Kategorie: Gunnar Wolters

Gioacchini Criaco | Schwarze Seelen

Gioacchini Criaco | Schwarze Seelen

Wir hielten uns für tüchtig, für die Fähigsten von allen, wir dachten, wir hätten in Eigenregie zuerst Heroin, dann Koks gedealt. Stattdessen waren wir freiwiliig auf einen Zug aufgesprungen, den andere steuerten. Wir verkauften den Tod, weil jemand ein Interesse daran hatte, dass wir es taten, doch wir wussten, was wir taten. Seit unserer Kindheit trugen wir Waffen, um frei zu sein. Wir waren noch immer bewaffnet, doch wir ähnelten in allem jenen, die wir eigentlich bekämpfen wollten.
Nicht wir fanden das Rauschgift der Türken, es kam zu uns. Den Grund dafür erkannte ich erst später, Luciano hatte es geahnt, er hatte mich gewarnt, doch ich hatte ihm nicht geglaubt, und wie immer riss ich ihn mit.
Wir glaubten zu strahlen, brachten jedoch Dunkelheit (Auszug Seiten 104-105)

Drei Jungen aus einem Dorf im tiefen Süden des italienischen Stiefels wachsen als Söhne von Ziegenhirten auf. Die ärmlichen Dörfer ringsum werden von den „Ehrenmännern“ kontrolliert. Doch die Jungs wollen sich nicht damit abfinden, von der Mafia rekrutiert zu werden. Sie ziehen lieber ihr eigenes Ding durch. Schon als Schüler drehen sie die ersten Dinger: Einbrüche, Diebstähle, schließlich Überfälle. Schließlich gehen sie nach Mailand und steigen dort erfolgreich in den Drogenhandel ein. Das Geschäft wächst und wächst, aber sie gehen auch Verbindungen ein, die sich nicht so einfach aufkündigen lassen.

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Sam Hawken | Kojoten

Sam Hawken | Kojoten

Das Gesicht des Toten war ausdruckslos, mit Sand verstaubt und glatt rasiert. Die Nase war beim Aufprall auf den Boden gebrochen, auf der Oberlippe klebte Blut.
Ana durchsuchte die Taschen der Windjacke. Auch sie waren leer. Dann die Vordertaschen der Jeans. Sie hatte nicht erwartet, etwas zu finden, aber auf irgendetwas gehofft. Das T-Shirt des Toten war blutgetränkt. Eine der Kugeln war direkt über dem Herz ausgetreten. Wahrscheinlich war er bereits tot gewesen, als er auf dem Boden aufschlug. Ana war erleichtert, denn in dieser Gegend war ein schneller Tod eine Gnade.
„Wieder ein Namenloser“, sagte Darren. (Auszug Seite 20)

Texas Ranger Ana Torres ist auf einer ihrer täglichen Patrouillenrunden in der heißen, staubigen Landschaft entlang der Grenze zu Mexiko. Sie kommt als erstes an einen Vergewaltigungsbaum, wo die Schlepper die Unterhosen der Frauen als Trophäen aufhängen. Nicht weit entfernt von dem Baum findet sich die Leiche eines Mexikaners. Er wurde durch mehrere Schüsse in den Rücken getötet, wieder ein Opfer von „La Frontera“, der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

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Ahmed Mourad | Vertigo

Ahmed Mourad | Vertigo

„Und was, meinst du, sollen wir tun?“
„Wir lassen Sie hochgehen!“
„Ich verstehe nicht.“
„Die Fotos, die du gemacht hast, werden ihre Verbrechen an den Menschen nicht ans Licht bringen, aber sie werden dafür sorgen, dass die Menschen keinen Respekt mehr vor ihnen haben. Sie werden ihr Vertrauen erschüttern. Dieses schlafende Volk liebt den Aufruhr. Zerschneiden wir das Tischtuch! Geben wir dem Volk einen Skandal, um es aufzuwecken! Reißen wir denen das Handtuch von den Lenden! Zeigen wir den Menschen, wer ihnen Essen und Trinken gibt und wo sie ihr Geld hintragen! Sie sollen die Hure sehen, die sich erst für mehrere Tausender in Bewegung setzt und dann sieben auf einmal bedient, während sich manche Wissenschaftler mit dem Allernötigsten begnügen müssen. Sie sollen erkennen, dass es so nicht weitergeht, erfahren, dass es einen großangelegten Plan gibt, sie für dumm zu verkaufen und zu melken. Was ist das für ein Volk? Will es denn nicht endlich wach werden?“ (Auszug Seite 280)

Achmad Kamal ist als Hochzeitsfotograf in einem Kairoer Hotel tätig. Nach getaner Arbeit fährt er nach oben in die Bar im vierzigsten Stock. Dort arbeitet sein Freund Hussam als Barpianist. Als der Manager in Erwartung wichtiger Gäste die Bar inspiziert, verzieht sich Achmad auf den Balkon. Es finden sich kurz darauf zwei bekannte Geschäftsmänner samt Leibwächter in der Bar ein. Achmad ist immer noch auf dem Balkon, als plötzlich drei Bewaffnete die Bar stürmen, das Feuer eröffnen und ein Blutbad anrichten. Lediglich einer der Geschäftsmänner, der Waffenhändler Dhannun wird schwer verletzt zurückgelassen, ansonsten werden alle Zeugen, auch die Barangestellten und Hussam liquidiert. Nur Achmad bleibt auf dem Balkon unentdeckt und kann den Auslöser seiner Kamera betätigen.

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Ross Thomas | Kälter als der kalte Krieg

Ross Thomas | Kälter als der kalte Krieg

Mac McCorkle betreibt eine Bar in Bonn. Sein Partner Michael Padillo verdingt sich nebenbei beim amerikanischen Geheimdienst. McCorkle nimmt eines Tages den etwas schmierigen deutschen Geschäftsmann Maas mit in seine Bar. Dort wird kurz darauf dessen Verabredung mitten im Lokal erschossen. Maas flüchtet und auch Padillo hat keine Lust auf die deutsche Polizei und verschwindet. Wenig später erreicht McCorkle ein Hilferuf Padillos aus Berlin. Verfolgt vom Geheimdienst versucht McCorkle seinem Partner zu helfen.

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Ferdinand von Schirach | Terror: Ein Theaterbesuch

Ferdinand von Schirach | Terror: Ein Theaterbesuch

Vorsitzender: „Guten Tag, meine Damen und Herren. Ich freue mich, dass sie pünktlich kommen konnten. […] Bevor wir anfangen, möchte ich Sie bitten, alles zu vergessen, was sie über diesen Fall gelesen oder gehört haben. Wirklich alles. Nur Sie sind dazu berufen, hier zu urteilen, Sie sind die Schöffen, die Laienrichter, die heute über den Angeklagten Lars Koch zu Gericht sitzen. Das Gericht stattet Sie mit der Macht aus, über das Schicksal eines Menschen zu entscheiden. Bitte nehmen Sie diese Verantwortung ernst. […] Urteilen Sie also ruhig und gelassen. Und vor allem: Denken Sie daran, dass vor Ihnen ein Mensch sitzt; er hat die gleichen Träume wie Sie, die gleichen Bedürfnisse, er strebt, wie Sie, nach Glück. Bleiben Sie deshalb bei Ihrem Urteil selbst Menschen.“ (Auszug aus dem Buch, Seiten 7-9)

Autor und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach zählt seit dem Erscheinen seines ersten Kurzgeschichtenbandes Verbrechen im Jahr 2009 zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern. Insbesondere sein Roman Der Fall Collini wurde auch international ein Bestseller. Von Schirach nutzt seine Erfahrung als Jurist, um in seinen Werken an der Grenze zwischen Kriminalliteratur und Belletristik große moralische Fragen von Recht und Gerechtigkeit, Verbrechen, Schuld, Sühne und Strafe aufzuwerfen. Im Jahre 2014 veröffentlichte von Schirach eine Sammlung von Essays, die er im „Spiegel“ veröffentlicht hatte, unter dem Titel Die Würde ist antastbar. Diese Thematik hat er nun wieder aufgegriffen und in dem Theaterstück Terror verarbeitet. Das Drama wird laut Wikipedia in der Spielzeit 2015/16 an 27 deutschsprachigen Bühnen aufgeführt.

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