und Sühne, der sich aber der völligen Schwärze verweigert, sondern auch ein wenig Hoffnung verbreitet. Die Verfilmung, Svjedoci, gewann 2004 den Friedenspreis der Berlinale.

Die Zeugen | Erstveröffentlichung 1998
Die überarbeitete Neuauflage erschienen am 11. Februar 2019 im Verlag Schruf & Stipetic
ISBN 978-3-944359-44-1 | ISBN 978-3-944359-54-0 (eBook)
288 Seiten | 12.90 Euro | 5.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: Spannungsroman
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Antti Tuomainen | Palm Beach, Finland

Jorma Leivo hat eine Vision: Ein Ferienparadies mit Palmen, Sandstrand und Miami-Feeling – an der finnischen Ostsee. Er hat schon einiges investiert in „Palm Beach, Finland“. Aber er braucht Haus und Grundstück von Olivia Koski. Die will allerdings nicht verkaufen. Deshalb heuert er Chico und Robin an, um Olivia ein wenig einzuschüchtern. Die treffen in Olivias Haus allerdings nicht auf Olivia, sondern auf einen Einbrecher und töten diesen versehentlich. Damit nehmen die Dinge ihren Lauf und rufen nicht nur Undercover-Cop Jan Nyman, sondern auch einen Auftragskiller, den Bruder des Getöteten, auf den Plan.

Mit Die letzten Meter bis zum Friedhof hatte mich Autor Antti Toumainen im letzten Jahr sehr überzeugt. Ein skurriler, melancholischer Roman mit interessanten Figuren, der eine gelungene Mischung aus Humor und Ernst war. Typisch finnisch. Umso mehr muss ich nach der Lektüre des aktuellen Romans Palm Beach, Finland feststellen, dass diese Mischung für mich leider bei weitem nicht erreicht wurde. Der Humor tendiert teilweise eher zu albern, die ernsthaften Momente plätschern dahin. Auch der Plot bietet nur wenig echte Überraschungen, sondern sorgt eher für Stirnrunzeln, zum Beispiel, ob der Profikiller wirklich hätte sein müssen. Am bedauerlichsten ist jedoch, dass die Figuren diesmal irgendwie blass bleiben, die Tiefe der Figuren des Vorgängers erreichen sie zu keiner Phase. So bleibt am Ende ein relativ unwitziger „komischer“ Krimi. Klingt unbefriedigend, las sich auch so.

Palm Beach, Finland | Erschienen am 22. Januar 2019 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-06556-0
368 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: komischer Krimi
Wertung: 1.5 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zum Krimi Die letzten Meter bis zum Friedhof von Antti Tuomainen.

Rezension 3 bis 6 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Weitere Ausgaben unserer Rubrik Abgehakt, Krimis kurz besprochen, findet ihr hier.

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesennacht Bd. 13

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesennacht Bd. 13

Sie hob die Bettdecke ein Stückchen an und sog die Luft tief durch die Nase. Der Mann in ihrem Bett roch sauer, nach Schweiß und einem Hauch von Maiglöckchen.
Sie bäumte sich in ihrem Bett auf. Ein hoffnungsvoller Schrei entfuhr ihr: „Florian!?“
Eine kräftige Hand legte sich über ihren Mund und drückte sie ins Kissen zurück. (Auszug Seite 14)

Eine Frau wird in ihrer Ferienwohnung tot aufgefunden, nachdem sie sich mit ihrem Freund gestritten hat. Alles deutet erst auf eine Beziehungstat hin, doch dann kommt es zu einem zweiten Tötungsdelikt, wieder eine Frau in ihrer Ferienwohnung. Das Auffällige an beiden Opfern ist, dass sie ein Tattoo trugen, das ihnen der Täter herausgeschnitten hat. Liegt hier das Motiv? Mitten in den Ermittlungen schaltet sich das BKA ein, denn es gab außerhalb von Ostfriesland schon weitere Morde mit diesem Muster. Ann Kathrin Klaasen hat es nun nicht nur mit einem Tatverdächtigen zu tun, sondern auch mit dem BKA, das ihre Theorien zum Fall durchsetzen will und außerdem noch mit ihrem Mann Frank Weller, der glaubt, dass seine Tochter mit ihrem neuen Freund in Gefahr ist. Plötzlich droht alles in einer Katastrophe zu enden.

Der dreizehnte Fall

Ostfriesennacht von Klaus-Peter Wolf ist bereits der dreizehnte Fall für Ann Kathrin Klaasen. Die Protagonistin ist bekannt dafür, dass sie außergewöhnliche Ermittlungsmethoden hat, mit denen sie im gesamten Land bekannt geworden ist und die sie zuverlässig zum Erfolg führen. Ich persönlich kann mich in einige Vorgehensweisen nicht so hineinversetzen und finde sie eher albern und bin froh, dass es in diesem Fall nicht so ausufert. Sie besucht ausschließlich die Tatorte, nachdem der erste Trubel vorüber ist, und versucht die Stimmung zu erfassen.

Spannung bis zur letzten Seite

Dieser Kriminalroman liest sich meiner Meinung nach sehr flüssig und ich habe ihn in kürzester Zeit verschlungen. Ich konnte gut in die Geschichte hineinfinden und auch nach einer Lesepause hatte ich keine Probleme mich an die Handlung zu erinnern. Man kann das Buch unabhängig von allen anderen Fällen davor lesen. Und das besonders Spannende an der Geschichte ist, dass der Täter wirklich erst auf den letzten zehn Seiten bekannt wird. Charmant finde ich immer wieder, dass der Autor echte Personen mit in die Handlung einbezieht, unter anderem seine Frau Bettina Göschel. Und dass handelnde Personen die eigenen Romane des Autors im Buch kaufen und lesen.

Durchwachsene Mitte

In der Mitte der Geschichte fand ich die Handlung etwas absurd, da es auf einmal gleich zwei Tatverdächtige gab: einen, den das BKA präsentiert und einen den Ann Kathrin Klaasen und ihr Team verfolgen und bei beiden konnte ich nicht wirklich glauben, dass es einer davon sein soll. Immer wieder gab es auch Passagen, in denen der Täter zu Wort kommt und wenn ich das mit den Ermittlungen verglichen habe, war ich gespannt, wie die Geschichte dann endet. Zu allem Überfluss hat Wellers Tochter einen neuen Freund, ausgerechnet der Versicherungsmakler, mit dem Weller auch schon zur Schule gegangen ist und der ihm vor Jahren eine Versicherung für seine Tochter verkauft hat, die jetzt, wo er sie dringend in Anspruch nehmen muss, völlig unnütz ist. Das schaukelt sich so hoch, dass er den Freund nicht nur missbilligt, sondern seine Tochter in regelrechter Gefahr sieht und um sie zu schützen, setzt er sich über sämtliche Dienstvorschriften hinweg, bringt sie gegen sich auf und ist am Ende kurz davor eine wirkliche Dummheit zu begehen. Auch das fand ich etwas übertrieben und Frank Weller kam mir in dieser Phase mehr als verrückt vor.

Fazit: Es gibt Höhen und Tiefen, wer aber leichten Lesegenuss mit Nordsee-Flair sucht, wird belohnt.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Der Autor ist mit Bettina Göschel, einer Kinderliedermacherin, verheiratet.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Ostfriesennacht | Erschienen am 20. Februar 2019 bei Fischer Buchverlage
ISBN 978-3-596-29921-8
480 Seiten | 10.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Weitere Rezensionen zu Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis.

Michael Farris Smith | Desperation Road

Michael Farris Smith | Desperation Road

Scheiße, ich muss hier weg, dachte sie. Und ging wieder auf und ab.
Es war einfach zu viel. […] Sie war es nicht gewohnt, dass Dinge so gehandhabt wurden. Zu bekommen, ohne zu geben. Nicht in ihrer Welt. Und in dieser stillen und leeren Nacht beschloss sie zu verschwinden, bevor das Blatt sich wendete. Egal, was sie dir zu essen geben, wie süß sie lächeln, egal, wie oft er Kopf und Kragen riskiert, um dir zu helfen, so wird es nicht bleiben, und das weißt du genau. (Auszug Seiten 203-204)

Russell Gaines kehrt nach 11 Jahren Knast zurück in seine Heimatstadt in Mississippi. Doch am Busbahnhof erwartet ihn ein unangenehmes Begrüßungskommando. Die zwei Brüder Walt und Larry lauern ihm auf und verprügeln ihn. Offensichtlich sind sie der Auffassung, dass Russells Gefängnisstrafe noch nicht ausreichend als Sühne war, und kündigen weitere Besuche an.

Gleichzeitig nähert sich Mabel mit ihrer Tochter zu Fuß der Stadt. Die letzte Habseligkeiten in einem Müllsack hinter sich herziehend. Mit den letzten Dollars leistet sie sich ein Motelzimmer. Als ihre Tochter schläft, geht sie auf den Parkplatz, mit sich ringend, ob sie sich prostituieren soll, um Geld zu verdienen. Da taucht der Deputy auf und nimmt Mabel fest, ist sich sicher, mit ihr leichtes Spiel zu haben. Er fährt mit ihr an einen abgelegenen Weg und vergewaltigt sie. Mabel fleht ihn an, sie zu ihrer Tochter zurückzubringen, doch er ruft Freunde an und bietet auch ihnen Mabel an. In ihrer Not und Verzweiflung gelangt sie an die Dienstwaffe und erschießt ihn.

In Gedanken verfolgte sie den Weg zurück, den sie gegangen war, um herauszufinden, was sie hergeführt hatte, in diese Nacht, mit diesem schlafenden Kind, für das sie nicht sorgen konnte, und mit den Wölfen, die da draußen lauerten. Doch es war, als versuche sie beliebige Teile verschiedener Puzzles zusammenzusetzen. Es gab keine logische Reihenfolge, kein Muster und keinen Grund, warum ein Teil zum anderen passen sollte. (Seite 66)

Mabel entkommt unentdeckt, doch einen Tag später wird die Waffe bei ihr entdeckt. Erneut sind sie und ihre Tochter auf der Flucht. Vor einer Bar bedroht sie den Fahrer eines Pickups, damit dieser sie aus der Stadt bringt. Der Fahrer ist Russell. Nach und nach wird beiden (dem Leser etwas eher) klar, dass sie beide ein schreckliches Ereignis verbindet, das Russell in den Knast und Mabel auf die schiefe Bahn brachte. Nun treffen beide wieder aufeinander, beide wieder mehr oder weniger mit dem Rücken zur Wand.

Noch eher ein Geheimtipp (zumindest in Deutschland) unter den Südstaatenautoren ist Michael Farris Smith. Der Autor lebt in Oxford, Mississippi. Sein zweiter Roman Nach dem Sturm (Rivers im Original), eine dystopische Südstaatengeschichte, wurde bereits in Deutsche übersetzt. Nun folgt sein dritter Roman Desperation Road. Ein grundsätzlich durchaus ansprechender Plot, beste Zutaten für einen gepflegten Noir – der es aber nicht so richtig wird, dafür wird letztlich (entgegen des Buchtitels) zu viel Hoffnung verbreitet. Sehr angetan war ich von den Dialogen, die sehr authentisch und lakonisch rüberkommen. Außerdem sind die verschiedenen Figuren ansprechend. Allen voran Russell als stoischer Typ, der zwar mit seinem Schicksal ein Stück weit hadert, sich aber ansonsten nicht aus der Ruhe bringen lässt und seinem Gewissen folgt. Und zum anderen die zähe, aber aufgrund ihrer Vergangenheit pessimistisch-fatalistische Maben.

Und dennoch sprang bei mir der letzte Funke nicht über. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen baut der Autor hier eine Reihe von Zufällen ein, anstatt auf einen natürlich-realistischen Ablauf zu setzen. Zum anderen war mir sein Schreibstil etwas zu bedächtig, er beschreibt viele Details. Dadurch gibt es für meinen Geschmack etwas langatmige Passagen, wo die Story mehr Zug benötigt hätte. So bleibt mir letztlich nur das Fazit, dass Desperation Road ein solider Südstaaten-Roman um Gewalt, Sühne, Rache und die Macht des Schicksals ist, der aber den Vergleich mit anderen ähnlichen Büchern (z.B. von Tom Franklin oder Larry Brown) für mich nicht ganz standhält.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Desperation Road | Erschienen am 27. November 2018 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 987-3-86913-972-2;
280 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Abgehakt | Dezember 2018

Abgehakt | Dezember 2018

Zum Jahresende 2018 haben wir noch ein paar Kurzrezensionen des vergangenen Quartals für euch. Mit diesem Beitrag beenden wir unser Blogjahr, wir melden uns im Januar mit frischen Texten zurück. Dankeschön fürs Lesen und Kommentieren, hier und auf den drei Social Media Kanälen Facebook, Instagram und Twitter!

Kommt gut ins neue Jahr und bleibt uns auch in 2019 treu; das würde uns sehr freuen!

Kurzrezensionen des 4. Quartals 2018

Wolfgang Schorlau | Der große Plan

Ein neuer Auftrag führt Privatdetektiv Georg Dengler ins Auswärtige Amt: Eine hochrangige Mitarbeiterin ist spurlos verschwunden und Dengler soll sie finden. Anna Hartmann arbeitete für die Troika bei der Griechenland-Rettung, möglicherweise ist dies ein Ansatz. Doch es gibt keine Lösegeldforderung, nur ein Überwachungsvideo deutet eine Entführung an. Eventuell liegt die Lösung auch im Privaten. Oder ist Anna Hartmann gar aus freien Stücken untergetaucht? Dengler macht sich auf die Suche und wie immer fördert er politischen Sprengstoff zu Tage.

Die äußerst erfolgreiche Reihe um Georg Dengler ist inzwischen beim neunten Fall angelangt. Autor Wolfgang Schorlau sucht sich immer wieder brisante politische Themen als Fälle für seinen Ermittler aus. Dieses Mal ist es das große Thema Euro-Krise, Griechenland-Rettung, aber auch deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland während des zweiten Weltkriegs.

Schorlau hat in seinen Krimis immer auch einen pädagogischen Auftrag. Seine Gesellschaftskritik oder Kritik an der Politik kommt selten subtil, sondern meist offen und oft auch dozierend daher. Ich lese diese Reihe gerne, aber stilistisch gelingt der Spagat zwischen Krimi und journalistischem Aufsatz manchmal nur bedingt. So sehr ich auch mit der Meinung des Autors übereinstimme, dass Griechenland übel mitgespielt wurde, so bin ich aber auch nur bedingt zufrieden, dass er volkswirtschaftliche Proseminare als Teamsitzungen seines Detektivs tarnt. Das wäre doch auch geschmeidiger gegangen. Ansonsten ist Der große Plan ein temporeicher Krimi zwischen Stuttgart, Berlin und Athen, bei dem sich für mich das Motiv aber schon früh abzeichnete. Insgesamt ordentlich, aber sicher nicht der Beste der Reihe.

Der große Plan | Erschienen am 8. März 2018 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04667-0
448 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 3.0 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zu Die schützende Hand des Autors Wolfgang Schorlau.

 

Olivier Guez | Das Verschwinden des Josef Mengele

Josef Mengele, der Todesarzt von Auschwitz, in den letzten Monaten des Krieges untergetaucht, emigriert unter falschem Namen nach Argentinien. Dort kann er sich auf ein funktionierendes Netzwerk alter Nazis und auf die Protektion der peronistischen Regierung verlassen. Auch die Familie hält Kontakt. Doch die Zeiten ändern sich, es wird irgendwann doch noch nach den Verbrechern gesucht. Der Mossad entführt Eichmann. So beginnt eine jahrzehntelange Flucht durch Südamerika, in der Mengele zunehmend isoliert, aber dennoch nicht gefunden wird.

Autor Olivier Guez hat mit Das Verschwinden des Josef Mengele einen Zwitter geschrieben, einen Tatsachenroman, beginnend mit der Ankunft Mengeles in Argentinien 1949 bis zu seinem Tod an einem brasilianischen Strand dreißig Jahre später. Der Autor hat brillant recherchiert, zeichnet das Leben des SS-Arztes präzise nach. Das Buch ist an vielen Stellen hochinformativ: Die Rattenlinien und die alten Seilschaften, die Untätigkeit deutscher und einheimischer Behörden, die vergebliche Suche des Mossad und das Porträt eines unbeirrbaren, fanatischen Rassisten, der bis zuletzt an die Richtigkeit seiner verbrecherischen Taten glaubte.

Das Problem für mich war nur: Es funktioniert nicht als Roman. Guez erzählt dreißig Jahre teilweise zeitraffend, verharrt zu selten im Moment, verzichtet im Wesentlichen auf Dialoge. Das alles macht das Buch nicht mitreißend, nicht spannend, sondern es bleibt eher dokumentarisch. Gleichzeitig verharrt der Autor beim lamentierenden, selbstmitleidigen Mengele und es wird nicht ganz klar, was am Ende davon vielleicht doch nur Fiktion war.

Das Verschwinden des Josef Mengele | Erschienen am 10. August 2018 im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-351-03728-4
224 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: True Crime
Wertung: 2.5 von 5.0

 

Martin Krist | Freak City 1: Hexenkessel

New York City: Patsy und Milo haben einen todsicheren Tipp bekommen, wo bei einem Einbruch eine Menge zu holen ist. Doch plötzlich steht nicht nur der Hausbesitzer im Raum, sondern auch ein Mörder, der schon seit Wochen die Stadt in Angst versetzt. Gleichzeitig bekommt Pearl, ein freischaffender Ermittler, einen neuen Auftrag: Er soll eine vermisste aufstrebende Theaterschauspielerin suchen. Und wie es so kommt, werden sich irgendwann die Wege der Beteiligten kreuzen.

Martin Krist ist ein vielschreibender Thrillerautor und Verfechter des Sulfpublishing. Stetig und sympathisch im Netz präsent, außerdem ein Krimiliebhaber mit beeindruckender Bibliothek. Von daher hatte ich mir schon längst vorgenommen, ein Buch des Autors zu lesen. Dieser hat sich nach eigenen Angaben mit seiner neuen Serie Freak City einen Lebenstraum erfüllt, eine Thrillerserie mit Schauplatz New York zu schreiben.

Eine durchaus interessante Hauptfigur hat dieser Roman auf jeden Fall. Pearl, ein Halbblut, Geldeintreiber und Spürhund, trägt seine Narben mit sich herum, äußerlich wie innerlich. Was dieser erste Thriller der Reihe – Hexenkessel – ebenfalls erfüllt: Tempo, Tempo, Tempo. Keine Atempause, es geht immer voran. Die erzählte Zeit beträgt noch nicht mal 24 Stunden. Das müsste mir eigentlich gefallen, allerdings hatte ich das Gefühl, dass hier doch zu sehr aufs Gaspedal gedrückt wurde. Der Plot wirkt noch nicht rund, Wendungen sind auf Zufall aufgebaut, weitere Figuren, selbst Patsy, bleiben für mich etwas blass. So ziehe ich ein zwiespältiges Fazit, aber habe durchaus die Hoffnung auf eine Steigerung in dieser Reihe.

 

Freak City 1: Hexenkessel | Erschienen am 14. November 2018 als Selfpublisher im Verlag R&K
ISBN 978-3-746-77975-1
220 Seiten | 9.99 Euro (als E-Book 0.99 Euro)
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Thriller
Wertung: 2.5 von 5.0

Auch bei uns: Monikas Rezension zu Martin Krists Thriller Märchenwald.

 

Tom Franklin | Krumme Type, krumme Type

Larry Ott fristet ein Dasein als Verstoßener in Chabot, Mississippi. Vor 25 Jahren hatte er ein Mädchen mit auf ein Date genommen, das hinterher spurlos verschwand. Larry beteuerte seine Unschuld, ihm konnte auch nie etwas nachgewiesen werden, so dass er nicht verurteilt wurde. Fortan war er ein Paria, lebte allein im abgelegenen Elternhaus. Nun wird erneut eine 19-Jährige vermisst und Larry steht natürlich sofort unter Verdacht. Er wird eines Abends mit schweren Schussverletzungen aufgefunden, liegt seitdem im Koma. Der ermittelnde Detective ist sich relativ sicher, dass Ott sich aus Schuldgefühlen die Verletzungen selbst zugefügt hat. Doch der schwarze Constable Silas Jones ist sich dessen nicht so sicher. Was niemand im Ort weiß, ist, dass Silas und Larry eine gemeinsame Vergangenheit verbindet.

Krumme Type, krumme Type ist eine absolut sensationelle Südstaatengeschichte, die abwechselnd aus der Sicht von Larry und Silas erzählt wird und regelmäßig in Rückblicken die Vergangenheit aufrollt. Denn die Geschichte von damals spielt natürlich in die Gegenwart hinein: Eine Freundschaft zweier ungleicher Jungen, die unter keinem guten Stern steht und nur einen Sommer lang überdauert. Es ist ein pralle Geschichte, in der alles steckt: Crime, Coming of Age, Freundschaft, Verrat, Schuld, Reue, Rassismus, Gewalt. Ein intensives Porträt des ländlichen amerikanischen Südens und dazu zwei wunderbar beschriebene, tragische Hauptfiguren.

Und allen, die meinen, dass ich da wieder einen düsteren Noir empfehlen will, denen sei gesagt, dies ist mitnichten ein Noir, denn man spürt die Sympathie des Autors Tom Franklin für seine Figuren, so dass er diese nicht ohne Hoffnung aus der Geschichte entlassen will. Eigentlich hätte dieses Buch eine viel ausführliche Besprechung verdient, aber es gibt bereits die ultimative Lobhudelei. Die Besprechung von Philly auf ihrem Blog Wortgestalt ist absolut umwerfend, ich kann mich da nur anschließen!

 

Krumme Type, krumme Type | Erschienen am 27. Juli 2018 bei Pulp Master
ISBN 978-3-927734-99-9
406 Seiten | 15.80 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Spannungsroman
Wertung: 5.0 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zu Tom Franklins Roman Die Gefürchteten.

Weiterlesen: Philly’s Rezension zu Krumme Type, krumme Type

 

Rezensionen 1 bis 4 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Klara Holm | Krähennest

In einem Krähennest, also einer Aussichtsplattform auf einem Schiff, wird der abgetrennte Kopf eines Mannes gefunden. Luka Kroczek übernimmt die Ermittlungen und findet schnell heraus, dass der Tote ein Kollege seiner Freundin Teresa ist. Als eine zweite Leiche auftaucht, wird der Fall immer undurchsichtiger und auch Teresa gerät in Gefahr.

Krähennest von Klara Holm ist ein flüssig zu lesender Küsten-Krimi, der auf der Insel Rügen spielt und mit echten Schauplätzen punktet. Die typische Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund, aber auch einige Anekdoten aus dem Privatleben der Protagonisten kommen nicht zu kurz. Zum Ende hin wird es dann nochmal spannend und für mich war das Ende nicht vorhersehbar. Durchaus eine Empfehlung als leichten Krimi für zwischendurch.

 

Kurzrezension und Foto von Andrea Köster.

Krähennest | Erschienen am 26. März 2016 bei rororo im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-27071-0
352 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: ausstehend

 

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