Kategorie: Andrea Köster

Susanne Kliem | Lügenmeer

Susanne Kliem | Lügenmeer

„… haben“, fuhr Magnus mit erhobener Stimme fort. „Ich räume Stück für Stück mit diesem Haufen Lügen auf, den ihr, du und Mechthild Wagemann, in die Welt gesetzt habt. Am Ende werdet ihr als das dastehen, was ihr seid. Feige Intriganten.“ (Auszug Seite 111)

Vor 19 Jahren ist die Schülerin Milla vom Sprungturm im Hallenbad gefallen und dabei ums Leben gekommen. Neben Milla standen auch noch Svenja und Magnus auf dem Turm. Damals haben alle Magnus verdächtigt, sie gestoßen zu haben. Er wurde dafür angeklagt, aber freigesprochen und verließ daraufhin den Ort, um dieses Geschehen hinter sich zu lassen. Nun kehrt er zurück, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, denn er weiß ganz genau, dass er Milla nicht umgebracht hat, er kann sich nur nicht mehr erinnern, was genau damals auf dem Turm geschehen ist…

Eine Kleinstadt am Meer

Lügenmeer von Susanne Kliem ist der sechste Roman der Autorin. Er spielt an dem fiktiven Ort Schambek, einer Kleinstadt in der Nähe von Kiel, direkt am Meer. Laut Nachwort gibt es diese Stadt wirklich, nur eben unter einem anderen Namen. Den Schauplatz finde ich sehr schön gewählt, er wird als eine beschauliche Ortschaft beschrieben, in der das ehemalige Hallenbad direkt am Strand mit Blick aufs Wasser steht.

Svenja, Magnus & Annik

Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht der drei Protagonisten Svenja, Magnus und Annik geschildert. Ab und zu gibt es Sequenzen aus der Zeit des Unfalls. Magnus ist nun Anwalt, hat sich gerade von seiner Frau getrennt und hat ein Kind. Svenja ist Physiotherapeutin, verheiratet und ihr Sohn macht gerade ein Auslandsjahr in den USA. Annik ist nach einer gescheiterten Ehe ebenfalls wieder nach Schambek zurückgekehrt und übernimmt nun mehr oder weniger die Buchhandlung ihrer Tante. Alle drei sind mir nur so mäßig sympathisch, wobei Svenja sich wirklich merkwürdig verhält und ich kam nicht so wirklich dahinter, was sie damit bezweckt. Magnus und Annik nähern sich etwas an und nach einer gemeinsam verbrachten Nacht empfinde ich ihre Beziehung eher als Teenie-Geplänkel mit klischeehaften Missverständnissen, beleidigt sein und sich nicht melden und nicht als etwas, das fast vierzigjährige, gestandene Leute haben.

Kaum Spannung

Die Handlung ist meiner Meinung nach etwas unrund geraten. Der rote Faden ist die Rückkehr von Magnus, der die Vergangenheit wieder aufrollen möchte und einige Personen, die damals in den Fall verwickelt waren, dazu befragt. An diesen „Faden“ werden die Schicksalsschläge der Protagonisten geheftet, aber irgendwie nicht richtig mit in die Beschreibung der Geschichte eingebunden. Zudem kommen plump hinzugefügte Geheimnisse, die auf einmal und scheinbar aus dem Nichts gelüftet werden, ohne dass die gesamte Handlung schlüssig dahin geführt wird. Die Spannungskurve ist leider auch nicht gelungen, in der Mitte des Buches hatte ich nicht wirklich den Drang, die Auflösung zu erfahren. Und das Ende konnte mich ebenfalls nicht überraschen.

Fazit: Mich hat der Spannungsroman nicht überzeugt, obwohl der Schauplatz genau meins ist und die Geschichte sich flüssig liest.

Susanne Kliem wurde am Niederrhein geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Berlin. Sie ist gelernte Buchhändlerin und arbeitete u.a. als Pressereferentin beim Fernsehen sowie für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, zuletzt erschienen ihre Spannungsromane Trügerische Nähe (2015) und Das Scherbenhaus (2017).

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Lügenmeer | Erschienen am  11. März 2019 im Verlag C. Bertelsmann
ISBN 978-3-570-10353-1
320 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Mattias Edvardsson | Die Lüge

Mattias Edvardsson | Die Lüge

„Ich hatte es nicht geplant. Ich war zur Vernehmung gekommen, um zu erzählen, was ich wusste. Kein einziges Mal hatte ich in Betracht gezogen, auch nur das kleinste bisschen von der Wahrheit abzuweichen.“ (Auszug Seite 66)

Eines Abends bekommen Ulrika und Adam einen Anruf, dass ihre 19-jährige Tochter Stella in Untersuchungshaft sitzt. Ihr wird vorgeworfen Chris Olsen mit mehreren Messerstichen ermordet zu haben. Doch kann das sein? Vorher kannte sie den wesentlich älteren Geschäftsmann und welchen Grund sollte sie gehabt haben?

Eine ganz normale Familie

Die Lüge von Mattias Edvardsson ist in drei Teile gegliedert. Nacheinander werden der Prozess und einige Aspekte des Familienlebens aus Sicht von Adam, Stella und Ulrika geschildert. Es handelt sich hier um eine scheinbar ganz normale Familie: Adam ist Pastor, Ulrika Anwältin und Stella arbeitet nach ihrem Schulabschluss in einem Ferienjob, um sich Geld für eine Asienreise zu verdienen. Ich konnte mich in alle drei Personen gut hineinversetzen und ihre Beweggründe und Gedanken nachvollziehen. Nur Adam ist mir zum Ende hin etwas zu hysterisch geworden, wobei ich das in seiner Situation trotzdem verstehen kann. Besonders interessant zu lesen fand ich den Teil von Stella, speziell ihr Leben in der Untersuchungshaft.

Erwartungen werden nicht erfüllt

Die Geschichte liest sich meiner Meinung nach sehr flüssig und ich bin gut und in kürzester Zeit durch die Seiten gekommen, nichtsdestotrotz wurde ich nicht völlig gefesselt. Wie unter dem Klappentext bereits angekündigt wird, weiß man bis zur letzten Seite nicht, wer der Täter ist. Die Protagonisten reden in dieser Hinsicht keinen Klartext, es wird drum herum geschildert und der Leser kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Das fand ich ziemlich gut, habe dann zum Ende hin aber mit einer grandiosen Wendung gerechnet, die leider ausblieb. Ich habe das Ende gern gelesen, aber im Grunde wird der Prozess lediglich zum Abschluss geführt, die Beweg- und Hintergründe werden aufgedröselt, doch die Überraschung blieb für mich aus. Es war für mich insgesamt eher ein Einblick in das Rechtssystem.

Fazit: Die Lüge ist ein interessanter Roman, aber leider ohne die versprochene Überraschung am Ende. Ich bleibe etwas enttäuscht zurück.

Mattias Edvardsson lebt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Töchtern außerhalb von Lund in Skåne, Schweden. Wenn er keine Bücher schreibt, arbeitet er als Gymnasiallehrer und unterrichtet Schwedisch und Psychologie.

Anmerkung: Der zweite Roman des Autors – Der unschuldige Mörder – wird voraussichtlich am 4. November 2019 bei Limes erscheinen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die Lüge | Erschienen am 25. März 2019 bei Limes
ISBN 978-3-8090-2705-8
544 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Sophie Kendrick | Mein Tod in deinen Augen

Sophie Kendrick | Mein Tod in deinen Augen

„Ich möchte nicht darüber reden, aber ich muss. Ich habe bisher nur Siri die Wahrheit erzählt, niemandem sonst. In einer langen Winternacht in unserem gemeinsamen Kinderzimmer, als wir zwölf oder dreizehn waren. Seither hat sie ein kleines Stück dieser Last mit mir getragen.“ (Auszug Seite 176)

Jenny ist vor einem Jahr erblindet, nachdem sie von einem Vergewaltiger überfallen wurde. Kurz zuvor wurde sie als Kunsttherapeutin von dem Psychologen Gideon kontaktiert, der ihren Rat zu einem gemalten Bild einholen wollte. Diesen Auftrag hatte sie nach der Erblindung abgesagt, doch jetzt hat Gideon drei weitere Bilder gefunden und lädt Jenny zu ihm nach Rügen ein, um sich darüber mit ihr auszutauschen, trotz Blindheit. Auf der Zugfahrt auf die Insel lernt Jenny Marc kennen und fühlt sich von ihm angezogen. Dann passieren merkwürdige Dinge und es scheint, als ob der Vergewaltiger, der damals nicht gefasst werden konnte, ihr nach Rügen gefolgt ist. Aber kann das sein oder erlaubt sich jemand nur einen schlechten Scherz?

Schauplatz auf der Insel Rügen

Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick habe ich hauptsächlich aufgrund des Schauplatzes an der Ostsee gelesen. Hier wurde ich im Grunde nicht enttäuscht, da echte Orte und die typische Landschaft beschrieben wurden, allerdings hätte für meinen Geschmack noch mehr davon thematisiert werden können. Die Geschichte lässt sich schnell und flüssig lesen und ich habe das Buch regelrecht gefressen, obwohl mich die Handlung nicht ganz überzeugt hat. Die Schilderung der Ereignisse und Überlegungen von Jenny wirken auf mich gehetzt, teilweise vorhersehbar und konstruiert.

Blinde Protagonistin

Interessant fand ich, dass Jenny blind ist und mir wurde beim Lesen so richtig bewusst, wie viel man eigentlich im Alltag sieht und wie wichtig das ist. Und wie entsprechend kompliziert das Leben ohne Augenlicht wird. Aufgrund des Überfalls und der Blindheit ist Jenny natürlich sehr vorsichtig und misstrauisch ihrer Umwelt gegenüber. Umso überraschender finde ich, dass sie trotzdem der Einladung von Gideon folgt, den sie ja gar nicht richtig kennt und dem sie dann in seiner Umgebung mehr als ausgeliefert ist und noch mehr, dass sie sich in eine Bekanntschaft aus dem Zug verliebt. Beide Männer verhalten sich in einigen Szenen auch mehr als merkwürdig und ich hätte an Jennys Stelle schon längst das Weite gesucht. Nachdem dann augenscheinlich der Stalker auf Rügen aufgetaucht ist, verdächtigen sich beide Männer gegenseitig und Jenny misstraut dann doch abwechselnd mal dem einen und dann dem anderen. Außerdem werden diverse andere Personen in den Fall verstrickt und der Tod von Jennys Eltern vor über dreißig Jahren hängt plötzlich vielleicht auch mit allem zusammen. Meiner Meinung nach wurde die Geschichte sehr konfus zusammengeschustert.

Ende & Fazit

Ich hatte erst befürchtet, dass das Ende auch schon ab dem letzten Drittel vorhersehbar wird, aber das konnte dann doch überraschen. Zumindest habe ich nicht damit gerechnet. Fazit: Für zwischendurch liest sich der Thriller sehr leicht, aber man sollte keine sehr ausgeklügelte Handlung erwarten.

Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Mein Tod in deinen Augen | Erschienen am 19. Februar 2019 bei Rowohlt
ISBN 978-3-499-29160-9
336 Seiten | 10.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Judith Winter | Finsterwald

Judith Winter | Finsterwald

„Und das stimmte! Trotz aller Strapazen fühlte sich Em mit einem Mal hellwach und so frisch, als sei sie gerade erst aus der Dusche gestiegen. Endlich gab es sie, die heiß ersehnte Spur! Endlich hatten sie etwas, wo sie ansetzen konnten! Endlich…“ (Auszug Seite 444)

In einem abgelegenen Wald wird eine ermordete Prostituierte gefunden. Emilia Capelli und Mai Zhou haben noch gar nicht ganz mit den Ermittlungen dazu begonnen, als es eine zweite Tote gibt: Eine Lehrerin, die in ihrem Bett erstochen wurde. Das auffällige an dem zweiten Opfer ist, dass der Mörder ein Zeichen auf ihrem Bauch hinterlassen hat, das zu einer Mordserie gehörte, deren Täter seit vielen Jahren verurteilt und auch immer noch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist. Ein Nachahmungstäter? Und gehören beide Morde zusammen, obwohl sie so unterschiedlich sind?

Das vierte Buch der Serie

„Finsterwald“ von Judith Winter ist der vierte Fall der Ermittlerinnen Capelli und Zhou. In dieser Reihe ist es das erste Buch, das ich lese und man kann problemlos mittendrin starten. Auf die vorangegangen Fälle wird in dieser Geschichte nur minimal eingegangen und der Leser benötigt keine „Vorkenntnisse“, denn der Fall ist in sich abgeschlossen.

Wissensvorsprung für den Leser

Die Geschichte liest sich sehr flüssig und ist in Kapitel und kurze Unterkapitel gegliedert. In den ersten zwei Dritteln des Buches geht es hauptsächlich um die klassische Ermittlungsarbeit, also Zeugenbefragungen, Recherche und Zusammenhänge erkennen und herstellen. Dabei kommen aber nicht nur die beiden Protagonisten und ihr Team zu Wort, sondern immer wieder gibt es auch Kapitel aus Sicht von Opfern und Tätern, was dem Leser einen Wissensvorsprung verschafft und die Handlung zusätzlich spannend macht.

Lange kein roter Faden

Im Grunde tappen Capelli und Zhou ziemlich lange sehr im Dunkeln und die einzige Verbindung ist, dass unmöglich zwei so brutale Morde in so kurzer Zeit ohne Zusammenhang sein können. Ansonsten finden die beiden noch eine Tat in den Akten, die auch dazu passen könnte und es gibt einen zusätzlichen Vermisstenfall. Alles hat scheinbar nichts miteinander zu tun, es gibt keine Parallelen, außer dass es sich bei allen Opfern um brünette Frauen handelt. Ich habe mich wirklich lange gefragt, wo hier der rote Faden zu finden sein soll und wie sich die Ermittlungen am Ende auflösen, aber auf den letzten einhundert Seiten gibt es dann endlich den entscheidenden Hinweis und auch mir ging gemeinsam mit den Kriminalhauptkommissarinnen ein Licht auf.

Zwei unterschiedliche Kommissarinnen

Zhou und Capelli sind grundverschieden, arbeiten aber sehr gut miteinander, was laut Kontext allerdings nicht immer der Fall war. Mai Zhou ist Halbchinesin, hat einen Freund, von dem sie sich aber selbst nicht ganz sicher ist, dass sie ihm wirklich so viel Platz in ihrem Leben gewähren will, macht Karate und Ballett und ist in ihrer Arbeitsweise akribisch gründlich. Emilia Capelli hat italienisch-sizilianische Wurzeln und ist entsprechend temperamentvoll und aufbrausend. Beide Charaktere werden aber nicht bis zur Vollendung stilisiert, bei Befragungen beispielsweise kommt es eher unterschwellig zum Vorschein. Aus dem Privatleben der beiden Protagonisten wird auch nicht übermäßig viel preisgegeben, es wird eher etwas angerissen, was dann in sich aber nicht abgeschlossen ist und vielleicht im nächsten Buch weiter geschildert wird. Ich bin ehrlich gesagt mit beiden nicht so richtig warm geworden, was meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tat.

Fazit: Ein gut zu lesender und gerade zum Ende hin wirklich packender Thriller mit nicht ganz so sympathischen Ermittlerinnen.

Judith Winter, 1969 in Frankfurt am Main geboren, studierte Germanistik und Psychologie in Berlin und Wien und arbeitete viele Jahre in einem renommierten wissenschaftlichen Institut, bevor sie sich selbständig machte. Nach Aufenthalten in Mailand und Paris lebt sie heute mit ihrer Familie in Konstanz.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Finsterwald | Erschienen am 31. Januar 2019 bei dtv
ISBN 978-3-423-21748-4
496 Seiten | 9.95 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Anmerkung: Wir verlinken in jeder Rezension auf die Verlagsseite zu dem jeweiligen Titel und zu den Autoreninformationen. Leider scheint der Titel schon jetzt (1. Mai 2019) nicht mehr beim Verlag gelistet zu sein, denn wir bekamen nur den Hinweis, der Titel sei nicht mehr lieferbar.

Ellen Sandberg | Der Verrat (mit Verlosung)

Ellen Sandberg | Der Verrat (mit Verlosung)

„In Nane brach etwas zusammen. Für einen Moment glaubte sie, ihr Herz habe keine Kraft weiterzuschlagen. Im nächsten Augenblick explodierte sie. Sie sprang auf und schrie: „Dieses verdammte Miststück! Nichts gönnt sie mir! Alles muss sie mir nehmen!“ Sie brüllte ihre Wut über diesen doppelten Verrat heraus, und Birgit gelang es erst, Nane zu beruhigen, als die Nachbarn klingelten und fragten, ob alles in Ordnung sei.“ (Auszug Seite 323)

Nane saß zwanzig Jahre im Gefängnis, weil sie durch Manipulation am Auto ihrer Schwester Pia den Tod von Henning, dem Sohn von Pias Mann Thomas, herbeigeführt hat. Nun ist ihre restliche Strafe auf Bewährung ausgesetzt und sie kann sich ein neues Leben aufbauen. Aber auch nach so langer Zeit lässt ihr der Unfallabend keine Ruhe: Sie ist sich ganz sicher, dass sie nach Ablassen der Bremsflüssigkeit Thomas angerufen und ihn gewarnt hat. Warum hat er vor Gericht etwas anderes ausgesagt? Sie muss unbedingt nochmal mit ihm reden… So und durch andere Begebenheiten wird nach und nach der Tathergang noch einmal aufgedröselt und ein ganzes Familienschicksal erzählt.

Familiengeschichte mit Geheimnissen

Der Verrat von Ellen Sandberg ist der zweite Spannungsroman der Autorin. Es ist am ehesten eine Familiengeschichte mit Geheimnissen, in der sich die Prophezeiung der Mutter der drei Schwestern Nane, Birgit und Pia bewahrheitet: Denn schon seit Generationen stürzen sich Frauen der Familie durch Liebe und Leidenschaftlich unweigerlich ins Verderben.

Komplexe Verhältnisse innerhalb der Familie

Im Kern des Buches geht es um den Unfall von Henning, der durch die Manipulation am Auto von Nane verunfallt und dabei ums Leben gekommen ist. Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt, vor zwanzig Jahren und heute. Dabei kommen viele handelnde Personen zu Wort, wobei in der ersten Hälfte erst mal ausführlich alle Familien- und Personenverhältnisse erläutert werden. Das stellt sich als relativ komplex dar und es werden viele Namen genannt, aber ich habe den Überblick nicht verloren. Außerdem verschwimmen die Zeitebenen etwas, da die Personen von heute sich auch an die Vergangenheit erinnern. Hier bin ich dann schon einige Male ins Straucheln geraten, das hat meinen Lesefluss aber nur sehr kurz beeinträchtigt.

Unaufgeregtes Lesevergnügen

In der zweiten Hälfte wird es dann so richtig interessant, denn immer wieder werden Andeutungen gestreut, dass es außer dem Warn-Anruf noch weitere Ungereimtheiten und Geheimnisse zu diesem Unglücksabend gibt. Insgesamt hat sich die Geschichte für mich unaufgeregt, aber stetig interessant gelesen. Ich habe gern von der Familie gelesen und mich insgeheim gefreut, dass ich nicht selbst solche komplizierten Verhältnisse zu meiner eigenen habe. Meine Sympathien zu den handelnden Personen wechselte etwas, am ehesten kann ich mich aber mit Pia identifizieren, da sie sehr darauf bedacht ist, auch in der Liebe einen klaren Kopf zu behalten, um alles in geordneten Bahnen verlaufen zu lassen. Nane hingegen finde ich tatsächlich einfach durchgeknallt, wobei ich sie in einigen Passagen auch verstehen kann. Diese beiden Schwestern sind im Roman als Protagonisten anzusehen, auch wenn viele andere Personen zu Wort kommen. Das Ende konnte mich dann schon überraschen, haut mich aber nicht völlig von den Socken.

Fazit: Ein Familien-Spannungsroman ohne besondere Höhen oder Tiefen, der sich flüssig lesen lässt.

Ellen Sandberg ist das Pseudonym der Autorin Inge Löhnig. Sie wurde 1957 geboren, studierte Grafikdesign und arbeitete zunächst in verschiedenen Werbeagenturen. Das ursprüngliche Hobby Schreiben wurde nach und nach zum Hauptberuf. Die Autorin schreibt vor allem Ermittlerkrimis um den Protagonisten Konstantin Dühnfort, aber auch Jugendthriller und eben Spannungsromane.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Der Verrat | Erschienen am 27. Dezember 2018 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10090-4
480 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Andreas Rezension zum ersten Spannungsroman der Autorin, Die Vergessenen.

 

Verlosung!

Wer sich nun selbst einen Leseeindruck verschaffen möchte, hat bei uns die Gelegenheit, den ersten Band Die Vergessenen zu gewinnen. Alles was ihr dafür tun müsst, ist uns bis zum 30. April 2019 einen Kommentar unter dieser Rezension zu hinterlassen, in dem ihr uns euren Lieblingshandlungsort für Krimis verratet, z. B. Skandinavien, Japan, Südstaaten etc.

Nach der Gewinnbenachrichtigung bitten wir den Gewinner, uns innerhalb einer Woche seine Postadresse an hallo-at-krimirezensionen.de mitzuteilen. Diese wird nicht gespeichert und nur für den Versand des Gewinnes verwendet. Der Versand erfolgt per Büchersendung ausschließlich an Postanschriften in Deutschland; dem Gewinner entstehen keine Kosten. Ein Versand an Packstationen ist leider nicht möglich.

Eine Barauszahlung des Gewinnes ist ausgeschlossen, ebenso wie der Rechtsweg.

Viel Glück wünscht euch das Kaliber.17-Team!