Kategorie: Andy Ruhr

Yrsa Sigurdardóttir | DNA

Yrsa Sigurdardóttir | DNA

Diese Tür ist sonst nie geschlossen.
Elísa geht auf die Tür zu, langsam und vorsichtig. Ihre Zehen kleben auf dem kalten Parkett, und die Angst wächst mit jedem Schritt. Sie legt ein Ohr an die weiße Tür. Zuerst ist nichts zu hören, doch dann schreckt sie zurück. In der Küche werden Stühle gerückt.
Was tun? Ihr Körper will zurück ins Bett kriechen und sich die Decke über den Kopf ziehen. Der nächtliche Besucher wird sicher bald aus der Küche herauskommen. Ihr Hab und Gut könnte Elísa nicht gleichgültiger sein. Der Einbrecher soll ruhig alles nehmen, was er will, wenn er sich bloß schnell aus dem Staub macht. (Auszug Seite 24)

In Reykjavik dringt nachts ein Mann in ein Familienhaus ein und überfällt eine dreifache Mutter. Während die beiden Söhne in ihrem Zimmer eingesperrt sind, muss die siebenjährige Tochter versteckt unter dem Bett miterleben, wie ihre Mutter brutal ermordet wird. Das traumatisierte Mädchen wird daraufhin in einem Kinderhaus von der Psychologin Freyja und ihrem Team behutsam befragt. Als einzige Tatzeugin schwebt die kleine Margrét eventuell auch in Gefahr. Da die Polizei in Reykjavik momentan Probleme mit ihrer derzeitigen Führungsebene hat, übernimmt der bis dahin unerfahrene Huldar erstmals die Leitung eines Mordfalls.

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John le Carré | Verräter wie wir

John le Carré | Verräter wie wir

John le Carrés Spionagethriller sind bestens für Filmadaptionen geeignet, wie zahlreiche erfolgreiche Verfilmungen beweisen. In Verräter wie wir des britischen Schriftstellers aus dem Jahr 2010 geht es um einen hochrangigen russischen Mafiosi, der nach Großbritannien überlaufen möchte.

Perry Makepiece, ein britischer Oxford-Dozent und seine Freundin Gail Perkins, eine erfolgreiche Anwältin lernen im Urlaub in Antigua beim Tennisspielen eben diesen Mafiosi Dima kennen. Wie sich später herausstellt, ist er „Nummer Eins Geldwäscher von ganzer Welt“, genauer gesagt von einem Syndikat von sieben Wory-Bruderschaften.

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Carlo Feber | Das Spiel der Anderen

Carlo Feber | Das Spiel der Anderen

Ich reiße den Mund weit auf, werfe den Kopf zurück und hacke mit den Zähnen in den Geldhaufen. Ein roter Zehner rutscht von meinen Lippen. Aber ein Zwanziger bleibt mir an der Zuge kleben. Langsam zerbeiße ich den Schein. Hört ihr das Papier knistern? Fetzen haften an meinem Gaumen wie fades Knäckebrot, das nicht rutschen will. Wie alter Rauch hängt mir beim Runterwürgen der pappige Scheißgeschmack auf der Zunge. Immer noch auf den Knien richte ich den Oberkörper auf und fische einen Zweihunderter aus dem Napf. „Soll ich den auch noch fressen?“ (Auszug Seite 5)

Vier junge Menschen haben genug von der Ausbeutung des Planeten durch die kriminelle Finanzwelt. Um die schmutzigen Geschäfte der German Global Credit Bank am Potsdamer Platz in Berlin aufzudecken, verfolgen sie einen Plan. Die vier Politaktivisten Marie-Luise, genannt Malu, ihr Freund Leon, der Libanese Habibi und der Hacker Sanctus haben monatelang alles akribisch vorbereitet. Die Vorstände der global agierenden Bank sollen entführt werden und dadurch zum öffentlichen Eingeständnis ihrer kriminellen Machenschaften gezwungen werden. Die Bevölkerung soll über die illegalen Geschäftspraktiken der Bank informiert werden, deren Verdienste zu Lasten von Mensch und Umwelt gehen. Das erinnert mich ein bisschen an die Radikalität der RAF in den 70er Jahren, aber der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung soll möglichst ohne Blutvergießen geschehen.

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Gard Sveen | Der letzte Pilger

Gard Sveen | Der letzte Pilger

Ein Blitzlicht leuchtete über Tommys Kopf auf, und der Lichtstrahl einer Taschenlampe traf das Ende des Zollstocks. Tommy sah noch immer nichts Besonderes. Der Kripos-Mann tippte mit dem Zollstock noch einmal auf die Stelle. Da stellten sich die Haare auf Tommys Armen auf, und alles Blut wich aus seinem Kopf. Für einen Moment fürchtete er, das Gleichgewicht zu verlieren. „Verdammt“, sagte Abrahamsen und sprach aus, was beide dachten. „Da liegen nicht zwei Menschen, da liegen drei.“ Tommy starrte mit weit aufgerissenen, trockenen Augen in das Loch. Eine fünfte Hand drückte sich unter den Rippen durch die Erde. Langsam zählte er die kleinen Finger. Die Hand war zur Faust geballt. Eine winzig kleine Faust. „Scheiße“, flüsterte er. Ganz unten lag ein Kind. (Auszug Seite 46 und 47)

Beim Zelten in einem Waldgebiet in der norwegischen Nordmarka stoßen Studenten auf die Skelette von drei verscharrten Leichen. Laut Gerichtsmedizin handelt es sich um zwei Frauen, die per Kopfschuss hingerichtet wurden und ein kleines Mädchen. Das Verbrechen muss schon etliche Jahre zurückliegen und wird in den 40er Jahren zu Kriegszeiten verortet. Einige Tage nach der Veröffentlichung in der Zeitung wird der betagte Ex-Handelsminister Carl Oscar Krogh brutal ermordet in seiner Villa aufgefunden. Der hochangesehene Politiker wurde bestialisch mit zahllosen Messerstichen getötet. Der ermittelnde Kommissar im Polizeipräsidium Oslo ist Tommy Bergmann, der aufgrund von privaten Problemen freiwillig über Pfingsten Dienst schiebt. Der eigenwillige Kommissar verbeißt sich in den Fall und fragt sich, wer einen Grund und so viel Wut hat, um den ehemaligen Kriegshelden umzubringen.

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Volker Kutscher | Lunapark

Volker Kutscher | Lunapark

Ein blaues Auge schaute ihn an. Kein kompletter Augapfel, eher eine Halbschale, gleichwohl perfekt gerundet. Rath musste unwillkürlich an das blutige Auge denken, das im Mülleimer des Sturmlokals gelegen hatte, und ihm wurde flau im Magen. Doch dieses Auge hier war anders. Hart und unerbittlich. „Daran ist er gestorben?“ Karthaus nickte. „Wie zum Teufel, Doktor, bekommt jemand ein Glasauge in seine Luftröhre?“ „Eine interessante Frage, Kommissar“, sagte der Gerichtsmediziner, „die zu beantworten dann wohl ihre Aufgabe sein dürft.“ (Auszug Seite 111)

Der Tote, der 1934 in Berlin unter einer Eisenbahnbrücke gefunden wird, trägt eine braune SA-Uniform und scheint auf brutalste Weise totgeschlagen zu sein. Der alarmierte Kommissar Gereon Rath trifft am Tatort auf seinen ehemaligen Untergebenen Reinhold Gräf. Dieser hat die Zeichen der Zeit erkannt und hofft mit seinem Wechsel zur Geheimen Staatspolizei auf einen Karrieresprung. Da über dem Opfer an der Mauer eine kommunistische Parole prangt, fühlt sich die Gestapo hier zuständig. Während Gräf den Täter nur in Kommunistenkreisen sucht, zweifelt Rath an den politischen Motiven und ermittelt auf eigene Faust.

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