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Christoffer Carlsson | Zeit der Angst Bd. 4

Christoffer Carlsson | Zeit der Angst Bd. 4

Abschluss der schwedischen Leo-Junker-Reihe von Christoffer Carlsson: Tristesse – resignativ

Den tunna blå linjen, so der Titel des Originals, bezieht sich auf ein Symbol der schwedischen Polizeibehörde. Es wird von Polizisten manchmal als Button auf der Uniform getragen, eine weiße Flagge auf schwarzem Grund, horizontal geteilt von einer aquamarinblauen Linie. Die obere Hälfte repräsentiert die Allgemeinheit, die Gesetzestreuen, die zum Erhalt der Gesellschaft beitragen. Die untere Hälfte stellt die Welt der Gesetzlosen, der Kriminellen dar. Dazwischen gibt es nur die Polizisten, die als Beschützer der Gesellschaft verhindern sollen, dass sich Gewalt und Anarchie in sie hinein ausbreiten. Sie sind die blaue Linie, die Barrikade zwischen Ordnung und Chaos, zwischen Leben und Tod. Aber diese Grenze ist durchlässig, und sie wird auch von Polizisten manchmal überschritten. Das ist ein wichtiges Thema Carlssons, und es spielt auch in diesem Roman eine große Rolle. Wie gewohnt erleben wir den Autor als unbequemen Mahner, der glaubwürdig Missstände im Polizeiapparat aufzeigt. Als studierter Kriminologe kennt er das Innenleben der Behörden sehr wohl und weiß, wovon er spricht, nämlich von bürokratischen Hemmnissen, von Intrigen und Inkompetenz, aber auch von falsch verstandenem Korpsgeist, von Zusammenhalt gegen Angriffe von außen genauso wie gegen Nestbeschmutzer aus den eigenen Reihen. Carlsson tritt aber vor allem auf als gnadenloser System- und Gesellschaftskritiker sowie als Chronist, der nicht nur die Probleme in seinem Heimatland, sondern immer auch das aktuelle Weltgeschehen im Blick hat und in seine Romane einfließen lässt.

Diesmal färben die Ereignisse im Herbst 2015 auf die Handlung ab, der Titel der deutschen Ausgabe spielt an auf die Stimmungslage, die angesichts der angespannten Flüchtlingssituation auch in Schweden zu kippen droht. Nach den Terroranschlägen vom 13. November in Paris, als im Bataclan-Theater und an mehreren anderen Tatorten 130 Tote zu beklagen waren, sind die Bürger schockiert und besorgt, und als das Gerücht die Runde macht, dass auch in Stockholm ein Attentat geplant sei, bricht Panik aus. Sämtliche verfügbaren Polizeikräfte sind abkommandiert, um die muslimischen Kreise der Hauptstadt mit allen Mitteln zu beobachten und zu überwachen. Dabei herrscht sowieso schon Chaos bei den Ordnungshütern; seit einem Jahr läuft die Umstrukturierung des schwedischen Polizeiwesens, aber sie läuft komplett aus dem Ruder. Wahllos werden die Mitarbeiter in die verschiedensten Dezernate geschickt, so dass sie nicht einmal das Wichtigste erledigen können. Im Morddezernat beispielsweise ist man schon lange am Anschlag vor Überlastung.

So ist die Leiterin der Abteilung, Anja Morovi, überhaupt nicht begeistert von der Bitte eines ihrer Kriminalbeamten, einen alten Fall noch einmal aufrollen zu dürfen, dessen Akten nach ergebnislosen Ermittlungen im Archiv verstauben und in Kürze an die Abteilung für Cold Cases übergeben und endgültig begraben werden sollen. Immerhin kann sie sich dem Argument nicht verschließen, dass es der Mordkommission gut zu Gesicht stünde, wenn der ungelöste Fall in letzter Minute aufgeklärt werden könnte. Also gibt sie ihre Zustimmung, Leo Junker bekommt zwei Wochen Zeit, um gemeinsam mit seinem Partner Gabriel Birck den Mord an einer Prostituierten aufzuklären, der vor fünf Jahren Berge von Ermittlungsakten füllte, die schließlich ergebnislos geschlossen wurden. Damals war Leo gar nicht mit den Untersuchungen befasst, seine Beweggründe, sich jetzt doch noch mit dem Verbrechen an der jungen Frau zu beschäftigen, behält er vorläufig für sich. Er wühlt nämlich nur widerwillig und auf Drängen seines alten Freundes John Grimberg in einigen laufenden Metern Archivkartons.

Mit ihm ist Leo aufgewachsen, in einem sozialen Brennpunkt der Hauptstadt, sie wurden beste Freunde und niemand kannte ihn so gut wie Grim, der ihm umgekehrt immer ein Rätsel blieb und irgendwann sein schlimmster Feind wurde, der ihn sogar töten wollte und seine Freundin Sam schwer verletzt. Grim landete schließlich im kriminellen Milieu, während Leo Polizist wird und eine beachtliche Karriere macht, bis er bei einem missglückten Einsatz aus Versehen einen Kollegen erschießt. Das traumatische Erlebnis hat einen steilen Abstieg zur Folge, es folgen Tablettensucht, Alkoholabhängigkeit, Suspendierung vom Dienst und eine schwere Krise in der Beziehung mit Sam. Leo ist ganz unten angekommen, da wird er angeschossen und liegt schwer verletzt im Krankenhaus, als er überraschend Besuch von Grim bekommt. Der sitzt zu dieser Zeit in der Forensischen Psychiatrie ein und erzwingt sich einen Freigang, um den Freund zu besuchen, der vielleicht sterben wird. Unter den Augen seiner Bewacher löst er sich in Luft auf und bleibt anschließend wie vom Erdboden verschwunden.

Das war vor gut einem Jahr, inzwischen hat Leo unter großer Anstrengung seine Sucht überwunden, sein Verhältnis zu Sam scheint sich zu normalisieren und vor allem, er darf nun wieder ganz offiziell bei der Kripo arbeiten. Plötzlich meldet sich Grim, nach dem immer noch gefahndet wird, aus dem Untergrund und verlangt einen Freundschaftsdienst von ihm. Nach einigem Zögern tut er ihm den Gefallen und bringt sich damit in größte Schwierigkeiten. Leo kann selbst nicht begründen, warum er seinen alten Freund schützt, denn dass er den Kontakt zu ihm verheimlicht, ist Strafvereitelung im Amt. Grim, so glaubt er, ist der Einzige, der ihn je verstanden hat. In ihm sieht Leo fast ein Spiegelbild seiner selbst, glaubt, dass sie einander ganz gleich sind, er kein Bisschen besser als Grim. Später wird er erkennen, dass der Freund ihn nur benutzt hat, nicht zum ersten Mal. Als er ihn fragt, warum, antwortet der: „Weil ich es nie lerne“. Aber auch Leo wiederholt seine Fehler, so belügt er seine Freundin und verheimlicht ihr, dass ihr alter Feind wieder da ist. Sam zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, um über ihre Beziehung nachzudenken. Schließlich wird sie zurückkehren, um Leo noch eine letzte Chance zu geben.

Warum Grim unbedingt ihm so zusetzt, damit er den Fall des Prostituierten-Mordes noch einmal untersucht, wird Leo erst klar, als er erkennt, dass sein Freund damals selbst an dem Geschehen beteiligt war. Aber welche Rolle hat er gespielt? Gabriel Birck ahnt von den Zusammenhängen nichts, er beteiligt sich eher lustlos an den Recherchen, zumal die Ermittler am eigenen Leib erfahren müssen, wie heikel und schwierig ihre Arbeit gegen Widerstände im eigenen Haus und gegen den Willen der Führungsetage ist. Der Grund hierfür wird klar, als sie erkennen müssen, dass auch mehrere Kollegen offenbar in die Vorgänge verwickelt waren. Je mehr sich Leo und Gabriel in den Fall verbeißen, desto fraglicher wird, ob sie wirklich genug Beweise sammeln können, um den Täter zu überführen. Ihre Verdachtsmomente gründen sich hauptsächlich auf vage Hinweise aus den Archiven, in denen sie eine mühsame Suche nach Spuren aufnehmen, denen die Kollegen seinerzeit nicht nachgegangen sind. Auch wenn sie wenig in der Hand haben, können sie ihre Chefin überzeugen, insgeheim weiterforschen zu dürfen.

Und so studieren sie weiter geduldig die fünf Jahre alten Niederschriften, lesen ein ums andere Mal die Verhör-Protokolle und Befragungsnotizen, schauen sich Aufnahmen vom Tatort an. Akribische, alltägliche Polizeiarbeit also, realistisch dargestellt und entsprechend nüchtern, fast monoton, ohne die ganz große Spannung kommt der Plot daher, ohne mitreißende, fesselnde Szenen kommt die Krimihandlung aus, die zudem immer wieder in den Hintergrund rückt. Das führt dazu, dass der Plot nur mühsam, geradezu lethargisch entwickelt wird und auch der Stil Carlssons passt sich der Grundstimmung an, ist unaufgeregt, langsam, fast ein wenig müde. Es scheint, als fiele dem Autor nicht mehr viel zu seinem Protagonisten ein, der nun über vier Bände hinweg einen weiten Handlungsbogen trägt, der nun sein wohlüberlegtes und wohl folgerichtiges Ende erreicht.

Waren die ersten Romane der Leo-Junker-Reihe noch geprägt von einem Wust an Figuren und Handlungssträngen und damit verbunden mit einem hektischen hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie ständigen Perspektivwechseln, so konzentriert sich Carlsson diesmal ganz und gar auf Leo und die wenigen Personen, mit denen er im Hier und Jetzt zu tun hat. Wenn Ereignisse aus der Vergangenheit eine Rolle spielen, so sind es Leo oder Grim, die sich daran erinnern und davon erzählen. Für den Kenner der Reihe lässliche Reminiszenzen, für Neueinsteiger eher zu dürftige Informationen über die doch recht komplexen Zusammenhänge. Es empfiehlt sich daher, die Romane in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, denn es gibt einen Handlungsbogen, der sich über alle vier Romane hinweg ausbreitet und die Entwicklung der wichtigsten Personen und ihre Beziehung zueinander einschließt. Dies betrifft natürlich vor allem die besondere Verbindung zwischen Leo und Grim, ihr persönliches Drama, das hier etwas nachdenklich, wehmütig, melancholisch erzählt wird. Neben und noch vor der soliden Krimihandlung ist es dieses merkwürdige Verhältnis, das die Substanz dieses abschließenden Bandes ausmacht. Leo versucht, sich über die Verbindung zu seinem Freund Grim klar zu werden, diese merkwürdige, anstrengende und häufig schmerzhafte Beziehung zu verstehen und für sich einzuordnen. Oft genug wurde seine Loyalität auf die Probe gestellt, wurde er hintergangen und die Freundschaft verraten. Ist es möglich, all das zu verdrängen, die Verletzungen zu vergessen, trotz aller Differenzen die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen? Leo träumt von einer harmonischen Zukunft mit Grim, aber er weiß, dass es die nicht geben kann, zu weit haben sie sich voneinander entfernt. Schließlich wird ihm die Entscheidung abgenommen.

Leo Junker , dieser eigenartige, melancholische, manchmal fragwürdige und oft schwierige und problematische Charakter, den ich nie vollständig verstanden habe und selten uneingeschränkt sympathisch fand, ist mir bei diesem letzten Auftritt irgendwie näher als in den vorigen Romanen. Am Ende scheint Leo, der immer auch verunsichert, von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt war, bei sich angekommen zu sein und mit sich im Reinen. Während die vorhergehenden Bücher immer mit einem Fragezeichen endeten, zieht Carlsson diesmal einen klaren Schlussstrich. Das Ende der Geschichte von Leo und Grim ist nicht frei von Tristesse und der Blick auf Leos berufliche wie auch private Perspektive ziemlich pessimistisch und fast resignativ, auch wenn für den Moment fast alles im Lot scheint. Mehr werden wir nicht erfahren, lautet das Resümee.

Mein Fazit für „Zeit der Angst“ lautet: Nicht der stärkste Band der Reihe.

 

Rezension und Foto von Kurt Schäfer.

Zeit der Angst | Erschienen am 24. September 2018 im Verlag C. Bertelsmann
ISBN 978-3-570-10344-9
368 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Auch bei uns: Die Rezensionen zu den vorangestellten drei Teilen Der Turm der toten Seelen (Bd. 1), Schmutziger Schnee (Bd. 2) und Der Lügner und sein Henker (Bd. 3)

Benedikt Gollhardt | Westwall

Benedikt Gollhardt | Westwall

Er hatte sich auf einen Deal eingelassen, der seine dunkle Seele noch ein Stück dunkler werden lassen würde. Der Rabe hackte es mit seinem Schnabel tief in seinen Rücken: Die Frau, die ihm gerade lächelnd gegenübersaß, die er mochte und die ihn mochte, war sein Opfer. Alles in Nick revoltierte, er musste Licht hereinlassen, wenigstens ein bisschen, bevor er platzte, weshalb er vorsichtig zu erzählen begann: von dem Zuhause, das nie ein Zuhause gewesen war, von der Freiheit, die sich als Einsamkeit, Angst und Leere entpuppte. Von den Reisen, die nichts anderes waren als ein Umherirren, und von der Wut, die wuchs und wuchs. Wut auf die, die ihn allein gelassen hatten. Und auf die Welt an sich. (Auszug Seite 185)

Julia Gerloff ist Polizeischülerin auf der Polizeischule in Brühl. Sie lernt einen netten jungen Mann scheinbar zufällig in der Straßenbahn kennen. Doch Nick ist nicht der, der er zu sein vorgibt, was Julia allerdings ziemlich schnell herausfindet, als sie nach einer gemeinsamen Nacht sein Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken entdeckt. Aber die Geschichte ist für Julia noch nicht vorbei und sie führt tief in ihre eigene Vergangenheit. Denn Julia ist ins Zentrum von Aktivitäten verschiedener Geheimdienstler und einer rechten Splittergruppe geraten. Diese Gruppe um die dominante Ira sammelt obdachlose Kinder und Jugendliche um sich und schwört sie in einem alten Forsthaus im Hürtgenwald bei den Überresten des Westwalls auf ihre Ideologie ein.

Nick heißt eigentlich Christian und ist ein Abtrünniger der rechten Gruppe und nun vom Bundesamt für Verfassungsschutz als V-Mann zwangsverpflichted worden. Er soll sich an Julia heranmachen und auf die Neonazis aufmerksam machen. Doch es mischen noch weitere Personen mit und allmählich wird klar, dass das rechte Netzwerk größer ist als gedacht. Währenddessen planen die Rechten im Wald ein aufmerksamkeitswirksames Attentat.

Ira ließ ihren Blick über die Reihen der Jugendlichen gleiten. „Ihr kommt aus einer Welt, die euch nicht will. Eure Mütter wollen euch nicht. Eure Väter wollen euch nicht. Das System will euch nicht. Ihr seid die Gespenster der Gesellschaft, die man nicht sehen will.“ (Seite 70)

Autor Benedikt Gollhardt hat mit Westwall sein Romandebüt verfasst, nachdem er vorher Drehbuchautor u.a. für Serien wie „Danny Lowinsky“ oder „Türkisch für Anfänger“ war. In einem Interview im Anhang beschreibt er es als „befreiend“, den Zwängen und Reglementierungen des Drehbuchschreibens im Rahmen dieses Romans entkommen zu sein. Als Thema bringt er das aktuelle Geschehen um rechte Gruppen, die sich im Verborgenen auf eine eventuelle Machtübernahme oder terroristische Aktivitäten vorbereiten. Dabei spielt Gollhardt ein Szenario durch, das man angesichts solcher Fälle wie des ehemaligen Chefs des Bundesamts für Verfassungsschutzes Maaßen für nicht völlig abwegig erachten kann: Ein rechtskonservatives Unterstützungsnetzwerk von Personen mit Einfluss in Politik, Geheimdienst und Polizei.

Gollhardt punktet außerdem mit einem gut gewählten Schauplatz. Neben Köln und Umgebung spielt der Roman im tiefen Wald. Der Hürtgenwald südostlich von Aachen strahlt im Buch diese intensive, undurchdringliche Ursprünglichkeit aus, die dem deutschen Wald ja gerne nachgesagt wird. Daneben beherbergt der Wald noch viele Überreste des legendären und mystisch-verklärten Westwalls, einer Verteidigungslinie mit Panzersperren und Bunkern entlang der deutschen Westgrenze. Der propagandistische Wert des Westwalls war zwar offenbar größer als der militärische, allerdings war die Schlacht im Hürtgenwald Anfang 1945 einer der schwierigsten Operationen der US-Armee im Rahmen des Zweiten Weltkriegs in Europa. Die dreieckigen Panzersperren, Bunker und ein Panzerskelett bilden ein überzeugendes Setting. Hinzu kommt ein verlassenes Forsthaus als Unterschlupf für die neue rechte Jugend.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Julia. Sie ist bei ihrem alleinerziehenden Vater in einer linken Aussteigerkommune aufgewachsen und sehr zu dessen Verdruss zur Polizei gegangen. Ihr Vater ist mit ihr nach Köln gezogen, ist jedoch inzwischen schwer krank und hält sich mehr oder weniger nur noch in seiner Wohnung auf. Julia ist eine sympathisch-emotionale junge Frau, manchmal etwas zu impulsiv, auch stellenweise naiv. Die Liaison mit dem undurchsichtigen Nick alias Christian wirkt als Impuls für die weitere Story und an dieser Lovestory mit einigen Hüs und Hotts gab es schon ein paar Dinge, die mich ein wenig gestört haben und die auch Einfluss auf die Handlung nehmen.

Generell setzt der Autor neben der Hauptfigur auch auf zahlreiche Nebenfiguren, die einen durchaus großen Raum einnehmen und die er, dies sei positiv erwähnt, mit ausreichender Tiefe ausstattet. Allerdings hat man teilweise das Gefühl, dass die Geschichte etwas straffer hätte erzählt werden können, wenn man auf die Details mancher Nebenfiguren verzichtet hätte. Insgesamt ist Westwall aber ein gut recherchierter und meist spannender Thriller, der vor allem durch sein Thema als auch durch seinen Schauplatz aus der Masse der Durchschnittsthriller ein wenig heraus sticht.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

Westwall | Erschienen am 25. März 2019 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10412-4
280 Seiten | 15.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Rezensions-Doppel: Saison der Wirbelstürme & Die Verschwundenen

Rezensions-Doppel: Saison der Wirbelstürme & Die Verschwundenen

Doppelrezension Mexiko

„Hoch in den Bergen erhebt sich der Adler auf silbernen Flügeln/Die Lieder der Indios/das Schweigen der Sierra/das Mondlicht auf den Hügeln“: Mexico mi amor – das Sehnsuchtsland deutscher Schlager. Rote Sonne, Sombreros, Latino-Frauen. Doch das Bild vom realem Mexiko sieht ein wenig anders aus. Heutzutage gilt das Land in Mittelamerika vielen als „failed state“, als ein Land, in der die Staatsmacht die Kontrolle längst verloren hat. In seinem Essay „Der rote Teppich“ beschreibt Juan Villoro die Machtausübung in Mexiko als „Gewerbe der Finsternis“, das „weder Transparenz noch Rechenschaftspflicht kennt“. In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends „wurde Mexiko ein Land von Blut und Blei“, ohne dass der Staat die Drogenkartelle letztlich ernsthaft schwächen konnte. Korruption, Seilschaften und Gewalt gehören seit jeher zum mexikanischen Alltag. Villoro zitiert den Schriftsteller Martín Luis Guzmán: „Wer zuerst schießt, tötet zuerst. Denn die mexikanische Politik, eine Politik der Pistole, konjugiert nur ein Verb: früh aufstehen.“ In einem solchen Rahmen ist ein literarischer Blick auf die mexikanische Gesellschaft interessant. Dabei muss nicht zwangsläufig der Rahmen eines Kriminalromans gewählt werden. Fernanda Melchor, junge Autorin aus dem Bundesstaat Veracruz, schrieb mit Saison der Wirbelstürme einen wütenden, noiresken Gesellschaftsroman aus einem Dorf irgendwo im Nirgendwo. Antonio Ortuño, bereits etablierter Autor, in Deutschland vor allem durch seinen Roman Die Verbrannten, hingegen siedelt seinen Roman in der Millionenstadt Guadalajara an. Zeit für eine Doppelrezension.

Fernanda Melchor | Saison der Wirbelstürme

In La Matosa, einem fiktiven Kaff in der mexikanischen Provinz, wird im Schilf eines Bewässerungskanals eine Leiche gefunden. Es ist die „Hexe“, die berühmt-berüchtigte „Heilerin“ des Dorfes, gefürchtet, verachtet und doch umgarnt. Die „Hexe“ war ein Transvestit, lebte in einem abgeschotteten Haus, wurde von den Frauen wegen ihrer Geheimtränke, von den Männern wegen sexueller Ausschweifungen und berüchtigter Drogenpartys aufgesucht. Wer sie ermordete, ist eigentlich weniger interessant, vielmehr wollen viele wissen, was es mit dem Schatz auf sich hat, der angeblich in ihrem Haus versteckt sein soll.

Fick deine Mutter, zischte Luismi. Stell dich nicht blöd, spöttelte Munra, du weißt genau, wovon ich rede. So sind die Weiber, wenn sie einen festzurren wollen: Sie nehmen ein paar Tropfen von ihrem schmutzigen Blut und träufeln es dir heimlich ins Wasser oder in die Suppe oder schmieren dir einen Tropfen auf die Ferse, während du schläfst, und das reicht, um dich ganz vernarrt zu machen, so wie du es jetzt in die Norma bist, merkst du nicht? (Seite 81).

Der Roman beginnt mit dem Fund einer Leiche, doch ein Krimi wird sich daraus nicht entwickeln, obwohl der Leser am Ende auch die Mörder kennen wird. Vielmehr entwickelt Autorin Fernanda Melchor ein kraftvolles Statement, ein wütendes Porträt einer rohen, mitleidlosen Gesellschaft voller Armut, Gewalt und Vorurteile. Melchor stellt in den Kapiteln immer eine neue Person in der Mittelpunkt und berichtet aus ihrer Perspektive. Dabei tauchen weitere Figuren auf, die dann im nächsten Kapitel im Vordergrund stehen. So schält sich nach und nach ein Gesamtbild heraus.

Die Geschichten aus La Matosa handeln von äußerst präkeren Verhältnissen, von Eifersucht, Neid und Missgunst innerhalb der Familie, von herumhurenden Männern, vom Missbrauch von Minderjährigen, von Aberglauben, von Alkohol- und Drogenexzessen und Gewalt gegen Homosexuelle und Frauen. Sie sind immer sehr direkt und intim, teilweise obszön. Melchor erzählt die Geschichten in einem rasenden, atemlosen Ton; reiht Satz um Satz aneinander, ohne Absatz, mit einer Vielzahl an Kommas und Semikolons. Es entsteht dadurch eine Art Wutrede über die beschriebenen gesellschaftlichen Verhältnisse. Saison der Wirbelstürme ist ein Buch, der dem Leser einiges abfordert, bei dem man allerdings auch beeindruckt feststellt, dass man einen solchen Roman mit dieser Wucht nur selten liest.

Antonio Ortuño | Die Verschwundenen

Aurelio, genannt Yeyo, Blanco kommt aus dem Gefängnis frei, in dem er fünfzehn Jahre Haft abgesessen hat. Blanco war damals der Sündenbock, der als Buchhalter die Unregelmäßigkeiten bei einem Immobiliengeschäft für seinen Schwiegervater Don Carlos Flores auf sich genommen hat, um das Geschäft und das Wohl der Familie nicht zu gefährden. Seine Frau hat sich scheiden lassen, seine Tochter hat er zuletzt gesehen, als sie fünf Jahre alt war. Sein Anwalt warnt ihn, dass Flores ihn womöglich beseitigen will, wenn er frei kommt, um einen Mitwisser loszuwerden. Doch Blanco will seinen ihm zustehenden Anteil einfordern und begibt sich auf Konfrontationskurs.

„Ich brauche wieder deine Hilfe, mein Junge. Noch ein Mal. […] Wir haben dir Alicia gegeben, die wir mehr als alles auf der Welt lieben. Merkst du was? Es ist ein ewiges Geben und Nehmen. Wir sind eine Familie.“ Und Yeyo, der jeden Morgen mit dem Gefühl aufstand, er verdiene das gute, unbeschwerte, fantastische Leben, das er führte, eigentlich gar nicht, sagte Ja, bevor er wusste, was von ihm erwartet wurde. Sein Ja kostete ihn fünfzehn Jahre Gefängnis. (Seite 159)

Blanco ist eigentlich ein eher zurückgezogener, besonnener Mann, der als Kind auf dem Grundstück der Flores gewohnt hat und schon früh als Handlanger engagiert wurde. Später wurde er auch von der etwas älteren Alicia verführt. Er zeigt wenig eigenen Antrieb, lässt sich bereitwillig einspannen und ist schließlich derjenige, der in verschiedenen Situationen die Ehre der Familie retten soll und dies auch beinahe devot erfüllt. Selbst als er im Gefängnis geschieden wird und ihm seine Tochter vorenthalten wird, behält er eine gewisse Resthoffnung und legt sich sogar ein Enthaltsamkeitsgelübde auf, für das er von allen Seiten verspottet wird, wie er irgendwann feststellt. Doch sein Gefängnisaufenthalt endet etwas plötzlich kurz vor Heiligabend. Seine Familie hat erst später mit seiner Freilassung gerechnet. Blanco will nicht mehr nur derjenige sein, mit dem alles gemacht werden kann, sondern selbst agieren. So kommt es letztlich zu einer Familienzusammenkunft als Showdown an Heiligabend.

Die Entlassung aus dem Gefängnis und die Annäherung an die Familie bilden den Hauptteil der Geschichte, immer wieder unterbrochen von Rückblicken in die Vergangenheit. Dort beleuchtet der Autor, wie es zu dieser Familienkonstellation kam und löst auch auf, was mit dem (deutschen) Titel gemeint ist. Bauunternehmer Don Carlos hatte den Plan für eine exklusive Wohnsiedlung mit dem Namen „Olinka“, basierend auf Ideen eines utopistisch-esoterischen Künstlers. Genug Geld aus illegalen Kanälen war vorhanden, doch der Grund und Boden für Olinka ließ sich nicht so einfach beschaffen, gab es an dieser Stelle eine kleine Siedlung von sozial Schwachen. Doch Don Carlos war zu einigem bereit, um sich diese Grundstücke anzueignen und das hatte Auswirkungen, für die ganze Familie Flores.

Die Verschwundenen ist ein clever konstruierter Roman, der allerdings im Mittelteil ein wenig schleppend verläuft. Über weite Strecken verzichtet der Autor auf konventionelle Spannungselemente, sondern erzählt relativ nüchtern. Ortuño wirft einen scharfen Blick in die Mitte der mexikanischen Gesellschaft, mal abseits von Drogen oder Flüchtlingen, aber natürlich im Spannungsverhältnis von arm und reich, konkret am Beispiel von Guadalajara, der Heimatstadt des Autors. Der Roman zeigt die alltägliche Korruption, planlose Stadtentwicklung, Gier nach Geld und Macht sowie staatlich gedeckte Ausbeuterei und Gewalt. Doch wie es oft so ist, richten sich diese Dinge letztlich gegen die Familie des skrupellosen Bauunternehmers und der Leser wohnt mehr oder weniger einer Familientragödie bei.

 

Rezensionen und Fotos von Gunnar Wolters.

Saison der Wirbelstürme | Erschienen am 14. März 2019 im Verlag Klaus Wagenbach
ISBN: 978-3-803-13307-6
240 Seiten | 22.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: gesellschaftskritischer Roman
Wertung: 3.0 von 5.0

Die Verschwundenen | Erschienen am 6. März 2019 im Verlag Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-95614-285-7
256 Seiten | 20.- Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Genre: gesellschaftskritischer Krimi
Wertung: 3.5 von 5.0

Weiterlesen: Juan Villoro „Der rote Teppich“, erstmals erschienen in Le Monde diplomatique (November 2008), aktuell in: Edition Le Monde diplomatique: Mittelamerika. Zwischen Panamakanal und Río Bravo.

Nikos Milonás | Kretische Feindschaft

Nikos Milonás | Kretische Feindschaft

Wenn der Sommer vor der Tür steht, haben Urlaubskrimis bei deutschen Lesern Konjunktur. Sie bedienen Sehnsüchte. Sei es, weil die Handlung am zukünftigen Urlaubsziel verortet ist, oder man Erinnerungen an Gegenden zurückholen möchte, in denen man bereits schöne Urlaubstage verbracht hat. Mittlerweile deckt dieses Genre fast alle europäischen Urlaubsziele ab, in der Regel von deutschen Autoren unter jeweiligem landestypischen Pseudonym geschrieben. Ein cleverer Schachzug, soll dies doch suggerieren, dass hier jemand schreibt, der Land und Leute wie seine Westentasche kennt.

In diese Kategorie fällt auch Nikos Milonás, wobei dies das offene Pseudonym des Fernsehschaffenden Frank D. Müller ist. Dieser ist Kreta-Fan und schließt mit seinem Erstling Kretische Feindschaft eine Lücke, denn die griechische Insel war bisher ein weißer Fleck auf der Karte der Urlaubskrimis.

Ausgangspunkt der Handlung ist der vermisste Bürgermeister von Kolymbari. Und da die Polizei vor Ort offenbar weder willens noch in der Lage ist, sich angemessen und engagiert um den Fall zu kümmern, werden Michalis Charisteas und sein Kollege Koronaios (beide Mordkommission Chania) auf Anweisung des Gouverneurs mit dem Fall betraut. Der Vermisste wird gefunden, tot. Offenbar ist er mit seinem Auto von der Straße abgekommen und einen Abhang hinabgestürzt. Fall abgeschlossen, obwohl Michalis große Zweifel an der Version der Kollegen aus Kolymbari hat, weshalb er die Ermittlungen auf eigene Faust und entgegen jeder Anweisung weiterführt. Und schnell wird ihm klar, dass dieser Fall weitaus komplexer als angenommen ist und weit in die Vergangenheit reicht.

Keine Frage, die Story ist spannend und schlüssig aufgebaut, überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen. Hier gibt es nichts zu meckern, auch wenn mir zum Ende hin die eine oder andere Erklärung/ Motivation nicht schlüssig erscheint und eher lapidar in einem Nebensatz oder gar nicht abgehandelt wird.

Die Personen haben Potenzial, wobei hier Michalis Kollege Koronaios wesentlich interessanter und mit mehr Konturen als dieser daherkommt. Die Love-Story zwischen Michalis und seiner deutschen Freundin Hannah ist unaufdringlich, hätte ich jetzt aber nicht unbedingt benötigt. Sie dient letztendlich nur dazu, die Gegensätze zwischen Kretern und Deutschen aufzuzeigen. Und damit habe ich meine Probleme, denn damit werden Vorurteile zementiert. Kretischer Schlendrian, Mauscheleien in Behörden, Vorteilnahme im Amt…und…und…und.

Chania und Umgebung als Handlungsorte, speziell die Nordküste, scheint mir nicht die beste Wahl, da dieser Teil der Insel mittlerweile viel von seinem Charme und seiner Ursprünglichkeit verloren hat. Was Kreta wirklich ausmacht, findet man eher in den abgelegenen Gegenden.

Der Autor arbeitet in seinen Beschreibungen mit sehr vielen Stereotypen, ganz so, wie der deutsche Urlauber sich die Insel und ihre Menschen vorstellt: der venezianische Hafen (zugegeben, der ist wunderschön), Meeresrauschen, Olivenhaine, wilden Thymian, Orangenbäume und, weil jeder Kreta-Urlauber zum Schluchtenwandern dorthin möchte, die Samaria. Die Kreter trinken jede Menge Frappé, Ellinikós und Raki und essen die köstlichen Gerichte ihrer Heimat (hier bekommt der deutsche Leser natürlich die Übersetzung geliefert) rauf und runter. Ein bisschen zu viel von allem, aber dennoch unterhaltsam mit guten Ansätzen.

Wie es scheint ist Kretische Feindschaft der Auftakt einer Reihe mit Michalis Charisteas, dessen Entwicklung, gerade wenn man Kreta kennt und liebt, im Auge behalten sollte. Luft nach oben ist allemal. Und vielleicht gibt es ja auch einmal einen Ausflug in die kretisch-deutsche Geschichte. Ein Verhältnis, das jede Menge Krimistoff bietet.

 

Wir bedanken uns für diese schöne Gastrezension und das Foto bei Elke Heid-Paulus. Weitere Rezensionen von Elke findet ihr auf ihrem Instagram-Account satzbehaelter.

Kretische Feindschaft | Erschienen am 17. April 2019 bei Scherz im Fischer Verlag
ISBN 978-3-651-02580-6
400 Seiten | 14.99 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Judith Winter | Finsterwald

Judith Winter | Finsterwald

„Und das stimmte! Trotz aller Strapazen fühlte sich Em mit einem Mal hellwach und so frisch, als sei sie gerade erst aus der Dusche gestiegen. Endlich gab es sie, die heiß ersehnte Spur! Endlich hatten sie etwas, wo sie ansetzen konnten! Endlich…“ (Auszug Seite 444)

In einem abgelegenen Wald wird eine ermordete Prostituierte gefunden. Emilia Capelli und Mai Zhou haben noch gar nicht ganz mit den Ermittlungen dazu begonnen, als es eine zweite Tote gibt: Eine Lehrerin, die in ihrem Bett erstochen wurde. Das auffällige an dem zweiten Opfer ist, dass der Mörder ein Zeichen auf ihrem Bauch hinterlassen hat, das zu einer Mordserie gehörte, deren Täter seit vielen Jahren verurteilt und auch immer noch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist. Ein Nachahmungstäter? Und gehören beide Morde zusammen, obwohl sie so unterschiedlich sind?

Das vierte Buch der Serie

„Finsterwald“ von Judith Winter ist der vierte Fall der Ermittlerinnen Capelli und Zhou. In dieser Reihe ist es das erste Buch, das ich lese und man kann problemlos mittendrin starten. Auf die vorangegangen Fälle wird in dieser Geschichte nur minimal eingegangen und der Leser benötigt keine „Vorkenntnisse“, denn der Fall ist in sich abgeschlossen.

Wissensvorsprung für den Leser

Die Geschichte liest sich sehr flüssig und ist in Kapitel und kurze Unterkapitel gegliedert. In den ersten zwei Dritteln des Buches geht es hauptsächlich um die klassische Ermittlungsarbeit, also Zeugenbefragungen, Recherche und Zusammenhänge erkennen und herstellen. Dabei kommen aber nicht nur die beiden Protagonisten und ihr Team zu Wort, sondern immer wieder gibt es auch Kapitel aus Sicht von Opfern und Tätern, was dem Leser einen Wissensvorsprung verschafft und die Handlung zusätzlich spannend macht.

Lange kein roter Faden

Im Grunde tappen Capelli und Zhou ziemlich lange sehr im Dunkeln und die einzige Verbindung ist, dass unmöglich zwei so brutale Morde in so kurzer Zeit ohne Zusammenhang sein können. Ansonsten finden die beiden noch eine Tat in den Akten, die auch dazu passen könnte und es gibt einen zusätzlichen Vermisstenfall. Alles hat scheinbar nichts miteinander zu tun, es gibt keine Parallelen, außer dass es sich bei allen Opfern um brünette Frauen handelt. Ich habe mich wirklich lange gefragt, wo hier der rote Faden zu finden sein soll und wie sich die Ermittlungen am Ende auflösen, aber auf den letzten einhundert Seiten gibt es dann endlich den entscheidenden Hinweis und auch mir ging gemeinsam mit den Kriminalhauptkommissarinnen ein Licht auf.

Zwei unterschiedliche Kommissarinnen

Zhou und Capelli sind grundverschieden, arbeiten aber sehr gut miteinander, was laut Kontext allerdings nicht immer der Fall war. Mai Zhou ist Halbchinesin, hat einen Freund, von dem sie sich aber selbst nicht ganz sicher ist, dass sie ihm wirklich so viel Platz in ihrem Leben gewähren will, macht Karate und Ballett und ist in ihrer Arbeitsweise akribisch gründlich. Emilia Capelli hat italienisch-sizilianische Wurzeln und ist entsprechend temperamentvoll und aufbrausend. Beide Charaktere werden aber nicht bis zur Vollendung stilisiert, bei Befragungen beispielsweise kommt es eher unterschwellig zum Vorschein. Aus dem Privatleben der beiden Protagonisten wird auch nicht übermäßig viel preisgegeben, es wird eher etwas angerissen, was dann in sich aber nicht abgeschlossen ist und vielleicht im nächsten Buch weiter geschildert wird. Ich bin ehrlich gesagt mit beiden nicht so richtig warm geworden, was meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tat.

Fazit: Ein gut zu lesender und gerade zum Ende hin wirklich packender Thriller mit nicht ganz so sympathischen Ermittlerinnen.

Judith Winter, 1969 in Frankfurt am Main geboren, studierte Germanistik und Psychologie in Berlin und Wien und arbeitete viele Jahre in einem renommierten wissenschaftlichen Institut, bevor sie sich selbständig machte. Nach Aufenthalten in Mailand und Paris lebt sie heute mit ihrer Familie in Konstanz.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

Finsterwald | Erschienen am 31. Januar 2019 bei dtv
ISBN 978-3-423-21748-4
496 Seiten | 9.95 Euro
Bibliografische Angaben & Leseprobe

Anmerkung: Wir verlinken in jeder Rezension auf die Verlagsseite zu dem jeweiligen Titel und zu den Autoreninformationen. Leider scheint der Titel schon jetzt (1. Mai 2019) nicht mehr beim Verlag gelistet zu sein, denn wir bekamen nur den Hinweis, der Titel sei nicht mehr lieferbar.