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Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Kennt ihr den auch noch? Wenn ich als Kind früher ein wenig Hektik verbreitete, brachte meine Mutter öfters den Spruch: „Wir sind doch nicht wie Dr. Kimble auf der Flucht.“ Die legendäre Fernsehserie aus den 1960ern (die ich nie gesehen habe, erst die Neuverfilmung in den 90ern mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones) schaffte es sogar als Redewendung in den Sprachgebrauch. Überhaupt wird die Thematik Flucht und Verfolgung gern im Kriminalfilm und in der Kriminalliteratur genutzt, man denke nur an Ludlums Jason Bourne, Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“, Eric Amblers „Ungewöhnliche Gefahr“ oder James Gradys „Sechs Tage des Condor“. Das Fluchtmotiv bringt zumeist enormes Tempo und Dramatik in die Story. Außerdem bietet sich an, den Schauplätzen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Zwei aktuelle Vertreter des Genres lagen noch auf meinem SuB und bieten zwei ziemlich unterschiedliche Herangehensweisen. Richard Langes Angel Baby spielt in Tijuana und L.A. und ist ein ziemlich rasantes Stück Thriller („plotgetrieben“ sagt der Schneemann dazu), während Schaut nicht zurück von Wiley Cash im Osten der USA in North & South Carolina spielt und deutlich zurückhaltender an die Sache herangeht. Beide Romane sind allerdings hochdekoriert: Angel Baby wurde 2014 mit dem Hammett Prize ausgezeichnet, mit Schaut nicht zurück gewann Wiley Cash im gleichen Jahr den Dagger Award. Zeit für eine Doppelrezension.

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Charlie Stella | Johnny Porno

Charlie Stella | Johnny Porno

„Du hast echt Nerven“, fuhr Santorra fort. „Wen interessiert’s, dass du arbeiten musst? Mich nicht.“
John schwieg.
„Findet er selbst auch“, sagte Santorra. „Johnny Porno hat echt Nerven.“
„Ich heiße Albano. John Albano. Und ich hab gesagt, dass ich arbeiten muss.“
„Du heißt so, wie ich sag, Wichser.“
John spürte, wie sich jeder Muskel in seinem Gesicht anspannte.
Dann sagte Santorra: „Er musste arbeiten. Waaaahnsinn. Der will uns verarschen.“
Da hatte es John gereicht. Bei dem „Waaaahnsinn“.
„Nein, nur dich“, hatte er gesagt.
„Was?“
„Dich verarsch ich“, sagte John. (Auszug Seite 89-90)

New York, 1973: John Albano hat gerade keinen Lauf. Seinen Job beim Bau hat er verlaufen und dann hat sich auch noch in einer Mafia-Kneipe mit einem Cop (in Zivil) geprügelt. Nun fährt er für den Mafia-Boss Eddie Vento die Pornokinos ab und kassiert die Tageseinnahmen des berühmten Pornos „Deep Throat“. Das weckt natürlich bei einigen Begehrlichkeiten, aber auch sonst gerät Johnny in eine unangenehme Gemengelage.

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Giancarlo De Cataldo & Carlo Bonini | Die Nacht von Rom

Giancarlo De Cataldo & Carlo Bonini | Die Nacht von Rom

Hinter den abgedunkelten Scheiben des schwarzen Audi A6 beobachtete Sebastiano Laurenti, wie die Stadt im Chaos versank. Rom brannte. Vor fünf Tagen hatte die Stadt kapituliert. Lahmgelegt von einem wilden Streik der Verkehrsbetriebe. Erstickt von nicht abtransportiertem Müll. Verpestet vom Gestank der Müllsäcke, die die wütenden Römer an den Straßenecken angezündet hatten. Die Dinge hatte ein Mädchen aus Tor Sapienza ins Rollen gebracht, sie hatte zwei Schwarze angezeigt, die sie vergewaltigt hätten. Die Bewohner der Vorstädte waren sofort auf die Barrikaden gestiegen. Rom brannte. (Auszug Seite 9)

Als Papst Franziskus im Frühjahr 2015 das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausruft, wittern viele Römer das große Geschäft, das sich mit Millionen von Touristen verdienen lässt. Bauunternehmer, Immobilienhaie und das organisierte Verbrechen setzen alles dran, öffentliche Aufträge zu manipulieren, um von dem Pilgerboom zu profitieren. Korrupte Kommunalpolitiker halten die Hand auf und auch der Vatikan hat seine Finger im Spiel.

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Janwillem van de Wetering | Eine Tote gibt Auskunft

Janwillem van de Wetering | Eine Tote gibt Auskunft

„Wenn sie Ihre Freundin war und auf Ihrem Hausboot wohnte, dann dürfen wir annehmen, dass sie auch für ihren Unterhalt aufkamen.“
„Ja“, sagte Drachtsma, „ich gab ihr jeden Monat Geld.“
„Wussten sie, dass sie andere Liebhaber hatte?“
„Ja. Es kümmerte mich wenig. Ich habe mich immer telefonisch mir ihr verabredet. Oft hat sie mich im Büro angerufen.“
„Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich es sage, aber ihr Tod scheint Sie nicht sehr zu beeindrucken“, sagte der Commissaris.
Drachtsma gab keine Antwort.
„Finden Sie nicht schlimm, dass sie tot ist?“
„Ist ihr Tod nicht eine Tatsache?“, fragte Drachtsma. „Tatsachen, die man nicht ändern kann, muss man akzeptieren. Alles geht einmal zu Ende.“
Dem Commissaris verschlug es den Atem. Es dauerte eine halbe Minute, bis er die nächste Frage formulieren konnte. (Auszug Seite 78)

Auf einem Hausboot in Amsterdam wird eine junge Frau erdolcht aufgefunden. Maria von Buren wurde offenbar von einem reichen Industriellen ausgehalten. Doch nebenher empfing sie noch zwei weitere exklusive Liebhaber auf ihrem Boot: Einen belgischen Diplomaten und einen amerikanischen Offizier. Doch alle Männer haben Alibis. So begibt sich der Commissaris auf eine Reise in die Vergangenheit der Toten nach Curaçao, während seine beiden Mitarbeiter Grijpstra und de Gier eine Spur auf die Nordseeinsel Schiermonnikoog verfolgen.

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Ragna Johnsen | Hassreiter

Ragna Johnsen | Hassreiter

„Aber wenn er Glück hatte und auf dem Display erschien nicht Malins Name und sie hatte ihn nicht angerufen? Wenn er ihr nicht hätte helfen können? Mit einem Ruck schaute er auf das Display und sah sie, die Flut ihrer Anrufe, eine nach der anderen, alle vom 15.11., am Abend vor ihrem Tod, in ihrer Nacht vor ihrem Tod, am Morgen vor ihrem Tod.“ (Auszug Seite 85)

Malin Jonker springt an einem gewöhnlichen Tag vom Schuldach. Sie ist sofort tot. Für die Polizei ist der Selbstmord mehr als offensichtlich. Malins Bruder Malte will das aber nicht so recht glauben. Seine Schwester macht sowas einfach nicht. Und da die zuständigen Ermittler den Fall nicht wieder aufnehmen, nimmt Malte die Sache selbst in die Hand und will herausfinden, was auf dem Schuldach wirklich passiert ist. Er findet an Malins Pinnwand eine Karte mit dem Wort „Hassreiter“ darauf. Außerdem entdeckt er das Foto eines sehr wertvollen Gemäldes, das sie mal besessen hat.

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