Kategorie: Monika Röhrig

Christina Bacher | Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab

Christina Bacher | Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab

Das Römergrab ist bereits der 7. Fall für die Bolzplatzbande, einem Köln-Krimi für Pänz.

Die Hauptpersonen: Die Bolzplatzbande, bestehend aus den Schulfreunden Laura, Sema, Kevin sowie dem tadschikischen Flüchtlingsjungen Wladi, der seit einem knappen Jahr in Köln lebt.

Die Handlung spielt im Köln der Gegenwart. Tatsächlich werden in Köln immer wieder bei Bauarbeiten Relikte aus der Römerzeit ausgegraben, im Römisch-Germanischen Museum kann man anhand der dort ausgestellten Objekte einiges über die Römerzeit erfahren.

Passend am letzten Schultag vor den Ferien ergibt sich ein neuer Fall für die Bolzplatzbande. Wladi hat Lauras Mutter telefonisch Bescheid gegeben, dass Laura ihn in der Werkstatt des mit ihnen befreundeten Straßenkehrers Bolislav Fischer, genannt Bolle, treffen soll. Bolle hat Wladi mitten in der Nacht eine SMS mit einer Bitte um Hilfe geschickt und mitgeteilt, dass er in eine heiße Sache verwickelt ist. In der Werkstatt ist Bolle jedoch nicht, stattdessen sieht alles nach einem Einbruch aus und an die Wand wurde in schwarzen, riesengroßen Buchstaben die Botschaft „Cave Canem“ (Warnung vor dem Hund) geschrieben. Alles sehr rätselhaft und somit perfekt für die Detektive der Bolzplatzbande.

Bei ihren Ermittlungen erfahren sie, dass auf dem Bauplatz, wo Bolle als Wachmann arbeitet, ein Römergrab gefunden wurde, in dem ein Hundeskelett mit diversen Grabbeigaben lag. Ein Bauarbeiter hat davon ein Handy-Foto gemacht und es ins Netz gestellt. Kurz darauf ist jedoch nicht nur der Grabinhalt, sondern auch Bolle verschwunden.

Der Fall wird immer rätselhafter, als sich auch noch Zusammenhänge mit jugendlichen Anhängern der Dark-Metal-Band „Monsters of Dogs“ ergeben. Merkwürdig ist auch eine Begegnung Lauras bei der Pressekonferenz im Römisch-Germanischen Museum, wohin der Fund aus dem Römergrab eigentlich gebracht werden sollte und bei der sie im Vorraum der Damentoilette von einer Journalistin angesprochen wird.

Die Tätowierte aus der Konferenz kommt aus einer der Kabinen, wäscht sich die Hände und grinst dabei Lauras Spiegelbild an, ein silbernes Piercing zwischen den Vorderzähnen blitzt hervor. „Und ich sag dir, Kleine. Der Hund rächt sich an allen, die seine Ruhe stören – auch an Journalisten. Sie dich vor, dass du dich von der Story fernhältst“, sagt die Frau mit bedrohlicher Geste. Schnell weg von hier, denkt Laura und trocknet sich rasch die Hände ab. „Cave Canem!“, ruft die kleine Frau ihr hinterher. „Wir müssen die Warnung des Hundes ernst nehmen!“. (Auszug)

Weitere Handelnde: Eine besondere Rolle spielt Conchita, eine Pudeldame, auf die Laura im Auftrag einer etwas merkwürdigen Nachbarin ein paar Tage aufpassen sollte, ein netter und ein fieser Schulkamerad von Laura sowie eine Wissenschaftlerin, die in Rom auf einer Spezialtagung zum Thema „Kind und Hund im alten Rom“ teilgenommen hat.

Die gesamte Handlung ist jedenfalls spannend aufgebaut und bleibt es bis zum Schluss. Erwähnenswert finde ich, dass die Autorin immer mal wieder in die Handlung Hinweise über Kölner Straßen oder Gebäude (zum Beispiel die Alte Feuerwache Köln) einfügt, das macht es für Kölner Leser, die diese Bereiche kennen, besonders interessant. Aber auch Ortsfremde können sich gut in die Erzählung einfinden.

Die Autorin Christina Bacher, geb. 1973, gründete vor einigen Jahren Bachers Büro – eine Schmiede für Texte aller Art. Seither arbeitet sie als Chefredakteurin des Kölner Straßenmagazins „Draussenseiter“ und schreibt Jugendbücher, Kriminalromane und Ratekrimis fürs Radio. Die Idee der Krimi-Reihe um die Figuren Bolle und die Bolzplatzbande wurde ursprünglich für eine Ratekrimi-Serie des Hessischen Rundfunks und schließlich für die Buchreihe entwickelt.

Mein Fazit: gut ausgedachte und mit Hinweisen auf die Örtlichkeit, in der sie stattfindet, angereicherte Handlung, spannend und altersgerecht geschrieben für die Zielgruppe Kinder ab 8 Jahren.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Bolle und die Bolzplatzbande: Das Römergrab | Erschienen am 23. März 2017 im Emons Verlag
ISBN 978-3-7408-0039-0
144 Seiten | 7.95 Euro
ab 8 Jahre
Bibliografhische Angaben & Leseprobe, Buchtrailer

 

Diese Rezension erscheint im Rahmen des .17special Kinder- und Jugendkrimis.

Linda Castillo | Böse Seelen

Linda Castillo | Böse Seelen

Böse Seelen ist der achte Fall um Polizeichefin Kate Burkholder und spielt diesmal in einer Amisch-Gemeinde im Staate New York. Ein 15-jähriges amisches Mädchen, wird nach einem Schneesturm erfroren im Wald aufgefunden. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass sich in ihrem Blut Spuren von Oxycontin, einem starken Schmerzmittel, befinden. Außerdem muss sie vor kurzer Zeit eine Abtreibung vorgenommen haben.

Kate Burkholder, selbst bis zum 18. Lebensjahr Angehörige einer Amischen Gemeinde in Ohio, wird von der New York State Police um Hilfe gebeten und geht als verdeckte Ermittlerin mit falscher amischer Identität nach Roaring Springs. Die mit den Ermittlungen betrauten Sheriffs Suggs und Betancourt bringen Sie in der Nähe der Gemeinde in einem ziemlich heruntergekommenen Wohnwagen auf einem Trailerplatz unter. Von dort aus nimmt sie zunächst mit einigen amischen Frauen, die in Roaring Springs arbeiten, Kontakt auf. So erfährt sie auch schon einiges über den für die Gemeinde zuständigen Bischof Schrock und wird zum nächsten Sonntags-Gottesdienst in die zu dessen Farm gehörende Scheune eingeladen.

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen wird immer klarer, dass es auf der Farm nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Bei den Gesprächen mit den amischen Frauen erfährt Kate, dass auf Intervention des Bischofs der Enkel einer der Frauen, Rebecca, in eine andere Gemeinde geschickt wurde. Auch ihr Sohn, die Schwiegertochter und die beiden Enkelinnen sind anscheinend ohne Abschied abgereist, von keinem hat Rebecca bisher wieder ein Lebenszeichen erhalten. Kate trifft Rebecca kurz danach bei einem Nähkreis und bemerkt etwas, das ihre Ermittlung auf eine zusätzlich Spur bringt.

Alle Blicke schnellen zu Rebecca. Erst jetzt bemerke ich den Verband an ihrer linken Hand, den sie seltsamerweise zu verbergen versucht. Ich sehe genauer hin und erkenne an der Form, dass ihr kleiner Finger fehlt. Im allgemeinen ist bekannt, dass Farmarbeit gefährlich ist. (…) Solche Unfälle sind zweifellos traumatisch, aber warum der allgemeine Schock? In dem Moment wird mir klar, dass keine gefragt hat, wie das passiert ist. Sie wissen es schon, flüstert mir eine kleine Stimme ins Ohr. (Seite 189)

Bei einem nächtlichen Erkundungsgang am Fundort der Leiche des erforenen Mädchens im Wald auf dem Anwesen von Bischof Schrock stößt Kate auf zwei amische Männer auf Benzin betriebenen Schneemobilen – eine Beförderungsart, die Amischen eigentlich verboten ist. Auf den Rücksitzen bemerkt Kate zwei Frauen, die augenscheinlich nicht ganz freiwillig dabei sind. Da sie ihre Tarnung nicht aufgeben will, greift sie nicht ein, sondern informiert anschließend Sheriff Suggs und den Bischof.

Hätte ich ihn nicht so genau beobachtet, hätte ich den herablassenden, ja amüsierten Ausdruck, der kurz in seinen Augen aufblitzt, wahrscheinlich nicht bemerkt. Er hat nicht eine Frage nach dem Aussehen der beiden Männer gestellt, um sie ausfindig machen zu können. Du weißt bereits, wer sie waren, (…). (Seite 162)

Der Fall wird immer rätselhafter und Kate gerät in Lebensgefahr.

Linda Castillo hat den Plot zu Böse Seelen mit zahlreichen Hinweisen auf die eventuelle Auflösung gefüttert, allerdings ist die spannender und unerwarteter, als zunächst zu vermuten ist. Als Leser fühle ich mich wieder mitgenommen in die Atmospäre einer amischen Gemeinde und die Begebenheiten um Kate Burkholder, auch der Schreibstil in Ich-Form trägt dazu bei. Der Aufbau der Handlung hält die Spannung hoch bis zum Schluss. Der Handlungsstrang über die private Kate fällt diesmal kürzer aus, als in manchen der vorhergehenden Bücher, finde ich aber auch nicht schlimm.

Mein Fazit: Lesenswert bis zum Schluss, wieder mal ein gelungener Thriller aus der Welt der Amischen!

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Böse Seelen | Erschienen am 27. Juli 2017 im Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-596-29801-3
350 Seiten | 9.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseproben

Weiterlesen: Monikas Rezensionen zu den Linda Castillo Romanen Teuflisches Spiel, Mörderische Angst, Das Böse naht & Leise hallt der Tod sowie Grausame Nacht

19. April 2018

Tess Gerritsen | Blutzeuge

Tess Gerritsen | Blutzeuge

Im winterlich kalten Boston geht anscheinend ein Serienmörder um. Jane Rizzoli und Maura Isles stehen allerdings zunächst vor einem Rätsel, da die einzige Verbindung zwischen den beiden Toten deren Mageninhalt – Alkohol und Ketamin – ist, sowie die Tatsache. dass bei beiden die Todesursache nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Allerdings hat der Mörder an jeder Leiche ein Zeichen hinterlassen. Bei Cassandra Coyle, der ersten Leiche, aufgefunden von ihrem Vater in ihrer Wohnung auf dem Bett, wurden die Augäpfel entfernt und ihr in ihre linke Hand gelegt. Die zweite Leiche, Timothy McDougal, wurde an Heiligabend im Bostoner Hafen aufgefunden, mit nacktem Oberkörper, der von drei Pfeilen durchbohrt wurde. Die Verstümmelungen wurde jeweils nach dem Tod vorgenommen.

Bei Cassandra Coyle lag zunächst ein Motiv im Zusammenhang mit ihrem Beruf (Drehbuchschreiberin und Produktionsleiterin von Horrorfilmen) nahe, der zweite Tote, ein Buchhalter, hatte allerdings keinen Kontakt mit Cassandra, es muss also ein anderes Motiv geben. Maura stößt dann jedoch auf etwas, das zunächst abwegig erscheint: die Verstümmelungen der Opfer weisen auf die Todesart der Märtyrer hin, deren Gedenktag auf den Geburtstag des jeweiligen Opfers fällt

Maura schob die Papiere zusammen. „Wir müssen etwas finden, was diese Opfer gemeinsam hatten. Etwas, was sie beide in Kontakt mit dem Mörder brachte.“ Sie legte die Tatortfotos von Timothy McDougal in eine Mappe und wollte gerade den Deckel zuklappen, als sie innehielt und das Foto anstarrte. Eine Erinnerung tauchte plötzlich auf, die Erinnerung an Sonnenlicht, das durch leuchtende Buntglasfenster fiel. „Was ist?“ fragte Jane. Maura gab keine Antwort. Sie nahm ein Foto von Cassandra Coyles Leiche aus der Mappe und legte es neben das von Timothy McDougal. Zwei verschiedene Opfer, das eine ein Mann, das andere eine Frau. Der Mann von mehreren Pfeilen durchbohrt, die Frau ihrer Augäpfel beraubt. „Ich kann nicht glauben, dass ich es nicht erkannt habe“, sagte sie. (Seite 141)

Maura liegt tatsächlich richtig, der komplette Zusammenhang erschließt sich allerdings erst so nach und nach im Verlauf der weiteren Ermittlungen, in denen auch eine weitere Person, Holly Devine, die beide Opfer aus ihrer Kindheit kennt, eine Rolle spielt. Bis Jane und Maura den Fall komplett gelöst haben, müssen sie allerdings des öfteren ihre Sichtweise des Falles an die neuesten Ermittlungsergebnisse anpassen. Die Auflösung kommt (auch für den Leser) überraschend daher.

Tess Gerritsen hat auch in diesem Buch wieder bewiesen, dass sie einen Plot lebendig gestalten kann, mit Gespür für psychologisch aufgebaute Spannung, angereichert mit medizinischen Details, die zur Handlung passen, ohne ausschweifend zu sein und auch immer mal mit einem Augenzwinkern bei den Schilderungen aus dem Privatleben von Jane Rizzoli. Erwähnenswert ist auch ihr in die Handlung eingebautes Statement gegen Vorverurteilungen bei Missbrauchsverdacht von Kindern. Was hier tatsächlich durch Fehldeutungen von Aussagen oder deren Herbeiführung durch Manipulation angerichtet werden kann, ist ja auch durch diverse Pressemitteilungen in den letzten Jahren bekannt geworden. Raffiniert auch die Sache mit dem Zusammenhang von Märtyrer-Toden mit den aufgefundenen Opfern, was der Autorin auch dazu dient, die beiden Ermittlerinnen zunächst in einem weiteren Fall in die Irre zu führen.

Mein Fazit: Einfallsreicher Plot, Spannung bis zum Schluss! Bücher von Tess Gerritsen sind schon etwas Besonderes und unbedingt empfehlenswert für Liebhaber von Thrillern.

Geboren wurde Tess Gerritsen 1953 in San Diego, Kalifornien, wo sie auch aufwuchs. Nach ihrem Medizinstudium (Examen 1979) arbeitete sie zunächst als Internistin in Honolulu, bevor sie mit dem Schreiben begann. Ihren Durchbruch hatte sie 1996 mit dem Thriller Kalte Herzen. Die Fernsehserie Rizzoli & Isles basiert auf ihren ab 2004 geschriebenen Romanen um die Kriminalbeamtin Jane Rizzole und die Gerichtsmedizinerin Maura Isles. Es wurden sieben Staffeln gedreht.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Blutzeuge | Erschienen am 20. November 2017 bei Limes
ISBN 978-3-8090-2638-9
409 Seiten | 19.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseproben

21. März 2018

Klaus-Peter Wolf | Totenstille im Watt

Klaus-Peter Wolf | Totenstille im Watt

Er ist der Arzt in Norddeich, dem die Menschen vertrauen. Ein Doktor aus Leidenschaft. Er behandelt seine Patienten umfassend. Kümmert sich rührend nicht nur um ihre Wunden, sondern nimmt sich auch ihrer alltäglichen Sorgen an. Hört ihnen zu. Entsorgt auch schon mal einen brutalen Ehemann. Verleiht Geld, das er nicht hat. Keiner weiß, dass er ein Mann mit Vergangenheit ist. Einer anderen Vergangenheit, als manche sich das vorstellen. Der jetzt mit neuer Identität ein neues Leben lebt. Wer ist dieser Dr. Sommerfeldt? (Verlagsinfo)

Aus einem Unternehmer, der in die Insolvenz rutscht, weil er die geschäftlichen Praktiken zur Auftragseinholung (= Bestechung), die sein Vater noch für angemessen hielt, nicht mitmachen will, wird ein Serienkiller ohne schlechtes Gewissen. Doch zunächst lässt er sein altes Leben, genauer gesagt das insolvente Unternehmen, seine gefühlskalten Eltern und seine Frau, die hinter seinem Rücken bereits die Scheidung eingereicht hat, hinter sich.

Zugute kommt ihm die Kenntnis des Goldverstecks seines Vaters. Seine finanzielle Existenz zumindest ist somit gesichert. Er beschließt, sich nach Norddeutschland abzusetzen (seine Eltern machen immer Urlaub in Süddeutschland) und findet auf der Zugfahrt zu seiner neuen persönlichen Existenz, wobei ihm sein nicht abgeschlossenes  Medizinstudium von Nutzen ist.

„Im Zug – wir waren kurz vor Oldenburg – gab es plötzlich diese Durchsage: Ob ein Arzt im Zug sei. Es handele sich um einen Notfall. Da war so ein Prickeln auf meiner Haut zu spüren, und da waren Stiche in meinem Rücken. Meine Wirbelsäule schien zu brennen. Was ich dann tat, entsprang keiner vorherigen Überlegung. Ich lief zum Schaffner, behauptete, ich sei Arzt, und sah die Erleichterung in seinem angespannten Gesicht.“ (Seiten 31 und 32)

In seinem neuen Leben als Arzt ist er ziemlich erfolgreich. Als Patienten tauchen im Verlauf der weiteren Handlung auch Figuren aus den bisherigen Romanen auf, zum Beispiel Rupert und Ann Kathrin Klaasen. Selbst Ann Kathrin kommt er nicht verdächtig vor, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits einige Leichen gibt. Dr. Sommerfeldt ist nämlich fleißig dabei, unliebsame, gewalttätige (Ehe-)Männer sowie Zeitgenossen, die seine neue Liebe Beate erpressen könnten, aus dem Weg zu schaffen. Einmal in dieses Fahrwasser geraten, gibt es für ihn kein Halten mehr.

Klaus-Peter Wolf hat in Totenstille im Watt einen Charakter aufgebaut, der in seiner Welt psychologisch betrachtet durchaus nachvollziehbar handelt: alles, was ihn oder ihm nahe stehende Personen gefährdet, wird eliminiert, Gewissensbisse Fehlanzeige.

„Eigentlich wollte ich Arzt und Schriftsteller werden, nicht Serienkiller. Aber wer wird schon als so etwas geboren? Das Leben hat mich im Laufe der Zeit dazu gemacht, und jetzt fühle ich mich in diesen Identitäten sogar recht wohl. Als hätte ich meine Bestimmung gefunden. Vielleicht gibt es bessere Lebens- und Daseinsformen. Das ist eben meine. Ich bin ein Doktor, der keiner ist, aber von seinen Patienten geliebt wird. Ein Schriftsteller, der keine Leser hat, und ein Serienkiller, frei von jeglicher Mordlust.“ (Seite 229)

Die in Ich-Form geschilderten Handlungen erscheinen so einfach, es ist jedoch zu bezweifeln, dass sie in der Realität so durchführbar wären, was dem ganzen Buch auch einen gewissen schrägen Humor beschert. Ich unterstelle hier mal dem Autor (in Kenntnis einiger seiner Kurzgeschichten), dass dies auch beabsichtigt ist.  Auf jeden Fall ist dieses Buch aufgrund der veränderten Sichtweise anders als die bisherigen Romane um Ann Kathrin Klaasen. Mal sehen, was die angekündigte Fortsetzung noch parat hat.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 in Gelsenkirchen geboren und lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden. Seine Bücher und Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, mehr als 60 Drehbücher, unter anderem für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“, wurden verfilmt. Mit Ann Kathrin Klaasen, die ebenfalls in Norden angesiedelte Protagonistin der meisten bisherigen Bücher, hat er eine Kultfigur für Ostfriesland geschaffen.

Mein Fazit: Ein spannender Krimi aus der Sicht des Täters für Leser mit einem Faible für das Absurde.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

Totenstille im Watt | Erschienen am 1. Juli 2017 im Fischer Verlag
ISBN 978-3-596-29764-1
410 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Stephen Dobyns | Ist Fat Bob schon tot?

Stephen Dobyns | Ist Fat Bob schon tot?

Connor Raposo wird zufällig Zeuge eines grässlichen Unfalls: Ein Motorradfahrer ist gegen einen Laster geprallt, die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Ist der Tote tatsächlich Robert »Fat Bob« Rossi? Und war es tatsächlich ein tragischer Unfall? Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, Morde geschehen, Leute verschwinden, die Polizei tritt auf den Plan – und mittendrin Connor, der von einer aberwitzigen Situation in die nächste stolpert, bis ihm dämmert, dass man auch hinter ihm her ist. (Verlagsinfo)

Die Geschichte beginnt mit einem Unfall, der sich in New London, Connecticut, ereignet. Eine Harley „Fat Bob“ gerät unter einen LKW, der dummerweise relativ flott aus einer Ausfahrt auf die Straße fährt, als die Harley angedüst kommt.

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