Kategorie: Regionalkrimi

Burkhard Wetekam | …und am Dornbusch fällt ein Schuss

Burkhard Wetekam | …und am Dornbusch fällt ein Schuss

„Sylke fragte sich später, was ihre erste Empfindung gewesen war, als sie diese Worte gehört hatte. Erschrecken? Kaum. Nervosität? Nicht wirklich. Gegen neun hatten die Kollegen über Funk vom Leichenfund auf dem Leuchtturm gehört und das Thema war längst über alle Flure des Polizeireviers in Barth gelaufen.“ (Auszug Seite 5)

Am Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee wird die Leiche des bekannten und umstrittenen Klimaforschers Volker Flosbach gefunden. Flosbach war einigen ein Dorn im Auge, da er behauptete, der Meeresspiegel wird durch den Klimawandel in einigen Jahren so sehr angestiegen sein, dass ganze Ortschaften überspült und vernichtet werden. Für die Ermittlungen zu dem Mord wird eine SOKO gebildet, die Sylke Bartel, Dienststellenleiterin aus Barth, anführt. Außerdem beauftragt die Tochter des Ermordeten den Privatermittler Tom Brauer, sich ebenfalls nach Spuren umzusehen.

Gut, sich ein eigenes Bild zu machen

Bevor ich …und am Dornbusch fällt ein Schuss von Burkhard Wetekam begonnen habe, gab es eine recht kritische Rezension dazu in der lokalen Presse, sodass ich fast mit Befürchtungen die erste Seite aufgeschlagen habe. Im Nachhinein freue ich mich allerdings darüber, dass ich diesem „Verriss“ so gar nicht zustimmen kann und ich den Krimi wirklich gern gelesen habe.

Klassische Kriminalgeschichte

Diese Geschichte ist ein klassischer Kriminalroman, bei dem der Fokus auf der Aufklärung des Mordes liegt. Dabei geht es unblutig zu, das Hauptaugenmerk liegt bei Recherchen, Befragungen und Zusammenhänge erkennen. Die Polizistin Bartel und der Privatermittler Brauer kommen sich dabei gehörig in die Quere, was auch damit zusammenhängt, dass Bartel einen eher schlechten Start auf der Insel hatte und dadurch mit ihren Ergebnissen zurückliegt. Der Spannungsbogen schießt nicht in ungeahnte Höhen, ist aber durchaus vorhanden und ich konnte das Buch flüssig und ohne Längen lesen.

Viel Ostsee und ein paar Klischees

Schauplätze des Romans sind neben der gesamten Insel Hiddensee Stralsund und Zingst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die Orte wurden umfangreich und wahrheitsgetreu beschrieben. Bei den Inselbewohnern wurde etwas in die Klischeekiste gegriffen, wie ich finde. Beispielsweise der etwas dümmliche Inselpolizist, der sich lieber um falsch fahrende Radler kümmert, als um den Mordfall oder die zwei Ermittler Bartel und Brauer, von denen einer bei den Bewohnern aneckt und der andere gleich bei der ersten Begegnung eine Runde Bier ausgibt. Das habe ich so oder so ähnlich auch schon in den Krimis von Tim Herden gelesen.

Roter Faden erkennbar

In der oben genannten Kritik wurde angekreidet, dass zu viele Personen beschrieben werden und es keinen roten Faden in der Geschichte gibt. Ich persönlich kam bei allen Handelnden gut mit und jeder hatte seine mehr oder wenige wichtige Rolle. Es war meiner Meinung nach außerdem erkennbar, dass es immer um die Festnahme des Mörders ging. Dass auf über dreihundert Seiten die eine oder andere persönliche Anekdote der Protagonisten fällt oder Bartel seine Freundin mit in die Ermittlungen einspannt, hat mich nicht gestört.

Burkhard Wetekam wurde 1968 am Rande des Ruhrgebietes geboren. Als Journalist hat er unter anderem für den Deutschlandfunk und die Wochenzeitung DIE ZEIT gearbeitet. Seit Jahren reist er regelmäßig an die Ostsee und erkundet die Landschaft zwischen Lübecker Bucht und Rügen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Hannover. (Verlagsinfo)

Zur Einstimmung auf Hiddensee und die Geschichte kann ich den Video-Trailer des Autors auf seiner Website empfehlen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

…und hinterm Dornbusch fällt ein Schuss | Erschienen am 1. Februar 2018 im Hinstorff Verlag
ISBN 978-3-35602-178-3
352 Seiten | 12.99 Euro
Bibliografische Angaben & Buchtrailer

Weiterlesen: Die erwähnten Krimis von Tim Herden wurden ebenfalls bei uns besprochen.

Katharina Peters | Todeswoge Bd. 3

Katharina Peters | Todeswoge Bd. 3

„Wir hatten in den letzten Jahren nur noch unregelmäßig Kontakt, aber es gibt immer einen Termin, den Ingo nie vergisst – meinen Geburtstag. Das klingt pathetisch, vielleicht sogar albern, doch so war es, und zwar seit ungefähr zwanzig Jahren. In diesem Jahr meldete er sich allerdings nicht, auch später ließ er nichts von sich hören.“ (Auszug Seite 14)

Emma Klar, Privatdetektivin in Wismar, bekommt einen Auftrag von einer besorgten Frau, die ungewöhnlicherweise keinen Geburtstagsgruß von ihrem Schulfreund erhalten hat und ihn als vermisst meldet. Emma beginnt sofort mit der Recherche und braucht nicht lange, um die ersten Hinweise zu finden. Der vermisste Ingo Beyer stand vor einigen Jahren wegen Kindesmordes vor Gericht, wurde aber freigesprochen. Hat sein Verschwinden damit etwas zu tun? Schnell spitzt sich der Fall zu und Emma erkennt, dass es hier um viel mehr geht und sie Hilfe von der Polizei, speziell von ihrer Freundin vom BKA, benötigt.

Ein komplexer Fall

Todeswoge von Katharina Peters ist der dritte Ostsee-Krimi um Emma Klar und der zweite Fall, in dem sie als Privatdetektivin arbeitet. Diese Geschichte liest sich durchgängig so flüssig und gleichbleibend interessant, dass ich die gut dreihundert Seiten an einem Sonntag verschlungen habe. Aus einer einfachen Suchauftrag ergibt sich schnell ein komplexer Fall, der seinen Ursprung schon vor fast zwanzig Jahren hatte und jetzt aktuell wieder aufbrandet. Dabei verhält es sich keineswegs, wie alle Involvierten zunächst annehmen, der Lauf der Ermittlungen ändert sich immer wieder.

Eine ehemalige LKA-Mitarbeiterin…

Der Krimi wird relativ seicht beschrieben, es kommt zu keinen blutigen Vorkommnissen. Emma Klar wird ihrer Rolle als ehemalige LKA-Mitarbeiterin, die auch gern mal Grenzen übertritt und nicht immer ganz besonnen agiert, am Ende aber doch den richtigen Riecher hatte, gerecht. Als Privatdetektivin entzieht sie sich vielen Regeln, die sie im Polizeiapparat beachten müsste, hat aber auch nicht den vollen Zugriff auf alle Hilfsmittel, um schnell Informationen zu erhalten. Dafür kennt sie eine Menge Leute, auch noch von früher, die ihr dabei helfen.

…und die Liebe

Die Protagonistin hat in diesem Buch eine neue Liebe, die sie bereits in ihrem ersten Buch kennengelernt hat und die ihr bei den Ermittlungen hilft. Die beiden wirken auf mich wie ein eingespieltes Team und sehr sympathisch.

Mir persönlich hätte die Ostsee in der Genre-Bezeichnung noch etwas mehr Programm sein können. Der Krimi spielt sich hauptsächlich in den Hansestädten Wismar und Rostock ab, es geht aber auch weiter ins Innere von Mecklenburg und bis nach Berlin.

Lesung in Rostock

Am 11. September 2018 war ich zu einer Lesung der Autorin in Rostock. Sie hat dort etwa eine Stunde vorgelesen, was allein schon ein Highlight war, da sie das Gelesene und die Dialoge sehr gut betont hat und mit Mimik und Gestik war es fast wie im Theater. Das Vorlesen hat sie bei ihren Söhnen perfektioniert, denn denen hat sie immer lieber vorgelesen als zu puzzeln oder Laternen zu basteln. Außerdem hat die Autorin erzählt, dass ihr Pseudonym Katharina Peters der Mädchenname ihrer Mutter ist, die selbst gern an der Ostsee und auf Rügen war. Ihre Ideen zu den neuen Büchern entnimmt sie allen möglichen Alltagssituationen. Aktuell schreibt die Autorin drei Reihen beim Aufbau-Verlag, von denen jeweils jährlich ein neuer Fall erscheint. Der neue Emma Klar-Krimi ist bereits geschrieben und wird im nächsten Jahr veröffentlicht.

Katharina Peters ist das Pseudonym für die Autorin Manuela Kuck. Sie wurde 1960 in Wolfsburg geboren und hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert. Heute lebt Manuela Kuck mit ihrer Partnerin, zwei Hunden und vier Katzen als freie Autorin im südöstlichen Berliner Umland und veröffentlicht Regionalkrimis, Romane, Frauenliteratur und Kurzgeschichten. Außerdem ist sie zehnfache Berlin-Marathon-Finisherin und begeistert sich für Aikido, eine japanische Kriegskunst.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Todeswoge | Erschienen am 15. Juni 2018 bei
ISBN 978-3746634159
317 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezension zu Katharina Peters Romanen Todesstrand Bd. 2, Leuchtturmmord und Herztod.

Abgehakt | September 2018

Abgehakt | September 2018

Francis Beeding | Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes ♬

Viele Filme des Altmeisters Alfred Hitchcock basieren auf literarischen Vorlagen. Dieser teils vergessenen Perlen hat sich Jens Wawrczeck in einer neuen Hörbuchreihe angenommen und die spannenden Geschichten vertont. Während mich die Die Vögel sehr begeisterte, hatte ich mit Spellbound so meine Schwierigkeiten und bin nicht wirklich in die Geschichte reingekommen.

Das Haus von Dr. Edwardes ist eine Nervenklinik, die einem Schloss ähnlich sehr abgelegen in den Bergen liegt. Die junge Nachwuchsärztin, Dr. Constance Sedgwick, eine attraktive, unterkühlte Frau, fängt neu in der Klinik an, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Ihr Chef, der renommierte Oberarzt Dr. Edwardes befindet sich nach einem Nervenzusammenbruch im Erholungsurlaub. Während seiner Abwesenheit übernimmt Dr. Murchison die Leitung. Der brillante Psychiater lieferte erst kürzlich einen gefährlich psychotischen Patienten ein, der auf dem Transport einen Pfleger tötete. Nur durch das beherzte Eingreifen von Dr. Murchison konnte noch Schlimmeres wie zum Beispiel eine Flucht verhindert werden.

Die ehrgeizige Dr. Sedgwick begegnet bei ihrer Ankunft mehreren Dorfbewohnern, die sie vor den teuflischen Gefahren in der Nervenklinik warnen. Dieses soll wohl gruseligen Schauer verbreiten. Ich war aber nur von den schrulligen Charakteren genervt. Ellenlange Dialoge in einer betulichen Sprache, die die Geschichte nicht wirklich voran brachten, langweilten mich. Nach zweimaligen Anläufen habe ich das Hörbuch abgebrochen. Die Schauergeschichte hat leider meinen Geschmack nicht getroffen.

Spellbound Das Haus von Dr. Edwardes | Die gehörte Edition erschien am 31. Mai 2018 bei audoba
ISBN 978-3-942210-48-5
Laufzeit: 600 Minuten
16.95 Euro
Bibliografische Angaben & Hörprobe
Genre: Psychothriller
Wertung: entfällt wegen Abbruch

 

Ivo Pala | in Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand

Wie der Titel schon sagt, wird eine Leiche am Strand zwischen Wustrow und Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gefunden. Die Kommissare Bodo Fuchs und Gisa Haas beginnen sofort mit den Ermittlungen, denn zunächst muss herausgefunden werden, um wen es sich bei dem Toten handelt. Nach und nach tauchen Fuchs und Haas in die Kunstszene ein, in der es nicht nur um wertvolle Gemälde, sondern auch um Neid, Missgunst und den eigenen Vorteil geht.

Die Geschichte wird aus Sicht von Fuchs geschildert und dabei erzählt er ziemlich „frei Schnauze“ und der Leser wird direkt angesprochen und geduzt, was ich sehr erfrischend finde. Fuchs und Haas sind nicht immer einer Meinung, aber im Grunde ein gutes Team. Beiden ist der Ermittlungserfolg genauso wichtig wie die kulinarische Verpflegung während der Arbeit. Deshalb gibt es am Ende der Geschichte für den Leser noch einige mecklenburgische Rezepte.

Fazit: „Die Leiche am Strand“ von Ivo Pala ist ein kurzweiliger Krimi für Zwischendurch, der mir gute Unterhaltung geboten hat.

Ein Fall für Fuchs & Haas: Die Leiche am Strand | Erschienen am 25. April 2018 independently published
ISBN-13: 978-1980858508
245 Seiten (TB) | 2.99 Euro (eBook)
Die Taschenbuchausgabe gibt es (wie das eBook) für 9.99 Euro über amazon.de
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Helen Kampen | Möwe, Meer und Mord

Ein Mord an einer Restaurant-Betreiberin auf der Insel Norderney bringt alle in Aufruhr. Kriminalkommissar de Vries und seine Kollegin Nina kommen aus Aurich angereist, um den Mörder zu finden und die Journalistin Amadea, die gerade mit ihrer Familie Urlaub macht, wittert eine interessante Story.

Der Urlaubskrimi Möwe, Meer und Mord von Helen Kampen hält, was er verspricht: Leichte Unterhaltung für zwischendurch. Schön finde ich, dass die Autorin echte Schauplätze mit einbezogen hat. Das Ende wiederum war etwas absehbar und ich hätte mich über eine Überraschung gefreut. Meine Vorfreude auf den Sommerurlaub ist hiermit aber auf jeden Fall gestiegen!

Möwe, Meer und Mord | Erschienen am 17. März 2016 im Emons Verlag
ISBN 978-3-95451-791-6
224 Seiten | 10.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Regionalkrimi
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Tom Bouman | Im Morgengrauen

Wild Thyme, ein ländlicher Flecken im Norden Pennsylvanias. Der Officer Henry Farrell hat einen unangenehmen Fall: Penny Pellings, junge Mutter, drogenabhängig und wohnhaft in einem Wohnwagen, ist spurlos verschwunden. Ihr Partner, Kevin O’Keeffe, ist dringend tatverdächtig, beteuert aber seine Unschuld. Kurz darauf wird eine Leiche aus dem Fluss gezogen, ein Dealer und Bekannter von Penny. Henry bleibt auf der Suche und wird nach und nach immer tiefer in die dunklen Seiten der Region gezogen.

Der Roman spielt im sehr ländlichen Nordosten Pennsylvanias an der Grenze zum Bundesstaat New York. Ein klassisches Setting eines country noir bzw. rural noir: Strukturschwach, sichtbarer Niedergang, nur wenige Profiteure vom neuen Arbeitgeber, der Fracking-Industrie. Stattdessen die Kehrseiten der Medaille: Umweltschäden, Verkehr, Drogen. Erzählt wird die Geschichte vom Ich-Erzähler Henry Farrell. Dieser ist ein Kleinstadtpolizist in den unteren Hierarchiestufen. Ein eher melancholischer, nachdenklicher Typ, schon früh verwitwet.

Im Morgengrauen ist definitiv kein rasanter, temporeicher Krimi, auch die Spannungsmomente sind punktuell dosiert. Da gäbe es also noch Luft nach oben. Allerdings hat mir die Darstellung dieses Landstrichs in Pennsylvania als Symbol für den Niedergang des ländlichen Amerika mit all seinen Facetten gut gefallen. Das Setting und auch die Figuren wirken real und authentisch. Der Roman ist kein klassischer Krimi mit Fokus auf den Ermittlungen, sondern ein Hybrid aus Krimi und Gesellschaftsroman mit weitem Blick auf das Drumherum. Ein entschleunigter Noir. Wer sowas mag, ist bei Tom Bouman durchaus gut aufgehoben.

Im Morgengrauen | Erschienen am 26. Juni 2018 im Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-900-5
350 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Noir/hardboiled
Wertung: 3.5 von 5.0

 

Eric Ambler | Waffenschmuggel

Malaya, britisches Protektorat in den 1950ern. Eine kommunistische Rebellengruppe wird aufgerieben und hinterlässt unbemerkt im Dschungel ein Waffenversteck. Der indische Sekretär Girija findet die Waffen und sieht endlich die Chance, mit dem Verkauf der Waffen seinen Lebenstraum zu erfüllen: Die Gründung eines Busunternehmens. Doch der Verkauf der Waffen ist nicht so leicht. Ein Hehler ist in dem windigen chinesischen Geschäftsmann Tan schnell gefunden. Mögliche Käufer wären eine antikommunistische Widerstandsgruppe auf Sumatra. Doch um die Waffen in Singapur zu verkaufen, wird ein Strohmann benötigt. Man findet ihn in dem naiven amerikanischen Geschäftsmann Greg Nilson, der auf einer Kreuzfahrt in der Region weilt.

Wenige Zeit nach Graham Greenes „Der stille Amerikaner“ beschäftigte sich auch Eric Ambler mit Südostasien und brachte auch eine Hommage an Greenes Roman unter, indem er Nilson zu dessen Widerwillen in Saigon eine unfreiwillige Sightseeing-Tour zu den Schauplätzen des „stillen Amerikaners“ spendiert. Obwohl nicht frei von Stereotypen zeigt Ambler die knifflige und diffizile Lage in der Region auf und die Ignoranz, mit der die Amerikaner damit umgehen. Eine aktuelle und weitsichtige Note erhält die Story durch die Tatsache, dass der Amerikaner Nilson im guten Glauben, den Kommunismus zu bekämpfen, eine islamistische Gruppierung bewaffnen will.

Waffenschmuggel ist lange Zeit eine eher leicht launige Nummer, eine Reise durch Südostasien inklusive des Einfädelns eines Waffendeals. Da ist dann zwar zunächst nur verhältnismäßig wenig Thrill – zum Ende hin wird es aber noch richtig aufregend. Alles in allem erweist sich der Autor wieder einmal als versierter Geschichtenerzähler und Vermittler von politischen Hintergründen.

Waffenschmuggel | Erstmals erschienen 1959
Die aktuelle Ausgabe erschien am 5. Juni 2018 im Atlantik Verlag
ISBN 978-3-455-65116-4
368 Seiten | 14.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Politthriller
Wertung: 4.0 von 5.0

 

Christopher Brookmyre | Wer andern eine Bombe baut

Raymond Ash hat gerade keine guten Lauf: Zuhause ist die Stimmung angespannt, da sein neugeborener Sohn unter Koliken leidet, sein neuer Lehrerjob entpuppt sich als Höllenjob. Und dann lauern ihm auch noch irgendwelche Killer auf, als er das Abendessen besorgen will. Gleichzeitig ist die Polizistin Angelique de Xavia auf Terroreinsatz. Ein Terroranschlag des internationalen Topterroristen „Black Spirit“ ist für den Norden Großbritanniens angekündigt, nur kennt niemand das genaue Anschlagsziel. Irgendwann wird Angelique klar, dass Raymond der Schlüssel zum Ganzen ist. Beide nehmen den Kampf gegen „Black Spirit“ auf.

Christopher Brookmyre ist ein echter Vielschreiber, aber in deutscher Übersetzung liegen erst vier seiner über 20 Romane vor. Dieser hier ist der erste Auftritt seiner Protagonistin Angelique de Xavia (die auch in Die hohe Kunst des Bankraubs auftritt), klein im Wuchs, aber groß in Selbstbewusstsein und Cleverness. In diesem Buch erhält sie in Raymond Ash einen Mann in der Midlife-Crisis als unfreiwilligen Kompagnon.

Wer andern eine Bombe baut ist ein cleverer und streckenweise rasanter Thriller. Autor Brookmyre ist sehr versiert in schwarzem Humor, bissiger Gesellschaftskritik und popkulturellen Anspielungen. Könnte also ein Wahnsinnsbuch sein, allerdings hat der Autor auch ein Manko: Er plaudert und plaudert, hier noch eine Anekdote, dort noch eine krude Story aus der Vergangenheit der Hauptfiguren. Das schmälert auf Dauer dann doch den Lesefluss und bläht die Story unnötig auf.

Wer andern eine Bombe baut | Erschienen am 8. März 2018 im Galiani Verlag
ISBN 978-3-669-71163-8
368 Seiten | 16.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe
Genre: Thriller
Wertung: 3 von 5

Rezension 1 von Andy Ruhr, Rezension 2 und 3 von Andrea Köster, Rezension 4 bis 6 von Gunnar Wolters. Die Rechte für die Fotos liegen bei den Rezensenten.

Weiterlesen: Unsere bisherigen Ausgaben von Abgehakt

Corinna Kastner | Fischland-Angst

Corinna Kastner | Fischland-Angst

„Obwohl das heiße Wasser auf Kassandra herab prasselte, wurde ihr nicht richtig warm. Sie dachte an Pauls ungewöhnlich ernste Worte – und an Brunos Warnung, dass sie beide auf sich aufpassen sollten, weil dieser Fall anders sei. Das stimmte. Vor allem fühlte es sich anders an, bedrohlicher.“ (Auszug Seite 188)

Greta, die Frau von Matthias Röwer, wurde entführt und die Entführer verlangen eine Geldübergabe per Sprachnachricht auf einer Kassette. Da Matthias keine Polizei einschalten soll, beginnen Kassandra und Paul zu ermitteln. Können sie Greta retten?

Kassandra betreibt eine Pension in Wustrow, ihr Freund Paul ist Schriftsteller und derjenige, der wohl am meisten über die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst weiß. Beide haben sich in früheren Fällen schon als gutes Ermittlerteam behauptet. Außerdem helfen ihnen Kay Diettrich und sein Team aus Stralsund bei den Ermittlungen.

Zwei Reihen treffen aufeinander

Fischland-Angst von Corinna Kastner ist der fünfte Fall um Kassandra und Paul. Die Autorin hat zudem den Krimi Bodden-Tod um Greta und Matthias geschrieben und hier treffen nun alle Figuren aus beiden Reihen zusammen. Mir hat das sehr gut gefallen. Gerade den Roman um Greta und Matthias mochte ich besonders und ich habe mich gefreut, sie hier wiederzutreffen. Aufgrund der Entführung kam Greta allerdings für meinen Geschmack zu wenig zu Wort.

Viele Überlegungen und Mutmaßungen

Nachdem die Entführung bekannt wurde, stürzen sich Kassandra und Paul gleich in die Befragungen. Durch das Team in Stralsund sind ihnen auch Personenabfragen und Handydaten-Analysen möglich. Die gesamte Handlung besteht hauptsächlich aus typischen Ermittlungen. Es werden viele Thesen und Mutmaßungen beschrieben, die nicht gleich immer stimmen, dadurch ist es glaubwürdig. Allerdings liest es sich meiner Meinung nach durch die ganzen Überlegungen nicht ganz so einfach, wie man es vielleicht von einem Urlaubskrimi erwartet. Ich musste mich schon konzentrieren, um alle Zusammenhänge mitzubekommen. Außerdem finden, wie auch in den anderen Krimis der Protagonisten, viele Personen Gehör. Ich kannte die meisten schon, dadurch bin ich hier ganz gut mitgekommen.

Gleichbleibende Spannung ab der Mitte

Ab der Mitte der Geschichte wird es spannend, da hier nun ein wirklicher roter Faden verfolgt wird. Die Spannung bleibt gleichbleibend bis zum Schluss erhalten. Die Auflösung der Entführungsgeschichte finde ich dann wiederum etwas abstrus.

Die Protagonisten Kassandra und Paul sind mir sehr sympathisch. Beide wirken „echt“, zudem sind sie mutig und gehen Risiken ein, ohne dabei waghalsig zu sein. Die Landschafts- und Wetterbeschreibungen sind sehr gut gelungen, ich kann mich in die jeweilige Stimmung hineinversetzen und sehe beim Lesen alles genau vor mir. An der Ostsee ist eben nicht nur heiter Sonnenschein, schon gar nicht im Oktober und das wurde trefflich wiedergespiegelt.

Corinna Kastner wurde 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Fischland-Angst | Erschienen am 26. Juli 2018 bei Emons
ISBN 978-3-7408-0392-6
416 Seiten | 12.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Fischland-Verrat und Bodden-Tod von Corinna Kastner, rezensiert von Andrea

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

Thomas Chatwin | Post für den Mörder

„Auch die zwei breiten Fenster auf der Gartenseite standen unverändert offen. Gestern hatte sie gedacht, dass Sandra McKallan sich vielleicht gerade bei Nachbarn aufhielt. Deshalb hatte sie die Post einfach durch die Tür ins Haus geworfen, da es keinen Briefkasten gab. Heute lag der Regenschirm immer noch so da, die Tür bewegte sich im Wind.“ (Auszug Seite 33)

In dem beschaulichen Küstenstädtchen Fowey findet der Flussmeister Francis Penrose eine Boje, an der eine Leiche hängt. Wenig später entdeckt seine Frau Daphne zwei weitere Tote. Sofort werden die Ermittlungen von der Polizei aufgenommen, doch das Ehepaar Penrose ist sich sicher, dass der zuständige Kommissar nur eine schnelle Aufklärung möchte und es ist ihm egal ist, ob der wahre Mörder gefunden wird. Also begeben sich die beiden selbst auf Ermittlungstour und geraten dabei in Gefahr…

Die beiden „Hauptermittler“

Daphne Penrose ist 52 Jahre alt und arbeitet halbtags als Postbotin in Fowey. Ihr Mann Francis ist 55 Jahre alt. Beide haben eine Tochter, die in London Medizin studiert. Daphne wurde nach der Schriftstellerin Daphne du Maurier benannt und kannte diese sogar persönlich.

Perfekte Urlaubslektüre

Post für den Mörder von Thomas Chatwin hat mir sehr gut gefallen, denn die Geschichte ist ein typischer Kriminalroman in dem es vordergründig um die Ermittlungen geht. Dabei werden blutige Details weggelassen und die beiden Protagonisten agieren beherzt, aber nicht waghalsig und ziehen ihr eigenes Ding durch, ohne sich komplett über die Polizei hinwegzusetzen. Die Recherche von Daphne und Francis fand ich nicht unglaublich fesselnd, aber dennoch anhaltend spannend, so dass es für mich keine Längen gab. Auch als beide in Gefahr geraten, bleibt die Handlung plausibel und wird nicht unnötig dramatisiert. Ich habe dieses Buch als Urlaubsauftakt gelesen und muss sagen, dass es dafür perfekt war.

Daphne du Maurier

Besonders gefallen hat mir die Einbeziehung von Daphne du Maurier. Von der Autorin habe ich bereits einen Roman gelesen, mich aber nicht weiter damit beschäftigt und dieser Krimi hat mich jetzt doch neugierig auf weitere Werke und die Schriftstellerin selbst gemacht.

Eine Reise wert

Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es als Einstimmung ein passendes Zitat aus einem anderen Roman. Außerdem wird die Landschaft und das Leben in Cornwall sehr schön beschrieben. Sehr charmant sind auch die persönlichen Reisetipps des Autors am Ende des Buches. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber Cornwall ist scheinbar wirklich eine Reise wert, so wie sich das Buch liest.

Fazit: Ein wirklich schöner und leichter und dennoch interessanter Krimi, den ich unbedingt empfehlen kann.

Thomas Chatwin wurde 1949 geboren und ist promovierter Literaturwissenschaftler und England-Kenner. Er liebt Cornwall und verbringt jede freie Minute dort. Unter seinem bürgerlichen Namen Claus Beling hat er fast zwei Jahrzehnte als Unterhaltungschef beim ZDF gearbeitet. Außerdem ist er der Erfinder der Rosamunde-Pilcher-Reihe und der Inga-Lindström-Filme. Bisher hat der Autor acht Bücher veröffentlicht, darunter zwei weitere Kriminalromane und Sachbücher.

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Post für den Mörder | Erschienen am 26. Juni 2018 bei Rowohlt
ISBN 978-3-499-27445-9
320 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe