Kategorie: Psychothriller

B. A. Paris | Breakdown

B. A. Paris | Breakdown

Breakdown – Sie musste sterben. Und du bist schuld.

„Weil ich vermute, dass sie eine Panne hat, halte ich ein kleines Stück vor ihr und lasse den Motor laufen. Sie tut mir leid, weil sie unter so schrecklichen Umständen aus ihrem Auto steigen muss und während ich in den Rückspiegel sehe (…), stelle ich mir vor, wie sie nach ihrem Regenschirm tastet. Mindestens zehn Sekunden vergehen, bevor mir klar wird, dass sie nicht aussteigen wird (…).“ (Auszug Seite 12)

Cass kommt von einer Feier wieder und nimmt – trotz des Unwetters, das tobt – die Abkürzung durch den Wald. Sie sieht ein Auto am Rand stehen, in dem eine Frau sitzt. Cass hält an, aber als die Frau auch nach einigen Minuten keine Anstalten macht auszusteigen, fährt sie weiter nach Hause. Am nächsten Morgen erfährt Cass, dass die Frau im Auto ermordet wurde. Hätte Cass sie retten können?

Flüssiger Schreibstil

Breakdown von B. A. Paris wird in Ich-Form aus Sicht von Cass erzählt und die Kapitel sind in Tage untergliedert. Cass ist Lehrerin und startet gerade in die Sommerferien, als der Mord passiert. Sie ist mit Matthew verheiratet und beide wohnen in einem Haus unweit des Tatorts. Die Handlung lässt sich flüssig lesen und ich bin gut durch die Seiten gekommen.

Was hätte ich getan?

Spannend finde ich die Frage, wie ich mich selbst in dieser Situation verhalten hätte und ich muss zugeben, dass ich nicht mutiger gewesen und auch weiter gefahren wäre. Also konnte ich mich in dieser Entscheidung gut mit Cass identifizieren. In der ersten Hälfte fand ich die Protagonistin trotzdem etwas anstrengend und fast ein bisschen nervig, weil sie ziemlich von ihren Schuldgefühlen zerfressen wird und ich immer gedacht habe, nun erzähl es doch wenigstens mal jemanden oder gehe mit deinen Beobachtungen zur Polizei!

Nicht nur Schuldgefühle, sondern Hysterie

Als bei Cass dann noch andere Symptome und Vorkommnisse dazukommen und ihr Alltag völlig aus dem Ruder läuft, wirkt sie wie hysterisch und das kam mir ein wenig überzogen vor. Beispielsweise wird sie von stummen Anrufen terrorisiert und mein erster Gedanke war, einfach den Stecker dem Telefon zu ziehen und sich nicht davon verrückt machen zu lassen.

Die Wendung

Etwa in der Mitte der Geschichte kommt es dann zu einer Wendung, die mich überrascht hat und die Geschichte wird zu einem Psychothriller vom Feinsten. Ab hier macht alles Sinn, worüber ich mich im Vorfeld aufgeregt habe und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

B. A. Paris wuchs in England auf, hat jedoch den Großteil ihres Erwachsenenlebens in Frankreich verbracht. Sie arbeitete in der Finanzbranche und als Lehrerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren fünf Töchtern lebt sie auch heute noch in Frankreich. Dieses Buch ist der zweite Roman, der von der Autorin im Blanvalet-Verlag übersetz wurde.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Breakdown | Erschienen am 20. August 2018 bei Blanvalet
ISBN 978-3-7341-0264-6
448 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Daphne du Maurier | Die Vögel ♬

Daphne du Maurier | Die Vögel ♬

Als Kind war der geniale Schocker „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock das Spannendste und Gruseligste, was ich mir vorstellen konnte. Das Meisterwerk von dem amerikanischen Filmemacher aus dem Jahr 1963, der als Klassiker des Horrorgenres gilt, bezieht sich auf eine Kurzgeschichte der englischen Autorin Daphne du Maurier. Der Kultregisseur übernahm aber nur das Motiv der mörderischen Vogelattacken und hat die Story vom regnerischen Küstenort in Cornwall an die sonnige kalifornische Küste verlegt. Auch die Charaktere und der Handlungsverlauf wurden vollständig ausgewechselt.

Ich war erst skeptisch, aber Gott sei Dank habe ich mich für das Hörbuch entschieden, denn die Bearbeitung hat mich begeistert!

Nat Hocken ist ein einfacher Landarbeiter und lebt mit Frau und Kindern an der englischen Küste. Da er im zweiten Weltkrieg verwundet wurde, bekommt er eine kleine Invalidenrente und ist an ein paar Tagen die Woche bei seinem Nachbarn auf der Farm mit leichten Arbeiten beschäftigt. So hat der ruhige, nachdenkliche Einzelgänger Nat genug Zeit, die Natur und besonders die Vögel zu beobachten.

Eines Tages im Spätherbst fällt ihm auf, dass riesige Vogelschwärme laut kreischend und pfeifend über der Küste kreisen und in ihrer Vielzahl – ähnlich einer großen Wolke – den Himmel verdunkeln. Es sind unnatürlich viele Tiere und sie erscheinen ihm rastloser und unruhiger denn je. Nat ist der erste, dem auffällt, dass die See- und Landvögel sich eigenartig, fast aggressiv benehmen. Sie scheinen sich zu sammeln und Abertausende Möwen verwandeln das Meer in ein weißes Möwenmeer.

Der Angriff

Von einem Tag zum anderen verändert sich das Wetter und es wird bitterkalt, hervorgerufen durch einen eisigen Ostwind. In der Nacht versuchen mehrere Dutzend kleiner Singvögel in das Haus einzubrechen und die beiden kleinen, im oberen Stockwerk schlafenden Kinder Jill und Johnny anzugreifen. Nur mit Mühe kann Nat die Vögel davon abbringen, den Kindern die Augen auszuhacken. Während in der Nachbarschaft noch nach Erklärungen für das Verhalten der Vögel gesucht wird und sein Chef meint, den Vögeln mit der Schrotflinte beizukommen, wird Nat immer unruhiger und beschließt am nächsten Tag, seine Tochter vom Schulbus abzuholen. Auf dem Rückweg können sie nur mühsam die Angriffe der Vögel abwehren.

Nat mutmaßt, dass die Vögel nicht verwirrt sind, sondern vorsätzlich und mit einem Killerinstinkt ausgestattet angreifen um zu töten. Er muss an die deutschen Luftangriffe im Krieg denken. Er zieht als Einziger die richtigen Schlüsse und beginnt in aller Eile sein kleines Haus zu befestigen und verbarrikadiert die Fenster und den Kamin mit Brettern. Aus dem Radio erfährt die Familie, dass der Notstand ausgerufen wurde und dass es die Angriffe im ganzen Land gab. Nat beobachtet, dass die Vögel nur bei Flut angreifen, deshalb will er die Zeit während der Ebbe nutzen um sich mit Nahrungsmitteln einzudecken. Als er und seine Familie sich daraufhin bis zum Nachbarn durchschlagen, finden sie auf der Farm alle getötet vor.

Die Apokalypse

Am nächsten Tag bleibt das Radio stumm, denn kein Radiosender sendet mehr. Jetzt greifen auch die Möwen und andere Vogelarten an und hacken erbarmungslos mit ihren Schnäbeln an den Fensterläden. Sie scheinen über eine kollektive Intelligenz zu verfügen und stoßen immer wieder in Formationen vor. Nat und seine Familie verschanzen sich in der Küche und werden Zeuge, wie nicht einmal Kampfflugzeuge der Lage Herr werden. Wie eine Phalanx attackieren sämtliche Vogelrassen in der eindeutigen Absicht zu töten und sogar den eigenen Tod in Kauf nehmend. Die Vögel schlagen zurück! Warum weiß man nicht, denn das Ende ist offen und es gibt keine Erklärung für das Verhalten der gefiederten Tiere. Nat und seine Familie können sich nur von Tag zu Tag retten.

Horror vom Feinsten

Daphne du Maurier hat hier eine wirklich düstere, literarisch anspruchsvolle Kurzgeschichte geschrieben, in dem kein Wort zu viel ist. Ohne große Effekthascherei und total auf den Punkt kreiert sie eine verstörende Stimmung, in dem sie normale Menschen im Alltagsleben in ausweglose, lebensbedrohliche Situationen bringt. Man meint fast das grauenvolle Flattern Tausender Flügel oder die erbarmungslos hackenden Schnäbel zu hören. Man spürt die unnatürliche Kälte aus Russland, den bitterkalten Wind, der die Bäume entlaubt und den schwarzen Frost bringt, den schwarzen, nicht den weißen Frost! Das beschreibt sie so beklemmend, dass ich tatsächlich an einigen Stellen vor Spannung meine Hände ins Lenkrad krampfte.

Dazu hat auch die hervorragende Inszenierung durch Jens Wawrczeck beigetragen. Der Schauspieler und Synchronsprecher, bekannt vor allen als Mitglied der Hörspielserie Die Drei ??? flüstert, schreit, poltert und bebt immer an den richtigen Stellen und schafft es auch, dem melancholischen Nat Leben einzuhauchen. Er trifft den Ton und versteht es, die Stimmung perfekt in Szene zu setzen.

Anmerkung dR: Jens Wawrczeck hat vor einigen Jahren beim Verlag Vitaphon sein eigenes Label Audoba gegründet. Darin veröffentlicht er Lesungen und Hörspiele von Werken, die ihm besonders am Herzen liegen. Da er auch ein großer Hitchcock-Fan ist, hat er in seinem Label die Reihe „Verfilmt von Alfred Hitchcock“ aufgelegt, darin veröffentlicht er die Bücher als Lesungen, die Hitchcock zu seinen Filmen inspirierten. (Quelle: hr2 Kultur) Bisher sind in dieser Reihe elf Hörbücher erschienen, Die Vögel ist das zuletzt aufgelegte.

Daphne du Maurier war eine britische Schriftstellerin, die 1989 als 72-jährige in Cornwall verstarb. Ich kannte von ihr den ebenfalls von Hitchcock verfilmten Roman Rebecca, der ein Welterfolg wurde. Auch viele anderen Werke von ihr wurden verfilmt, am bekanntesten sicher die Verfilmung der Erzählung „Dreh dich nicht um“ besser bekannt unter dem Titel Wenn die Gondeln Trauer tragen mit Donald Sutherland und Julie Christie inszeniert. Ihre Romane und Erzählungen zeichnen sich meistens durch psychologische Spannung aus, gehen oft ins Mystische und beinhalten auch immer ein bisschen Drama. 1969 wurde sie von der Queen zur „Dame“ ernannt.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Die Vögel | Das Hörbuch erschien am 18. Juni 2018 bei Audoba im Vitaphon Verlag
ISBN 978-3-942210-49-2
1 Audio CD | 14.95 Euro
Laufzeit: 100 Minuten
Bibliografische Angaben & Hörprobe

Weiterlesen: Zur Hörbuch-Reihe „Verfilmt von Alfred Hitchcock“ von Jens Wawrczeck bei Vitaphon bzw. Audoba

Reinhören: Bei hr2 Kultur gab es einen knapp 9-minütigen Beitrag zu diesem Hörbuch.

Auch bei uns: Andy hat aus der selben Reihe bereits das Hörbuch Spellbound besprochen.

Rebecca Fleet | Das andere Haus

Rebecca Fleet | Das andere Haus

„Einundzwanzig, richtig?“, fragt er, während er schon in die Einfahrt einbiegt. Ich mustere das Haus und suche nach Eigenheiten, aber es gibt keine. Der Rasen ist akkurat gemäht, und die kleinen, gerafften Gardinen an den Fenstern sind weiß und makellos. Im Haus brennt keine Lampe, und einen Moment lang sehe ich im hellen Scheinwerferlicht, wie sich unser Auto in den Erdgeschossfenstern spiegelt, mit uns Seite an Seite als dunkle Schatten. Ohne rechten Grund überläuft mich bei dem Anblick ein unbehaglicher Schauer – ein vager, irrationaler Impuls, der so schnell verfliegt, wie er gekommen ist. (Auszug Seite 8)

Caroline und ihr Mann Francis wollen sich eine Woche Urlaub nur zu zweit gönnen und stimmen einem Haustausch zu. Als sie bei dem anderen Haus ankommen, fällt beiden gleich die karge Einrichtung auf. Auch danach kommen Caroline einige Dinge merkwürdig vor. Ein Blumenstrauß, ein Parfum, eine eingelegte CD erinnern sie an eine Vergangenheit, die sie vergessen wollte. Ist das nur Zufall? Und wer wohnt jetzt in ihrem Haus?

Caroline und Francis sind verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn. Beide blicken auf eine schwierige Zeit zurück, in der ihre Ehe gelitten hat. Nun sind sie dabei, alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und ein intaktes Familienleben hinzubekommen, was nicht immer einfach ist.

Gute Unterhaltung mit Wendungen

Das andere Haus von Rebecca Fleet ist ein interessanter und flüssig zu lesender Thriller. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Geschichte langatmig ist. Ab der Mitte kann die Handlung mit zwei Wendungen punkten, die mich kurz innehalten ließen, mich aber nicht völlig aus der Bahn geworfen haben. Auf dem Buchrücken wird zitiert, dass das Buch verschlungen wurde. So war es bei mir nicht, dennoch habe ich es gern gelesen und es hat mich sehr gut unterhalten.

Jetzt und vor zwei Jahren

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen geschildert. In der ersten Ebene geht es um die aktuelle Reise von Caroline und Francis, die zweite beschreibt das Leben der beiden zwei Jahre zuvor, als sie gerade mitten in einer Krise stecken. Hauptsächlich wird aus Sicht von Caroline erzählt, ab und zu kommen Francis und der Haustausch-Partner zu Wort. Es wird sehr viel mit Andeutungen gearbeitet, sodass der Leser nur wenige Informationen zu allen Vorkommnissen erhält und so seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Das hat mir gefallen, denn dadurch entsteht die Spannung und man möchte nicht aufhören zu lesen, bis das Geheimnis gelüftet wurde.

Fazit: Ein solider Thriller der sich zu lesen lohnt.

Rebecca Fleet lebt in London und arbeitet in der Marketingbranche. Das andere Haus ist ihr Thriller Debüt.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Das andere Haus | Erschienen am 20. August 2018 bei Goldmann
ISBN 978-3-442-20559-2
352 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Anita Terpstra | Die Braut

Anita Terpstra | Die Braut

„Ich setzte alles aufs Spiel. Mein Leben, meine Freiheit. War ich wirklich bereit, für mein Ziel so weit zu gehen? Dann wurde mir klar, dass der Weg zurück versperrt war. Ich war meinem Herzen schon in dem Moment gefolgt, als ich beschloss, Matt einen Brief zu schreiben.“ (Auszug Seite 102)

Mackenzie Walker heiratet Matt Ayers, der im Gefängnis sitzt, weil er mehrere Frauen entführt, festgehalten und vergewaltigt hat. Beide kennen sich nur von Briefen und kurzen Besuchen im Gefängnis. Das Umfeld von Mackenzie reagiert mit Unverständnis und sie hat es als frischgebackene Ehefrau eines Strafgefangenen nicht gerade leicht. Als es ihr nicht gelingt, die Unschuld von Matt zu beweisen, hilft sie ihm bei der Flucht. Warum nimmt Mackenzie solche Gefahren auf sich und riskiert damit auch ihr eigenes Leben?

Erwartung übertroffen

Die Braut von Anita Terpstra ist der zweite Thriller der niederländischen Autorin, der in Deutschland veröffentlicht wurde. Anders, das erste Buch, habe ich auch gelesen und war begeistert, deshalb habe ich mich auf diesen Roman gefreut. Diese Freude wurde voll erfüllt und sogar noch etwas übertroffen.

Warum heiratet man einen Gefangenen?

Die Frage ist, warum machen Frauen das? Warum heiraten sie verurteilte Straftäter im Gefängnis? Diese Überlegung hat mich die gesamte Zeit durch die Geschichte begleitet und war in erster Linie meine Motivation sie zu lesen. Im Buch gibt es eine wissenschaftliche Erklärung, warum das im echten Leben so ist. Beispielsweise eine schwere Kindheit oder frühere gewalttätige Männer und nun die Gewissheit, dass der Mann im Gefängnis wirklich nichts tun kann, aber das wäre natürlich etwas wenig Stoff für einen Thriller.

Großartige und unerwartet Wendung

Die Handlung wird in Ich-Form aus Sicht von Mackenzie erzählt, ab und zu kommen kurze Kapitel aus Sicht von zwei Opfern dazu, was zusätzlich Spannung erzeugt. Die Kapitel lesen sich sehr flüssig und ich empfand die Geschichte als kurzweilig. Auf den letzten einhundert Seiten wird die Geschichte weiter wie gewohnt interessant geschildert und dann, unerwartet und „aus dem Nichts“, erfolgt die plötzliche Wendung. Großartig! Mir wurde zu dem Zeitpunkt auch kurz etwas heiß und ab da war daran, dass Buch zur Seite zu legen, nicht mehr zu denken.

Sympathien

Die Protagonistin, also die Braut, empfand ich anfangs irgendwie als „asozial“, weil sie in einem heruntergekommenen Haus wohnt, sich mit zwei Jobs über Wasser hält, bei einem auch noch Doppelschichten schiebt, um mehr zu verdienen und ich ihre gesamten Lebensumstände als nicht so optimal empfinde und sie dann auch noch Matt heiratet, denn mit der Hochzeit fängt noch mehr Stress für Mackenzie an. Matt war mir komischerweise gleich sympathischer, weil er wirklich den Anschein macht, unschuldig zu sein und ich deshalb fast Mitleid hatte, dass er ungerechtfertigt im Gefängnis sitzt.

Unblutig bis auf eine Szene

Die Geschichte wird den Umständen entsprechend unblutig beschrieben, es werden eher die Erlebnisse der gefangenen Frauen geschildert. Am Ende gibt es dann eine Szene, in der Folter beschrieben wird und die ich nicht so gut lesen konnte. Im Nachhinein kann ich das Verhalten aber durchaus nachvollziehen.

Fazit: Ich kann diesen Thriller unbedingt empfehlen und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Anita Terpstra ist eine niederländische Schriftstellerin, wurde 1975 geboren, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die Braut | Erschienen am 16. Juli 2018
ISBN 978-3-7341-0576-0
416 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Anita Terpstras Roman Anders bei uns.

Abgehakt | September 2018

Abgehakt | September 2018

Francis Beeding | Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes ♬

Viele Filme des Altmeisters Alfred Hitchcock basieren auf literarischen Vorlagen. Dieser teils vergessenen Perlen hat sich Jens Wawrczeck in einer neuen Hörbuchreihe angenommen und die spannenden Geschichten vertont. Während mich die Die Vögel sehr begeisterte, hatte ich mit Spellbound so meine Schwierigkeiten und bin nicht wirklich in die Geschichte reingekommen.

Das Haus von Dr. Edwardes ist eine Nervenklinik, die einem Schloss ähnlich sehr abgelegen in den Bergen liegt. Die junge Nachwuchsärztin, Dr. Constance Sedgwick, eine attraktive, unterkühlte Frau, fängt neu in der Klinik an, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Ihr Chef, der renommierte Oberarzt Dr. Edwardes befindet sich nach einem Nervenzusammenbruch im Erholungsurlaub. Während seiner Abwesenheit übernimmt Dr. Murchison die Leitung. Der brillante Psychiater lieferte erst kürzlich einen gefährlich psychotischen Patienten ein, der auf dem Transport einen Pfleger tötete. Nur durch das beherzte Eingreifen von Dr. Murchison konnte noch Schlimmeres wie zum Beispiel eine Flucht verhindert werden.

Die ehrgeizige Dr. Sedgwick begegnet bei ihrer Ankunft mehreren Dorfbewohnern, die sie vor den teuflischen Gefahren in der Nervenklinik warnen. Dieses soll wohl gruseligen Schauer verbreiten. Ich war aber nur von den schrulligen Charakteren genervt. Ellenlange Dialoge in einer betulichen Sprache, die die Geschichte nicht wirklich voran brachten, langweilten mich. Nach zweimaligen Anläufen habe ich das Hörbuch abgebrochen. Die Schauergeschichte hat leider meinen Geschmack nicht getroffen.

Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes | Die gehörte Edition erschien am 31. Mai 2018 bei audoba
ISBN 978-3-942210-48-5
Laufzeit: 600 Minuten
16.95 Euro
Bibliografische Angaben & Hörprobe
Genre: Psychothriller
Wertung: entfällt wegen Abbruch

 

Ivo Pala | in Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand

Wie der Titel schon sagt, wird eine Leiche am Strand zwischen Wustrow und Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gefunden. Die Kommissare Bodo Fuchs und Gisa Haas beginnen sofort mit den Ermittlungen, denn zunächst muss herausgefunden werden, um wen es sich bei dem Toten handelt. Nach und nach tauchen Fuchs und Haas in die Kunstszene ein, in der es nicht nur um wertvolle Gemälde, sondern auch um Neid, Missgunst und den eigenen Vorteil geht.

Die Geschichte wird aus Sicht von Fuchs geschildert und dabei erzählt er ziemlich „frei Schnauze“ und der Leser wird direkt angesprochen und geduzt, was ich sehr erfrischend finde. Fuchs und Haas sind nicht immer einer Meinung, aber im Grunde ein gutes Team. Beiden ist der Ermittlungserfolg genauso wichtig wie die kulinarische Verpflegung während der Arbeit. Deshalb gibt es am Ende der Geschichte für den Leser noch einige mecklenburgische Rezepte.

Fazit: „Die Leiche am Strand“ von Ivo Pala ist ein kurzweiliger Krimi für Zwischendurch, der mir gute Unterhaltung geboten hat.

Ein Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand | Erschienen am 25. April 2018 independently published
ISBN-13: 978-1980858508
245 Seiten (TB) | 2.99 Euro (eBook)
Die Taschenbuchausgabe gibt es (wie das eBook) für 9.99 Euro über amazon.de
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Helen Kampen | Möwe, Meer und Mord

Ein Mord an einer Restaurant-Betreiberin auf der Insel Norderney bringt alle in Aufruhr. Kriminalkommissar de Vries und seine Kollegin Nina kommen aus Aurich angereist, um den Mörder zu finden und die Journalistin Amadea, die gerade mit ihrer Familie Urlaub macht, wittert eine interessante Story.

Der Urlaubskrimi Möwe, Meer und Mord von Helen Kampen hält, was er verspricht: Leichte Unterhaltung für zwischendurch. Schön finde ich, dass die Autorin echte Schauplätze mit einbezogen hat. Das Ende wiederum war etwas absehbar und ich hätte mich über eine Überraschung gefreut. Meine Vorfreude auf den Sommerurlaub ist hiermit aber auf jeden Fall gestiegen!

Möwe, Meer und Mord | Erschienen am 17. März 2016 im Emons Verlag
ISBN 978-3-95451-791-6
224 Seiten | 10.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Tom Bouman | Im Morgengrauen

Wild Thyme, ein ländlicher Flecken im Norden Pennsylvanias. Der Officer Henry Farrell hat einen unangenehmen Fall: Penny Pellings, junge Mutter, drogenabhängig und wohnhaft in einem Wohnwagen, ist spurlos verschwunden. Ihr Partner, Kevin O’Keeffe, ist dringend tatverdächtig, beteuert aber seine Unschuld. Kurz darauf wird eine Leiche aus dem Fluss gezogen, ein Dealer und Bekannter von Penny. Henry bleibt auf der Suche und wird nach und nach immer tiefer in die dunklen Seiten der Region gezogen.

Der Roman spielt im sehr ländlichen Nordosten Pennsylvanias an der Grenze zum Bundesstaat New York. Ein klassisches Setting eines country noir bzw. rural noir: Strukturschwach, sichtbarer Niedergang, nur wenige Profiteure vom neuen Arbeitgeber, der Fracking-Industrie. Stattdessen die Kehrseiten der Medaille: Umweltschäden, Verkehr, Drogen. Erzählt wird die Geschichte vom Ich-Erzähler Henry Farrell. Dieser ist ein Kleinstadtpolizist in den unteren Hierarchiestufen. Ein eher melancholischer, nachdenklicher Typ, schon früh verwitwet.

Im Morgengrauen ist definitiv kein rasanter, temporeicher Krimi, auch die Spannungsmomente sind punktuell dosiert. Da gäbe es also noch Luft nach oben. Allerdings hat mir die Darstellung dieses Landstrichs in Pennsylvania als Symbol für den Niedergang des ländlichen Amerika mit all seinen Facetten gut gefallen. Das Setting und auch die Figuren wirken real und authentisch. Der Roman ist kein klassischer Krimi mit Fokus auf den Ermittlungen, sondern ein Hybrid aus Krimi und Gesellschaftsroman mit weitem Blick auf das Drumherum. Ein entschleunigter Noir. Wer sowas mag, ist bei Tom Bouman durchaus gut aufgehoben.

Im Morgengrauen | Erschienen am 26. Juni 2018 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-900-5
350 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Noir/hardboiled
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Eric Ambler | Waffenschmuggel

Malaya, britisches Protektorat in den 1950ern. Eine kommunistische Rebellengruppe wird aufgerieben und hinterlässt unbemerkt im Dschungel ein Waffenversteck. Der indische Sekretär Girija findet die Waffen und sieht endlich die Chance, mit dem Verkauf der Waffen seinen Lebenstraum zu erfüllen: Die Gründung eines Busunternehmens. Doch der Verkauf der Waffen ist nicht so leicht. Ein Hehler ist in dem windigen chinesischen Geschäftsmann Tan schnell gefunden. Mögliche Käufer wären eine antikommunistische Widerstandsgruppe auf Sumatra. Doch um die Waffen in Singapur zu verkaufen, wird ein Strohmann benötigt. Man findet ihn in dem naiven amerikanischen Geschäftsmann Greg Nilson, der auf einer Kreuzfahrt in der Region weilt.

Wenige Zeit nach Graham Greenes „Der stille Amerikaner“ beschäftigte sich auch Eric Ambler mit Südostasien und brachte auch eine Hommage an Greenes Roman unter, indem er Nilson zu dessen Widerwillen in Saigon eine unfreiwillige Sightseeing-Tour zu den Schauplätzen des „stillen Amerikaners“ spendiert. Obwohl nicht frei von Stereotypen zeigt Ambler die knifflige und diffizile Lage in der Region auf und die Ignoranz, mit der die Amerikaner damit umgehen. Eine aktuelle und weitsichtige Note erhält die Story durch die Tatsache, dass der Amerikaner Nilson im guten Glauben, den Kommunismus zu bekämpfen, eine islamistische Gruppierung bewaffnen will.

Waffenschmuggel ist lange Zeit eine eher leicht launige Nummer, eine Reise durch Südostasien inklusive des Einfädelns eines Waffendeals. Da ist dann zwar zunächst nur verhältnismäßig wenig Thrill – zum Ende hin wird es aber noch richtig aufregend. Alles in allem erweist sich der Autor wieder einmal als versierter Geschichtenerzähler und Vermittler von politischen Hintergründen.

Waffenschmuggel | Erstmals erschienen 1959
Die aktuelle Ausgabe erschien am 5. Juni 2018 im Atlantik Verlag
ISBN 978-3-455-65116-4
368 Seiten | 14.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Politthriller
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Christopher Brookmyre | Wer andern eine Bombe baut

Raymond Ash hat gerade keine guten Lauf: Zuhause ist die Stimmung angespannt, da sein neugeborener Sohn unter Koliken leidet, sein neuer Lehrerjob entpuppt sich als Höllenjob. Und dann lauern ihm auch noch irgendwelche Killer auf, als er das Abendessen besorgen will. Gleichzeitig ist die Polizistin Angelique de Xavia auf Terroreinsatz. Ein Terroranschlag des internationalen Topterroristen „Black Spirit“ ist für den Norden Großbritanniens angekündigt, nur kennt niemand das genaue Anschlagsziel. Irgendwann wird Angelique klar, dass Raymond der Schlüssel zum Ganzen ist. Beide nehmen den Kampf gegen „Black Spirit“ auf.

Christopher Brookmyre ist ein echter Vielschreiber, aber in deutscher Übersetzung liegen erst vier seiner über 20 Romane vor. Dieser hier ist der erste Auftritt seiner Protagonistin Angelique de Xavia (die auch in Die hohe Kunst des Bankraubs auftritt), klein im Wuchs, aber groß in Selbstbewusstsein und Cleverness. In diesem Buch erhält sie in Raymond Ash einen Mann in der Midlife-Crisis als unfreiwilligen Kompagnon.

Wer andern eine Bombe baut ist ein cleverer und streckenweise rasanter Thriller. Autor Brookmyre ist sehr versiert in schwarzem Humor, bissiger Gesellschaftskritik und popkulturellen Anspielungen. Könnte also ein Wahnsinnsbuch sein, allerdings hat der Autor auch ein Manko: Er plaudert und plaudert, hier noch eine Anekdote, dort noch eine krude Story aus der Vergangenheit der Hauptfiguren. Das schmälert auf Dauer dann doch den Lesefluss und bläht die Story unnötig auf.

Wer andern eine Bombe baut | Erschienen am 8. März 2018 im Galiani Verlag
ISBN 978-3-669-71163-8
368 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Thriller
Wertung: 3 von 5

Rezension 1 von Andy Ruhr, Rezension 2 und 3 von Andrea Köster, Rezension 4 bis 6 von Gunnar Wolters. Die Rechte für die Fotos liegen bei den Rezensenten.

Weiterlesen: Unsere bisherigen Ausgaben von Abgehakt