Kategorie: Agenten- & Spionageroman

Mick Herron | Down Cemetery Road

Mick Herron | Down Cemetery Road

Mick Herron ist dem Genreleser – und darüber hinaus – seit einigen Jahren natürlich ein Begriff. Mit seiner Reihe um die „Slow Horses“, einer Gruppe abgehalfteter und vom britischen Geheimdienst aufs Abstellgleis geschobener Agenten um den kauzigen Chef Jackson Lamb, die allerdings doch nicht so ineffektiv sind und dem MI5 „pain in the ass“ sind, erreichte Herron einen großen Erfolg bei Lesern und Kritikern gleichermaßen. Die Popularität der Serie stieg noch einmal an, seitdem Apple TV die Serie mit Gary Oldman in der Hauptrolle fürs Streaming adaptierte. Eine Serienverfilmung ist nun auch der Grund, warum Herrons Debütroman „Down Cemetery Road“ nach über 20 Jahren ins Deutsche übersetzt wurde. Wiederum war es Apple TV, die diesen Roman als Serie verfilmt und im Oktober veröffentlicht hat, mit Emma Thompson in der Hauptrolle als Privatdetektivin Zoë Boehm. Der Diogenes Verlag hat das Buch auch mit dem Untertitel „Zoë Boehm ermittelt in Oxford“ versehen, um damit zu unterstreichen, dass es sich hier um eine Serie mit vier Bänden handelt, die Herron bis 2009 vor seiner Slow Horses-Reihe verfasst hat. Allerdings Zoë Boehm als Hauptfigur in diesem ersten Band zu bezeichnen, wäre ein wenig übertrieben, denn eigentlich greift die Detektivin nach zwei Kurzauftritten erst im letzten Viertel des Romans so richtig in die Handlung ein. Doch der Reihe nach.

Sarah Trafford ist auf der Suche: Nach abgeschlossenem Studium lebt sie nun in einem Haus in einer guten – aber nicht sehr guten – Gegend von Oxford, ihr Mann Mark macht irgendwas im Bereich Finanzen, bringt gutes Geld nach Hause, während sie noch nicht so recht den nächsten Schritt ins Berufsleben geschafft hat. Es gibt keine Kinder, sie will auch (noch) gar keine. Sie vertreibt sich irgendwie die Zeit, mit Hausputz oder so. Im Studium hingegen war Sarah Tucker wild und ungestüm – bis zu einem schweren Unfall unter Drogeneinfluss. „BHS – Boring Housewife Syndrom“, so bringt es in der Eingangsszene Gerard Inchon, ein unangenehmer Geschäftspartner ihres Mannes, dann doch irgendwie auf den Punkt. Zu Beginn hat Mark Inchon samt Partnerin zum Essen nach Hause eingeladen, um die Geschäftsbeziehung möglichst zu vertiefen. Sarah darf auch jemanden dazuladen, ihre Wahl fällt auf ihre eher linksalternative Freundin Wigwam und ihren ähnlich schluffigen neuen Freund Rufus. Ein gefundenes Fressen für den konservativ-zynischen Inchon – und der Leser darf sich an einem höchst vergnüglichen Anfangskapitel ergötzen. Doch noch etwas anderes passiert während des Dinners: In der Nachbarschaft gibt es eine Explosion mit zwei Toten, ein kleines Mädchen hat es überlebt.

Sarah ist sofort fasziniert und interessiert. Sie meint sich an das Mädchen Dinah zu erinnern. Ihr kommt die Explosion seltsam vor, sie findet, dass das allgemeine Interesse an der Sache schnell heruntergespielt wird. Am Unglücksort glaubt sie einen verdächtigen Mann gesehen zu haben. Bei der Polizei wird ihr nichts über den Verbleib von Dinah verraten und so reift in ihr der Entschluss, Dinah unbedingt finden zu müssen. Der Leser fragt sich schon irgendwie warum, aber da geht es der Hauptfigur nicht anders. Dennoch bleibt sie dran und engagiert sogar einen Privatdetektiv – Joe Silvermann, Partner von Zoë Boehm. Und selbstverständlich steckt hinter der Explosion sehr viel mehr, und ohne groß spoilern zu wollen, schlittert Sarah in eine Geheimdienstoperation, in der manche ungelegene Beweise und Zeugen im Zusammenhang mit dem Irakkrieg beseitigt werden sollen.

Die Detektei war zwischen einem Pub und einem Zeitungskiosk eingezwängt, und obwohl die Anzeige in den Gelben Seiten „Hightech“ versprochen hatte, hielt dieses Versprechen nicht mal bis zur Türklingel. (Auszug E-Book Pos. 866)

Obwohl Mick Herron hier im Jahr 2002 eine Reihe mit einer Oxforder Privatdetektivin einführt, wirkt der Roman schon als kleine Blaupause für den später folgenden „Slow Horses“-Kosmos. Auch hier gibt es schmutzige Geheimdienstaktionen und es werden einige sehr seltsame Figuren aus dem Geheimdienstmilieu eingeführt. Allerdings bleibt der Autor eng bei seiner Hauptfigur Sarah, die völlig konfus sich in eine Sache einmischt, die ein paar Nummern zu groß für sie ist, aber – und das nötigt dem Leser dann doch Respekt ab – sie zieht es durch (wenn auch irgendwann dann doch Zoë Boehm so richtig in die Geschichte einsteigt). Irgendwann wird Sarah selbst zur Gejagten, eine wilde Flucht mit einem unerwarteten Begleiter beginnt und dennoch bleibt die Suche nach dem verschwundenen Kind immer präsent.

„Down Cemetery Road“ ist auch in der heutigen Betrachtung nach Kenntnis der „Slow Horses“-Romane ein bemerkenswerter Debütroman. Mick Herron entwickelt aus der gediegenen Oxford- und Hausfrauen-Atmosphäre einen temporeichen und intelligenten Geheimdiensthriller. Dabei ist auch hier schon der hervorragende literarische Stil Herrons durchsetzt mit typisch britischem Humor zu beobachten. Insofern ein echter Gewinn, dass es dieser Roman nach 23 Jahre zu einer gelungenen deutschen Übersetzung durch Stefanie Schäfer geschafft hat. Und vielleicht taucht Zoë Boehm in den weiteren Bänden dann auch etwas häufiger auf.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Down Cemetery Road | Erschienen am 22.10.2025 im Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-30115-1
560 Seiten | 19,- €
Originaltitel: Down Cemetery Road | Übersetzung aus dem Englischen von Stefanie Schäfer
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Mick Herrons Roman „Slow Horses“

Karina Urbach | Das Haus am Gordon Place

Karina Urbach | Das Haus am Gordon Place

„Institutionen laufen immer Gefahr, in eine Art Gruppendenken zu verfallen. Der MI6 ist da keine Ausnahme. Wir brauchen Außenseiter, die anders denken, anders an diese ganze Sache herangehen, um den Fall zu lösen. Ich habe Ihnen auch nicht gesagt, dass ich ziemlich sicher bin, wer Gerald Fraser umgebracht hat. Aber ich kann es nicht beweisen. Und ich verstehe das Motiv dahinter nicht. Da ist eine große, gähnende Lücke. Und um sie zu füllen, brauche ich Sie.“ (Auszug Seite 188)

Nach einem anstrengenden Flug wird dem Historiker Professor Hunt die Einreise in die USA verweigert. Erst nach einer Nacht in der Flughafenarrestzelle erfährt er von Emma Spencer vom britischen Geheimdienst den Grund. In seiner Wohnung in London am Gordon Place wurde sein Nachbar Gerald Fraser erschlagen aufgefunden. Spencer bittet den Professor um Mithilfe bei der Aufklärung und Hunt kommt aufgrund seiner Recherchen und viel historischem Fingerspitzengefühl einer alten Geschichte auf die Spur, die mit Daphne Parson zusammenhängt, die nicht nur eine Legende in Spionagekreisen war, sondern auch Vorbesitzerin seiner Wohnung. Und nicht nur das. Drei weitere Bewohner der Luxusimmobilie waren kurz nach dem 2. Weltkrieg als Agenten des MI6 in Wien eingesetzt.

Wiener Abhörtunnel
In einer weiteren Perspektive wird immer wieder ins Wien der Besatzungszeit zurückgeblendet. Wien ist damals genau wie Berlin in vier Zonen eingeteilt, die Menschen hungern und verkaufen ihr letztes Hab und Gut, um zu überleben. Hier entsteht für die Leserin ein reales Bild der damaligen Lebensbedingungen in den Anfangszeiten des Kalten Krieges mit Schmuggel, Verbrechen und ehemaligen Nazis, die an- und abgeworben werden. Daphne Parson gehört zu einer Gruppe britischer Nachrichtenoffiziere, deren Aufgabe es ist, Informationen über die Gegenseite zu sammeln und in einem extra dafür gegrabenen Tunnel in Wien den sowjetischen Telefonverkehr abzuhören. Zutiefst schockiert erkennt Parson in einem dieser Telefonate die Stimme eines ehemaligen SS-Offiziers wieder, der sie Jahre zuvor in Griechenland gefoltert hatte. Die Möglichkeit zur Rache ergibt sich für Parson, als sie für eine verdeckte Operation eingesetzt wird. Ein früherer SS-Mann, der über den Verbleib geraubtes Nazi-Gold Bescheid weiß, soll aus seinem Versteck gelockt werden. Als der Einsatz scheitert, greift ein riskanter wie spektakulärer Plan.

Der dritte Mann
Um in den russischen Sektor Wiens zu gelangen, werden Agenten des britischen Geheimdienstes als Hilfskräfte zu den Dreharbeiten zum Film „Der dritte Mann“ eingeschleust. Die Verfilmung von Graham Greenes Roman spielt am Wiener Prater, der sich damals im sowjetischen Sektor befand, aber auch in den Abwasserkanälen des Wiener Untergrunds. Diese geheimnisvolle sowie gefährliche Operation bildet den Höhepunkt, die Verknüpfung mit dem 1949 entstandenen Filmklassiker Noir ist für mich das Highlight in diesem Agenten-Thriller. Die realen Umstände der Dreharbeiten spielen dabei eine besondere Rolle. Vor allen Dingen, wenn man weiß, dass alle wichtigen Mitarbeiter der Filmcrew, der Autor Greene, die Filmemacher Korda, Reed und Montagu dem britischen Geheimdienst nahe standen, so dass bis heute in weiten Teilen völlig unklar ist, was sich wirklich in den Abwasserkanälen zugetragen hat. Die Gerüchte, die aufwendigen Dreharbeiten dienten nur als Tarnung und wären nur ein perfides Ablenkungsmanöver für nachrichtdienstliche Arbeiten, verstummten nie.

„Orson Welles hat sich bisher geweigert runterzukommen, der hat einen Sauberkeitsfimmel und glaubt, sich hier was einzufangen. Das wird schwierig mit dem, der besteht auf einem Double….“ (Auszug Seite 266)

In einem interessanten Nachwort erfährt man, dass es den Wiener Abhörtunnel tatsächlich gab und dass viele der Akteure reale Vorbilder haben, allen voran Daphne Parson, die in Teilen auf der MI6-Agentin Daphne Park, später Baroness Park of Monmouth basiert. Park war eine Legende, im Geheimdienst bekannt für ihre Loyalität und Nervenstärke und einer der wenigen Frauen, die schon Ende der 1940er Jahre für den MI6 arbeiteten. Dabei wusste sie auch ihr harmloses Aussehen (Miss Marple-Look-alike) einzusetzen.

Fazit
Karina Urbach ist eine aus Düsseldorf stammende habilitierte Historikerin und das merkt man jeder Zeile ihres Krimis an. Faktenreich und sehr fundiert entfaltet sich auf zwei Erzählebenen eine fesselnde Geschichte. In einem Mix aus Krimi und historischem Agenten-Thriller verbindet die Autorin reale Geschehnisse und Fiktion recht unterhaltsam, ohne dass es nach dröger Geschichtsstunde anmutet. Wien im Jahr 1948 und die teure Londoner Wohngegend in der heutigen Zeit werden bildhaft dargestellt und die handelnden Figuren darin lebendig eingearbeitet.

Ich kannte die Autorin vorher nicht, aber als großer Fan von Spionage-Geschichten werde ich mir mal ihren 2018 mit mehreren Preisen ausgezeichneten Roman „Cambridge 5 – Zeit der Verräter“ noch unter ihrem Pseudonym Hannah Coler ansehen.

 

Foto und Rezension von Andy Ruhr.

Das Haus am Gordon Place | Erschien am 20. März 2024 im Limes Verlag
ISBN 978-3-8090-2766-9
384 Seiten | 18,00 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Rezensions-Doppel: Mathijs Deen | Der Taucher & Charles den Tex | Repair Club

Rezensions-Doppel: Mathijs Deen | Der Taucher & Charles den Tex | Repair Club

Die niederländische und flandrische Literatur ist dieses Jahr zu Gast bei der Leipziger Buchmesse. Das ist doch mal ein gelungener Anlass für ein Rezensions-Doppel mit zwei niederländischen Autoren. Trotz der geografischen Nähe und der sprachlichen Verwandtschaft sind Übersetzungen von Krimis und Spannungsliteratur aus der niederländischen Sprache momentan nicht so häufig, wie man vermuten könnte. Wenn man sich die Liste der Gewinner des wichtigsten niederländischen Krimipreises „Gouden Strop“ der letzten zehn Jahre ansieht, so wurden lediglich zwei Romane („Staub zu Staub“ von Felix Weber und „Mutter, ich habe getötet“ von Esther Verhoek) ins Deutsche übersetzt. Das war mal anders. In den 90er und 00er-Jahren waren niederländische Krimis regelmäßiger bei deutschen Verlagen vertreten, insbesondere beim Dortmunder Grafit Verlag, der einige niederländischen Autoren wie Jac.Toes, Felix Thijssen oder Charles den Tex im Programm hatte. Letzterer ist bis heute einer der erfolgreichsten Krimiautoren der Niederlande. Mit seinem Roman „Repair Club“ wurde seit langem wieder mal ein Buch von ihm ins Deutsche übersetzt. „Der Taucher“ hingegen ist der zweite Band von Mathijs Deens Serie um den deutsch-holländischen Kommissar Liewe Cupido und offensichtlich auch wesentlich auf die deutschen Leserinnen und Leser ausgerichtet, wurde die deutsche Übersetzung doch bereits wenige Wochen vor dem niederländischen Original veröffentlicht. Zeit für eine Doppelrezension.

Mathijs Deen | Der Taucher
Ein niederländisches Bergungsboot findet an der Küste vor Amrum auf dem Echolot ein Wrack. Als sie eine Kamera ins Wasser lassen, finden sie nicht allerdings nicht nur das seit langem vermisste Schiff „Hanne“ mit wertvollem Kupfer an Bord, sondern auch die Leiche eines Tauchers, mit Handschellen angekettet an das Wrack, dadurch offensichtlich ermordet. Weil das Boot des Tauchers abgedriftet in Dänemark aufgefunden wurde, kommt die Polizei bald auf die Identität des Toten. Jan Matz wohnte auf Föhr, lebte getrennt von seiner Frau und den beiden Kindern in Wilhelmshaven und war begeisterter Wracktaucher.

Liewe Cupido ermittelt als Experte der Bundespolizei See als Verstärkung der Kriminalpolizei. Die Ermittlungen gestalten sich durchaus schwierig, denn neben dem Anhaltspunkt der illegalen Plünderung eines Wracks gibt es noch ein familiäres Drama im Hintergrund. Johnny Matz, dem 17jährige Sohn des Toten, droht eine empfindliche Jugendstrafe, weil er seinen Mitschüler Hauke Mauer angegriffen und schwer verletzt hat, sodass dieser weiterhin schwere körperliche Probleme hat. Jan Matz hat seinem Sohn falsche Alibis gegeben, die teilweise widerlegt wurden, aber die Ermittlungen und Strafverfolgung erheblich verzögerten. Darunter leidet die Familie Mauer und die Wut vergrößerte sich noch, als eines Nachts zwei Jugendliche einen Brandsatz in der Carport der Familie warfen – eine Videoaufzeichnung legt nahe, dass Johnny einer der beiden Täter war.

Wie schon in Band 1 „Der Holländer“ ist auch der Fortsetzungsband „Der Taucher“ sehr regional und maritim geprägt. Diesmal liegt der sehr überwiegende Teil der Schauplätze in Deutschland, Wilhelmshaven, Cuxhaven und Föhr, mit kurzen Abstechern in die Niederlande und nach Dänemark. Auch diesmal ist der Plot nicht spektakulär oder sonderlich actionreich, stattdessen liegt der Augenmerk stark auf den Figuren und den zerrütteten Familienverhältnissen. Die getrennte Familie Matz mit dem unkontrollierten, aufbrausenden Johnny und seinem jüngeren, sehr stillen Bruder, der auf Außenstehende zurückgeblieben wirkt, sowie die Familie Mauer, bei der neben dem Angriff auf den Sohn Hauke auch die Insolvenz des Gastronomiebetriebs des Vaters für einen Riss zwischen den Eheleuten und in der Familie gesorgt hat.

Indem er ihn diese Passage übersetzen ließ, wollte Herr Koek ihm helfen, die Tragödie zu verarbeiten, dachte Liewe, und das denkt er immer noch. Er kann sich nicht mehr genau an den Text erinnern, nur an den einen Satz: Il a été poussé, it est tombe, c’est fini. Er ist gestoßen worden, er ist gefallen, es ist aus.
Der Satz ist zu einem Mantra geworden, das er endlos wiederholt, wenn er nicht einschlafen kann. Fast jede Nacht also. Obwohl es schon besser ist, seit Vos am Fußende liegt. (Auszug Seite 97)

Zentraler Anker der Geschichte bleibt aber der Ermittler Liewe Cupido. Auf Texel aufgewachsen, deutsche Mutter, niederländischer Vater, inzwischen in Deutschland lebend und deutscher Polizeibeamter. Cupido ist ein zurückhaltender Einzelgänger, schweigsam, beharrlich, unbequem als Kollege, weil er ungern im Team arbeitet. Auch privat eher einsam, seit Band 1 wird er von der Hündin Vos begleitet, die ihm damals bei einer Observation zugelaufen ist. Aber in diesem Buch tritt auch privat jemand in sein Leben. Horizontales Element in der Reihe bislang ist der bis heute nicht vollständig verarbeitete Verlust seines Vaters. Der Vater war Fischer auf Texel und kam von einem Auslaufen nicht mehr nach Hause, in rauer See von Bord gegangen, ein tragischer Unfall. Doch Cupido trägt dieses Kapitel noch immer mit sich.

Mit „Der Taucher“ hat der niederländischen Autor und Rundfunkproduzent Mathijs Deen einen wirklich gelungenen Fortsetzungsband geschrieben. Regional und maritim verwurzelt, mit einer melancholischen, entschleunigten Grundstimmung, stimmigen Figuren und deren Verhältnissen zueinander sowie einer interessanten Wendung und Auflösung, die an dieser Stelle nicht gespoilert werden sollte. Für Freunde des gepflegten literarischen Ermittlerkrimis ist diese Reihe unbedingt zu empfehlen, der dritte Teil erscheint dieser Tage.

Charles den Tex | Repair Club
John Antink ist ehemaliger Chef des niederländischen Geheimdienstes. Inzwischen 70 und im Ruhestand betreibt er mit drei Freunden ehrenamtlich einen „Repair Club“, in dem alte Haushaltsgeräte repariert werden. Bei einem dieser Termin steht plötzlich ein Mann, vermeintlich ein Russe, mit einer alten Robotron-Schreibmaschine aus DDR-Zeiten vor ihm und bedroht ihn mit einer Waffe. Er gibt John einen Hinweis auf eine alte Geheimdienst-Akte und nennt ihm einen neuen Termin für ein erneutes Treffen.

Währenddessen ist die neue Chefin des Geheimdienstes, Alisha Calder, unter starken Druck geraten. Durch ein Leak ist an die Öffentlichkeit geraten, dass mit Mitteln des Geheimdienstes offenbar eine syrische Terrorgruppe finanziert wurde. Calder braucht ihren Vorgänger John Antink, um dieses undurchsichtige Manöver zu durchschauen, denn die Mittel kommen offenbar tatsächlich vom Geheimdienst, nur wusste niemand etwas. John Antink kommt schnell der Verdacht, dass beide Ereignisse zusammenhängen. Er begibt sich tief in die alten Akten und durchleuchtet seine Vergangenheit als Spion, die ihn unter dem Deckmantel als schweizer Finanzdienstleister in die DDR der späten 1980er gebracht hat. Die Dinge spitzen sich zu, als Antinks Frau Vera fast von Russen entführt wird und der russische Mann aus dem Repair Club tot aufgefunden wird.

„Jemand will mich nach draußen locken. Mit dieser Akte. […] irgendwo in dieser Akte muss etwas stehen, ein Hinweis oder etwas anderes, irgendwas, was sie wissen oder haben wollen.“ Davon ist John überzeugt. Jemand will ihn aufscheuchen und in die Vergangenheit schicken, damit er dort etwas findet, was nur er finden kann. Etwas, was jemand verloren hat. (Auszug E-Book Pos. 2097)

Wer beim ersten Blick auf den Klappentext und den Titel des Romans gedacht hatte, hier geht es in die Richtung „Der Donnerstagsmordclub“ mit rüstigen und schrulligen Rentnern, den muss ich leider enttäuschen. John Antink ist zwar verrentet, aber die Probleme des Alterns kommen nur ab und an vor und seine Kollegen vom Repair Club spielen nur Nebenrollen. Aber ein Spionageroman aus den Niederlanden ist doch auch mal was Neues und die Story ist auch ziemlich modern. Es geht um den Clash zwischen der modernen, digitalen Geheimdienstarbeit von Calder und der altgedienten Methoden von Antink, der noch gerne im Außeneinsatz und mit Körpereinsatz die Dinge erledigt (aber nicht unterschätzt werden sollte). Übergeordnet geht es aber vor allem um russische Einflussnahme in Westeuropa und den Versuch, den Geheimdienst eines NATO-Landes zu desavouieren. Die Spur führt Antink schließlich in seine Vergangenheit und ins Jahr 1988 nach Dresden. Und dreimal dürft ihr raten: Welche junge, vielversprechende Mann war damals KGD-Statthalter vor Ort?

Durchaus gute Zutaten für einen guten Spionagethriller. Doch jetzt kommt leider das große Aber, was mich selbst sehr überrascht. Den Tex wählt aus meiner Sicht nicht die richtige Erzählperspektive aus. Ein allwissender Erzähler wacht über den Text und plaudert den Leser an vielen Stellen völlig zu. Alle Einblicke, alle Gedanken, alle Erklärungen werden mitgeteilt. Auch die Rückblenden werden nicht nacherlebt, sondern vorwiegend nacherzählt. Das macht die Spannungskurve ziemlich zunichte und hinterlässt eine Spur von Langeweile und Frustration bei mir. Umso mehr, weil ich weiß, dass den Tex es anders kann. Zwei Romane habe ich bislang von ihm gelesen („Die Zelle“ und „Die Macht des Mr. Miller“) und beide waren plotgetriebene Thriller mit hohem Spannungsfaktor, die im Großen und Ganzen gut bis prächtig unterhielten. Hier hingegen verplempert der Autor für meinen Geschmack seine guten Ploteinfälle, weil der Erzähler eine Quasselstrippe ist. „Show, don’t tell“ heißt doch eigentlich das Zauberwort für den guten Thrillerautor. Leider von den Tex hier nicht beherzigt. Zum Ende wird es besser, einen schönen Plottwist inklusive, aber trotzdem war hier deutlich mehr drin.

 

Foto & Rezension von Gunnar Wolters.

Der Taucher | Erschienen am 14.02.2023 im Mare Verlag
ISBN 978-3-86648-701-7
320 Seiten | 22,- €
Originaltitel: De duiker | Übersetzung aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 4 von 5
Kriminalroman

 

Repair Club | Erscheinen am 20.02.2024 bei HarperCollins
ISBN: 978-3-36500-610-8;
496 Seiten | 14,- €
Originaltitel: De repair club | Übersetzung aus dem Niederländischen von Simone Schroth
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Wertung: 3 von 5
Spionageroman

Weiterlesen: Vier Rezensionen aus unserem Minispecial „Ein langes Wochenende mit Spannungsliteratur aus Flandern und den Niederlanden

Andreas Pflüger | Wie sterben geht

Andreas Pflüger | Wie sterben geht

Die Brücke lag im Dunkel. Auf dem See tanzten die Lichter von Booten im wirbelnden Schnee. Hier war sie, die Bühne für die größte Show, die der Kalte Krieg zu bieten hatte. … Hüben und drüben mussten an die zweihundert Personen mit dem Austausch beschäftigt sein. Alles für nur zwei Männer, von denen der eine Ehre besaß und der andere die Giftspritze verdient hätte. (Auszug Seite 21-22)

Ein guter Film fängt mit eine Explosion an, um sich dann langsam zu steigern. Ein Zitat, das Billy Wilder nachgesagt wird, und genau das hat, der auch als Drehbuchautor bekannte Schriftsteller Andreas Pflüger, beherzigt. Gleich zu Beginn seines Thrillers kommt es auf der Glienicker Brücke in Berlin zu einem spektakulären Agentenaustausch. Es ist 1983, tiefster Winter, als der KGB-Offizier und Doppelagent Rem Kukura gegen den Sohn eines Politbüromitglieds ausgetauscht werden soll und alles, wirklich alles schiefgeht. Nina Winter soll die Übergabe begleiten, da nur sie den Moskauer Top-Agenten Kukura mit dem Decknamen „Pilger“ identifizieren kann. Die Situation eskaliert und stellt die Supermächte dieser Welt vor neue Herausforderungen, jeder falsche Schritt könnte einen Atomkrieg auslösen.

Regeln des Agentenhandwerks
Rückblick vier Jahre zuvor: Nina Winter arbeitet als Analystin beim BND im bayerischen Pullach, als sie das Angebot bekommt, als „Verbindungsoffizierin“ eine sogenannte Quelle in Moskau zu führen. Ihre Aufgabe ist es, vor Ort zu sein und alles an Informationen entgegenzunehmen, was diese Quelle liefern kann. Nina ist völlig perplex, denn Rem Kukura ist ein sogenannter „Pink Star“, der den Westen mit wertvollsten Informationen versorgt. Er hat explizit sie verlangt und seine weitere Zusammenarbeit mit Deutschland von ihrer Zusage abhängig gemacht. Die unerfahrene aber ehrgeizige Winter sieht es als Chance ihres Lebens und begibt sich auf eine kurze, intensive Schulung. Das Erlernen des Handwerks einer Spionin wird als Ninas erste Herausforderung eingehend beschrieben. Nach dem spektakulären Auftakt wird erst mal das Tempo rausgenommen und wir lernen mit Nina die wichtigsten Überlebensstrategien. Die Versetzung nach Moskau gleicht einem Himmelfahrtskommando, denn von Anfang an weiß die Gegenseite über ihre Tätigkeit Bescheid und sie gerät in das Visier brutaler sowjetischer Militärs, die ihr nur zu gerne zeigen wollen, „Wie sterben geht.“ Ein Prinzip der Agententätigkeit lautet: Lass dich nie emotional auf eine Quelle ein. Und doch tut sie genau das, sie baut Vertrauen zu Pilger auf und verliebt sich in dessen Sohn Leo, einem ehemaligen Star-Boxer. Nina beschließt, Vater und Sohn aus Russland herauszuholen.

Immer wenn sie in dieser Station die mit Edelstahl verblendeten, federleicht wirkenden Bögen sah, wurden ihr die Pole bewusst, zwischen denen Moskau ständig oszillierte. Not und Verschwendung. Hochmut und Sehnsucht. Leere und Fülle. Wahrheit und Lüge. (Auszug Seite 166)

In diesem anspruchsvollem Polit-Thriller nimmt uns Andreas Pflüger mit auf eine spannende Zeitreise, die gleichzeitig erschreckend aktuell ist. Penibel recherchiert und mit viel Hintergrundwissen sowie Ortskenntnis brilliert der Autor in detaillierten Schilderungen der 80er Jahre sowie ausführlichen Abläufen deutscher und sowjetischer geheimdienstlicher Tätigkeiten. Schließlich unterhält Pflüger freundschaftliche Beziehungen zu Personen vom BND und BKA, wie er auf einer Lesung verriet. Es ist die Hochphase des Kalten Krieges. Zwischen atomarem Wettrüsten und Nato-Doppelbeschluss, Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan sowie dem Boykott der Olympischen Sommerspiele in Moskau begleiten wir Nina in ihrer Zeit durch Moskau. Man bestaunt mit der jungen Frau die Gegensätze des Moskauer Stadtbilds, das Nebeneinander von Protz und Plattenbau, die leeren Prospekte, die Schlangen vor den Läden. Man zittert mit ihr vor der eisigen Kälte aber auch vor Angst aufgrund der permanenten Unsicherheit des Agentenlebens mit einer falschen Identität und kann nur mutmaßen, wer Feind und wer Freund ist. Das ständige Misstrauen, die permanente Wachsamkeit waren für die Leserin fast körperlich spürbar.
Der Wechsel in den Zeiten baut zusätzlich Spannung auf. Dabei verliert Andreas Pflüger nie den roten Faden aus den Augen. Mit dem richtigen Gespür für Dramaturgie zelebriert er sein raffiniertes Spiel von Vertrauen und Misstrauen, Täuschung und Verrat. Filmreife Actionszenen wechseln sich mit beklemmenden Verhörsituationen und klug prägnanten Dialogen ab. Pflüger konnte mich auch sprachlich und mit seinen treffenden Metaphern begeistern, seine Sätze haben Rhythmus und erzeugen Tempo, sind rotzig frech oder lyrisch verdichtet aber immer präzise.

Wie Thriller geht
Als großer Fan der Jenny Aaron Trilogie interessierte mich der neue Thriller von Andreas Pflüger sehr. Das Cover mit der stilisierten Glienicker Brücke hat mich zusammen mit dem Klappentext gleich in den Bann gezogen. Der Thriller fesselt von der ersten Seite und erzählt atemlos ein hochspannendes Abenteuer aus der Welt der Spionage voller Intrigen und dunkler Geheimnisse. Mit Nina Winter hat Pflüger nach der blinden Elitepolizistin Aaron eine weitere weibliche Superheldin erschaffen. Sie spricht 6 Sprachen, läuft täglich Marathonstrecken und ist jedem ihrer meist männlichen Verfolgern an Fitness überlegen. Ihr Weg von der Schreibtischtäterin und Lyrikliebhaberin zur Top-Agentin des BND wirkt lebendig und vielschichtig. Wie bei jedem Spionageroman darf man nicht in seiner Konzentration nachlassen, denn schnell kann man sich dabei in dem dichten Personen- und Handlungsgeflecht aus BND-Mitarbeitern, Agenten, Psychopathen und Killern, historischen Figuren und normalen Bürgern verirren. Meine Erwartungen waren sehr hoch, aber Andreas Pflüger weiß einfach, wie Thriller geht. Ganz großes Kino!

 

Foto und Rezension von Andy Ruhr.

Wie Sterben geht | Erschienen am 09.10.2023 im Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-43150-4
448 Seiten | 25,- €
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen I: Alf Mayer im Gespräch mit Andreas Pflüger im Crimemag

Weiterlesen II: Weitere Rezensionen zu Romanen von Andreas Pflüger

In Erinnerung: Peter Zeindler (1934-2023) | Die Ringe des Saturns

In Erinnerung: Peter Zeindler (1934-2023) | Die Ringe des Saturns

Am 07.05.2023 verstarb Peter Zeindler in seiner Heimat Zürich. Es war in letzter Zeit still geworden um den Autor, dessen Name vielen Krimifans, die erst in den letzten 20 Jahren zum Genre gestoßen sind, vermutlich nicht mehr viel sagte. Dabei ist Zeindler bis heute Rekordsieger beim Deutschen Krimipreis „National“. Gleich viermal war er auf Platz 1 des prestigeträchtigen Preises: 1986, 1988, 1990 und 1992 für seine Romane „Der Zirkel“, „Widerspiel“, „Der Schattenagent“ und „Feuerprobe“, zudem erhielt er 1996 den Ehrenglauser für sein Lebenswerk.

Peter Zeindler wurde 1934 in Zürich geboren, wuchs in Schaffhausen auf, studierte später Germanistik und Kunstgeschichte. Er arbeitete als Dozent und Deutschlehrer, ehe er schließlich eine journalistische Laufbahn einschlug, unter anderem als Redaktuer und Moderator beim Schweizer Radio und Fernsehen. Zeindler schrieb ab Ende der 1960er fürs Theater und Hörspiele, 1992 schließlich seinen ersten Roman „Tarock“.

Große Bekanntheit erlangte Zeindler dann mit seiner Romanreihe um Konrad Sembritzki. In insgesamt zwölf Romanen ist Sembritzki Hauptfigur, der letzte Roman „Die weiße Madonna“ erschien 2014. Zeindler verstand sich dabei ausdrücklich nicht als Krimiautor, sondern als „Autor von Spionageromanen“ und betonte die literarische Seite seines Schreibens. Dem Deutschlandfunk sagte er mal: „Ich bin nicht bereit, alle Zugeständnisse an das Genre zu machen, nur damit es mehr Thrill hat. Ich weiß, dass ich manchmal zwischen Stuhl und Bank sitze mit meinen Büchern, weil ich nicht das spezifische Publikum so bediene, wie es erwartet wird.“

Das erste Mal taucht Konrad Sembritzki in Zeindlers zweitem Roman „Die Ringe des Saturns“ auf. Er ist Antiquar in Bern und war ehemals Agent des deutschen Bundesnachrichtendienstes und wird aber, obwohl offiziell außer Dienst, immer wieder in Geheimdienstaktivitäten involviert. Sembritzki ist ein Netzwerker, ein Strippenzieher, kein Mann fürs Grobe. Dabei erweist er sich als Melancholiker und einsamer Mann, der sich zwar mit nur begrenzter Unterstützung in einer komplizierten Welt von Täuschung, Tarnung und sich ändernden Machtbereichen zurechtfindet, aber den inneren Hafen, ein vertrautes Alltagsleben, nicht herzustellen vermag.

Die Ringe des Saturns

Konrad Sembritzki wird von seinem ehemaligen Führungsoffizier im BND, Stachow, kontaktiert. Er soll die Teilnahme an einer Fachkonferenz in Prag als Tarnung nutzen, um sein altes Spionagenetzwerk in der CSSR wiederzubeleben. Stachow steht wegen angeblicher Truppenbewegungen des Ostblocks intern unter Druck. Schon auf dem Weg zum Geheimtreffen am Bodensee bemerkt Sembritzki, dass er beschattet wird. Kurz nach dem Treffen wird Stachow tot aufgefunden. Sembritzki wird nach Pullach zitiert und erhält von seinem neuen Chef Römmel den gleichen Auftakt, allerdings mit anderer Ausrichtung: Der BND erwartet Beweise für die Truppenbewegungen und Stationierung neuer Mittelstreckenraketen der Sowjets.

Sembritzki sucht Kontakt zu alten Verbündeten im BND und ihm wird klar, dass der Regierungswechsel in Bonn nun die Falken in den BND gebracht hat. Statt Abrüstung wird nun über neue Waffen diskutiert, um der Bedrohung aus dem Osten zu begegnen. Sembritzki wird vom BND und mächtigen Lobbyisten unter Druck gesetzt. Doch so leicht will sich Sembritzki nicht instrumentalisieren lassen. Er reist nach Prag in die Höhle des Löwen. Dort wartet auch seine alte Liebe Eva, mit deren Hilfe er sich echte Informationen erhofft.

Er war kein Partisan der Friedensbewegung. Er war nur ein Gegner der Gewalt. Und das war für ihn nicht dasselbe. Er war ein Partisan des kalten Krieges, dieses Zwischenspiels, das Kriege voneinander trennte. Er war ein Traumtänzer zwischen den Fronten, der sich immer wieder einredete, daß er mit seiner Tätigkeit zwar den Krieg verhinderte, daß sie aber allein, in unmittelbarer Nachbarschaft der Zerstörung, jene kreativen Kräfte in ihm zu mobilisieren vermochte, die ihm das Alltagsleben nie entlocken konnte. (Auszug S.98)

Ein komplexer Spionageroman, der vor dem inzwischen historischen, damals aber hochaktuellen Szenario des NATO-Doppelbeschlusses, der atomaren Aufrüstung und eines wieder heiß werdenden kalten Kriegs spielt. Die Hauptfigur Sembritzki muss sich durch ein Feld sehr unterschiedlicher Interessensgruppen hindurchlavieren. So gibt es die neue Führung des BND, die wie weitere Akteure des militärisch-industriellen Komplexes auf die atomare Aufrüstung setzt. Auf der anderen Seite Oppositionelle im BND und eine Friedensbewegung, auch in der CSSR, die auf Abrüstung hoffen. Zuletzt auch der tschechoslowakische Geheimdient, der Sembritzki Netz enttarnen will.

„Die Ringe des Saturns“ ist zwar vom Thema her oberflächlich etwas in die Jahre gekommen, durch den neuen Konflikt zwischen Russland und der NATO aber dennoch wieder interessant zu lesen, auch vor dem Hintergrund, wie defensiv die NATO tatsächlich agiert. Ansonsten ist es ein klassischer Spionagethriller, der sich im Genre deutlich eher im Spielfeld eines Le Carrés als eines Flemings bewegt. Das bedeutet, dass Peter Zeindler deutlich mehr Augenmerk auf die Figuren und ihre Rolle im Spiel der Kräfte legt, als auf Action und Spannung (die jedoch durchaus auch vorhanden ist). Die Welt der Spionage ist und bleibt komplex und so auch die melancholische Hauptfigur Konrad Sembritzki.

 

Foto und Rezension von Gunnar Wolters.

Die Ringe des Saturns | Erstmals erschienen 1984
Die gelesene Ausgabe erschien 1992 im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-05200-9
304 Seiten | 12,80 DM
Bibliografische Angaben & Leseprobe (aktuell nur antiquarisch erhältlich)

Quellen:

H.P. Karr: „Zeindler, Peter“ im „Lexikon der deutschen Krimi-Autoren“ unter www.krimilexikon.de;
Katja Schönherr & Felix Münger: „Nachruf auf Peter Zeindler – Der Schweizer Meister des Spionageromans ist tot“ auf srf.ch