Kategorie: Gunnar Wolters

Richard Birkefeld & Göran Hachmeister | Deutsche Meisterschaft

Richard Birkefeld & Göran Hachmeister | Deutsche Meisterschaft

„Ganz schönes Zigeunerlager hier. Ausländer überall. Ausländische Maschinen. Wer ist denn besser?“ Der Major steckte die leere Zigarettenspitze in seine Innentasche.
„Mal so, mal so. Hensch hat gerade auf einer Blackburne gewonnen.“
„So, so – ein Deutscher auf einer ausländischen Maschine, das grenzt ja an Verrat.“ Der Gesichtsausdruck des Majors blieb gleichmütig.
Falk zuckte die Achseln. „Wie du immer sagtest, nur das Beste setzt sich durch.“
„Dann müssen wir arbeiten. Wir müssen besser werden in allen Bereichen. Wir müssen alles beherrschen! Dürfen uns nicht abhängen lassen!“ Der Major ließ kurz seinen Blick über das Stadionrund schweifen. „Ein Krieg der Motoren. Das scheint ja alles sehr interessant zu sein.“ (Auszug Seite 125)

Das Rennen um die Deutsche Motorrad-Straßenmeisterschaft im Jahre 1926 ist im vollen Gange. Unter den aussichtsreichen Fahrern sind auch Arno Lamprecht und Falk von Dronte. Doch als in direktem Umfeld der Straßenrennen Leichen mit abgetrenntem Kopf gefunden werden und auch in einem Forst bei München eine kopflose Leiche auftaucht, geraten beide unter enormen Druck. Lamprecht wird wegen der Umstände des Todes seiner Frau vor einigen Jahren direkt von der Polizei verdächtigt und auch von Dronte wird durch den Leichenfund in München von seiner Vergangenheit eingeholt.

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Joan Weng | Feine Leute

Joan Weng | Feine Leute

20:43 Uhr und noch immer kein Paul. […]
Wo blieb er nur?
Was, wenn er gar nicht kam?
Wenn er womöglich Willi schickte?
Und Carl war so gut präpariert. Gestern Nacht noch, gleich nach dem Gespräch mit Paul, war er nach Hause gestürmt und hatte angefangen zu recherchieren. Bedauerlicherweise hatte er dabei zwei Stück Baumkuchen mit Schlagsahne und eine Bonboniere voll Nougat gefuttert, aber nun kannte er wenigstens jedes Detail, das über den Straumannmord je in einer Berliner Zeitung gedruckt worden war. Vom Rätsel des verschobenen Sessels bis zur ungewöhnlichen Tatwaffe, er wusste alles!
Ha, Paul würde schon sehen! (Auszug Seite 72-73)

Der reiche Großgrundbesitzer Gottlieb Straumann wird in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden. Der mutmaßliche Mörder ist schnell gefunden, sein Verwalter Max Beyer war kurz zuvor im Zimmer, ist der Liebhaber von Straumanns Gattin Beatrice und bei ihm wird zudem auch noch die Tatwaffe gefunden. Trotzdem ist Kommissar Paul Genzer irgendwie nicht zufrieden, dieses Gefühl verstärkt sich noch, als Beatrice Straumann wenig später an einer Überdosis verstirbt.

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Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Rezensions-Doppel: Richard Lange ‚Angel Baby‘ & Wiley Cash ‚Schaut nicht zurück‘

Kennt ihr den auch noch? Wenn ich als Kind früher ein wenig Hektik verbreitete, brachte meine Mutter öfters den Spruch: „Wir sind doch nicht wie Dr. Kimble auf der Flucht.“ Die legendäre Fernsehserie aus den 1960ern (die ich nie gesehen habe, erst die Neuverfilmung in den 90ern mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones) schaffte es sogar als Redewendung in den Sprachgebrauch. Überhaupt wird die Thematik Flucht und Verfolgung gern im Kriminalfilm und in der Kriminalliteratur genutzt, man denke nur an Ludlums Jason Bourne, Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“, Eric Amblers „Ungewöhnliche Gefahr“ oder James Gradys „Sechs Tage des Condor“. Das Fluchtmotiv bringt zumeist enormes Tempo und Dramatik in die Story. Außerdem bietet sich an, den Schauplätzen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Zwei aktuelle Vertreter des Genres lagen noch auf meinem SuB und bieten zwei ziemlich unterschiedliche Herangehensweisen. Richard Langes Angel Baby spielt in Tijuana und L.A. und ist ein ziemlich rasantes Stück Thriller („plotgetrieben“ sagt der Schneemann dazu), während Schaut nicht zurück von Wiley Cash im Osten der USA in North & South Carolina spielt und deutlich zurückhaltender an die Sache herangeht. Beide Romane sind allerdings hochdekoriert: Angel Baby wurde 2014 mit dem Hammett Prize ausgezeichnet, mit Schaut nicht zurück gewann Wiley Cash im gleichen Jahr den Dagger Award. Zeit für eine Doppelrezension.

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Charlie Stella | Johnny Porno

Charlie Stella | Johnny Porno

„Du hast echt Nerven“, fuhr Santorra fort. „Wen interessiert’s, dass du arbeiten musst? Mich nicht.“
John schwieg.
„Findet er selbst auch“, sagte Santorra. „Johnny Porno hat echt Nerven.“
„Ich heiße Albano. John Albano. Und ich hab gesagt, dass ich arbeiten muss.“
„Du heißt so, wie ich sag, Wichser.“
John spürte, wie sich jeder Muskel in seinem Gesicht anspannte.
Dann sagte Santorra: „Er musste arbeiten. Waaaahnsinn. Der will uns verarschen.“
Da hatte es John gereicht. Bei dem „Waaaahnsinn“.
„Nein, nur dich“, hatte er gesagt.
„Was?“
„Dich verarsch ich“, sagte John. (Auszug Seite 89-90)

New York, 1973: John Albano hat gerade keinen Lauf. Seinen Job beim Bau hat er verlaufen und dann hat sich auch noch in einer Mafia-Kneipe mit einem Cop (in Zivil) geprügelt. Nun fährt er für den Mafia-Boss Eddie Vento die Pornokinos ab und kassiert die Tageseinnahmen des berühmten Pornos „Deep Throat“. Das weckt natürlich bei einigen Begehrlichkeiten, aber auch sonst gerät Johnny in eine unangenehme Gemengelage.

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James Lee Burke | Neonregen Bd. 1

James Lee Burke | Neonregen Bd. 1

Ich konnte die Erinnerung an jene zehn Sekunden nicht verdrängen zwischen dem Augenblick, da der Torwächter seine Automatik aus der Seitentür gezogen hatte, und dem anderen, als die .45er in meiner Hand losging und Seguras Kopf im Inneren des Wagens zerplatzte. Ich war überzeugt, dass Segura im Gegensatz zu den meisten bedauernswerten Typen, mit denen wir es sonst zu tun hatten, ein wirklich abgrundtief böser Mensch gewesen war, aber jeder, der schon mal auf einen anderen geschossen hat, kennt das schreckliche, vom Adrenalin aufgeputschte Gefühl der Allmacht und Arroganz, das einen in solchen Augenblicken überkommt, und die heimliche Freude, mit der man auf die Gelegenheit reagiert, die sich einem da plötzlich bietet. Ich hatte es in Vietnam erlebt, und auch als Polizist war ich schon zweimal in einer solchen Situation gewesen, und ich war mir der Tatsache bewusst, dass das wilde, affenartige Wesen, von dem wir alle abstammen, in meinem Innern überaus lebendig war. (Auszug Seite 149)

Detective Dave Robicheaux wird in den Todestrakt des Gefängnisses Angola gerufen. Dort sitzt Johnny Massina und will kurz vor der Hinrichtung noch sein Gewissen erleichtern. Er warnt Robicheaux, dass er ermordet werden soll. Robicheaux ist sich nicht sicher, was er davon halten soll, doch langsam dämmert es ihm, dass es mit einem Leichenfund zu tun hat. Vor kurzem hat er beim Angeln die Leiche einer jungen Frau gefunden. Vermutlich ertrunken, glaubt nicht nur der Sheriff, doch Robicheaux ist da anderer Meinung. Und damit scheint er einige Leute in der Unterwelt nervös zu machen.

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