Freda Wolff | Schwesterlein muss sterben

Freda Wolff | Schwesterlein muss sterben

Bergen in Norwegen. Merette Schulman liebt ihren Beruf als Psychologin – bis sie an Aksel gerät, einen eindeutig soziopathisch veranlagten Patienten. Nicht nur, dass er gesteht, bereits als Vierzehnjähriger seine Stiefschwester getötet zu haben, er scheint auch Merettes Tochter Julia nachzustellen. Als deren Freundin Marie spurlos verschwindet und Merette herausfindet, dass in Aksels Umfeld weitere mysteriöse Badeunfälle geschahen, gerät sie in Panik. Die Opfer waren immer junge Mädchen – wie Julia und Marie. Zum ersten Mal in ihrem Beruf wird die aus Hamburg stammende Psychologin Merette Schulman mit einem Fall konfrontiert, der sie an ihre Grenzen führt.

Schwesterlein muss sterben hat mich nicht überzeugt.

Zum einen wirkt der Thriller arg konstruiert und wartet immer wieder mit kleinen Ungereimtheiten auf, die nicht weiter erklärt werden, und die der Leser hinzunehmen hat – wie z. B. die Tatsache, dass Merette im Laufe der Geschichte plötzlich Anna M. heißt, oder dass sie Deutsche ist, was für den Storyverlauf nicht wirklich eine Rolle spielt, und wozu die Schreibweise ihres Nachnames auch nicht passt.

Mir wurden auch zu viele Zufälle eingebaut, die einen erfahrenen Krimileser wahrlich nicht in die Irre führen dürften. Zu einfach, zu schematisch, zu gewollt.

Zudem erschließen sich mir die Reaktionen der Figuren oft nicht. Eine Mutter sitzt nicht am Tisch mit ihrer Tochter, die sie seit dem Vorabend telefonisch und persönlich dringend zu erreichen versucht, um sie darüber aufzuklären, dass ihr neuer Freund eventuell identisch ist mit dem Soziopathen-Patienten, von dem Merette sich bedroht fühlt, einigt sich dann mit ihr darauf, dass es so nicht sein kann, weil der Patient blond und der Freund der Tochter schwarzhaarig ist, und hat dann nichts Besseres zu tun, als sich um ein warmes Essen zu kümmern! Zumal sich im Verlauf der Geschichte dann herausstellt, dass die Tochter am ersten Abend des Zusammentreffens mit dem mysteriösen neuen Freund schon ein Foto mit dem Handy gemacht hat. Hätte sie das der Mutter nicht gezeigt, damit alle Zweifel aus der Welt sind?

Ein Wort noch zu der Musiklastigkeit dieser Geschichte. Ich freue mich immer, wenn Bands und Musik in Krimis eingebaut werden, ich bin selber ein großer Musikfan, aber man darf erwarten, dass auch hier eine gewisse Sorgfalt vorherrscht. Die Artic Monkees heißen Arctic Monkeys. Die Monkees sind ganz wer anders.
Ach so, und das Medikament heißt übrigens Ritalin, nicht Retalin. Das hat zwar mit Musik nichts zu tun, möchte ich aber unter dem Punkt Sorgfalt noch erwähnt wissen.

Die Umschlaggestaltung fand ich sehr ansprechend, hier hat sich der Verlag offenbar sehr viel Mühe gegeben. Der Druck hingegen ließ zu wünschen übrig. Zu blass, zu unregelmäßig – ein Schriftbild wie von einem Drucker, dessen Patrone auf dem letzten Loch pfeift.

Ich vergebe 2 Sterne,

einen für die Idee der Geschichte, die allerdings auch nicht wirklich neu ist, und einen für das Ende, das ich insgesamt wiederum sehr gelungen finde, und das Versprechen, von Freda Wolff kein Buch mehr zu lesen.

 

Rezension von Dani Nimz.

 

330000874_Wolff_Schwesterlein_FIN.inddSchwesterlein muss sterben | Erschienen am 10. März 2014 bei Rütten & Loening (Aufbau Verlag)
400 Seiten | 14,99 Euro
Leseprobe


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