Kategorie: Kurt Schäfer

Carlo Lucarelli | Italienische Intrige

Carlo Lucarelli | Italienische Intrige

Ein Agententhriller aus Bologna

Die Eingangsszene zeigt zwei höchst unterschiedliche Männer auf einer rasanten Autofahrt durch das Schneegestöber im eiskalten Januar 1954. Giannino, ein junger Mann von 22 Jahren, fährt die Aurelia, während sein Beifahrer, den er „Herr Ingenieur“ nennt, seinen Gedanken nachhängt. Er ruft sich die Worte seines Vorgesetzten in Erinnerung. Commendatore D’Umberto hat ihn einen Trüffelhund genannt, wo er doch solche mit dem Herz eines Bastards brauche. Er fragt sich, warum Crescas Frau nicht gleich umgebracht wurde. Und er spürt etwas zwischen Angst und Wut, wenn er an Claudia denkt. Und Begehren.

Ab dem zweiten Kapitel wird erzählt, was bis zu jener schicksalhaften Autofahrt geschah, wer Professor Cresca und seine Frau sind und wer Claudia. Und was Giannino und Ingenieur Morandi miteinander zu tun haben. Sie treffen sich zu Beginn des Romans zum ersten Mal, der frühere Kommissar De Luca ist aus Rom angereist um im Auftrag des Geheimdienstchefs D’Umberto den Mord an Stefania Mantovani aufzuklären, der Witwe des Professors Mario Cresca, der vor zwei Monaten bei einem Autounfall ums Leben kam. Er ist also kein Ingenieur, aber über seinen Partner Giannino weiß er auch nichts, nicht einmal ob das sein Vor- oder Nachname ist, oder sein richtiger oder ein falscher. Geheimagenten eben.

Als erstes nehmen die beiden den Tatort unter die Lupe, eine Absteige in einem alten Haus am Kanal, eine Mansarde hatte der Professor sich zu einem Liebesnest eingerichtet. Hier traf er sich mit Frauen, spielte seine Jazzplatten, feierte mit Musikern, es wurde getrunken und gespielt und wohl auch Drogen konsumiert, wie eine Nachbarin bezeugt. Jetzt herrscht hier ein heilloses Durcheinander, die Platten des Professors liegen verstreut am Boden, überall sind Blutspuren, es hat offensichtlich ein Kampf stattgefunden. Davon zeugen auch die Verletzungen des Opfers Stefania Cresca. Letztlich aber starb sie durch ertränken in der Badewanne. De Luca lässt einige Beweise sichern, auch blutige Spuren von nackten Frauenfüßen, vor allem aber ein Farbband aus einer alten Remington und einen Papierfetzen, der von einem Kuvert mit dem Absender Mario Cresca abgerissen wurde. Die Beamten der Einsatzpolizei hatten offenbar nicht sehr sorgfältig gearbeitet.

Die Nachbarin, von De Luca befragt, berichtet, dass sie die Witwe Cresca nur einmal gesehen habe, als diese sie bat, ihre Wäsche zu waschen, da sie doch in der Wäscherei arbeite. Sie habe gar nicht gewusst, dass der Professor verheiratet war, sie habe angenommen, „Facetta Nera“, das „Schwarze Gesichtchen“ sei seine Freundin. Die junge Frau aus Abessinien habe sie häufig ein- und ausgehen sehen. Als sie die Bettbezüge, Laken und Handtücher zurückgeben wollte, habe sie durch die offene Tür das Tohuwabohu entdeckt, ihr Mann habe dann die Tote entdeckt und die Polizei gerufen. Der kleine Sohn der beiden allerdings hat etwas beobachtet, als er durch den Spalt der Gemeinschaftstoilette spähte. „Teufelsfratze“ nennt er den Mann, der aus der Mansarde kam, und den er recht genau gezeichnet hat, mit einem großen, schwerfälligen Körper, einem schiefen Auge, das tiefer liegt als das andere, mit spärlichen, blonden Haaren. Ist er der Mörder?

De Luca versucht, aus dem Gesehenen, dem Gehörten und Gefundenen einen Tathergang zu konstruieren, auf dem Farbband sind deutliche Anschläge zu erkennen, er entziffert die Buchstaben „DOTT. PIRRO ORES“. Wer ist dieser Doktor? Giannino findet heraus, dass Stefania Cresca in kurzer Zeit sechsmal mit der Apotheke Scaglianti telefoniert hat. Besteht da ein Zusammenhang? Auf der Beerdigung der Ermordeten wollen sie mehr erfahren. Es stellt sich heraus, dass die Witwe des Professors nicht besonders beliebt war, unsympathisch, ungebildet, rasend eifersüchtig. Mario Cresca hingegen hatte einen untadeligen Ruf, war überall angesehen und geachtet. Der leidenschaftliche Jazzfan hatte nach Reisen in die USA eine Band zusammengestellt, deren Mitglieder aus aktuellen und ehemaligen Studenten besteht, Alma Mater. Hier spielt Aldino Scaglianti Saxophon, nach dem Tod des Profesors hatte er sich seiner Witwe angenähert. Bei den beiden Agenten klingelt etwas, sie machen sich auf zu einem Auftritt der Band.
Die spielt mehr schlecht als recht, wie Musikliebhaber und -kenner Giannino feststellt, aber die Sängerin der Kapelle ist eine Offenbarung. Sie hat eine großartige Stimme und eine unglaubliche Ausstrahlung, ist jung, hübsch und hat dunkle Haut. Facetta Nera, die Abessinierin, heißt Claudia und De Luca verliebt sich in die Schöne aus Asmara, die mit zweieinhalb Jahren nach Italien kam. Sie ist Claudia und Franca, Italienerin und Afrikanerin, singt Jazz und Bologneser Lieder, sie ist hin- und hergerissen. Franca heißt sie, wenn sie im Orchester Paride Canè ihres Vaters italienische Schlager und Folklore zum Besten gibt, traditionelle Lieder und aktuelle Gassenhauer. Sie glaubt nicht, dass der Tod ihres Freundes Mario ein Unfall war. Sie schildert den Professor für Physik als faszinierenden, außergewöhnlichen Menschen, als Genie, außerdem sei er sensibel und witzig gewesen. De Luca nimmt sich vor, die Umstände seines Todes näher zu untersuchen, auch er glaubt nicht an einen Unfall.

De Luca trifft sich mit einem alten Kollegen, der die ersten Untersuchungen am Ort des Geschehens durchgeführt hat, kommt Merkwürdiges zutage: Professor Cresca ist eindeutig als Unfallverursacher festgestellt worden, er ist bei einem Überholmanöver mit seinem Spider Coupé unter einen schweren Dodge geraten, auch sein kleiner Neffe auf der Rückbank war sofort tot. Der Fahrer des Dodge will allerdings später bei den Ermittlern etwas loswerden, dazu kommt es nur nicht, weil er bei einem mysteriösen Sturz in den Aufzugschacht stirbt. Und ein kleiner Junge im Wagen hinter dem Professor erinnert sich an das Gesicht eines Motorradfahrer, der ebenfalls beteiligt war. Er hatte eine Teufelsfratze!

Als De Luca seinem Vorgesetzten seinen Verdacht vorträgt, winkt der ab. Der Dienst sei an einer Aufklärung nicht interessiert, es gehe lediglich um den Mord an Signora Cresca. Das Verhalten seines Chefs gibt De Luca zu denken, und plötzlich misstraut er auch seinem Partner. Er ist mit fast vierzig Jahren annähernd doppelt so alt wie Giannino und verfügt über eine entsprechende Erfahrung durch seine Arbeit bei der Staatspolizei, dann als Kommissar der Einsatzpolizei „bester Detektiv Italiens“ und später als Direktor der Sitte in Bologna. Entsprechend gut kennt er auch die Stadt und die Menschen der Emiglia Romagna. Daher lässt er keinen Zweifel daran, wer bei dieser Untersuchung der Chef ist und wer Assistent. Es wird so gemacht, wie es ihm passt, in seinem Tempo, nach seinen Maßgaben, auch wenn es sein erster Einsatz für den Geheimdienst ist.

Man hat ihn überraschend in die Pflicht genommen, wohl auch, weil er gerade verfügbar ist. Während der Besetzung Italiens durch das Deutsche Reich und unter dem wieder eingesetzten Benito Mussolini hatte er weiter als Polizist gearbeitet. Er war, wie er sagt, kein Faschist oder er war einer wie alle anderen, aber vor allem einfach nur Polizist. Aber nun wartet auf ihn ein Prozess zur Klärung seiner Nazi-Vergangenheit und bis zu dessen Beginn ist er seit fünf Jahren beurlaubt. Er leidet deshalb an Schlaflosigkeit und Essstörungen. De Luca ist wortkarg und verschlossen, ja unnahbar, dabei tritt er dominant, beherrschend auf, und er ist unerschütterlich, wenn es gilt, seine Ziele zu verfolgen. Er will unbedingt wissen, was es mit den Morden an Professor Cresca und seiner Frau auf sich hat, und er will herausfinden, welche Rolle sein neuer Arbeitgeber in diesem undurchsichtigem Fall spielt. Er ahnt bereits, dass es bei all diesen kriminellen Vorgängen um schmutzige Geschäfte auf politischer Ebene geht. Dabei misstraut in diesen Kreisen jeder jedem, und am Ende bleiben fast alle auf der Strecke, denn es stellt sich schließlich heraus, dass mehrere Beteiligte auf unterschiedlichen Seiten buchstäblich über Leichen gehen.

Bis De Luca die Zusammenhänge klar sind, gibt es für ihn und Giannino einiges zu ermitteln und aufzudecken, wobei sie nicht immer die richtigen Schlüsse ziehen. Das Miteinander und zuweilen auch Gegeneinander des erfahrenen Polizisten, verbittert, häufig gereizt und grantig auf der einen Seite und des unbekümmerten, enthusiastischen, lebenslustigen jungen Agenten auf der anderen hat Charme und trägt nicht unerheblich zum hohen Unterhaltungswert der Story bei, die allein schon aufgrund des örtlichen und mehr noch zeitlichen Hintergrunds Interesse weckt. Der zweite Weltkrieg liegt nicht lange zurück und der kalte Krieg hat begonnen. Lucarelli hatte einen famosen Einfall, um uns das Lebensgefühl und die besonderen Umstände dieser spannenden Epoche nahe zu bringen. Mehrmals untermalt er seine Geschichte mit Inhaltsangaben verschiedener Magazine und Illustrierten, die ein sehr interessantes Schlaglicht auf die Zeit werfen und auf das, was die Öffentlichkeit damals interessierte und bewegte.

Bologna ist zu jener Zeit trotz der Kriegsschäden offenbar eine sehr schöne Stadt, die Lucarelli auch entsprechend in Szene setzt. Das Straßenbild wird bestimmt durch die schönen alten Automobile der Nachkriegszeit, fast ausschließlich italienische Modelle, an denen Lucarelli offenbar Gefallen findet, häufig und oft ausführlich beschreibt er die Fahrzeuge. So tragen die Lancias und Fiats und Alfa Romeos, die Topolinos und Giuliettas dazu bei, die Stimmung jener Jahre einzufangen, wie auch die leiblichen Genüsse, denen vor allem Giannino sich mit Vorliebe widmet, einschließlich ungezählter Caffè und Cappuccini. Hinzu kommen musikalische Belege für die frühen fünfziger Jahren, viele Zitate der zeitgenössischen italienischen leichten Muse rund um die Stars des wichtigen Sanremo-Festivals vermitteln dem Leser das besondere Gefühl jener Zeit, die ja auch eine Epoche des Aufbaus und des Aufbruchs ist.

Mehr noch als von der stimmigen Atmosphäre, der realistischen Wiedergabe jener oft auch düsteren Jahre, dem zwielichtigen Milieu der unterschiedlichen Geheimdienste und ihrer Agenten, die bei ihrem schmutzigen Geschäft gezeigt werden, lebt der Roman von seinen starken und sehr lebendigen Figuren, die Lucarelli äußerst präzise und plakativ ausgeführt hat und die beim Leser unwillkürlich Emotionen hervorrufen. Und natürlich von der Spannung, die durchgängig von Beginn an bis zum letzten Kapitel anhält. Nur selten wird der geradlinig vorangetriebene, gut strukturierte Plot unterbrochen von Einlassungen zum Innenleben De Lucas, etwa dann wenn ihm Zweifel an seinem Tun kommen oder wenn er unsicher ist, was seine Gefühle für Claudia betrifft. Wie es sich für einen Roman gehört, der in Bella Italia spielt, gibt es aber auch heitere Momente, optimistische, lebensbejahende Augenblicke, die Leichtigkeit vermitteln und Zuversicht verbreiten. Auch das kann Lucarelli hervorragend. An dieser Stelle ein großes Lob der Übersetzerin Karin Fleischanderl, die den wunderbar ungezwungenen und doch packenden, modernen Stil des Autors perfekt trifft und den mal unbeschwerten, mal lakonischen Ton des Originals kongenial wiedergibt.
Mit der Reihe um Kommissar De Luca ist ihm ein großer Wurf gelungen, die Krimis aus Bologna gehören zweifellos zum Besten, was das Genre zur Zeit nicht nur in Italien bietet.

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Italienische Intrige | Erschienen am 21. August 2018 im Folio Verlag
ISBN 978-3-85256-753-2
224 Seiten | 18.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Luis Sellano | Portugiesische Tränen

Luis Sellano | Portugiesische Tränen

Portugiesische Tränen von Luis Sellano, ein Lissabon-Krimi mit viel Action

Der Roman spielt nicht nur und ausschließlich in Lissabon, er handelt auch hauptsächlich von Lissabon, die Stadt am Tejo ist Hauptdarsteller und stets präsent. Auf Schritt und Tritt begleiten wir Henrik Falkner auf seinen Wegen durch die unterschiedlichsten Stadtteile, vorbei an mancher Sehenswürdigkeit und hinein in außergewöhnliche Gebäude. Sellano (das Pseudonym eines deutschen Autors) hat es sich ganz offensichtlich zur Aufgabe gemacht, dem Leser die Schönheiten und Besonderheiten Lissabons näher zu bringen. Und dieser Städtetrip der besonderen Art macht auch wirklich Spaß, selbst wenn die Stationen der Rundgänge etwas übertrieben genau verortet werden. Ich muss nicht unbedingt jede Straße und Gasse, jede Kreuzung und jeden noch so kleinen Platz mit Namen kennenlernen. Das besondere Flair, die Stimmung der Frühlingsabende, die einzigartige Atmosphäre in den historischen Vierteln der Stadt mit ihren alten, kleinen und dunklen Häusern, den engen, steilen und verwinkelten Gassen. Die Alfama, Mouraria und Graça, sozusagen die Altstadt, geben die Kulisse ab für die aufregenden Abenteuer des ehemaligen Polizisten Henrik Falkner.

Sellano liefert einen soliden Krimi ab, gut strukturiert, mit einem schlüssigen Plot, der folgerichtig voranschreitet, mit ordentlichem Tempo, das fast über den gesamten Roman beibehalten wird und sich zum Ende hin wie es sich gehört noch einmal ordentlich steigert, mit jeder Menge Action und durchweg beträchtlichem Nervenkitzel, dazwischen der richtigen Dosis Entspannung und auch unerwartet heiteren oder humorvollen Abschnitten. Dabei schreibt Sellano sehr gefällig, mühelos und mit Genuss kann man seinen schönen Milieustudien der Stadt und ihrer Einwohner folgen, wobei wir seltsamerweise kaum einen Portugiesen kennenlernen, aber das ist vermutlich dem Thema dieses Romans geschuldet.

Es geht nämlich um die Jagd nach einem gestohlenen Koi, nicht irgendeinem Koi, sondern einem Purachinagoi, einem platinfarbenen Koi, der ein vollendetes Ebenbild des Gottfisches darstellt. Einer japanischen Legende zufolge verleiht er seinem Besitzer nicht nur besonderen Mut, sondern letztlich Unsterblichkeit, im übertragenen Sinn. So jedenfalls erklärt es Hitomi Tadokoro, die für eine Versicherungsgesellschaft hinter dem verschwundenen Karpfen herjagt. Henrik hat für derlei Aberglauben nur ein Achselzucken übrig. Er erkennt, dass es vielmehr um Macht und Kontrolle geht, basierend auf Reichtum und Besitz.

Auf die Spur der geheimnisvollen Japanerin hatte ihn eine Telefonnummer geführt, gefunden auf einem schmalen Stück Papier, das eine Flasche mit kostbarem Hibiki versiegelte, einem japanischen Whisky. Die war versteckt in einer verstaubten Kiste in seinem Antiquariat, das ihm sein Onkel Martin vererbt hat, zusammen mit einer Unmenge geheimnisvoller Hinweise auf ungeklärte Verbrechen, die er dokumentiert hat, seit sein Lebensgefährte ums Leben kam, getötet von einem Unbekannten. Martin Falkner hatte eine steile Karriere bei der Staatsanwaltschaft vor sich, zog es aber vor, seiner Liebe João de Castro, einem Künstler, nach Lissabon zu folgen. In Diensten der Bundesregierung im konservativen deutschen Justizapparat hätte er sich wohl kaum zu seiner Homosexualität bekennen können. Bei seiner Suche nach dem Mörder seines Lebenspartners stößt er auf weitere Verbrechen, an deren Aufklärung die Behörden wohl kein Interesse hatten, offenbar auf Druck korrupter Politiker, wichtiger Wirtschaftsbosse und einflussreicher Industrieller, denen seine Recherchen sicher ein Dorn im Auge waren. Als er schließlich einem Herzinfarkt erliegt, bezweifeln einige Freunde und Bekannte die Todesursache, auch Henrik glaubt nicht an diese Version.

Er will die Wahrheit herausfinden, und er geht den versteckten Zeichen seines Onkels auf ungesühnte Gewalttaten nach und führt so dessen Suche nach Gerechtigkeit fort. Damit bringt er sich ebenso in Gefahr, und immer wieder auch Personen in seinem Umfeld. Catia, seine einzige Angestellte, ist vor ein paar Monaten entführt worden. Schließlich kam eine Karte von ihr, auf der sie kurz mitteilte, sie sei bald wieder freigelassen worden und lebe nun bei einer Freundin auf São Miguel und solange Henriks Feinde auch sie im Visier hätten, wünsche sie keinerlei Kontakt. Henrik glaubt die Geschichte nicht recht, ebenso wenig wie sein Freund Renato Fernandez, ein Travestiekünstler und einer aus dem buntgemischten Völkchen seiner meist säumigen Mieter. Er hat schon Henriks Onkel im Antiquariat geholfen und bringt sich mehrfach durch unbedachte und leichtsinnige Aktionen in größte Gefahr und zieht sich gleichzeitig den Ärger von Inspetora Helena Gomes von der Divisão de Investigação Criminal der Lissabonner Polizei zu. Die beiden sind ineinander verliebt und mittlerweile heimlich ein Paar, aber mit seinen gegenwärtigen Aktivitäten auf eigene Faust bringt er seine Freundin gegen sich auf, zumal er für sich behält, was er bei seinen Recherchen herausfindet.

Henrik hat seinen Onkel nie kennengelernt. Die mysteriösen Umstände der beiden Todesfälle, das Verschwinden von Catia und nun der gestohlene, äußerst wertvolle Fisch. Henrik hat eine Menge Arbeit vor sich, da bleibt keine Zeit für das Antiquariat. Die aktuelle Jagd nach dem Koi führt ihn schließlich zu Professor Makoto Udagawa, einem hochrangigen Diplomaten der japanischen Botschaft, dessen Tochter vor einem Jahr verschwunden ist. Er ist es, der zur gleichen Zeit den sagenumwobenen Fisch stehlen ließ, offenbar mit Hilfe von Martin Falkner. Nun ist ihm das Tier seinerseits geraubt worden, und Henrik soll sowohl den Koi als auch das Mädchen finden. Bei seinen Nachforschungen ahnt Henrik, auf was er sich da eingelassen hat. Hitomi Tadokoro ist nicht die erste, die wegen des Wunderfisches gestorben ist, und sie wird nicht die letzte bleiben. Das hindert Henrik nicht daran, sich mit gefährlichen und mächtigen Gegnern anzulegen, selbst als er auf offener Straße von einem alten Gegenspieler bedroht und von einem anderen zusammengeschlagen wird. Unverdrossen rappelt er sich nach allen Rückschlägen und auch nachdem er mehrfach knapp mit dem Leben davongekommen ist wieder auf, büxt sogar schwer verletzt aus dem Krankenhaus aus, um seine Mission zu erfüllen. Immer wieder wagt er sich auf höchst gefährliches Terrain, und Sellano hat sich wahrlich beeindruckende Schauplätze und imposante Kulissen ausgedacht für die turbulenten Aktionen und heiklen Situationen, die sein Held überstehen muss. Das mitzuerleben macht richtig Spaß, denn Sellano schafft es hervorragend, den Akteuren die ganz große Bühne für ihre Auftritte zu bereiten, in vielen Momenten ist die Spannung greifbar, eine knisternde Atmosphäre begleitet die Szenen, in denen es für Henrik um Leben oder Tod geht. Aber auch in den eher ruhigen, gemächlichen Passagen gelingen schöne Dialoge und stimmungsvolle Milieustudien.

Zum einigermaßen glücklichen Ende ist zumindest das Rätsel um den verschwundenen Koi gelöst, andere Fragen bleiben weiter offen, und auch hinter der Beziehung von Henrik und Helena steht ein Fragezeichen. Dass Sellano diese Handlungsfäden im folgenden Roman weiterspinnen will, ist offensichtlich und legitim. Dass er aber nach dem Schlusspunkt noch zwei ganze Kapitel weiterschreibt, deren Inhalt bereits zu diesem nächsten Buch der Reihe gehört, nervt den Leser mit allzu dreisten Cliffhangern. Bedauerlicherweise finden sich im Text außerdem einige auffällige und ärgerliche Fehler. Dass der bekennende Lissabon- und Portugal-Liebhaber Sellano mit der portugiesischen Sprache (noch?) auf Kriegsfuß steht, sei verziehen, aber dass er die Saudade ständig „der Saudade“ nennt, das tut weh! Und warum der Koreanische Arbeiter in einer Fischfabrik einen vietnamesischen Namen hat, bleibt auch sein Geheimnis. Aber einige schludrige Formulierungen hätte Sellano durchaus vermeiden können. „Anziehsachen“ ist ein Ausdruck, den heute leider viele Menschen, und nach meiner Wahrnehmung alle Jugendlichen verwenden, ein Schriftsteller sollte noch die schönen Worte „Kleidung“ oder „Kleider“ kennen. Ein einigermaßen sorgfältiger Lektor hätte auch etliche Grammatikfehler, Patzer in der Wortwahl und auch mehrere Druckfehler entdeckt.

Wenn ich diese vermeidbaren Ausrutscher nicht zu hoch bewerte, verdient Portugiesische Tränen in der Wertung 4.0 von 5.0.

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Portugiesische Tränen | Erschienen am 10. April 2018 bei Heyne
ISBN 978-3-453-41946-9
352 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Christiane Dieckerhoff | Spreewaldrache Bd. 3

Christiane Dieckerhoff | Spreewaldrache Bd. 3

Die Polizeibeamten des Lübbener Reviers finden sich bei einer teambildenden Maßnahme wieder. Ihr Chef hat sie zum Wursten in eine kleine Metzgerei geschickt, die von den Geschwistern Schenker am Rand des Hochwalds direkt am Ufer der Spree geführt wird. Seit PH, sein Vorname ist das bestgehütete Geheimnis des Reviers, einen Lehrgang über Mitarbeiterführung besucht hat, gehören solche Aktionen zu seinem Leitungskonzept, was bei den Untergebenen auf wenig Gegenliebe stößt. Zum Glück muss die aktuelle Unternehmung bald abgebrochen werden, denn ein junger Mann ist niedergeschlagen worden, ausgerechnet Daniel, der Sohn von Jana Schenker. Also nehmen Klaudia Wagner und Frank Demel die Ermittlungen auf.

Daniel ist Spross einer Familie, die früher ebenso wie viele Alteingesessene aus Kahnbauern und -führern bestand, ein Geschäft, aus dem sie nach und nach durch unsaubere Machenschaften der Klingebiels gedrängt wurden. Auch mit kriminellen Methoden? Mario Schenker spricht von Mord, offiziell war der Zwischenfall im Jahr 1993 allerdings ein Unfall, bei dem Daniels Zwillingsbruder ums Leben kam, er verbrannte, als ein Kahnschuppen der Klingebiels abgefackelt wurde. Seitdem herrscht Krieg zwischen den beiden Familien.

Die Beerdigung des alten Klingebiel ist es, die nun die aktuellen Verwicklungen in Gang setzt, weil plötzlich lange verschwundene Familienmitglieder auftauchen und alte Wunden aufbrechen. Warum aber Daniel angegriffen wurde, von wem, warum, niemand weiß es. Auch das Opfer selbst hat keine Ahnung, wer ihn da hinterrücks niederschlug, während er durch das Fenster der Datsche spähte, in der sich sein Vater eingenistet hat. Der heißt Frank Klingebiel und bei der Beerdigung hat er ihn zum ersten Mal gesehen, denn seit 1993 war er abgetaucht, nachdem er ausgerechnet die damals fünfzehn Jahre alte Jana Schenker geschwängert hatte. Nun überrascht ihn Daniel bei einem Rendezvous, aber er kann die Frau nicht erkennen, die da mit ihm zusammen ist.

Daniel gerät überflüssigerweise in den Fokus, er, der eigentlich mit seiner Gehirnerschütterung im Bett liegen sollte, ist ständig präsent und stolpert durch die Geschichte, obwohl er nichts zur Klärung der verwirrenden Umstände beitragen kann. Seine Hauptrolle verdankt er lediglich der Tatsache, dass er den übrigen Figuren als Dialogpartner dient. Bald darauf wird in einer Datsche neben dem ersten Tatort ein Toter entdeckt, erschlagen mit einem Holzscheit. Es handelt sich um einen Obdachlosen, der seit einiger Zeit in der Gegend gesehen wurde. PH fasst die Tatsachen zusammen: „Daniel Schenker ist der Sohn von Frank Klingebiel, welcher der Sohn von Fritz Werheid ist, der wahrscheinlich mit dem gleichen Stück Holz erschlagen worden ist, mit dem auch sein Enkel eins über den Schädel bekommen hat“.

Ja, die Handlung ist sehr unübersichtlich, das verwickelte Personengeflecht zwischen den beiden verfeindeten Sippen klärt sich nur sehr langsam und die wahren Beziehungen und Verwandtschaftsverhältnisse werden nur zögerlich offengelegt, so dass die Lektüre große Aufmerksamkeit erfordert (selbst die Autorin kommt an einer Stelle mit den Namen durcheinander) und ebenso viel Geduld, um dem zähen Plot mit seinen Schleifen und Kehren zu folgen. „Sie wiederholte ihre Gedanken wie ein Mantra“ heißt es an einer Stelle und an anderen „und täglich grüßt das Murmeltier“, und genau dieses Gefühl hat leider der Leser dieser Soap-Opera.

Dabei hat Dieckerhoff eigentlich ein sehr angenehmen, flüssigen, lockeren Schreibstil, gut zu lesen, wenn da nicht ein paar störende Marotten wären. So etwa muss sich der Leser sowohl mit ständigen Handlungssprüngen anfreunden, 78! Kapitel auf knapp 300 Seiten lassen erahnen, wie hektisch hier völlig unnötig die Perspektive gewechselt wird, als auch ermüdende, zum Teil fast wörtliche Wiederholungen ganzer Absätze ertragen und, zu allem Überfluss, sogar Zusammenfassungen zur Erinnerung an das, was bisher geschah. All das lässt nicht wirklich Kontinuität zu.

Mehrere Rückblenden in das Jahr 1993 schildern auch nur das, was wir sowieso schon wissen, und dass Klaudia die alten Akten aus dem Archiv zieht, bringt ebenso keine neuen Erkenntnisse: Es gab ein Feuer, in dem Marco Schenker umkam, und es gab eine Anzeige gegen Frank Klingebiel wegen seines Verhältnisses mit einer Minderjährigen, die aber bald zurückgezogen wurde.

Klaudia erhofft sich Einblicke in das innere Gefüge der Dorfgemeinschaft und die besonderen Verflechtungen und Verwicklungen von Schiebschick, dem alten Fährmann. Er kennt den Ort und seine Menschen wie kein Zweiter, er kennt auch die Geschichte und die Geschichten, weiß von alten Gerüchten und neuen Verdächtigungen, aber er will so recht nicht heraus mit der Sprache. Einige alte Spreewaldbewohner sprechen noch Sorbisch, so auch Schiebschick. Leider kennt er nur ein einziges Wort, er nennt Klaudia penetrant „holca“, was auf Obersorbisch einfach „Mädchen“ bedeutet und Klaudia gar nicht gefällt. Ansonsten beschränkt sich seine individuelle Ausdrucksweise auf die Floskel „wa“, die er an jede zweite Aussage anhängt.

Spreewald-Atmosphäre entsteht lediglich, wenn Klaudia sich mal einen Gurken-Lutki gönnt oder ab und zu ein Babbenbier getrunken wird. Das ist natürlich ein Bisschen wenig Lokalkolorit, die zauberhafte Landschaft (Das Coverfoto gehört mit zum Besten dieses Buchs) wird auch nicht angemessen gewürdigt, Dieckerhoffs Spreewald ist herbstlich, und das heißt bei ihr immer nebelig. Nebelfetzen, die im Wind zerreißen, sind ihre liebste Naturschilderung, man sieht den Wald vor lauter Nebel nicht, leider. Landschaftsmalerei oder Milieustudien, die prächtige Kulisse in Szene zu setzen ist nicht die Sache der Autorin. Und Personenbeschreibung? Über das Äußere der Figuren gibt es nur sehr spärliche oder gar keine Aussagen, so dass sich der Leser sein vollkommen eigenes Bild machen muss. Zu einer der interessantesten und sympathischsten Gestalten des Romans etwa, dem ollen Fährmann, heißt es lediglich, dass er „wässrige Altmänneraugen“ habe, „wasserblaue Altmänneraugen“, einen „tränenden Altmännerblick“ und, wie gesagt, „wässrige Altmänneraugen“. Dieses Bild hält die Autorin für so gelungen, dass sie uns damit ständig auf die Nerven geht.

Und mit einigen anderen haarsträubenden Sprachbildern wie „Das Schweigen breitete seine Schwingen zwischen ihnen aus“, „Die Lüge floss wie ein öliger Film über den Tisch“, „Die Frage platzte wie eine Seifenblase von ihren Lippen“, „Die Erkenntnis fiel ihr wie Schuppen aus den Haaren“, „Er musterte sie wie eine schiefe Fuge“, und so weiter, und so weiter. Schiefe Vergleiche, „platt wie ein Schnitzel“ sagt selbst Dieckerhoff. Höhepunkt: „Der oder die Träger slash in“, der größte Blödsinn, den ich je gehört oder gelesen habe im Bemühen um geschlechtergerechte Ausdrucksweise, und es gibt eine Menge unsinniger, verkrampfter Versuche Genderneutralität zu wahren. Klaudia benutzt diese Formulierung bei einer der regelmäßigen Lagebesprechungen auf dem Revier, bei denen es allerdings ebenso regelmäßig nicht viel zu besprechen gibt, es gibt Erkenntnisse und keine Ergebnisse, die Lage ist bis zur plötzlichen, eher zufälligen Aufklärung reichlich unübersichtlich.

Mehr Wert legt Dieckerhoff auf die Offenlegung des Innenlebens ihrer Figuren, das gelingt viel besser, so dass der Leser einen guten Eindruck vom Charakter der handelnden Personen bekommt. Gefühle werden nach Außen gekehrt, Emotionen wie Verzweiflung, Verbitterung, Liebe, aber auch Feindseligkeit oder gar Hass. Das gegenseitige Misstrauen ist groß, aber ein klares Motiv für die beiden Taten können die Ermittler nicht ausmachen. Klaudia und Demel sind ratlos, drehen sich bei ihren Ermittlungen im Kreis und betreiben blinden Aktionismus statt gesicherten Spuren nachzugehen, besuchen diesen, befragen jenen, reden mit jedem einzelnen und anschließend noch einmal aufs Neue mit allen Beteiligten ohne von irgend jemand irgend etwas zu erfahren. Alle ahnen etwas und alle verschweigen die Wahrheit oder haben Angst vor ihr und so entwickelt sich die Geschichte nicht, sie tritt über viele Kapitel auf der Stelle.

Dazu gibt es immer wieder Kunstpausen, die den Handlungsfaden abschneiden, der erst nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder aufgenommen wird, was dem Lesefluss nicht dienlich ist und die Spannung eben nicht steigert. Dieckerhoff unterbricht sogar häufig den Dialog, um ihn nach längeren Einschüben wieder aufzunehmen, auch diese Angewohnheit ist eher anstrengend.

Wer wie ich mit Spreewaldrache, dem dritten Band, in die Serie einsteigt, wird ziemlich spärlich versorgt mit Informationen über persönliche Hintergründe und Entwicklungen der wichtigsten Beteiligten. Wenn schon Andeutungen über Geschehnisse aus der Vergangenheit der Serienfiguren, dann nicht einfach im Raum stehen lassen sondern besser weglassen oder noch besser die Vorgeschichte kurz erläutern und nicht als Rätsel präsentieren. Der Leser muss in diesem Buch ohnedies viel mitdenken oder sich das eine oder andere denken, das nicht gesagt oder geschrieben wird, jedenfalls nicht da, wo es nötig wäre für ein besseres Verständnis des Plots und einen einigermaßen komfortablen Lesefluss. Auch Nebenhandlungen mit aktuellen persönlichen Problemen und familiären Tragödien der Hauptfiguren werden lediglich angesprochen und nicht weitererzählt. Kollege Thang Rudnik fällt in dieser Folge aus, er gibt sich die Schuld am Selbstmordversuch seiner Frau, Klaudias Vater liegt nach einem Schlaganfall auf der Stroke Unit und nach einem Zerwürfnis mit ihrem Kollegen und Vermieter Uwe wird sie wohl nicht mehr mit ihm und seiner Tochter unter einem Dach wohnen.

Das Ende ist unbefriedigend, das Ergebnis offen, es zeigen sich bedauerlicherweise auch logische Schwächen. „Kann sein“ heißt es da oder „möglich“, und tatsächlich, nach allem, was man nun weiß, sind mehrere Szenarien denkbar, auch wenn der Leser schließlich eine Ahnung hat, wie es tatsächlich gewesen ist.

Richtig ärgerlich ist aber zum schlechten Schluss ein Epilog, der völlig überflüssig ist und gar nichts zur Geschichte beiträgt, purer Effekt um neugierig zu machen auf den folgenden Roman um Klaudia, Thang und Demel.
Ich bin darauf überhaupt nicht gespannt!

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Spreewaldrache | Erschienen am 6. April 2018 bei Ullstein
ISBN 978-3-548-28951-9
304 Seiten | 10.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Viktor Glass | Schüssler und die verschwundenen Mädchen

Viktor Glass | Schüssler und die verschwundenen Mädchen

Ein zeitgeschichtlicher Kriminalroman

In seinem ersten Kriminalroman präsentiert uns Viktor Glass ein außergewöhnliches Ermittlerteam: Der Privat- oder „Geheim“-Polizist Ludwig Schüssler und das Dienstmädchen Caroline Geiger geraten aneinander und versuchen in der Folge gemeinsam, das Rätsel um mehrere verschwundene Frauen zu lösen.

Im Jahr 1890 hat die Industrialisierung einen Höhepunkt erreicht, in Augsburg, einem Zentrum der Textilindustrie, rüsten immer mehr Fabriken auf Kardier- und Spinnmaschinen um, setzen automatische Webstühle, Bleich- und Färbemaschinen ein um teure Handarbeit zu ersetzen. Ganze Berufszweige sterben aus, und bei den begüterten Schichten halten ebenfalls die ersten modernen Geräte und Maschinen Einzug: Staubsauger, automatische Waschkessel und anderes machen Haushaltshilfen überflüssig. Für die entlassenen Dienstmädchen bedeutet das Not, Armut und Verzweiflung und viele treibt es in den Selbstmord.

Eines dieser bedauernswerten Geschöpfe lernen wir im Prolog des Buches kennen, als das Mädchen sich in die Hochwasser führende Wertach stürzen will. Aber ein Kunstmaler entdeckt die junge Frau, er überredet sie, sich gegen Bezahlung von ihm porträtieren zu lassen und rettet so ihr Leben. Wirklich?

Schon das erste der 26 Kapitel von angenehmer Länge bereitet den Leser vor auf die Atmosphäre des Romans, der das Leben in der Stadt an Lech und Wertach, an der Grenze von Altbayern und Schwaben in einer Zeit des Wandels nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges schildert.

Wir lernen Ludwig Schüssler kennen, der seinem täglichen Ritual frönt, dem abendlichen Besuch im „Lahmen Hasen“, wo er sein Bier trinkt, die Tageszeitung studiert und sich eine Virginia gönnt. An diesem Abend wird Schüssler von einem Cheveauxleger angesprochen (ja, im Laufe der Geschichte lernen wir noch einige Begriffe kennen, die längst nicht mehr in Gebrauch sind), einem Angehörigen des königlichen Kavallerieregiments, Augustin Hipp. Er vermisst seine Verlobte Luise Habenicht, ein Hausmädchen, das verschwunden ist und sich seit Tagen nicht gemeldet hat.

Widerstrebend willigt Schüssler ein, sich einmal umzuhören, soweit seine alltäglichen Aufträge ihm die Zeit lassen. Diese Aufträge bekommt er von den Prinzipalen der Kaufläden und Warenhäuser in denen Diebstähle begangen werden, dort arbeitet er als Ladendetektiv. Sein aktueller Fall führt ihn ins Textilhaus Ganghofer, wo er eine verdächtige Frau in der üblichen Dienstbotenkleidung beobachtet. Die bemerkt ihn allerdings und weist den überrumpelten Schüssler in einem Ton zurecht, der ihr als Dienstmädchen nicht zusteht. Wir befinden uns schließlich in einer Zeit, in der Standesdünkel üblich ist und Frauenfeindlichkeit alltäglich, wie einige erschreckende Beispiele noch zeigen werden. Schüssler imponiert die resolute und unerschrocken Frau, mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, die wahren Diebe zu überführen. Die beiden verabreden, künftig bei passender Gelegenheit erneut zusammenzuarbeiten.

Caroline Geiger, so heißt die Frau, ist relativ unabhängig, verantwortlich nur für fünf alte Damen, die sich ihrer Obhut anvertraut haben. Ehemalige Lehrerinnen allesamt, die für ihren Orden als Teil des Schuldienstes bis nach China und Afrika missioniert haben. Ihren Lebensabend verbringen sie nun in einem eigens für sie geschaffenen Stift, eine große ehemalige Bürgerwohnung. Caroline führt ihnen als Angestellte des Ordens den Haushalt und bewohnt auch eines der sieben Zimmer. Wenn es die Umstände erlauben, arbeitet sie auch außer Haus und auf eigene Rechnung, zum Beispiel wenn große Wäsche ansteht oder ein Hausmädchen erkrankt ist. Sie ist selbstbewusst und selbstbestimmt, ihr Erspartes gibt ihr Sicherheit, sie hätte im Fall des Falles keinen Mann nötig wie so viele Frauen, die ihre Arbeit in den bürgerlichen Haushalten verloren haben oder in den Fabriken, die jetzt massenhaft entlassen. Die Augsburg-Münchener Abendzeitung ist voll mit Inseraten von Frauen, die eine Anstellung suchen oder einen Mann, gerne auch einen älteren. Eltern versuchen, ihre Töchter zu verheiraten oder doch wenigstens zu verloben, sobald sie zwölf , dreizehn Jahre geworden sind.

Caroline liebt ihre Unabhängigkeit, ebenso wie Schüssler, der zwar eine dreijährige Ausbildung in der Polizei- und Gendarmerieschule Fürstenfeldbruck absolviert hat, sich dann aber selbstständig machte, mit einigem Erfolg. Die Polizei verfolgt seine Aktivitäten mit Argwohn, aber in der Bevölkerung hat er sich bereits einen guten Ruf erarbeitet, vor allem, seit er ein kleines Mädchen aufspürte, das ihrem Hausmädchen Anna Valentin auf einem Markt ausriss und als vermisst galt. Schüssler fand die Kleine, die sich in einem Keller versteckt hatte. Anna aber wurde entlassen und ist seither verschwunden, das Schicksal der Luise Habenicht offenbar kein Einzelfall. Schüssler will gemeinsam mit Caroline herausfinden, was den Mädchen widerfahren ist, die zufällig aus dem gleichen kleinen Dorf stammen: sind sie auf der Suche nach Arbeit abgewandert, vielleicht zurückgekehrt in ihr Elternhaus, oder sind sie wie so viele ins Wasser gegangen?

Schüssler wird Zeuge, wie sich eine verzweifelte Hausangestellte vor ein Pferdefuhrwerk stürzt, ein Passant hatte vergeblich versucht, das Mädchen zurückzuhalten. Es ist der Stadtbekannte Maler Eginald „Egi“ Berwanger, der hier gerade eine Ausstellung hat: Dort zeigt er „antike Göttinnen“, die, wie Caroline bei näherer Betrachtung feststellt, allesamt junge Mädchen aus Augsburg zum Vorbild haben, vom Künstler unschicklicherweise nackt abgebildet. Diese Modelle können sich fortan in der Stadt nicht mehr sehen lassen, was hat sie dazu bewogen, sich Berwanger so zu präsentieren? Der Maler räumt ein, die jungen Frauen gezielt auf der Straße anzusprechen und mit der Aussicht auf ein großzügiges Honorar in sein Atelier zu locken. Caroline glaubt, dass er sie dort auf irgend eine Art gefügig macht und wahrscheinlich nicht nur porträtiert. Und sie erfährt, nachdem sie sich angeblich als Modell zur Verfügung stellen will, dass Berwanger die Mädchen fotografiert, um dann nach dieser Vorlage seine Kunstwerke zu erschaffen. Was geschieht danach mit ihnen, und was macht der Künstler mit den Fotografien?

In den Brauhäusern der Stadt treibt sich ein Kartenverkäufer um, Hugo Halblaib, ein kleiner Betrüger und gerissener Geschäftemacher, der Touristen Ansichtskarten mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt aufschwatzt, aber nicht nur: Unter der Hand offeriert er seine „speziellen“ Karten, Aktbilder, die vor allem bei Herren aus England reißend Absatz finden. Ja, zu jener Zeit tauchen die ersten Reisegruppen von der Insel auf, organisiertes Sightseeing durch den umtriebigen Pfarrer Thomas Cook. Diese merkwürdigen Touristen beschreibt Glass auf höchst amüsante Art, wie überhaupt seine Art, für unsere heutigen Begriffe eher ungewöhnliche Figuren zu zeichnen, manchmal ausführlich, mitunter eher knapp, aber immer sehr prägnant und präzise, wie etwa den „Mist-Opa“, der auf seinem Bollerwagen Pferdeäpfel von der Straße sammelt und als Dünger verkauft, oder den „Hackepeter“, einen üblen Kerl, der ab und zu in Augsburg auftaucht.

Solche Milieustudien sind ein Vergnügen und ein Gewinn für den Roman. Der ist trotz mancher dem Thema geschuldeten antiquierten Vokabel oder Redewendung modern geschrieben ist, mit Tempo und Witz, und er hat eine absolut spannende Krimihandlung. Erfreulicherweise stellt Glass diesen Plot in den Mittelpunkt seiner Erzählung und überfrachtet sie nicht mit zu vielen historischen Fakten, dennoch gelingt es ihm jederzeit, die besondere Atmosphäre der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende aufleben und erleben zu lassen. Exemplarisch seien hier die packende Schilderung des Arbeitsalltags in einer Dampfwäscherei genannt oder die aufschlussreichen Bemerkungen zu damals herrschenden Zuständen in den Irrenhäusern.

Die beiden Hauptdarsteller sind ein wenig aus dieser Zeit gefallen, man könnte sie sich gut in unserem Umfeld vorstellen, wie sie Jagd auf die Hintermänner illegaler Bordelle macht, in denen junge Frauen aus Osteuropa, mit falschen Versprechungen angelockt und in die Zwangsprostitution getrieben, ihren Peinigern schutz- und wehrlos ausgeliefert sind. Haben die verschwundenen Mädchen in Augsburg ein ähnliches Schicksal erlitten? Ludwig und Caroline machen sich auf den Weg nach Anhausen, um die Spur der Dienstmädchen Luise und Anna zu verfolgen.

Das Kapitel legt eindrücklich Zeugnis davon ab, wie beschwerlich damals selbst eine relativ kurze Reise war und schildert in nachempfindbaren Bildern das elende Leben der verarmten Landbevölkerung. Die beiden Ermittler finden Anna, schwer an der „Englischen Krankheit“ leidend im Haus ihrer Mutter und erfahren erschütternde Einzelheiten über die erbarmungswürdige Leidensgeschichte der verschwundenen Dienstmädchen und einen skrupellosen Verbrecherring. Als sie kurz darauf das schreckliche Geheimnis endgültig lüften können, zeigt sich, dass alles noch viel schlimmer ist als sie es sich vorstellen konnten.

Dieser erste Auftritt des interessanten und sympathischen Ermittlerpaars bietet solide Krimikost, spannende, gute Unterhaltung die leicht zu lesen ist, mit einem klug konstruierten Plot um den herum ein aufschlussreiches Stück Zeitgeschichte gestrickt ist, ebenso angenehm zu lesen, dabei gleichermaßen informativ wie unterhaltsam. Davon gerne mehr!

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Schüssler und die verschwundenen Mädchen | Erschienen am im Pendragon Verlag
ISBN 978-3-86532-609-6
296 Seiten | 13.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Henrik Siebold | Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

Henrik Siebold | Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

Siebold wartet in Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder, dem dritten Roman der Reihe um den japanischen Austauschpolizisten, mit einem mitreißenden und höchst vertrackten Fall auf und präsentiert erneut sein ungewöhnliches und spannendes Ermittlerduo Claudia Harms und Kenjiro Takeda. Das Aufeinandertreffen dieser beiden so unterschiedlichen Charaktere ist schon ein gehöriger Kulturclash, mit allen daraus entstehenden manchmal komischen Missverständnissen und Kontroversen. Dabei kommen die zwei grundsätzlich ausgesprochen gut miteinander klar, sie hegen sogar große Sympathie füreinander und bilden für gewöhnlich ein bestens funktionierendes Team, vor allem wenn sie gemeinsamen dem ungeliebten und unsympathischen weil ungerechten Chef Holger Sauer die Stirn bieten. Manche Eigenheiten oder Eigenarten Takedas nerven Claudia, der wiederum bestaunt und bewundert seine Kollegin für die eine oder andere Verhaltensweise. Darüber hinaus besteht aber ein herzliches Verhältnis zwischen den beiden, die mitunter fast den Eindruck eines Liebespaares vermitteln, und tatsächlich hat jeder für sich schon mit dem Gedanken an ein engeres Verhältnis gespielt, beide wollen aber ihre gute Beziehung nicht durch eine Affäre gefährden.

Im Moment allerdings richtet sich ihre gesamte Aufmerksamkeit auf den aktuellen Fall, der eigentlich klar zu sein scheint. Am S-Bahnsteig des Dammtor-Bahnhofs ist eine Frau vor den einfahrenden Zug gestürzt, augenscheinlich gestoßen von einem Schüler, der sich mit seiner Klasse auf Exkursion befindet. Simon Kallweit, 17 Jahre alt, gibt die Tat unumwunden zu, außerdem stehen zahlreiche Zeugen zur Verfügung, seine Mitschüler, andere Reisende, ebenso Bilder der Überwachungskamera und etliche Handyfilme, dieses abscheuliche Verbrechen dürfte demnach wohl bald aufgeklärt sein. Aber so einfach ist es nicht: Noch bevor sie den mutmaßlichen Täter vernehmen können, taucht der schmierige Anwalt Lothar Röhler auf, im Schlepptau Simons Eltern. Der alte Kallweit ist Hamburgs Justizsenator, das bedeutet, Claudia und Ken werden bei der Aufklärung eine Menge Fingerpitzengefühl brauchen. Hartmut Kallweit tut den Verdacht, dass sein Sohn ein kaltblütiger Mörder ist, als Unsinn ab und behauptet, dass man ihm persönlich etwas anhängen will um ihn politisch kaltzustellen und seinen Rücktritt zu erzwingen. Auch die Mutter Astrid Kallweit ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt und bricht zusammen, als ihr klar wird, dass der vorläufig in Untersuchungshaft bleiben muss.

Die wird allerdings nicht lange andauern. Simon widerruft sein Geständnis und die Zeugenbefragungen bringen kein Ergebnis. Es stellt sich heraus, dass niemand wirklich gesehen hat, wie die Frau gestoßen wurde und auch die Videoaufnahmen zeigen den entscheidenden Moment nicht eindeutig. Also kommt der Verdächtige frei und das Ermittlerteam steht am Beginn langwieriger und schwieriger Untersuchungen. Während sie mühsam versuchen, Beweismaterial zusammenzutragen, geschieht ein weiterer Mord an einem scheinbar zufälligen Opfer. In einem Kino wird ein Besucher während der Spätvorstellung mit einer Drahtschlinge erwürgt. Wieder gibt es keine Augenzeugen, aber diesmal finden Claudia und Ken einen Hinweis auf dem Band einer Überwachungskamera des nahen U-Bahnhofs. Simon Kallweit hat sich zum Tatzeitpunkt in der Nähe des Kinos aufgehalten. Ist er also doch ein Mörder, der zwei willkürlich ausgewählte Opfer auf dem Gewissen hat, plant er womöglich weitere Taten? Claudia glaubt nicht an Zufall, sie hält auch nichts von der Theorie einer Intrige gegen den Senator, obwohl inzwischen klar ist, dass er in einen Bauskandal verwickelt ist.

Nicht nur hier ist die Geschichte sehr realistisch und aktuell, sie thematisiert unter anderem eine Affäre um Flüchtlingsunterkünfte, nimmt Bezug auf Wohnungsnot und Mietwucher und spielt an auf Auswüchse wie die Auto-Raserszene oder die zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. Vor allem aber gibt Siebold, der eigentlich Daniel Bielenstein heißt, an dieser Stelle tiefe Einblicke in die hanseatische Politik und ihre Kehrseite, die versteckten Machtstrukturen, die Seilschaften und Netzwerke im Senat und in den Parteien, den Filz und die Intrigen.

Er kennt sich aus, ist Journalist und Wahl-Hamburger seit vielen Jahren, er macht uns auch bekannt mit den vielen Facetten der Stadt, von Alsterdorf bis Poppenbüttel, vom Schanzenviertel zum Ohlsdorfer Friedhof und durch manch anderen Vorort geht die Reise, Siebold lässt keinen Kiez und kein Viertel aus. Aber er setzt nicht nur „sein“ Hamburg mit einer Art Hassliebe in Szene, er ist auch bemüht, den Blick zu öffnen für die japanische Kultur und Lebensart abseits von gängigen Klischees. Mit den Eigenheiten dieser weitgehend fremden Gesellschaft die einen Spagat versucht zwischen Tradition und Fortschritt ist er bestens vertraut, verbrachte einige prägende Jahre seiner Kindheit und Schulzeit in Tokio und beherrscht perfekt Schrift und Sprache des Landes, für das er weiterhin eine große Faszination verspürt und das er regelmäßig besucht. Klar, dass in seinen Krimi an passender Stelle immer wieder einmal japanische Vokabeln und Begriffe einfließen, vor allem, wenn er uns den Menschen Ken, seine Persönlichkeit, sein Wesen näher bringen will. Der Liebhaber teurer Designer-Anzüge ist geschieden, begeht manchmal feierlich die Teezeremonie, beherrscht die Kampfkunst Takeda-ryū und ist häufig schlaflos. Dann geht er hinaus in die Nacht und ans Elbufer, um Jazz zu spielen. Ken ist ein großartiger Saxofonist und tritt manchmal in Hamburger Clubs auf, er hat aber auch Spaß daran, in Karaoke-Bars zu singen. Hin und wieder findet man ihn aber auch in seinem Stammlokal bei einer Flasche Whisky, wenn er das Bedürfnis hat, sich in Stresssituationen oder in Momenten von Heimweh oder Zweifeln zu betrinken.

Und Zweifel tauchen im aktuellen Fall immer häufiger auf, mehr als einmal müssen Claudia und Ken ihre Thesen widerrufen und feststellen, dass sie sich offenbar verrannt haben und ihrer Sache zu sicher waren. So gibt es ein paar Misstöne zwischen den beiden Ermittlern, denn während Ken mehr denn je das Gefühl hat, dass sie bei Simon auf der richtigen Fährte sind, verfolgt Claudia andere mögliche Spuren. Beide versuchen in immer neuen Ansätzen, ihre unterschiedlichen Theorien zu untermauern und erleben dabei, wie sich ein ums andere Mal die Dinge nicht so entwickeln, wie es zu erwarten war. Der Plot wartet mit etlichen überraschenden Kehrtwendungen auf und die Ermittler bleiben mehrmals irritiert und ratlos zurück. Ken versucht in intensiven Gesprächen Simon aus der Reserve zu locken und lernt dabei einen hochintelligenten, aber undurchschaubaren Jungen kennen, von dem man nie weiß, wann er lügt und wann er die Wahrheit sagt. Ganz sicher aber verbirgt er etwas, auch wenn er sich dem Japaner, für den er offensichtlich Sympathien hegt, ein wenig geöffnet hat. Mit einer rätselhaften Bemerkung allerdings weiß Ken zunächst nichts anzufangen: „Ore wa Ghouru da!“, „Ich bin ein Ghoul!“ erklärt ihm der Junge.

Ghoule sind eine Mischung aus Zombie und Vampir, die Menschen töten, um sich von deren Fleisch zu ernähren, sie manchmal aber auch aus purer Mordlust umbringen. Tokyo Ghoul ist ein Manga, dessen Hauptfigur Ken Kaneki ist, ein junger Student, der durch einen Unfall in einen Halb-Ghoul verwandelt wird und fortan mordet. Dabei ist er eigentlich ein nachdenklicher Einzelgänger, der sich für Literatur interessiert und mit dem sich viele Teenager identifizieren können. Manga können dazu führen, dass sich junge Leser völlig von der Außenwelt abwenden und nur noch in der Welt der Zeichengeschichte leben, dabei den Bezug zur Wirklichkeit verlieren. Sollte das auch bei Simon der Fall sein?

Bis dieses Rätsel gelöst wird und der Roman ein überraschendes aber durchaus passendes Ende findet, erfahren wir noch eine Menge mehr über eher unbekannte japanische Zustände wie auch über deutsche Befindlichkeiten. Dieser sehr aktuelle Krimi wirkt nur zu Beginn etwas betulich, erweist sich dann aber als „moderner“ Roman mit viel Tempo, clever erdacht und hervorragend erzählt. Daneben gibt es immer wieder auch eher ruhige, nachdenkliche, fast meditative Sequenzen. Für die sorgt in der Regel der tiefgründige, fast philosophische Ken, aber manchmal scheint es, als ob seine japanische Lebensart auch auf Claudia bereits abfärbt. Das Thema lässt wenig Raum für Scherze, aber wenn es ab und zu witzig wird, ist der Humor absolut treffend. Dabei sorgt vor allem Kens häufig überraschendes, unvorhersehbares Verhalten für ungewollte Komik. Es gibt wenig auszusetzen an diesem Roman, der auch dank der ständigen Kehren und Wenden bis zum Schluss die Spannung hält, daher für diesen Fall des Japanischen Inspektors fünf Sterne.

 

Rezension und Foto Kurt Schäfer.

Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder | Erschienen am 13. April 2018 im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-7466-3385-5
352 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Mini-Spezials Japan.