Kategorie: Andrea Köster

Karen Ellis | Die im Dunkeln

Karen Ellis | Die im Dunkeln

„Als er die Augenbinde abnimmt, kann sie zuerst gar nichts erkennen. Die undurchdringliche Dunkelheit ist finsterer als alles, was sie je erlebt hat, und nichts zu sehen, verwirrt sie. Von irgendwoher muss jedoch ein wenig Helligkeit kommen, denn allmählich gewöhnen sich ihre Augen an die Lichtverhältnisse ihrer Umgebung.“ (Auszug Seite 255)

Elsa Myers wird zu dem Fall der vermissten Ruby gerufen. Als FBI-Expertin für verschwundene Kinder und Jugendliche soll sie dem örtlich zuständigen Detective Lex bei der Suche helfen. Nach einigen Befragungen findet sich schnell eine Spur und Ruby ist anscheinend nicht das einzige Opfer. Zudem wird der Fall persönlich für Elsa. Kann sie die Mädchen retten?

Elsa ist Anfang vierzig und muss ihre volle Aufmerksamkeit nicht nur auf den aktuellen Vermisstenfall lenken, sondern trauert ebenfalls um ihren Vater, der im Sterben liegt. Mit der Trauer um den Vater und dem Verkauf des einstigen Elternhauses kommen auch die Erlebnisse ihrer Kindheit wieder hoch und Elsa kämpft dagegen an, dass sie übermächtig werden.

Leider nichts Neues

Die im Dunkeln von Karen Ellis ist meiner Meinung nach ein solider Thriller, in dem es um die Suche nach den vermissten Jugendlichen und Elsas Vergangenheit geht. Diese Konstellation ist leider nichts Neues. Die Geschichte liest sich jedoch flüssig und ich konnte alle Zusammenhänge gut erfassen. Das Buch wird in Tage untergliedert, die jeweils in weitere Kapitel geteilt sind. Vorrangig wird aus jetziger Sicht von Elsa geschildert, ab und zu bekommen die Opfer oder der Täter eine Stimme oder es werden Episoden aus Elsas Kindheit beschrieben.

Vergangenheitsbewältigung

Die Protagonistin ist mir grundsätzlich sympathisch. Was die Suche nach Ruby angeht, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und Entscheidungen nachvollziehen. Zum Ende hin wurde mir ihre Kindheit allerdings etwas zu viel, denn dieser Part mit all seinen Erinnerungen und Überlegungen nimmt gut ein Drittel der Geschichte ein.

Lesefluss und Spannung

In dem Buch werden einige Pressestimmen zitiert, die von Hochspannung und einer fesselnden Geschichte berichten. Das entspricht nicht meinem Leseempfinden. Diesen Thriller kann man durchaus in einem Rutsch lesen, aber der Spannungsbogen ist meiner Meinung nach zu flach gehalten und die Handlung hat mich nicht vollständig gepackt. Eine der Stimmen verrät, dass es sich hier um den Start einer neuen Serie handelt, Teil zwei werde ich vermutlich aber nicht lesen.

Fazit: Ein solider Thriller, der aber grundsätzlich nichts Neues ist und dem die Spannung etwas fehlt.

Karen Ellis hat unter dem Namen Kate Pepper bereits zahlreiche Thriller veröffentlicht, u. a. 5 Tage im Sommer. Sie ist Mitglied der Mystery Writers of America und der International Thriller Writers. Mit ihrer Familie lebt sie in Brooklyn, New York. (Verlagsinfo)

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Die im Dunkeln | Erschienen am 24. Juli 2018 bei Rowohlt
ISBN 978-3-499-27309-4
336 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Corinna Kastner | Fischland-Angst

Corinna Kastner | Fischland-Angst

„Obwohl das heiße Wasser auf Kassandra herab prasselte, wurde ihr nicht richtig warm. Sie dachte an Pauls ungewöhnlich ernste Worte – und an Brunos Warnung, dass sie beide auf sich aufpassen sollten, weil dieser Fall anders sei. Das stimmte. Vor allem fühlte es sich anders an, bedrohlicher.“ (Auszug Seite 188)

Greta, die Frau von Matthias Röwer, wurde entführt und die Entführer verlangen eine Geldübergabe per Sprachnachricht auf einer Kassette. Da Matthias keine Polizei einschalten soll, beginnen Kassandra und Paul zu ermitteln. Können sie Greta retten?

Kassandra betreibt eine Pension in Wustrow, ihr Freund Paul ist Schriftsteller und derjenige, der wohl am meisten über die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst weiß. Beide haben sich in früheren Fällen schon als gutes Ermittlerteam behauptet. Außerdem helfen ihnen Kay Diettrich und sein Team aus Stralsund bei den Ermittlungen.

Zwei Reihen treffen aufeinander

Fischland-Angst von Corinna Kastner ist der fünfte Fall um Kassandra und Paul. Die Autorin hat zudem den Krimi Bodden-Tod um Greta und Matthias geschrieben und hier treffen nun alle Figuren aus beiden Reihen zusammen. Mir hat das sehr gut gefallen. Gerade den Roman um Greta und Matthias mochte ich besonders und ich habe mich gefreut, sie hier wiederzutreffen. Aufgrund der Entführung kam Greta allerdings für meinen Geschmack zu wenig zu Wort.

Viele Überlegungen und Mutmaßungen

Nachdem die Entführung bekannt wurde, stürzen sich Kassandra und Paul gleich in die Befragungen. Durch das Team in Stralsund sind ihnen auch Personenabfragen und Handydaten-Analysen möglich. Die gesamte Handlung besteht hauptsächlich aus typischen Ermittlungen. Es werden viele Thesen und Mutmaßungen beschrieben, die nicht gleich immer stimmen, dadurch ist es glaubwürdig. Allerdings liest es sich meiner Meinung nach durch die ganzen Überlegungen nicht ganz so einfach, wie man es vielleicht von einem Urlaubskrimi erwartet. Ich musste mich schon konzentrieren, um alle Zusammenhänge mitzubekommen. Außerdem finden, wie auch in den anderen Krimis der Protagonisten, viele Personen Gehör. Ich kannte die meisten schon, dadurch bin ich hier ganz gut mitgekommen.

Gleichbleibende Spannung ab der Mitte

Ab der Mitte der Geschichte wird es spannend, da hier nun ein wirklicher roter Faden verfolgt wird. Die Spannung bleibt gleichbleibend bis zum Schluss erhalten. Die Auflösung der Entführungsgeschichte finde ich dann wiederum etwas abstrus.

Die Protagonisten Kassandra und Paul sind mir sehr sympathisch. Beide wirken „echt“, zudem sind sie mutig und gehen Risiken ein, ohne dabei waghalsig zu sein. Die Landschafts- und Wetterbeschreibungen sind sehr gut gelungen, ich kann mich in die jeweilige Stimmung hineinversetzen und sehe beim Lesen alles genau vor mir. An der Ostsee ist eben nicht nur heiter Sonnenschein, schon gar nicht im Oktober und das wurde trefflich wiedergespiegelt.

Corinna Kastner wurde 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Fischland-Angst | Erschienen am 26. Juli 2018 bei Emons
ISBN 978-3-7408-0392-6
416 Seiten | 12.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Fischland-Verrat und Bodden-Tod von Corinna Kastner, rezensiert von Andrea

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

„Auch die zwei breiten Fenster auf der Gartenseite standen unverändert offen. Gestern hatte sie gedacht, dass Sandra McKallan sich vielleicht gerade bei Nachbarn aufhielt. Deshalb hatte sie die Post einfach durch die Tür ins Haus geworfen, da es keinen Briefkasten gab. Heute lag der Regenschirm immer noch so da, die Tür bewegte sich im Wind.“ (Auszug Seite 33)

In dem beschaulichen Küstenstädtchen Fowey findet der Flussmeister Francis Penrose eine Boje, an der eine Leiche hängt. Wenig später entdeckt seine Frau Daphne zwei weitere Tote. Sofort werden die Ermittlungen von der Polizei aufgenommen, doch das Ehepaar Penrose ist sich sicher, dass der zuständige Kommissar nur eine schnelle Aufklärung möchte und es ist ihm egal ist, ob der wahre Mörder gefunden wird. Also begeben sich die beiden selbst auf Ermittlungstour und geraten dabei in Gefahr…

Die beiden „Hauptermittler“

Daphne Penrose ist 52 Jahre alt und arbeitet halbtags als Postbotin in Fowey. Ihr Mann Francis ist 55 Jahre alt. Beide haben eine Tochter, die in London Medizin studiert. Daphne wurde nach der Schriftstellerin Daphne du Maurier benannt und kannte diese sogar persönlich.

Perfekte Urlaubslektüre

Post für den Mörder von Thomas Chatwin hat mir sehr gut gefallen, denn die Geschichte ist ein typischer Kriminalroman in dem es vordergründig um die Ermittlungen geht. Dabei werden blutige Details weggelassen und die beiden Protagonisten agieren beherzt, aber nicht waghalsig und ziehen ihr eigenes Ding durch, ohne sich komplett über die Polizei hinwegzusetzen. Die Recherche von Daphne und Francis fand ich nicht unglaublich fesselnd, aber dennoch anhaltend spannend, so dass es für mich keine Längen gab. Auch als beide in Gefahr geraten, bleibt die Handlung plausibel und wird nicht unnötig dramatisiert. Ich habe dieses Buch als Urlaubsauftakt gelesen und muss sagen, dass es dafür perfekt war.

Daphne du Maurier

Besonders gefallen hat mir die Einbeziehung von Daphne du Maurier. Von der Autorin habe ich bereits einen Roman gelesen, mich aber nicht weiter damit beschäftigt und dieser Krimi hat mich jetzt doch neugierig auf weitere Werke und die Schriftstellerin selbst gemacht.

Eine Reise wert

Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es als Einstimmung ein passendes Zitat aus einem anderen Roman. Außerdem wird die Landschaft und das Leben in Cornwall sehr schön beschrieben. Sehr charmant sind auch die persönlichen Reisetipps des Autors am Ende des Buches. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber Cornwall ist scheinbar wirklich eine Reise wert, so wie sich das Buch liest.

Fazit: Ein wirklich schöner und leichter und dennoch interessanter Krimi, den ich unbedingt empfehlen kann.

Thomas Chatwin wurde 1949 geboren und ist promovierter Literaturwissenschaftler und England-Kenner. Er liebt Cornwall und verbringt jede freie Minute dort. Unter seinem bürgerlichen Namen Claus Beling hat er fast zwei Jahrzehnte als Unterhaltungschef beim ZDF gearbeitet. Außerdem ist er der Erfinder der Rosamunde-Pilcher-Reihe und der Inga-Lindström-Filme. Bisher hat der Autor acht Bücher veröffentlicht, darunter zwei weitere Kriminalromane und Sachbücher.

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Post für den Mörder | Erschienen am 26. Juni 2018 bei Rowohlt
ISBN 978-3-499-27445-9
320 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Klaus-Peter Wolf | Totentanz am Strand Bd. 2

Klaus-Peter Wolf | Totentanz am Strand Bd. 2

„Warum haue ich nicht einfach ab? Ich sitze hier rum, als würde ich meine Verhaftung erwarten, ja, ihr entgegensehnen. Aber das ist nicht so. In Ostfriesland bin ich, wenn ich mir einen dieser bösen Jungs vorgeknöpft hatte, gern ins Watt gegangen, um die Stille dort zu genießen. Die Totenstille.“ (Auszug Seite 112)

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist auf der Flucht, denn er wird als Serienkiller gesucht und ist derzeit vermutlich der gefährlichste Mann des Landes. Bis vor kurzem hat er noch eine Praxis als Hausarzt in Ostfriesland geführt, nun soll er wegen sechsfachen Mordes verhaftet werden. Sommerfeldt hat sich in Gelsenkirchen versteckt, kann es aber nicht lassen, nach Ostfriesland zu seiner Liebe Beate und in seine Heimat Franken zurückzukehren. Kann er unentdeckt bleiben?

Zweiter Teil der Dr. Sommerfeld-Reihe

Totentanz am Strand von Klaus-Peter Wolf ist der zweite Krimi um Dr. Sommerfeldt. Den ersten – Totenstille im Watt – habe ich nicht gelesen, aber das hat dem Vergnügen an diesem Buch aber keinen Abbruch getan. Der Autor ist ja vor allem mit den Ostfriesenkrimis um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen bekannt geworden und in dieser Reihe ermittelt sie auch gegen den Serienkiller, aber die Handlung wird in der Dr. Sommerfeld-Reihe aus Sicht des Täters geschildert, was ich sehr spannend finde. So trifft man hier quasi „alte Bekannte“ wieder, aber aus einer völlig neuen Perspektive.

Ein belesener Mörder

Der Protagonist ist mir trotz seiner Taten unglaublich sympathisch, denn er ist sehr belesen und interessiert sich für Literatur. Seinen Unterschlupf im Ruhrgebiet hat er so gewählt, dass er in unmittelbarer Nähe zu Bibliothek und Theater wohnt und überall in seinen vier Wänden liegen Bücher herum. Dabei bevorzugt er sowohl ältere Literaten wie Hans Fallada, als auch neue Romane von Nele Neuhaus und Sebastian Fitzek und ab und zu Gedichte.

Nur zur Hälfte Ostfriesland

Das Cover und der Titel suggerieren, dass es sich bei Totentanz am Strand wieder um einen Ostfriesenkrimi handelt: Leider ist der Handlungsort nur in maximal der Hälfte des Buches tatsächlich dort, was ich etwas schade finde. Aber an diesen Stellen werden, wie in allen anderen Büchern des Autors, bekannte Orte in Norden aufgezählt, wie das Café ten Carte, die es im echten Leben ebenfalls gibt und besucht werden kann. Diese Details finde ich sehr charmant.

Der Roman liest sich durch seine Ich-Form sehr flüssig und spannend und bleibt dabei authentisch. Die Taten werden plausibel geschildert, ohne allzu brutal dargestellt zu werden und sämtliche Überlegungen von Sommerfeldt sind für mich nachvollziehbar.

Vorschau auf Teil 3

Am Ende des Buches wird schon verraten, dass der neue Sommerfeldt im nächsten Jahr im Juni erscheint und ich freue mich drauf!

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Der Autor ist mit Bettina Göschel, einer Kinderliedermacherin, verheiratet, die er in seinen Büchern namentlich mit in die Geschichten einfließen lässt.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Totentanz im Watt | Erschienen am 22. Juni 2018 bei Fischer
ISBN 978-3-596-29919-5
400 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Teil 1 der Serie Totenstille im Watt sowie zu allen bei uns besprochenen Krimis von Klaus-Peter Wolf

Solveig Engel | Neondunkel

Solveig Engel | Neondunkel

„Während ich meinen Kaffee schlürfe, habe ich das Gefühl, die Antwort könnte in Georges Todesursache liegen. Wahrscheinlich gibt es eine völlig harmlose Erklärung, eine, die alle Anschuldigungen, vor allem auch die nicht ausgesprochenen, entkräftet und jeden Klaus-Peter entwaffnet.“ (Auszug Seite 95)

Dr. Melanie Glanz arbeitet als Astrophysikerin in Bochum. Gerade haben die drei Professoren, mit denen sie eng zusammengearbeitet und geforscht hat einen Nobelpreis erhalten. Kurze Zeit nach der Preisverleihung sterben zwei der Professoren und immer mehr Zweifel schleichen sich ein, ob es wirklich eine natürliche Todesursache war, da es zu vielen merkwürdigen Zufällen kommt. Aber wer hätte ein Motiv gehabt?

Einblick in die Forschung

Neondunkel von Solveig Engel ist selfpublished und als ich in der Romanbeschreibung gelesen habe, dass es sich um einen Wissenschaftsthriller handelt, war für mich schnell klar, dass das nicht zu meinen Genres zählt. Dann habe ich aber einige Rezensionen gelesen, in denen stand, dass es nicht vordergründig um die Wissenschaft und speziell Physik geht und nicht mit Fachbegriffen um sich geworfen wird, und wurde neugierig. Ich habe mich entschieden, dem Buch eine Chance zu geben.

Nach dem Lesen kann ich bestätigen, dass die Forschung eher den Hintergrund bildet und interessant geschildert ist. Ich hatte vorher keine Vorstellung davon, wie es in einem Labor zugeht und fand diesen Einblick wirklich gut. Da die Autorin selbst Physikerin ist, gehe ich davon aus, dass es auch der Wahrheit entspricht. Die Fachbegriffe werden außerdem für Laien gut erklärt.

Zwei Sichtweisen

Die Geschichte wird aus zwei Sichtweisen erzählt, jeweils in Ich-Form. Einmal beschreibt Mel ihre Erlebnisse und ihr Leben, zum anderen kommt Anni zu Wort. Hier wird es interessant, denn Anni ist ein achtjähriges Mädchen, das keiner sieht, sondern zu Mel gehört. Sie folgt Mel auf Schritt und Tritt und hat die Möglichkeit auf sie Einfluss zu nehmen. Mel bekommt es anfangs nur unbewusst mit, später immer stärker. Das klingt jetzt vielleicht spooky, geht aber eher in die psychologische Richtung.

Dr. Melanie Glanz

Die Protagonistin ist 35 Jahre alt, liebt ihr Fachgebiet und die Forschung und ist ein wahrer Kaffeejunkie. Ihre Mutter ist früh gestorben und seitdem hat sie ihr Vater unter den Fittichen, der ebenfalls Professor der Physik ist. Beide haben kein sehr gutes Verhältnis, da er sie oft mit Leistungsdruck und Schuldgefühlen lenkt.

Spannungsbogen bleibt flach

Am Anfang war der Thriller wirklich interessant und ich habe das Leben von Mel gern gelesen. Nach zweihundert Seiten beginnen dann endlich die ersten wirklichen Zweifel an den Todesursachen der beiden Professoren, es gibt einen weiteren Anschlag und die Polizei beginnt zu ermitteln. Diese beginnende Spannung kann sich leider nicht halten, es geht weiterhin mehr um das aktuelle Projekt, um Anni und um ein bisschen Liebe. Im letzten Drittel hat das Buch wirkliche Längen und mich verließ etwas die Motivation weiterzulesen, da es kaum noch um die vermutlichen Morde ging. Zum Ende hin wird es wieder etwas besser und ich als Leser habe langsam eine Ahnung bekommen, worauf die Geschichte abzielt.

Insgesamt ein interessantes Buch, wenn man noch nie mit Forschung in Berührung gekommen ist, aber der Spannungsbogen ist nicht geglückt. Sehr nett fand ich die Geste der Autorin, mir eine persönliche Widmung ins Buch zu schreiben, in der sie mir schauriges Lesevergnügen wünscht. Nur hat sich das leider nicht eingestellt.

Solveig Engel ist das Pseudonym von Sabine Engel. Sabine Engel hat Physik studiert, an der Bochumer Uni und am TRIUMF-Lab promoviert und nebenbei für Spektrum der Wissenschaft geschrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren Kindern bei Berlin. 2013 erschien ihr Kinderbuch Mission mit Schwein im Baumhaus Verlag.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Neondunkel | Erschienen am 10. Januar 2018 als Self-Publishing bei epubli
ISBN 978-3-74507978-4
524 Seiten | 15.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe