Kategorie: True Crime

Sophie Sumburane | Keine besonderen Auffälligkeiten

Sophie Sumburane | Keine besonderen Auffälligkeiten

Zu den harten Fakten: Von Oktober 1989 bis April 1991 verübte ein Serienmörder in Brandenburg südöstlich von Berlin insgesamt sechs Morde und beging drei weitere Mordversuche. Die Taten waren auch mit sexuellem Missbrauch bzw. Vergewaltigung verbunden. Die Taten und die Suche nach dem Täter wurden von der Presse intensiv verfolgt, man gab ihm den Namen „Rosa Riese“ oder „Bestie von Beelitz“. Die Berichterstattungen während der Suche und später während des Prozesses von bestimmten Boulevardmedien wurden anschließend stark kritisiert. Im August 1991 wurde schließlich ein Mann in Damenbekleidung von zwei Joggern überwältigt und der Polizei übergeben. Dort gestand Wolfgang Schmidt, ehemaliger Volkspolizist, die Taten. Während des Prozesses wurde bekannt, dass Schmidt einen extremen sexuellen Fetischismus entwickelt hatte. Später ließ Schmidt ihre Transgeschlechtlichkeit bekanntgeben und erfolgreich die Geschlechtszuordnung ändern. Sie heißt seitdem Beate Schmidt und ist immer noch im Maßregelvollzug untergebracht.

Die Potsdamer Autorin Sophie Sumburane hat sich dieses Stoffes angenommen und daraus einen True Crime-Roman verfasst. Sie beginnt den Roman in Deetz, einem kleinen Ort an der Havel zwischen Potsdam und Brandenburg, Anfang Oktober 1989. Hedi, eine junge Frau aus dem Dorf, badet wie viele aus der Gegend gerne in den Erdelöchern, kleine Seen in ehemaligen Torfabbaulöchern, als sie einen Mann bemerkt, der sie beobachtet. Sie entkommt mit einem Schrecken, der Mann greift sie nicht an, verhält sich aber merkwürdig. Zwei Wochen später wird in der Bungalowsiedlung nahe der Erdelöcher eine 51jährige Frau ermordet, die Hedi auch kannte. Die Bewohner aus Deetz reagieren schockiert, neben Hedi auch ihre beste Freundin Gabi. Die Polizei der untergehenden DDR ist mit dem Fall überfordert, verdächtigt unter anderem den Ehemann, obwohl der überhaupt nicht zu der Beschreibung des Täters passt, der einem Zeugen in der Siedlung aufgefallen ist.

Der Roman konzentriert sich in der Folgezeit stark auf die beiden Frauen und Ich-Erzählerinnen Hedi und Gabi, die sich durch den Wandel in der DDR und der später erfolgenden Wiedervereinigung in einer komplizierten Lebensphase befinden. Die scheinbar vorgezeichneten Pfade der DDR mit Ausbildung und Beruf gelten nicht mehr, man ist nun aber auch etwas überfordert mit der Freiheit. Gerade die Elterngeneration findet sich nur schwer in der neuen Bundesrepublik zurecht. Und nun geht die Angst vor dem Mörder um, der das Dorf lähmt, in die heile Welt eindringt. Hedi flüchtet mit ihrem Freund Erich nach Berlin. Doch dort lässt er sie nicht mehr aus der Wohnung, steigert sich in Beschützerinstinkte, wird ihr gegenüber körperlich. Irgendwann glaubt Hedi, dass er der Gesuchte ist. Gabi hingegen nutzt die neue Freiheit, bewirbt sich erfolgreich um ein Praktikum bzw. Volontariat bei der Bild-Zeitung. Dort will sie auf den Fall des Mörders und vermutlichen Serientäters aufmerksam machen, scheitert aber zunächst am Desinteresse der Redaktion. Erst der Doppelmord an einer Mutter und ihres Säuglings lässt das Interesse des Boulevards umso heftiger entfachen. Währenddessen versucht Gabi, Hedi aus ihrem „Gefängnis“ mit Erich zu befreien.

Die Autorin nutzt die beiden Frauen und ihr Umfeld, um die einschneidenden Erfahrungen der Wendezeit deutlich zu machen. Ein gewohntes Umfeld, dass sich plötzlich stark verändert. Eine neu gewonnene Freiheit, die auch erstmal verunsichert. Ein Konsumrausch, dem viele nicht gewachsen sind. Die staatliche Ordnung der DDR, die vom Übergang überfordert ist. Existenzängste. Die Bundesrepublik als Ellbogengesellschaft. Die niederen Instinkte des Boulevardjournalismus. Hinzu kommen die Taten des Serienmörders, die verstören und Angst machen, die als westlich importiert empfunden wurden, obwohl, wie sich später herausstellt, der Täter in der DDR unter ihnen sozialisiert wurde. Der Täter selbst kommt übrigens nur selten durch knappe, kurze Abschnitte – zumeist Aussagen aus dem Polizeiverhör – vor. Der Fokus liegt weniger auf den Taten und gar nicht auf den Ermittlungen, eher auf den Opfern, denen ein gewisser Platz eingeräumt wird, vor allem aber auf der gesamtgesellschaftlichen Situation der Wendezeit und der damit verbundenen Umwälzungen, in der diese Taten stattfanden und was diese dadurch für ein Echo auslösten. Das macht den Roman zu einer lesenswerten Studie über ein aufsehenerregendes Verbrechen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.

„Ich glaubte, ich wollte beim Aufklären helfen, weil irgendwie keiner so richtig etwas tat, doch jetzt weiß ich, eigentlich war es meine Angst, die mich antrieb. […] Es war die Angst, die mich zwang zu verstehen zu wollen, wovor ich Angst haben musste. Ich hatte das Gefühl, ich würde erst wieder angstfrei sein, wenn ich jeden Moment mit Gewissheit wusste, wo er war. Doch nun sind Monate vergangen, ohne dass ich mehr weiß, eine weitere Frau wird vermisst und ein weiteres Mal scheint sie vergessen zu werden.“ (Auszug S. 212)

Über die Recherchen von Sophie Sumburane wurde zudem auch eine dreiteilige Dokumentarserie („Rosa Riese“) der Reihe „ARD Crime Time“ produziert. Ein Kamerateam begleitet die Autorin bei der Befragung von Zeitzeugen und auf Spurensuche in der Region. Zudem werden Archivbeiträge eingespielt. Im Gegensatz zum Buch spielen die Polizeiermittlungen und der Täter eine größere Rolle. Insofern eine interessante Ergänzung zum Roman.

 

Foto und Rezension von Gunnar Wolters.

Keine besonderen Auffälligkeiten | Erschienen am 02.03.2026 in der Edition Nautilus
ISBN 978-3-96054-478-4
296 Seiten | 20,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weitersehen: Dokumentarserie „Rosa Riese“ in der ARD-Mediathek

Patrick Radden Keefe | Sage nichts – Mord und Verrat in Nordirland

Patrick Radden Keefe | Sage nichts – Mord und Verrat in Nordirland

Der Nordirlandkonflikt ist für Außenstehende ein äußerst komplexes Thema. Oberflächlich waren die Frontlinien klar: Katholiken gegen Protestanten, Befürworter eines vereinten Irland gegen Unionisten, die den Verbleib im Vereinigten Königreich wollten. Die Polizei und das Militär, dass die britische Staatsmacht durchsetzte. Doch innerhalb des Konflikts gab es so viele Nuancen, Schattierungen, Splittergruppen, dass man schnell den Überblick verliert. Selbst heute, mehr als 25 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen ist die Lage nicht konfliktfrei. Spätestens der Brexit, aber auch die nicht wirklich aufgearbeitete Vergangenheit lassen alte Konfliktlinien nochmal ins Bewusstsein kommen.

Für die Kriminalliteratur war Nordirland ein reizvoller Schauplatz. Auch mich hat der Konflikt nochmal besonders interessiert, vor allem durch die Sean-Duffy-Reihe von Adrian McKinty. Eine sensationelle Hauptfigur, ein Katholik in der protestantischen nordirischen Polizei, jung, intelligent, aufmüpfig, testosterongesteuert inmitten der Troubles der 1980er. Von McKinty als Ich-Erzähler mit viel schwarzem Humor erzählt. Spannend auch der Ansatz von Eoin McNamee, der die Konflikte als Hintergrundrauschen nutzt, um von Verbrechen in Nordirland zu erzählen. Etwa über einen Psychopathen in „Belfaster Auferstehung“, der die Gewalt und die Strukturen nutzt, um seine Gewaltfantasien auszuleben. Aber auch nach dem Friedensabkommen von 1998 bleibt das Setting interessant. Beispielsweise bei Stuarts Nevilles „Die Schatten von Belfast“, in dem ein einstiger gefürchtete Killer der IRA als psychisches Wrack aus der Haft freikommt. Die einst von ihm Ermordeten manifestieren sich zu anklagenden Schatten in seinem Bewusstsein. Und nun stellt er fest, dass diejenigen, die ihn zu den Morden angestiftet haben, durch das Abkommen ganz hervorragend weggekommen sind.

Doch noch interessanter als Crime Fiction kann es werden, wenn man wahre Geschichten von den Troubles erzählt. Der Investigativjournalist Patrick Radden Keefe hat sich dieser Sache angekommen. In seinem erzählerischen Sachbuch „Sage nichts – Mord und Verrat in Nordirland“ versucht er einen eigenen Blick auf den Nordirlandkonflikt und behandelt vor allem die Fragen nach dem Erbe des Konflikts, die schleppende Aufarbeitung, das immer noch große Schweigen über die Taten und die Fragen nach der Rechtfertigung für all die Toten und Verletzten.

Keefe versucht nicht, die ganze Geschichte des Konflikts chronologisch zu erzählen. Er lässt sogar die Seite der Unionisten weitgehend außen vor. Sein Buch beginnt mit zwei Ereignissen, die den roten Faden bilden. Im Dezember 1972 verschwand die 38jährige Jean McConville. Vermummte Personen holten sie aus ihrer Sozialwohnung in den berüchtigten Divis Flats, zurück blieben zehn Kinder. McConville wurde als Verräterin, Kollaborateurin bezeichnet. Als eine der wenigen Personen blieb sie allerdings über Jahrzehnte verschwunden, ihre Leiche tauchte nie auf, niemand übernahm Verantwortung für ihr Verschwinden. Zum anderen Delours Price, eine junge Frau aus einer republikanischen Familie, die sich zusammen mit ihrer Schwester schon jung der IRA anschließt und mit anderen einen Bombenanschlag 1973 in London durchführt, der sie allerdings in Haft bringt. Sie wird eine der ersten, die in der Hungerstreik treten, der später noch wirkungsvoller als Instrument der IRA eingesetzt wird. Sie spielte aber auch eine Rolle beim Verschwinden von Jean McConville.

Über diese und weitere Personen nähert sich das Buch dem Konflikt und den beteiligten Personen an. Er erzählt dabei von der Radikalisierung des Protestes und dem hohen Blutzoll, der uneingeschränkt eingeforderten Loyalität und der zunehmenden Politisierung bis hin zum Karfreitagsabkommen. Keefe erzählt von Traumata, nicht nur der Hinterbliebenden, auch von den alten Kämpfern, die sich nun fragen, wofür damals gekämpft wurde und ob es eine Rechtfertigung gibt. Er erzählt aber auch vom Schweigen, von einer Omertá, die eigentlich bis heute gilt und jeden, der sie bricht, in große Gefahr bringt. Das wird im Buch an einem Oral History-Projekt deutlich, dass Historiker aus Boston initiiert hatten. Es wurden zahlreiche Interviews mit Beteiligten über die Zeit des Terrors geführt, mit dem Versprechen, diese erst nach deren Tod auszuwerten und öffentlich zu machen. Doch die Existenz des Projekts wurde bekannt, es wurde die vorzeitige Herausgabe von Interviews gerichtlich durchgesetzt und Personen damit wieder in die Schusslinie gebracht.

Patrick Radden Keefe gelingt es, die Geschichten auch der Täter meist wertungsfrei zu erzählen. Es kommen Mörder und Terroristen zu Wort, deren Hintergründe offenbart werden und deren Taten nicht verschwiegen werden, doch sie erhalten Gelegenheit zur Reflexion und Reue. Es gibt allerdings eine Person, die Keefe nicht pfleglich behandelt, sondern deren fehlendes Verantwortungsbewusstsein mehrfach präsent ist: Gerry Adams, langjähriger Chef der Sinn Féin, des politischen Arms der IRA und späteren Garanten des Karfreitagsabkommens. Adams hat bis heute immer nur eine politische Rolle während der Troubles für sich reklamiert und immer bestritten, Mitglied der IRA gewesen zu sein. Doch die Aussagen ehemaliger Mitstreiter zeichnen das Bild eines Mannes, der tief in die militärischen Strukturen involviert war, angeblich bis hin zu Mordaufträgen.

„Sage nichts“ ist ein fesselndes Stück Zeitgeschichte. Autor Keefe gelingt es, über wenige Personen ein dichtes Bild der Troubles und vor allem der verbliebenden Traumata und mangelnden Aufbereitung aufzuzeigen. Das Buch wurde zuletzt als neunteilige Serie verfilmt und ist seit Ende 2024 auf Disney+ verfügbar.

 

Foto und Rezension von Gunnar Wolters.

Sage nichts – Mord und Verrat in Nordirland | Erschienen am 24.07.2024 bei Hanserblau
ISBN 978-3-446-27939-1
464 Seiten | 34,- €
Originaltitel: Say Nothing: A True Story of Murder and Memory in Northern Ireland |Übersetzung aus dem Englischen von Pieke Biermann
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Christof Weigold | Der böse Vater (Band 4)

Christof Weigold | Der böse Vater (Band 4)

Nach langer Wartezeit und einem Wechsel zum Kampa-Verlag erschien endlich der vierte Band um den deutschstämmigen Privatdetektiv Hardy Engel in Los Angeles. Wir befinden uns im Jahr 1929 und unser Held sitzt seit mehreren Jahren unschuldig im Gefängnis. Völlig unerwartet kommt er auf Bewährung frei. Dafür sorgt der allmächtige Filmmogul und Verleger William R. Hearst unter dubiosen Umständen. Seine Freilassung ist an die Bedingung geknüpft, herauszufinden, wer den Tycoon erpresst.

Tod auf der Luxusyacht
Dabei geht es um einen mysteriösen Todesfall, der sich vor fünf Jahren auf Hearsts Luxusyacht Oneida ereignete. Der berühmte Filmpionier und Erfinder des Westerns Thomas Ince erkrankte während seiner Geburtstagsfeier schwer und verstarb kurz darauf vermeintlich an Herzversagen. Es geht um Schüsse, die angeblich gehört wurden und seitdem verstummen in Hollywood die Gerüchte nicht, Hearst sei nicht ganz unschuldig am Tod von Ince. Der unbekannte Erpresser soll im Besitz belastenden Materials sein, dass er dem Staatsanwalt zu übergeben droht. Hardy kann niemandem trauen, alle damals an Bord Anwesenden scheinen etwas zu verbergen, auch sein Auftraggeber verrät nicht die volle Wahrheit. Aber Hardy bleibt seinem Ruf treu, er will ohne Rücksicht die Wahrheit herausfinden und gerät bald zwischen die Machenschaften der großen Filmschaffenden.

„Wir müssen dringend sparen und ein Stummfilm wäre so dermaßen viel billiger!“ gab Uncle Carl zu bedenken. „Man sieht die Männer ja auch so fallen, ist das nicht ohne Ton viel unheimlicher?“ assistierte Bergerman. „Nein“, sagte ich und wechselte einen Blick mit Junior. „Die Schüsse, das Pfeifen und die Schreie, das ist der Krieg! Glauben Sie einem Veteranen!“ (Auszug Seite 429)

Einer davon ist der schwäbisch-stämmige Filmmogul Carl Laemmle, der seinem Sohn Julius „Junior“ Laemmle zum 21. Geburtstag die Universal Filmstudios übergibt. Junior will den Bestseller von Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ gegen den Willen seines Vaters Carl Laemmle als Tonfilm herausbringen. Er überredet Kriegsveteran Hardy für dieses Projekt als Berater zur Verfügung zu stehen. Für Hardy, der immer noch unter seinen Kriegserlebnissen des 1. Weltkrieges leidet, kein einfaches Unterfangen. Und wäre das nicht genug Sorge, sucht er immer noch nach seiner Freundin Polly Brandeis, die schwanger nach einigen Besuchen im Knast spurlos verschwand.

Vom Stummfilm zum Tonfilm
Wie schon in den drei vergangenen Bänden der historischen Krimireihe schildert Christof Weigold das vielfältige Leben in Hollywoods goldenem Zeitalter. Die Traumfabrik hat sich in den fünf Jahren, die Engel einsaß, schon wieder stark verändert, es gibt viel mehr Stars, bereits Touristen und einen höheren Glamourfaktor. Weigold hat erneut hervorragend recherchiert, geschickt reale Fakten mit Fiktion verknüpft und fängt das Flair dieser Zeit wirklich gut ein. Die Filmindustrie befindet sich auf der Schwelle vom Stummfilm zum Tonfilm. Der Wandel bringt neue Stars hervor, bedeutet für manchen Stummfilmstar aber auch das Ende der Karriere. Unter anderem befürchtete die Schauspielerin Marion Davies, jahrelange Geliebte Hearsts aufgrund ihres Stotterns auf dem Abstellgleis zu landen.

Die Zeit um 1929 ist eine höchst instabile, die Prohibition ist noch aktuell, der Börsencrash steht unmittelbar bevor. Filmstudios stehen am Rand der Pleite, werden aufgekauft. Es geht um Macht, feindliche Übernahmen und das ganz große Geld, wobei Hearst einer der wirklich großen Player ist. Wir begegnen bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern mit komplizierten Liebesleben. Es gibt ungewollte Schwangerschaften, heimliche Kinder, falsche Mütter und böse Väter. Wir begleiten Harry nicht nur zum Dreh von „Im Westen nichts Neues“, sind auch auf den aufregendsten Partys dieser Zeit dabei, wo er Größen wie der nackten Greta Garbo begegnet, treffen Charlie Chaplin im ältesten Restaurant Hollywoods „Musso & Frank‘s“ oder verfolgen die Intrigen der ersten Oscar-Verleihung, bevor es dann noch mal spannend auf einem Casinoschiff wird, auf dem sich die vergnügungs- uns spielsüchtigen Amerikaner treffen.

Meine Meinung
Ich bin wieder so gerne in diese alte Hollywood-Welt eingetaucht. Ich mag einfach den lässigen, humorvollen aber auch ausschweifenden Erzählstil Weigolds. Es ist amüsant, wenn Harry auf einer Kostümparty auf dem Hearst-Anwesen einem hübschen Jungen namens Jack Kennedy begegnet, der sich als US-Präsident Teddy Roosevelt verkleidet. Dramatisch wird es, wenn Engel mit der jüdischen Laemmle-Familie im Zeppelin in die alte Heimat fliegt und in Wilhelmshafen auf jubelnde Nazis stößt. Interessant, wenn sie in Berlin versuchen, den charismatischen Remarque zu überreden, die Hauptrolle zu übernehmen.

Ein großer Lesespaß auf über 600 Seiten besonders für Filmfans, mit einigen gewagten Handlungssprüngen. Ich bin gespannt auf den nächsten Band, es gibt ja noch einige unaufgeklärte sowie legendäre Skandalfälle.

Funfact: Orson Welles portraitierte 1941 in seinem legendären, von vielen Filmkritikern als bester Film aller Zeiten gewählten Klassiker „Citizen Kane“ die Beziehung zwischen William Randolph Hearst, dem Erfinder der Boulevard-Presse und seiner Geliebten Marion Davies.

 

Foto und Rezension von Andy Ruhr.

Der böse Vater | Erschienen am 28. August 2023 im Kampa Verlag
ISBN 978-3-311-12068-1
624 Seiten | 28.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Andys Rezensionen zur Hardy Engel-Reihe von Christof Weigold

Abgehakt | Kurzrezensionen März 2021

Abgehakt | Kurzrezensionen März 2021

Unsere Kurzrezensionen zum Ende März 2021

 

Mike Knowles | Tin Men

Im kanadischen Hamilton wird eine hochschwangere Polizistin Opfer eines sehr brutalen Mordes. Dabei wurde ihr das ungeborene Kind aus dem Leib geschnitten. Die drei Cops mit der besten Ermittlungsquote werden gemeinsam auf den Fall angesetzt. Allerdings sind die drei auch ziemlich problematische Typen, allen voran der zur Gewalt neigende Os. Der Druck für einen Ermittlungserfolg ist hoch und so gehen die drei auch mit ziemlich hoher Energie an den Fall heran. Was Os seinen Partnern allerdings verschweigt: Er ist der Vater des Kindes und hatte sich von der Toten nicht im Einvernehmen getrennt.

Ein grausamer Mord und drei Cops mit verdammt vielen eigenen Problemen. Der Titel „Tin Men“ steht dabei in Anlehnung an den Blechmann aus Zauberer von Oz (der in Rüstung und ohne Herz). Autor Mike Knowles erzählt die Story aus den drei Perspektiven der Cops und in einer erzählten Zeit von etwas mehr als 24 Stunden. Somit hat das Ganze ordentlich Tempo, ohne dabei aber zu vergessen, die Tiefe seiner drei Protagonisten auszuloten. Eine wirklich gelungene, düstere Copnovel aus Kanada – garantiert ohne Happy End.

Tin Men | Erschienen am 15.10.2020 im Polar Verlag
ISBN 978-3-948392-14-7
338 Seiten | 14,- €
Originaltitel: Tin Men (Übersetzung aus dem kanadischen Englisch von Karen Witthuhn)
Bibliografische Angaben

Wertung: 4,0 von 5,0
Genre: Noir/Hardboiled

 

John Boyne | Die Geschichte eines Lügners

Erich Ackermann ist ein älterer Literaturprofessur und Autor, der nach einer durchschnittlichen Karriere zuletzt dann doch mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Bei einer Lesereise in seine Heimatstadt West-Berlin trifft er auf den jungen Aushilfskellner Maurice Swift, der selbst von einer Schriftstellerkarriere träumt. Der homosexuelle Ackermann fühlt sich zu Maurice hingezogen, nimmt ihn als Assistenten mit auf Lesereisen und vertraut ihm ein dunkles Kapitel seiner Lebensgeschichte an. Maurice erkennt seine Chance: Als Autor ist er stilistisch brillant, aber ihm fehlen die Geschichten. Und nun hat Ackermann ihm eine starke Geschichte geliefert.

Autor John Boyne ist vielen bekannt als Autor des Holocaust-Romans „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Mit „Die Geschichte eines Lügners“ begibt er sich diesmal in die schillernde und raue Welt des Literaturbetriebs. Protagonist Maurice Swift ist bereit, nicht nur buchstäblich über Leichen zu gehen, um seine Karriere als Schriftsteller voranzutreiben. Dabei ist er ein charmanter und gutaussehender Typ, im Inneren aber ein Opportunist und Narzist ersten Ranges. Freunde, Bekannte und auch die Familie werden im Zweifelsfall arglistig getäuscht und ausgenutzt.

Die Rezensionen der Presse auf diesen Roman waren (soweit ich es mitbekommen habe) ziemlich positiv. Nicht nur die New York Post verglich den Roman und seine Hauptfigur mit dem talentierten Mr. Ripley. In diese Lobeshymnen mag ich nicht so richtig einstimmen. Sicher, der Roman liest sich ganz gut. Es gibt vier verschiedene Abschnitte aus drei Perspektiven, zudem zahlreiche bissige Verweise auf den Literaturbetrieb. Allerdings wirkt das schon etwas stereotyp (alte schwule Autoren und komplizierte junge Autorinnen). Boynes Figuren bleiben für mich vielfach auch eher flach. Außerdem fand ich die Story zunehmend langweilig, denn im Grunde variiert Maurice seine betrügerische Masche nur punktuell, bevor am Ende… (ok, das Ende spoiler ich nicht, aber auch das war nur teilweise überraschend). Das Ganze ist für meinen Geschmack in Bezug auf Figuren und Spannung nicht die höchste Liga – schon gar nicht in einer Liga mit Patricia Highsmith.

Die Geschichte eines Lügners | Erschienen am 11.01.2021 im Piper Verlag
ISBN 978-3-492-05963-3
432 Seiten | 24,- €
Für die E-Book-Ausgabe:
ISBN 978-3-492-99624-2 | 19,99 €
Originaltitel: A Ladder To The Sky (Übersetzung aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Michael Schickenberg)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 2,5 von 5
Genre: Spannungsroman

 

Hallie Rubenhold | The Five – Das Leben der Frauen, die von Jack The Ripper ermordet wurden

Mary Ann „Polly“ Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly – hätte da bei diesen Namen sofort etwas geklingelt? Vermutlich bei vielen nicht – und das, obwohl sie mit einem der berühmtesten Kriminalfälle verbunden sind. Diese Frauen sind die sogenannten „Kanonischen Fünf“ – die fünf Mordopfer, bei denen sich Forscher und Kriminalisten mit großer Mehrheit sicher sind, dass sie von Jack The Ripper im Spätsommer und Herbst des Jahres 1888 ermordet wurden (es gab noch weitere Mordfälle rund um diese fünf, die aber nicht eindeutig zugeordnet werden konnten). Während der Mörder, dessen Identität bekanntlich bis heute nicht geklärt ist, enorme Bekanntheit erlangte und geradezu mystifiziert wurde, wurden seine Opfer schnell alle als Prostituierte gebranntmarkt und postum herabgewürdigt.

Die Autorin Hallie Rubenhold will mit diesem Buch die Opfer wieder ins Licht holen, ihre Lebensgeschichten und Schicksale erzählen. Alle Frauen waren Bewohner des Elendsviertels Whitechapel, lebten zuletzt in tiefer Armut, übernachten teilweise in Armenhäusern oder sogar auf der Straße (wo der Ripper vier der fünf ermordete). Doch sie waren beileibe nicht alle Prostituierte, letztlich war dies wohl nur Mary Jane Kelly zum Zeitpunkt ihres Todes. Rubenhold versucht die Leben der Frauen zu rekonstruieren und auch wenn die Autorin aufgrund mancher unklaren Quellenlage regelmäßig zu Formulierungen wie „wahrscheinlich“, „womöglich“ oder „offenbar“ greifen muss, gelingt ihr über die Biografien eine lesenswerte Darstellung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschicht und vor allem der Frauen im viktorianischen Zeitalter. Ein wirklich überfälliger Blickwinkel auf den Jack The Ripper-Fall und ein Statement gegen Misogynie unter dem #saytheirnames.

The Five – Das Leben der Frauen, die von Jack The Ripper ermordet wurden | Erschienen am 16.11.2020 bei Nagel & Kimche
ISBN 978-3-312-01186-5
424 Seiten | 24,- €
Originaltitel: The Five. The untold lives of the women killed by Jack The Ripper (Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Höbel)
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5
Genre: True Crime

Fotos und Rezensionen 1-3 von Gunnar Wolters.

 

Eva Almstädt | Ostseelüge

Pia Korittki nimmt im Dezember ihren Resturlaub und besucht eine alte Schulfreundin in Dänemark, die dort vor kurzem ein Hotel eröffnet hat. Pia wird in der ersten Nacht in ihrem Zimmer überfallen, meldet das der örtlichen Polizei, möchte ihren Urlaub aber trotzdem weiterhin genießen. Als es dann zu einem Todesopfer im Hotelrestaurant kommt, beginnt Pia allerdings doch mit eigenen Ermittlungen…

„Ostseelüge“ von Eva Almstädt ist ein kurzweiliger Urlaubskrimi, der spannend geschrieben ist und der auch Einblicke aus Sicht der Opfer bei Ermittlungen gibt, denn Pia steht auf einmal auf der anderen Seite, da sie in Dänemark keinerlei Befugnisse hat. Kann ich empfehlen zu lesen.

Ostseelüge | Erschienen am 27. März 2020 im Verlag Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17953-4
160 Seiten | 10,00 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 4 von 5
Genre: Regionalkrimi

 

Klaus-Peter Wolf | Todesbrut

Das Vogelgrippe-Virus greift auch auf den Menschen über und die Krankheit verläuft schnell und tödlich. Die Kleinstadt Emden in Ostfriesland, in der der erste Fall in Deutschland bekannt wird, wird abgeriegelt. Die Inselbewohner auf Borkum haben ebenfalls Angst vor einer Ansteckung und lassen die Fähre aus Emden nicht anlegen. Die Regierung entscheidet zu langsam, also nimmt die Bevölkerung erforderliche Maßnahmen selbst in die Hand…

„Todesbrut“ von Klaus-Peter Wolf erschien bereits 2010, greift aber ein sehr aktuelles Thema auf. Die Geschichte wird sehr überspitzt und auf einen Tag reduziert erzählt, aber sie beinhaltet viel Wahrheit. Der Autor hat vor über zehn Jahren schon sehr treffend vorausgesagt, was passiert, wenn so ein Virus die Menschheit befällt. Sehr spannend beschrieben und für mich hat es die aktuellen Maßnahmen etwas relativiert. Es ist momentan natürlich schwierig, aber es könnte auch noch viel katastrophaler sein.

Todesbrut | Erschienen 2010 im Verlag script5
ISBN: 978-3-83900-117-2
480 Seiten | 14,95 €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3,5 von 5
Genre: Thriller

Fotos und Rezensionen 4&5 von Andrea Köster.

Christof Weigold | Die letzte Geliebte (Band 3)

Christof Weigold | Die letzte Geliebte (Band 3)

In diesem Jahr starb – neben vielen anderen Menschen – der größte Star Hollywoods und einige Zeit später auch der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, unter dubiosen Umständen. Bis heute kursieren wilde Gerüchte darüber, wie er zu Tode kam. Man erzählt sich jede Menge baren Unsinn, aber ich weiß ja, was damals geschehen ist. Ich wollte, ich wüsste es nicht. Andererseits wäre ich sonst niemals ein so guter Koch geworden. Lassen Sie mich Ihnen die Geschichte erzählen. (Auszug E-Book Pos. 77 von 8780)

Die ersten beiden Bände der historischen Krimi-Reihe, die in Hollywood der Stummfilmzeit spielen und die authentische Morde und Skandale behandeln, haben mich total begeistert. Umso neugieriger war ich auf Band 3, der zeitlich nahtlos an die vorherigen Bände anknüpft. Hardy Engel, der ehemalige Berliner Polizist, der Anfang der 1920er Jahre in die USA immigrierte, hat sich inzwischen in Hollywood als Privatdetektiv etabliert. Endlich mit eigenem Büro und Automobil, dass ihm die  klassischen Ermittlertätigkeiten wie zum Beispiel Observierungen vereinfacht.

Es ist das Jahr 1923, als sich Dorothy Reid, die Witwe des kürzlich verstorbenen Hollywood-Superstars Wallace Reid mit einem neuen Auftrag an Engel wendet. Dorothy Reid macht die Filmindustrie für den frühen Tod ihres Mannes verantwortlich. Der Schauspieler war zu der Zeit ein richtiger Actionstar und hatte sich bei einem Autounfall schwere Verletzungen zugezogen. Da das Filmstudio nicht auf seinen Star verzichten wollte, wurden die Schmerzen mit Morphin behandelt. Reid musste ohne Unterlass weiter drehen, worauf er von der starken Droge abhängig wurde und sich sein Gesundheitszustand stark verschlechterte, bevor er dann elendig verstarb.

Der Saubermann und Strippenzieher
Dorothy Reid sieht Will Hays, den Chef der Filmproduzenten als Hauptverantwortlichen. Ausgerechnet den mächtigsten Mann Hollywoods beschuldigt sie als Heuchler und wird dabei von ihrem guten Freund Herbert Somborn unterstützt. Somborn kämpft nach der Trennung von Superstar Gloria Swanson um das Recht seine Kinder zu sehen. Zusammen wollen sie Will Hays zu Fall bringen. Hays gilt als Saubermann; es ist schwierig etwas Skandalöses zu finden und Engel beschattet ihn ständig. Unter anderem reist er auch in Hays Heimat nach New York, um ihn und seine Familie auszuspionieren. Er findet schnell heraus, dass der unscheinbare, kleine Hays sich im Hintergrund hält, aber hinter den Kulissen der Filmstudios alle Strippen zieht. Tatsächlich entdeckt er Verwicklungen von Hays mit dem wieder aufkommenden Ku-Klux-Klan und er pflegt Kontakt mit einer jungen, attraktiven Frau.

Diesmal geht es nicht um einen klassischen Hollywoodskandal. Die Grundidee fand ich nicht ganz so spektakulär wie in den anderen beiden Bänden. Dass man jemanden ausspioniert, um ihm was anzuhängen, gefiel mir einfach nicht. Die Story baut sich langsam auf, der Spannungsbogen war anfänglich, durch die ausschweifenden Schilderungen und Wiederholungen einiger Szenen nicht so hoch. Dafür tauchte ich sofort wieder in die Welt des schillernden Hollywoods und auch hinter die gar nicht so glitzernden Kulissen der Traumfabrik der 20er Jahre ein, die gar nicht so golden waren, sondern grausam, brutal und korrupt.

Rote Fußnägel und weiße Tiger
Wir treffen alte Bekannte wieder, zum Beispiel Polly Brandeis, die grade für Paramount Pictures ein Drehbuch für Gloria Swanson schreibt. Die kecke, extrovertierte Freundin von Hardy Engel ist ein richtiges Flappergirl. So nannte man in den 20er Jahren junge Frauen, die selbstbewusst und emanzipiert, mit modischen Kurzhaarfrisuren rauchten und Alkohol tranken. Auch Hardys bester Freund Buck Carpenter, Wirt des Jail Cafés in Los Angeles, in dem die Drinks in Sträflingskluft serviert werden, ist wieder mit von der Partie. Buck betreibt mittlerweile einen Radiosender, über den er mit Hilfe von Gedichten Codes an seine Alkoholschmuggler durchgibt und damit vor Straßensperren warnt.

Die Fehde der großen Filmdiven Gloria Swanson und Pola Negri wird thematisiert; die eine gilt als Erfinderin der rot lackierten Fußnägel, die andere trat immer mit weißen Tigern auf. Auch die Errichtung des Hollywood-Monuments spielt eine Rolle. Und wenn unser lakonischer Held und Ich-Erzähler im Voisin rumfährt, dann springt im Kopf ein Film mit viel Hollywood-Flair an. Das gelingt durch die mit viel Liebe zum Detail ausgestatteten Szenen. Die Atmosphäre dieser Zeit wird spürbar und bildhaft vorstellbar.

Die Spur führt ins Weiße Haus
Im letzten Drittel wird das Tempo deutlich angezogen, einige überraschende Wendungen sorgen für Rasanz und Spannung. Engel kommt einer Verschwörung auf die Spur. Im korrupten Hollywood wimmelt es nur so von Erpressung und Schmiergeldzahlungen. Diesmal geht es neben der Filmbranche auch um die große Politik, denn Hardy verfolgt mehrere Spuren und eine führt bis ins Weiße Haus und geht in Richtung des amerikanischen Präsidenten. Warren G. Harding war ein Bild von einem Mann und sah so aus wie man sich einen amerikanischen Präsidenten vorstellte. Das schien aber seine einzige Qualifikation zu sein, denn nach seinem Tod wurden einige Skandale öffentlich und Harding galt lange als einer der schlechtesten Präsidenten der USA. Währenddessen lernt Hardy Engel den neuen Chef des LAPD, Gus Vollmer kennen, der neue Ermittlermethoden einführt mit dem Wunsch die allgegenwärtige Korruption einzudämmen. Der „Vater der modernen Polizeiarbeit“ ist auch eine reale Figur, dessen Verbindung mit der fiktiven Story ich mir aber vielleicht etwas geschmeidiger gewünscht hätte.

Der Ku-Klux-Klan
Die Beschreibungen der grausamen Taten des Ku-Klux-Klan waren für mich tatsächlich schwer zu ertragen. Der rassistische und gewalttätige Geheimbund, dessen Ziel die Unterdrückung der Schwarzen und eine weiße Vorherrschaft ist, versuchte seine politischen Ziele mit Terrorakten und Lynchaktionen im ganzen Land zu erreichen. Eigentlich schon 1870 aufgelöst, kam es nach dem Stummfilm „The Birth of a Nation“ 1915 zu einer Neugründung der Bewegung. Der rassistische Inhalt des sehr erfolgreichen Historienfilms trug maßgeblich zur Popularität und gesellschaftlichem Einfluss des Ku-Klux-Klan bei. Die Rituale und Initiationsriten des Ku-Klux-Klan, aber auch wie generell in der Bevölkerung mit Schwarzen umgegangen oder wie über sie gedacht wurde, ließen mich während der Lektüre einige Male zusammen zucken.

Der Aufstieg des Klans in Hollywood, die rassistischen Vorurteile der Roaring Twenties und die Macht des Mediums Film sind die großen, erschreckenden Themen des historischen Kriminalromans, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Wie hochaktuell und brisant konnte der Autor bestimmt nicht erahnen, als er „Die letzte Geliebte“ schrieb.
Eine gelungene Fortsetzung, in der Christof Weigold es wieder meisterhaft versteht, historische Ereignisse mit fiktiven Figuren und Vorkommnissen zu verweben.

Foto und Rezension von Andy Ruhr.

Die letzte Geliebte | Erschienen am 20. August 2020 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-05326-5
656 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben und Leseprobe