Kategorie: Ein langes Wochenende mit …

Eric Ambler | Bitte keine Rosen mehr

Eric Ambler | Bitte keine Rosen mehr

„Killen kann heutzutage sehr teuer sein, oder es kann billig sein. Alles hängt davon ab, was zurückbleibt und ob und wie unverfänglich sich die hinterlassene Schweinerei erklären läßt. Auf den Straßen oder gleich daneben, da sind die bequemsten Abladeplätze. Alles, was Sie dort zurücklassen müssen, ist entweder ein weiteres Mahnmal unserer vulgären Autorouten-Gesellschaft oder, falls sich in irgendeiner der Leichen Kugeln befinden, ein weiteres häßliches Nebenprodukt des von Gangstern beherrschten Monopolkapitalismus. Das heißt, solange Sie die Dinge für die Verkehrspolizei nicht erschweren, indem Sie Soziologen mit Steuerberatern mischen.“ (Auszug Seite 377)

Paul Firman ist leitender Manager und Minderheitseigner des Unternehmens Symposia, das seine Kunden in Sachen Steuervermeidung und -hinterziehung berät. Er gerät ins Visier des Soziologie-Professors Krom, der ihn für eine kriminelle Fallstudie benutzen will, ansonsten droht er mit Firmans Enttarnung. Firman lädt Krom und dessen Kollegen Henson und Connell in eine Villa an der Côte d’Azur ein, um bei umfangreichen Besprechungen auch mit Hilfe von Halbwahrheiten und Lügen seinen Ruf zu retten. Doch es gibt noch jemanden im Hintergrund, der mögliche Enthüllungen und Geständnisse auf keinen Fall riskieren möchte.

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Eric Ambler, ein Porträt

Eric Ambler, ein Porträt

Er gilt bis heute als Meister des Politthrillers. John le Carré sagte über ihn: „Amblers Werk ist die Quelle, aus der wir alle schöpfen“. Graham Greene soll an ihn telegrafiert haben: „An den Meister, von einem seiner Schüler.“ Eric Ambler war der Chronist der 20. Jahrhunderts. Sein erster Roman erschien 1936 unter den drohenden Vorzeichen des kommenden Zweiten Weltkriegs, der letzte 1982 im Ost-West-Konflikt mit seinen schmutzigen Stellvertreterkonflikten. Seine Thriller handeln durchgehend von Machtpolitik, (Staats-)Terrorismus und den Auswüchsen des Kapitalismus. „Der Geschichtsprozeß, wie er ihn sieht, ist schmutzig, und zwar auf allen Ebenen und zu allen Zeiten – diese illusionslose Sicht bestimmt das Gesamtwerk“ (Schwarz, Seite 62-63). Im Rahmen unseres Klassiker-Spezials hatte ich die erste Begegnung mit Eric Ambler. Ich war sehr angetan vom feinen und eleganten Stil von Die Maske des Dimitrios. Dies nahm ich zum Anlass, mich ein wenig näher mit dem Autor zu beschäftigen.

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Eric Ambler | Ungewöhnliche Gefahr

Eric Ambler | Ungewöhnliche Gefahr

Seine Uhr zeigte halb elf. Nach seiner Schätzung war es noch eine Stunde bis Passau. Er drückte seine Zigarette aus und bemerkte in diesem Moment, dass er nicht mehr alleine im Korridor stand. Ein paar Abteile weiter lehnte ein Mann am Fenster und schaute hinaus zu den fernen Lichtern eines Dorfes. Kenton war, als hätte der Mann ihn beobachtet und in diesem Moment weggeschaut. Jetzt kam er näher. […] Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Mann in das Abteil schaute, wo der schlafende Mitreisende saß, dann „Verzeihung“ murmelte, wieder umkehrte und im nächsten Wagen verschwand. Kenton dachte nicht weiter darüber nach und setzte sich wieder auf seinen Platz.
Die Zeitung war dem kleinen Mann vom Kopf gerutscht. Seine Augen waren geschlossen. Er schien fest zu schlafen. Doch im Vorbeigehen sah Kenton, dass Schweißtropfen auf seiner Stirn standen. (Auszug Seite 28-29)

1936: Der englische Journalist Kenton berichtet aus Nürnberg von einem Nazi-Kongress und hat beim Würfeln sein ganzes Geld verzockt. Nun will er mit dem Zug nach Wien, um dort einen Bekannten anzupumpen. Im Zug begegnet er einem Mitreisenden, der sich als Sachs vorstellt. Dieser fühlt sich verfolgt und macht Kenton ein reizvolles Angebot: Kenton soll Wertpapiere, die Sachs bei sich trägt, an sich nehmen und über den Zoll nach Österreich bringen. In einem Hotel in Linz soll Sachs die Papiere dann wieder bekommen. Dafür soll Kenton insgesamt 600 Mark erhalten. Obwohl Kenton ahnt, dass hier mehr dahintersteckt, nimmt er das Angebot an. Als er Sachs in dem Hotel aufsucht, liegt dieser ermordet in seinem Zimmer und Kenton wird unversehens zum Spielball in einer brisanten Spionageaffäre.

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Richard Price | Die Unantastbaren

Richard Price | Die Unantastbaren

Als Billy und der Großteil seines Teams Penn Station erreichten und von dort die schmuddelige lange Passage im unteren Geschoss, die die Long-Island-Pendlerzüge mit der Subway am anderen Ende verband, hatten die Polizisten, die als Erste am Tatort gewesen waren, Zivilfahnder sowohl der New Jersey Transit als auch der Long Island Rail Road, die Situation bereits erstaunlich gut im Griff. Unsicher, welchen Teil der hundert Meter langen Blutspur sie sichern sollten, hatten sie kurzerhand alles abgesperrt, mit Klebeband und Mülltonnen wie einen Slalomparcours. […]
„Wo ist die Leiche?“, fragte Billy. Wenn er Glück hatte, sah er die Kinder zum Abendessen.
„Folge dem gelben Backsteinweg.“ Feeley deutete auf die rot-braunen Turnschuhabdrücke, die den Weg wie blutige Tanzschrittanweisungen markierten. „Das ist einer fürs Sammelalbum, so viel ist mal klar.“ (Auszug Seite 22 bis 23)

Billy Graves ist Detective der Nachtschicht des NYPD. Seiner Einheit obliegt es, die Fälle aufzunehmen und dann an die nächste Tagschicht abzugeben. Doch ein Mordfall erregt seine volle Aufmerksamkeit: In einem U-Bahn-Tunnel liegt die Leiche von Jeffrey Bannion. Bannion ist für Billy kein Unbekannter: Er ist ein Mörder, der nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde. Ein Täter, bei dem die ermittelnden Beamten hundertprozentig von dessen Täterschaft überzeugt waren, aber die Beweise nie für eine Anklage gereicht hatten. Bannion ist einer der Unantastbaren.

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Wilfried Kaute | Wenn es Nacht wird: Verbrechen in New York 1910-1920

Wilfried Kaute | Wenn es Nacht wird: Verbrechen in New York 1910-1920

Die Aufnahmen sind ebenso schockierend wie faszinierend. Um die Jahrhundertwende 1900 revolutionierte die noch junge aufkommende Fotografie die Aufklärung von Kriminalfällen. Exakt und detailreich, ohne Emotion auf Spurensuche – die Tatortfotografie hatte zu dokumentieren, was vorgefallen war. Angehörige der Opfer, Täter und die beteiligten Ermittler sind verstorben und die Akten vernichtet. Zu einigen Fotografien finden sich Notizen. Wilfried Kaute recherchierte in den Pressearchiven die Umstände der jeweiligen Kriminalfälle. Ein Datum, ein Ort oder der Name eines Opfers halfen bei der Suche nach der Geschichte der Fotos. Die Artikel lesen sich wie Kriminalromane. Mit ihrer spannenden und authentischen Berichterstattung ergänzen sie die Dramatik der Fotografien. Ein Buch, das keinen kaltlässt, das aufwühlt und in den Bann zieht.

Als man das New Yorker Police Department Mitte der 1980er Jahre renovierte, wurde ein unglaublicher Schatz gehoben: In einer vergessenen Kammer eben jenes Departments wurden längst vernichtet geglaubte Fotoplatten gefunden, auf Glas aufgezogene Negative der Tatortfotografie, sogenannte Mugshots und beeindruckende Bilder einer Metropole, wie wir sie uns heute nicht mehr vorstellen können. Einhundert Jahre schlummerten diese Glasplatten in der Kammer und fielen zum Teil ihrem Alter zum Opfer. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass diese Glasplatten eigentlich vor einhundert Jahren im Hudson River hätten versenkt werden sollen, – so entsorgte man damals auch beschlagnahmte Waffen und anderes – ist die Ausbeute fantastisch.

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