Kategorie: gesellschaftskritischer Krimi

Wolfgang Schorlau | Die schützende Hand

Wolfgang Schorlau | Die schützende Hand

„Es ist der Hammer! Stell dir vor, es gab weder an der Pumpgun noch auf den Patronenhülsen Fingerabdrücke, weder von Mundlos noch von Böhnhardt. Das Ableben der beiden geschah spurenfrei. Dabei trug Mundlos keine Handschuhe. Wenn er geschossen hat, dann mit nackten Fingern. Du hast doch das Foto gesehen…“
Olga im Halbschlaf: „Bitte erzähl es mir morgen früh.“ […]
„Keine Spuren an der Waffe. Für wie blöd halten die uns eigentlich?“
Er streckte sich aus und nahm die schlafende Olga in den Arm.
„Wieso blöd?“, murmelte sie. „Sie kommen doch damit durch. Diese Leute kommen immer durch.“ (Auszug Seite 218)

Privatdetektiv Georg Dengler ist mal wieder knapp bei Kasse. Da bietet ihm ein mysteriöser Auftraggeber unerwartet einen lukrativen, aber scheinbar ziemlich einfachen Job an. Der Auftrag lautet: „Wer erschoss Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?“ Dengler denkt zunächst, im NSU-Fall ist derart umfangreich ermittelt worden, da braucht man doch einfach nur die Ermittlungsergebnisse zusammenfassen. Doch Dengler merkt bald, irgendwas ist faul, irgendetwas passt nicht zusammen. Je tiefer er in die Ermittlungen einsteigt, umso mehr wird ihm klar, dass er einem Staatsverbrechen auf der Spur ist.

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Antonio Ortuño | Die Verbrannten

Antonio Ortuño | Die Verbrannten

Der Junge ist zu müde, um weiterzuschreien. Er klammert sich an Luna, drückt das Gesicht an sein Ohr, er hat Angst, dass jemand lauscht.
„Ich habe gehört, was dieser Hurensohn gesagt hat. Er hat gesagt, dass der Mann, sein Chef, ihm das befohlen hat. Ich hab’s gehört.“
Luna schaut ihn an. Der Junge wiederholt seine Geschichte. Schweigt, beginnt wieder von Neuem. […] Luna schlägt ihm mit dem Handrücken fest auf den Mund.
„Halt die Klappe, du Idiot. Du hast verdammtes Glück gehabt. Denn du hast das gerade dem einzigen Menschen in Santa Rita gesagt, der dich nicht töten wird. Aber du darfst es nie mehr wiederholen.“
Der Junge, die Augen weit aufgerissen, schwankend, an seinen Arm geklammert, nickt.
Am Morgen sagt er aus, dass er nichts von dem gesehen oder gehört hat, was er gesehen und gehört hat. (Auszug Seite 146)

In Santa Rita, einer kleinen Stadt im Süden Mexikos, wird ein Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft verübt. Es sterben vierzig Flüchtlinge. Irma alias Negra, arbeitet beim lokalen Büro der Nationalkommission für Migration. Sie nimmt sich der Überlebenden und der Angehörigen an. Sie soll vor allem beschwichtigen und Entschädigungen anbieten. Eine detaillierte Untersuchung des Ereignisses ist nicht wirklich vorgesehen. Niemand will in einem Klima der Angst als Zeuge auftreten. Doch die junge Überlebende Yein vertraut sich Irma an. Während Irma die Wahrheit ans Licht bringen will, sucht Yein nur eins: Vergeltung.

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Oliver Bottini | Im weißen Kreis

Oliver Bottini | Im weißen Kreis

Behr neigte den Kopf zur Seite, blinzelte konzentriert. „So tragisch, wie klassisch. Zwei junge Männer aus der ehemaligen DDR verlieren im Mahlwerk der Wiedervereinigung Orientierung und Status, radikalisieren sich. Irgendwann planen sie die Rache für alles, was sie nicht erreicht haben und erdulden mussten.“
„Und die anderen? Die geholfen haben?“
„Hier ein Sympathisant, dort ein Kamerad. Können wir ihnen Unterstützung nachweisen, kommen sie vor Gericht.“ […]
Louise nickte, sah Behr wieder an. „Und der Auftraggeber?“
„Welcher Auftraggeber?“
„Der Ludwig Kabangu töten lassen wollte.“
„Bei der Ausführung des Mordanschlags zu Tode gekommen.“ In Behrs Blick kroch Fatalismus. „Einen anderen Auftraggeber als die beiden gibt es nicht. Das müssen Sie doch verstehen, Frau Bonì.“ (Auszug Seite .214)

Von einem Undercover-Kollegen wird die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì über den Kauf zweier Pistolen informiert. Die Spur führt in deutsche Neonazi-Kreise. Doch es gibt wasserdichte Alibis, schweigsame Zeugen, wenig Greifbares. Gleichzeitig befindet sich der Ruander Ludwig Kabangu in der Stadt und fordert die Gebeine eines Ahnen von der Universität zurück, einst von deutschen Rasseforschern geraubt. Ist er das perfekte Opfer? Bonì gräbt immer tiefer und stößt auf ein undurchsichtiges rechtes Netzwerk.

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Dominique Manotti | Einschlägig bekannt

Dominique Manotti | Einschlägig bekannt

„Noch mal ganz von vorn, wie viele Vertreter der Staatsgewalt waren an dem Einsatz beteiligt?“
Die Antwort kommt von Genêt, er hat schon mehrmals nachgerechnet. 32 Polizisten waren auf dem Vorplatz. Viele für ein Handy, von dem zu allem Überfluss nicht einmal sicher ist, dass es gestohlen wurde.
„Kam es zu Tätlichkeiten gegen diese Polizisten?“
Betretenes Schweigen. Beschimpfungen ja, viele. Aber keine Tätlichkeiten, nicht im eigentlichen Sinne. Verletzte auf Polizeiseite gab es nur durch die Tränengasgranaten der Kollegen. Paturel ist schwer verletzt, sieben andere Polizisten leicht.
Der Lieutenant überlegt einen Moment. „Und darf man erfahren, warum ihr all diese Frauen festgenommen habt?“
Marty, der knapp Davongekommene, versucht eine Erklärung. „Weil sie Handschellen trugen.“
„Und warum trugen sie Handschellen?“
„Um die Lage zu stabilisieren.“
Schweigen.
„Verstehen Sie, alles war voller Leute, wohin man auch sah, starker Tränengasbeschuss, sehr wenige Uniformierte, man wusste nicht, wer Angreifer und wer Kollege war. Dadurch, dass wir denen, die keine Polizisten waren, Handschellen angelegt haben, hatten wir einen besseren Überblick.“
In diesem Moment ist dem ganzen Kommissariat klar: Wir haben Scheiße gebaut, und zwar richtig. (Auszug Seite 78-79)

Eine Pariser Vorstadt, die berühmt-berüchtigten Banlieues: Eine trostlose Schlafstadt mit den üblichen architektonischen Todsünden. Wohnblocks, besetzte Häuser, Gewerbegebiete mit Straßenstrich, schwelende Konflikte, hohe Kriminalität. Hier liegt einiges im Argen. Das trifft auch auf das örtliche Kommissariat zu. Die junge Chefin Le Muir ist eine Hoffnungsträgerin des Innenministers und fährt dessen „Null-Toleranz-Strategie“. Dabei kommen jedoch buchstäblich einige unter die Räder. Auch die unteren Dienstgrade machen sich den neuen Kurs zu eigen und nutzen diesen für eigene Zwecke. Spezialermittlerin Noria Ghozali nimmt das Kommissariat ins Visier.

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David Peace | GB84

David Peace | GB84

Alles passiert heute hier. Die Streikenden haben die Polizisten auf dem Zechengelände in der Falle. Die Polizei hat Hilfe angefordert. Die Kolonne mit der Verstärkung ist unterwegs –
In zwei Reihen rast sie mit hundertvierzig Sachen die Straße entlang. Die Streikenden am Straßenrand bewerfen die Wagen mit Steinen, vom ersten bis zum letzten –
Rums. Rums. Rums. Rums –
Brocken um Brocken. Ziegel um Ziegel. Stein um Stein –
Auf jedes Einzelne der sechzig Fahrzeuge. Ein Pferdetransporter gerät auf den Bürgersteig und trifft frontal einen Kumpel –
Sie lassen ihn in seiner Donkeyjacke sterbend liegen –
Die Polizisten lachen, johlen, schlagen auf ihre Schilde. Der Mechaniker steht vor einem Pub und schaut in die Gesichter. Männer rennen in jede beliebige Richtung davon. Polizisten stürmen hinter ihnen her. Rettungswagen, brennende Barrikaden –
Polizeitransporter mit Maschengittern und Kuhfängern brettern gegen die Barrikaden –
Die Lust ist voller Qualm und Qualen. Die Morgendämmerung lässt auf sich warten – (Auszug Seite 349)

Großbritannien im März 1984: Kaum hat Ian McGregor, der Vorsitzende des National Coal Board (NCB), die Schließung unrentabler Zechen und die Privatisierung der übrigen angekündigt, beginnt die einflussreiche Bergbaugewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) mit den Gegenmaßnahmen. Ohne Urabstimmung wird vom Gewerkschaftsführer Arthur Scargill ein landesweiter Streik ausgerufen. Die Gewerkschaft ist zuversichtlich, schließlich hatten sie bereits 1974 den konservativen Premierminister Edward Heath durch ihren Streik aus dem Amt gedrängt. Doch diesmal regiert ein anderer Regierungschef in Downing Street No.10: Die eiserne Lady Margaret Thatcher. Es beginnt ein harter Kampf, der sich ständig zuspitzt und in dem alle Register gezogen werden: Betrug, Korruption, Verrat, Gewalt, Bespitzelung und auch Mord.

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