Kategorie: Regionalkrimi

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesennacht Bd. 13

Klaus-Peter Wolf | Ostfriesennacht Bd. 13

Sie hob die Bettdecke ein Stückchen an und sog die Luft tief durch die Nase. Der Mann in ihrem Bett roch sauer, nach Schweiß und einem Hauch von Maiglöckchen.
Sie bäumte sich in ihrem Bett auf. Ein hoffnungsvoller Schrei entfuhr ihr: „Florian!?“
Eine kräftige Hand legte sich über ihren Mund und drückte sie ins Kissen zurück. (Auszug Seite 14)

Eine Frau wird in ihrer Ferienwohnung tot aufgefunden, nachdem sie sich mit ihrem Freund gestritten hat. Alles deutet erst auf eine Beziehungstat hin, doch dann kommt es zu einem zweiten Tötungsdelikt, wieder eine Frau in ihrer Ferienwohnung. Das Auffällige an beiden Opfern ist, dass sie ein Tattoo trugen, das ihnen der Täter herausgeschnitten hat. Liegt hier das Motiv? Mitten in den Ermittlungen schaltet sich das BKA ein, denn es gab außerhalb von Ostfriesland schon weitere Morde mit diesem Muster. Ann Kathrin Klaasen hat es nun nicht nur mit einem Tatverdächtigen zu tun, sondern auch mit dem BKA, das ihre Theorien zum Fall durchsetzen will und außerdem noch mit ihrem Mann Frank Weller, der glaubt, dass seine Tochter mit ihrem neuen Freund in Gefahr ist. Plötzlich droht alles in einer Katastrophe zu enden.

Der dreizehnte Fall

Ostfriesennacht von Klaus-Peter Wolf ist bereits der dreizehnte Fall für Ann Kathrin Klaasen. Die Protagonistin ist bekannt dafür, dass sie außergewöhnliche Ermittlungsmethoden hat, mit denen sie im gesamten Land bekannt geworden ist und die sie zuverlässig zum Erfolg führen. Ich persönlich kann mich in einige Vorgehensweisen nicht so hineinversetzen und finde sie eher albern und bin froh, dass es in diesem Fall nicht so ausufert. Sie besucht ausschließlich die Tatorte, nachdem der erste Trubel vorüber ist, und versucht die Stimmung zu erfassen.

Spannung bis zur letzten Seite

Dieser Kriminalroman liest sich meiner Meinung nach sehr flüssig und ich habe ihn in kürzester Zeit verschlungen. Ich konnte gut in die Geschichte hineinfinden und auch nach einer Lesepause hatte ich keine Probleme mich an die Handlung zu erinnern. Man kann das Buch unabhängig von allen anderen Fällen davor lesen. Und das besonders Spannende an der Geschichte ist, dass der Täter wirklich erst auf den letzten zehn Seiten bekannt wird. Charmant finde ich immer wieder, dass der Autor echte Personen mit in die Handlung einbezieht, unter anderem seine Frau Bettina Göschel. Und dass handelnde Personen die eigenen Romane des Autors im Buch kaufen und lesen.

Durchwachsene Mitte

In der Mitte der Geschichte fand ich die Handlung etwas absurd, da es auf einmal gleich zwei Tatverdächtige gab: einen, den das BKA präsentiert und einen den Ann Kathrin Klaasen und ihr Team verfolgen und bei beiden konnte ich nicht wirklich glauben, dass es einer davon sein soll. Immer wieder gab es auch Passagen, in denen der Täter zu Wort kommt und wenn ich das mit den Ermittlungen verglichen habe, war ich gespannt, wie die Geschichte dann endet. Zu allem Überfluss hat Wellers Tochter einen neuen Freund, ausgerechnet der Versicherungsmakler, mit dem Weller auch schon zur Schule gegangen ist und der ihm vor Jahren eine Versicherung für seine Tochter verkauft hat, die jetzt, wo er sie dringend in Anspruch nehmen muss, völlig unnütz ist. Das schaukelt sich so hoch, dass er den Freund nicht nur missbilligt, sondern seine Tochter in regelrechter Gefahr sieht und um sie zu schützen, setzt er sich über sämtliche Dienstvorschriften hinweg, bringt sie gegen sich auf und ist am Ende kurz davor eine wirkliche Dummheit zu begehen. Auch das fand ich etwas übertrieben und Frank Weller kam mir in dieser Phase mehr als verrückt vor.

Fazit: Es gibt Höhen und Tiefen, wer aber leichten Lesegenuss mit Nordsee-Flair sucht, wird belohnt.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Der Autor ist mit Bettina Göschel, einer Kinderliedermacherin, verheiratet.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Ostfriesennacht | Erschienen am 20. Februar 2019 bei Fischer Buchverlage
ISBN 978-3-596-29921-8
480 Seiten | 10.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Weitere Rezensionen zu Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis.

Katharina Peters | Fischermord Bd. 8

Katharina Peters | Fischermord Bd. 8

„Kurz darauf ging Romy zu Max hinüber und stellte sich mit verschränkten Armen neben seinen Schreibtisch. „Ich brauche ein bisschen mehr zu Fischer.“
Er wandte den Kopf und sah sie an.
„Buhl hat eine Winzigkeit entdeckt, die nicht ins Bild passt“, fuhr sie fort. „Das reicht aber nie im Leben für weitergehende Ermittlungen, da kann ich dreimal mit Jan verheiratet sein und noch so viele Steine im Brett haben beim Staatsanwalt.“ (Auszug Seite 25)

Die Ehefrau findet ihren Mann Torsten Fischer erhängt im Stall. Alles deutet auf einen Suizid hin, auch wenn sich das keiner erklären kann, denn Fischer war einfach nicht der Typ dazu. Außerdem gibt es einen weiteren, allerdings sehr schwachen, Hinweis darauf, dass es vielleicht doch kein Selbstmord war. Dieser Hinweis lässt Romy Beccare keine Ruhe. Sie setzt sich bei ihrem Vorgesetzten und seit kurzem auch Ehemann Jan Riechter durch und beginnt zu ermitteln. Dabei bekommt sie Unterstützung von Ruth Kranold, mit der Romy schon in einem früheren Fall zusammenarbeitete, die sich dann aber aus dem Polizeidienst zurückgezogen hat und nun wieder einsteigt. Schon bald entdecken beide Spuren, die auf Geheimnisse in Fischers Leben hindeuten und nach und nach wird das Lügenkonstrukt immer größer, bis es eine zweite Leiche gibt.

Ermittlungen ohne viel Drumherum

Fischermord von Katharina Peters ist der achte Fall um die Polizistin Romy Beccare auf Rügen. Nichtsdestotrotz kann der Regionalkrimi grundsätzlich auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände gelesen werden. In der Geschichte geht es fast ausschließlich um den Fall und die Ermittlungen, nur ganz selten bekommt der Leser etwas von den handelnden Personen geschildert. Das finde ich einerseits sehr gut, denn dadurch wird sich auf das Wesentliche konzentriert und es gibt keine störende Nebenhandlung, andererseits bleiben die Protagonisten auch sehr flach. Am Ende des Buches gibt es ein Personenregister des Ermittlerteams mit kurzen Beschreibungen und in diesen stehen mehr Informationen, als in der Geschichte mitgeteilt werden. Mag daran liegen, dass es eben nicht der erste Fall ist, aber ich hätte mir ein paar private Einblicke gewünscht.

Ein sehr komplexer Fall

Am Anfang der Ermittlungen habe ich gedacht, dass die Hinweise, denen Romy und Ruth nachgehen, doch schon wirklich dünn sind und im wahren Leben wäre dem bestimmt keiner nachgegangen. Es lohnt sich aber, denn die beiden behalten Recht und es steckt mehr hinter dem vermeintlichen Suizid. Der Fall wird sehr komplex mit vielen Querverbindungen und Personen, die alle irgendwie miteinander zu tun haben. Zwischenzeitlich bin ich mit den Namen nicht mehr mitgekommen und musste immer wieder überlegen, wer das denn jetzt noch war und in welcher Beziehung er steht. Die Geschichte ist meiner Meinung nach also nicht ganz einfach zu lesen und man sollte schon konzentriert bei der Sache sein. Ansonsten liest sie sich aber flüssig und spannend.

Ende & Fazit

Das Ende mit der Auflösung ist dann wenig aufregend, was mir gefällt. Ganz sachlich wird zu Ende ermittelt und alles aufgelöst, ohne dass jemand spektakulär in Gefahr gerät, wie es oft bei anderen Krimis der Fall ist. Also insgesamt ein Kriminalroman, der sich auf die Ermittlungen konzentriert, ohne viel Schnickschnack.

Katharina Peters ist das Pseudonym für die Autorin Manuela Kuck. Sie wurde 1960 in Wolfsburg geboren und hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert. Heute lebt Manuela Kuck mit ihrer Partnerin, zwei Hunden und vier Katzen als freie Autorin im südöstlichen Berliner Umland und veröffentlicht Regionalkrimis, Romane, Frauenliteratur und Kurzgeschichten. Außerdem ist sie zehnfache Berlin-Marathon-Finisherin und begeistert sich für Aikido, eine japanische Kriegskunst.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Fischermord | Erschienen am 15. Februar 2019 im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-7466-3446-3
336 Seiten | 9.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Rezensionen zu den Krimis HerztodTodesstrandTodeswoge und Leuchtturmmord (Bd. 5) aus der selben Reihe wie obige Rezension.

Mara Pfeiffer | Im Schatten der Arena

Mara Pfeiffer | Im Schatten der Arena

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis Jo in der Lage ist, die Worte aus ihrem Mund zu drängen, die in ihrem Kopf wild umeinanderrasen. Schließlich deutet sie schluchzend auf den flackernden Monitor, der das Aufmacherfoto der dritten Lokalseite zeigt: einen völlig zertrümmerten Corsa, so eng an einem Baum geschmiegt, als wolle er ihn zum Abschied umarmen.
„Das ist Jonas‘ Auto!“ (Auszug Seite 45)

Journalistin Johanna, genannt Jo, lebt als alleinerziehende Mutter in Mainz und arbeitet bei der lokalen Zeitung. Ihr bester Kumpel und Kollege Jonas kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch Jo glaubt nicht an einen Unfall. Sie glaubt, dass Jonas an einer brisanten Geschichte gearbeitet hat, die ihm schließlich das Leben gekostet hat. Sie verschafft sich Zugang zu seinen Dateien und Unterlagen und versucht, die Geschichte zu rekonstruieren. Der Polizist Hans, dem Jo im Laufe der Geschichte immer näher kommt, übergibt ihr Unterlagen, die nahelegen, das Jonas bedroht wurde. Auch sie könnte unter Beobachtung stehen. Ein unbekannter Mann spricht ihren sechsjährigen Sohn vor ihrer Haustür an. Sie durchforstet fieberhaft die Recherchen von Jonas – bis sie auf ein mögliches Motiv stößt: Homophobie im Profifußball.

Autorin Mara Pfeiffer arbeitet als freiberufliche Journalistin, Autorin und Lektorin. Im Schatten der Arena ist ihr erster Roman. Zuvor hat sie Sachbücher und Kurzgeschichten für Anthologien verfasst. Sie betreibt außerdem den Blog Wortpiratin. In ihrem ersten Roman verbindet sie Fußball und Lokalkolorit mit gesellschaftlichen Themen im Rahmen einer Kriminalhandlung.

Ich habe leider zwei größere Kritikpunkte bei diesem Roman. Zum einen die Krimihandlung. Die kommt für meinen Geschmack etwas kurz, denn die Handlung wird auf vielen Seiten von Jo und ihrem Leben dominiert: Trauer, Wut, Erziehungsfragen, Beziehungsstress oder normaler Alltag. Nichts gegen eine gut beschriebene Hauptfigur, aber wenn nur 250 Seiten vorhanden sind, hätte ich mir mehr Krimihandlung gewünscht. Diese besteht nämlich zu einem großen Teil in eher mäßig spannender Recherche. Als sich dann das Motiv offenbart, geht alles ein wenig hopplidahopp. Das wirkte auf mich etwas unrund und auf zu wenig Seiten gebracht. Hier komme ich zu dem seltenen Eindruck, dass ein wenig mehr Seiten dem Buch gut getan hätten.

Zum anderen geht es mir um eines der zentralen Themen des Buches: Homophobie (im Fußball). Natürlich hat das Buch mehr Facetten, aber dieses Thema ist auch entscheidend für den Kriminalfall. Ein wichtiges, interessantes Them – aber die Art der Behandlung hat mich nicht überzeugt. Es gibt im Buch im Rahmen der Recherche zu Jonas‘ Tod ein Interview mit Musiker Marcus Wiebusch, der vor einigen Jahren das Lied „Der Tag wird kommen“ zu dem Thema verfasste. Dieses Interview umfasst fünf Seiten im Buch, Jos Treffen mit dem homosexuellen Fußballer, um den es letztlich geht, gerade mal zwei. Hier wurde meines Erachtens eine Chance vertan, tiefer in die Materie einzudringen, beispielsweise, indem der Fußballer mehr Raum im Buch hätte, dass seine Ängste und den Druck, der auf ihm lastet, präziser aufgezeigt würden. So bleibt die Darstellung des Themas lediglich an der Oberfläche.

Bei aller Kritik möchte ich auch die positiven Aspekte des Buches nicht verschweigen. Da wäre die auf jeden Fall interessante, weil komplizierte Hauptfigur Jo. Daneben ist der Lokalkolorit sicherlich ein Highlight, denn die Autorin verwendet (so weit ich das beurteilen kann) weitgehend Originalschauplätze und lässt auch Vereinspolitik des FSV Mainz 05 einfließen. Eine wunderbare Szene war für mich, wie Jo ihrem Sohn erklärt, warum man an einem Kunstprodukt wie RB Leipzig sein Fanherz nicht verlieren sollte. So denke ich, dass so mancher Leser hier sich durchaus gut unterhalten fühlen könnte, allein ich war aufgrund der erwähnten Punkte nicht ganz zufrieden.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Im Schatten der Arena | Erschienen am 16. Mai 2018 im Societäts Verlag
ISBN 978-3-95542-288-2
252 Seiten | 14.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Jobst Schlennstedt | Lübeck im Visier

Jobst Schlennstedt | Lübeck im Visier

Längst war ihm klar, dass er Arne John angelogen hatte. Denn diese Angelegenheit gehörte ihm ganz allein. Niemand anderes sollte sich darum kümmern. Alles passte genau. Ein vermeintlicher Mord auf einer Frachtfähre und ein Toter, den niemand vermisste. Die Konstellation erschien ihm aussichtslos genug, um ihn endlich wieder zu motivieren, einen Fall anzunehmen. (Auszug Seite 33)

Simon Winter hat sich vor einiger Zeit aus seiner Tätigkeit als Privatermittler zurückgezogen und leitet seit Herbst letzten Jahres den Campingplatz, auf dem er auch wohnt, zusammen mit Anna, der Tochter der Besitzerin. Bei einer Ballonausfahrt wird Simon zugetragen, dass kürzlich auf einer Fähre ein Mann über Bord befördert wurde, es aber nur einen Zeugen gibt, keine Leiche und keinen Vermissten. Diese Geschichte nimmt den Privatermittler so gefangen, dass er doch wieder zu recherchieren beginnt und schon bald merkt, dass er damit viele unangenehme Fragen stellt. Dann gerät Anna in Gefahr und schlussendlich geht es nicht nur um einen Fall, der weit älter ist als der vermeintliche Mord, sondern auch um Minuten!

Simon Winter ist vierzig Jahre alt und wohnt in einem Camper auf dem Campingplatz am Pönitzer See. Als er acht war, musste er mit ansehen, wie seine Eltern erschossen wurden. Nachdem er seine Lehre als Restaurantfachmann abgebrochen hat, begann er sich seine Karriere als Privatdetektiv aufzubauen und gilt jetzt als einer der Besten, wenn nicht sogar als der Beste in der Gegend.

Ein Schauplatz mitten auf der Ostsee

Ich freue mich, dass ich zum Thema des diesjährigen Adventsspezials einen Küsten-Krimi gefunden habe, der größtenteils mitten auf der Ostsee spielt. Weitere Schauplätze sind Lübeck und Travemünde. Die Geschichte ist in einigermaßen kurze Kapitel gegliedert und liest sich sehr flüssig. Das Buch besteht aus gut zweihundert Seiten, kann man also durchaus an einem Wochenende lesen. Die Handlung ist undurchsichtig gestrickt, so dass für mich als Leser nicht sofort zu erkennen war, wie alles zusammenhängt. Also genau so, wie es sein soll. Bis zum Schluss ist es spannend geblieben und erst dann gab es auch die Auflösung aller Verstrickungen.

Ein gewaltbereiter Protagonist

Bei dem Protagonisten Simon Winter bin ich zwiegespalten geblieben. Einerseits macht er meiner Meinung nach einen guten Job, denn er befragt auch unangenehme Menschen und lässt sich nicht so leicht abschütteln. Andererseits ist er mir etwas zu gewaltbereit, denn um seinen Anliegen Nachdruck zu verleihen, scheut er auch nicht davor zurück, mit Fäusten zu agieren. Außerdem bringt er seine Geschäftspartnerin Anna mehr oder weniger wissentlich in Gefahr.

Unter dem Strich

Wie mir Lübeck im Visier von Jobst Schlennstedt am Ende nun wirklich gefallen hat, kann ich gar nicht so genau beschreiben. An sich hat mir der Aufbau der Geschichte gefallen, unter dem Strich ist sie mir aber zu Action geladen und hätte auch Potenzial für einen Action-Film. Außerdem herrschen fast Mafia artige Zustände, die auch nicht meinem Geschmack entsprechen. Wen das nicht stört, findet hiermit aber einen kurzweiligen und interessanten Krimi.

Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für die Hafen- und Logistikwirtschaft. 2006 erschien sein erster Kriminalroman. 

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Lübeck im Visier | Erschienen am 17. September 2015 bei Emons
ISBN 978-3-95451-691-9
224 Seiten | 9.90 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres .17special Adventsspezials Privatdetektive.

Burkhard Wetekam | …und am Dornbusch fällt ein Schuss

Burkhard Wetekam | …und am Dornbusch fällt ein Schuss

„Sylke fragte sich später, was ihre erste Empfindung gewesen war, als sie diese Worte gehört hatte. Erschrecken? Kaum. Nervosität? Nicht wirklich. Gegen neun hatten die Kollegen über Funk vom Leichenfund auf dem Leuchtturm gehört und das Thema war längst über alle Flure des Polizeireviers in Barth gelaufen.“ (Auszug Seite 5)

Am Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee wird die Leiche des bekannten und umstrittenen Klimaforschers Volker Flosbach gefunden. Flosbach war einigen ein Dorn im Auge, da er behauptete, der Meeresspiegel wird durch den Klimawandel in einigen Jahren so sehr angestiegen sein, dass ganze Ortschaften überspült und vernichtet werden. Für die Ermittlungen zu dem Mord wird eine SOKO gebildet, die Sylke Bartel, Dienststellenleiterin aus Barth, anführt. Außerdem beauftragt die Tochter des Ermordeten den Privatermittler Tom Brauer, sich ebenfalls nach Spuren umzusehen.

Gut, sich ein eigenes Bild zu machen

Bevor ich …und am Dornbusch fällt ein Schuss von Burkhard Wetekam begonnen habe, gab es eine recht kritische Rezension dazu in der lokalen Presse, sodass ich fast mit Befürchtungen die erste Seite aufgeschlagen habe. Im Nachhinein freue ich mich allerdings darüber, dass ich diesem „Verriss“ so gar nicht zustimmen kann und ich den Krimi wirklich gern gelesen habe.

Klassische Kriminalgeschichte

Diese Geschichte ist ein klassischer Kriminalroman, bei dem der Fokus auf der Aufklärung des Mordes liegt. Dabei geht es unblutig zu, das Hauptaugenmerk liegt bei Recherchen, Befragungen und Zusammenhänge erkennen. Die Polizistin Bartel und der Privatermittler Brauer kommen sich dabei gehörig in die Quere, was auch damit zusammenhängt, dass Bartel einen eher schlechten Start auf der Insel hatte und dadurch mit ihren Ergebnissen zurückliegt. Der Spannungsbogen schießt nicht in ungeahnte Höhen, ist aber durchaus vorhanden und ich konnte das Buch flüssig und ohne Längen lesen.

Viel Ostsee und ein paar Klischees

Schauplätze des Romans sind neben der gesamten Insel Hiddensee Stralsund und Zingst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die Orte wurden umfangreich und wahrheitsgetreu beschrieben. Bei den Inselbewohnern wurde etwas in die Klischeekiste gegriffen, wie ich finde. Beispielsweise der etwas dümmliche Inselpolizist, der sich lieber um falsch fahrende Radler kümmert, als um den Mordfall oder die zwei Ermittler Bartel und Brauer, von denen einer bei den Bewohnern aneckt und der andere gleich bei der ersten Begegnung eine Runde Bier ausgibt. Das habe ich so oder so ähnlich auch schon in den Krimis von Tim Herden gelesen.

Roter Faden erkennbar

In der oben genannten Kritik wurde angekreidet, dass zu viele Personen beschrieben werden und es keinen roten Faden in der Geschichte gibt. Ich persönlich kam bei allen Handelnden gut mit und jeder hatte seine mehr oder wenige wichtige Rolle. Es war meiner Meinung nach außerdem erkennbar, dass es immer um die Festnahme des Mörders ging. Dass auf über dreihundert Seiten die eine oder andere persönliche Anekdote der Protagonisten fällt oder Bartel seine Freundin mit in die Ermittlungen einspannt, hat mich nicht gestört.

Burkhard Wetekam wurde 1968 am Rande des Ruhrgebietes geboren. Als Journalist hat er unter anderem für den Deutschlandfunk und die Wochenzeitung DIE ZEIT gearbeitet. Seit Jahren reist er regelmäßig an die Ostsee und erkundet die Landschaft zwischen Lübecker Bucht und Rügen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Hannover. (Verlagsinfo)

Zur Einstimmung auf Hiddensee und die Geschichte kann ich den Video-Trailer des Autors auf seiner Website empfehlen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

…und hinterm Dornbusch fällt ein Schuss | Erschienen am 1. Februar 2018 im Hinstorff Verlag
ISBN 978-3-35602-178-3
352 Seiten | 12.99 Euro
Bibliografische Angaben & Buchtrailer

Weiterlesen: Die erwähnten Krimis von Tim Herden wurden ebenfalls bei uns besprochen.