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Abgehakt | Dezember 2018

Abgehakt | Dezember 2018

Zum Jahresende 2018 haben wir noch ein paar Kurzrezensionen des vergangenen Quartals für euch. Mit diesem Beitrag beenden wir unser Blogjahr, wir melden uns im Januar mit frischen Texten zurück. Dankeschön fürs Lesen und Kommentieren, hier und auf den drei Social Media Kanälen Facebook, Instagram und Twitter!

Kommt gut ins neue Jahr und bleibt uns auch in 2019 treu; das würde uns sehr freuen!

Kurzrezensionen des 4. Quartals 2018

Wolfgang Schorlau | Der große Plan

Ein neuer Auftrag führt Privatdetektiv Georg Dengler ins Auswärtige Amt: Eine hochrangige Mitarbeiterin ist spurlos verschwunden und Dengler soll sie finden. Anna Hartmann arbeitete für die Troika bei der Griechenland-Rettung, möglicherweise ist dies ein Ansatz. Doch es gibt keine Lösegeldforderung, nur ein Überwachungsvideo deutet eine Entführung an. Eventuell liegt die Lösung auch im Privaten. Oder ist Anna Hartmann gar aus freien Stücken untergetaucht? Dengler macht sich auf die Suche und wie immer fördert er politischen Sprengstoff zu Tage.

Die äußerst erfolgreiche Reihe um Georg Dengler ist inzwischen beim neunten Fall angelangt. Autor Wolfgang Schorlau sucht sich immer wieder brisante politische Themen als Fälle für seinen Ermittler aus. Dieses Mal ist es das große Thema Euro-Krise, Griechenland-Rettung, aber auch deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland während des zweiten Weltkriegs.

Schorlau hat in seinen Krimis immer auch einen pädagogischen Auftrag. Seine Gesellschaftskritik oder Kritik an der Politik kommt selten subtil, sondern meist offen und oft auch dozierend daher. Ich lese diese Reihe gerne, aber stilistisch gelingt der Spagat zwischen Krimi und journalistischem Aufsatz manchmal nur bedingt. So sehr ich auch mit der Meinung des Autors übereinstimme, dass Griechenland übel mitgespielt wurde, so bin ich aber auch nur bedingt zufrieden, dass er volkswirtschaftliche Proseminare als Teamsitzungen seines Detektivs tarnt. Das wäre doch auch geschmeidiger gegangen. Ansonsten ist Der große Plan ein temporeicher Krimi zwischen Stuttgart, Berlin und Athen, bei dem sich für mich das Motiv aber schon früh abzeichnete. Insgesamt ordentlich, aber sicher nicht der Beste der Reihe.

Der große Plan | Erschienen am 8. März 2018 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04667-0
448 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 3.0 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zu Die schützende Hand des Autors Wolfgang Schorlau.

 

Olivier Guez | Das Verschwinden des Josef Mengele

Josef Mengele, der Todesarzt von Auschwitz, in den letzten Monaten des Krieges untergetaucht, emigriert unter falschem Namen nach Argentinien. Dort kann er sich auf ein funktionierendes Netzwerk alter Nazis und auf die Protektion der peronistischen Regierung verlassen. Auch die Familie hält Kontakt. Doch die Zeiten ändern sich, es wird irgendwann doch noch nach den Verbrechern gesucht. Der Mossad entführt Eichmann. So beginnt eine jahrzehntelange Flucht durch Südamerika, in der Mengele zunehmend isoliert, aber dennoch nicht gefunden wird.

Autor Olivier Guez hat mit Das Verschwinden des Josef Mengele einen Zwitter geschrieben, einen Tatsachenroman, beginnend mit der Ankunft Mengeles in Argentinien 1949 bis zu seinem Tod an einem brasilianischen Strand dreißig Jahre später. Der Autor hat brillant recherchiert, zeichnet das Leben des SS-Arztes präzise nach. Das Buch ist an vielen Stellen hochinformativ: Die Rattenlinien und die alten Seilschaften, die Untätigkeit deutscher und einheimischer Behörden, die vergebliche Suche des Mossad und das Porträt eines unbeirrbaren, fanatischen Rassisten, der bis zuletzt an die Richtigkeit seiner verbrecherischen Taten glaubte.

Das Problem für mich war nur: Es funktioniert nicht als Roman. Guez erzählt dreißig Jahre teilweise zeitraffend, verharrt zu selten im Moment, verzichtet im Wesentlichen auf Dialoge. Das alles macht das Buch nicht mitreißend, nicht spannend, sondern es bleibt eher dokumentarisch. Gleichzeitig verharrt der Autor beim lamentierenden, selbstmitleidigen Mengele und es wird nicht ganz klar, was am Ende davon vielleicht doch nur Fiktion war.

Das Verschwinden des Josef Mengele | Erschienen am 10. August 2018 im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-351-03728-4
224 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: True Crime
Wertung: 2.5 von 5.0

 

Martin Krist | Freak City 1: Hexenkessel

New York City: Patsy und Milo haben einen todsicheren Tipp bekommen, wo bei einem Einbruch eine Menge zu holen ist. Doch plötzlich steht nicht nur der Hausbesitzer im Raum, sondern auch ein Mörder, der schon seit Wochen die Stadt in Angst versetzt. Gleichzeitig bekommt Pearl, ein freischaffender Ermittler, einen neuen Auftrag: Er soll eine vermisste aufstrebende Theaterschauspielerin suchen. Und wie es so kommt, werden sich irgendwann die Wege der Beteiligten kreuzen.

Martin Krist ist ein vielschreibender Thrillerautor und Verfechter des Sulfpublishing. Stetig und sympathisch im Netz präsent, außerdem ein Krimiliebhaber mit beeindruckender Bibliothek. Von daher hatte ich mir schon längst vorgenommen, ein Buch des Autors zu lesen. Dieser hat sich nach eigenen Angaben mit seiner neuen Serie Freak City einen Lebenstraum erfüllt, eine Thrillerserie mit Schauplatz New York zu schreiben.

Eine durchaus interessante Hauptfigur hat dieser Roman auf jeden Fall. Pearl, ein Halbblut, Geldeintreiber und Spürhund, trägt seine Narben mit sich herum, äußerlich wie innerlich. Was dieser erste Thriller der Reihe – Hexenkessel – ebenfalls erfüllt: Tempo, Tempo, Tempo. Keine Atempause, es geht immer voran. Die erzählte Zeit beträgt noch nicht mal 24 Stunden. Das müsste mir eigentlich gefallen, allerdings hatte ich das Gefühl, dass hier doch zu sehr aufs Gaspedal gedrückt wurde. Der Plot wirkt noch nicht rund, Wendungen sind auf Zufall aufgebaut, weitere Figuren, selbst Patsy, bleiben für mich etwas blass. So ziehe ich ein zwiespältiges Fazit, aber habe durchaus die Hoffnung auf eine Steigerung in dieser Reihe.

 

Freak City 1: Hexenkessel | Erschienen am 14. November 2018 als Selfpublisher im Verlag R&K
ISBN 978-3-746-77975-1
220 Seiten | 9.99 Euro (als E-Book 0.99 Euro)
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Thriller
Wertung: 2.5 von 5.0

Auch bei uns: Monikas Rezension zu Martin Krists Thriller Märchenwald.

 

Tom Franklin | Krumme Type, krumme Type

Larry Ott fristet ein Dasein als Verstoßener in Chabot, Mississippi. Vor 25 Jahren hatte er ein Mädchen mit auf ein Date genommen, das hinterher spurlos verschwand. Larry beteuerte seine Unschuld, ihm konnte auch nie etwas nachgewiesen werden, so dass er nicht verurteilt wurde. Fortan war er ein Paria, lebte allein im abgelegenen Elternhaus. Nun wird erneut eine 19-Jährige vermisst und Larry steht natürlich sofort unter Verdacht. Er wird eines Abends mit schweren Schussverletzungen aufgefunden, liegt seitdem im Koma. Der ermittelnde Detective ist sich relativ sicher, dass Ott sich aus Schuldgefühlen die Verletzungen selbst zugefügt hat. Doch der schwarze Constable Silas Jones ist sich dessen nicht so sicher. Was niemand im Ort weiß, ist, dass Silas und Larry eine gemeinsame Vergangenheit verbindet.

Krumme Type, krumme Type ist eine absolut sensationelle Südstaatengeschichte, die abwechselnd aus der Sicht von Larry und Silas erzählt wird und regelmäßig in Rückblicken die Vergangenheit aufrollt. Denn die Geschichte von damals spielt natürlich in die Gegenwart hinein: Eine Freundschaft zweier ungleicher Jungen, die unter keinem guten Stern steht und nur einen Sommer lang überdauert. Es ist ein pralle Geschichte, in der alles steckt: Crime, Coming of Age, Freundschaft, Verrat, Schuld, Reue, Rassismus, Gewalt. Ein intensives Porträt des ländlichen amerikanischen Südens und dazu zwei wunderbar beschriebene, tragische Hauptfiguren.

Und allen, die meinen, dass ich da wieder einen düsteren Noir empfehlen will, denen sei gesagt, dies ist mitnichten ein Noir, denn man spürt die Sympathie des Autors Tom Franklin für seine Figuren, so dass er diese nicht ohne Hoffnung aus der Geschichte entlassen will. Eigentlich hätte dieses Buch eine viel ausführliche Besprechung verdient, aber es gibt bereits die ultimative Lobhudelei. Die Besprechung von Philly auf ihrem Blog Wortgestalt ist absolut umwerfend, ich kann mich da nur anschließen!

 

Krumme Type, krumme Type | Erschienen am 27. Juli 2018 bei Pulp Master
ISBN 978-3-927734-99-9
406 Seiten | 15.80 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Spannungsroman
Wertung: 5.0 von 5.0

Auch bei uns: Gunnars Rezension zu Tom Franklins Roman Die Gefürchteten.

Weiterlesen: Philly’s Rezension zu Krumme Type, krumme Type

 

Rezensionen 1 bis 4 sowie die dazugehörigen Fotos von Gunnar Wolters.

 

Klara Holm | Krähennest

In einem Krähennest, also einer Aussichtsplattform auf einem Schiff, wird der abgetrennte Kopf eines Mannes gefunden. Luka Kroczek übernimmt die Ermittlungen und findet schnell heraus, dass der Tote ein Kollege seiner Freundin Teresa ist. Als eine zweite Leiche auftaucht, wird der Fall immer undurchsichtiger und auch Teresa gerät in Gefahr.

Krähennest von Klara Holm ist ein flüssig zu lesender Küsten-Krimi, der auf der Insel Rügen spielt und mit echten Schauplätzen punktet. Die typische Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund, aber auch einige Anekdoten aus dem Privatleben der Protagonisten kommen nicht zu kurz. Zum Ende hin wird es dann nochmal spannend und für mich war das Ende nicht vorhersehbar. Durchaus eine Empfehlung als leichten Krimi für zwischendurch.

 

Kurzrezension und Foto von Andrea Köster.

Krähennest | Erschienen am 26. März 2016 bei rororo im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-27071-0
352 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: ausstehend

 

Hier geht es zu den bisherigen Beiträgen der Kategorie: Abgehakt – Krimis kurz besprochen

Jobst Schlennstedt | Lübeck im Visier

Jobst Schlennstedt | Lübeck im Visier

Längst war ihm klar, dass er Arne John angelogen hatte. Denn diese Angelegenheit gehörte ihm ganz allein. Niemand anderes sollte sich darum kümmern. Alles passte genau. Ein vermeintlicher Mord auf einer Frachtfähre und ein Toter, den niemand vermisste. Die Konstellation erschien ihm aussichtslos genug, um ihn endlich wieder zu motivieren, einen Fall anzunehmen. (Auszug Seite 33)

Simon Winter hat sich vor einiger Zeit aus seiner Tätigkeit als Privatermittler zurückgezogen und leitet seit Herbst letzten Jahres den Campingplatz, auf dem er auch wohnt, zusammen mit Anna, der Tochter der Besitzerin. Bei einer Ballonausfahrt wird Simon zugetragen, dass kürzlich auf einer Fähre ein Mann über Bord befördert wurde, es aber nur einen Zeugen gibt, keine Leiche und keinen Vermissten. Diese Geschichte nimmt den Privatermittler so gefangen, dass er doch wieder zu recherchieren beginnt und schon bald merkt, dass er damit viele unangenehme Fragen stellt. Dann gerät Anna in Gefahr und schlussendlich geht es nicht nur um einen Fall, der weit älter ist als der vermeintliche Mord, sondern auch um Minuten!

Simon Winter ist vierzig Jahre alt und wohnt in einem Camper auf dem Campingplatz am Pönitzer See. Als er acht war, musste er mit ansehen, wie seine Eltern erschossen wurden. Nachdem er seine Lehre als Restaurantfachmann abgebrochen hat, begann er sich seine Karriere als Privatdetektiv aufzubauen und gilt jetzt als einer der Besten, wenn nicht sogar als der Beste in der Gegend.

Ein Schauplatz mitten auf der Ostsee

Ich freue mich, dass ich zum Thema des diesjährigen Adventsspezials einen Küsten-Krimi gefunden habe, der größtenteils mitten auf der Ostsee spielt. Weitere Schauplätze sind Lübeck und Travemünde. Die Geschichte ist in einigermaßen kurze Kapitel gegliedert und liest sich sehr flüssig. Das Buch besteht aus gut zweihundert Seiten, kann man also durchaus an einem Wochenende lesen. Die Handlung ist undurchsichtig gestrickt, so dass für mich als Leser nicht sofort zu erkennen war, wie alles zusammenhängt. Also genau so, wie es sein soll. Bis zum Schluss ist es spannend geblieben und erst dann gab es auch die Auflösung aller Verstrickungen.

Ein gewaltbereiter Protagonist

Bei dem Protagonisten Simon Winter bin ich zwiegespalten geblieben. Einerseits macht er meiner Meinung nach einen guten Job, denn er befragt auch unangenehme Menschen und lässt sich nicht so leicht abschütteln. Andererseits ist er mir etwas zu gewaltbereit, denn um seinen Anliegen Nachdruck zu verleihen, scheut er auch nicht davor zurück, mit Fäusten zu agieren. Außerdem bringt er seine Geschäftspartnerin Anna mehr oder weniger wissentlich in Gefahr.

Unter dem Strich

Wie mir Lübeck im Visier von Jobst Schlennstedt am Ende nun wirklich gefallen hat, kann ich gar nicht so genau beschreiben. An sich hat mir der Aufbau der Geschichte gefallen, unter dem Strich ist sie mir aber zu Action geladen und hätte auch Potenzial für einen Action-Film. Außerdem herrschen fast Mafia artige Zustände, die auch nicht meinem Geschmack entsprechen. Wen das nicht stört, findet hiermit aber einen kurzweiligen und interessanten Krimi.

Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für die Hafen- und Logistikwirtschaft. 2006 erschien sein erster Kriminalroman. 

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Lübeck im Visier | Erschienen am 17. September 2015 bei Emons
ISBN 978-3-95451-691-9
224 Seiten | 9.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Adventsspezials Privatdetektive.

Stewart O’Nan | Stadt der Geheimnisse

Stewart O’Nan | Stadt der Geheimnisse

Während seine Papiere – wie sein gegenwärtiges Leben, könnte er sagen – passable Fälschungen waren, war seine Taxilizenz eine an der vorderen Stoßstange befestigte Metallplakette, die viel schwerer zu bekommen war als die Papiere, völlig echt. Und dennoch, da er schon einmal verhaftet worden war – als er in Riga an seinem Tisch in seinem Lieblingscafé gesessen hatte -, wusste er, dass man als Jude nirgends sicher war. (Auszug Seite 16)

Der lettische Jude Brand hat seine ganze Familie im zweiten Weltkrieg und Holocaust verloren und kommt 1946 als illegaler Flüchtling nach Palästina. Dort wird er vom jüdischen Widerstand gegen die britische Besatzungsmacht mit gefälschten Papieren und einer Taxilizenz ausgestattet. Brand, der sich nun Jussi nennt, wird Teil einer Widerstandszelle. Es werden erste Anschläge verübt, zunächst ohne Menschen zu gefährden. Doch der Widerstand wird radikaler und Brand muss sich klar machen, ob dies auch sein Kampf ist.

Brand lernt in Jerusalem die Witwe Eva kennen. Ehemals Schauspielerin und eine bildhübsche Frau, ist bei ihr nun die Mimik einer Gesichtshälfte durch eine Narbe zerstört. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Prostituierte, zu ihren Terminen bringt Brand sie mit seinem Taxi. Auch Eva ist Teil der Widerstandszelle, zu der noch eine Handvoll weitere Personen gehören. Chef der Zelle ist der undurchsichtige Asher. Zu Beginn begehen sie nur kleinere Anschläge, etwa gegen die Stromversorgung. Doch Brand bemerkt die zunehmende Radikalisierung. Die der Untergrundorganisation Hagana zugeordnete Gruppe kommt in Kontakt zu Leuten der radikalen Irgun. Die Radikalisierung verunsichert Brand. Der Kampf um „Eretz Israel“ scheint ihm gerecht, aber mit welchen Mitteln?

Autor Stewart O’Nan ist dem Leser eigentlich als Porträteur der amerikanischen Gesellschaft bekannt. Sein letztes Buch „Westlich des Sunset“ handelt von Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald und vom Hollywood der 1930er Jahre. Insofern ist Stadt der Geheimnisse als Spionagegeschichte eine bemerkenswerte Anomalie im sonstigen Werk des Autors.

Das Buch spielt im Jahr 1946 vor dem Hintergrund des israelisch-jüdischen Kampfes um einen unabhängigen Staat. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch die zionistische Bewegung die Bildung eines jüdischen Staates im alten Siedlungsgebiet in Palästina wieder stark betrieben wurde, kam es zu verstärkten Auswanderungswellen von Juden. 1917 hatte die Briten in der Belfour-Deklaration die Forderung der Zionisten unterstützt, unter starkem Protest der Araber der Region. Nach dem ersten Weltkrieg erhielt Großbritannien das Völkerbundsmandat über Palästina. In der Folgezeit kam es weiterhin zu einer starken Einwanderung nach Palästina und einer größeren Gewaltbereitschaft jüdischer und arabischer Bevölkerungsgruppen. Die Juden gründeten paramilitärische Einheiten wie die gemäßigte Hagana oder die radikalere Irgun. Durch die Ereignisse des zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Situation zudem. Der jüdische Widerstand richtete sich nun verstärkt gegen die Briten, die das Mandatsgebiet räumen und einen jüdischen Staat ermöglichen sollten.

Sein altes Leben war vorbei, sein neues ein Scherbenhaufen und Schwindel. Zur Feier des Tages ging er mit einem Glas Johnnie Walker in seiner Wohnung auf und ab, drückte die Nase ans kalte Fenster und hinterließ einen schmierigen Fleck. Die brummende, taumelnde Schwermut einsamer Betrunkener. (Seite 92)

Dennoch bleibt sich der Autor treu, indem er eine Figur, nämlich Brand, in den Vordergrund stellt und die Ereignisse vollständig aus dessen Sicht durch einen personalen Erzähler beschreibt. O’Nan geht es dabei konkret um das Innenleben seines Protagonisten, eine Figur voller Schwermut, der vor den Scherben seines Lebens steht und dem nun mit seiner Beteiligung an der Widerstandsgruppe eine neue Aufgabe zugeteilt wurde. Doch „die Erinnerung gärte in ihm wie eine Krankheit“ (Seite 58). Er verliebt sich in Eva und doch bleibt die nur eingeschränkt erwiderte Liebe schal im Vergleich zu den Erinnerungen an seine verstorbene Frau Katja. Er war nie wirklich ein gläubiger Jude, nun kämpft er für die Unabhängigkeit Israels.

Ein wenig schade ist es, dass sich der Autor durch die eingeschränkte Erzählperspektive einer gewissen Dynamik beraubt. Eine nähere Betrachtung der Ereignisse durch verschiedene Figuren hätte für mich noch mehr Reiz gehabt. So kann man diesen Roman meines Erachtens dann auch nur eingeschränkt als Spionageroman einordnen, da Reaktionen der Gegenseite kaum eine Rolle spielen. So hinkt der Vergleich der New York Times zu Le Carrés „Der Spion, der aus der Kälte kam“ auf der Rückseite des Buches dann doch ein wenig.

Der Roman überzeugt dafür an anderer Stelle. Die unruhige, brodelnde Atmosphäre des dennoch florierenden Jerusalem wird sehr überzeugend in Szene gesetzt. Daneben ist diese Geschichte eines gebrochenen Mannes, der mit sich um den letzten Rest Liebe, Moral und Anstand ringt, durchaus fesselnd. So bleibt am Ende ein positives Fazit, obwohl die Winkelzüge, Manöver und Suspense eines klassischen Spionageromans etwas zu kurz kommen.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Stadt der Geheimnisse | Erschienen am 23. Oktober 2018 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-05044-3
224 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmens unseres .17specials Ein langes Wochenende mit… Spionageromanen.

Markus Stromiedel | Nachtfrost

Markus Stromiedel | Nachtfrost

Selig betrachtete Lasnik nachdenklich. „Es gibt eine Verbindung zwischen Ihnen und Jacob Winterberg. Und es gibt eine zwischen Ihnen und meinem Vater. Erzählen Sie mir, was Sie wissen, dann werde ich herausbekommen, was wirklich passiert ist“
Lasnik betrachtete Selig lauernd. Langsam schüttelte er den Kopf. „So läuft das nicht. […] Holen Sie mich hier raus. Dann verrate ich Ihnen, was damals geschehen ist.“ (Auszug Seite 237)

Kommissar Paul Selig hat eine merkwürdige Begegnung mit einem älteren Mann namens Jacob Winterberg, dieser kündigt ihm seine Ermordung durch einen gewissen Erhard Lasnik an. Selig ist etwas verwirrt, zumal ihm Winterberg auch ein Foto übergibt: Ein altes Bild aus Seligs Kindertagen mit seinem Vater und seiner Schwester. Einen Tag später ist Winterberg tatsächlich tot und alle Indizien inklusive der Tatwaffe deuten auf Lasnik.

Gleichzeitig erhält der Fall eine übergeordnete politische Bedeutung. Zu Beginn wird der Chef einer NGO zur Aufklärung von Staatsverbrechen auf dem Flughafen von Krakau durch einen Giftanschlag getötet. Einen Tag darauf wird die Bundesrepublik Opfer eines hochprofessionellen Hackerangriffs vermutlich russischer Hacker. Die Regierung ist lahm gelegt. Hoffnung besteht durch einer Berliner Firma, die sich auf Antivirus-Bekämpfung spezialisiert hat. Ihr Inhaber: Erhard Lasnik.

Autor Markus Stromiedel war zunächst als Journalist, Drehbuchautor, Producer und in anderen Funktionen für Film und Fernsehen tätig. Er gilt als Vater der Tatort-Figur Klaus Borowski. 2008 veröffentlichte er den ersten Krimi mit Kommissar Paul Selig. In den letzten Jahren begab er sich zunehmend ins Science-Fiction-Genre. Ich hatte die ersten beiden Bände um Paul Selig („Zwillingsspiel“ und „Feuertaufe“) in guter Erinnerung. So üppig ist die deutsche Krimilandschaft mit poltischen Krimis ja nicht gesegnet, so dass ich zu diesem dritten Band nach acht Jahren Pause gegriffen habe.

Hauptfigur ist der Berliner Kommissar Paul Selig, ein zurückhaltender, intelligenter Polizist, manchmal etwas verpeilt. Er steht außerdem nicht gerne im Mittelpunkt, sodass andere Kollegen den Ruhm seiner Ermittlungserfolge einheimsen. Seligs Abteilung steht zu Anfang des Buches vor der drohenden Auflösung wegen Budgeteinsparungen und ihm droht (fast zwanzig Jahre vor Dienstzeitende!) der Vorruhestand. Dies will vor allem seine emsige Kollegin Maria Fernandez verhindern, die sich zum einsamen Wolf Selig hingezogen fühlt. Umgekehrt übrigens auch, aber die Bindungsscheue Seligs verhindert zunächst ein Zusammenkommen.

Das Interessante am Plot ist der Zusammenhang zwischen einer „normalen“ Mordermittlung und einer von Computerviren ausgelösten Staatskrise. So geht es zum einen um eine Bedrohung durch von ausländischen Mächten kontrollierten Hackern und zum anderen um deutsch-deutsche Vergangenheit (Stasi-Verbrechen). Ebenfalls spielt Seligs Privatleben und Vergangenheit eine wichtige Rolle. Da wäre etwa Seligs schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, der beim Geheimdienst aktiv war, und dessen Arbeitsräume in der Familienvilla am Wannsee er nur widerwillig betritt. Auch Seligs Sohn Tobias, ein Hacker und Aktivist, ist in die Story involviert. Auf der anderen Seite bemüht sich der Autor aber auch um einen Blick in die Schaltzentralen der Macht: Bundeskanzlerin, Innenminister und Geheimdienstkoordinator (Ähnlichkeiten zu realen Personen sind vermutlich rein zufällig) tun ihr Möglichstes, um die Krise abzuwenden. Diese wird allerdings bis auf hektische Aktivitäten im Kanzleramt etwas spärlich choreographiert. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht, allerdings war dazu aufgrund der weiteren Handlungsstränge vermutlich nicht mehr genug Raum.

Nach acht Jahren Pause mit der Reihe um Paul Selig liefert Autor Markus Stromiedel einen spannenden und temporeichen Politkrimi ab. Die Szenarien und Zusammenhänge sind weitgehend glaubhaft. Der einzige Grund, warum ich nicht noch größeres Lob verteile, ist die Tatsache, dass ich die Entwicklungen der Story teilweise erahnt habe. Ich rätsel noch, ob das jetzt mit meiner Abgebrühtheit in Sachen Politik zu tun hat oder ob sich der Autor an einzelnen Stellen mehr hätte einfallen lassen müssen. Vielleicht beides. Aber davon abgesehen ist Nachtfrost ein sehr solider und unterhaltsamer Kriminalroman.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Nachtfrost | Erschienen am 1. August 2018 im Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52067-3
416 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Abgehakt | September 2018

Abgehakt | September 2018

Francis Beeding | Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes ♬

Viele Filme des Altmeisters Alfred Hitchcock basieren auf literarischen Vorlagen. Dieser teils vergessenen Perlen hat sich Jens Wawrczeck in einer neuen Hörbuchreihe angenommen und die spannenden Geschichten vertont. Während mich die Die Vögel sehr begeisterte, hatte ich mit Spellbound so meine Schwierigkeiten und bin nicht wirklich in die Geschichte reingekommen.

Das Haus von Dr. Edwardes ist eine Nervenklinik, die einem Schloss ähnlich sehr abgelegen in den Bergen liegt. Die junge Nachwuchsärztin, Dr. Constance Sedgwick, eine attraktive, unterkühlte Frau, fängt neu in der Klinik an, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Ihr Chef, der renommierte Oberarzt Dr. Edwardes befindet sich nach einem Nervenzusammenbruch im Erholungsurlaub. Während seiner Abwesenheit übernimmt Dr. Murchison die Leitung. Der brillante Psychiater lieferte erst kürzlich einen gefährlich psychotischen Patienten ein, der auf dem Transport einen Pfleger tötete. Nur durch das beherzte Eingreifen von Dr. Murchison konnte noch Schlimmeres wie zum Beispiel eine Flucht verhindert werden.

Die ehrgeizige Dr. Sedgwick begegnet bei ihrer Ankunft mehreren Dorfbewohnern, die sie vor den teuflischen Gefahren in der Nervenklinik warnen. Dieses soll wohl gruseligen Schauer verbreiten. Ich war aber nur von den schrulligen Charakteren genervt. Ellenlange Dialoge in einer betulichen Sprache, die die Geschichte nicht wirklich voran brachten, langweilten mich. Nach zweimaligen Anläufen habe ich das Hörbuch abgebrochen. Die Schauergeschichte hat leider meinen Geschmack nicht getroffen.

Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes | Die gehörte Edition erschien am 31. Mai 2018 bei audoba
ISBN 978-3-942210-48-5
Laufzeit: 600 Minuten
16.95 Euro
Bibliografische Angaben & Hörprobe
Genre: Psychothriller
Wertung: entfällt wegen Abbruch

 

Ivo Pala | in Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand

Wie der Titel schon sagt, wird eine Leiche am Strand zwischen Wustrow und Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gefunden. Die Kommissare Bodo Fuchs und Gisa Haas beginnen sofort mit den Ermittlungen, denn zunächst muss herausgefunden werden, um wen es sich bei dem Toten handelt. Nach und nach tauchen Fuchs und Haas in die Kunstszene ein, in der es nicht nur um wertvolle Gemälde, sondern auch um Neid, Missgunst und den eigenen Vorteil geht.

Die Geschichte wird aus Sicht von Fuchs geschildert und dabei erzählt er ziemlich „frei Schnauze“ und der Leser wird direkt angesprochen und geduzt, was ich sehr erfrischend finde. Fuchs und Haas sind nicht immer einer Meinung, aber im Grunde ein gutes Team. Beiden ist der Ermittlungserfolg genauso wichtig wie die kulinarische Verpflegung während der Arbeit. Deshalb gibt es am Ende der Geschichte für den Leser noch einige mecklenburgische Rezepte.

Fazit: „Die Leiche am Strand“ von Ivo Pala ist ein kurzweiliger Krimi für Zwischendurch, der mir gute Unterhaltung geboten hat.

Ein Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand | Erschienen am 25. April 2018 independently published
ISBN-13: 978-1980858508
245 Seiten (TB) | 2.99 Euro (eBook)
Die Taschenbuchausgabe gibt es (wie das eBook) für 9.99 Euro über amazon.de
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Helen Kampen | Möwe, Meer und Mord

Ein Mord an einer Restaurant-Betreiberin auf der Insel Norderney bringt alle in Aufruhr. Kriminalkommissar de Vries und seine Kollegin Nina kommen aus Aurich angereist, um den Mörder zu finden und die Journalistin Amadea, die gerade mit ihrer Familie Urlaub macht, wittert eine interessante Story.

Der Urlaubskrimi Möwe, Meer und Mord von Helen Kampen hält, was er verspricht: Leichte Unterhaltung für zwischendurch. Schön finde ich, dass die Autorin echte Schauplätze mit einbezogen hat. Das Ende wiederum war etwas absehbar und ich hätte mich über eine Überraschung gefreut. Meine Vorfreude auf den Sommerurlaub ist hiermit aber auf jeden Fall gestiegen!

Möwe, Meer und Mord | Erschienen am 17. März 2016 im Emons Verlag
ISBN 978-3-95451-791-6
224 Seiten | 10.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Tom Bouman | Im Morgengrauen

Wild Thyme, ein ländlicher Flecken im Norden Pennsylvanias. Der Officer Henry Farrell hat einen unangenehmen Fall: Penny Pellings, junge Mutter, drogenabhängig und wohnhaft in einem Wohnwagen, ist spurlos verschwunden. Ihr Partner, Kevin O’Keeffe, ist dringend tatverdächtig, beteuert aber seine Unschuld. Kurz darauf wird eine Leiche aus dem Fluss gezogen, ein Dealer und Bekannter von Penny. Henry bleibt auf der Suche und wird nach und nach immer tiefer in die dunklen Seiten der Region gezogen.

Der Roman spielt im sehr ländlichen Nordosten Pennsylvanias an der Grenze zum Bundesstaat New York. Ein klassisches Setting eines country noir bzw. rural noir: Strukturschwach, sichtbarer Niedergang, nur wenige Profiteure vom neuen Arbeitgeber, der Fracking-Industrie. Stattdessen die Kehrseiten der Medaille: Umweltschäden, Verkehr, Drogen. Erzählt wird die Geschichte vom Ich-Erzähler Henry Farrell. Dieser ist ein Kleinstadtpolizist in den unteren Hierarchiestufen. Ein eher melancholischer, nachdenklicher Typ, schon früh verwitwet.

Im Morgengrauen ist definitiv kein rasanter, temporeicher Krimi, auch die Spannungsmomente sind punktuell dosiert. Da gäbe es also noch Luft nach oben. Allerdings hat mir die Darstellung dieses Landstrichs in Pennsylvania als Symbol für den Niedergang des ländlichen Amerika mit all seinen Facetten gut gefallen. Das Setting und auch die Figuren wirken real und authentisch. Der Roman ist kein klassischer Krimi mit Fokus auf den Ermittlungen, sondern ein Hybrid aus Krimi und Gesellschaftsroman mit weitem Blick auf das Drumherum. Ein entschleunigter Noir. Wer sowas mag, ist bei Tom Bouman durchaus gut aufgehoben.

Im Morgengrauen | Erschienen am 26. Juni 2018 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-900-5
350 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Noir/hardboiled
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Eric Ambler | Waffenschmuggel

Malaya, britisches Protektorat in den 1950ern. Eine kommunistische Rebellengruppe wird aufgerieben und hinterlässt unbemerkt im Dschungel ein Waffenversteck. Der indische Sekretär Girija findet die Waffen und sieht endlich die Chance, mit dem Verkauf der Waffen seinen Lebenstraum zu erfüllen: Die Gründung eines Busunternehmens. Doch der Verkauf der Waffen ist nicht so leicht. Ein Hehler ist in dem windigen chinesischen Geschäftsmann Tan schnell gefunden. Mögliche Käufer wären eine antikommunistische Widerstandsgruppe auf Sumatra. Doch um die Waffen in Singapur zu verkaufen, wird ein Strohmann benötigt. Man findet ihn in dem naiven amerikanischen Geschäftsmann Greg Nilson, der auf einer Kreuzfahrt in der Region weilt.

Wenige Zeit nach Graham Greenes „Der stille Amerikaner“ beschäftigte sich auch Eric Ambler mit Südostasien und brachte auch eine Hommage an Greenes Roman unter, indem er Nilson zu dessen Widerwillen in Saigon eine unfreiwillige Sightseeing-Tour zu den Schauplätzen des „stillen Amerikaners“ spendiert. Obwohl nicht frei von Stereotypen zeigt Ambler die knifflige und diffizile Lage in der Region auf und die Ignoranz, mit der die Amerikaner damit umgehen. Eine aktuelle und weitsichtige Note erhält die Story durch die Tatsache, dass der Amerikaner Nilson im guten Glauben, den Kommunismus zu bekämpfen, eine islamistische Gruppierung bewaffnen will.

Waffenschmuggel ist lange Zeit eine eher leicht launige Nummer, eine Reise durch Südostasien inklusive des Einfädelns eines Waffendeals. Da ist dann zwar zunächst nur verhältnismäßig wenig Thrill – zum Ende hin wird es aber noch richtig aufregend. Alles in allem erweist sich der Autor wieder einmal als versierter Geschichtenerzähler und Vermittler von politischen Hintergründen.

Waffenschmuggel | Erstmals erschienen 1959
Die aktuelle Ausgabe erschien am 5. Juni 2018 im Atlantik Verlag
ISBN 978-3-455-65116-4
368 Seiten | 14.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Politthriller
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Christopher Brookmyre | Wer andern eine Bombe baut

Raymond Ash hat gerade keine guten Lauf: Zuhause ist die Stimmung angespannt, da sein neugeborener Sohn unter Koliken leidet, sein neuer Lehrerjob entpuppt sich als Höllenjob. Und dann lauern ihm auch noch irgendwelche Killer auf, als er das Abendessen besorgen will. Gleichzeitig ist die Polizistin Angelique de Xavia auf Terroreinsatz. Ein Terroranschlag des internationalen Topterroristen „Black Spirit“ ist für den Norden Großbritanniens angekündigt, nur kennt niemand das genaue Anschlagsziel. Irgendwann wird Angelique klar, dass Raymond der Schlüssel zum Ganzen ist. Beide nehmen den Kampf gegen „Black Spirit“ auf.

Christopher Brookmyre ist ein echter Vielschreiber, aber in deutscher Übersetzung liegen erst vier seiner über 20 Romane vor. Dieser hier ist der erste Auftritt seiner Protagonistin Angelique de Xavia (die auch in Die hohe Kunst des Bankraubs auftritt), klein im Wuchs, aber groß in Selbstbewusstsein und Cleverness. In diesem Buch erhält sie in Raymond Ash einen Mann in der Midlife-Crisis als unfreiwilligen Kompagnon.

Wer andern eine Bombe baut ist ein cleverer und streckenweise rasanter Thriller. Autor Brookmyre ist sehr versiert in schwarzem Humor, bissiger Gesellschaftskritik und popkulturellen Anspielungen. Könnte also ein Wahnsinnsbuch sein, allerdings hat der Autor auch ein Manko: Er plaudert und plaudert, hier noch eine Anekdote, dort noch eine krude Story aus der Vergangenheit der Hauptfiguren. Das schmälert auf Dauer dann doch den Lesefluss und bläht die Story unnötig auf.

Wer andern eine Bombe baut | Erschienen am 8. März 2018 im Galiani Verlag
ISBN 978-3-669-71163-8
368 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Thriller
Wertung: 3 von 5

Rezension 1 von Andy Ruhr, Rezension 2 und 3 von Andrea Köster, Rezension 4 bis 6 von Gunnar Wolters. Die Rechte für die Fotos liegen bei den Rezensenten.

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