Kategorie: Monika Röhrig

Melinda Mullet | Whisky mit Mord

Melinda Mullet | Whisky mit Mord

Whisky mit Mord ist der Debüt-Roman von Melinda Mullet und spielt hauptsächlich in Balfour, Schottland.

Abigail Logan, 34, ist eine preisgekrönte Fotojournalistin, die für „The London Gazette“ in allen Krisengebieten der Welt unterwegs ist. Im Alter von acht Jahren verlor sie ihre Eltern durch einen Verkehrsunfall, seit dieser Zeit lebte sie bei ihrem Onkel Ben, einem erfolgreichen Londoner Aktienhändler, der mit Begeisterung die Vaterrolle an ihr übernommen hat.

Abby erhält bei ihrem letzten Job in Afrika die Nachricht, dass es Ben, der seit einiger Zeit an Krebs erkrankt war, deutlich schlechter geht. Obwohl sie sofort zurückfliegt, trifft sie ihn leider nicht mehr lebend an. Von seinen Anwälten wird sie dann darüber informiert, dass sie seine Ländereien und Liegenschaften in Schottland, wozu auch die Whisky-Brennerei „Abby Glen“ in Balfour gehört, geerbt hat. Bei einem Treffen mit ihrem besten Freund Patrick, stellvertretender Herausgeber des Magazins „Wine and Spirits Monthly“, macht dieser ihr erst mal klar, dass es sich bei Abby Glen keineswegs um – wie von ihr vermutet – eine kleine heruntergekommene Brennerei, sondern um eine der angesagtesten Nobeldestillerien für Single Malt Whisky in Schottland handelt. Das scheint auch anderen bekannt zu sein, denn kurz nach der Besprechung mit den Anwälten erhält sie einen Drohbrief, der sie anscheinend davon abhalten soll, die Brennereigeschäfte zu übernehmen. Zusätzlich trifft ein Floristenkarton bei ihr ein, Inhalt: ein Riesenstrauß Disteln mit einer Trauerschleife, jedoch ohne weitere Nachricht. Abigail macht sich trotzdem – getreu dem Motto: Bange machen gilt nicht – mit ihrem Hund Liam und Freund Patrick auf nach Schottland, um sich ihr Erbe anzusehen, die Mitarbeiter kennen zu lernen und dann zu entscheiden, ob sie übernimmt oder verkauft.

Nachdem sie sich zunächst die Destillerie angesehen haben, fahren sie zu Bens Wohnhaus und erleben dort die nächste unliebsame Überraschung, an der Haustür hängt eine tote Ente, deren Blut sich über die Eingangsstufen ausgebreitet hat. War der Empfang schon nicht allzu freundlich, geht es in den folgenden Tagen erst so richtig los: nach Manipulationen an den Geräten der Destillerie findet Abby bei einem Kontrollgang einen jungen Angestellten tot in einem Gärbottich, die Mälzscheune geht in Flammen auf und es treffen weitere Drohbotschaften ein.

In ihrem Roman stellt die Autorin eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die, gestählt durch ihren beruflich bedingten Aufenthalt in Krisengebieten, sich auch von den Drohungen und Machenschaften der Inhaber anderer Brennereien, die sich zu gerne „Abby Glen“ aneignen würden, nicht einschüchtern lässt. Auch die Charaktere der Mitstreiter bzw. Gegner sind interessant gestaltet, als Leser rätselt man doch einige Zeit, wer zu welcher Gattung gehört.

Im gesamten Handlungsverlauf wird die anfängliche Spannung nicht nur gehalten, sondern bis zur überraschenden Auflösung noch gesteigert, der Schreibstil ist flüssig und humorvoll. Zusätzlich ist erkennbar, dass die Autorin sich ein gutes Hintergrundwissen (evtl. durch ihren Ehemann, einem Whisky-Sammler aus Leidenschaft) über die Whisky-Brennerei, die Vermarktung und auch den Wert von Whisky-Sammlungen angeeignet hat – auch für Nicht-Whisky-Trinker durchaus interessant.

Mein Fazit: Ein gelungener Debüt-Roman, Lesevergnügen bis zum Schluss!

Melinda Mullet hat britische Eltern, ist allerdings in den USA geboren und aufgewachsen. Sie besuchte Schulen in Texas, Washington D.C., England und Österreich. Sie ist Rechtsanwältin und hat sich für Kinderrechte und Schulausbildung von Kindern auf der ganzen Welt eingesetzt. Sie hat viele Reisen unternommen und lebt in der Umgebung von Washington D.C. mit ihrem Ehemann, einem Whisky-Sammler, und zwei Töchtern.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Whisky mit Mord | Erschienen am 13. Juli 2018 bei Aufbau Verlag
ISBN 978-3-7466-3391-6
384 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Volker Klüpfel & Michael Kobr | Kluftinger Bd. 10

Volker Klüpfel & Michael Kobr | Kluftinger Bd. 10

Einen Kluftinger-Krimi im wahrsten Sinne des Wortes kredenzen uns die beiden Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr zum Jubläum: zum zehnten Mal ermittelt der Allgäuer Kommissar auf seine unnachahmliche Art, diesmal sogar in eigener Sache.

Kommissar Kluftinger aus Altusried im Allgäu hat mittlerweile reichhaltige Erfahrungen in der Ermittlungsarbeit vorzuweisen. So scharfsinnig er seine Fälle löst , so tollpatschig ist er oft, technischen Neuerungen nicht gerade aufgeschlossen gegenüber und immer bereit, in so manches Fettnäpfchen zu treten. Gegen die gut gemeinten Bevormundungen seiner Eltern und seiner Frau kommt er nicht wirklich an, obwohl er mittlerweile stolzer Opa ist. Sein spezieller „Freund“ ist der stets allwissende und sich einmischende Dr. Langhammer (in diesem Buch auch noch Besitzer eines aufdringlichen Hundes), den er immer wieder versucht, außen vorzulassen – was ihm allerdings auch nicht gelingt. In Kluftiger erfahren wir sogar seinen bisher unbekannten vollen Vornamen. In seiner Freizeit spielt er die große Trommel in der örtlichen Musikkapelle und wirkt bei einem Laienspieltheater mit. Eine besondere Vorliebe hat er für die Kässpatzen seiner Frau Erika und seinen uralten VW Passat.

Kluftinger wird beim alljährlichen Friedhofsrundgang mit seiner Familie zu Allerheiligen auf eine immer größer werdende Menschenansammlung aufmerksam; eine sich aus der Menge lösende Frau stößt bei seinem Anblick einen spitzen Schrei aus. Natürlich will er nun wissen, was da los ist. Als er es endlich bis zu dem frisch angelegten Grab geschafft hat, wird ihm ganz anders: auf dem Holzkreuz steht sein eigener Name. Ist das nun ein dummer Streich oder hat es jemand auf ihn abgesehen?

Eine erste Spur tut sich auf, als er einen Anruf von Heinz Rösler erhält, einem ehemals legendären Seriendieb, der ihm bei der Aufklärung bei einem seiner spektakulärsten Fälle, einem Kunstraub, geholfen hatte. Rösler teilt ihm mit, dass der an diesem Kunstraub beteiligte Albert Mang, genannt der Schutzpatron, wieder in der der Nähe ist und eventuell hinter der Sache stecken könnte. Als Kluftinger von Dr. Langhammer (natürlich) darauf aufmerksam gemacht wird, dass es sich bei dem Spruch auf dem Kreuz um ein Zitat von Albertus Magnus handelt, ist Kluftiger sich ziemlich sicher, dass Rösler ihn auf die richtige Spur gebracht hat. Dazu passt auch, dass in einem Museum oberhalb des Kochelsees ein wertvolles Gemälde, das den Friedhof (!) von Kochel darstellt, trotz hochmoderner Sicherheitsvorkehrungen gestohlen wurde.

Kurz darauf taucht in der Zeitung eine Todesanzeige mit seinem Namen und dem Spruch „We’ll fly you to the promised land“ auf, ein Spruch, der ihn an ein Ereignis in seiner Jugend erinnert, ein dunkles Kapitel, dass er bisher erfolgreich verdrängt hatte.

Die anderen fünf erhoben sich, bildeten einen Kreis, und jeder streckte die rechte Hand so in die Mitte, dass sie sich alle über der Glut trafen. Ich schwöre, über die Sache heute abend mit niemandem außer der Clique zu sprechen, egal, was kommt. Für immer und ewig. Auf Leben und Tod“, sagte Hotte eindringlich, und alle sprachen die Worte murmelnd nach. (Seite 151)

Das damals erlebte war wohl für Kluftinger auch mit einer der Gründe, später in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und ebenfalls Polizist zu werden. Im weiteren Verlauf der Handlung taucht noch ein weiterer Hinweis des Täters auf: in der Kirche findet seine Mutter beim Rosenkranzgebet Sterbebildchen, darauf ein ca. dreißig Jahre altes Foto von Kluftinger.

Das Bild sah aus, als habe man es von einem anderen kopiert. Er stutzte. War das nicht das Portrait, das er beim Fotografen hatte machen lassen, für seinen ersten Dienstausweis als Steifenpolizist? Es war auch einmal in einer Zeitung veröffentlicht worden, damals, bei seinem ersten großen Fall am Funkensonntag. Dieser grauenvollen Geschichte, in die er nur durch Zufall hineingeraten war und die doch so viel verändert hatte. (Seite 279)

Kluftinger hat es somit gleich mit Spuren zu drei alten Fällen zu tun, die einen eventuellen Täter veranlassen könnten, ihm nach dem Leben zu trachten.

In Kluftinger, dem mittlerweile zehnten dieser Reihe, geben die Autoren auch Einblick in die Jugendzeit von Kommissar Kluftinger, sowohl in negative (mit seiner alten Clique) als auch in positive Ereignisse; sehr schön der mit Augenzwinkern geschilderte erste Besuch seiner damaligen Freundin Erika (seiner jetzigen Ehefrau) bei seinen Eltern, aber auch die erste Begegnung mit seinem späteren, damals noch jugendlichen, Intimfeind Dr. Langhammer. Man erfährt auch, wie Kluftinger durch seine Mitarbeit in einem spektakulären Mordfall vom einfachen Steifenpolizisten zum Kripobeamten wird und dass er einstmals die Bewerbung eines mittlerweile auch berühmten Kommissars (ein wunderbarer Seitenhieb der Autoren, gemeint ist der Garmisch-Partenkirchener Kommissar Jennerwein, Alpenkrimilesern wahrscheinlich ebenfalls bestens bekannt) als neuer Mitarbeiter für sein Team abgelehnt hat. Auch die bisher bekannten Sticheleien unter den Kollegen sind wieder dabei, allerdings muss sich Eugen Strobl bei den Autoren irgendwie unbeliebt gemacht haben. Der kommt diesmal ziemlich schlecht weg, andererseits spielt er aber auch eine bedeutende Rolle, als es für Kluftinger gefährlich wird.

Was den Plot besonders auszeichnet, ist die Verknüpfung von bisherigen Fällen des Kommissars, sowohl von uns Lesern bisher unbekannten Mordfällen als auch dem aus Band sechs (Schutzpatron) bekannten Kunstraub. Mit dieser genialen Idee, die Kluftingers neuen Fall zwischen Vergangenheit und Gegenwart ansiedelt und nicht nur den Kommissar, sondern auch uns Leser immer wieder von einer augenscheinlich sicheren Spur abbringt, haben die Autoren etwas besonderes für den Jubiläumsfall geschaffen.

Die auch in der Vergangenheit unterschiedlichen Handlungsstränge sind in einem sich stetig steigernden Spannungsbogen verknüpft. Aber auch der aus den bisherigen Romanen bekannte Humor kommt nicht zu kurz. Etwas, was mir immer sehr gut gefällt, weil er Kluftinger auch sehr sympathisch macht: ein gewiefter Kommissar mit Fehlern und Schwächen, die er nicht so gerne zugibt (zum Beispiel die Schwierigkeiten des Enkelhütens, denen er versucht, mit technischen Möglichkeiten Herr zu werden), ihn aber sehr menschlich rüberkommen lassen.

Fazit: Alles in allem ein sehr gelungener Roman, Lesevergnügen pur. Für mich mit einer der besten der Reihe und auf jeden Fall empfehlenswert. Ob der Schlussabsatz bereits auf den nächsten Fall hinweist? Ich bin gespannt!

Volker Klüpfel, Jahrgang 1971, stammt wie der Kommissar aus Altusried und lebt mit seiner Familie im Allgäu, studierte in Bamberg Politikwissenschaft und Geschichte. Nach einer Tätigkeit bei einer Zeitung in den USA, der Augsburger Allgemeinen und beim Bayrischen Rundfunk entschied er sich jedoch endgültig für die Schriftstellerei.
Michael Kobr, Jahrgang 1973, geboren in Kempten/Allgäu, lebt mit seiner Familie im Unterallgäu, studierte in Erlangen Germanistik und Romanistik und arbeitete zunächst als Realschullehrer, diese Tätigkeit gab er (zum Glück) zugunsten der Schriftstellerei auf.

Die bisherigen Bücher brachten ihnen bereits mehrfach Auszeichnungen ein; mittlerweile halten sie an unterschiedlichsten Orten stets gut besuchte Lesungen mit schauspielerischem Einsatz, vor kurzem lieferten sie sich sogar in SAT 1 ein Krimi-Duell mit einem tatsächlichen Ermittler, das sie – wenn auch knapp – gewannen. Man darf auf Weiteres gespannt sein.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Kluftinger | Erschienen 27. April 2018 bei Ullstein
ISBN 978-3-550-08179-8
480 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezensionen zu Grimmbart, dem 8. Band dieser Reihe, auf krimirezensionen.de

Hannah O’Brien | Irisches Erbe Bd. 4

Hannah O’Brien | Irisches Erbe Bd. 4

Irisches Erbe ist der vierte Fall für das Ermittlerteam um Grace O’Malley und spielt im County Galway in der Republik Irland. Grace O’Malley und ihr Kollege Rory Coyne von der Mordkommission in Galway müssen ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit wegen mehrerer Morde, verübt in zwei Kirchen des County, ermitteln. Die Opfer waren jeweils Gemeindehelferinnen, aufgefunden wurden die Mordopfer merkwürdigerweise immer von demselben Priester, Father Duffy. Aufgrund der Umstände (beide Morde im Abstand von je einer Woche an einem Adventwochenende, beide mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen) liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Serientäter handeln könnte.

Grace erfährt im Gespräch mit der Gemeindesekretärin, Mary O’Shea, dass Father Duffy für insgesamt drei der Gemeinden im Westen des County Galway zuständig ist, in der Gemeinde Maycullen, in der der zweite Mord verübt wurde, ist er kurzfristig als Ersatz für einen erkrankten Kollegen eingesprungen. Somit ist Father Duffy höchst verdächtig und Grace sieht sich unter Zugzwang (vier Gemeinden, vier Adventwochenenden, bereits zwei Morde).
Allerdings könnte es sich auch um einen Racheakt gegen Father Duffy handeln, indem man ihn als Täter darstellt. Wie sich bei den Befragungen herausstellt, war dieser in den 90er Jahren, als es in Nordirland noch Kämpfe zwischen der (katholischen) IRA und der (protestantischen) UDA gab, in Belfast eingesetzt.

Grace hatte die Beine übereinandergeschlagen und studierte sein Gesicht. „Father Duffy, ich möchte zunächst mit Ihnen über ein Ereignis sprechen, das schon sehr lange zurückliegt und scheinbar nichts mit unseren Fällen hier zu tun hat.“ Duffys Gesichtsausdruck wirkte ratlos. Er sagte jedoch keinen Ton. “Sie waren in den Neunzigerjahren Priester in der Falls Road in Belfast. Ist das richtig?“ Duffys Augen waren vor Schreck geweitet. Er nickte heftig. „Soweit wir wissen, begegneten Sie eines Nachts in Ihrer Kirche einem schwerverletzten militanten Unionisten, dem Sie zu Hilfe kamen.“ (Seite 295)

Tatsächlich führen die Ermittlungen Grace und Rory zurück in die Vergangenheit; sie erfahren allerdings auch von Begebenheiten, die man in einem kirchlichen Umfeld nicht unbedingt erwartet, vor allem nicht in der heutigen Zeit:

Father McLeish räusperte sich schließlich. „Nun, die Kirche hat durch das Fehlverhalten Einzelner – und ich betone Einzelner – bedauerlicherweise an Glaubwürdigkeit verloren. Und durch das Fehlverhalten vieler – und ich betone vieler – Priester heutzutage, die bereit sind, Homosexualität und andere unnatürliche Verfehlungen in ihrer Mitte zu dulden und nicht konsequent auszumerzen, wie Scheidung oder das sogenannte Recht auf Abtreibung, hat sie noch viel mehr an Boden verloren, was den Glauben und die Glaubwürdigkeit der einzigen Kirche Gottes und seines Sohnes betrifft. Es musste etwas geschehen.“ (Seite 409)

Die Autorin Hannah O’Brien hat in ihrem Roman die Lebensläufe mehrerer Protagonisten zu einer spannenden Handlung verknüpft. Bis zur Auflösung ist man als Leser hin- und hergerissen zwischen „..ich glaube, ich weiß wer’s war“ und „….kann aber eigentlich doch nicht sein“. Wie sich herausstellt, sind die Motive für die Morde andere als zunächst vermutet  und witzigerweise wird einer der Morde durch einen Handy-Klingelton bewiesen.

Was mich an dem Buch auch beeindruckt hat, ist die Einbindung der irischen Vergangenheit, die auch von der Autorin erläutert wird, sowohl in der Handlung als auch im anschließenden Glossar, man spürt die Verbundenheit der Autorin mit ihrer Wahlheimat. Sozusagen als „Bonbon“ gibt es noch die ausführliche Vorstellung der Protagonisten und eine Landkarte, auf der die im Buch genannten Orte zu finden sind.

Fazit: Eine Handlung zwischen irischer Vergangenheit (nicht nur der politischen, sondern auch der kirchlichen) und Gegenwart, spannend bis zum Schluss!

Hannah O’Brien ist ein Pseudonym von Hannelore Hippe-Davies, geboren 1951 in Frankfurt am Main. Sie lebte lange in ihrer Wahlheimat Connemara und fühlt sich dort bis heute zu Hause. Sie arbeitet seit 1985 als freie Journalistin, vorwiegend für die Rundfunkanstalten der ARD und schrieb zahlreiche Features und Hörspiele bzw. -dokumentationen sowie Romane, allerdings nicht nur Kriminalromane, sondern auch „kulinarische Entdeckungsreisen“. Ab 2015 schrieb sie dann unter dem Pseudonym über die Ermittlerin Grace O’Malley.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Irisches Erbe | Erschienen am 9. März 2018 bei dtv
ISBN 978-3-423-21720-0
432 Seiten | 9.95 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Nicola Förg | Rabenschwarze Beute

Nicola Förg | Rabenschwarze Beute

Rabenschwarze Beute ist der neunte Fall für die Kommissarinnen Irmi Mangold (ruhig und besonnen, Single, lebt mit ihrem Bruder auf einem Bauernhof) und Kathi Reindl (von Irmi auch mal als rotzfreche Göre und wilde Hummel charakterisiert, Mutter einer Tochter). Der Fall ereignet sich in Murnau am Staffelsee, im oberbayrischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Silvester in Murnau; Markus Göldner, Architekt, will mit seiner Freundin Beate Mutschler, einer Ärztin, in deren Wohnung das alte Jahr ausklingen lassen. In ihrer Harmonie gestört werden die beiden allerdings durch die Knallerei eines Nachbarn, Rudolf Rieser, der statt Silvesterböller eine Schreckschusspistole benutzt, und das bereits weit vor Mitternacht. Als dieses Geknalle auch nach halb eins nicht aufhört, platzt Markus der Kragen: er reißt die Balkontür auf und droht dem Nachbarn mit der Polizei. Als Beate kurz darauf auch auf den Balkon tritt, ist Markus verschwunden. Wie sich herausstellt, wurde er durch einen Schuss ins Herz getötet und fiel auf die Grasfläche zwischen den Häusern.

Bei der Ankunft von Irmi Mangold am Tatort sind zwar jede Menge Nachbarn im Treppenhaus versammelt, jedoch kann keiner ihr einen näheren Hinweis auf den Tatablauf oder den Täter geben. Die noch total geschockte Beate ist kaum vernehmungsfähig, erwähnt aber noch, dass Markus sich über die Knallerei von Rieser aufgeregt hatte, weil dadurch die Vögel aufgeschreckt würden. Irmi befragt zwar Rudolf Rieser, der streitet jedoch alles ab.

„Was soll ich getan haben?“ „Einen Mann vom Balkon geschossen, der über Ihre Schießübungen nicht so erbaut gewesen ist. (…)“ „Jetzt pass mal auf, du siebengescheite Urschel. Ich hab den gesehen. Ob der was gebrüllt hat, weiß ich nicht. Ich hatte Gehörschutz auf. Ich war mit Wichtigerem beschäftigt.“ (…) Er lachte mit einer fiesen Polterstimme. (Seite 32)

Wie Irmi später erfährt, war Markus Gölden ein engagiertes Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz. Das ging soweit , dass er sich mit seinem Partner im Architektenbüro anlegte, wenn er durch ein geplantes Projekt den Vogelschutz gefährdet sah – ein Motiv?

Kurz darauf finden Irmi und Kathi heraus, dass Markus Göldner auch Rudolf Rieser (der mit der Knallerei an Silvester) in die Quere gekommen ist: ein von diesem geplantes Feuerwerk an Sonnwend wurde wegen Einwänden von Markus verboten, Rieser blieb auf den bereits einkauften Lebensmitteln für das Fest sitzen. Reicht das doch für einen Mord?

Nicola Förg legt bereits zu Beginn ihres Romans zahlreiche Spuren, im weiteren Verlauf der Handlung kommen allerdings noch weitere hinzu, unter anderem Gegner (wieder Göldner) und Befürworter von Windkraftanlagen. Einer davon schreckt auch vor Maßnahmen nicht zurück, die keineswegs legal sind.

Irmi starrte auf die Bilder. Sailer stand der Mund leicht offen. „Hot der, hot der…?“ „Ich würde mal sagen, er hat Jungvögeln den Kragen umgedreht und den Altvogel vom Himmel geschossen.“, entgegnete Irmi leise. (Seite 177)

Aber auch der Tod eines kleinen Mädchens, ein schwerer Unfall mit mehreren Toten in der Vergangenheit und eine verschwundene Modebloggerin halten Irmi und Kathi auf Trab. Den tatsächlichen Mörder haben sie dadurch erst spät auf dem Schirm.

Insgesamt ist der Handlungsverlauf spannend aufgebaut, auch wenn mich die Auflösung, das tatsächliche Motiv, im Hinblick auf den Beginn der Handlung, den Buchtitel und das Cover nicht so ganz zufrieden stellt. Erwähnenswert sind für mich die zahlreichen Hinweise auf den Vogel- bzw. Artenschutz, hier erkennt man die Autorin als sehr gut informiert und engagiert.

Fazit: Rabenschwarze Beute ist eine spannende Lektüre mit Bezug zur erschreckenden Realität im Tier- und Umweltschutz.

Nicola Förg, geboren 1962 in Kempten (Allgäu), ist seit 1991 freie Journalistin und verfasste mehrere Reiseführer. Sie ist engagierte Tierschützerin und betreut die wöchentliche Tierseite im Münchener Merkur. Für ihre Bücher bekam sie mehrere Preise für ihr Engagement rund um den Tier- und Umweltschutz. Seit 2003 schreibt sie Kriminalromane, zunächst über Kommissar Weinzierl, ab 2009 dann auch über Kommissarin Mangold. Dieses Buch ist der neunte Band aus der Mangold-Reihe.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Rabenschwarze Beute | Erschienen 2018 bei Pendo im Piper Verlag
ISBN 978-3-86612-419-6
352 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Monikas Rezension zu Nicola Förgs Krimi Donnerwetter

Christina Bacher | Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab

Christina Bacher | Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab

Das Römergrab ist bereits der 7. Fall für die Bolzplatzbande, einem Köln-Krimi für Pänz.

Die Hauptpersonen: Die Bolzplatzbande, bestehend aus den Schulfreunden Laura, Sema, Kevin sowie dem tadschikischen Flüchtlingsjungen Wladi, der seit einem knappen Jahr in Köln lebt.

Die Handlung spielt im Köln der Gegenwart. Tatsächlich werden in Köln immer wieder bei Bauarbeiten Relikte aus der Römerzeit ausgegraben, im Römisch-Germanischen Museum kann man anhand der dort ausgestellten Objekte einiges über die Römerzeit erfahren.

Passend am letzten Schultag vor den Ferien ergibt sich ein neuer Fall für die Bolzplatzbande. Wladi hat Lauras Mutter telefonisch Bescheid gegeben, dass Laura ihn in der Werkstatt des mit ihnen befreundeten Straßenkehrers Bolislav Fischer, genannt Bolle, treffen soll. Bolle hat Wladi mitten in der Nacht eine SMS mit einer Bitte um Hilfe geschickt und mitgeteilt, dass er in eine heiße Sache verwickelt ist. In der Werkstatt ist Bolle jedoch nicht, stattdessen sieht alles nach einem Einbruch aus und an die Wand wurde in schwarzen, riesengroßen Buchstaben die Botschaft „Cave Canem“ (Warnung vor dem Hund) geschrieben. Alles sehr rätselhaft und somit perfekt für die Detektive der Bolzplatzbande.

Bei ihren Ermittlungen erfahren sie, dass auf dem Bauplatz, wo Bolle als Wachmann arbeitet, ein Römergrab gefunden wurde, in dem ein Hundeskelett mit diversen Grabbeigaben lag. Ein Bauarbeiter hat davon ein Handy-Foto gemacht und es ins Netz gestellt. Kurz darauf ist jedoch nicht nur der Grabinhalt, sondern auch Bolle verschwunden.

Der Fall wird immer rätselhafter, als sich auch noch Zusammenhänge mit jugendlichen Anhängern der Dark-Metal-Band „Monsters of Dogs“ ergeben. Merkwürdig ist auch eine Begegnung Lauras bei der Pressekonferenz im Römisch-Germanischen Museum, wohin der Fund aus dem Römergrab eigentlich gebracht werden sollte und bei der sie im Vorraum der Damentoilette von einer Journalistin angesprochen wird.

Die Tätowierte aus der Konferenz kommt aus einer der Kabinen, wäscht sich die Hände und grinst dabei Lauras Spiegelbild an, ein silbernes Piercing zwischen den Vorderzähnen blitzt hervor. „Und ich sag dir, Kleine. Der Hund rächt sich an allen, die seine Ruhe stören – auch an Journalisten. Sie dich vor, dass du dich von der Story fernhältst“, sagt die Frau mit bedrohlicher Geste. Schnell weg von hier, denkt Laura und trocknet sich rasch die Hände ab. „Cave Canem!“, ruft die kleine Frau ihr hinterher. „Wir müssen die Warnung des Hundes ernst nehmen!“. (Auszug)

Weitere Handelnde: Eine besondere Rolle spielt Conchita, eine Pudeldame, auf die Laura im Auftrag einer etwas merkwürdigen Nachbarin ein paar Tage aufpassen sollte, ein netter und ein fieser Schulkamerad von Laura sowie eine Wissenschaftlerin, die in Rom auf einer Spezialtagung zum Thema „Kind und Hund im alten Rom“ teilgenommen hat.

Die gesamte Handlung ist jedenfalls spannend aufgebaut und bleibt es bis zum Schluss. Erwähnenswert finde ich, dass die Autorin immer mal wieder in die Handlung Hinweise über Kölner Straßen oder Gebäude (zum Beispiel die Alte Feuerwache Köln) einfügt, das macht es für Kölner Leser, die diese Bereiche kennen, besonders interessant. Aber auch Ortsfremde können sich gut in die Erzählung einfinden.

Die Autorin Christina Bacher, geb. 1973, gründete vor einigen Jahren Bachers Büro – eine Schmiede für Texte aller Art. Seither arbeitet sie als Chefredakteurin des Kölner Straßenmagazins „Draussenseiter“ und schreibt Jugendbücher, Kriminalromane und Ratekrimis fürs Radio. Die Idee der Krimi-Reihe um die Figuren Bolle und die Bolzplatzbande wurde ursprünglich für eine Ratekrimi-Serie des Hessischen Rundfunks und schließlich für die Buchreihe entwickelt.

Mein Fazit: gut ausgedachte und mit Hinweisen auf die Örtlichkeit, in der sie stattfindet, angereicherte Handlung, spannend und altersgerecht geschrieben für die Zielgruppe Kinder ab 8 Jahren.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab | Erschienen am 23. März 2017 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0039-0
144 Seiten | 7.95 Euro
ab 8 Jahre
Bibliografhische Angaben & Leseprobe, Buchtrailer

 

Diese Rezension erscheint im Rahmen des .17special Kinder- und Jugendkrimis.