Kategorie: Andy Ruhr

Carlo Feber | Das Spiel der Anderen

Carlo Feber | Das Spiel der Anderen

Ich reiße den Mund weit auf, werfe den Kopf zurück und hacke mit den Zähnen in den Geldhaufen. Ein roter Zehner rutscht von meinen Lippen. Aber ein Zwanziger bleibt mir an der Zuge kleben. Langsam zerbeiße ich den Schein. Hört ihr das Papier knistern? Fetzen haften an meinem Gaumen wie fades Knäckebrot, das nicht rutschen will. Wie alter Rauch hängt mir beim Runterwürgen der pappige Scheißgeschmack auf der Zunge. Immer noch auf den Knien richte ich den Oberkörper auf und fische einen Zweihunderter aus dem Napf. „Soll ich den auch noch fressen?“ (Auszug Seite 5)

Vier junge Menschen haben genug von der Ausbeutung des Planeten durch die kriminelle Finanzwelt. Um die schmutzigen Geschäfte der German Global Credit Bank am Potsdamer Platz in Berlin aufzudecken, verfolgen sie einen Plan. Die vier Politaktivisten Marie-Luise, genannt Malu, ihr Freund Leon, der Libanese Habibi und der Hacker Sanctus haben monatelang alles akribisch vorbereitet. Die Vorstände der global agierenden Bank sollen entführt werden und dadurch zum öffentlichen Eingeständnis ihrer kriminellen Machenschaften gezwungen werden. Die Bevölkerung soll über die illegalen Geschäftspraktiken der Bank informiert werden, deren Verdienste zu Lasten von Mensch und Umwelt gehen. Das erinnert mich ein bisschen an die Radikalität der RAF in den 70er Jahren, aber der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung soll möglichst ohne Blutvergießen geschehen.

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Gard Sveen | Der letzte Pilger

Gard Sveen | Der letzte Pilger

Ein Blitzlicht leuchtete über Tommys Kopf auf, und der Lichtstrahl einer Taschenlampe traf das Ende des Zollstocks. Tommy sah noch immer nichts Besonderes. Der Kripos-Mann tippte mit dem Zollstock noch einmal auf die Stelle. Da stellten sich die Haare auf Tommys Armen auf, und alles Blut wich aus seinem Kopf. Für einen Moment fürchtete er, das Gleichgewicht zu verlieren. „Verdammt“, sagte Abrahamsen und sprach aus, was beide dachten. „Da liegen nicht zwei Menschen, da liegen drei.“ Tommy starrte mit weit aufgerissenen, trockenen Augen in das Loch. Eine fünfte Hand drückte sich unter den Rippen durch die Erde. Langsam zählte er die kleinen Finger. Die Hand war zur Faust geballt. Eine winzig kleine Faust. „Scheiße“, flüsterte er. Ganz unten lag ein Kind. (Auszug Seite 46 und 47)

Beim Zelten in einem Waldgebiet in der norwegischen Nordmarka stoßen Studenten auf die Skelette von drei verscharrten Leichen. Laut Gerichtsmedizin handelt es sich um zwei Frauen, die per Kopfschuss hingerichtet wurden und ein kleines Mädchen. Das Verbrechen muss schon etliche Jahre zurückliegen und wird in den 40er Jahren zu Kriegszeiten verortet. Einige Tage nach der Veröffentlichung in der Zeitung wird der betagte Ex-Handelsminister Carl Oscar Krogh brutal ermordet in seiner Villa aufgefunden. Der hochangesehene Politiker wurde bestialisch mit zahllosen Messerstichen getötet. Der ermittelnde Kommissar im Polizeipräsidium Oslo ist Tommy Bergmann, der aufgrund von privaten Problemen freiwillig über Pfingsten Dienst schiebt. Der eigenwillige Kommissar verbeißt sich in den Fall und fragt sich, wer einen Grund und so viel Wut hat, um den ehemaligen Kriegshelden umzubringen.

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Volker Kutscher | Lunapark

Volker Kutscher | Lunapark

Ein blaues Auge schaute ihn an. Kein kompletter Augapfel, eher eine Halbschale, gleichwohl perfekt gerundet. Rath musste unwillkürlich an das blutige Auge denken, das im Mülleimer des Sturmlokals gelegen hatte, und ihm wurde flau im Magen. Doch dieses Auge hier war anders. Hart und unerbittlich. „Daran ist er gestorben?“ Karthaus nickte. „Wie zum Teufel, Doktor, bekommt jemand ein Glasauge in seine Luftröhre?“ „Eine interessante Frage, Kommissar“, sagte der Gerichtsmediziner, „die zu beantworten dann wohl ihre Aufgabe sein dürft.“ (Auszug Seite 111)

Der Tote, der 1934 in Berlin unter einer Eisenbahnbrücke gefunden wird, trägt eine braune SA-Uniform und scheint auf brutalste Weise totgeschlagen zu sein. Der alarmierte Kommissar Gereon Rath trifft am Tatort auf seinen ehemaligen Untergebenen Reinhold Gräf. Dieser hat die Zeichen der Zeit erkannt und hofft mit seinem Wechsel zur Geheimen Staatspolizei auf einen Karrieresprung. Da über dem Opfer an der Mauer eine kommunistische Parole prangt, fühlt sich die Gestapo hier zuständig. Während Gräf den Täter nur in Kommunistenkreisen sucht, zweifelt Rath an den politischen Motiven und ermittelt auf eigene Faust.

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Agatha Christie | Das Geheimnis von Greenshore Garden ♬

Agatha Christie | Das Geheimnis von Greenshore Garden ♬

Die berühmte Kriminalschriftstellerin Ariadne Oliver soll auf einem Landsitz in Devon während eines Sommerfestes eine fiktive Mörderjagd inszenieren. Für ein beträchtliches Honorar hat Ariadne eine Schnitzeljagd mit falschen Indizien, Verdächtigen und Opfer arrangiert, doch ihr Bauchgefühl sagt ihr, „dass sie manipuliert und eingewickelt wurde.“ Aus Angst, dass tatsächlich etwas passieren wird, bittet Sie ihren guten Freund Hercule Poirot um Hilfe. Und der belgische Meisterdetektiv, auf Ariadnes Intuition vertrauend, ist auch viel zu neugierig und reist aus London an.

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Denise Mina | Die tote Stunde

Denise Mina | Die tote Stunde

Die hübsche Blondine stand in der Tür zum Wohnzimmer und lauschte. Sie hatte einen schlanken Hals und feine Gesichtszüge, die Spitzen ihrer kinnlangen Haare waren rosa von Blut. Als sie Paddy im Spiegel sah, strich sie sich mit ihren schlanken Fingern die Haare hinters Ohr und gab so den Blick auf ihren blutigen Kiefer frei. Ein dünner scharlachroter Streifen verlief von ihrem Mundwinkel zum Kinn und weiter über ihren Hals bis zum Schlüsselbein, wo er den großen Lady-Di-Spitzenkragen ihrer weißen Bluse tränkte. (Auszug Seite 14)

Denise Mina entführt den Leser in Die tote Stunde in das Glasgow der 80er Jahre. Die junge Nachwuchs-Reporterin Paddy Meehan arbeitet bei den Scottish Daily News in der unbeliebten Nachtschicht und muss mit ihrem geringen Einkommen auch noch Eltern und Geschwister ernähren. Mit ihrem Fahrer Billy hört sie den Polizeifunk ab, um den Ermittlern zu den Einsatzorten zu folgen und kleine Polizeimeldungen zu schreiben. In einer bitterkalten Februarnacht wird sie in einer wohlhabenden Gegend Zeugin eines Falles von häuslicher Gewalt. Obwohl sie noch einen kurzen Blick auf die blutende Frau erhaschen kann, lässt sie sich genau wie die Polizisten vor Ort von dem eleganten Mann an der Tür abwimmeln. Sie nimmt sogar den 50 Pfund Schein an, da sie das Geld gut gebrauchen kann. Als sie am anderen Morgen erfährt, dass die Frau totgeschlagen wurde, meldet sie sich von Schuldgefühlen getrieben samt Bestechungsgeld bei der Polizei. Da ihre Aussage dort aber kein gesteigertes Interesse findet, beschließt sie, den Fall selbst aufzuklären.

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