Kategorie: Politthriller

Michael Anderson | Fassade

Michael Anderson | Fassade

Wen interessiert es schon, wenn in Japan ein Kind stirbt? In Deutschland eigentlich niemanden. Aber wenn der kleine Junge ausgerechnet aus dem Hotelfenster des deutschen Außenministers fällt, dann sieht die Sache schon anders aus. Kein Wunder also, wenn mit aller Kraft versucht wird, den Vorfall zu vertuschen. Und anfangs scheint die Rechnung aufzugehen, doch dann stirbt ausgerechnet der Medienberater des Ministers. Für die Öffentlichkeit ein tragischer Unfall, doch für Vincent Riemann, freier Journalist, der Auftakt für eine Recherche, die ihn auf die Spur eines weltweiten Pädophilen-Netzes bringt.

Nach den Angaben im Buch handelt es sich hier um ein Erstlingswerk – ich finde den Plot und die Entwicklung der Spannung darin gut aufgebaut. Die Handlung beginnt in Hamburg. Der dort ansässige Journalist Vincent Riemann, seit einiger Zeit nur noch als freischaffender Autor für den Themenbereich „Auto“ des Boulevard-Blattes „Blitz“ (gute Anspielung) tätig, bekommt überraschend Besuch von seinem ehemals besten Freund Harry Fässling, der mittlerweile als Medienberater für den deutschen Außenminister Dirk Vondrey tätig ist. Das Treffen ist nur kurz, allerdings gibt Harry seinem Freund einen USB-Stick zur Aufbewahrung.

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Horst Eckert | Schattenboxer

Horst Eckert | Schattenboxer

„Natürlich gab es die RAF nicht bloß in den Knästen. Die Herrhausen-Aktion war die Antwort darauf, dass unser letzter Hungerstreik im Frühjahr 1989 erfolglos geblieben war.“
„Heißt das…“
„Weil es keine Zusammenlegung der Gefangenen gab, musste der Bankier sterben. Eine kraftvolle Demonstration, so war es damals beschlossen worden. Aber wir haben mitbekommen, dass sich die Linke abgewandt hat. Wir hatten die Lage falsch eingeschätzt. Deshalb haben wir danach die Strategie geändert. In Weiterstadt ging es gegen die Unterdrückung durch Strafjustiz und Knast. Dabei sind auch keine Menschen zu Schaden gekommen.“
„Und wie passt Winneken ins Konzept?“
„Winneken? Das waren wir nicht.“
Für Sekunden war es still im Raum.
„Keiner, den wir kannten“, fügte Brigitte hinzu. „Die Winneken-Aktion hat uns selbst überrascht.“
„Warum haben Sie sich nicht davon distanziert?“
„Damit hätten wir Schwäche gezeigt. Eine zweite RAF – wir hatten Angst, unsere letzten Unterstützer zu verlieren. (Auszug Seite 112-113)

Hauptkommissar Vincent Veih hat alle Hände voll zu tun: Die 17jährige Pia hat Selbstmord begangen. Sie war Zeugin in einem Mordfall, in dem der vermeintliche Täter Thabo Götz eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreicht hat. Veih soll die Arbeit der Kollegen im alten Fall beurteilen. Da wird auf einmal einen Tag später die Leiche einer jungen Frau auf Pias Grab aufgefunden, die Tote war Mitglied einer Kampagne für die Freilassung von Thabo. Kurz darauf verschwindet eine weitere junge Frau aus dem Umfeld der Kampagne. Zeitgleich recherchiert Veihs Freundin Saskia in der alten Mordsache Rolf-Werner Winneken, ermordet 1991 von der RAF, und fördert Erstaunliches zutage. Veih merkt bald, dass es eine Verbindung zwischen allen Fällen gibt: Den linken Liedermacher René Hagenberg, ein guter Freund seiner Mutter Brigitte.

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Eric Ambler | Ungewöhnliche Gefahr

Eric Ambler | Ungewöhnliche Gefahr

Seine Uhr zeigte halb elf. Nach seiner Schätzung war es noch eine Stunde bis Passau. Er drückte seine Zigarette aus und bemerkte in diesem Moment, dass er nicht mehr alleine im Korridor stand. Ein paar Abteile weiter lehnte ein Mann am Fenster und schaute hinaus zu den fernen Lichtern eines Dorfes. Kenton war, als hätte der Mann ihn beobachtet und in diesem Moment weggeschaut. Jetzt kam er näher. […] Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Mann in das Abteil schaute, wo der schlafende Mitreisende saß, dann „Verzeihung“ murmelte, wieder umkehrte und im nächsten Wagen verschwand. Kenton dachte nicht weiter darüber nach und setzte sich wieder auf seinen Platz.
Die Zeitung war dem kleinen Mann vom Kopf gerutscht. Seine Augen waren geschlossen. Er schien fest zu schlafen. Doch im Vorbeigehen sah Kenton, dass Schweißtropfen auf seiner Stirn standen. (Auszug Seite 28-29)

1936: Der englische Journalist Kenton berichtet aus Nürnberg von einem Nazi-Kongress und hat beim Würfeln sein ganzes Geld verzockt. Nun will er mit dem Zug nach Wien, um dort einen Bekannten anzupumpen. Im Zug begegnet er einem Mitreisenden, der sich als Sachs vorstellt. Dieser fühlt sich verfolgt und macht Kenton ein reizvolles Angebot: Kenton soll Wertpapiere, die Sachs bei sich trägt, an sich nehmen und über den Zoll nach Österreich bringen. In einem Hotel in Linz soll Sachs die Papiere dann wieder bekommen. Dafür soll Kenton insgesamt 600 Mark erhalten. Obwohl Kenton ahnt, dass hier mehr dahintersteckt, nimmt er das Angebot an. Als er Sachs in dem Hotel aufsucht, liegt dieser ermordet in seinem Zimmer und Kenton wird unversehens zum Spielball in einer brisanten Spionageaffäre.

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Joakim Zander | Der Schwimmer Bd. 1

Joakim Zander | Der Schwimmer Bd. 1

„Und dann? Wenn die Russen abgezogen, die Bilder von Lenin verbrannt und nur die Toten übrig sind? Sollen diese zeitlosen Männer ein Land in Allahs Namen errichten? Sollen wir es ihnen erlauben, Musik, Theater, Literatur, ja sogar archäologische Stätten zu verbieten? So wie sie es ankündigen? Ziehen wir das der Gottlosigkeit des Kommunismus vor? In welche Hände legen wir das Schicksal dieser Welt? “ (Afghanistan 1988) (Auszug Seite 108)

Der schwedische Autor Joakim Zander erzählt in seinem Debüt Der Schwimmer die Geschichte eines amerikanischen Agenten, der vor über 30 Jahren bei einem Anschlag im Nahen Osten seine Frau verloren hat. Er hielt die gemeinsame Tochter im Arm und musste mit ansehen, wie sie einer ihm geltenden Autobombe zum Opfer fiel. Klara wuchs bei ihren schwedischen Großeltern auf einer Schäreninsel auf, ohne irgendetwas über ihren Vater zu wissen. Der traumatisierte CIA-Agent leidet darunter, seine Tochter nie wieder gesehen zu haben und nie erfahren zu haben, wer für den Anschlag verantwortlich gewesen ist. Nur beim Schwimmen kann er ein wenig innere Ruhe und Frieden finden. Die Rückblicke auf sein Leben bilden die Rahmenhandlung dieses Krimis.

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Michael Lüders | Never Say Anything

Michael Lüders | Never Say Anything

„Vor aIlem, es hängt alles mit allem zusammen. Das geht mir einfach nicht in den Kopf. Dieselben Typen, die schon in Afghanistan und im Irak reihenweise Leute umgebracht haben, machen einfach weiter. Und niemand hält sie auf, im Gegenteil. Das ist ein richtiger Geheimbund.“
„Ab und zu gibt es doch jemanden, der ein Gewissen hat.“
„Und was nützt ihm das?“, fragte Helga bitter. „Anschließend ist er tot, im Gefängnis oder kaltgestellt.“
Sophie kaute und nickte. Sie zog es vor, den Gedanken nicht zu vertiefen. Wie gerne würde sie sich mit Marc Lindsey austauschen, diesem Wahnsinnigen. Die Dokumente und Quellen, die er zusammengestellt hatte, waren eine einzige Anklageschrift. Macht und Lüge verhielten sich zueinander wie Geschwister, aber es kam selten vor, sie in flagranti beim Inzest zu erwischen. (Auszug Seite 264-265)

Die Journalistin Sophie Schelling trifft sich in Marrakesch mit dem marokkanischen Journalisten Hassan Maliki. Dieser hatte in seiner Zeitschrift über ein merkwürdiges Bauwerk in der kleinen Stadt Gourrama berichtet, die „Himmelstreppe“. Trotz unklarer Gefahrenlage machen sich die beiden auf in den Ort nahe der algerischen Grenze. Dort werden sie plötzlich Zeuge eines amerikanischen Drohnenangriffs, dem ein Ziegenhirt zum Opfer fällt. Kurz darauf wird Gourrama von schwer bewaffneten Einheiten attackiert und nahezu alle Einwohner getötet. Ein Angriff von al-Qaida, so wird es der Weltöffentlichkeit dargestellt. Doch Sophie Schelling überlebt schwer verletzt und weiß, dass die Angreifer amerikanische Soldaten waren.

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