Kategorie: gesellschaftskritischer Krimi

Liza Cody | Miss Terry

Liza Cody | Miss Terry

Aber Diane hatte es nicht eilig. „Sie sind doch Lehrerin, oder?“
„An der Midford-Grundschule.“ Nita fühlte sich unbehaglich. Das ging ihr bei persönlichen Fragen immer so.
„Ja, man erzählt sich, dass Sie über die Ferien gar nichts zu tun haben. Tigs und Joe gehen auf ihre Schule, stimmt’s? Diese lärmenden Blagen. Sie nennen Sie Miss Terry.“
„Tehri.“ Nita buchstabierte es für sie.
„War je klar, dass es so was Ausländisches sein muss. Aber nichts für ungut. Haben Sie nicht ein bisschen Angst, dass die Polizei auch mit Ihnen sprechen will?“
„Nein. Wieso denn?“
„Ach, was weiß ich, Immigrantenprobleme, Terrorismus.“ Ihre blassblauen Augen starrten Nita unschuldig an. (Auszug Seiten 9-10)

Nita Tehri ist eine junge Frau mit indischen Wurzeln. Nett, freundlich, hilfsbereit. Sie ist Lehrerin an einer Grundschule und lebt in einer Eigentumswohnung in der Guscott Road. Die Verballhornung ihres Namens in „Miss Terry“ erträgt sie stoisch. Doch als das Haus gegenüber saniert und ein Bauschutt-Container aufgestellt wird, landet auch allerhand privater Müll im Container. Eines Tages wird dort ein totes Neugeborenes mit dunklem Teint gefunden –– und Nita gerät sofort unter Verdacht.

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Marek Krajewski | Pest in Breslau

Marek Krajewski | Pest in Breslau

„Da ist er!“ rief das Mädchen. „Dieser Mann verfolgt mich schon die ganze Zeit! Ich wollte sehen, ob er in der Graupenstraße weitergehen würde, wenn ich den Laden betrete, aber nein! Er blieb vor dem Geschäft stehen und wartete auf mich. Ich habe Angst vor ihm, er ist doch bestimmt ein Perverser, schauen Sie, was für ein kriminelles Gesicht er hat!“ (Auszug Seite 103)

Breslau 1923. Oberwachtmeister Eberhard Mock ist im Grunde kein Typ Mann, der Schrecken verbreitet, wenn ihn Autor Marek Krajewski auch als äußerst schludrigen und und nachlässigen Typen mit einem Selbstbewusstsein groß wie ein Elefant angelegt hat. Besonders ins Gewicht fällt dabei sein Hang zum Alkohol, dem er sich einer Rückschau folgend bereits ein ganzes Jahr hingegeben hat, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei lebte er in dieser Zeit stumpf in einer Zelle des Reviers und ließ sich einfach gehen.  Als er nunmehr von der Kriminalpolizei zu einem Tatort gerufen wird, bei dem es den Doppelmord an zwei Dirnen aufzuklären gilt, entbrennt in ihm sein alter Traum; denn er wäre so unsagbar gern Teil der Mordkommission.

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Jef Geeraerts | Der Generalstaatsanwalt

Jef Geeraerts | Der Generalstaatsanwalt

„Vermutlich bist du auf dem Laufenden bezüglich des Problems mit dem Vater unseres Numerarier-Kandidaten Didier Savelkoul?“
„Bis ins kleinste Detail.“
„Hast du vielleicht einen Vorschlag für eine angemessene Lösung?“ […]
„Zuerst wird diese puta destabilisiert, und danach gibt es eine kleine Erpressung. Dieser Herr ist sehr verwundbar, weißt du…“
„Ist er korrupt?“
„In Belgien ist dieser Begriff, wie soll ich sagen, äh…. ziemlich dehnbar, aber doch, er ist korrupt. Auf mehr als einem Gebiet. […] (Auszug Seite 51)

Albert Savelkoul ist der Generalstaatsanwalt von Antwerpen. Er hat sich in seinem Posten eingerichtet, gehört zur Hautevolee, zu einem Netzwerk von Gefälligkeiten und Machtmissbrauch. Er besitzt ein Schwarzgeldkonto in Genf und eine Geliebte samt Reiterhof im Kempenland. Savelkoul ist quasi unantastbar. Doch auf einmal beginnt sich der Wind zu drehen: Ein Erpresser meldet sich und droht, sein Tête-à-Tête auffliegen zu lassen. Kampflos will Savelkoul sich nicht ergeben, sein Gegner ist aber mächtiger als gedacht.

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Zygmunt Miłoszewski | Ein Körnchen Wahrheit

Zygmunt Miłoszewski | Ein Körnchen Wahrheit

„Sollen die Schulen geschlossen werden?“
Szacki stutzte. Er drängte zum Eingang durch, doch die Frage war so blöd, dass er stehen blieb.
„Die Schulen, warum?“
„Um die Kinder zu schützen.“
„Entschuldigung, aber wovor?“
„Vor dem Mysterium des Bluts.“
„Sind sie verrückt geworden?“
Staatsanwalt Teodor Szacki hatte den Eindruck, es öffne sich die Tür zu einer alternativen Wirklichkeit. Zu einer alten, vergessenen und irrealen Wirklichkeit, wie er dachte, übersät mit den Leichen alter Dämonen. Aber es genügte schon, einen Blick durch einen Spalt zu werfen, um zu erfahren, dass die Dämonen keineswegs tot waren, sie hatten nur geschlummert, und dazu war das ein überaus leichter Schlaf gewesen. (Auszug Seite 219)

Staatsanwalt Teodor Szacki hat sich ins Provinzstädtchen Sandormierz versetzen lassen. Dort ist es eigentlich relativ geruhsam, doch dann erschüttert ein grausamer Mord das Städtchen. Eine hoch angesehene Frau wurde durch schwere Schnittverletzungen am Hals ermordet, offenbar durch ein spezielles Messer für rituelle jüdische Schächtungen. Alte antisemitische Ressentiments kommen wieder hoch und Szacki versucht verzweifelt, gegen diese alte Legenden anzukämpfen. Da wird die nächste Leiche gefunden, auch sie ermordet wie in der alten Ritualmordlegende.

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Gila Lustiger | Die Schuld der anderen

Gila Lustiger | Die Schuld der anderen

Nun war er wieder da. Unter Strom. Mitten im Geschehen. Das gnadenlose Raubtier Rappaport, das ungesehen den endlosen Flur entlangstreifte, flink Treppen hinunterhuschte und, die Gunst des Augenblicks nutzend, die Halle durchquerte, als alle gerade damit beschäftigt waren, eine Gruppe Jugendlicher in die Ausnüchterungszelle zu verfrachten. Die fünf Kids randalierten und wollten sich nicht bändigen lassen? Umso besser. (Auszug Seite 67)

Der brutale Mord an der jungen Prostituierten Emilie Thevenin vor fast 30 Jahren in Paris wurde nie aufgeklärt. Als man jetzt im Jahrhundertsommer mit Hilfe einer DNA-Analyse den vermeintlichen Täter überführt, kommen dem engagiertem Journalisten Marc Rappaport Zweifel an der Schuld des Verdächtigen. Nach Rücksprache mit seinem Chefredakteur fährt der ehrgeizige Reporter zwecks Recherche nach Charfeuil, die Kleinstadt, in der Emilie aufwuchs.

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