Kategorie: Politthriller

Gerald Seymour | Vagabond

Gerald Seymour | Vagabond

„Ich kenne keinen Besseren als Vagabond. Er ist so erfolgreich, weil er durchs Feuer geht, um seine Zielperson zu kriegen. Der ruft nicht bei der Gesundheitsbehörde an, wenn’s mal brenzlig wird, oder beschwert sich wegen Überstunden. Dieser Mann wäre von den Toten auferstanden, um meiner Anweisung zu folgen. Hatte ich das Recht, ihn aus dem Ruhestand zu holen? Diese Bürde muss ich tragen.“ (Auszug Seite 449-450)

Nordirland, 2000er Jahre: Nach dem Friedensschluss ist verhältnismäßig Ruhe eingekehrt im zerrissenen Land. Die meisten der ehemaligen Kämpfer haben sich dem Prozess unterworfen. Doch es gibt sie noch, die Frustrierten, ewig Gestrigen. Doch sie sind weitgehend isoliert, haben nur noch wenig direkte Unterstützung und nur noch sehr begrenzte finanzielle Mittel. Mit frischen, modernen Waffen könnte man vielleicht wieder ins Spiel kommen. Und so bemüht sich eine IRA-Splittergruppe um Waffen von einem russischen Waffenhändler. Doch der Deal steht im Visier des Geheimdienstes, der Mittelsmann ist ein Informant. Die Aktion wird geleitet von Gaby Davies, doch ihr Vorgesetzter beim MI5, Matthew Broderick, hat besondere Anforderungen, so dass er einen zusätzlichen Agenten reaktiviert: Danny Curnow, ehemaliger Deckname: Vagabond.

Danny war jahrelang Agentenführer beim FRU, einer verdeckten Geheimdiensteinheit in Nordirland, die sich auf die Infiltration von republikanischen Terroristengruppen spezialisiert hatte. Vagabond war einer der erfolgreichsten Führungsoffiziere, sorgte für die Festnahme oder für den Tod von IRA-Kämpfern, aber war ebenso mitbeteiligt, wenn Informanten getötet wurden oder sogar Unbeteiligte geopfert wurden, um die Glaubwürdigkeit von wichtigen Spitzeln zu erhalten. Irgendwann wurde es Danny zu viel und er ist einfach gegangen, ohne offiziell zu kündigen. Er hat sich mit seinem engen Kollegen Dusty neu orientiert. Die beiden sind nach Nordfrankreich gezogen und haben sich dort als Touristenführer für die Schauplätze des Zweiten Weltkriegs etabliert. Dort wird Danny von Broderick aufgespürt und mit leichtem Zwang rekrutiert.

Schauplatz des Deals wird Tschechien sein. Dort, in einer Villa in Karlovy Vary, residiert Timofei Simonow, ehemaliger russischer Geheimdienstler, der sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Waffenhandel und anderen kriminellen Geschäften etablierte. Der Mittelsmann und Informant Ralph Exton ist ein alter Freund von Simonow, ein Lügner und Opportunist. Von Seiten der IRA ist ein alter Bekannter von Danny Curnow beteiligt, Malachy Riordan. Vagabond hatte vor Jahrzehnten dessen Vater liquidieren lassen. In Prag warten die meisten der Beteiligten auf den Abschluss des Deals, belauern sich und nähren ihre Zweifel, Ängste, Nervosität oder gar Vorfreunde.

Autor Gerald Seymour arbeitete lange Jahre als politischer Journalist. 1975 veröffentlichte er seinen ersten Politthriller „Harry’s Game“ („Das tödliche Patt“ in der deutschen Übersetzung). Seitdem brachte Seymour fast jährlich ein neues Buch heraus und etablierte sich insbesondere in seiner britischen Heimat in der ersten Riege der Politthrillerautoren. Mehrere seiner Romane wurden fürs britische Fernsehen verfilmt. In Deutschland wurde Seymours Thriller bis zum Ende der 1990er regelmäßig übersetzt. Danach tat sich allerdings fast zwanzig Jahre oder vierzehn Romane lang nichts, bevor Thomas Wörtche ihn in seiner Reihe bei Suhrkamp wieder hervorholte. Übersetzt wurde „Vagabond“ übrigens von den in der deutschen Krimiszene auch nicht ganz unbekannten Zoë Beck und Andrea O´Brien.

Danny Curnow hatte vor all den Jahren, als Hanna ihn vor die Wahl stellte, geschwiegen, weil er nichts anderes gewagt hatte. Er war vergiftet. Mit den Toten zu marschieren war die Schuld, die er zu begleichen hatte. (Seite 70)

Müsste ich Gerald Seymours Stil in Vagabond mit einem Wort beschreiben, würde ich vermutlich „präzise“ wählen. Oder „minutiös“. Seymour sammelt von Beginn an ein üppiges Personal an und wechselt auch sehr häufig die Perspektive. Dadurch wird es durchaus komplex, aber man hat trotzdem das Gefühl, dass der Autor alles im Griff hat. Das Buch ist durchaus ein Polit- oder Spionagethriller, es geht um die IRA und um einen Waffenhändler und um die schmutzige Arbeit der Geheimdienste. Aber keine Angst vor politischen Referaten, denn Seymour nähert sich der Thematik über seine Figuren. Diese werden intensiv beschrieben und aufs Engste durch diese Geschichte begleitet.

Fast alle haben eine Schuld auf sich geladen, sind Verräter, Opportunisten, Karrieristen, doch ihre Beschreibung bleibt nicht eindimensional. Sehr eindrucksvoll gelingt dem Autor auch die Skizzierung eines Nordirland, in dem die Grenzen zwischen Informanten, Verrätern, Terroristen und Friedensgewinnern sehr diffus sind und die Vergangenheit nicht so einfach unter den Teppich gekehrt werden kann. Denn dafür gab es zu viele Ungerechtigkeiten, zu viele Personen auf beiden Seiten wurden vereinnahmt, unter Druck gesetzt, gebrochen und dann wieder allein gelassen. Oder der Rache der Gegenseite überlassen.

Der Leser darf hier kein Actionfeuerwerk erwarten. Es gibt keinen wilden Ritt durch mehrere Länder mit großem Waffenarsenal. Stattdessen bietet Vagabond in bester Le-Carré’scher Tradition einen unverfälschten Blick in die deprimierende Arbeit der Geheimdienste, präzise Psychogramme der beteiligten Figuren und darüber hinaus einen manchmal etwas tempoarmen, aber dennoch spannenden Plot, bei dem der Leser irgendwann ahnt, dass hinter der ganzen Aktion noch mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat. Und recht behält (eigentlich unnötig, dass der Klappentext dies auch andeutet).

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Vagabond | Erschienen am 12. Dezember 2017 im Suhrkamp Verlag
ISBN 987-3-518-46742-8
498 Seiten | 14.95 Euro
Bibliografischer Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen des .17specials Ein langes Wochenende mit… Spionageromanen.

Claudia Piñeiro | Der Privatsekretär

Claudia Piñeiro | Der Privatsekretär

Wieder wäre ich am liebsten mit den Fäusten auf ihn losgegangen. Aber damit hätte ich mir keinen Gefallen getan. Das Spiel um die Macht, das zwischen uns ausgetragen wurde,entschied sich auf einem anderen Feld und bei einer anderen, womöglich kaum wahrnehmbaren Gelegenheit. Irgendwann würde es so weit sein, dass er, der Herr, seinem Knecht unterlegen wäre. Aber wie würde ich merken, dass dieser Augenblick gekommen wäre. Nun – er war es, jetzt. (Auszug Seite 211).

Der junge Román Sabaté bewirbt sich mehr durch Zufall für einen Job bei „Pragma“, einer aufstrebenden populistischen Partei in Argentinien. Der Parteichef Fernando Rovira ist ein charismatischer Mann, der nur ein Ziel kennt: Das Präsidentenamt. Román schafft es bis in den innersten Zirkel um Rovira und erkennt irgendwann das Ausmaß der Polittricks, Lügen und Manipulationen. Doch sein Versuch, aus diesem Netz auszubrechen, wird für Román höchstgefährlich.

Der Roman beginnt mit einer Flucht: Román wartet im Busbahnhof auf einen Bus, der ihn aus Buenos Aires herausbringen soll. Aber er tritt die Flucht nicht alleine an: Er hat Joaquín bei sich, Fernando Roviras kleinen Sohn. Die Geschichte wird nun abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt und mit Rückblicken wird offenbart, wie es so weit kommen konnte.

Román Sabate ist gerade erst nach Buenos Aires gezogen, benötigt dringend Geld, um sich über Wasser zu halten und probiert es einfach mal bei dem Vorstellungsgespräch bei dieser Partei „Pragma“, zu dem ihn sein Zimmergenosse Sebastián Petit mitgeschleppt hat. Anders als sein Kumpel, der Politikwissenschaft studiert, hat Román mit Politik nicht viel am Hut, trotzdem erhält überraschend er den Job und nicht Sebastián (der allerdings später über Román in die Partei kommt). Der Parteichef Fernando Rovira hält von Anfang an große Stücke auf Román, obwohl dieser nicht unbedingt ein politischer Stratege ist. Román wird Privatsekretär und Fitnesstrainer von Rovira und erhält auch Zugang zu dessen Frau und später zu dessen Sohn. Doch nach und nach wird in dieser Geschichte Unglaubliches aufgedröselt, eine Manipulation ungeheuren Ausmaßes, in der Rovira Román verwickelt hat und die diesen schließlich veranlasst, sich Rovira entgegenzustellen. Dabei erhält er Unterstützung durch die Journalistin Valentina Sureda (wegen ihrer asiatischen Augen „China“ genannt), in die sich Román verguckt hat (und umgekehrt). China ist Reporterin eines TV-Senders und schreibt gerade ein Buch, durch das sie Kontakt zu Rovira und Román hat. Dieses Buch (das in Skizzenform auch als Kapitel in diesem Roman vorkommt) handelt vom sogenannten Alsina-Fluch. Ein hartnäckiger Fluch, der von allen Politikern in Argentinien bestritten wird und doch im Verborgenen durch den verbreiteten Aberglauben das Handeln bestimmt. Dieser Fluch besagt, dass es keinem Gouverneur der Provinz Buenos Aires (zu dem die Hauptstadt wegen eines Sonderstatus nicht gehört) gelingt, argentinischer Präsident zu werden. Besondere Bedeutung erlangt dabei die Planstadt und Provinzhauptstadt La Plata, um deren Gründung sich ebenfalls merkwürdige Gerüchte ranken.

Fernando Rovira war erfolgreicher Bauunternehmer, bevor er dann in die Politik ging, eine Bürgerbewegung gründete und bei der Wahl des Gouverneurs gewann. Doch Rovira weiß um diesen Fluch, er hat einen umtriebigen Spin-Doctor und eine Mutter, die so etwas wie eine Seherin ist, die ebenfalls darauf hinarbeiten, diesen Fluch zu bezwingen. Und so arbeitet Rovira verbissen auf sein Ziel, das Präsidentenamt, hin und ist sich dabei keiner Täuschung und poltischen Instrumentalisierung zu schade. Sein wichtigstes politisches Projekt aktuell: Die Teilung der Provinz Buenos Aires in zwei neue Provinzen, um damit den Fluch zu brechen.

Sehr faszinierend ist der Einblick in die Mechanismen der Macht, den die Autorin hier bietet. Eine sklavische Unterordnung an Umfragewerte, Meinungsbilder und Statistiken, garniert mit einer großen Portion Aberglaube. Fernando Rovira ist eine dieser skrupellosen, populistischen, aber charismatischen Politaufsteiger, die ohne große eigene Visionen sich allerlei Tricks und Lügen (und Schlimmeres) zu Nutze machen. Dies fällt irgendwann auch Román auf, der dann auf einer Busfahrt ein Aha-Erlebnis hat. Er kommt ins Gespräch mit einer Philosophielehrerin, die ihn auf Hegels Dialektik von Herr und Knecht aufmerksam macht. Obwohl das Verhältnis eindeutig scheint, sich der Knecht untergeordnet hat, ist der Herr in Wirklichkeit ebenfalls von seinem Knecht abhängig.

Autorin Claudia Piñeiro ist eine der erfolgreichsten argentinischen Autoren. Sie schreibt auch Kinder- und Jugendbücher, arbeitet als Regisseurin und beim Theater. Piñeiro ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Karriere als Rechnungsprüferin. Ihr Debütroman „Ganz die Deine“ erschien 2003. Ihre Romane sind zumeist Dramen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, oftmals verpackt in eine Kriminalgeschichte.

Der Privatsekretär ist ein wirklich exzellent komponierter Roman. Die ganzen Perspektivwechsel, Rückblenden und Buchauszüge fügen sich sehr gekonnt zu einer starken Geschichte zusammen. Auch die Figuren überzeugen in ihren jeweiligen Rollen. Was ich bemerkenswert fand: Der Roman zeigt den Niedergang einer demokratischen politischen Kultur und kommt gleichzeitig ohne politische Themen aus. Wofür Rovira und „Pragma“ eigentlich stehen, bleibt völlig offen. Entscheidend ist die entblößende Darstellung und Analyse eines Politikstils der Täuschung und Machtgier ohne Inhalte. Trotz der anspruchsvollen Konzeption des Romans gelingt Claudia Piñeiro auch noch ein gelungener Spannungsbogen. Lediglich das Ende fühlte sich (ohne zu spoilern) relativ unspektakulär an, bietet aber dafür eines der großartigsten Schlussbilder, die ich bisher in einem Thriller gelesen habe. Das Buch ist definitiv ein Highlight in diesem Jahr!

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Der Privatsekretär | Erschienen am 1. Februar 2018 im Unionsverlag
ISBN 978-3-293-31014-8 (EPUB)
eBook: 288 Seiten | 18.99 Euro
ISBN 978-3-293-00534-1 (Hardcover)
320 Seiten | 22. Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Joakim Zander | Der Freund Bd. 3

Joakim Zander | Der Freund Bd. 3

Jacob erträgt die Aufnahme nur wenige Sekunden lang, sie ist zu unverblümt. Zu drastisch und widerwärtig. Seine Finger zittern, als er den Deckel des Laptops zuschlägt, um nicht mehr davon sehen zu müssen. Er vergräbt sein Gesicht in den Händen. „Was haben Sie getan?“, fragt er schluchzend. „Und warum?“ (Auszug Seite 120)

Ein Student aus Uppsala lalalalalalala

Jacob Seger ist ein ehrgeiziger, schwedischer Student. Als angehender Diplomat macht er ein Praktikumsjahr in der schwedischen Botschaft in Beirut. Es gibt aber nicht so viel zu tun und er ist sich oft selbst überlassen. Auf der Dachparty einer Nachbarin lernt er Yassim kennen und verliebt sich sofort in den arabischen Kriegsfotografen. Es beginnt eine leidenschaftliche Beziehung. Yassim gibt sich geheimnisvoll und ist oft wochenlang unterwegs und lässt nichts von sich hören. Eine Agentin des schwedischen Geheimdienstes nimmt Kontakt zu Jacob auf und behauptet, Yassim wäre ein Terrorist, sogar ein Drahtzieher, der Anschläge in Europa vorbereitet. Die mysteriöse Myriam Awad hatte Jacob eine Falle gestellt und mit diesem Druckmittel in der Hand will sie ihn zwingen seinen Freund auszuspionieren. Jacob ist hin- und hergerissen und weiß nicht, was er glauben soll. Als er einen Kurierdienst für Yassim erledigen soll, indem er einen USB-Stick außer Landes nach Europa schmuggelt, fällt ihm in seiner Not nur die schwedische Anwältin für Menschenrechte Gabriella Seichelmann ein, die er im Fernsehen gesehen hat und bittet sie um Hilfe.

Währenddessen wird die ehemalige EU-Referentin Klara Walldéen Zeugin, wie ihre Freundin Gabriella verhaftet wird. Im Rahmen eines Anti-Terror-Einsatzes wird sie direkt vor ihrer Kanzlei in Stockholm festgenommen. Die schockierte Klara will der Freundin helfen und sich anstelle von Gabi mit einem geheimen Informanten in Brüssel treffen, aber bevor sie begreift, um was es geht, gerät sie in Gefahr und zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Beirut, die Stadt der Gegensätze

Der dritte Band von Joakim Zander verbindet wieder Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen, wie die Terroranschläge im Jahr 2015 in Paris mit einer spannenden, fiktionalen Geschichte. Abwechselnd wird in beiden Erzählsträngen in kurzem Kapiteln und hohem Tempo erzählt. Wenn im letzten Drittel die beiden Handlungsstränge miteinander verknüpft werden und Jacob und Klara in Brüssel aufeinander treffen, wird die Geschichte deutlich rasanter mit jeder Menge Action in Form von Schießereien und Verfolgungsjagden.

Im ersten Drittel des Politthrillers beschäftigt sich der Autor sehr detailliert und empathisch mit Jacob und seinen Erlebnissen. Seine Gefühle, Gedanken und Wünsche nehmen einen großen Raum ein und sein Zwiespalt wird glaubhaft dargestellt. Dieser Handlungsstrang beinhaltet nicht sehr viel Thrill, trotzdem war er für mich sehr interessant und fesselnd. Der Leser erlebt durch Jacobs Augen den schillernden Schauplatz Beirut, dessen faszinierende Atmosphäre der Autor gekonnt einfängt. Es gelingt ihm, ein Bild dieses zerrissenen Landes der totalen Gegensätze wiederzugeben. Wir begleiten Jacob durch die flirrende Beiruter Nachtwelt und erleben mit ihm die Unruhen der unterschiedlichen Religionsgruppen und der syrischen Flüchtlinge. Demonstrationen und Protestaktionen sind an der Tagesordnung. Auch die gesellschaftliche Stellung der Homosexuellen in dem arabischen Land wir thematisiert.

Yassim meint den eingezäunten Beach Club auf der anderen Seite der Corniche, der zur Universität gehört, ein Aushängeschild der Privilegierten. Nichts bringt Beiruts doppeltes Gesicht besser auf den Punkt als die Einschusslöcher in den Umkleidekabinen der exklusiven, überteuerten Strandclubs. Hedonismus und Gewalt in einem ewigen Tanz entlang des privatisierten Küstenstreifens. (Seite 175)

Die Charaktere

Der strebsame Jacob kommt aus einfachen Verhältnissen, die er hinter sich lassen möchte. Er hat dafür sogar seinen Namen geändert. Sein Ziel, im diplomatischen Dienst Karriere zu machen, hat er fest vor Augen. Es enttäuscht ihn, dass man in der Botschaft keine wichtigen Aufgaben für ihn hat. Als er dann Yassim kennenlernt, kreisen seine Gedanken nur noch um seinen Freund und wann sie sich wiedersehen und seine Zeit ist geprägt von Aufregung. Der brisante Auftrag, den er Yassim zuliebe erledigen will, überfordert den naiven Studenten jedoch.

Yassim bleibt bis zum Schluss eine undurchschaubare Figur und das erhöht die Spannung natürlich noch.

Klara ist aufgrund der Ereignisse aus den letzten beiden Bänden und nach dem Tod ihres geliebten Großvaters angeschlagen. Als es darauf ankommt, findet sie aber zu alter Stärke zurück. Der Handlungsstrang um Klara ist nicht ganz so dynamisch, auch wenn der Autor hier versucht, die Verhaftung von Gabi durch ein Spezialeinsatzkommando besonders spektakulär zu gestalten.

Fazit

Beim dritten Band der Klara-Walldéen-Reihe Der Freund handelt es sich um eine abgeschlossene Geschichte, die man problemlos lesen kann ohne Kenntnis der zwei Vorgängerbände Der Schwimmer und Der Bruder. Zander bleibt sich in der Thematik treu und es geht um den Nahen Osten und um seine Lieblingsthemen Terrorismus und Spionage. Diesmal sind es nur zwei leicht zeitversetzte Erzählperspektiven. Das hat der Spannung gut getan, denn der dritte Band ist nicht so komplex und verlangt daher nicht ganz so viel Konzentration, glänzt aber mit vielen unerwarteten Wendungen. Der Autor kann seine Erfahrungen in der internationalen Diplomatie mit einbringen und spiegelt die Wirklichkeit glaubwürdig wider. Besonders geglückt empfinde ich wieder seine intensiven Beschreibungen der jeweiligen Schauplätze.

 

Rezension und Foto von Andy Ruhr.

Der Freund | Erschienen am 1. September 2017 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-499-27363-6
464 Seiten | 14.99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

30. März 2018

Weiterlesen: Andys Rezensionen zu Joakim Zanders Romanen Der Schwimmer und Der Bruder | weitergehende Verlagsinfo

Diese Rezension erscheint im Rahmen des Mini-Spezials Ein langes Wochenende mit … Schwedenkrimis.

Christian von Ditfurth | Giftflut

Christian von Ditfurth | Giftflut

„Wenn jemand den Westen zerstören will, würde er dieses Programm fahren“, sagte de Bodt.
„Aber wer will den Westen zerstören? Davon quatschen die in der Glotze dauernd.“
„Die Chinesen nicht, die Russen nicht. Die Islamisten natürlich. Aber die können es nicht. Wer will den Westen zerstören, und wer kann es auch?“
Salinger schwieg eine Weile. „Was heißt eigentlich den Westen zerstören?“
„Bomben zerstören Menschen und Gebäude. Aber nicht die Demokratie. Was oder wer die hiesige Demokratie zerstört, das sind eher die Regierungen. Maßnahmen, die die Sicherheit nicht erhöhen, aber Rechte aushöhlen.“
[…] „Wir drehen uns im Kreis. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wer so eine Operation durchziehen kann“, sagte de Bodt. (Auszug Seiten 184-185)


In Berlin wird die Oberbaumbrücke Ziel eines Spengstoffanschlags, wenig später auch eine Seinebrücke in Paris und die Tower Bridge in London in die Luft gejagt. Sehr planmäßig durchgeführte Anschläge, die Hunderte von Todesopfern fordern. Das Seltsame: Den Anschlägen gingen jeweils Doppelmorde an leitenden Angestellten der städtischen Wasserwerke voraus. Hauptkommissar de Bodt versucht unter großem Einsatz, die Verbindung zwischen den Taten zu ziehen, um weitere Anschläge zu verhindern.

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